Leben auf der Balkanroute: Camp Lipa wird zur Anlaufstelle

Sie nennen es „Game“. Gewinner des „Spiels“ auf der Balkanroute ist, wer es über die EU-Grenze schafft. Hauptsache ist, nicht von der kroatischen Grenzpolizei erwischt zu werden, die im Umgang mit illegalen Migranten nicht zimperlich ist.

6.08.2024 Sulaiman Wilms 4 Min. Lesezeit
balkan migration

Foto: Ajdin Kamber, Shutterstock

(KNA). Flüchtlingscamp Lipa in Bosnien-Herzigowina, sieben Kilometer vor der Schengengrenze entfernt: In einem Schiffscontainer, der zum Friseurladen umfunktioniert wurde, wartet Warren auf einen Haarschnitt. Viermal hat der 20-Jährige aus Ghana bereits versucht, die grüne Grenze zu Kroatien zu überqueren. Immer wurde er erwischt. Von Markus Schönherr

Weshalb er seine als politisch stabil geltende Heimat verließ, um mit dem Flieger über Dubai nach Albanien und schließlich zu Fuß nach Montenegro und Bosnien zu gelangen? „Weil die Verwaltung versagt. Es gibt keine Jobs, die Krankenhäuser und Schulen sind schlecht. Es gibt keine Zukunft.“ Warren träumt davon, als Lkw-Fahrer in Italien zu arbeiten, sein Bruder sei schon dort. Dafür will er das „Game“, wie er die illegale Einreise in die EU nennt, auch ein fünftes Mal wagen.

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