Humor mit Melancholie (2): Notizen zur Yunani-Medizin
In Ländern wie Afghanistan, Pakistan, Indien und Bangladesch fungiert die Yunani-Medizin als ein muslimisches Äquivalent zur mehr hinduistisch beeinflussten ayurvedischen Heilkunst sowie als Konkurrenz zum gleichfalls beliebten homöopathischen System. Sie setzt das Erbe von Hippokrates, Galen und Avicenna in ihrer praktischen Arbeit direkt bis zum heutigen Tage fort. Bis heute konsultieren viele ihrer Heiler häufig […]
29.09.2022 .Redaktion 7 Min. Lesezeit
Foto: Freepik.com
In Ländern wie Afghanistan, Pakistan, Indien und Bangladesch fungiert die Yunani-Medizin als ein muslimisches Äquivalent zur mehr hinduistisch beeinflussten ayurvedischen Heilkunst sowie als Konkurrenz zum gleichfalls beliebten homöopathischen System. Sie setzt das Erbe von Hippokrates, Galen und Avicenna in ihrer praktischen Arbeit direkt bis zum heutigen Tage fort. Bis heute konsultieren viele ihrer Heiler häufig Ibn Sinas „Kanon“ für die konkrete Anwendung zu Rate. Jahrhundertelang koexistierten Yunani-Medizin und Ayurveda nebeneinander. Im Laufe der Zeit glichen sich beide Systeme immer mehr einander an. Von Leyla Jagiella
(iz). Gelegentlich wird diese Ähnlichkeit heute zum Objekt nationalistischer Gefühle. Hindunationalisten verneinen oft, die Yunani-Medizin habe zu viel von Ayurveda übernommen und möchten die letztere als wahren Ursprung für alles Medizinwissen betrachten. Tatsächlich lassen sich in Schriften und Methoden von Yunani-Praktikern viele Anleihen aus der Ayurveda-Medizin finden. Die Verbindung zwischen beiden Heilmethoden könnte dabei auf Zeiten zurückgehen, die lange vor der islamischen Periode lagen: Die Dosha-Theorie, auf der Ayurveda beruht, hat so viele starke Parallelen zur griechisch-römischen Humoral-Pathologie, dass einige Gelehrte spekulierten, sie habe ihren Ursprung in indo-griechischen Königreichen, die Teile des heutigen Afghanistans, Pakistan und Nordindiens in der Zeit zwischen den Taten Alexander des Großen und dem Beginn unserer Zeitrechnung regierten.
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