Die Ideologie der Grenzen

In der Welt der Gegensätze sind Sachdebatten eher selten. Dagegen haben extreme Feindbilder und der Ruf nach neuen Grenzen wieder Konjunktur.

23.07.2024 Abu Bakr Rieger 7 Min. Lesezeit
grenzen

Foto: ThePhotoFab, Shutterstock

(iz). Am Anfang der 1990er herrschte große Euphorie in Europa. Der Konflikt zwischen den kommunistischen und kapitalistischen Systemen schien eindeutig entschieden, in Deutschland fiel die Mauer, die Sowjetunion brach auseinander.

Es war vom Sieg der Demokratie, dem Triumph des Liberalismus und von der Revanche der Menschenrechte die Rede. Kurz nach der Wende schrieb Jean Christophe Rufin (1991) ein bemerkenswertes Buch über die politische Lage: „Das Reich und die neuen Barbaren“. Seine Thesen störten das Bild von Harmonie und bezweifelten die Theorien rund um das Ende der Geschichte.

Feindbilder und der Ruf nach Grenzen

Der Schriftsteller wagte zunächst einen kühnen Vergleich: 146 vor Christus schleiften die Römer die Mauern von Karthago und 1989 brach das Reich des real existierenden Sozialismus auseinander. „Was wird Rom ohne seine Feinde sein?“, spöttelte Cato nach der Zerstörung Kathargos. Die Römer fanden damals rasch eine neue Ideologie: Wir sind wir! Es ist kein Zufall, dass heute wieder das Problem der Identitätspolitik erscheint.

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