Muslimmehrheitsstaaten wie die Türkei, Indonesien und Bangladesch sind staatsrechtlich gesehen säkulare Demokratien, die von westlichen Kommentatoren oft als Beispiele für „tolerante” Islaminterpretationen gelobt werden. Dabei basieren solche Faux-Komplimente auf dem alten rassistischen Vorurteil, Islam und Moderne seien unvereinbar. Der Begriff „Islamisierung“ (wenn er nicht als rassistischer Kampfbegriff verwendet wird) meint allgemein einen Prozess wachsender Religiosität […]
Muslimmehrheitsstaaten wie die Türkei, Indonesien und Bangladesch sind staatsrechtlich gesehen säkulare Demokratien, die von westlichen Kommentatoren oft als Beispiele für „tolerante” Islaminterpretationen gelobt werden. Dabei basieren solche Faux-Komplimente auf dem alten rassistischen Vorurteil, Islam und Moderne seien unvereinbar.
Der Begriff „Islamisierung“ (wenn er nicht als rassistischer Kampfbegriff verwendet wird) meint allgemein einen Prozess wachsender Religiosität in einer Sphäre (Gesellschaft, Staat), die vorher frei von selbigem war.
(iz). Dies ist sowohl in der Türkei, als auch in Indonesien, dem flächenmäßig größten muslimischen Land der Erde, und Bangladesch, das sich 1971 in einem blutigen Unabhängigkeitskrieg von Pakistan löste (in jenen Staaten, denen eine Islamisierung ihres Staates und/oder ihrer Gesellschaft unterstellt wird), nicht zwangsläufig der Fall. Denn alle drei Länder sind seit ihrer Gründung nicht nur demographische Muslimmehrheitsstaaten, sondern sind zum Zeitpunkt ihrer jeweiligen Staatsgründung auch Staaten mit einer mehrheitlich orthopraxen Bevölkerung gewesen.
Soll heißen: Die Mehrheit der muslimischen Bevölkerungen dieser Staaten hat schon lange vorher in irgendeiner Form die Rituale und Bräuche ihrer Religion praktiziert. Das Neue daran ist, dass sich zum einen der Grad der Orthopraxie geändert hat (Menschen sind nicht religiös geworden, sondern religiöser). Zum anderen gilt das für den Ort (nicht nur im Privaten, sondern verstärkt in der öffentlichen Sphäre wird Glaube heute gezeigt und gelebt).
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