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Muslimische Erziehung braucht Barmherzigkeit

Erziehung Familie

Thema Erziehung: Aminah Salaho ist Erziehungsberaterin und Trainerin für muslimische Familien. Aus Erfahrung weiß sie, wie wichtig Barmherzigkeit und Kommunikation sind.

(iz). Aminah Salaho ist 41 Jahre alt, Mutter von drei Kindern. Sie stammt aus Hamburg, ist hier geboren und aufgewachsen. Sie ist ehemalige Lehrerin und Erziehungsberaterin, die mit ihrem Projekt Rahma Family insbesondere muslimische Familien im deutschsprachigen Raum in Fragen von Resilienz, Erziehung und Konfliktumgang begleitet.

Sie hat ihren Lehrerjob vor kurzem an den Nagel gehängt, um sich mit ihrem Projekt Rahma Family voll und ganz der Begleitung muslimischer Familien im deutschsprachigen Raum zu widmen und sie in Fragen von Resilienz, Erziehung und Konfliktumgang zu begleiten.

Mit ihr führten wir ein längeres Hintergrundgespräch (in voller Länge auf unserem YouTube-Kanal) über ihre Motive, die Lage in muslimischen Familien, den Umgang mit Spannungen sowie die Bedeutung von Barmherzigkeit.

„Viel Arbeit vor uns in Sachen Konfliktfähigkeit“

Islamische Zeitung: Liebe Aminah Salaho, könnten sie ihre Arbeit kurz vorstellen?

Aminah Salaho: Ich war bis vor kurzem Lehrerin und habe mich währenddessen im Bereich Resilienztraining selbständig gemacht – mit Fokus auf muslimischen Kindern.

Dabei ist mir aufgefallen, dass wir bspw. in punkto Konfliktfähigkeit viel Arbeit vor uns haben. Es fängt mit Eltern an. Wenn ich mit den Kindern Konflikttrainings mache – wobei das prophetische Vorbild mit in die Arbeit eingewoben ist –, fällt auf, dass sie nach der Rückkehr in ihr Umfeld wieder in alte Verhaltensweisen zurückfallen.

So habe ich mich dann für eine nachhaltigere Zielgruppe für diesen Präventionsansatz entschieden – wenn es um Konflikte und Erziehung geht: Wir müssen in die Elternhäuser gehen und die Erziehungsverantwortlichen, die Eltern, erreichen.

So ergab sich, dass ich vor vier Jahren in die Erziehungsberatung für muslimische Familien gegangen bin. Mit dieser Zielsetzung habe ich eine Lernplattform (Rahma Family Club) für muslimische Eltern auf die Beine gestellt.

Insbesondere begleite ich Mütter – im Ausnahmefall Paare – in Erziehungsfragen, biete Kurse zur islamischen Erziehung und zur Resilienzförderung für Mütter an.

„Kinder brauchen keine Robotereltern, die immer alles richtig machen“

Islamische Zeitung: Auf Ihrer Seite beschreiben Sie Ihre Angebote. Ich bin auf einen Satz gestoßen, wonach Sie diesen Familien helfen wollen, eigene Stärken zu entdecken und zu kultivieren. Was ist das Besondere dabei? Und wo sehen Sie bei dieser Gruppe Nachholbedarf?

Aminah Salaho: Familien sind der erste Ort, an dem Bindung und Prägung stattfinden. Was Kinder hier erleben, wird zur inneren Landkarte eines Menschen. Je früher Erfahrungen gemacht werden, desto tiefgreifender sind sie. Daraus folgt, dass ich im Bereich der Prävention arbeite.

In der Islamischen Arbeitsgemeinschaft für Sozial- und Erziehungsberufe (IASE e. V.) bin ich mit muslimischen TherapeutInnen und PadägogInnen verbunden. Wir sagen gerne, dass man daheim in Familien ansetzen sollte, damit die Leute gar nicht erst auf der Couch landen. So vermeidet man eine instabile, destruktive Entwicklung.

Hier müssen wir familiär, im Alltag, bei den Erziehungsmethoden und der elterlichen Haltung anfangen. Da geht es um Konflikt- und Fehlerkultur daheim. Beim Thema innerer Stärke habe ich die Erfahrung in meiner Arbeit gemacht, dass Eltern einfach häufig verunsichert sind, da sie aus unterschiedlichen Systemen kommen.

Wir haben gesellschaftliche und kulturelle Vorstellungen, die dominant sein können. Und eine innere Annahme, eine Art Intuition. Ich beobachte gerne und wiederholt, wie Mütter eine gesunde Gabe haben.

Sie bekommen dann bspw. oft von außen gesagt, das Kind dürfe ihnen nicht auf der Nase herumtanzen: „Sollte es nicht hören, muss es spüren“. Diese Glaubenssätze, die wir alle seit Jahrzehnten kennen und Eltern stark verunsichern.

Hinzukommen kulturelle Vorstellungen und eigene Kindheitserfahrungen, die auch heutige Eltern massiv prägen. Dabei entstehen Unsicherheit und ein gewisser Automatismus. Wenn mein Kind z. B. widerspricht, wird das ein großer Triggerpunkt, den ich mir als Elternteil keinesfalls gefallen lassen darf.

Sollte dann noch die Schwiegermutter sagen, das hätte sich ihr Kind damals nicht erlaubt, geraten wir schnell unter Druck. In solchen Situationen entsteht am Ende Gewalt in unterschiedlicher Form.

Das heißt, ich blicke auf die Anfänge, die Prägungen und versuche, Elternteile zu befähigen, ihnen Sicherheit zu geben sowie sie dabei zu begleiten, Verständnis für sich selbst aufbringen zu können. Hier hilft es den Eltern oft, dass ich selbst den gleichen Prozess mit allen möglichen Höhen und Tiefen durchlaufen bin.

All dies macht den Veränderungsprozess innerhalb der Beratung für viele leichter. Wenn sie sich reflektieren, merken sie, dass sie unter Druck stehen. Der nächste Schritt ist, dass sie herausfinden, was sie selbst und ihr Kind eigentlich brauchen. Es geht darum, sowohl bei sich selbst als auch beim Kind unter die Oberfläche (das Verhalten) ins Innere (Gefühlswelt, Bedürfnisse) zu schauen.

Dies erfordert eine wichtige Fähigkeit: die Selbstreflexion, sein eigenes Verhalten und seine Ursachen retrospektiv zu untersuchen. Dies fördert dann auch die Fähigkeit der Selbstregulation: in kritischen Momenten innezuhalten, nicht aus dem emotionalen Impuls heraus zu handeln. Wer dies schafft zu durchbrechen, wird mit seinem Kind anders umgehen.

Im Zentrum steht dann die Frage: Was kann ich anders machen? Und vor allem: Wie kann ich mich so von Einflüssen isolieren, die auf uns Eltern in unseren Kreisen lasten? Wir kennen die typische Supermarktsituation, bei der sich ein Kind schreiend auf den Boden wirft, weil es ein Schokoladenriegel will. Das ist für alle Elternteile sehr unangenehm. Sofort spürt man, wie alle Blicke auf einen gerichtet sind.

Mein Ziel lautet: Innere Sicherheit durch interne Stärke. Für solche Lagen rate ich Eltern, sie sollen sich vorstellen, sie wären gemeinsam mit ihrem Kind in einer Seifenblase, dabei das Drumherum ausblenden.

Wichtig sind hier nur du und dein Kind sowie eure Bedürfnisse. Einfach ist es nicht, auf der einen Seite konsequent zu bleiben und auf der anderen Seite den kindlichen Frust auszuhalten.

Aber genau darin liegt eine Fehlentwicklung: Anstatt Kinder in ihren Gefühlen zu begleiten, erleben Kinder Ablehnung und Gewalt in unterschiedlichen Ausprägungen, wenn sie aus der Reihe tanzen. Davon müssen wir weg. Und mein Lieblingsargument dagegen ist das prophetische Vorbild.

Unser Prophet begegnete Kindern – auch im Falle von Fehlverhalten – stets mit Geduld, reguliert und auf Augenhöhe. Hierzu gibt es zahlreiche Überlieferungen. Deshalb ist es mein Anliegen, dass wir Eltern zuerst an unserer Haltung arbeiten, um zu Hause Bedingungen zu schaffen, in denen es für die Kinder machbar ist, eine innere Sicherheit aufbauen zu können. Langfristig müssen wir über eine gesunde Psyche sprechen.

Foto: Ashwini Chaudhry, Unsplash

„Väter sind für die Entwicklung des Kindes elementar wichtig“

Islamische Zeitung: Viele Beiträge der letzten Jahre fokussieren sich auf Mütter. Braucht es nicht für gesunde Familien auch ein Augenmerk auf die Väter?

Aminah Salaho: Anfänglich habe ich versucht, auch Männer und Väter zu erreichen – und dabei eine männliche Unterstützung gehabt. Momentan besteht bei mir konkret eine Grenze, da ich allein mit einer Honorarkraft arbeite.

Generell stimme ich zu. Väter sind für die Entwicklung des Kindes elementar wichtig – Söhne wie Töchter. Es ist so, dass insbesondere Jungen sich mit ihnen identifizieren und diese Anerkennung brauchen – genauso wie Töchter auch. Diese Identifikation findet bei männlichen Kindern über ihn statt.

Übrigens gibt es auch sehr aufschlussreiche Studien darüber, dass sich z. B. Abwesenheit von Vätern auf die langfristige Entwicklung negativ auswirkt.

Obwohl derzeit ein Hype um die Aufteilung der Lasten von 50:50 besteht, bin ich hierbei kritisch. Eine abstrakte Zahl hilft im Familienalltag nicht. Im Gegenteil. Sind Frauen zu fordernd, sorgt das eher für Konflikte. Man muss die konkrete Familie und ihre Bedingungen betrachten.

Das sind Fragen wie: Wer arbeitet Vollzeit? Wo ist es praktikabel, dass der Vater oder die Mutter die Kinder bringt bzw. abholt oder Essen zubereitet? Gleichzeitig will ich an dieser Stelle auch nicht unerwähnt lassen, dass es sich einige Väter in der Frage der Aufteilung tendenziell zu leicht machen, indem sie die Erziehungs-verantwortung vollständig der Mutter überlassen. Das ist aus vielerlei Hinsicht problematisch.

Wichtig ist, im Spezifischen auf die familiäre Situation zu schauen, diese Themen zu besprechen und dafür zu sorgen, dass niemand unter zu viel Belastung kollabiert. Da sind wir wiederum beim Punkt der ehelichen Kommunikation, die sich stark auf die Kinder auswirkt.

Wie wir mit Konflikten, Meinungsverschiedenheiten und Fehlern umgehen, färbt stark darauf ab, wie sie – als Geschwister, Freunde oder in der späteren Ehe – agieren.

Hier versuche ich, den Eltern schrittweise zu zeigen, was auf ein Kind, dass in einer Familie groß wird, alles wirkt. Und wie erheblich ihr Einfluss – und ihre Macht – hier ist.

Oft wird das gerne als Machtausübung genossen, aber viel seltener als Verantwortung. Häufig fehlt es Elternteilen an Selbstreflexion, sodass sie nicht merken, wenn sie in einer Stresssituation überreagieren. Es fällt schwer, sich einzugestehen, dass die Art und Weise, wie man eben bspw. mit dem Kind gesprochen hat, unangebracht war.

Ein gewisses Maß an Reibungen und Konflikten sind unumgänglich. Eltern sind nie Roboter, sondern Menschen. Wir sind fehlerbehaftet und keiner perfekt. Das wissen wir als Muslime auch.

Kinder brauchen keine Robotereltern, die immer alles richtig machen. Das würde ihre Widerstandsfähigkeit – die Resilienz, von der wir sprechen – nicht entstehen lassen. Sie wächst erst durch Reibereien.

Es ist ein Hauptaugenmerk meiner Arbeit, sich und das elterliche Verhalten zu reflektieren. Wenn das Kind falsch handelt, ist es unsere Verantwortung, ihm zu zeigen, dass das unangemessen war.

Nur muss ich für eine Verhaltenskorrektur nicht brüllen, geschweige denn schlagen, diskriminieren, beleidigen oder mit den Worten „Du bist nicht mehr mein Sohn/meine Tochter!“ aufs Zimmer verbannen. Da gibt es weitaus nachhaltigere Methoden.

Was zu sehr in den Hintergrund gerät, ist die Beziehung beider Seiten. Es wird stark auf das Verhalten dieses Kindes geguckt, was korrigiert werden soll. Eltern laufen mit einem „Scanner“ durch den Alltag und reagieren alarmiert, sollte es sich danebenbenehmen. Ich bemühe mich, sie dafür zu sensibilisieren, dass eine Bindung nicht nur aus negativer Aufmerksamkeit bestehen kann.

Man stelle sich als Erwachsener vor, der Chef, für den man seit Jahren arbeitet, würde einen jeden Tag nur kritisieren. Das fühlt sich für uns schlimm an. Und ein Kind hat ja nochmal eine ganz andere Bindung zum Elternteil. Als reifer, erwachsener Mensch kann man sich i.d.R. innerlich distanzieren.

Aber ein Kind ist abhängig von der elterlichen Meinung, der Laune, dem Wohlwollen und ihrer Liebe. Wie sollte es bei rein negativer elterlicher Aufmerksamkeit die Erfahrung machen, dass es gut ist? Elternschaft beginnt immer bei Eltern, nicht erst mit den Kindern.

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Foto: Seventyfour, Adobe Stock

„Eine starke Zunahme in den vergangenen Jahren“

Islamische Zeitung: Auf Ihrer Website sprechen Sie von vermehrten psychischen Krankheiten. Um welche handelt es sich und was sind Folgen für Familien?

Aminah Salaho: Deutschlandweit haben immer mehr Kinder und Jugendliche nachweislich psychische Störungen. Angststörungen sind hier führend. Da gibt es eine starke Zunahme in den vergangenen Jahren. Direkt auf dem 2. Platz folgen Depressionen.

Was wir ebenfalls beobachten, und Lehrer bestätigen, sind Schwierigkeiten im sozial-emotionalen Bereich.

Das heißt, wir erfahren in den letzten Jahren, dass die emotionale Sphäre bei Kindern immer schlechter entwickelt ist. Das sind vor allem jene, die sich nicht altersangemessen regulieren können. Sie können Konflikte nicht gut austragen und fahren schnell aus der Haut.

Als von Angststörungen Betroffene hat mir geholfen, zu erfahren, wie Angststörungen bei mir persönlich entstanden sind. Im Idealfall reflektiert man sich und fragt, wieso mich dieses oder jenes momentan so intensiv beschäftigt. Warum sieht man schnell die Gefahren und das mit einer Lupe?

Die Arbeit hat viel mit mir und meiner eigenen Geschichte zu tun. In meiner Masterarbeit habe ich mich erstmals mit Traumata beschäftigt. Und bin dabei auf das Thema posttraumatische Belastungsstörung gestoßen. Ich habe in zwei literarischen Werken Menschen verglichen, die mit Erinnerungskultur und Kriegstraumata im Zuge der Kolonialgeschichte zu tun hatten.

Und stellte beim Lesen fest: Das kommt dir alles bekannt vor. Dann habe ich das innerhalb der Familie besprochen und das war der Startschuss. An die Oberfläche wurde das Thema katapultiert, nachdem mein erstes Kind eine chronische Krankheit entwickelt hat. Das hat mir den Boden unter den Füßen weggerissen.

Ich habe mich gefragt, als Muslimin, warum kann ich das nicht akzeptieren, obwohl es von Allah geschrieben ist? Nach dieser Erfahrung habe ich eine Therapie gemacht und konnte dabei die Ursprünge erkennen. Und so mehr Verständnis für mich aufbringen.

Um den Bogen zur Frage zu schlagen – meine eigenen Erlebnisse haben dazu beigetragen, dass ich muslimische Eltern begleiten möchte. Ich habe mich u. a. mit der prophetischen Biografie beschäftigt. Und damit, wie er mit Kindern umging – auch mit ihren Fehlern.

Und dabei festgestellt, dass ich es in meiner Kindheit anders erlebt habe, wie so viele in unserer Generation. In seinem Umgang mit ihnen wird ersichtlich, dass das Kind – selbst im Moment des falschen Handelns – an sich gut ist.

Die Überlieferungen, auf die ich im Rahmen meiner Suche gestoßen bin, haben mich sehr inspiriert, aber auf der anderen Seite wütend gemacht: Weil die Diskrepanz zwischen diesem Vorbild und dem, was in unseren Reihen noch an Erziehungsmethoden praktiziert wird, so groß ist.

Dazu gehören Aussagen wie: „Ja, wenn mein Kind widerspricht, kriegt es eine Klatsche. Der muss Respekt lernen.“ Solche Ansichten sind immer noch stark verwurzelt. Auch deshalb tue ich, was ich tue.

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Foto: Tinnakorn, Shutterstock

„Es gibt gravierende Unterschiede in spezifischer Hinsicht, was Erziehungsmethoden und Haltungen angeht“

Islamische Zeitung: Um hier anzuknüpfen – es gibt nicht eine Form der muslimischen Familie. Das ganze Spektrum reicht von konvertierten Elternteilen, über die Nachkommen der „Gastarbeiter“ in der 4. Generation bis zu jenen, die erst seit wenigen Jahren hier sind. Wie relevant ist das Thema Gewalt?

Aminah Salaho: Ich kann keine Statistik zitieren, wie es hierbei in muslimischen Familien aussieht. Sondern nur wiedergeben, was ich an Berichten bekomme und in meinem Umfeld beobachte.

Ich möchte positiv starten. Es ist mir wichtig, die Menschen zu motivieren, die das lesen. Es gibt eine gute Entwicklung und Tendenz. Das Bewusstsein für die weitreichenden negativen Auswirkungen von Gewalt steigt.

Die Resultate laufen neben uns, sind nicht beziehungsfähig, oft cholerisch-aggressiv, geschweige denn konfliktfähig oder völlig angepasst und emotional abhängig bis hin zur gänzlichen Selbst-Entfremdung. Und wir sprechen hier nicht nur von physischer Gewalt. Das ist eine Gewaltform, die nicht zu trennen ist von psychischer.

Ein Kind, das durch sein Heranwachsen hinweg geprügelt wird, ist nicht nur körperlich kaputt, sondern auch seelisch. Es herrscht aber auf jeden Fall mehr Bewusstsein dafür, was schädlich ist und was nicht. Wir haben insbesondere in den letzten zwei Jahrzehnten sehr viele Geschwister dazubekommen, die sich im Bereich der (Entwicklungs-)Psychologie, der Erziehungswissenschaft etc. engagieren. Sie bilden sich fort und betreiben Aufklärung. Das ist positiv.

Die Horrorgeschichten, die ich in meiner Kindheit in meinem Umfeld mitbekommen habe, werden meinem subjektiven Eindruck nach weniger. Das könnte auch daran liegen, dass ich im Umfeld besonders mit hier geborenen MuslimInnen in Kontakt stehe. Was am Ende hinter verschlossenen Türen stattfindet, kann niemand sagen.

Bei jenen, die nicht so lange in Deutschland sind, spielen kulturellen Einflüsse eine Rolle. Und ja: Es gibt gravierende Unterschiede in spezifischer Hinsicht, was Erziehungsmethoden und Haltungen angeht. Es ist mir wichtig, dass wir die islamischen Werte mit in die Arbeit einfließen lassen und sie als Ressource annehmen. Unser Prophet hat in keiner Weise Gewalt in der Familie angewandt – nicht einmal in Form von Drohungen.

Im Alltag werden Eltern stark durch kindliches Fehlverhalten getriggert. Das ist teils normal. Entscheidend ist, dass wir so damit umgehen, dass sie nicht gebrochen oder zerstört werden.

Es gibt zwei Hadithe vom Propheten, wie er in solch einem Fall gehandelt hat. Er hat das Kind weder verurteilt, nicht einmal böse angeschaut. Er ist auf sie zugegangen und war offen für sie.

Diese Perspektive ist entwicklungspsychologisch kraftvoll. Wenn wir unser Kind gestresst angucken, empfängt bereits viel. Es hat ausgeprägte Fühler und weiß genau, Mama geht es gerade nicht gut. Wir wissen vom Propheten (Allah segne ihn und schenke ihm Frieden), dass er ihnen gegenüber z. B. immer ein freundliches Gesicht hatte.

Das heißt, er war ein wirklich regulierter Mensch, der in sich sein Verhalten gut kontrollieren konnte.

Wie hat unser Prophet denn kindliches Fehlverhalten korrigiert? Er hat erstmal eine Verbindung hergestellt – auf unterschiedlichen Ebenen, körperlich, durch Gestik, Mimik und Worte, die er gewählt hat. Dann hat er eine Ansage gemacht und abschließend manchmal ein Du’a gesprochen bzw. über den Kopf gestreichelt.

Es wird seinen Grund gehabt haben, dass er weder ein Kind auf die Hand gehauen hat, weil es etwas genommen hat, oder keine beleidigenden Worte aussprach. Er hat es nicht mal ignoriert. Ignorieren ist eine unterschätzte seelische Gewaltform. Wenn wir Liebe und Aufmerksamkeit verweigern, ist das ein gewalttätiger Versuch, es mit allen Mitteln gefügig zu machen.

Foto: Gabe Pierce, Unsplash

„Es beginnt immer bei uns selbst“

Islamische Zeitung: Wie von Ihnen beschrieben, ist Barmherzigkeit nicht nur Kennzeichen des prophetischen Verhaltens gewesen, sondern auch wichtig in der Erziehung. Wie kann man sie hier stärken?

Aminah Salaho: Es beginnt immer bei uns selbst. Jüngeren Menschen, die kleine Kinder haben bzw. frisch verheiratet sind, rate ich, dass sie sich einen Rucksack vorstellen, den sie von ihren Eltern bekommen haben.

Der ist gefüllt mit den Merkmalen der eigenen Erziehungserfahrung. Darin sind Dinge, die einem rückblickend gutgetan oder sie gestärkt haben. Diese gibt man gerne an die eigenen Kinder weiter.

Was möchten wir weitergeben und was nicht? Eine Tabelle mit diesen beiden Seiten schriftlich anfertigen. Damit beginnt es. Jedes Elternteil sollte wissen, wie es im eigenen Rucksack aussieht. Darum sollten wir uns bemühen.

Dann würde ich Eltern, die schon Kinder haben, von Beginn an empfehlen, einen Grundsatz zu Hause zu etablieren: Alle Gefühle sind erlaubt, aber nicht jedes Verhalten. Hier wird es spannend.

Viele in meiner Generation lernten, immer gehorsam zu sein. Ich bspw. kam in die 8. oder 9. Klasse und war nicht in der Lage, eigene Ansichten zu formulieren. Für mich war es normal, dass Meinungen von Eltern vorgegeben wurden

Und ich kam dann in die Schule, wo über verschiedene Themen diskutiert wurde. Ich saß da und dachte: Wieso können die das alle?

Warum sage ich das? Weil wir zu Hause unsere Kinder dahingehend beeinflussen. Dürfen sie eine Meinung haben? Es ist ganz oft so, dass Eltern knallhart Grenzen ziehen und erwarten, dass das mit einem Lächeln angenommen wird.

Völlig unrealistisch. Kinder, die so konditioniert sind, handeln vollkommen angepasst – wie Roboter. Irgendwann, wenn die Pubertät beinahe beendet ist, kompensieren sie das manchmal mit extremen Gegenbeispielen.

Das heißt, ein Kind, das zu Hause stets eingeschüchtert wird, dessen Alltag darin besteht, dass Vater bzw. Mutter schreien oder aggressiv sind, lernt, dass das Zuhause ein alarmierender Ort ist. Das wirkt sich negativ auf das Nervensystem aus. Purer Stress…

Deswegen lernen wir an erster Stelle, Gefühle zuzulassen. Wenn ein Kind wegen der ihm gesetzten Grenze wütend ist, ist das okay. Ich bleibe dabei, aber akzeptiere dieses Gefühl. Und halte aus, sollte es motzen oder die Tür hinter sich zuknallen. Es geht um sämtliche Emotionen – Wut, Angst und Traurigkeit. Diese Dinge sollten wir nicht absprechen und unser Kind in ihnen begleiten.

Barmherzigkeit findet sich besonders stark auch im elterlichen Umgang mit kindlichen Fehlverhalten wieder. Hierzu sage ich den Eltern gern provokativ: Dein Kind steht dem Paradies näher als du. Ein islamisch gesehen wichtiger Fakt, denn vor Eintritt der Reife (Pubertät) werden keine Sünden aufgeschrieben.

Wir hingegen haben diesbezüglich schon ziemlich viel Ballast angesammelt. Warum sage ich das den Eltern? Weil wir mehr Demut in unserer Haltung brauchen. Denn die überhebliche, autoritäre und makellos gespielte Elternrolle ist meinem Verständnis nach nicht vereinbar mit unserem islamischen Verständnis.

Es sollte unsere Aufgabe sein, unsere Kinder in ihrer natürlichen Veranlagung anzunehmen, sie nicht über ihre Fehler zu definieren (und diese noch Wochen, Monate oder Jahre dem Kind nachtragen), es in seinem gesamten Wesen zu sehen, positive Eigenschaften wertzuschätzen und dann erst zu korrigieren.

Das ist der Ansatz, den ich mit der barmherzigen Elternschaft verfolge: Zuerst die Eltern-Kind-Beziehung stärken, bereits dadurch erübrigen sich viele Themen. Und wenn nicht, braucht das Kind durch uns Grenzen, die wir auf barmherzige Weise klar setzen.

Ebenso lege ich Eltern ans Herz, nicht den Fehler zu machen, ihre Kinder vor allen Problemen schützen zu wollen. Wir nehmen ihnen damit die Gelegenheit, Problemlösungskompetenzen zu entwickeln.

Wenn sie ihr Sportzeug vergessen, sollte man es nicht immer mit dem Auto hinterherbringen. Es darf lernen und frustriert sein. Erziehung bedeutet Vorbereitung auf das erwachsene Leben.

Gelegenheiten, in denen sie selbst mit Herausforderungen umgehen müssen, sind wertvoll für die Selbstwirksamkeit. Andernfalls entstehen Dynamiken, die bis ins Erwachsenenalter wirken und die Resilienz langfristig schwächen.

Ich möchte Eltern auch dahingehend motivieren, Religion als spirituelle Ressource zu begreifen. Das passiert zu selten. Glaube spielt oft erst ab dem Punkt eine Rolle, wenn etwas haram ist.

Plötzlich klingen die Alarmglocken und dann kommt die berühmte „Haram-Keule“, wie ich sie gern mit Augenzwinkern nenne. Stattdessen müssen wir frühzeitig mit dem Sinn des Glaubens begleiten.

Er sollte nicht erst eine Rolle spielen, wenn das Kind etwas tun möchte, was aus deiner Sicht nicht mit dem Islam konform ist. Selbst aus psychologischer Perspektive kann Religion eine Ressource sein. Und ein kraftgebendes Element.

Islamische Zeitung: Liebe Aminah Salaho, wir bedanken uns für das Gespräch.

Kontakt: www.rahmafamily.de/rfc-landingpage, instagram.com/aminah.salaho/

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Barmherzigkeit: ein wichtiger Aspekt unserer Lebenspraxis

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Allah ist barmherzig und Sein Gesandter der Prophet der Barmherzigkeit. (iz). Die explizite Beziehung zwischen den Wörtern Islam und Salam (Frieden, Unversehrtheit) wurde in den letzten Jahren häufig hervorgehoben. Es […]

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Verborgene Barmherzigkeit: „Sexualität als Schlüssel zur ehelichen Zufriedenheit“

Sexualität

„Sexualität als Schlüssel zur ehelichen Zufriedenheit“ – eine Kolumne von Magdalena Zidi, Sexualtherapeutin & Sexualpädagogin

(iz). Magdalena, ich bin noch nicht lange verheiratet, aber wenn ich mich so bei den Schwestern umhöre, sagen sie meist, dass Sexualität schmerzhaft und unangenehm ist und ich mich noch mehr auf meine Periode freuen werde, weil ich dann „nicht muss“.

Es ist irgendwie traurig so etwas zu hören. Ich merke, bei mir ist es anders. Ich habe Lust auf Sexualität mit meinem Partner, aber mir wurde gesagt, dass ich als Frau warten soll, bis der Mann den ersten Schritt macht. Aber eigentlich würde ich schon gerne auch mal zeigen, dass ich Lust habe.

Aber das ist doch verpönt. Ich will nicht „billig“ wirken. Und überhaupt – ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung wie ich das besprechen oder angehen soll. Hast du einen Rat?

Sexualität ist eines der schönsten Geschenke, die Allah den Menschen gegeben hat. Und doch ist sie für viele Muslime ein Thema, das von Scham, Unsicherheit oder Schweigen geprägt ist.

Das erlebe ich in meiner Praxis als Sexualtherapeutin täglich. Dabei spricht der Qur’an offen über Nähe, Zärtlichkeit und Lust. In der Ehe ist Intimität nicht nur erlaubt, sondern empfohlen – ja sogar belohnt.

Der Prophet Muhammad sagte, dass selbst der Geschlechtsverkehr zwischen Ehepartnern eine Form der Ṣadaqa ist. Die Gefährten waren überrascht: „O Gesandter Allahs, einer von uns stillt sein Verlangen und bekommt dafür Lohn?“ Der Prophet antwortete: „Seht ihr nicht, dass er, wenn er es auf verbotene Weise tun würde, Sünde bekäme? Ebenso bekommt er, wenn er es auf erlaubte Weise tut, Lohn.“ (Muslim)

Das zeigt uns: Sexualität im Islam ist nicht nur ein körperlicher Akt, sondern auch ein spiritueller. Sie ist Ausdruck von Liebe, Barmherzigkeit und Fürsorge. Allah beschreibt Ehepartner im Qur’an als Kleidung füreinander:

„Sie sind euch ein Kleid, und ihr seid ihnen ein Kleid.“ (Al-Baqara, Sure 2, 187) Kleidung schützt, schmückt, wärmt und gibt Geborgenheit. Genau so soll Intimität sein: ein Raum der Sicherheit und Zärtlichkeit.

Foto: Freepik.com

Sexualität im Islam: Gegenseitigkeit statt Pflichtdenken

Leider sind viele Vorstellungen über Sexualität in unserer Umma von kulturellen Mustern geprägt, die mit Islam wenig zu tun haben. Manchmal wird Sexualität als Pflicht der Frau dargestellt, während die Bedürfnisse der Frau unsichtbar bleiben. Doch der Prophet lehrte uns etwas anderes. Er betonte, dass auch die Frau ein Recht auf Lust, Zuwendung und Erfüllung hat.

Ein oft vergessener, aber entscheidender Teil dieser Lehre ist das Vorspiel. Der Prophet Muhammad, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, sagte: „Keiner von euch soll über seine Frau herfallen wie ein Tier, sondern zwischen ihnen soll ein Bote sein.“ Man fragte: „Und was ist dieser Bote?“ Er antwortete: „Der Kuss und die Worte.“ (Al-Bayhaqi, Shu‘ab Al-Iman, von den Gelehrten als hasan eingestuft)

Diese Worte sind zeitlos: Sie erinnern uns daran, dass viele Frauen „länger“ brauchen, um Lust zu empfinden oder sich wirklich fallen lassen zu können. 

Der weibliche Körper reagiert oft langsamer, und das ist keine „Schwierigkeit“, sondern schlicht Natur. Sexualität darf daher kein Wettlauf sein, sondern ist ein Raum, in dem beide Partner aufeinander eingehen.

Auch im Sahih Muslim finden wir einen Hinweis, dass Männer angehalten sind, nach der Intimität bei ihren Frauen zu verweilen und nicht einfach aufzustehen und zu gehen. Das zeigt: Zärtlichkeit und Fürsorge sind nicht nur Vorbereitung, sondern auch Teil des Nachklangs der Intimität.

Islam unterstreicht damit etwas, was wir aus der Sexualtherapie ebenfalls kennen: Vorspiel und Nachsorge sind kein „Extra“ – sie sind zentral. Sie schaffen Vertrauen, öffnen den Körper für Lust und den Geist für Nähe. Wenn Männer dies verstehen und praktizieren, wird Sexualität für beide Seiten zu einer Quelle von Freude, Geborgenheit und Barmherzigkeit.

Sex worth wanting

In meiner Praxis sind Paare, die ein unterschiedliches Bedürfnis nach Sexualität aufweisen der Klassiker. Eine spannende Frage, die ich dann gerne mit dem Paar analysiere, ist: „Hast du den Sex, den du dir wirklich wünschst?“ und da fängt das Problem meist schon an.

Viele wissen gar nicht, was sie wollen, was sich für ihren Körper lustvoll oder erregend anfühlt. Oft sind auch Skripte oder Ideen aus Filmen (nicht nur Pornos, ich rede auch von Hollywood-Filmen) im Kopf, die uns ein stark verzerrtes Bild von Intimität und Lust zeigen.

In Filmen ist es meist so, dass beide plötzlich die Lust überkommt. Nur mit einem Blick weiß Person A was Person B will – quasi Gedankenübertragung. Und natürlich haben beide auf dasselbe Lust und nach dem gemeinsamen Höhepunkt fallen beide zufrieden ins Bett.

Diese Bilder suggerieren uns: Wenn die Liebe groß genug und die Beziehung gesund ist, dann fällt guter Sex sprichwörtlich vom Himmel. – Aus meiner Praxis kann ich aber sagen, dass das die absoluten Ausnahmen sind. Guter Sex in der Ehe ist lernbar – hat viel mit Vertrauen und vor allem Kommunikation zu tun. 

Ich vergleiche Sex gerne mit Essen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir und unser Ehepartner nicht immer zur gleichen Zeit auf das gleiche Gericht und die gleiche Portionsgröße „Lust“ haben. Na klar – beim Essen muss man sich aber weniger rechtfertigen als bei sexueller Intimität. Dabei können wir von diesem Beispiel vieles lernen.

• Niemand kann wissen, worauf du heute Lust hast – du musst es dem „Kellner“ schon sagen. Auch in der Beziehung ist es nötig, darüber zu sprechen.

• Auch weiß niemand, ob der Zeitpunkt, um zu essen gerade für dich passt. Und oft ist es auch kein reines Ja oder Nein, sondern ein nicht jetzt, oder nur ein bisschen hungrig, aber du hältst es noch aus.

Ein Gamechanger für viele ist nicht die Frage zu stellen: „Hast du jetzt Lust auf Sex?“ sondern zu fragen: „Auf einer Skala von 1-10, wie offen bist du dafür, dass ich versuche dich „in Stimmung zu bringen“?“ Das hat schon vielen Paaren geholfen.

• Nicht jede Position oder Handlung im sexuellen Akt muss bei euch beiden gleichermaßen „Entzücken“ hervorrufen. Oft genügt es, dass es auch okay ist – wie bei Pizza. Am liebsten würde ich Margherita essen, aber Fungi ist auch okay.

Die Frage: „Kann ich dir das gerade aus vollem Herzen geben?“ ist oft sehr hilfreich. Es geht dabei aber nicht darum, über seine Grenzen zu gehen. Bei Schmerzen, Ekel oder verbotenen Handlungen ist klar eine Grenze zu ziehen.

Foto: Azee/peopleimages.com/Adobe

Eine praktische Übung für Paare

Viele Paare merken, dass sich ihre Intimität im Alltagstrott verändert. Nähe geschieht dann oft schnell, zweckmäßig oder gar nicht mehr. Eine einfache Übung kann helfen, wieder Bewusstsein und Zärtlichkeit zurückzubringen und spielerisch zu üben, die eigenen Wünsche zu kommunizieren.

Nehmt euch mindestens eine halbe Stunde Zeit, ohne Ablenkung, ohne Handy. Setzt euch einander gegenüber. Eine Person darf nun der „Boss“ sein und sich Berührung wünschen. Die andere Person spürt nach, ob sie das gerade aus vollem Herzen geben kann und führt die gewünschten Berührungen aus, oder es geht in einen Aushandlungsprozess, was sich für beide gut anfühlen würde. 

Die Person, die nicht „Boss“ ist, führt die gewünschten Berührungen genauso aus ohne selbst etwas hinzuzufügen und hört auch auf, wenn keine weiteren Anweisungen kommen.

Anfangs mag das vielleicht komisch wirken – es lehrt uns aber einiges. Wünsche und Bedürfnisse klar zu äußern, darauf zu vertrauen, dass mein Gegenüber nichts macht, was er oder sie selbst nicht will und auch nichts hinzugefügt wird, was nicht ausdrücklich „erwünscht“ wurde.

Oftmals ist die innere erlernte falsche Scham das, was uns daran hindert unseren Ehepartnern zu sagen, was wir uns sexuell wünschen. Dabei ist dies der einzige Rahmen, wo wir genau diese Wünsche äußern sollen. Ohne dass unser Gegenüber über die eigenen Grenzen geht und Dinge macht, mit denen er oder sie sich selbst unwohl fühlt.

Intimität in einer Ehe muss auf Augenhöhe passieren – und das geht nur, wenn jede und jeder die Verantwortung für die eigenen Bedürfnisse und Handlungen übernimmt. Diese Übung wirkt oft befreiend. Sie nimmt den Druck heraus und schafft einen Raum, in dem man sich wieder spürt – körperlich und emotional.

Reflexionsfragen für Paare

– Wann haben wir uns das letzte Mal Zeit für Zärtlichkeit genommen, ohne dass es sofort zu Geschlechtsverkehr führen musste?

– Weiß ich, was meinem Partner oder meiner Partnerin wirklich Freude bereitet? Habe ich danach gefragt?

– Fühle ich mich in unserer Intimität gleichwertig gesehen – oder gibt es unausgesprochene Erwartungen und Rollenbilder?

– Erlebe ich Sexualität als Verbindung zu Allah – oder habe ich das bisher nie so betrachtet?

– Solche Fragen können im Gespräch zu zweit erstaunlich viel Nähe schaffen.

Sexualität als Gottesdienst

– Ein letzter, oft vergessener Aspekt sei noch erwähnt: Intimität ist nicht nur etwas Zwischenmenschliches, sondern auch ein Raum, in dem wir Allahs Nähe suchen können.

Der Prophet lehrte ein Du‘a, das Muslime vor dem Geschlechtsverkehr sprechen sollen: „Im Namen Allahs. O Allah, halte den Satan von uns fern und halte den Satan fern von dem, was Du uns gewährst.“ (Bukhari und Muslim)

Der Prophet versprach, dass wenn ein Kind aus dieser Intimität entsteht, der Satan ihm keinen Schaden zufügen kann. Ebenso erbitten wir noch mehr Segen für unsere Ehe und das ist nie verkehrt.

Dieses Bittgebet erinnert uns daran: Sexualität im Islam ist nicht bloß privat oder körperlich. Sie ist eingebettet in unsere Beziehung zu Allah. Jedes Mal, wenn Ehepartner sich einander zuwenden, dürfen sie es tun mit dem Bewusstsein: Wir handeln in Seinem Namen, wir bitten um Seinen Schutz, wir vertrauen auf Seine Barmherzigkeit.

Schlussgedanken

Sexualität im Islam ist kein Tabu, kein bloßer Pflichtakt, sondern ein Geschenk. Sie ist Teil von Sakina, Mawadda, Rahma. Sie ist Gottesdienst, Nähe, Freude, Schutz.

Wenn wir lernen, sie als solches zu leben – ohne falsche Scham, ohne Leistungsdruck, ohne Tabuisierung –, dann wird unsere Ehe nicht nur stabiler, sondern auch liebevoller und spirituell erfüllter.

Denn Allah sagt: „Und zu Seinen Zeichen gehört, dass Er für euch aus euch selbst Gattinnen erschuf, damit ihr bei ihnen Ruhe findet, und Er hat zwischen euch Zuneigung und Barmherzigkeit gesetzt. Darin sind wahrlich Zeichen für Leute, die nachdenken.“ (Ar-Rum, Sure 30, 21)

Über die Autorin: Magdalena Zidi ist Sexual- und Traumapädagogin sowie Sexualtherapeutin. Unter dem Namen „sexOlogisch“ begleitet sie Jugendliche, Eltern und Paare in sensiblen Fragen rund um Körper, Intimität und Beziehung einfühlsam und fachlich fundiert – online wie offline. Mehr zu ihrer Arbeit, ihrem Podcast, Instagram-Kanal und Beratungsangebot unter: www.sexologisch.com

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Wie kann man barmherzig leben?

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Essay von Dr. Umar Faruq Abd-Allah über die Notwendigkeit, Barmherzigkeit zum Teil unserer Existenz zu machen. (Nawawi Institute). Die explizite Verbindung zwischen den arabischen Wörtern Islam (wörtlich „Eintritt in den […]

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Laila Massoudi erinnert daran, dass unsere Lebensweise kein schwer beladenes Jammertal ist

(iz). Es gibt eine Überlieferung, in welcher der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, von vielen seiner Gefährten auf einmal nach der Erlaubnis beziehungsweise dem Verbot dieser oder jener Sache befragt wurde. Als er ihren besorgt-erregten Zustand sah, erinnerte er, Allahs Heil und Segen auf ihm, sie mit seinen Worten daran, dass der Din Allahs eine Erleichterung ist. Diese Begebenheit, und das in ihr geborgene Wissen, ist für unsere schwierige Zeit gleich mehrfach von erheblicher Bedeutung und sie ist unserer Erinnerung wert.

Die fortschreitende soziale Atomisierung – auch innerhalb der muslimischen Gemeinschaft – sowie das Abbröckeln tradierter Wege unserer Wissensvermittlung zwischen den Generationen sowie horizontal im Rahmen einer lebendigen sozialen Situation haben bei jüngeren Generationen auch eine gewisse Unsicherheit hervorgerufen. Vor mehr als zehn Jahren war ich in einer türkischen Moschee in Köln zu Besuch. Dort hing im Waschraum ein Schild, eine türkische Schwester hatte es mir vorgelesen, auf dem stand: „Wir haben unser Wudu’/Abdest nicht aus Büchern gelernt, sondern weil wir den Älteren die Wasserkanne während der Waschung gehalten haben.“

In einem gesunden sozialen Rahmen – Eltern wissen aus eigener Erfahrung, wie wichtig es ist, den Kindern ein normales Gefühl der Geborgenheit zu geben – ist der Din unaufgeregte Normalität. Das bedeutet auch, dass alltägliche Fragen, Lebenspraxis und Glaubenswirklichkeit betreffend, auch relativ unaufgeregt abgehandelt werden können. Wir sind in einer solchen Situation von Frauen und Männern umgeben, von denen wir quasi osmotisch lernen können.

Heute ist das oft anders; gerade auch, weil für viele Jüngere das kontextlose Internet einen erheblichen Einfluss bei der Bildung ihrer muslimischen Identität hat. Und so kann es nicht verwundern, wenn tertiäre beziehungsweise banale Fragen auf einmal mit Vokabeln wie „halal“ oder „haram“ aufgeladen werden, und dementsprechend inneren Stress bei den Betroffenen erzeugen.

Nach außen hin, in Richtung unserer Mitwelt, steht unsere Lebensweise oft unter dem einen oder anderen Verdacht. Mit anderen Worten, viele Menschen haben Angst vor dem „Islam“ – oder was sie dafür halten. Hier stehen wir in der Pflicht (von der Not ganz zu schweigen), unseren Nachbarn und Mitmenschen zu zeigen, dass sie vor dem ­Islam keine Angst zu haben brauchen, weil er eine Erleichterung und eine Barmher­zigkeit ist. Oder, wie ein guter Freund es gewohnheitsmäßig formulierte: Die Menschen müssten nicht den Din fürchten, aber sehr wohl Allah, den Herrn der Welten. Um das tun zu können, muss natürlich auch der Wille bei Muslimen vorhanden sein, den Schatz des Islam mit ihren Nachbarn zu teilen…

Um die Erinnerung daran zu erleichtern, dass Allahs Din eine Erleichterung und barmherzig ist, hilft es auch, wenn wir uns vor Augen führen, dass Allah selbst sich Barmherzigkeit vorgeschrieben hat.

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Exklusiv aus der neuen Ausgabe – Schwerpunkt "Wissen": Über das entstehende Studienfach lassen sich noch keine endgültigen Urteile fällen. Von Fauzia Lewandowski & M. Özkan

(iz). Wie kaum ein anderes Vorhaben stand die Erteilung des Islamischen Religionsunterrichts (IRU) an deutschen Schulen und die einhergehende Einrichtung von Lehrstühlen der – noch im Aufbau befindlichen – „Islamischen Theologie“ im Fokus von Gesprächen zwischen Vertre­tern deutscher Muslime und staatlicher Einrichtungen. Zweifelsohne wurden darauf viel Aufmerksamkeit und Energie verwandt. Beide Elemente – der Religionsunterricht und die Universitäten zur Ausbildung der Lehrer – sind verbunden. Nachdem die Politik sich mit dem Gedanken eines islamischen Bekenntnis­unterrichts durch muslimische Religionsgemeinschaften (ein alter Wunsch deutscher Muslime) angefreundet hatte – die Islamkonferenz sprach sich 2008 dafür aus – ergaben sich Folgefragen. Woher sollten die für den IRU notwendi­gen Lehrer kommen? Nach einer Schätzung des Bundesbildungsministerium würden mindestens 2.000 Lehrer für die 320.000 muslimischen Schüler benötigt.

Neues Studienfach
Offenkundig ist die Fortführung des Imports ausländischer Imame und Reli­gionslehrer – die seit Jahrzehnten mehrheitlich gewählte Lösung für die muslimi­schen Gemeinden – nicht im langfristigen Interesse der muslimischen Gemein­schaft in Deutschland. Verfassungsrecht­liche Grundfragen außer Acht lassend, ob bisherige muslimische ­Organisationen den Anforderungen einer Religionsgemeinschaft entsprechen (im Zusammen­hang mit Religionsunterricht nach Art. 7 Abs. 3 Grundgesetz), setzte sich der Vorschlag des Deutschen Wissenschafts­rates zur Einrichtungen von Zentren für eine „Islamische Theologie“ durch. Bis zum heutigen Tage ungeklärt ist die Frage und die konkrete Umsetzung der Beteiligung muslimischer Organisationen beziehungsweise Religionsgemeinschaften. In Folge – und in vergleichsweise hohem Tempo – entstanden fünf Lehreinrichtungen, an denen zukünftige Reli­gionslehrer, Imame und TheologInnen ausgebildet werden sollen.

Die bereits jetzt eingeschriebenen StudentInnen, Graduierten sowie das beteiligte akademi­sche Personal sind so Teil einer sich noch erschaffenden Wissenschaft. Anzumerken sei, dass es in der muslimischen Gemeinschaft bisher wenig Grundsatzde­bat­ten darüber gab, was diese „Theologie“ sein wird, noch in welchem Verhältnis sie zum bisherigen Wissenschafts­kanon des Islam stehen wird oder kann. Die neuen Zentren der „Islamischen Theolo­gie“ geben hierauf keine einheitliche Antwort.

Differenzierung
Es wird aber bereits jetzt klar, dass an den fünf Lehranstalten unterschiedliche Schwerpunkte und Perspektiven prägend sein werden. Ein Stichwort hierfür seien neue ­Konzep­te wie ­“Theologie der Barmherzigkeit“ oder „Theologie der Mitte“. Zusammen mit der jeweils anders gearteten Einbindung muslimischer Organisationen und Repräsentanten dürfte dies zur ihrer weiteren Differenzie­rung beitragen. Errichtet wurden sie an den Universitäten Tübingen, Erlangen-Nürn­berg, Frankfurt am Main (in Kooperation mit Gießen) sowie Münster und Osnabrück (Beide werden im Verwaltungsrahmen als ein „Standort“ geführt. Es gibt eine Kooperation in Form einer ­gemeinsamen ­Jahrestagung und einer gegenseitigen ­Anrechnung von Studienleistungen). Unge­achtet der akademischen Schwerpunktsetzung dienen sie der Lehre der Islamischen Religionslehre und – mit momentaner Ausnahme von Frankfurt und Tübingen – der „Islamischen Religionspädagogik“. Auf Nachfrage ­erklärte ein Dozent in einem der Standorte, dass bei ihnen ca. 2/3 aller eingeschriebenen StudentInnen sich für die Theologie eingeschrieben hätten. In Frankfurt gab es eine Stellenausschreibung für eine Profes­sur der „Islamischen Religionspädagogik“. Tübingen will laut Webseite ab Winter­semester 2013/14 einen Lehramtsstudiengang „Islamische Religionslehre“ anbieten. Beide Fächer sind – im Gegensatz zu bisherigen Studiengängen der Islam- oder Religionswissenschaft – bekenntnisorientiert.

Auch wenn alle fünf universitären Standorte unter der Kategorie „Islamische Theologie“ firmieren, entwickeln sie sich bisher doch mit ­unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Unterschiede beste­hen unter anderem bei der Möglichkeit des Studiums zur Religionspädagogik sowie der darin angebotenen Schulformen.

Des Weiteren hängt das Angebot von Lehr­veranstaltungen auch von der perso­nellen Besetzung beziehungsweise der Menge der eingeschrieben Studenten im jeweiligen Standort ab. So berichtete „Die WELT“ am 16.10.2012, dass sich nur eine Handvoll StudentInnen am Interdisziplinären Zentrum für Islamische Religionslehre (IZIR) in Erlangen-Nürnberg eingeschrieben hätte. Zu diesem Zeitpunkt waren dort nach Angaben des Blattes auch nur zwei von vier Lehrstühlen besetzt. Zentrumsleiter Harun Behr beispielsweise zielt allerdings auch nicht auf die Masse ab: „Wer die Islamisch-Religiösen Studien absolviert hat, ist ohnehin überqualifiziert für den Imamberuf.“

Derzeit wird jeder Standort mit bis zu vier Millionen Euro jährlich durch Bundesmittel gefördert. Hinzu kommen Stiftungen, die auf diesem Gebiet aktiv sind. Beim Osnabrücker IIT beispielsweise bereiten sich einige Doktoranden auf ihre Promotion mit Hilfe der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) vor. In diese Kategorie fällt auch die Maturidi-Studienförderung für Islamisches Denken, die der türkischen DITIB nahesteht. Das bekannteste Beispiel, die Mercator-Stiftung, ihrerseits ist seit der Einführung der „Islamischen Theologie“ mit einem standortübergreifenden Programm im Rahmen ihres Graduiertenkollegs vertreten. Ihre Stipendiaten arbeiten und forschen an den jeweiligen Standorten. Außerdem gibt es eine Kooperation bei der Organisation von Tagungen, Veran­staltungen und Studienreisen. Koordiniert wird dieses Programm von Münster aus. Die Auswahl der Nachwuchswissenschaftler nehmen die Professoren der Standorte zusammen mit einigen Professoren der Islamwissenschaft vor. Da die Graduierten auch als wissenschaftliche Mitarbeiter beziehungsweise Dozenten an der jeweiligen Fakultät eingebunden sind, gestalten sie das Profil ihrer lokalen Lehreinrichtung mit. Zum standortübergreifenden Studienprogramm des Kollegs werden regelmäßig internationale Gastwissenschaftler eingeladen.

Ungeklärte Beteiligung
Noch stellenweise unterschiedlich gehandhabt beziehungsweise auch unklar ist die Einbindung muslimischer Gemeinschaften (in ihrer bisherigen Form als Moscheenorganisationen und Dachverbände) in die Gestaltung der Lehrinhalte von „Islamischer Theologie“ und „Islamischer Religionspädagogik“. „Über die Lehrinhalte (und auch Professuren) bestimmen die Verbände aber nur insofern, dass sie ein Veto einlegen dürfen, wenn konkrete Inhalte/Personen gegen religiöse Grundsätze verstoßen. Die Lehrpläne und Einstellung der Professuren obliegen aber ausschließlich den Universitäten“, meinte ein Insider auf Anfrage der IZ. Insbesondere beim Religionsunterricht ist dies nach Meinung muslimischer Vertreter relevant, weil die Vorgaben des Grundgesetzes („Unbeschadet des staatlichen Aufsichtsrechtes wird der Religionsunterricht in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt.“ Art. 7 Abs. 3) natürlich die Beteiligung einer Religionsgemeinschaft vorsähen. Als Beispiel hierfür mag der nordrhein-westfälische Beirat für den Islamischen Religionsunterricht gelten. „Verfassungsrecht­lich ist jedoch klar, dass die Entscheidungen zu den inhaltli­chen Fragen der Theologien grundsätzlich nur den Religionsgemeinschaften zustehen. Diese gewährleisten durch ihre Mitwirkung, dass das jeweilige Bekenntnis zur Geltung kommt, sind Garant für die Authenzität der Theologie und gewährleisten die Rückkopplung mit der muslimischen Basis in den Moscheegemeinden“, schrieb Engin Karahan vor einigen Wochen. Er ist Referent für Rechtsfragen im Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland.

Karahan und andere verweisen darauf, dass an einigen Standorten diese Mitwir­kung muslimischer Religionsgemeinschaften (die bisher keinen Status im Sinne einer Körperschaft des öffentlichen Rechts inne haben) zwar vorgesehen sei, „jedoch nur in einer abgestuften Version“ gehandhabt werde. Das liege unter anderem daran, da das Modell des Wissenschaftsrates aus dem Jahre 2010 auch „Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens“ als Beiratsmitglieder einschließt.

Umgesetzt wird dieses Modell ­(ähnlich zur Zusammensetzung der Deutschen Islamkonferenz) nur stellenweise an den Standorten Münster und Tübingen, da es hier nur eine begrenzte Beteiligung muslimischer Gemeinschaften gibt. In Tübingen gibt es einen Beirat muslimischer Vertreter, aber nur zwei kommen aus dem organisierten Islam – ein Vertreter der DITIB sowie der bosniakischen IGBD. In Fall Münster kommt hinzu, dass man bisher auf die konstituierende Sitzung des Beirates wartet. In Erlangen-Nürnberg habe man, so Karahan, die Zusammenarbeit mit organisierten Mus­limen bisher verweigert. „Das Zentrum rühmt sich sogar öffentlich damit, die muslimischen Religionsgemeinschaften nicht zu berücksichtigen.“ Dort hat man einen Beirat aus 16 Einzelpersonen gebildet, und die Gemeinschaften umgangen.

Wegen seines Ursprunges als Stiftungs­professur der staatlich-türkischen Diyanet hat sich in Frankfurt kein Beirat konstituiert. Nicht nur Engin Karahan ist der Ansicht, dass es bisher einzig der Standort Osnabrück sei, „der für eine verfassungsrechtlich saubere Gestaltung der Mitwirkung der muslimischen Religionsgemeinschaften gesorgt hat. Dem dortigen Beirat gehören nur Vertreter der muslimischen Gemeinschaften an“.

Offene Fragen
Nicht nur, weil es bisher innerhalb der muslimischen Gemeinschaft an einer inhaltlichen und terminologischen Auseinandersetzung mit dieser akademischen Neuschöpfung fehlte, bleiben Fragen offen. Wie Hermann Horstkotte in der „Süddeutschen Zeitung“ berichtete, wurde ein Kandidat für den Münsteraner Beirat von Universitätsleitung und Bundesministerium abgelehnt. Es wurde gar mit Einstellung der Finanzmittel gedroht. Pikant daran ist, dass der abgelehnte Repräsentant problemlos Mitglied des NRW-Beirates für den Islamischen Religionsunterrichtes ist.

Muslime in Deutschland stellen sich nicht nur deswegen die Frage, inwieweit sie uneingeschränkten Zugang zu einer freien Lehre haben, wie sie bei den großen christlichen Konfessionen Usus ist.