Auf der Weltklimakonferenz in Scharm El-Scheich wollten Politiker, Wissenschaftler und Religionen abermals die Welt retten. Besonders in Asien trifft Klimawandel auf Armut. Die katholische Kirche versucht zu helfen. Von Michael […]
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Auf der Weltklimakonferenz in Scharm El-Scheich wollten Politiker, Wissenschaftler und Religionen abermals die Welt retten. Besonders in Asien trifft Klimawandel auf Armut. Die katholische Kirche versucht zu helfen. Von Michael […]
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Berlin (dpa). Nach Einschätzung des Forschers Ottmar Edenhofer brachte die Klimakonferenz in Ägypten nur mäßige Ergebnisse. „In Scharm el Scheich wurde ein Scheitern verhindert. Es war kein Durchbruch, und es war ein nur sehr, sehr mäßiger Erfolg für das Klima“, sagte der Direktor Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung am Sonntagabend im ZDF-„heute journal“. Er appellierte, den Fokus nicht zu sehr auf Klimakonferenzen zu legen. „Wir sollten uns mit der Zeit dazwischen befassen, und wir sollten jetzt anerkennen, dass wir nicht nur eine Ambitionslücke haben, sondern dass wir eine klaffende Implementierungslücke haben. Und das muss jetzt angepackt werden.“
Dafür gebe es zwar Anstöße aus dieser Konferenz. „Aber die müssen jetzt wirklich ernsthaft umgesetzt werden. Uns läuft die Zeit davon, und wir können es uns nicht erlauben, dass wir also bei jeder Klimakonferenz mit Hoffnungen starten, es käme der große Durchbruch. Und dann endet das Ganze doch wieder mit einer Enttäuschung.“
Die zweiwöchige Klimakonferenz in Ägypten hatte im Kampf gegen den drohenden Klimakollaps nur bei den Finanzhilfen für ärmere Staaten einen echten Fortschritt gebracht. Nach jahrzehntelangen Debatten einigte sich die Klimakonferenz erstmals auf einen gemeinsamen Geldtopf zum Ausgleich von Klimaschäden in ärmeren Ländern. Der neue Ausgleichsfonds soll unabwendbare Folgen der Erderhitzung abfedern – etwa immer häufigere Dürren, Überschwemmungen und Stürme, aber auch der steigende Meeresspiegel und Wüstenbildung. Begünstigt werden sollen Entwicklungsländer, die besonders gefährdet sind.
Edenhofer sagte zu diesem Fonds: „Es ist nicht klar, wer einzahlt. Es ist auch nicht klar, nach welchen Kriterien das Geld verteilt werden soll. Also da ist noch viel zu verhandeln.“ Nun wüssten die Hauptemittenten zwar, dass sie in Zukunft Klimaschäden bezahlen müssten. Damit hätten sie einen Anreiz, Emissionen zu vermeiden. „Aber das ist wirklich, gemessen an dem, was zu tun ist, ein sehr kleiner Schritt.“
Brüssel/Scharm El-Scheich (KNA). Die Klimakonferenz COP27 hat noch keine Einigung erzielt. Ein Kompromissvorschlag der EU für einen Fonds für klimabedingte Schäden und Verluste in armen Ländern habe neue Dynamik in die Verhandlungen gebracht, sagte die umweltpolitische Sprecherin der SPD-Europaabgeordneten, Delara Burkhardt, am Freitag am Tagungsort Scharm El-Scheich. Andere Konferenzbeobachter des EU-Parlaments warfen der EU eine zu schwache Rolle vor. Zudem beanstandeten sie den Umgang der ägyptischen Gastgeber mit Kritik an der Menschenrechtslage.
Laut Burkhardt zeichnete sich am Freitag ab, dass die Abschlusserklärung an dem Ziel festhalten wolle, die globale Erwärmung auf 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau zu beschränken. Positiv wertete sie auch, dass der Schutz der Ökosysteme einbezogen werde. Ohne dies lasse sich das 1,5-Grad-Ziel nicht erreichen.
Peter Liese (CDU), stellvertretender Leiter der Delegation von EU-Parlamentariern bei der Klimakonferenz, gab eine ambivalente Einschätzung. Das Ergebnis in Scharm El-Scheich werde „weit hinter dem zurückbleiben, was nötig ist, um 1,5 Grad zu erreichen oder auch nur in die Nähe zu kommen“. Aber trotz internationaler Konflikte und der Energiekrise, die Anlass zum Scheitern der Konferenz bieten könnten, gebe es „Willen auf allen Seiten, zu einem Ergebnis zu kommen“.
Liese wertete als einen Grund zu Optimismus, dass es „keinen Kollaps des internationalen Prozesses“ gebe. Auch die Interaktion zwischen China und den USA habe sich in der vergangenen Woche „dramatisch verbessert“. Seitens der EU gebe es „Druck auf mehr Ambition“, Offenheit in der Frage von Ausgleichszahlungen für Schäden und Verluste sowie Forderungen an Länder wie China oder Saudi-Arabien.
Zugleich bemängelte Liese die Rolle der EU-Kommission bei COP 27. Die hoch gesteckten europäischen Klimaziele würden „unter Wert verkauft“. Er habe den Eindruck, „dass die ganze Konferenz vonseiten der EU nicht so gut vorbereitet ist, wie das sein könnte“. Namentlich rügte Liese Klimaschutz-Kommissar Frans Timmermans. „Er will alles und macht nichts richtig“, so Liese. Timmermans müsse sich auf das EU-Klimapaket als Kernaufgabe konzentrieren. „Und wir brauchen einen europäischen Klimabeauftragten, einen echten John Kerry“, sagte der CDU-Politiker in Anspielung auf den Sondergesandten des US-Präsidenten.
Ähnlich kritisierte der klimapolitische Sprecher der Grünen im EU-Parlament, Michael Bloss, schleppendes Handeln bei der Konferenz und insbesondere der EU. „Heute hat die Europäische Union einen guten Vorschlag auf den Tisch gelegt, aber es ist ja eigentlich der letzte Verhandlungstag; das hätte viel, viel früher passieren können“, sagte Bloss. Auch im Vorfeld habe die EU die Konferenz „nicht gut vorbereitet“. Europa sei jetzt „in die Offensive gegangen, allerdings leider zu spät“.
Die Entwicklung seit der vorigen Klimakonferenz in Glasgow nannte Bloss „ein verlorenes Jahr für das 1,5-Grad-Ziel“. In diesem einen Jahr habe sich laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen „diese große Schere zwischen Anspruch und Wirklichkeit um gerade mal ein Prozent geschlossen“.
Die Klimaziele seien „allerspätestens jetzt“ zu erhöhen. Die EU könne mit ihren schon beschlossenen höheren Ambitionen und dem zwischen Rat, Parlament und Kommission vereinbarten Ausbau der erneuerbaren Energie mehr als 60 statt wie angestrebt 55 Prozent Treibhausgase einsparen. „Das muss jetzt passieren“, sagte Bloss. Zudem müsse Europa ähnlich wie die USA die Bedingungen für die Klimaindustrie verbessern und einen „Investitionsfonds auf europäischer Ebene“ schaffen.
Islamabad (KNA). Gut zwei Monate nach der Hochwasserkatastrophe in Pakistan sind für mehr als zwei Millionen Kinder die Schulen weiterhin unzugänglich. Die schwerste Überschwemmung in der Geschichte des Landes hatte fast 27.000 Schulen zerstört oder beschädigt.
„Fast über Nacht haben Millionen von Kindern in Pakistan unter den traumatischsten Umständen Familienmitglieder, ihr Zuhause, ihre Sicherheit und ihre Bildung verloren“, sagte Robert Jenkins, Bildungsexperte des Kinderhilfswerks Unicef, am 3. November. Angesichts ungewisser Aussichten und nach langen Schulschließungen in der Pandemie-Zeit erlebten sie nun eine weitere „Bedrohung ihrer Zukunft“.
Während der Corona-Pandemie waren die Schulen in Pakistan zwischen März 2020 und März 2022 für insgesamt 64 Wochen ganz oder teilweise geschlossen. Das islamische geprägte Land hatte damit weltweit eine der längsten pandemiebedingten Schulschließungen.
„Weniger als sechs Monate später bedeutet die Zerstörung durch die extremen Überschwemmungen, dass Schulkinder erneut vom Lernen ausgeschlossen sind“, so Jenkins. Schäden an der Infrastruktur, unter anderem an Stromleitungen, hätten dazu geführt, dass Fernunterricht weitgehend unmöglich sei.
Auf der Weltklimakonferenz in Scharm El-Scheich wollen Politiker, Wissenschaftler und Religionen abermals die Welt retten. Besonders in Asien trifft Klimawandel auf Armut. Die katholische Kirche versucht zu helfen.
Manila (KNA). Es hat etwas gedauert, aber inzwischen haben auch Religionen den Klimawandel als existenzielle Bedrohung der Menschheit erkannt. Auf der Weltklimakonferenz COP27 im ägyptischen Scharm El-Scheich ab diesem Sonntag sind auch sie präsent. Eine besondere Rolle spielt dabei die katholische Kirche, die den Worten der Umweltenzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus Taten folgen lässt. Im mehrheitlich islamischen Bangladesch als einem der am stärksten vom Klimawandel betroffenen Länder Südasiens zum Beispiel begannen Kirche und Caritas Anfang 2021 mit dem Pflanzen von 700.000 Bäumen.
Auf den katholischen Philippinen brachte Taifun Nalgae Ende Oktober Tod, Elend und Verwüstungen. Nalgae war der 22. Wirbelsturm in diesem Jahr und wird vermutlich nicht der letzte gewesen sein. Taifune sind Normalität auf den Philippinen, aber in den vergangenen Jahren sind sie immer extremer geworden. Ursache dafür ist der menschengemachte Klimawandel. Die Schäden durch die Taifune verschlimmern sich durch Entwaldung, Bergbau und die Vernichtung von Mangrovenwälder.
Hier setzt eine neue Initiative auf den Philippinen an. Umweltorganisationen haben zusammen mit der katholischen Bischofskonferenz des Landes Anfang November 2022 an den Küsten der nördlichen Visaya-Inseln und im Süden der Hauptinsel Luzon mit der Aufforstung von Mangrovenwäldern begonnen. Es ist die Region, wo die Taifune das Festland erreichen. 5.000 Setzlinge wurden bereits von 800 Freiwilligen auf 36 Hektar Küstenzone gepflanzt. Am Ende sollen 100 Hektar neuer Mangrovenwald entstehen. „Mehr als 50 Prozent der Freiwilligen kommen aus kirchlichen Organisationen“, sagte Pater Antonio Labiao, Exekutivsekretär der Caritas, philippinischen Medien.
Mangroven sind Multitalente. Sie absorbieren große Mengen Kohlendioxid, schützen die Küsten vor Erosion und die Küstenbewohner vor der vollen Wucht von Taifunen und Sturmfluten. Zudem sind sie die Kinderstube für den Nachwuchs vieler Fischarten, Muscheln und Krustentiere. Die wiederum bilden die Lebensgrundlage der Fischer und ihrer Familien. Die Fischereibranche ist mit einem Jahresumsatz von 1,65 Milliarden US-Dollar ein wichtiger Wirtschaftsfaktor auf den Philippinen.
In diesem Jahr sorgten Wetter- und Umweltkatastrophen auch in anderen Regionen Asiens für Schlagzeilen. Eine Hitzewelle mit Temperaturen bis zu 50 Grad Celsius hatte wochenlang Indien, Pakistan und Bangladesch im Griff. In Pakistan wurden dann im September durch einen schweren Monsun weite Teile des Landes überschwemmt.
Obwohl in Asien mehr als die Hälfte der Menschheit lebt und die Hälfte der mehr als vier Milliarden Bewohner als arm gilt, erhält es nur 25 Prozent der globalen Finanzmittel für den Klimaschutz. Das geht aus dem Anfang November von der Hilfsorganisation Oxfam veröffentlichten Report über die globale Klimafinanzierung hervor. Der größte Teil der 20,5 Milliarden US-Dollar (2020) für den Klimaschutz in Asien sei zudem Darlehen gewesen, wodurch die schon vorher hoch verschuldeten Länder weiter in die Schuldenfalle getrieben würden.
„Asiens Klimageldgeber und Regierungen müssen die Klimafinanzierung auf eine Weise neu bewerten, die wirklich armutsorientiert, lokal geführt und zielgerichtet ist, um Frauen und Mädchen zu helfen, die den Großteil der Klimarisiken und -schäden schultern“, forderte Sunil Acharya, Asienexperte von Oxfam.
Auf den Philippinen stellte die katholische Bischofskonferenz bereits Anfang dieses Jahres in einem Hirtenbrief den Banken ein Ultimatum. Entweder, hieß es darin, beenden die Banken bis 2025 die Finanzierung von Unternehmen aus der Kohle- und Gasbranche. Oder, so die Bischöfe, „verpflichten wir uns, alle unsere Ressourcen bei ihnen bis spätestens 2025 abzuziehen und sie für ihre treuhänderischen und moralischen Verpflichtungen als Klimaakteure zur Rechenschaft zu ziehen“.
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