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Problem der Sprache: aus dem muslimischen Alltag

Essays alltag muslimisch sprache

Muslime Autoren (und Leser) kennen diese alltägliche Herausforderung: Benutze ich den arabischen Originalbegriff oder nehme ich eine Eindeutschung?

„Tse Lu: Der Herr Wei wartet darauf, dass du eine Regierung bildest. Was wirst du als erstes tun? Kung: Die Namen klären. Tse Lu: Wie kann das sein? Du schweifst ab. Warum sie festlegen? Kung: Du Kürbis! Sprosse! Wenn ein Mann kein Wissen hat, sollte er Zurückhaltung an den Tag legen. Wenn Worte nicht genau sind, kann man ihnen nicht folgen oder eine Handlung entsprechend ihrer Bedingungen vollenden.“ Konfuzius

„Der Islam geht in die Bücher, und die Muslime gehen ins Grab.“ Hasan Al-Basri

(iz). Das Problem von Sprache und der mit ihr verbundenen Herausforderungen ist für Muslime in den Bereichen Medien, Schreiben und Kommunikation eine alltägliche Aufgabe.

Wie viel der Substanz von Allahs Din und von wichtigen Vorstellungen kann durch Übertragungen vermittelt werden? Und was geht mit ihnen verloren? Hier bieten sich – leider – keine einfachen Lösungen an.

Wie Ahmet Aydin in seinem obigen Beitrag am Beispiel von Molla Dschami im Dialog mit Goethe verdeutlicht, erleichtert die angemessene „Sprachgewandtheit“ unseren Auftrag, Inhalte des Islam der Umwelt zu vermitteln.

Ihr Fehlen erschwert – im Negativfall – das Verstehen beim beabsichtigten Publikum. Was es kaum gibt: einfache Lösungen bzw. simple Regeln, die sich gleichermaßen auf jeden Begriff bzw. sämtliche Vorstellungen anwenden ließen.

sprache gespräch

Foto: Vadym, Adobe

Bei einer Reihe der täglichen Wörter der islamisch-religiösen Lebenspraxis wie dem Gebet, Fasten, der Pflichtabgabe oder der Pilgerfahrt ist die Übertragung in unsere Sprache Normalität geworden.

Niemand mit einem Hauch an deutschem Sprachgefühl muss sich wegen falsch verstandener Korrektheit genötigt fühlen, zu sagen „ich habe die Salat gemacht.“ Hier trifft die „Eindeutschung“ auf eine passende Bedeutungsübertragung bei gleichzeitiger Gewissheit, das Gegenüber kann einen verstehen.

Als Nächstes stoßen ÜbersetzerInnen und AutorInnen auf eine Grauzone, in der beide Seiten für ihre Neigung – Übertragung vs. Beibehaltung in der Originalsprache – beiderseits Argumente vorweisen können.

Ob es bspw. angemessen sei, das kleine Wort „Fiqh“ mit „islamischem Recht“ zu übersetzen, ist eine Frage, mit der sich ganze Seminare füllen lassen. Und ist der Faqih dann ein „Jurist“?

Das wäre in jedem konkreten Fall eine Abwägungsfrage. Übernehme ich einen Begriff aus dem Arabischen und führe ihn (im Text oder einer Fußnote) mit einer Erklärung ein bzw. verwende ich eine angemessene Entsprechung?

Die Entscheidung hängt wahrscheinlich vom Publikum und Kontext ab. Wer sich seines Sprachgebrauchs bewusst ist, sollte zumindest davon ausgehen, dass viele Wörter auch hier einen Subtext haben können.

Schließlich kommen wir in einen Bereich, in dem – mindestens die unreflektierte – eine Übertragung in die hiesige Terminologie (die eine christliche Vorgeschichte hat) mit Fallstricken und Missverständnissen behaftet ist (oder sein kann).

Allzu schnell verheddert sich der wohlgesinnte Autor im Netz einer alten Begriffs- und Ideengeschichte. Die zumal seit der Spätantike diversen Umdeutungen unterzogen wurde. Kaum jemand erschüttert heute innerlich, wenn er Bezeichnungen wie „Jenseits“ oder „Göttlichkeit“ hört.

Ein Beispiel ist die Übersetzung des qur’anischen Begriffs „Din“ mit „Religion“. „Religio“ bedeutete ursprünglich „gewissenhafte Sorgfalt“ bzw. „Gottesfurcht“, kam im 16. Jahrhundert als Lehnwort ins Deutsche und wurde von der Reformation geprägt.

Heute steht es für Glaubenssysteme mit transzendenten Elementen; die Etymologie (relegere/religare) bleibt umstritten.

muslimische denker geduld Philosophie

Foto: Topkapi Palace Library, Istanbul, via Wikimedia Commons | Lizenz: Public Domain

Die, so stattfindende Übersetzung von „Din“ ist mindestens „problematisch“. Seine Bedeutung lässt sich von „Verpflichtung“ ableiten (nicht der einzige qur’anische Begriff aus dem Bereich der Transaktionen), die aus unserer Anerkennung Gottes bei der Erschaffung der Seelen resultiert.

Der Mensch erkannte vor seiner Entsendung auf die Erde Allahs Herrschaft (Al-A’raf, Sure 7, 172) und schuldet Ihm dafür Anbetung bzw. Gehorsam als Gegenleistung für unsere Versorgung im Diesseits.

Mit dieser Pflicht ist keine „Schuld“ im Sinne einer christlichen „Erbsünde“ verbunden. Im erwähnten Qur’anvers versammelte Er alle Seelen mit der Frage: „Bin Ich nicht euer Herr?“ Was wir als Gattung bejahten. Aus dieser Anerkennung ergibt sich ein Bund, der sich durch unser Leben zieht.

Zu dieser Kategorie gehört die „Sünde“. Ihre Bedeutungsgeschichte ist so stark mit dem Christentum verknüpft, dass sie erklärungsbedürftig ist. Unausweichlich assoziiert der Begriff (wie der Leser) damit „Schuld“ und „Erbsünde“ – zentral in der christlichen Theologie, aber der islamischen Lebenspraxis und unseren Glaubenswelten fremd.

Die obigen Fragen wurden bisher zumeist nur unter Autoren, Übersetzern oder der Lehre diskutiert. Ein Punkt hingegen sorgt im Netz häufig für angeregte Debatten: Soll man „Gott“ bzw. „Allah“ sagen? Hier bleibe ich Agnostiker.

Mehr als eine, heute muslimische Bevölkerung hat ihre früheren Begriffe für die Göttlichkeit beibehalten und benutzt sie weiterhin. Andererseits ist mit diesem Wort ein solcher Wandel in der Bedeutungs- und Ideengeschichte seit der Antike verbunden, dass fraglich ist, ob die Übertragung glückt.

Nicht wenige hören hier Nietzsches Diktum „Gott ist tot“ (und ignorieren das „wir haben ihn getötet“ …) mit, wenn der Begriff fällt. Was seinerseits die Tür für die spannende Frage öffnet, ob der „Philosoph mit dem Hammer“ überhaupt Atheist war…

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Geht es um Bildung oder Abstammung?

Bildung Abstammung

Bildung vs. Abstammung: Der Kampf um die deutsche Identität geht in eine neue Runde. (iz). Von den Sophisten Athens bis zur konservativen Revolution: Die Frage, ob Sprache und Bildung oder […]

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Gibt es Spaltungstendenzen in der AfD?

krah afd

Führen die gesellschaftlichen Vorstellungen des AfD-Politikers Krah zu einer Spaltung der Partei oder sollen sie gar ein Angebot an Muslime sein?

(iz). Es gab und gibt verschiedene Ansätze, mit den Wahlerfolgen der AfD umzugehen. Man kann – wie auf dem SPD-Parteitag beschlossen – den Versuch starten, die „rechtsextreme Partei“ auf rechtlichem Weg zu verbieten.

Oder man hofft auf „Entzauberung“ im politischen Alltag, falls sie eines Tages im Osten eine Regierungsbeteiligung erreicht und an ihren Ergebnissen gemessen wird. Eine andere Option ist darauf zu setzen, dass die konservative Revolution an ihren inneren Gegensätzen scheitert.

AfD: Besteht Aussicht auf einen internen Bruch?

Außenpolitische Themen wie „Israel, Ukraine oder Trump“ sind zweifellos geeignet, dass sie mittelfristig an ihren eigenen Widersprüchen zerbricht. Gleichzeitig wird deutlich, dass die innere Einheit der Partei das „Islamthema“ dringend braucht. 

Nur diese Gemeinsamkeit „gegen den Islam“ eint bis heute alle strammen Konservativen. Im Sinne dieser Wirkung verweigern sich bisher auch intelligentere VertreterInnen der Gruppierung einer Differenzierung. 

Auf der Plattform X kann man im Moment eine interessante, innerparteiliche Debatte verfolgen. Man staunt, dass sogar die liberale ZEIT in einem Kommentar urteilte: „Die radikale Rechte ist heute der Ort, an dem am lebhaftesten über Politik diskutiert wird. Das ist ein trauriger Befund und vermutlich auch ein Faktor ihres derzeitigen Erfolgs.“ Worum geht es?

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Foto: Achim Mende, Pressebild, Deutscher Bundestag

Der AfD-Politiker Maximilian Krah befeuert einen Streit, der die Partei spalten könnte. Um ihrem Verbot zuvorzukommen, fordert er eine „verfassungsgemäße“ Differenzierung, die auch Muslime in der Bundesrepublik betrifft.

Er stellt klar: „Das Staatsvolk der Bundesrepublik Deutschland besteht aus Staatsbürgern deutscher und anderer Volkszugehörigkeit.“ Kurzum, wer einen deutschen Pass hat, könne und dürfe nicht remigriert werden. Wer davon träumt, oder in diese Richtung argumentiert, so der Realpolitiker, gefährdet die Zukunft der Partei.

Identitäre, mit denen er im Austausch steht, wie der IB-Aktivist Martin Sellner, schäumen. Da der Politiker damit nebenbei klarstellt, dass Remigrationsphantasien – und die Phantasten selbst – nicht auf dem Boden der Verfassung stehen. Krah versucht dennoch den Spagat, die radikalen Ränder der Konservativen im Boot zu halten. Nach wie vor will er jede weitere Einwanderung stoppen, auf eine umfassende Abschiebung von Ausländern drängen, die „problematisch“ oder „kriminell“ sind.

Zwischen „Realpolitik“ und „Parallelgesellschaft“

Ein weitere Analyse des Politikers hat es in sich. Im Rahmen seiner Realpolitik verbleiben für ihn nur zwei mögliche Lösungen: „Ein staatlich erzwungener Melting Pot auf Basis eines Verfassungspatriotismus mit dem Ziel einer republikanischen Nation neuer Deutscher. Oder eine Hinnahme der Existenz verschiedener ethnischer Gruppen mit der deutschen Gruppe als der klar größten und dominierenden.“ Der Staat solle sich – so der AfD Politiker – zurückziehen und keine ethnische Projekte im Sinne der Förderung einer multikulturellen Gesellschaft betreiben.

Die Pointe dieser Argumentation – hier liegt der Spaltpilz für die bisherige AfD-Ideologie – folgt zugleich. Er nennt die – in seinen Worten – „Schattenseite“ der ethnopluralistisch denkenden Politik: „Das gilt für alle gleichermaßen.“ Will heißen, er setzt einerseits auf ethnische Zonen, die „deutsch“ sind, bekennt sich aber auch andererseits dazu, dass Immigranten ihre eigenen „Parallelgesellschaften“ bilden dürfen.

Ein weiteres Kalkül, das sich nebenbei zeigt, ist eine neue Entdeckung des Politikers: Sind Muslime nicht ebenso national gestimmt? Und Krah weiß, dass längst nicht alle Muslime die Massenzuwanderung blind befürworten. Hier provoziert er seine Partei mit der These, dass auf Dauer nur Immigranten und Muslime der AfD bundespolitisch zu einer Mehrheit verhelfen können.

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Foto: mpix-foto, Adobe Stock

Deswegen fordert er seine Parteifreunde (immerhin) dazu auf, nicht alle Einwanderer oder Muslime über einen Kamm zu scheren. Der Kreis schließt sich mit einer Art Prophezeiung: Sollte sich die Partei seiner Strategie verschließen, droht aus seiner Sicht ein Verbot. Ohne Differenzierung sieht er auf Dauer keine Machtoption.

Differenzierung, Anerkennung muslimischer Strukturen, Beachtung des demographischen Faktors: Formuliert er tatsächlich eine Vision, die Muslime ansprechen könnte? Hier ist große Skepsis angebracht: Die Vision seiner ethnopluralistischen Gesellschaft könnte dazu führen, den Gegensatz von Ost und West eine neue Dynamik zu geben.

Zumindest das Vorfeld der AfD, mit dem er zu tun hat, schon länger davon träumt, im Osten eine Zone zu schaffen, in der Menschen mit Immigrationshintergrund im Alltag unter Druck gesetzt werden, in den Westen abzuwandern. Der Stimmungswandel auf den Straßen und Plätzen ist nicht zu übersehen. Man kann sich mit ein bisschen Phantasie ausmalen, wo diese Politik hinführen kann. Eindeutig distanziert sich Krah nicht von diesen Kreisen.

Der Schmittianer spricht

Es gibt auch ein anderer Aspekt, der hier nicht übersehen werden darf. Wenn man die Podcasts mit der Beteiligung des Juristen verfolgt, ist sein Bekenntnis „Schmittianer“ zu sein, nicht zu überhören. Hier geht es nicht nur um intellektuelles oder theoretisches Interesse.

Das Beispiel Trump – Krah bewundert ihn offen – zeigt ja eindrücklich, wie das Primat des Politischen gegenüber dem Recht wieder an Raum gewinnen kann. Nachdem man eine Mehrheit im Land hat. Handelt es sich bei der Vision des Politikers nur um zeitweilige Mäßigung aus taktischen Gründen?

Die Debatte erinnert Muslime daran, ihre eigene gesellschaftspolitischen Vorstellungen zu artikulieren. Es mag sein, dass es an den Rändern der muslimischen Community Strömungen gibt, die die Vision einer Identitätspolitik begrüßen, die ethnischen Gesichtspunkte in den Mittelpunkt rückt.

Goethe Koran Divan

Bild: Johann Heinrich Wilhelm Tischbein | Lizenz: gemeinfrei

Ihre große Mehrheit, besonders die Jungen, stimmt nach wie der Mahnung unseres Nationaldichters Goethe zu: Nationalismus ist die unterste Stufe der Kultur. Krah verkennt, dass die Majorität der Muslime konservativ und liberal ist. Sie werden sich auch weiter dagegen wehren, dass die ethnische Herkunft das entscheidende Kriterium eines Menschenbildes wird. Sie graust der Gedanke, dass Straftäter und Kriminelle zu Repräsentanten bestimmter Kulturen, Religionen oder Ethnien erklärt werden.

Die Identität eines Menschen ergibt sich aus seiner Sprache, nicht aus seiner biologischen Herkunft. Der Islam ist keine Kultur, wie man bereits an dem Fakt erkennt, dass deutsche und europäische Muslime schon länger wie die angebliche Alternative für Deutschland existieren.

Es ist gut, dass Krah zu differenzieren beginnt – immerhin. Nur: Die AfD wird – egal, ob die Positionen des Politikers Zustimmung finden oder nicht – wahrscheinlich fortgesetzt darauf setzen, alle Verhaltungen einer ethnisch definierten Gruppe grundsätzlich dem Islam zuzurechnen. Nur so kann, ist zu befürchten, das Feindbild weiter zur Einheit der Partei und ihren Wahlerfolgen beitragen.

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Von der Limonade bis zum Zucker: Idriss Al-Jay über arabische Wörter im deutschen Kleid

Wer sich selbst und andere kennt,Wird auch hier erkennen,Orient und Okzident,Sind nicht mehr zu trennen. (iz). Diese Verse von Goethe öffnen ein Fenster, durch das wir diese dialektische Beziehung, die […]

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Sind Muslime Bürger zweiter Klasse? „Kontrolle“ ohne Anlass wird in Deutschland normal

(iz). Hm, eigentlich gehört die FAZ zu meiner Lieblingslektüre. Das Frankfurter Traditionsblatt, ganz mein Geschmack, verzichtet normalerweise nicht auf Recherche, aber dafür auf polemische Angriffe. Manchmal werden aber rechtsstaatliche Standards schleichend entwertet. Sogar in Qualitätsmedien.

Die ehrwürdige „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ schreibt heute – ohne mit der Wimper zu zucken – in ihrer Berichterstattung über die muslimische Kita „Tulpengarten“ in Mannheim: „Deshalb soll ein ‘überkonfessioneller Beirat’, in dem Wissenschaftler, Vertreter der Kirchen und Kommunalpolitiker sitzen, die Arbeit im ‘Tulpengarten’ kontrollieren.“

Das ist eine kleine, unbedeutende Meldung, für die FAZ. Für Muslime liest sich das anders: Kontrolle von muslimischen Einrichtungen und damit indirekt auch die Kontrolle von muslimischen Bürgern und Eltern wird hiermit in Deutschland zur Norm. Praktisch heißt das weiter: Einige Heckenschützen in der Nachbarschaft genügen schon um allgemeines – wenn auch anlassloses – Misstrauen auszulösen. Die Genehmigung muslimischer Einrichtungen gibt es dann praktisch eben nur noch mit Kontrolle.

Ich finde das schockierend. Kontrollfrage: Muss ein christlicher Kindergarten ein Kontrollgremium mit Muslimen dulden – einfach so? Noch Fragen?

Muslimische Kindergärten stehen unter hohem Rechtfertigungsdruck: Wie gehen ihre MacherInnen damit um?

Karlsruhe/Mannheim (dpa). Es duftet nach frisch gebackenen Brötchen, Spielzeug liegt herum, immer wieder ist Kinderlachen zu hören. Ein kleines Mädchen hilft, den langen Tisch für das gemeinsame Frühstück zu decken. Eigentlich eine Kita wie jede andere. Der Unterschied: Der Halima-Kindergarten in Karlsruhe ist in muslimischer Trägerschaft. Hier gibt es kein Schweinefleisch, die Regeln des Islams und muslimische Feste werden ernst genommen.

Von Michaela Anderer und Christine Cornelius

Bundesweit sind muslimische Kindergärten immer noch die Ausnahme – es werden aber mehr. Neben dem in Karlsruhe gibt es solche Kitas zum Beispiel in Mainz oder Berlin. Wie bei Moscheen ist der Weg bis zur Eröffnung oft langwierig und von Protesten und Skepsis begleitet. Nach jahrelangen Diskussionen wird an diesem Mittwoch auch in Mannheim ein muslimischer Kindergarten offiziell eröffnet, die ersten Kinder kommen im Januar.

Der Vorsitzende des Mannheimer Trägervereins, Faruk Sahin, ist erleichtert und auch ein bisschen stolz. „Es war eine lange Auseinandersetzung, jetzt ist es endlich erreicht, das kann man schon zelebrieren“, sagt er. Das öffentliche Interesse zeige aber auch, dass noch ein langer Weg zu gehen sei. „Wir hoffen, dass es bald Normalität wird, dass auch muslimische Träger Kindergärten eröffnen.“

//1//Die 1999 eröffnete muslimische Kita in Karlsruhe stieß anfangs ebenfalls auf Widerstände, Vorurteile und Ängste, wie der Vorsitzende des Trägervereins, Mesut Palanci, erzählt. Es habe viele Bedenken gegeben – und auch Fragen wie: Werden die Kinder geschlagen? Müssen die Mädchen ein Kopftuch tragen?

Besonders umstritten ist stets die Frage, welche Sprache gesprochen wird. Auch in Mannheim gibt es kurz vor der Eröffnung noch entsprechende Bedenken: Der CDU-Fraktionsgeschäftsführer des Gemeinderats, Matthias Sandel, kann sich zum Beispiel nicht recht vorstellen, dass es mit dem Deutschsprechen tatsächlich klappt. Er nehme an, dass in der Kita vor allem Türkisch gesprochen werde. Palanci und Sahin hingegen betonen immer wieder, die Erzieher sprächen Deutsch mit den Kindern. Außerdem seien die Kindergärten offen auch für Nicht-Muslime.

Die Bedenken rund um das Thema hält Sahin für eine Stellvertreterdebatte. „Alles, was mit dem Islam oder mit Muslimen zu tun hat, ist immer noch ein parteipolitischer Aufreger“, sagt er. „Man kann ja kritisch sein, es geht schließlich um die Zukunft der Kinder. Man sollte aber für alle Religionen dieselben Maßstäbe anlegen.“ Sahin betont: „Die Dreijährigen sollen hier nicht den Koran auswendig lernen, sie sollen erst mal die deutsche Sprache erlernen.“ In diesem Alter könnten die Kinder mit Religion in ihrer ganzen Komplexität noch gar nichts anfangen.

//2//In der Karlsruher Einrichtung treffen Kinder aus neun verschiedenen Ländern aufeinander, darunter auch deutsche. „Halima ist kein rein muslimischer Kindergarten und will es auch nicht sein“, sagt Palanci vom Trägerverein. „Natürlich haben wir unsere religiöse Grundeinstellung. Aber über 95 Prozent der Arbeit ist wie in anderen Kindergärten auch.“ Von Einigelung und Abkapselung könne nicht die Rede sein. „Wir sind sehr stolz darauf, dass 70 Prozent unserer Kinder später ins Gymnasium gehen.“

Migrationsforscher Klaus J. Bade versteht die ganze Aufregung nicht. „In einem Land, in dem es evangelische, katholische und jüdische Kindergärten gibt, kann es selbstverständlich auch muslimische Kindergärten geben“, sagt er. „Wir müssen uns daran gewöhnen, dass eine Einwanderungsgesellschaft aus kultureller Vielfalt besteht.“

Kompetenzen bündeln Der RIGD möchte Imamen in Deutschland mehr Gehör verschaffen. Von Yasin Alder

(iz). Noch unbemerkt von der Öffentlichkeit gibt es seit Jahren Versuche von Imamen und Gelehrten in Deutschland, für besseren Austausch und Kooperation, aber auch für eine Vermittlung der Stimme der […]

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