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Rohe warnt vor Generalverdacht gegen Muslime

mutter rohe

Islamwissenschaftler Rohe warnt vor Generalverdacht. Aber schon Christian Wulffs Satz „Der Islam gehört zu Deutschland“ hat heftige Debatten provoziert.

Frankfurt (KNA/iz). Der Islamwissenschaftler und Jurist Mathias Rohe warnt vor einem Generalverdacht gegen Muslime in Deutschland. Es sei ein gefährliches Zerrbild, immer wieder von einer „Islamisierung Deutschlands“ zu sprechen, schreibt der Direktor des Zentrums für Islam und Recht in Europa an der Uni Erlangen-Nürnberg in einem Gastbeitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Montag).

Natürlich sei „islamistisch“ motivierte Gewalt eine reale Bedrohung und müsse mit rechtsstaatlichen Mitteln konsequent bekämpft werden, betonte Rohe. Doch jeder Generalverdacht gegen die muslimische Bevölkerung sei unbegründet und schädlich.

Der Begriff „Islamisierung“ werde häufig zur Beschreibung islamistisch-extremistischer Entwicklungen genutzt, sei aber irreführend. Tatsächlich handele es sich bei „Islamismus“ um eine politische Ideologie, die eine islamische Gesellschaftsordnung über den säkularen Staat stellen wolle.

Doch nur ein kleiner Teil der muslimischen Bevölkerung in Deutschland unterstütze solche Positionen, so Rohe. Das zeigten zahlreiche Studien. Die Mehrheit lebe religiös im privaten Rahmen und bekenne sich zu Demokratie und Grundgesetz.

Foto: FAU/Boris Mijat

Er warnte vor pauschalen Unterstellungen: Religiöse Praktiken wie das Tragen eines Kopftuchs oder ein Verzicht auf den Handschlag zur Begrüßung sollten nicht vorschnell als Zeichen von Extremismus gewertet werden.

Wer religiöse Normalität mit Islamismus verwechsle, betreibe eine gefährliche Täter-Opfer-Umkehr. Feindliche Pauschalurteile förderten nicht die Sicherheit, sondern Radikalisierung.

Zugleich forderte er eine effektive Bekämpfung von Extremismus – etwa durch bessere digitale Überwachung, verstärkte internationale Kooperation und die gezielte Prävention in sozialen Medien.

Wichtig sei dabei, zwischen legitimer Religionsausübung und extremistischen Bestrebungen klar zu unterscheiden. Auch müssten muslimische Organisationen gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können, wenn sie die freiheitlich-demokratische Grundordnung achten.

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Befindet sich das Land auf der schiefen Bahn?

koalition land wahl

In Deutschland hat der öffentliche Diskurs und der politische Kurs eine Schieflage erreicht. (iz). Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat vor einem Millionenpublikum in einem Interview am Rande des kanadischen G7-Gipfels […]

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Kurzmeldungen Deutschland (Nr. 361): von der großen Politik zur Stimmungslage

kurzmeldungen

Die Kurzmeldungen aus Deutschland (Nr. 361) reichen von der Ablehnung deutscher Waffenexporte, AfD-Verbot und Muslimfeindlichkeit.

Mehrheit will Waffenexporte einschränken

BERLIN (Agenturen). Rund 73 % der Deutschen wollen strengere Kontrollen für Waffenexporte nach Israel, darunter 30 %, die ein vollständiges Verbot fordern, wie eine Umfrage ergab, die gestern veröffentlicht wurde. Dies spiegelt die wachsende Unruhe in der Bevölkerung über die Israelpolitik der Regierung wider, berichtete Reuters am 5. Juni. Die Bundesrepublik ist nach wie vor einer der engsten Verbündeten Tel Avivs und sein zweitgrößter Waffenlieferant. Zwischen Oktober 2023 und Mitte Mai 2025 genehmigte Deutschland laut einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage Rüstungsexporte nach Israel im Wert von 485 Mio. Euro. Die Lieferungen umfassten Schusswaffen, Munition, Waffenteile, Spezialausrüstung für Heer und Marine, elektronische Ausrüstung und spezielle gepanzerte Fahrzeuge.

berlin CLAIM

Foto: CLAIM Berlin

Deutlich mehr Hass auf Muslime

BERLIN (KNA). In Berlin kam es 2024 laut der CLAIM Allianz zu einem sprunghaften Anstieg von antimuslimischen Übergriffen und Diskriminierungen. Die am Mittwoch vorgestellte Jahresbilanz der Allianz gegen Islamfeindlichkeit und Muslimfeindlichkeit registrierte 644 Fälle, fast 70 % mehr als im Vorjahr. Beinahe zwei Drittel der Betroffenen sind demnach Frauen, häufig in Begleitung ihrer Kinder. Muslimfeindlicher Rassismus zeige sich meist in Form von Ausgrenzung (46 %) und verbalen Übergriffen (40 %). Antimuslimischer Rassismus sei kein Randphänomen, sondern eine strukturelle Realität in Schule, am Arbeitsplatz und bei der Polizei. 35 Prozent der erfassten Fälle fand laut Bericht im Bildungsbereich statt. „Dabei diskriminierten nicht nur Schüler, sondern auch Lehrkräfte“, sagte Geschäftsführerin Hanano.

Jüdische Organisation als extremistisch eingestuft

BERLIN (IZ). Am 10. Juni wurde bekannt, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz die Friedensorganisation „Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost“ als „gesichert extremistisch“ eingestuft hat. Es ist das erste Mal in der Geschichte der Bundesrepublik, dass eine jüdische Organisation in Deutschland auf diese Weise bewertet wird. Laut der Behörde unterstütze die NGO die BDS-Bewegung. Kritiker haben diesen Schritt scharf verurteilt. Vertreter der „Jüdischen Stimme“ selbst und zahlreiche Unterstützer sehen darin einen Angriff auf das Recht, sich für die Rechte der Palästinenser einzusetzen und Kritik an der israelischen Politik zu üben.

freiheit demonstration

Foto: pmvfoto, Shutterstock

Jeder zweite Deutsche für Parteiverbot

HAMBURG (IPSOS). Anfang Mai stufte das Bundesamt für Verfassungsschutz die AfD als „gesichert rechtsextremistisch“ ein. Dieser Schritt hat eine erneute Diskussion entfacht, ob die Partei verboten werden sollte. Laut einer aktuellen Umfrage von Ipsos würden 46 Prozent der Deutschen ein Parteiverbotsverfahren gegen die AfD begrüßen. Etwa ebenso viele (44 %) lehnen es hingegen ab. Bei der Beurteilung zeigen sich starke Unterschiede von Ost- und Westdeutschen sowie zwischen den verschiedenen politischen Lagern. Nachdem die AfD dagegen geklagt hatte, wurde die Einstufung des Verfassungsschutzes am 8. Mai vorerst ausgesetzt. Diese „Stillhaltezusage“ gilt, bis ein eindeutiges Gerichtsurteil vorliegt.

Für Dialog in schwierigen Zeiten

HAMBURG (SCHURA HH). Der Vorstand der SCHURA ist laut einer Erklärung vom 3. Juni überzeugt davon, dass „gerade in schwierigen Zeiten der Dialog zwischen Musliminnen und Jüdinnen“ für den sozialen Zusammenhalt in Städten wie Hamburg unverzichtbar sei. Für einen nachhaltigen und vertrauensvollen interreligiösen Austausch braucht es Räume, in denen offene Gespräche möglich sind. Diese seien bislang selten – „umso wichtiger ist es, sie gezielt zu schaffen“.

Jugendverband Jugendarbeit BDMJ

Pressebild: BDMJ

DİTİB-Jugend wählt einen neuen Vorstand

KÖLN. Die Delegierten der elf DİTİB-Landesjugendverbände haben im Rahmen ihrer Vollversammlung den neuen Vorstand des BDMJ (Bund der muslimischen Jugend) gewählt. Er ist der mitgliederstärkste Jugendverband von deutschen Muslimen und seit über einem Jahrzehnt aktiv in der Jugendarbeit tätig. Er vertritt die Interessen junger MuslimInnen aus nahezu 900 Moscheegemeinden sowie rund 100 weiteren Vereinen im gesamten Bundesgebiet. Zur Vorsitzenden wurde die 24-jährige Berliner Beliz Öksüz gewählt. Sie studiert im Master Bildung an Grundschulen mit den Fächern Mathematik, Deutsch und Islamische Theologie, und ist in einer Berliner DİTİB-Gemeinde aktiv.

Antiziganismus: Beauftragter wird gebraucht

KÖLN (IZ). Am 2. Juni kritisierte IGMG-Generalsekretär Ali Mete die Streichung des Bundesbeauftragten für Antizuganismus. „Antisemitismusbeauftragte gibt es in Deutschland in fast allen Bundesländern. Denn nur durch benannte Zuständigkeiten und sichtbare Verantwortung lässt sich Diskriminierung wirksam bekämpfen“, sagte er hierzu. Gerade deshalb sei es unverständlich, dass der Bund nun den umgekehrten Weg gehe und das Amt des Antiziganismus-Beauftragten streiche.

menschen zusammen

Symbolbild: Adene S/peopleimages.com/Adobe Stock

Kopftuch bei der Polizei: diverse Regeln

KÖLN (Islamrat). Eine bundesweite Recherche des online Nachrichten- und Debattenmagazin IslamiQ zeigt: Beim Thema Kopftuch im Polizeidienst herrscht in Deutschland ein uneinheitlicher Flickenteppich. Während manche Länder pauschale Verbote aufrechterhalten, verweisen andere auf mögliche Einzelfallentscheidungen – doch faktisch ist keine einzige kopftuchtragende Muslimin im aktiven Polizeidienst bekannt. Die flächendeckende Befragung der Innenministerien der Länder durch IslamiQ offenbart einen rechtlichen und administrativen Flickenteppich. Einige Länder verfügen über keinerlei klare Regelung, andere lehnen religiöse Kopfbedeckungen in Uniform grundsätzlich ab.

Zentralrat fordert einen Bundesbeauftragten

SANKT AUGUSTIN (Agenturen). Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) hat die Einsetzung einer oder eines Bundesbeauftragten für muslimisches Leben gefordert. Diese oder dieser solle auch „gegen antimuslimischen Rassismus“ zuständig sein, forderte der ZMD am Freitag. „Antimuslimischer Rassismus ist kein Randphänomen – er ist strukturell verankert und reicht bis in staatliche Institutionen“, erklärte ZMD-Generalsekretär Aladdin Beiersdorf-El Schallah. Die alte Bundesregierung beschäftigte insgesamt 43 Beauftragte und Koordinatoren. Die neue schwarz-rote Regierung schaffte 25 und damit über die Hälfte bei Amtsübernahme ab. Weiterhin gibt es zum Beispiel den Bundesbeauftragten für jüdisches Leben und den Kampf gegen Antisemitismus. Das Amt hat seit Einrichtung vor rund sieben Jahren Felix Klein (SPD) inne. In Deutschland leben laut Zahlen aus dem Jahr 2020 rund fünfeinhalb Mio. Muslime. Rund die Hälfte davon hat die deutsche Staatsbürgerschaft.

Prediger solingen magdeburg

Symbolfoto: FooTToo, Shutterstock

Brandanschläge auf drei Wohnhäuser

WERMELSKIRCHEN (IZ). In der Nacht zum 7. Juni wurden im rheinischen Wermelskirchen Brandanschläge auf drei Mehrfamilienhäuser verübt. Die Brände wurden innerhalb weniger Stunden gelegt. Insgesamt mussten 40 Bewohner evakuiert werden, zehn Menschen wurden verletzt, darunter drei schwer. Die betroffenen Gebäude sind derzeit unbewohnbar. Neun Tage später wurde ein 34-jähriger deutscher Tatverdächtiger verhaftet. Die Mehrheit der Einwohner haben einen Migrationshintergrund.a

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Habemus Koalitionsvertrag: Von der Interaktion zur Konfrontation?

koalition Islampolitik

Das vorgestellte Koalitionspapier setzt den Trend der deutschen Islampolitik fort und verstärkt ihn. Muslimische Bürger gelten vorrangig als Problem.

Berlin (dpa/iz). Mit dem Vertrag haben sich Union und SPD auf die Verteilung der Ministerien sowie auf Grundlinien ihrer gemeinsamen Politik verständigt. Die CDU bekommt erstmals seit fast 60 Jahren das Außenministerium, die SPD besetzt die wichtigen Ämter für Finanzen und Verteidigung.

Und um die innere Sicherheit kümmert sich künftig ein Minister oder eine Ministerin der CSU. Die Namen der Kabinettsmitglieder werden erst später bekanntgegeben.

Die neue Koalition ist das fünfte Regierungsbündnis dieser Parteien seit Gründung der Bundesrepublik. Erstmals kam es von 1966 bis 1969 unter CDU-Kanzler Kiesinger zu einer solchen Konstellation. Nach den Bundestagswahlen 2005, 2013 und 2017 führte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) jeweils eine solche Formation.

Während christliche Kirchen und jüdisches Leben prominent gewürdigt und gefördert werden, bleibt der Islam weitgehend unsichtbar als Teil des gesellschaftlichen und religiösen Pluralismus.

Eyüp Kalyon, Generalsekretär der DITIB, kommentierte das bekanntgewordene Papier mit kritischen Worten: „Es ist bedauerlich, dass die Herangehensweise der beiden Koalitionspartner an die Themen rund um den Islam und die Muslime in Deutschland auf negativ konnotierte Inhalte fokussiert ist. Der veröffentlichte Koalitionsvertrag thematisiert Muslime lediglich im Zusammenhang mit sicherheitspolitischen Aspekten wie Islamismus, Extremismus oder Prävention“

Das ignoriere die ca. 90 % der deutschen Muslime, die sich als Teil dieses Landes sähen und einen gesellschaftlichen Beitrag leisteten. Einerseits sei das keine positive Botschaft an sie und führe andererseits dazu, dass diese sich nicht vertreten fühlten. „Die Koalition hat in der Praxis die Pflicht, diese verzerrte Betrachtung von Muslimen zu korrigieren und ihnen zu zeigen, dass sie keine Bürgerinnen und Bürger zweiter Klasse sind.“

Wahlergebnisse

Foto: Ryan Nash Photography, Shutterstock

Koalitionsvertrag: Merz verspricht „handlungsstarke Regierung“

„Deutschland bekommt eine handlungsfähige und eine handlungsstarke Regierung“, sagte der wohl nächste Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Die Einigung sei ein Aufbruchsignal und ein kraftvolles Zeichen für die Bundesrepublik, dass die politische Mitte in der Lage sei, die Probleme zu lösen. „Die künftige Regierung, die künftige Koalition wird reformieren und investieren, um Deutschland stabil zu halten, sicherer zu machen und wirtschaftlich wieder stärker zu machen.“

Der SPD-Vorsitzende Lars Klingbeil betonte: „Die Ausgangslage war schwierig, aber das Ergebnis kann sich sehen lassen.“ Der SPD-Chef wies auf die aktuellen Krisen hin und unterstrich: „Wir haben das Potenzial, gestärkt aus dieser Zeit hervorzugehen.“

Umgang mit Muslimen: Die neue Koalition setzt die Grundlinien der alten fort

Wenig Überraschendes bietet das Einigungswerk für muslimische BürgerInnen der Bundesrepublik und ihre Gemeinschaften. Obwohl die Ampelkoalition mit starken Ankündigungen startete, wurde zugig deutlich, dass sie in Sachen Religionspolitik und Austausch – entgegen der populistischen Propaganda von einer „Islamisierung“ – weit hinter ihren eigenen Ankündigungen zurückblieb. So wurden die Themen Muslimfeindlichkeit und Diskriminierung von Muslimen bald schon vernachlässigt.

Erheblich fielt der Unterschied zu den Merkelkabinetten bei der Kommunikation auf. Die unter Schäuble begründete und seinen Nachfolgern fortgesetzte Deutsche Islamkonferenz (DIK) konnte – trotz zeitweiser Unstimmigkeiten – jahrelang produktiv arbeiten und Projekte wie die Islamische Theologie auf den Weg bringen. Die Ampelkoalition hingegen ließ – so muslimische Vertreter in Gesprächen – viele wichtige Gesprächskanäle in den letzten 1 ½ Jahren versanden.

Dort, wo die Dreierkoalition aufhörte, macht das neue Bündnis weiter. Muslime (ca. 6 % der hiesigen der Wohnbevölkerung) bzw. ihre Religion tauchen im bekanntgewordenen Koalitionspapier nur im Kontext von Bedrohungsszenarien und der inneren Sicherheit auf. In Zeile 2717 wird „Islamismus“ als eine der zu bekämpfenden radikalen Ideologien beschrieben.

An keiner Stelle des Papiers wird die Lebensleistung muslimischer BürgerInnen in diesem Land gewürdigt oder ihre positiven Beiträge zur Zivilgesellschaft erwähnt. Selbst bei Problemfeldern setzt es – im Gegensatz zu einigen Landesregierungen – nicht auf Interaktion und Einflussnahme. Es hat den Anschein, dass es kaum gesondertes Interesse an einem Austausch gibt.

Man wolle (Zeilen 2721-24 des Vertrags) keine Zusammenarbeit mit „Vereinen und Verbänden“ pflegen, „die von ausländischen Regierungen oder mit ihnen verbundenen Organisationen gesteuert werden“ bzw. deren Mitglieder von den Verfassungsschutzämtern beobachtet werden. Das damit selbst die ideologisch unbescholtenen bosnisch- und albanischstämmigen muslimischen Verbände betroffen sein könnten, scheint übersehen worden zu sein.

Konkret wurde Einführung einer Pflicht zur Offenlegung der Finanzen solcher Vereine und Verbände angekündigt. Zusätzlich wolle man einen „Bund-Länder-Aktionplan“ arbeiten und die „Task Force Islamismusprävention“ entwickeln.

AfD demos

Foto: Shutterstock.com

Türkische Gemeinde fordert „überzeugendes Konzept gegen Rechtsextremismus“

Die Co-Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD), Aslihan Yesilkaya-Yurtbay, sagte, es sei gut, dass ein klares Bekenntnis zum bedingungslosen Schutz von Jüdinnen und Juden in Deutschland in den Koalitionsvertrag aufgenommen worden sei.

„Angesichts der explodierenden Zahlen im Bereich der rassistischen Übergriffe hätte ich mir gewünscht, dass auch Schwarze Menschen, Muslime und Sinti und Roma eine vergleichbare Berücksichtigung im Text erfahren.“

Was ihr mehr fehle, sei „ein überzeugendes sicherheitspolitisches Konzept gegen Rechtsextremismus, das uns allen das Gefühl vermittelt, wir können in Deutschland eine sichere Zukunft planen“.

Zentralrat der Muslime: „Koalitionsvertrag blendet muslimisches Leben aus“

In seiner Pressemitteilung von heute zeigte sich der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) „tief besorgt“ angesichts der jetzigen Einigung. Er beklagt „inhaltliche Leerräume und unausgewogene Schwerpunktsetzungen“. Deutsche MuslimInnen blieben unerwähnt.

Als „gravierend“ wurde die fehlende Erwähnung des Phänomens der Muslimfeindlichkeit bezeichnet. „Der von den Koalitionären angekündigte Nationale Aktionsplan gegen Rassismus bleibt in dieser Hinsicht vage und unvollständig. Eine Strategie, die Diskriminierung bekämpfen will, muss ihre Erscheinungsformen deutlich benennen – auch dann, wenn sie Muslime betrifft.“

Politisch hält es der Zentralrat für einen Fehler, dass diese BürgerInnen des Landes nicht als Teilnehmer an gesellschaftlichen Prozessen wie Wahlen auftauchen. „Bei der letzten Bundestagswahl wurde deutlich, dass sich ein großer Teil der muslimischen Wähler:innen für Parteien links der Mitte entschieden hat – insbesondere dort, wo ernstzunehmende Angebote gemacht wurden (…).“ Dieser Trend mache klar, dass die Gemeinschaft eingebunden werden müsse.

Ramadan-Fragen

Foto: Ömer Sefa Baycal

„Die religionspolitische Ausrichtung des Vertrages bleibt hinter demokratischen Standards zurück. Zwar wird die Rolle der Kirchen anerkannt, doch islamische Religionsgemeinschaften bleiben völlig unsichtbar – weder bei Fragen wie Religionsunterricht, Seelsorge oder Wohlfahrtsarbeit, noch bei der institutionellen Kooperation mit staatlichen Stellen. Der vielfach beschworene interreligiöse Dialog bleibt somit unvollständig und unausgewogen.“

Als Reaktion auf das Koalitionspapier fordert das Gremium „eine politische Neuausrichtung“. Dazu gehören: Benennung und Bekämpfung von Muslimfeindlichkeit im Nationalen Aktionsplan gegen Rassismus, Sichtbarmachung sowie Förderung muslimischen Lebens, die Schaffung eines Bundesbeauftragten für muslimisches Leben und eine gleichberechtigte Religionspolitik, „die muslimische Gemeinschaften auf Augenhöhe einbindet und nicht länger institutionell benachteiligt“.

Gemischte Reaktionen bei Migration und Integration

Viele Menschen mit Zuwanderungsgeschichte waren in den vergangenen Monaten beunruhigt, weil die CDU/CSU gefordert hatte, die von den Ampel-Parteien verabschiedete Reform des Staatsangehörigkeitsrechts mit einer von acht auf fünf Jahre verkürzten Wartefrist für Einbürgerungen und der Erlaubnis für die doppelte Staatsbürgerschaft auch für Nicht-EU-Bürger rückgängig zu machen.

Der Unionsvorschlag, Eingebürgerten mit Doppelpass bei Straffälligkeit den deutschen Pass wieder wegzunehmen, sorgte für massive Verunsicherung. Hier soll laut Koalitionsvertrag alles so bleiben, wie es ist.

Einzige Ausnahme: Die Einbürgerung schon nach drei Jahren für Menschen, die besondere Integrationsleistungen nachweisen können – wie etwa ehrenamtliches Engagement oder hervorragende Sprachkenntnisse – soll wieder gestrichen werden. (sw, ak)

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Eine Zäsur in Deutschland: Mehr Konfessionslose als Kirchenmitglieder

Bekenntnisdruck konfession

Eine Analyse der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland belegt den Trend zur säkularen Gesellschaft. Erstmals gibt es mehr Konfessionsfreie als Katholiken und Protestanten.

Berlin (dpa). Historischer Wendepunkt nach Jahrhunderten: Erstmals in der Geschichte Deutschlands bilden Konfessionslose einen größeren Anteil an der Bevölkerung als Katholiken und Protestanten.

Dies geht aus Daten hervor, die die Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland zusammengetragen hat. Demnach gibt es rund 39 Millionen Menschen ohne Religionszugehörigkeit und etwa 38 Millionen, die noch Mitglied bei einer der beiden großen Kirchen sind.

Ende 2024 habe es in Deutschland erstmals mehr konfessionsfreie Menschen (47 %) als römisch-katholische und evangelische Kirchenmitglieder zusammen (45 %) gegeben, heißt es von den Forschern. Noch 1990 etwa lag der Anteil der Konfessionsfreien lediglich bei 22 %.

Die Zahl der Katholiken in Deutschland fiel 2024 erstmals unter die Marke von 20 Millionen (19,8 Millionen). Das hatte Ende März in Bonn die Deutsche Bischofskonferenz mitgeteilt. Der katholische Bevölkerungsanteil macht damit nur noch etwa 24 % aus. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) in Hannover teilte mit, Ende 2024 noch rund 18 Millionen (17,98) Menschen als Mitglied gehabt zu haben. Das sind etwa 21 %.

Eine Million Kirchenmitglieder weniger 2024 – das war die Wende

Insgesamt verloren die beiden großen christlichen Kirchen im vergangenen Jahr durch Austritte und Todesfälle zusammen mehr als eine Million Mitglieder. Dies brachte sozusagen die Wende im Verhältnis zu den Konfessionslosen. Dennoch ist die Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland zumindest statistisch und rechnerisch noch religionszugehörig.

Denn neben Mitgliedern der beiden großen Kirchen gibt es laut der Forschungsgruppe Weltanschauungen rund 3,3 Millionen konfessionsgebundene Muslime (vier % Bevölkerungsanteil) sowie Hunderttausende weitere Christen oder Menschen, die christlichen Gemeinschaften angehören, darunter verschiedene Orthodoxe, Freikirchler, Zeugen Jehovas.

Foto: thauwald-pictures, Adobe Stock

Außerdem gibt die Forschungsgruppe als weitere Religionen etwa auch Aleviten, Buddhisten, Hindus und Jesiden an. Aufgrund der deutschen Geschichte und dem Holocaust auch relevant: 0,1 % der Bevölkerung in Deutschland sind Juden.

Die Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid) betont, sie wolle keine Exaktheit suggerieren, „die unter der gegebenen, lückenhaften Datenlage“ unmöglich sei. Es handle sich aber „um belastbare Trends“.

Die zusammengetragenen Zahlen seien „eine Mischung plausibler Daten und Schätzungen“. Es gebe eine unzureichende statistische Datenerhebung durch öffentliche Stellen, etwa bei der Erhebung muslimischer Bevölkerungsanteile, betont die Forschungsgruppe. Sie erhebt nach eigenen Angaben seit 2005 Daten und Fakten zu relevanten Aspekten von Weltanschauungen.

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Kurzmeldungen Deutschland (Nr. 356): Steinmeier in Ankara und bayrische Imame

Freitagsgebet

Die Kurzmeldungen aus Deutschland (Nr. 356) reichen von Außenpolitik, über handfeste Muslimfeindlichkeit bis zu Imamen in Bayern. Steinmeier: Türkei spielt eine wichtige Rolle ANKARA (MEMO). Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die […]

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„Doppelte Tragik“: Zentralrat beklagt Muslimfeindlichkeit

berlin CLAIM

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Abdassamad El Yazidi, kritisiert eine aus seiner Sicht herrschende Untätigkeit der Politik, wenn es um Muslimfeindlichkeit geht. Und sagt, was zu tun sei.

Köln (KNA). Anschläge wie der tödliche Angriff auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt haben nach Worten des Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Abdassamad El Yazidi, für Muslime oft eine „doppelte Tragik“.

„Einerseits sind wir genauso Opfer solcher Anschläge wie alle anderen Bürgerinnen und Bürger. Andererseits erleben wir immer wieder, dass Muslime unter Generalverdacht gestellt werden“, sagte El Yazidi im Interview des kirchlichen Kölner Internetportals domradio.de (Donnerstag).

Islamismus yazidi

Foto: Zentralrat der Muslime in Deutschland, Facebook

Zentralrat: „Klima des Misstrauens“

„Es ist erschütternd, dass in einer Demokratie wie der unseren ein solches Klima des Misstrauens und der Stigmatisierung existiert.“

Vor einer Woche hatte ein Mann aus Saudi-Arabien ein Auto mit hoher Geschwindigkeit in den Weihnachtsmarkt der Magdeburger Innenstadt gesteuert. Fünf Menschen starben, etwa 200 Personen wurden teils schwerst verletzt. Gegen den Mann wurde Haftbefehl erlassen.

Er lebt seit 2006 in Deutschland und hatte sich in sozialen Netzwerken unter anderem wiederholt islamkritisch geäußert. Das genaue Tatmotiv des Arztes ist jedoch unklar. Nach dem Anschlag waren Sicherheitsdebatten aufgekommen. Medienberichten zufolge will sich der Innenausschuss des Bundestages am 30.12. mit dem Thema befassen.

Brandanschlag Razzia IS mannheim Polizei messer

Foto: Pixabay.com | Lizenz: CC0 Public Domain

Muslimfeindlichkeit das Problem aller

El Yazidi beklagte eine stetige Zunahme von antimuslimischem Rassismus in Worten und Taten sowie eine aus seiner Sicht herrschende Untätigkeit der Politik. Er forderte von der Politik, dass Empfehlungen aus einer Studie zu Muslimfeindlichkeit umgesetzt werden müssten. „Dazu gehören strengere Regeln für soziale Medien, klare Positionierungen der Politik und mehr Schutz für muslimische Einrichtungen.“

Insgesamt sei es eine Aufgabe aller: „So wie Antisemitismus nicht nur ein Problem der jüdischen Gemeinschaft ist, ist Islamfeindlichkeit nicht nur unser Problem. Es braucht ein gemeinsames Engagement aller Bürgerinnen und Bürger.“

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Viel Schatten. Die deutsche Syrienpolitik enthält düstere Kapitel

syrien politik

Die Verbindungen von zwei deutschen Staaten zu Syrien bis zur Wiedervereinigung sind lang und komplex. Darunter sind auch sehr düstere Kapitel. (iz). Direkt, nachdem die kriminelle Assad-Familie von der Macht […]

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Ampel-Bilanz: Es wurde viel Porzellan zerschlagen

ampel

Angriff auf Grundrechte, Abschiebedebatten, gesellschaftlicher Generalverdacht: Die Ampel-Regierung hinterlässt Rekordwerte in Sachen Ausgrenzung, Straftaten und Gewalt – und eine zutiefst verunsicherte muslimische Community.

(iz). Zum Schluss gab es noch einmal einen dicken Stinkefinger. Einen Tag nachdem Bundeskanzler Olaf Scholz am 6. November 2024 das vorzeitige Aus der Ampel-Regierung verkündete, erklärten SPD, Grüne und FDP gemeinsam mit CDU/CSU und AfD noch ein letztes Mal deutsche Muslime zum Problem.

Mit der am 7. November verabschiedeten Bundestag-Resolution „Nie wieder ist jetzt“ sollte eigentlich jüdisches Leben geschützt werden. Tatsächlich tat die Ampel aber auch diesmal nur, was sie in den letzten drei Jahren perfektioniert hatte: eine autoritäre Politik auf Kosten der Schwächsten. Formulierungen vom „importierten Antisemitismus“ und Maßnahmen, die Judenfeindlichkeit vor allem mit Verschärfungen im Aufenthalts-, Asyl- und Staatsangehörigkeitsrecht bekämpfen sollen, hatten in ihrer AfD-Variante vor 2021 noch zurecht für große Empörung im Bundestag gesorgt.

Nun wurden die von Menschenrechtsorganisationen, Juristinnen und Kulturschaffenden einhellig kritisierte Resolution unter Applaus von SPD, Grünen und FDP verabschiedet. Nur das BSW widersetzte sich der Großen Koalition des anti-muslimischen und anti-migrantischen Generalverdachts. Die Linke enthielt sich.

Ampel-Regierung: Teilhabe um Jahrzehnte zurückgeworfen 

Autoritarismus, Migrationsfeindlichkeit, anti-muslimischer Rassismus eine bedingungslose Solidarität mit einer mörderischen und rechtsextremen israelischen Regierung. Das sind einige der Merkmale der Ampel-Politik der letzten drei Jahre. Mit einer kaum für möglich gehaltenen Vehemenz und Konsequenz hat die selbsterklärte Fortschrittskoalition das Ringen um Teilhabe und Gleichberechtigung in Deutschland um Jahrzehnte zurückgeworfen.

Meinungsfreiheit und Versammlungsfreiheit, Migrations- und Asylpolitik, Schutz vor Gewalt und Diskriminierung: In all diesen Fragen stehen Geflüchtete, Muslime, arabischstämmige Menschen und viele weitere Menschen in Deutschland heute schlechter da als vor der Ampel. Der „zunehmenden Bedrohung von Musliminnen und Muslimen und ihren Einrichtungen“ wolle man mit „umfassendem Schutz, Prävention und besserer Unterstützung der Betroffenen“ begegnen.

Das war eines von vielen Versprechen, das SPD, Grüne und FDP den rund sechs Millionen muslimischen Menschen in Deutschland im November 2021 in ihrem Koalitionsvertrag gegeben hatten. Getan haben sie das Gegenteil.

Muslimfeindlichkeit Islamkonferenz debatte

DIK 2022. Ministerin Faeser im Gespräch mit einer Teilnehmerin. (Pressefoto: © Henning Schacht / Bundesinnenministerium)

Nur als Belastung oder Bedrohung

Dass an dem Versprechen nicht viel dran ist, merkte man zuallererst in der Migrationspolitik. Flüchtlinge tauchten in der Politik der Bundesregierung von Beginn an fast nur als Belastung und Bedrohung auf. Diskurse rund um Ausgrenzung und Stigmatisierung von Schutzsuchenden prägten die gesamte Legislaturperiode der Ampel.

Mit den mittlerweile zum Spottbegriff gewordenen „großen Bauchschmerzen“ billigten die Grünen im Juni 2023 den sogenannten EU-Asylkompromiss und damit eine repressive Migrationspolitik, von der vor einigen Jahren noch nicht einmal die AfD geträumt hatte.

Als SPD, Grüne und FDP das Gesetz absegneten, hagelte es Kritik durch Menschenrechtsorganisationen. Doch die Ampel machte genauso weiter. Drei von zahlreichen Beispielen: Die Verabschiedung des „Rückführungsgesetzes“ vom Oktober 2023, Olaf Scholz, der auf dem Cover von Der Spiegel forderte: „Wir müssen endlich im großen Stil abschieben“ und ein eigens zu Wahlkampfzwecken organisierter Abschiebeflieger nach Afghanistan im August 2024.

Die Chance war so groß wie nie

Nach Maßnahmen, die Teilhabe und Gleichberechtigung von Menschen in Deutschland verbessern, muss man in der Bilanz der Ampel lange suchen. Im Juli 2022 nahm die neu eingerichtete Antidiskriminierungsstelle des Bundes ihre Arbeit auf. Im Juni 2024 trat das neue Staatsangehörigkeitsgesetz in Kraft. Mit der Reform beendete die Ampel zwar endlich das diskriminierende Doppelpass-Verbot und ermöglichte schnellere Einbürgerungen, erhöhte aber gleichzeitig die Hürden hierfür.

Nennenswerte weitere Maßnahmen gegen Diskriminierung und für Gleichberechtigung gab es nicht. Dabei hatte die Ampel-Regierung hierfür eigentlich die besten Voraussetzungen. Im Juni 2023 stellte der noch von der Vorgängerregierung eingesetzte „Unabhängige Expertenkreis Muslimfeindlichkeit“ einen umfassenden, detaillierten und wissenschaftlich fundierten Blueprint für die Gleichberechtigung von Muslimen in Deutschland vor.

Doch bis zu ihrem Regierungsende hatte die Bundesregierung keine einzige der dutzenden Handlungsempfehlungen der Expertenkommission umgesetzt. Der 400 Seiten starke Bericht verschwand erst in der Schublade und schließlich im Schredder des Bundesinnenministeriums.

2023 muslime

Foto: Deutscher Bundestag / Janine Schmitz /photothek

Der 7. Oktober änderte alles

Mit ihrer ausgrenzenden Politik gegenüber Muslimen und Asylsuchenden wäre die Ampel wahrscheinlich dennoch nur als Fußnote in die Geschichte der deutschen Islam- und Migrationspolitik eingegangen. Zu sehr hat man sich schon an die kontinuierlichen Gesetzesverschärfungen und stigmatisierenden Debatten gewöhnt. Wäre da nicht der 7. Oktober 2023.

Der Angriff der Hamas bildete den Startpunkt zu einer in der bundesdeutschen Geschichte beispiellosen Stimmungsmache gegen muslimische und arabischstämmige Menschen, die im öffentlichen Diskurs über alle Parteien hinweg als „Antisemiten“ und „Terror-Sympathisanten“ dargestellt wurden. Die bedingungslose Solidarität mit der rechtsextremen und mörderischen israelischen Regierung wurde begleitet von einem kaum für möglich gehaltenen Ausmaß an Ausgrenzung, Kriminalisierung und Stigmatisierung in Deutschland. 

Allen voran auch diesmal: Politiker der Ampel in einer über die gesamten Parteienlandschaften gefeierten Rede zu „Israel und Antisemitismus“ behauptete Vize-Kanzler und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck am 2. November 2023 erst wahrheitswidrig, muslimische Repräsentanten in Deutschland hätten sich nicht von Hamas und Antisemitismus distanziert und drohte ihnen, sie würden „ihren eigenen Anspruch auf Toleranz zu unterlaufen“.

izh hamburg

Foto: Zairon, via Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY-SA 4.0

Razzien blieben ohne Empörung

Dass das nicht nur eine leere Drohung war, bekamen muslimische Gemeinden unter anderem am 16. November zu spüren. Hunderte Polizisten stürmten über 50 Moscheen und islamische Einrichtungen in Deutschland. Die Bilder von vermummten und schwer bewaffneten Polizisten auf Gebetsteppichen wären in normalen Zeiten Anlass für weitreichende Empörung über den Zustand von Religionsfreiheit und Minderheitenschutz in Deutschland gewesen. Nach dem 7. Oktober schaffte es die größten Razzia gegen Muslime in Deutschland bestenfalls in eine Meldung auf die hinteren Zeitungsseiten. 

Als Behörden ein halbes Jahr später am 24. Juli 2024 Hamburgs Imam-Ali-Moschee, eine der ältesten Moscheen des Landes und Zentrum des schiitischen Lebens in Deutschlands, beschlagnahmten, widersprach kaum noch jemand öffentlich. So sehr hatte man sich in zweieinhalb Jahren Ampel-Regierung schon an die Grundrechtseinschränkungen gegenüber Muslimen und die Erzählungen von angeblicher islamistischer Unterwanderung gewöhnt. 

Repression statt Dialog

Wie selbstverständlich eine Islampolitik- und Migrationspolitik, die allein auf Repression und Abschreckung setzt, unter der Ampel geworden ist, wurde auch bei der Islamkonferenz im November 2023 deutlich. Das einst von Wolfgang Schäuble als Dialogforum ins Leben gerufene Format, wandelte die Bundesinnenministerin zu einer Bühne für staatliche Bevormundung und Ausgrenzung.

Ohne Begründung lud sie den Zentralrat der Muslime kurzfristig von der Veranstaltung aus. Auch kein anderer muslimischer Repräsentant durfte sich an das Rednerpult stellen. Statt sich dem ursprünglich angesetzten Thema „Muslimfeindlichkeit“ zu widmen, nutzte die Bundesinnenministerin die Veranstaltung für eine paternalistische Rede, die zum größten Teil selbst aus Muslimfeindlichkeit bestand.

Polizei Gewalt

Foto: Tim Eckert, Shutterstock

Ampel-Politik führte zu Entfremdung

Insbesondere die Repressionen im Zusammenhang mit dem Krieg in Nahost forcierte die Ampel-Regierung seit dem 7. Oktober in einem Ausmaß und mit einer Vehemenz, dass man mit der Empörung kaum noch hinterherkommt: Verbote von palästinensischen Symbolen und Slogans, Demoverbote, Absagen (vermeintlich) propalästinensischer Veranstaltungen, von denen auch viele jüdische Kulturschaffende betroffen sind.

Dass Menschenrechtsorganisationen Deutschland mittlerweile regelmäßig für Einschränkungen von Meinungs- und Versammlungsfreiheit kritisieren, die Zahlen antimuslimischer Straftaten und Diskriminierungsfälle so hoch sind wie nie: All das gehört zur Bilanz von drei Jahren Ampel-Regierung. 

Fragt man Angehörige von marginalisierten Gruppen in Deutschland selbst nach ihrer Meinung zur Ampel-Regierung, dann verblasst aber selbst diese beispiellose rassistische Diskursverschiebung angesichts des Frusts über das Unrecht, das Israel mit deutscher Hilfe im Nahen Osten begeht.

Mit der bedingungslosen Unterstützung eines Krieges, der täglich neue Verbrechen und Massaker produziert und vielen Experten längst als Völkermord gilt, hat die Ampel-Regierung Millionen von Menschen in Deutschland in einem Maß von deutscher Politik und Gesellschaft entfremdet, wie es Jahrzehnte rechter Migrations- und Islamdebatten nicht geschafft haben. Diese Folgen von drei Jahren Ampel wird die deutsche Gesellschaft wohl auch dann noch spüren, wenn Scholz, Habeck, Lindner und Co. längst in Vergessenheit geraten sind.

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