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Deutscher Engagementpreis 2026: Muslimische Gemeinde aus Herne nominiert

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Die Islamische Gemeinde Herne-Röhlinghausen ist für den Deutschen Engagementpreis 2026 nominiert. Ausgezeichnet wurde sie zuvor für ihre europäische Bildungs- und Jugendarbeit. Während der Verein bundesweit Anerkennung findet, sieht er sich im Internet massiven Anfeindungen ausgesetzt.

Herne (IZ).Eine muslimische Gemeinde aus dem Ruhrgebiet steht im Wettbewerb um eine bundesweite Auszeichnung für ehrenamtliches Engagement. Die Islamische Gemeinde Herne-Röhlinghausen e.V. ist für den Deutschen Engagementpreis 2026 nominiert. Anlass ist ihre Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die sich in zahlreichen Projekten mit Demokratie, europäischen Werten und gesellschaftlicher Verantwortung beschäftigen.

Der Verein gehört zu den knapp 500 Nominierten, die in diesem Jahr am Publikumsvoting teilnehmen. Zuvor war er vom Land Nordrhein-Westfalen als „Europaaktive Zivilgesellschaft“ ausgezeichnet worden. Die Ehrung durch die Staatskanzlei am 25. Februar eröffnete der Gemeinde den Weg zum bundesweiten Wettbewerb.

Die Anerkennung wird als Dachpreis für freiwilliges Engagement vergeben. Bewerben kann man sich nicht selbst. Voraussetzung ist eine vorherige Auszeichnung durch einen anderen Engagementpreis. Insgesamt wurden 2026 mehr als 600 Initiativen und Engagierte nominiert.

Beim Publikumspreis entscheidet eine öffentliche Abstimmung über die Platzierung. Der erste Preis ist mit 10.000 Euro und einem professionellen Imagefilm verbunden. Die Zweit- und Drittplatzierten erhalten 7.500 beziehungsweise 5.000 Euro. Noch bis zum 29. Oktober, 17.59 Uhr, können Stimmen abgegeben werden. Die Preisverleihung findet am 26. November in Berlin statt.

Für den Herner Verein ist die Nominierung eine Anerkennung seiner überwiegend ehrenamtlichen Arbeit. Jugendleiter, Studierende und Gemeindemitglieder organisieren Bildungsangebote, Begegnungen und Veranstaltungen, die sich nicht allein an Muslime richten.

Foto: alle von Islamische Gemeinde Herne-Röhlinghausen

Junge Muslime beschäftigen sich mit Europa

Im Mittelpunkt der ausgezeichneten Tätigkeit steht die Vermittlung europäischer Werte. Die Gemeinde möchte insbesondere Kinder und Jugendliche erreichen, für die Institutionen wie das Europäische Parlament oder die Europäische Union im Alltag häufig weit entfernt erscheinen.

„Europa ist für uns kein abstraktes Konstrukt, sondern das Fundament für ein friedliches Miteinander direkt bei uns im Quartier“, erklärt Tuncay Nazik, der als Ansprechpartner des Vereins beim Deutschen Engagementpreis genannt wird.

Wie die Gemeinde diesen Anspruch umsetzt, zeigte sich in diesem Frühjahr. Anfang April beteiligten sich rund 40 Kinder und Jugendliche an der Auftaktveranstaltung des Projekts „Botschafter:innen der Vielfalt Europas“. Bei einem pädagogisch begleiteten Puzzle-Wettbewerb beschäftigten sie sich mit europäischen Themen.

Es folgten Vorträge und Workshops über Demokratie, europäische Werte und gesellschaftliches Engagement. Am 11. Juni erhielten 17 Mitglieder der Muslimischen Jugend Röhlinghausen im Herner Demokratiezentrum ihre Zertifikate als Europabotschafter.

Überreicht wurden diese vom ehemaligen Europaabgeordneten Jürgen Klute und der Vorsitzenden der Europa-Union Herne, Julia Rimkus. Die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Katarina Barley, würdigte die Jugendlichen in einer Videobotschaft.

Auch mit der Veranstaltungsreihe „Wallah, ich steh’ auf Europa“, Bildungsreisen nach Straßburg und der Verteilung von Informationsmaterialien versucht die Gemeinde, politische Bildung mit den Erfahrungen junger Menschen zu verbinden. Die Europa-Union Herne unterstützt einen Teil dieser Arbeit.

Anfeindungen nach öffentlicher Anerkennung

Die Nominierung rief allerdings nicht nur positive Reaktionen hervor. Nachdem eine Nachrichtenseite über den Verein berichtet hatte, entwickelte sich unter dem Beitrag auf Facebook eine Welle ablehnender Kommentare.

Nach Angaben der Gemeinde gingen innerhalb eines einzigen Tages Tausende Kommentare ein. Viele davon seien beleidigend gewesen, andere hätten Beschimpfungen und Gewaltfantasien enthalten. Einige Kommentierende hätten den Mitgliedern sogar abgesprochen, Muslime zu sein.

Radio Herne berichtete am 15. Oktober ebenfalls über die Anfeindungen. Die genaue Zahl der Kommentare und deren Inhalt konnten unabhängig nicht vollständig überprüft werden.

Besonders betroffen von den Reaktionen sind nach Darstellung des Vereins ausgerechnet jene jungen Menschen, deren gesellschaftliches Engagement die Nominierung ermöglicht hat. Sie hatten Präsentationen vorbereitet, eigene Arbeiten gestaltet und ihre Ergebnisse öffentlich vorgestellt.

Die Gemeinde sieht sich durch die Angriffe in ihrer Arbeit bestätigt. Die Erfahrungen zeigten, wie notwendig Angebote für Toleranz, Demokratie und ein friedliches Zusammenleben seien, heißt es in einer Mitteilung. Gleichzeitig ruft sie dazu auf, die Nominierung beim Publikumspreis zu unterstützen.

Foto: alle von Islamische Gemeinde Herne-Röhlinghausen

Eine Moscheegemeinde mit vielen Aufgaben

Die politische Bildungsarbeit ist nur ein Teil der Aktivitäten des Herner Vereins. Die Gemeinschaft versteht sich als religiöse Gemeinschaft und zugleich Einrichtung der Jugend-, Bildungs- und Sozialarbeit.

Neben der Religionsausübung gehören die Förderung von Bildung, Jugendhilfe, kultureller Toleranz und Völkerverständigung zu ihren satzungsgemäßen Aufgaben. Besonders die Muslimische Jugend Röhlinghausen übernimmt dabei zahlreiche Aktivitäten.

Regelmäßig organisiert sie Bildungsfahrten, Begegnungen, Freizeitveranstaltungen und Angebote zur gesellschaftlichen Orientierung. Ende September besuchten 43 Teilnehmende den nordrhein-westfälischen Landtag in Düsseldorf. Sie informierten sich dort über parlamentarische Abläufe und die politische Geschichte des Bundeslandes.

Zum Selbstverständnis der Gemeinde gehört, dass Jugendliche solche Angebote nicht nur besuchen, sondern zunehmend selbst organisieren. Ein Beispiel dafür ist die kostenlose Lernförderung, die in den Vereinsräumen angeboten wird.

Kostenlose Nachhilfe und Unterstützung beim Bildungsweg

Das Projekt „Talentscouting trifft Jugendarbeit“ wurde von Berat Davulcu ins Leben gerufen. Der heute 25-jährige Heil- und Inklusionspädagoge ist selbst in der Gemeinde aufgewachsen und engagierte sich bereits als Jugendlicher in der ehrenamtlichen Arbeit.

Jeden Samstag kommen Schülerinnen und Schüler unterschiedlichen Alters in die Gemeinde, um gemeinsam zu lernen, Unterrichtsstoff nachzuholen oder sich auf Prüfungen vorzubereiten. Ehrenamtliche übernehmen die Nachhilfe. Für die Familien entstehen keine Kosten.

Nach Angaben der TalentMetropole Ruhr haben bereits rund 100 Kinder und Jugendliche das Angebot genutzt. Einige reisen dafür aus den Nachbarstädten Bochum und Gelsenkirchen an.

Davulcu erhielt für seine Initiative 2025 den TalentAward Ruhr. Die Auszeichnung würdigt Projekte, die jungen Menschen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft bessere Bildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen.

„Ich bin selbst ein Arbeiterkind und setze mich daher für mehr Chancengerechtigkeit ein“, erklärte Davulcu anlässlich der Auszeichnung.

Seine Erfahrungen prägen das Projekt. Neben der klassischen Nachhilfe erhalten Jugendliche Informationen über Ausbildung, Studium und Fördermöglichkeiten. Auch Lernstrategien, Selbstorganisation und persönliche Beratung gehören dazu.

Die Gemeinde bietet damit Unterstützung, die manche Familien aus finanziellen Gründen nicht auf anderem Wege organisieren könnten. Zugleich entstehen Kontakte zwischen älteren und jüngeren Jugendlichen, die über den Schulunterricht hinausreichen.

Foto: alle von Islamische Gemeinde Herne-Röhlinghausen

Engagement über die eigenen Mauern hinaus

Die Islamische Gemeinde beteiligt sich zudem am öffentlichen Leben in Herne. Beim Kanalfest im September war sie mit einem eigenen Stand vertreten. Menschen ohne festen Wohnsitz, Menschen mit Behinderung und Beschäftigte des Sanitätsdienstes erhielten dort kostenloses Essen.

Hinzu kommen Aktionen für Bedürftige, Müllsammelaktionen im Stadtteil, interreligiöse Begegnungen sowie gemeinsame Veranstaltungen mit anderen gesellschaftlichen Einrichtungen.

Im Rahmen der Herner „Partnerschaft für Demokratie“ beteiligte sich der Verein 2025 an mehreren Projekten. Dabei ging es u.a. um soziale Feindbilder, die Geschichte der Integration und das Verhältnis zwischen Islam und Europa.

Auch Kontakte zu christlichen Gemeinden und anderen Religionsgemeinschaften gehören zu seiner Arbeit. Für die Verantwortlichen ist die muslimische Identität des Vereins kein Gegensatz zur Beteiligung am öffentlichen Leben. Vielmehr soll gerade die Gemeindearbeit jungen Muslimen Möglichkeiten eröffnen, sich in ihrer Stadt einzubringen.

Die Verbindung von religiöser Bildung, sozialer Unterstützung und gesellschaftlichem Engagement zeigt sich dabei weniger in großen Veranstaltungen als im regelmäßigen Alltag: bei der Nachhilfe am Samstag, bei Jugendtreffen, beim gemeinsamen Besuch politischer Einrichtungen oder bei der Unterstützung von Menschen in schwierigen Lebenslagen.

Einige der heute ehrenamtlich Aktiven haben früher selbst Angebote der Gemeinde genutzt. Berat Davulcu ist dafür ein Beispiel. Aus dem Jugendlichen, der dort Unterstützung und Orientierung fand, wurde ein Pädagoge, der inzwischen seinerseits Kinder und Jugendliche fördert.

Mit der Nominierung für den Deutschen Engagementpreis erhält diese Arbeit nun Aufmerksamkeit über Herne hinaus. Ob die Gemeinde auch einen der Publikumspreise erhält, entscheidet sich Ende Oktober.

Unabhängig davon gehen die regulären Angebote in Röhlinghausen weiter. Auch am nächsten Samstag wird dort wieder Nachhilfe erteilt.

Weitere Informationen und Abstimmung: https://www.deutscher-engagementpreis.de/publikumspreis/nominierte/7271-islamische-gemeinde-herne-roehlinghausen-ev

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Berlin: DMZ verleiht Ehrenamtspreis für engagierte muslimische Frauen

Ehrenamtspreis

Das Deutsche Muslimische Zentrum (DMZ Berlin e.V.) verleiht den Ehrenamtspreis „Nisa“ am 28. November 2024, ab 18:30 Uhr an drei ausgewählte muslimische Frauen, die durch ihren sozialen Einsatz und ihr Engagement aktiv an der positiven Entwicklung und Verstärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und Fortschritts beitragen.

Berlin (DMZ). Die feierliche Veranstaltung findet mit geladenen Gästen aus Politik, Gesellschaft und anderen Religionen im Gemeindesaal der St. Johanniskirche, Alt-Moabit 24, 10559 Berlin, statt. Für das Grußwort wurde Herr Joe Chialo, Senator für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt angefragt. Umrahmt wird die Veranstaltung von künstlerischen Darbietungen und einem abschließenden gemeinsamen Essen.

Zuvor waren die Berliner Moscheen und muslimischen Organisationen aufgerufen worden, besonders engagierte Frauen ihrer Gemeinschaften vorzuschlagen. Fünf muslimische Jurorinnen mit eigener weitreichender Erfahrung im Ehrenamt wählten aus den Nominierten die ersten drei Plätze aus, die hier mit dotierten Preisen besonders geehrt werden.

Der Preis wird nun bereits zum vierten Mal vom DMZ Berlin e.V. ausgelobt. Yalcin Delikaya, Vorsitzender des DMZ hebt hervor: „Ehrenamt ist elementar für eine starke Zivilgesellschaft und unverzichtbar wichtig für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland. Was mit ehrenamtlichem Engagement möglich ist, welche Kraft dahintersteckt, zeigen die hier ausgezeichneten Schwestern mit ihrer Vita und ihrem freiwilligen Einsatz.

Jedes Engagement in den Diensten der Gesellschaft verdient großen Dank und höchsten Respekt. Umso schöner ist es, wenn für jahrelange ehrenamtliche Tätigkeiten ein Abend organisiert und diese Personen auch gebührend gefeiert werden.“ 

Das Deutsche Muslimische Zentrum Berlin engagiert sich seit 1989 im Dialog mit der Berliner Gesellschaft und setzt hier immer wieder innovative brückenbauende Themen über kulturelle Grenzen hinweg.