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Erdbeben in Türkei und Syrien: Deutschlands Muslime reagieren mit Anteilnahme und Hilfsbereitschaft

Erdbeben Türkei Syrien

„Die Katastrophe hat auch uns tief im Herzen getroffen.“ Zenahir Mrakovic, Islamische Gemeinschaft der Bosniaken

Köln (iz). Nach dem schweren Erdbeben im türkisch-syrischen Grenzgebiet haben MuslimInnen in Deutschland mit Anteilnahme und Hilfsbereitschaft auf dessen verheerende Folgen für die Menschen in den betroffenen Regionen reagiert. In vielen deutschen Moscheegemeinschaften wurde die Katastrophe in den Freitagsgebeten erwähnt und für die MuslimInnen vor Ort gebetet. Darüber hinaus wurden in vielen Moscheen Hilfsgelder gesammelt.

Am Freitag trafen Repräsentanten der Union der Islamisch-Albanischen Zentren in Deutschland e.V. (UIAZD und der Islamischen Gemeinschaft der Bosniaken in Deutschland (IGBD) in der Zentrale des Moscheeverbands DITIB zu Kondolenzbesuchen ein. Dabei sprachen sie Überlebenden und Angehörigen ihre Anteilnahme sowie Solidarität aus. Mansur Khalili (Vorsitzender UIAZD) betonte: „Wir wollen am Freitag ebenfalls bundesweit in allen unseren Moscheen Spenden sammeln für die Erdbeben-Opfer. Unser Prophet sagte, dass die Ummah einem Körper gleicht, und wennn ein Glied leidet, so leidet der ganze Körper.“ Im Gespräch wurden Hilfsgelder und weitere Hilfen angeboten.

Muharrem Kuzey als Vorsitzender des obersten Religionsrates der DITIB und Leiter der Spendenkampagne bedankte sich für den Besuch. Er zeigte sich beeindruckt von der großen Anteilnahme und Solidarität in Deutschland sowie dem Zusammenhalt der Menschen in dem Katastrophengebiet in diesen schwersten Stunden. „Natürlich beten wir in unseren Moscheen für die Rettung so vieler Menschen, wie nur möglich. Gleichwohl sind wir als Menschen, als Gläubige dazu aufgerufen, zu helfen, wo und wie wir nur können. Bezeichnend dafür ist, dass Moscheen für die obdachlosen Erdbebenopfern geöffnet werden, ihnen Zuflucht bieten vor Kälte, Einsamkeit und Verzweiflung.“

Muslime sammeln Hilfen

Wie die IGMG am 10. Februar wurden alleine in ihren Reihen sowie im Hilfsverein Hasene International eine Million Euro für die Betroffenen im Erdbebengebiet gesammelt. „Die Hilfs- und Spendenbereitschaft der Menschen hält ungebrochen an. Die Situation vor Ort ist jedoch weiterhin katastrophal und wird zunehmend unerträglich“, teilte der Moscheeverband mit. „Was wir hier vorfinden und erleben, ist kaum in Worte zu fassen. Das Leid der Menschen ist unermesslich. Die Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln und Bekleidung wird zwar immer besser, ausreichend ist das aber noch lange nicht“, teilte IGMG-Vorsitzender Kemal Ergün aus der Region mit.

Direkt, nachdem das Beben und seine Folgen bekannt wurden, erklärte der Zentralrat der Muslime: „Der ZMD ruft zudem alle Hilfsorganisationen, Menschen guten Willens und insbesondere die muslimische Gemeinschaft in Deutschland auf, schnell und unbürokratisch Geld- und Sachspenden in die Erdbebengebiete zu schicken.“

Konkrete Unterstützung von Hilfsorganisationen

Am 6. Februar gab der Verein WEFA e.V. den Beginn seiner Nothilfe (https://wefa.org/de/nothilfe-tuerkei-wefa/?44005) bekannt. WEFA e.V. hat in Abstimmung mit verschiedenen Vereinen Hilfsmaßnahmen im Katastrophengebiet koordiniert und durchgeführt. Die in Europa gesammelten Spenden werden in Zusammenarbeit mit dem AFAD, dem Türkischen Roten Halbmond und der Diyanet Stiftung Türkei an die Erdbebenopfer übergeben.

Auch Islamic Relief Deutschland war kurz nach den Beben mit Helferteams vor Ort (https://www.islamicrelief.de/erdbeben-tuerkei-syrien/). Dabei wurden Lebensmittel und Winterkleidung verteilt, „um Betroffene vor der Kälte zu schützen“. Des Weiteren lieferten die Helfer Decken, Matratzen, Medikamente und weitere Unterstützung.

„Bei einer solchen humanitären Katastrophe wird jede Hilfe benötigt. Auch wir bemühen uns darum, unseren Brüdern und Schwestern beizustehen. Damit wir jedoch bei Notfällen wie diesen schnell handeln können, benötigen wir genügend Mittel“, gab muslimehelfen e.V. auf Facebook bekannt.

Auch die Tuisa Hilft Stiftung war mit HelferInnen vor Ort (https://tuisa.de/catalog/product/view/id/481/s/verheerendes-erdbeben-turkei-syrien/), um schnell Nothilfe zu leisten. „Menschen die alles verloren haben, stehen vor ihren zuerrütteten Häusern und warten darauf das Rettungskräfte ihre Kinder, Eltern, Ehepartner, Enkel oder Freunde bergen können. Darum sind wir hier, um den Menschen die überlebt haben, die warten und weinen aber auch hoffen eine helfende Hand zu sein.“

Einige muslimische Hilfsorganisationen in Deutschland:

WEFA e.V. https://wefa.org/de/
Islamic Relief https://www.islamicrelief.de/erdbeben-tuerkei-syrien/
muslimehelfen e.V. https://spenden.muslimehelfen.org/?emergency_disaster_relief=70
Hasene International https://www.hasene.org/de/
Tuisa Hilft Stiftung https://tuisa.de/catalog/product/view/id/481/s/verheerendes-erdbeben-turkei-syrien/

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Zerstörungen nach Erdbeben werden sichtbarer: Opferzahl steigt auf mehr als 37.500

Erdbeben

Istanbul/Damaskus (dpa/IZ/KNA). Eine Woche nach dem verheerenden Erdbeben im syrisch-türkischen Grenzgebiet ist die Zahl der Opfer auf mehr als 37.500 gestiegen. Alleine in er Türkei gebe es inzwischen 31.643 Todesopfer, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Montag unter Berufung auf die Katastrophenschutzbehörde Afad. Mehr als 80.000 Menschen wurden demnach verletzt. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO beträgt die Opferzahl in Syrien mindestens 5.900; tausende Personen werden vermisst.

Am frühen Montagmorgen vor einer Woche hatte die erste Erschütterung der Stärke 7,7 um 2.17 Uhr (MEZ) die Region erschüttert, Stunden später folgte ein zweites schweres Erdbeben (7,6). Das Epizentrum lag in der südtürkischen Provinz Kahramanmaras. Die Katastrophenschutzbehörde Afad registrierte bislang mehr als 2.400 Nachbeben. In der Türkei sind zehn Bezirke von dem Beben betroffen – dort gilt inzwischen ein dreimonatiger Ausnahmezustand.

Insbesondere in Syrien ist es schwierig

Inzwischen berichten HelferInnen von wachsender Verzweiflung. Viele Menschen könnten nicht in ihre Gebäude zurück, „weil sie stark einsturzgefährdet sind. Es gibt nur eine rudimentäre technische Ausstattung und Gerätschaft, um die Häuser zu stabilisieren und den Schutt wegzuräumen“, sagte der Projektkoordinator des katholischen Hilfswerkes missio Aachen in Syrien, Robert Chelhod, am Sonntag.

Zudem fühlten sich viele Menschen nach den Jahren des Bürgerkriegs in Syrien „einfach kraftlos“, sagte er. „Wir hatten die Hoffnung auf eine bessere Zukunft, aber die Verzweiflung greift nach dieser Katastrophe immer mehr um sich. Wer kann, verlässt Aleppo und flieht.“ Die HelferInnen wollten dennoch weitermachen „und gegen alle Hoffnung hoffen“.

„Wir hoffen, dass weitere Grenzübergänge für Hilfslieferungen geöffnet werden und mehr Hilfe in die Region gebracht werden kann“, sagte Oliver Hochedez, der die Nothilfe von Malteser International koordiniert. „Unsere syrischen Partnerorganisationen haben von uns finanzielle Hilfe bekommen, um auf dem syrischen Markt verfügbare Güter wie Lebensmittel und Decken einkaufen und schnell verteilen zu können.“ In Syrien gestalten sich Hilfsprojekte und Rettungsaktionen schwierig, weil das Erdbebengebiet im Norden von unterschiedlichen Seiten kontrolliert wird.

Corinne Fleischer, Regionaldirektorin für den Nahen Osten, Nordafrika und Osteuropa beim Welternährungsprogramm, sagte, das WFP sei in der Türkei und Syrien vor dem Beben stark präsent gewesen. Dies habe ermöglicht, eigene Mitarbeiter, Logistikkapazitäten und Partner sofort zu mobilisieren. Im Nordwesten Syriens hängen laut dem UN-Hilfswerk 4,1 Millionen Menschen von humanitärer Hilfe ab – 90 Prozent der Bevölkerung. Fast drei Millionen lebten als Vertriebene des Syrien-Konflikts trotz eisiger Temperaturen in Zelten, Behelfsunterkünften oder verlassenen Gebäuden. Die Beben hätten die akute Krise weiter verschlimmert.

Schnelle Hilfen aus dem Ausland

Auch Teams von mehreren Hilfsorganisationen aus Deutschland sind seit Tagen in dem Erdbebengebiet im Einsatz. 43 Prozent der Menschen in Deutschland haben laut einer Umfrage für die Opfer in den Erdbebenregionen gespendet oder wollen es tun.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan am 2. Februar in einem Telefonat die Lieferung von weiteren Zelten, Decken und Heizvorrichtungen zu. Über das sogenannte EU-Katastrophenschutzverfahren wurden der Türkei nach Angaben vom Sonntag schon jetzt 38 Rettungsteams mit 1.651 Helfern und 106 Suchhunden angeboten. Zudem hätten zwölf EU-Staaten 50.000 winterfeste Familienzelte, 100.000 Decken und 50.000 Heizgeräte zur Verfügung gestellt. Hinzu kämen 500 Notunterkünfte, 8.000 Betten und 2.000 Zelte, die die Kommission mobilisiert habe.

Bundesregierung will Einreisebestimmungen erleichtern

Die Bundesregierung kündigte an, die Visavergabe über ein unbürokratisches Verfahren zu vereinfachen, damit Betroffene zeitweilig bei Angehörigen in Deutschland unterkommen können. Betroffene des Erdbebens im türkisch-syrischen Grenzgebiet mit Verwandten in sollen offenbar erleichtert mit Visa einreisen dürfen: Das berichtet die „Bild am Sonntag“ unter Berufung auf Bundesinnenministerium und Auswärtiges Amt. „Es geht um Hilfe in der Not“, sagte Innenministerin Nancy Faeser (SPD) der Zeitung.

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Baden-Württemberg, Gökay Sofuoglu, rief die Behörden im Redaktionsnetzwerk Deutschland dazu auf, bei der Vergabe tatsächlich schnelle Entscheidungen zu treffen. „Es wird für alle ein Aufwand sein, aber in dieser schwierigen Lage sollten die Behörden sowohl in Deutschland, aber auch in der Türkei alles daran setzen, dass diese Menschen reisen können.“

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, forderte „die Zusage, weitere Finanzmittel bereitzustellen und alle mit der Flüchtlingsaufnahme verbundenen Kosten zu erstatten“. Für den kommenden Donnerstag hat Ministerin Faeser einen Flüchtlingsgipfel angekündigt. Eingeladen seien unter anderen die kommunalen Spitzenverbände und die Länder.

UN-Agentur will bis zu 500.000 Betroffene versorgen

 Nach den Erdbeben in der Türkei und in Syrien hat auch das Welternährungsprogramm WFP seine Nothilfe mobilisiert. Bis zum 4. Februar habe man fast 64.000 Menschen in beiden Ländern erreicht, teilte die UN-Organisation mit Hauptsitz Rom mit. Geplant sei, eine halbe Million Menschen zu versorgen. Das Hilfswerk forderte, ungehinderten Zugang nach Nordwest-Syrien zu gewähren, und rief die Staatengemeinschaft zu Spenden in Höhe von umgerechnet 43 Millionen Euro auf.

Im Südosten der Türkei nahe dem Epizentrum koordiniert das WFP der Mitteilung zufolge gemeinsam mit den Behörden die Verteilung von Familien-Nahrungsmittelpaketen in provisorischen Camps, in denen neben syrischen Flüchtlingen nun auch türkische Erdbebenopfer leben. In Gebieten, in denen Versorgungsketten und die Belieferung von Supermärkten unterbrochen ist, könne man für ein bis zwei Wochen Lebensmittel bereitstellen, bis sich die Lage stabilisiere.

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Hilfe für Erdbebengebiet: „Das Haus begann zu zittern“

Erdbebenopfer Erdbeben Türkei Syrien

Augenzeugen berichten über die Momente, als die Erde bebte. Hierzulande bangen Menschen um Angehörige. Zahlreiche Organisationen aus Deutschland helfen in der Türkei und Syrien mit Mitarbeitenden, Geld und Utensilien. Von Leticia Witte

Bonn (KNA). Rettungskräfte versuchen, Verschüttete rechtzeitig aus Trümmern zu befreien. Menschen halten sich in der Kälte im Freien auf – aus Angst, dass weitere Gebäude einstürzen könnten. Die Situation nach den schweren Erdbeben am Montag in der türkisch-syrischen Grenzregion ist verheerend. Die Zahl der Toten steigt: Bisher werden mindestens 2.300 Opfer gemeldet, verletzt wurden Tausende weitere Menschen. Krankenhäuser riefen zu Blutspenden auf.

Hilfe aus Deutschland

Organisationen aus Deutschland sind Teil der internationalen Hilfe. Auch wurden die Menschen in Deutschland zu Spenden aufgerufen. Mitglieder der türkischen Gemeinschaft in Deutschland bangen zum Teil um Angehörige. Spitzen aus Politik und Kirche hierzulande drückten ihre Trauer aus und riefen zu Solidarität und Unterstützung auf.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte, er hoffe, dass noch viele Menschen aus Trümmern gerettet würden. Bundeskanzler Olaf Scholz erklärte, dass Deutschland „selbstverständlich“ Hilfe schicken werde.

Derweil schickte Malteser International ein Nothilfeteam. „Vor allem in den Flüchtlingsgebieten im Norden Syriens benötigen unsere lokalen Partner dringend Unterstützung, denn dort leben hunderttausende Menschen in einfachen Unterkünften und sind nun nach dem Erbeben schutzlos“, hieß es. Auch andere Organisationen machten darauf aufmerksam, dass auf syrischer Seite Menschen vom Bürgerkrieg ausgezehrt seien.

Caritas international stellt nach eigenen Angaben 250.000 Euro bereit: „Der Bedarf an Hilfsgütern wie Nahrungsmittel, Wasser oder an Decken und Zelten für die provisorische Unterbringung wird gewaltig sein, das ist jetzt schon abzusehen.“ Die Diakonie Katastrophenhilfe stellte 500.000 Euro für Nothilfemaßnahmen zur Verfügung. Weitere Organisationen, darunter Misereor, kündigten ebenfalls Hilfsgelder sowie Sachspenden an.

Lage in Syrien

Ein Helfer von World Vision aus Syrien wird mit den Worten zitiert: „Während wir schliefen, begann das Haus zu zittern.“ Jedes Nachbeben löse bei ihm erneut Panik aus. „Die meisten Menschen halten sich derzeit bei Schnee und Regen auf den Straßen auf.“ Rami Araban von Care Deutschland, ein weiterer Augenzeuge, berichtete aus Gaziantep: „Ich dachte, dass die ganze Stadt zusammenstürzt.“ Es gebe kein Wasser, Menschen stünden im Schnee.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) sagte, dass jede Hilfe in Bewegung gesetzt werde, „die wir aktivieren können“. Dabei nannte sie auch das Technische Hilfswerk. Dieses stimme sich bereits eng mit dem Türkischen Zivilschutz ab.

Der Zentralrat der Muslime bat die Bundesregierung, schweres Gerät und Nothilfe „schnell und unbürokratisch“ zu entsenden. Auch rief er die muslimische Gemeinschaft zu Spenden auf.

Spendenaktionen von muslimischen Hilfsorganisationen:

Hasane International https://www.hasene.org/de/

WEFA e.V. https://wefa.org/de/nothilfe-tuerkei-wefa/?44005

Islamic Relief Deutschland https://www.islamicrelief.de/erdbeben-tuerkei-syrien/

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Erdbeben in Türkei und Syrien

Das ganze Ausmaß der Katastrophe an der türkisch-syrischen Grenze ist noch nicht abzusehen. Internationale Hilfe läuft an. Auch muslimische Hilfsorganisationen starten unmittelbare Soforthilfe im Katastrophengebiet:

Links:

https://www.islamicrelief.de/erdbeben-tuerkei-syrien/

https://wefa.org/de/nothilfe-tuerkei-wefa/?44005

https://www.hasene.org/de/

Istanbul (dpa/iz) Nach einer der schwersten Erdbebenkatastrophen der letzten Jahrzehnte sind in der Südtürkei und Nordsyrien mehrere Tausend Tote zu befürchten. Die Zahl der Opfer wurde am Montagabend mit mehr als 3600 angegeben. Das tatsächliche Ausmaß war aber zunächst nicht absehbar, da wohl noch Hunderte verschüttet waren. Mehr als 15.000 Menschen in der Türkei und in Syrien wurden nach bisherigen Informationen verletzt. Präsident Erdogan ruft eine einwöchige Staatstrauer aus.

Die Grenzregion zwischen Syrien und der Türkei ist zerrüttet vom Krieg, geplagt von wirtschaftlicher Not und Heimat von Millionen Flüchtlingen. Schwere Erdbeben in einer kalten Winternacht vergrößern das Leid unermesslich. Die Opferzahlen steigen. Nach Angaben von Hilfsorganisationen sind in beiden Ländern Tausende obdachlos geworden – und das bei eisigem Wetter. 

Dem türkischen Katastrophendienst Afad zufolge hatte das Hauptbeben am Morgen mit Epizentrum im südtürkischen Kahramanmaras eine Stärke von 7,7. Mittags erschütterte ein Beben der Stärke 7,5 dieselbe Region, wie in Istanbul die Erdbebenwarte Kandilli meldete. 

Auch im Libanon und im Irak bebte die Erde, ebenso auf der nahe gelegenen Mittelmeerinsel Zypern. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sprach vom schwersten Beben seit 1939. Nach Angaben von EU-Vertretern war es eines der stärksten in der Region in mehr als 100 Jahren.

Man habe bisher mindestens 1651 Tote gezählt, berichtete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Im Bürgerkriegsland Syrien stieg die Zahl der Toten auf mindestens 936, wie das Gesundheitsministerium und die Rettungsorganisation Weißhelme mitteilten. In Syrien seien bei der Katastrophe rund 2400 Menschen verletzt worden. In der Türkei gab es bisherigen Erkenntnissen zufolge etwa 11 100 Verletzte. Präsident Erdogan verkündete eine einwöchige Staatstrauer. Flaggen aller Vertretungen im In- und Ausland sollen dafür bis Sonntag auf halbmast wehen. 

Die Türkei wird immer wieder von schweren Erdbeben getroffen. Dort grenzen zwei der größten Kontinentalplatten aneinander: die afrikanische und die eurasische. Der größte Teil der türkischen Bevölkerung lebt faktisch in ständiger Erdbebengefahr. 

UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich „zutiefst traurig“ über die Katastrophe. Die Vereinten Nationen stünden bereit, um Nothilfe zu leisten. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sagte zu, Deutschland werde Hilfe schicken. Das Zentrum für Katastrophenhilfe der EU koordiniert die Entsendung europäischer Rettungskräfte in die Türkei. Die EU will Betroffene auch in Syrien unterstützen. Auch Großbritannien, Indien oder die USA wollten Hilfe schicken. Führende Vertreter der muslimischen Verbände in Deutschland baten um Gebete und Spenden.

Griechenland erklärte sich trotz der Spannungen mit der Türkei bereit, Rettungsmannschaften in das Erdbebengebiet zu schicken. Athen und Ankara streiten sich seit Jahrzehnten um Hoheitsrechte in der Ägäis und im östlichen Mittelmeer, auch Finnland und Schweden kündigten Hilfe an.

Auch die israelische Regierung will der Türkei und auch Syrien, mit dem es sich im Kriegszustand befindet, Hilfe leisten. Auch Russland sagte beiden Ländern Hilfe zu. Der Iran bot ebenfalls Unterstützung an – er ist neben Russland im Bürgerkrieg der wichtigste Verbündete des syrischen Machthabers Baschar al-Assad. Eines der am schwersten vom Erdbeben betroffenen Gebiete war die Region Idlib in Syrien, die von Rebellen gehalten wird. Dies dürfte dort die staatliche Nothilfe erschweren. 

Nach mehr als elf Jahren Bürgerkrieg in Syrien kontrollieren Assads Regierungstruppen wieder rund zwei Drittel des Landes. 

Zur Unterstützung der Hilfe vor Ort wurde auch der Copernicus-Satellitendienst der EU aktiviert, wie EU-Kommissar Janez Lenarcic und der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell mitteilten. 

Die Türkei bat ihre Nato-Partner um Unterstützung. Konkret wurden etwa drei für extreme Wetterbedingungen geeignete Feldkrankenhäuser und Personal für deren Einrichtung genannt. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hatte bereits am Vormittag mitgeteilt, Alliierte seien dabei, Unterstützung zu mobilisieren. 

Der Verlust von Menschenleben und die Zerstörung infolge des Erdbebens brächen einem das Herz, schrieb der UN-Syrien-Vermittler Geir Pedersen auf Twitter. Viele Menschen in der Region litten ohnehin schon enorm und außerdem sehr lange. 

Hilfsorganisationen und Gemeinden in den betroffenen Regionen riefen neben Blutspenden auch zu Sachspenden auf und baten etwa um Decken, Heizer, Winterkleidung. Zahlreiche Organisationen aus Deutschland baten um Spenden und kündigten Soforthilfen an.

Link: https://www.islamicrelief.de/erdbeben-tuerkei-syrien/

https://wefa.org/de/nothilfe-tuerkei-wefa/?44005

https://www.hasene.org/de/

Fukushima stellte das technologische Projekt in Frage

(iz). Sollte die nukleare Katastrophe im japanischen Kernkraftwerk Fukushima behoben sein – und Menschen weltweit hoffen, dass dies bald der Fall sein wird -, dann stehen wir fraglos vor der dritten Zäsur dieses noch jungen Jahrhunderts. Und zwar nicht nur wegen des titanischen Ausmaßes dieser vermeintlichen „Naturkatastrophe“, sondern wegen ihrer Bedeutungen.

Das erste Jahrzehnt unseres 21. Jahrhunderts wurde zu Anfang durch die ­Anschläge von New York und Washington und zum Ende hin durch den Ausbruch einer alles verändernden ­Finanzkrise erschüttert. Wie bei den ­beiden vorherigen Ereignissen, die weit über den bloßen „Event“ hinausgehen, wird dem modernen Menschen durch globale Phänomene (hier der „Terrorist“ und dort der „gierige Manager“) die ­Verletzlichkeit seiner Welt vor Augen ­geführt.

Bei dem Ereignis in Japan betritt nun der „skrupellose Wissenschaftler“, und mit ihm der „politische Schauspieler“, der das Ganze ermöglicht, die Bühne. Es zählt zu den ironischen Fußnoten dieser Katastrophe, dass es im dicht besiedelten Japan im Gegensatz zu beinahe allen anderen Industrienationen keine nennenswerte Umweltbewegung gibt. Die tatsächliche fatalistische Ergebenheit gegenüber dem technologischen Projekt und seinen Folgen sind bei Weitem erschreckender, als es wilde Panik der Bevölkerung wäre.

In der dominanten Weltsicht von Ursache und Wirkung „führten“ Erdbeben und der resultierende Tsunami zur nuklearen Katastrophe – deren Ausmaß alles anderes als absehbar ist. In Folge dieses Denkens wird der Super-GAU nur noch in Hinblick auf einzelunternehmerische Verantwortung, politische Katastrophenhilfe und technische Lösungen behandelt, anstatt das Gesamtbild zu sehen. Seine Bedeutung geht verloren. Erdbeben und resultierende Tsunamis zählen zu den Naturphänomenen, mit denen Küstenbewohner in Erdbebengebieten seit jeher konfrontiert sind. Es ist die Vorstellung der Beherrschbarkeit von Schöpfung, die zur Besiedlung volatiler Küstenstreifen führt und zur irrealen Idee, Kernkraftwerke (in Japan sind es mehr als 50) auf dem tektonischen Unruheherd zu errichten.

Die Welle des nuklearen Tsunamis hat unsere Ufer erreicht. Sie löste – in unerwartet kurzer Zeit – ein Erdbeben unserer politischen Landschaft aus. Binnen weniger Tage wurden die Laufzeitverlängerungen deutscher Atomkraftwerke zu den Akten gelegt und Schwabens Grüne konnten in Stuttgart punkten.

Bisher waren dazu keine muslimischen Stimmen zu hören. Diese brenzlige Lage mit Sinn anzureichern wäre aber die eigentliche Aufgabe jeder Religion.

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Nach Xaver: Die Naturgewalten sind offenkundige Zeichen der Macht Allahs

(iz). Ein Wintersturm zog im Dezem­ber über Deutschland hinweg. Stürme sind ein religiöses Ereignis. Solch eine Naturerscheinung ist – egal wie groß – ein Hinweis auf etwas größeres. Es ist […]

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