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Offener Brief vom Benjamin Idriz: Kanzleramt ließ Chance verstreichen

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Im Frühjahr hat der Imam Benjamin Idriz in einem offenen Brief den Kanzler zu einem Gespräch eingeladen. Dieser hat die Chance ausgeschlagen.

(iz). Benjamin Idriz hat mit einem Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz ein stilles, aber deutliches Signal gesetzt: Er widerspricht der pauschalen Rede vom „Frauenbild im Islam“ – und lädt den Kanzler zugleich zum Gespräch nach Penzberg ein. 

In einer aufgeheizten Atmosphäre seit Oktober 2023 markiert dieses Schreiben den Versuch, die Debatte über Muslime und ihre Religion zurück auf eine differenzierte, dialogische Grundlage zu holen.

Beim F.A.Z.-Kongress 2026 in Frankfurt knüpfte Merz die Debatte über Gewalt gegen Frauen eng an Zuwanderung und verwies dabei ausdrücklich auf „das Familienbild im Islam“ und „das Frauenbild in diesen Gesellschaften“. Während er Beifall im Saal erhielt, lösten seine Worte bei vielen Muslimen Irritation und die Sorge aus, erneut als Kollektiv problematisiert zu werden.

Merz traf einen Nerv: Seit den Terroranschlägen der Hamas im Oktober 2023 und dem Krieg in Gaza haben sich Misstrauen und Distanz zwischen Bundesregierung und islamischen Organisationen spürbar verschärft, Klagen über Generalverdacht und einseitige Erwartungen zur Distanzierung häufen sich.

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Foto: B. Idriz

Benjamin Idriz ist seit Jahren eine prominente Stimme einer dialogorientierten Community. Die Islamische Gemeinde Penzberg gilt bundesweit als Modellgemeinde: Sie wird regelmäßig von Spitzen aus Politik, Kirchen und Wissenschaft besucht, darunter Bundespräsident Steinmeier und jüngst der bayerische Ministerpräsident Söder.

Idriz verbindet Gemeindearbeit mit theologischer Reflexion. Sein Buch „Der Koran und die Frauen“ wird inzwischen in fünfter Auflage aufgelegt und dient vielen als Referenz für ein, aus der Lehre begründetes Verständnis geschlechtergerechter Religionspraxis.

In Penzberg, darauf verweist er ausdrücklich, haben Musliminnen Leitungsfunktionen inne, gestalten das religiöse Leben mit und sind an allen Entscheidungsprozessen beteiligt. Gleichberechtigung soll hier Alltag, nicht bloß Programmsatz sein.

In seinem Schreiben an Merz setzt Idriz nicht bei der Verteidigung gegen Kritik an, sondern bei der Unterscheidung: Er akzeptiert ausdrücklich, dass problematische gesellschaftliche Entwicklungen benannt werden müssen, betont aber, entscheidend sei die „begriffliche Rahmung“.

Wenn der Kanzler vom „Frauenbild im Islam“ spreche, verwische er die Grenze zwischen religiöser Norm, kulturellen Praktiken und individuellen Fehlentwicklungen – und erwecke so den Eindruck, das Problem liege im Glauben selbst.

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Foto: Adobe Stock

Dem hält Idriz eine Gegenlektüre entgegen: Qur’an und prophetische Tradition formulierten ein Frauenbild, das auf Würde, Verantwortung, spiritueller Gleichwertigkeit und sozialer Gerechtigkeit beruhe; Defizite seien Folge historischer und sozialer Konstellationen, nicht religiöser Vorgaben.

Zugleich unterstreicht er, dass die eigene Gemeinde nicht nur theoretische Positionen vertrete, sondern Strukturen geschaffen habe, in denen Frauen tatsächlich mitbestimmen und gegen Diskriminierung aktiv vorgegangen werde. Damit verschiebt er den Fokus: Weg von abstrakten Zuschreibungen, hin zu konkreten Praxisbeispielen, an denen sich politische Debatten messen lassen.

Zentraler Punkt des Briefes ist die Einladung an den Kanzler, die Penzberger Gemeinde zu besuchen. Idriz schlägt vor, den von Merz eingeforderten „offenen Diskurs“ durch direkte Begegnung zu unterfüttern und daraus eine sachlich fundierte Debatte auf Augenhöhe zu machen.

Er bietet an, dem Bundeskanzler sein Buch zu überreichen und das Gespräch über Frauenrechte, Religion und Integration auf eine wissenschaftlich und praktisch erprobte Basis zu stellen.

Gleichzeitig verweist er höflich, aber unmissverständlich auf die Verantwortung politischer Spitzen für Ton und Wirkung ihrer Worte. Wer Debatten anstoße, müsse dafür sorgen, dass neben berechtigter Kritik auch positive Beispiele sichtbar würden – gerade jene Gemeinden, die sich aktiv für Gleichberechtigung einsetzen. 

Ein solcher Perspektivwechsel, so die Botschaft, stärke das Vertrauen von Muslimen in die Institutionen und ermutige diejenigen, die seit Jahren an einem partnerschaftlichen Miteinander arbeiten.

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Foto: Ryan Nash Photography, Shutterstock

Seit den Massakern vom 7. Oktober 2023 und dem Gazakrieg hat sich die Kommunikation zwischen Moscheeverbänden und Bundesregierung spürbar verschlechtert: Viele Gemeinden berichten von wachsender Verunsicherung, angespannten Sicherheitslagen und einem Diskurs, in dem Muslime häufig in sicherheits- oder problembezogenen Kontexten vorkommen.

Vorwürfe pauschaler „Importprobleme“, Diskussionen um Demonstrationsverbote und islamfeindliche Übergriffe haben das Vertrauen auf beiden Seiten belastet.

In dieses Klima hinein ist der Brief aus Penzberg mehr als eine Einzelreaktion auf eine unglückliche Formulierung. Er markiert den Versuch, die Beziehung zwischen Staat und Muslimen nicht defensive Stellungnahmen überlassen, sondern sie über konkrete Kooperation und theologisch reflektierte Praxis neu zu justieren.

Dass ein bundesweit vernetzter Imam früh und öffentlich das Gespräch mit Merz sucht, zeigt, dass es in Moscheegemeinschaften nicht an Ansprechpartnern mangelt, sondern an politischen Formaten, die diese Ressourcen ernsthaft nutzen. Das Schreiben ist damit ein Test: ob die Bundesregierung bereit ist, differenzierte muslimische Stimmen nicht nur als Adressaten von Integrationsappellen, vielmehr als Partner in einer gemeinsamen Wertearbeit wahrzunehmen.

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Eko Fresh zur „Stadtbild“-Debatte

Eko Fresh stadtbild

Die „Stadtbild“-Debatte dreht sich immer weiter. Jetzt mischt auch der Rapper Eko Fresh mit. Was dahinter steckt und was daran neu ist, erklärt eine Soziologin.

(KNA). „Nee, wir sind brav, wir sind deine Putzkräfte“, rappt Eko Fresh. „Unsere Mamas feuert man für paar Schmutzreste, sofort kontrolliert, wenn ich mich in den Bus setze.“ Von Nikolas Ender

Der Song mit dem Namen „Friedrich“ geht, seitdem ihn der 42-jährige türkischstämmige Rapper in den Sozialen Medien gepostet hat, durch die Decke.

Was hinter den Zeilen steckt: das Gefühl, wegen des eigenen Aussehens wie Dreck behandelt zu werden; dass die eigenen Mütter in unterbezahlten Jobs arbeiten müssen, sozial prekär angestellt, ohne zu wissen, ob sie nicht jeden Moment diese Stelle verlieren; dass man „Racial Profiling“ erlebt, also dass Polizisten oder Zugpersonal nur wegen des Aussehens kontrollieren. Allein mit mehr als 100.000 Likes auf TikTok scheint Eko Fresh einen Nerv getroffen zu haben.

„Es sind nicht nur zwölfjährige Jungs, die Eko Freshs Musik gut finden“, sagt die Soziologin Heidi Süß von der Internationalen Hochschule IU in Erfurt, die sich seit langem mit Rap beschäftigt. „Freshs Fans kommen aus allen möglichen Alterskohorten. Viele von ihnen haben einen Migrationshintergrund und selbst Rassismus erlebt.“

Foto: Ö. Mutlu/X

Mit dem Lied knüpft Eko Fresh an eine Debatte an, die Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) vor etwa zwei Wochen bei einer Pressekonferenz ausgelöst hatte. „Bei der Migration sind wir sehr weit“, sagte der Kanzler. Binnen eines Jahres habe man die Zahl der Asylantragsteller um etwa 60 Prozent reduziert.

Und dann kam der entscheidende Satz, um den sich seitdem eine Debatte dreht in Deutschland; einem Land, das in einer der größten Wirtschaftskrisen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs steckt: „Aber wir haben natürlich immer im Stadtbild noch dieses Problem, und deswegen ist der Bundesinnenminister ja auch dabei, jetzt auch in sehr großem Umfang Rückführungen zu ermöglichen und durchzuführen.“

Nach einem Kritikhagel bekräftigte der Kanzler seine Aussage noch mal – mit einer Erklärung, mit der Rapper Eko Fresh seinen Song einleitet: „Lieber Friedrich, du hast echt bezaubernde Töchter. Wir auch – aber unsere hausen in Löchern.“

In der Erklärung nach der CDU-Präsidiumsklausur hatte Merz gesagt: „Fragen Sie Ihre Kinder, fragen Sie Ihre Töchter, fragen Sie in Ihrem Freundeskreis herum. Alle bestätigen, dass das ein Problem ist.“ Das Problem – das ist laut Merz und einigen seiner CDU-Kollegen, die sich der Kritik angeschlossen haben, das viel besprochene „Stadtbild“.

Fresh beschäftigt mehr als das. Ihm geht es in seinem Song auch um die Armut, die Menschen in ihren eigenen vier Wänden erleben. Er fragt sich: Denkt der Kanzler auch an Frauen aus der Türkei, aus den arabischen Ländern oder anderen Gebieten? Oder spricht er nur für „weiße“ Frauen?

Kurzum: Wenn Merz über das Stadtbild spricht, beschäftigt ihn dann auch die wirtschaftliche Lage von Frauen mit Migrationshintergrund, die – so Eko Fresh – „in Löchern hausen“? Fresh wirft die Frage auf, für wen der Kanzler spricht, der ein Repräsentant aller Bürger des Landes ist. Dem Rapper geht es auch um migrantische weibliche Perspektiven.

„Rap war schon immer politisch“, erklärt Soziologin Süß. „In den Songtexten kamen immer auch mal Politikernamen vor.“ Rapper haben zum Beispiel über Angela Merkel gerappt, weil die Ex-Kanzlerin für viele eine weiße Mehrheitsgesellschaft repräsentierte.

Aber den Bundeskanzler so direkt mit Vornamen anzusprechen, ihm sogar einen ganzen Track zu widmen, so wie jetzt Friedrich Merz, sei eher die Ausnahme, so die Wissenschaftlerin.

„Die Erfahrung, sich fremd im eigenen Land zu fühlen, machen immer noch viele Menschen mit Migrationshintergrund“, sagt Süß. Fresh rappte dazu auch schon 2013 in seinem Lied „Quotentürke“: „Ganz egal, wie sehr ich mich auch änder’, ich bleib’ immer dieser Scheißausländer.“

Es lässt sich im Rap-Genre aber noch weiter zurückgehen: Die Heidelberger Hip-Hop-Gruppe Advanced Chemistry brachte bereits Anfang der 90er Jahre ein Rap-Lied zum Thema heraus. Es heißt: „Fremd im eigenen Land“. Heute hieße das Lied womöglich „Fremd im eigenen Stadtbild“. 

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Für ein Urteil ist es noch zu früh

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Am 6. Mai soll der neue Bundeskanzler gewählt werden. IGMG-Generalsekretär Ali Mete meint, es sei noch zu früh für ein abschließendes Urteil über den Umgang der neuen Koalition mit Deutschlands Muslimen.

(iz). Als am 9. April die Koalitionsvereinbarung bekannt wurde, reagierten verschiedene gesellschaftliche Interessengruppen mit Kritik an den Plänen der angestrebten Regierung. Verschiedene muslimische Stimmen bemängelten die mangelnde Erwähnung der 5 Mio. Muslime in der Bundesrepublik und das Framing ihrer Religion im negativen Kontext.

Wir befragten IGMG-Generalsekretär Ali Mete zu seiner ersten Einschätzung des Vertrags und was er künftig für Muslime bedeuten könnte.

Neue Koalition: Wie sieht die zukünftige Politik aus?

Islamische Zeitung: In der Vereinbarung zur Koalition gibt es kaum eine Erwähnung der Themen Islam & Muslime. Viele Punkte sind unklar. Beobachten Sie eine Verschiebung des Interesses?

Ali Mete: Ich würde das nicht überbewerten. In Koalitionsverträgen wurde der Islam bisher nur selten substanziell erwähnt. Dass er auch diesmal nicht vorkommt, überrascht mich nicht. Natürlich wäre eine klare Positionierung wünschenswert gewesen – allein schon, um der Öffentlichkeit eine klare Richtung und Haltung in Fragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens und der religiösen Vielfalt zu vermitteln.

Aber wir lassen uns nicht irritieren. Unser Auftrag, unsere Arbeit und unser Engagement in dieser Gesellschaft hängen nicht vom Koalitionsvertrag ab. Wir bleiben verlässliche Partner – und äußern Kritik, wo sie nötig ist. Dass der Islam im Koalitionsvertrag ausschließlich im Zusammenhang mit innerer Sicherheit erwähnt wird, zeugt von fehlender Sachkenntnis und ignoriert die gesellschaftliche Realität in Deutschland.

„Zu früh für ein abschließendes Urteil“

Islamische Zeitung: Wie schätzen Sie den Umgang der kommenden Regierung mit Deutschlands Muslimen ein? Bedeutet sie eine deutliche Abkehr von bisherigen Zielen?

Ali Mete: Es ist zu früh für ein abschließendes Urteil. Die Tendenz ist allerdings nicht unproblematisch: Die Regierung versucht, gesellschaftlichen Zusammenhalt durch ein demonstratives Auftreten, Autorität und Stärke zu erzeugen – eine zweifelhafte Strategie, die leider auf dem Rücken von Minderheiten ausgetragen wird.

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DIK 2022. Ministerin Faeser im Gespräch mit einer Teilnehmerin. (Pressefoto: © Henning Schacht / Bundesinnenministerium)

Eine Regierung, die das Land stärken will, muss auch ihre Minderheiten im Blick behalten – denn daran bemisst sich die Qualität einer Demokratie.

Alles andere steht nicht nur im Widerspruch zum Geist unserer Verfassung, sondern fördert auch eine Entfremdung, die das gesellschaftliche Miteinander ernsthaft belasten kann. Der Koalition muss bewusst sein, was auf dem Spiel steht – auch mit Blick auf 2029.

Brauchen Muslime bessere Strategien?

Islamische Zeitung: Was bedeuten die neuen Rahmenbedingungen für Deutschlands Muslime? Brauchen wir eine angepasste Strategie?

Ali Mete: Ich nehme die veränderten politischen Rahmenbedingungen zur Kenntnis, aber definiere unsere Haltung nicht nach der Tagespolitik. Wir setzen weiterhin auf Bildung, Dialog und gesellschaftliches Engagement.

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Foto: r.classen, Shutterstock

Wir bleiben offen für Gespräche mit der Politik, aber wir machen uns nicht von ihr abhängig – weder im Inland, noch im Ausland.

Unsere Gemeinden sind in jeder Hinsicht autark, sie finanzieren sich aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden, unabhängig und transparent. Unsere Strategie bleibt im Kern dieselbe: Teil dieser Gesellschaft zu sein und aktiv mitzuwirken. (sw)

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Merz für Ausbildung von Imamen in Deutschland

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Rund 5,5 Millionen Muslime leben in Deutschland. CDU-Chef Merz findet es gut, dass für sie auch deutschsprachige Imame im Land ausgebildet werden.

Osnabrück (dpa, iz). CDU-Chef Friedrich Merz hält die Ausbildung von Imamen am Islamkolleg Deutschland für sinnvoll. „Der Weg ist richtig, dafür zu sorgen, dass die 5,5 Millionen in Deutschland lebenden Muslime eine Chance haben, auch in ihren Moscheen in deutscher Sprache von Imamen begleitet zu werden, die in Deutschland ausgebildet worden sind“, sagte Merz nach einer Besichtigung am Mittwoch.

Merz will Imam-Ausbildung fortführen

Der Zweck des Islamkollegs ist die theologisch-praktische Ausbildung deutschsprachigen religiösen Betreuungspersonals für die Moscheegemeinden. Merz sagte der Einrichtung seine Unterstützung zu, dass „eine solche Institution“ fortbestehen kann.

Parteiprogramm union programm

Foto: Marc-Steffen Unger, Deutscher Bundestag

Das Islamkolleg wurde Ende 2019 gegründet. Die ersten 26 Absolventen erhielten ihre Abschlusszertifikate im September 2023. Voraussetzung für die Imam-Ausbildung dort ist in der Regel der Abschluss eines Studiums der islamischen Theologie in Deutschland. Die grundständige Imam-Ausbildung gibt es in dieser Form bundesweit bisher nur in Osnabrück.

Rund 1.000 Prediger sollen ersetzt werden

Das Bundesinnenministerium (BMI) hatte im Dezember mitgeteilt, die derzeit rund 1.000 in Deutschland tätigen Mitarbeiter der türkischen Religionsbehörde Diyanet sollten über die nächsten Jahre durch in Deutschland ausgebildete Imame ersetzt werden. Dafür sollen jährlich mindestens 100 Imame zusätzlich hierzulande eine entsprechende Ausbildung absolvieren.

Mit der Türkei vereinbarte Deutschland einen Fahrplan für eine schrittweise Beendigung der Entsendung von Imamen. Diese ist seit langem umstritten, weil die in der Regel für vier Jahre entsandten Prediger als türkische Staatsbeamte Weisungen aus Ankara folgen und meist nur lückenhaftes Wissen über die Lebensrealität in der deutschen Gesellschaft mitbringen.

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AfD: Weiter Rufe nach „Brandmauer“

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AfD: CDU-Chef Merz hat eine Debatte losgetreten über eine mögliche Kooperation seiner Partei mit der Partei in Kommunen. (KNA). Die Brandmauer müsse stehen bleiben, fordert demgegenüber Josef Schuster. Der Präsident […]

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Kulturkampf – für Muslime gibt’s nichts zu gewinnen

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Der derzeit angesagte Kulturkampf ist keine Arena, auf der Muslime sinnvoll Punkte erzielen können.

(iz). Am 10. Juni erteilte der eher konservative SPIEGEL-Autor Nikolaus Blome dem gerade wieder zähen Kulturkampf „von rechts“ eine kluge Absage. „Bürgerliche, die es mit Kulturkampf von rechts versuchen wollen, bleiben keine oder kommen darin um“, schrieb er auf Twitter.

Blome spielt damit auf die seit Jahren immer wieder aufflammenden „Kulturkriege“ (oder „Culture Wars“, wie sie in den USA heißen) an.

Foto: wikipedia.org, Von Jasper Goslicki | Lizenz: CC BY-SA 3.0

Kulturkampf: Arena für orientierungslose Konservative?

Spätestens nachdem Angela Merkel ihre lange und enge Kontrolle über die Bundespartei abgab, sehen sich Deutschlands Konservative innerhalb oder außerhalb der Partei mit einem Bedeutungs- und Sinnverlust konfrontiert.

Verschärft werden die Debatten in der Union und verwandten Milieus dabei durch die Niederlage bei den letzten Bundestagswahlen, durch Abwanderung an Parteien wie einer angeblichen Alternative, durch Netzwerke wie die Werteunion, die als Schnittstelle zur AfD fungiert sowie durch längerfristige Trends.

Obwohl Parteichef Merz mehrfach von einer „Brandmauer“ nach rechts sprach, scheint diese insbesondere im Osten Risse bekommen zu haben.

Genau wie in anderen Ländern (allen voran den USA) geht es dabei nur selten um handfeste Fragen wie die Höhe von Steuersätzen, Chancengleichheit im Wirtschaftsleben, von Investitionen vs. Sparen, Initiativen für mehr Wohnraum, den immer dramatischer werdenden Mangel an Arbeitskräften oder den gefährlichen Krieg im Osten Europas.

Werden ernsthafte (aber für das Publikum trockene) Themen wie der Umbau unserer Heizsysteme behandelt, dann nur im Raum des simplen Freund-Feind-Denkens sowie der gärigen Vorurteile gegen „die Grünen“.

Foto: andyller, Adobe Stock

Es geht um nichts

Es gibt das böse Bonmot, wonach die Heftigkeit von Streitigkeiten in der Sphäre von Geist, Kultur und Medien im reziproken Verhältnis zu ihrer tatsächlichen Relevanz stünde. Einfach gesagt: Je irrelevanter ein Thema ist, desto schärfer streiten wir. Und so wird in ständig kürzeren Taktungen eine neue Sau durch das öffentliche Dorf getrieben.

Egal, ob es um Gendern, Wokeness, Fleischkonsum, Tempolimit oder das Impfen geht: Es finden sich derzeit immer zwei Lager, die sich gegenüberstehen (wollen). Sie sind beileibe nicht statisch. Denn statt um feste Standpunkte scheint es zusehends um die Aufrechterhaltung von Gegnerschaft als solcher.

Für uns Muslime gibt es an dieser Lust zum Kulturkampf und ihrer Zelebrierung nichts zu gewinnen. Weder sind wir Konfliktpartei, noch hat es irgendwelchen Sinn, würden wir prinzipiell Partei bei Themen ergreifen, die nicht unsere konkreten Interessen betreffen.

Es gibt Streitpunkte wie Fragen von Identität und Repräsentation, in denen sich die meisten MuslimInnen auf einer Seite wiederfinden dürften. Andererseits wird sich die Mehrheit der praktizierenden wohl eher weniger bei jenen sehen, für die traditionelle Familienmodelle ein Auslaufmodell sind.

Anstatt bei einem Vorgang mitzuspielen, der kaum gewinnbringend und ziemlich aufreibend ist, sollten wir uns den Aufgaben sowie Herausforderungen zuwenden, die sich aus der Denklogik unseres Dins und den realen Gegebenheiten unseres Ortes und dieser Zeit ableiten.

Von einer angepassten Organisation der vergessenen „Säule“ Zakat über zeitgemäße Formen der Wissensvermittlung bis zur Mobilisierung des Potenzials von Frauen, jungen MuslimInnen, Technik-Genies und GemeinschaftsaktivistInnen sollte unsere Tagesordnung voll genug sein, sodass es den vorhandenen Kulturkampf für uns nicht braucht.

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Merz nach „Pascha“-Aussage in der Kritik

Silvester Vorname jahresrückblick

Weil CDU-Chef Friedrich Merz in einer Diskussion rund um die Silvester-Krawalle Kinder mit Migrationshintergrund als „Paschas“ bezeichnete, steht er in der Kritik.

Berlin (dpa).a CDU-Chef Friedrich Merz hat mit einer Aussage über Migrantenkinder und deren Gehorsam gegenüber Lehrerinnen und Lehrern für Aufregung gesorgt. Im Kontext der Krawalle in der Silvesternacht hatte Merz am Dienstagabend in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“ über den Umgang mit Lehrerinnen und Lehrern gesagt: „Und dann wollen sie diese Kinder zur Ordnung rufen und die Folge ist, dass die Väter in den Schulen erscheinen und sich das verbitten. Insbesondere, wenn es sich um Lehrerinnen handelt, dass sie ihre Söhne, die kleinen Paschas, da mal etwas zurechtweisen.“

Mit dem Begriff „Pascha“ werden umgangssprachlich besonders Männer bezeichnet, die sich wie selbstverständlich von einer Frau bedienen lassen.

Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Lehrerverbands, gab Merz am Mittwoch recht, „auch wenn man natürlich einschränken muss, dass das jetzt nicht ein Generalverdacht oder Pauschalvorwurf an alle Familien mit einem entsprechenden Migrationshintergrund sein kann“. Grundsätzlich gebe es aber ein Problem, dass insbesondere weibliche Lehrkräfte nicht ernstgenommen würden und deren Autorität nicht anerkannt würde.

Edgar Bohn, Vorsitzender des Grundschulverbands, konnte Merz‘ Behauptung nicht bejahen. „Die zitierte Aussage und die Pauschalierung kann ich nicht bestätigen und halte sie für sehr überzeichnet und nicht zutreffend“, sagte Bohn.

„Das sind eben überwiegend Jugendliche aus dem arabischen Raum, die sich nicht bereit sind, hier in Deutschland an die Regeln zu halten, die Spaß daran haben, diesen Staat herauszufordern“, hatte Merz weiter in der Sendung gesagt. Er wolle auch keine Entschuldigungen akzeptieren, etwa wenn man sage, diese Kinder hätten eine schwere Kindheit oder es in Deutschland schwer und würden nicht genug betreut und nicht genug umsorgt. „In diesem Land hat jeder eine Chance. Die sind selten so gut gewesen wie gegenwärtig. Und wer sich nicht daran hält, man muss es deutlich sagen, hat in diesem Land nichts zu suchen.“

Für seinen Auftritt erntete Merz viel Kritik. Ökonom Marcel Fratzscher, der ebenfalls in der Sendung gesessen hatte, äußerte sich am Mittwoch zu den Aussagen des CDU-Vorsitzenden via Twitter: „Es ist Populismus, weil Herr Merz von einer kleinen Minderheit implizit und explizit auf alle Menschen mit arabischen Wurzeln verallgemeinert.“ Er ärgere sich sehr, zu den Aussagen in der Sendung geschwiegen zu haben, so Fratzscher.

Auch Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) widersprach Merz. Es sei eine typische Denke, es gehe um irgendwelche Menschen, die hierhergekommen seien und sich nicht an die Regeln hielten. „Das ist aber nicht der Fall“, sagte Giffey am Mittwoch nach dem „Gipfel gegen Jugendgewalt“ im Berliner Roten Rathaus. „Die jungen Leute, über die wir hier mehrheitlich reden, das sind Berliner Kinder.“ Noch deutlicher wurde die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Reem Alabali-Radovan: „Diese Bemerkung schürt rassistische Ressentiments.“

Die Bundesgeschäftsführerin der Grünen, Emily Büning, warf dem CDU-Mann ein veraltetes Gesellschaftsbild vor. „Friedrich Merz hat sein Gesellschaftsbild seit 1990 nicht mehr aktualisiert und versteht nicht, dass wir längst eine vielfältige Gesellschaft sind“, sagte sie am Mittwoch „Zeit online“.

Der Auftritt Merz‘ sei „so gruselig und von menschenverachtendem Ton geprägt, dass einem die Worte fehlen“, schrieb Maurice Conrad, Klimaschutzaktivist bei Fridays for Future, auf Twitter. „Wenn die CDU so weitermacht, ist sie der NPD rhetorisch näher als der demokratischen Mitte.“

Starke Kritik äußerte auch SPD-Chefin Saskia Esken. „Wer in Talkshows Deutschlands Kinder mit Migrationshintergrund als unerwünschte Personen bezeichnet, spaltet das Land und zerstört damit bewusst den Zusammenhalt unserer Gesellschaft“, sagte Esken den Zeitungen der Mediengruppe Bayern. Leif-Erik Holm, Vizechef der AfD-Bundestagsfraktion, nannte hingegen Merz‘ Kritik völlig berechtigt.