, , ,

Druck auf Israel steigt. Bundesregierung zusehend international isoliert

Bundesregierung

Zwar möchte die Bundesregierung mit Hilfslieferungen aus der Luft Symbole setzen, lehnt EU-Sanktionen gegen Israel aber weiterhin ab. Weltweit isoliert sie sich damit zusehend.

(dpa, kann, iz). Israel sieht sich wegen der katastrophalen Zustände im umkämpften Gazastreifen einem immer stärkeren weltweiten Druck zum Handeln ausgesetzt. 

Laut Experten für Ernährungssicherheit zeichnet sich in dem Küstengebiet „das schlimmste Szenario einer Hungersnot“ ab. Sollte die israelische Regierung nicht wesentliche Schritte unternehmen, diese entsetzliche Situation zu beenden und sich zu einem langfristigen, nachhaltigen Frieden bekennen, werde Großbritannien – so wie Frankreich – den Staat Palästina anerkennen, warnte der britische Premier Keir Starmer.

Das Tel Aviver Außenministerium kritisierte diesen Vorstoß mit scharfen Worten. Die Anerkennung Palästinas als Staat wäre eine „Belohnung für die Hamas“ und würde die Bemühungen um eine Waffenruhe im Gazastreifen sowie die Freilassung der noch immer von der Hamas und anderen Extremisten festgehaltenen Geiseln beeinträchtigen, hieß es in einer Mitteilung.

UN-Generalsekretär mit harter Kritik an Israel

Bei einer Konferenz zur Beilegung der Gewalt im Nahen Osten hat UN-Generalsekretär António Guterres harte Kritik an die israelische Regierung gerichtet. Weder die Terrorangriffe der Hamas vom 7. Oktober 2023 seien durch irgendetwas zu rechtfertigen, noch die „Austilgung Gazas, die sich vor den Augen der Welt entfaltet hat“, sagte Guterres am Montag in New York bei der von Frankreich und Saudi-Arabien ausgerichteten Tagung, an der Israel nicht teilnimmt.

Das Aushungern der Bevölkerung, die Tötung Zehntausender Zivilisten, eine weitere Zersplitterung der besetzten Palästinensergebiete und die Ausweitung der Siedlungen, weiter die Zunahme der Siedlergewalt gegen Palästinenser, Hauszerstörungen und eine Verschiebung der demografischen Verhältnisse bis hin zu offenen Annexionsplänen seien „Teil einer systemischen Realität, die die Bausteine für den Frieden demontiert“, so Guterres.

Eine Konfliktlösung müsse die Wahrheit zur Kenntnis nehmen, dass man an einer Belastungsgrenze angelangt sei. Die Zwei-Staaten-Lösung sei „ferner als je zuvor“.

gaza krieg Gazastreifen

Foto: Anas-Mohammed, Shutterstock

Die meisten Opfer sind Zivilisten

Seit Beginn des Gaza-Kriegs vor fast 22 Monaten sind nach Angaben der Gesundheitsbehörde bislang 60.034 Palästinenser ums Leben gekommen. 145.870 weitere erlitten demnach Verletzungen, wie es in einer Mitteilung der Behörde hieß. Es soll sich bei der Mehrheit der Opfer um Frauen, Minderjährige und ältere Menschen handeln.

Der Krieg, die israelische Kriegführung gegen Medien sowie die Kontrolle der Hamas machen es seit Kriegsbeginn schwierig, unabhängig Zahlen zu erheben. Zumal (gerade in Deutschland) der instrumentalisierte Vorwurf, alle Angaben würden von der Hamas stammen, zur Geringschätzung von Opferzahlen führt.

90 % der zwei Mio. Palästinenser wurden nach laut Hilfsorganisationen durch die Kampfhandlungen teils mehrfach in die Flucht getrieben. Die zivile Infrastruktur – Krankenhäuser, Schulen, Moscheen, Betriebe – wurde demnach weitgehend zerstört.

CARE: Gaza braucht einen Waffenstillstand

„Die israelische Ankündigung über eine einwöchige humanitäre Pause in bestimmten Teilen des Gazastreifens, die Einrichtung sicherer Routen für UN-Konvois sowie die vorübergehende Aufhebung von Zöllen auf bestimmte Hilfsgüter wie Medikamente ist keine Lösung für den Massenhunger und die von Menschen verursachte humanitäre Krise in Gaza“, erklärte die Hilfsorganisation CARE am Dienstag.

Die Forderung nach einem Waffenstillstand erhob zuvor Bundeskanzler Merz in einem Telefonat mit Premier Netanjahu. Netanjahu müsse „alles in seiner Macht Stehende“ unternehmen, um umgehend einen Waffenstillstand zu erreichen, erklärte Regierungssprecher Stefan Kornelius am 27. Juli in Berlin.

Beinahe zwei Jahre täglicher Gewalt, Zerstörung, Vertreibung, systematischer Behinderung humanitärer Hilfe sowie Belagerung und Aushungerung ließen sich nicht durch einzelne Maßnahmen rückgängig machen. Um die verheerenden Folgen auch nur ansatzweise zu lindern, bedürfe es eines langfristigen, koordinierten und ganzheitlichen Ansatzes.

„Ebenso wenig können Hilfslieferungen, die aus der Luft abgeworfen werden, eine verantwortungsvolle, gerechte und gezielte humanitäre Versorgung ersetzen. Sie haben sich bereits als gefährlich, entwürdigend und unzureichend erwiesen. Besonders gefährdet sind ohnehin bereits unterernährte Menschen, darunter Frauen, Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Behinderung.“

wahlkampf merz Migration

Foto: Deutscher Bundestag / Thomas Köhler / photothek

Bundesregierung bremst bei Sanktionen

Deutschland und mehrere andere EU-Staaten wollen einem Vorschlag zur Sanktionierung Israels wegen der katastrophalen humanitären Lage in Gaza vorerst nicht zustimmen.

Bei Beratungen im Ausschuss der ständigen Vertreter der Mitgliedstaaten in Brüssel habe deswegen keine schnelle Einleitung des Entscheidungsverfahrens vereinbart werden können, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur von Diplomaten. Konkret hatte die EU-Kommission am 28. Juli empfohlen, die Teilnahme Israels am Forschungsförderungsprogramm Horizon Europe teilweise auszusetzen.

Die Bundesregierung forderte die Tel Aviv bei einer UN-Konferenz zur Zweistaatenlösung in New York zu einer Kursänderung auf. „Als Deutschland haben wir gesagt, dass wir einen palästinensischen Staat eher am Ende solcher Verhandlungen anerkennen würden. Das ist weiterhin unsere Position – aber wir sehen, dass die derzeitige israelische Politik in die entgegengesetzte Richtung weist“, sagte Staatsminister Florian Hahn. Dies sei „völlig falsch“ und diene nicht den langfristigen Sicherheitsinteressen Israels.

Mit Zweistaatenlösung ist die Schaffung eines unabhängigen palästinensischen Staates gemeint, der friedlich Seite an Seite mit Israel existieren soll. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte kürzlich angekündigt, Ende September vor der UN-Generalversammlung in New York Palästina als Staat anzuerkennen. Anders als Deutschland droht nun auch Großbritannien damit.

Von vielen Beobachtern, Experten und Historikern wird eine solche Lösung als unrealistisch und nicht machbar eingestuft. Vielmehr sei sie ein internationales Feigenblatt, um Grundfragen des Nahostkonflikts nicht angehen zu wollen.

Arabische Länder fordern Ende der Hamas-Herrschaft

Mehrere arabische Staaten, darunter die zwischen Israel und der Hamas vermittelnden Länder Ägypten und Katar, forderten unterdessen bei der UN-Konferenz zur Zweistaatenlösung ein Ende der Hamas-Herrschaft im Gazastreifen. In einem siebenseitigen Dokument, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, verlangten insgesamt 17 Länder konkrete Schritte für ein Ende des Konflikts.

„Der Krieg in Gaza muss jetzt enden“, heißt es zu einer der Voraussetzungen für das Ziel einer Zweistaatenlösung, zu der Israel sich bekennen müsse. In dem Dokument wird ebenfalls das Massaker der Hamas vom 7. Oktober 2023 verurteilt, das den Krieg auslöste.

, , ,

Weltweit wird ein Kriegsende gefordert

Weltweit Kriegsende Tötung Kinder Genozid

Weltweit werden die Rufe nach einem Kriegsende in Gaza immer lauter. In Deutschland nimmt die Diskussion zur Haltung der Bundesrepublik an Fahrt auf.

(iz, KNA, dpa). Gestern haben über 25 Staaten, darunter Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien, Kanada, Australien, Japan und nahezu alle westeuropäischen Länder, kollektiv ein sofortiges Ende des Gazakriegs und der Gewalt gegen die Zivilbevölkerung gefordert. Ihre gemeinsame Erklärung richtete sich explizit an Israel und die Hamas.

Selbst in der Bundesrepublik, in welcher die offizielle Politik und Öffentlichkeit seit 22 Monaten kaum das israelische Vorgehen im Konkreten wie grundsätzlich kritisiert – in den Augen vieler Menschen ein Skandals –, werden Forderungen nach einer sofortigen Einstellung der israelischen Angriffe und der Politik des erzwungenen Hunger lauter.

Nicht unterzeichnet haben diese Erklärung die Bundesregierung und die USA. Deutschland steht in der Kritik, da die SPD-Fraktion einen Kurswechsel fordert und die Koalitionsregierung auffordert, sich dem Aufruf anzuschließen sowie Waffenexporte an Israel zu stoppen.

Der diplomatische Druck auf Tel Aviv wächst; erstmals stellt sich fast der gesamte politische Westen (minus USA und Deutschland) gemeinsam und in klarer Sprache gegen die Fortsetzung des Krieges. Kommentatoren bewerten die Initiative einerseits als möglichen Wendepunkt für den Nahost-Konflikt, teils als Appell ohne unmittelbare praktische Wirkung.

Was fordern die Staaten?

Zu den Forderungen, die sich explizit an Israel und die Hamas richteten, gehören u.a.: das unverzügliche Ende der Kriegshandlungen im Gazastreifen. Die sofortige und bedingungslose Freilassung aller von der ihr weiterhin festgehaltenen Geiseln.

Einen dauerhaften ausgehandelten Waffenstillstand, der als beste Voraussetzung für ihre Heimkehr und als Weg zu langfristigem Frieden gilt. Den ungehinderten Zugang für humanitäre Hilfslieferungen, unter Verweis auf die Kritik, dass das israelische Hilfsmodell „gefährlich“ und „entwürdigend“ für die Bevölkerung im Gazastreifen sei.

Mitgetragen wurde die Erklärung durch Außenminister von mehr als 25 westlichen Staaten sowie EU-Kommissaren. Als Vermittler wurden USA, Katar und Ägypten erwähnt, um zu einer politischen Lösung und Waffenruhe zu kommen.

Die erklärte Verantwortung für die menschliche Katastrophe wird vor allem Israel zugeschrieben: Die Staaten fordern die Achtung des humanitären Völkerrechts und kritisieren spezifisch die mangelnde Versorgung der Zivilbevölkerung, die Tötung von Zivilisten (auch beim Versuch, Nahrungsmittel zu bekommen), Vertreibungen, zukünftige Siedlungsausweitungen und gezielte Maßnahmen an Kindern, Kranken und Verletzten.

Das Dokument spricht sich außerdem gegen jegliche Zwangsumsiedlungen palästinensischer Bevölkerung aus und kritisiert die geplanten neuen israelischen Siedlungen im Westjordanland als gravierenden Bruch des Völkerrechts.

Foto: Latin Patriarchate of Jerusalem

Katholische Patriarchen können nicht länger schweigen

„Schweigen angesichts des Leidens ist Verrat am Gewissen“, wandte sich Theophilos II. an die internationale Gemeinschaft. In Gaza seien sie „einem Volk begegnet, das unter der Last des Krieges zusammengebrochen ist, aber dennoch das Bild Gottes in sich trägt“. Sein Amtskollege Pierbattista Pizzaballa sprach von „der Würde des menschlichen Geistes, der sich nicht auslöschen lässt“, inmitten der Zerstörung.

Hungernde Mnschen am Straßenrand, „ältere Menschen, Frauen, junge Männer“ und Personen, die in der Sonne in langen Schlangen warteten, in der Hoffnung auf etwas zu Essen: So beschrieben die beiden Kirchenführer die Realität, derer sie Zeugen geworden seien. „Man muss den Hunger sehen. Überall, wo man hinschaut, wird man angesprochen, Menschen, Kinder bitten um Brot“, so Pizzaballa. Dieses sei jedoch wie alles andere in Gaza schwer zu erhalten und die Preise seien astronomisch.

Damit werde humanitäre Hilfe für die Menschen im Gazastreifen eine Frage von Leben und Tod. „Sie zu verweigern ist keine Verzögerung, sondern ein Urteil“, so der italienische Franziskaner, der angesichts der Lage von einer „moralisch inakzeptablen und nicht zu rechtfertigenden“ Demütigung sprach.

Der jordanische Prinz Hassan bin Talal lobte das Engagement der Kirche in Gaza, die den Menschen vor Ort, Christen wie Muslimen, bedeutende humanitäre Hilfe und Unterstützung geleistet habe. In einer Botschaft an den Patriarchen sprach er der Kirche sein Beileid für die Opfer des israelischen Beschusses auf katholische Gotteshäuser von Gaza aus. Die anhaltenden Angriffe auf sie und friedliche Gläubige seien „schwere Verbrechen, die für jedes menschliche Gewissen inakzeptabel sind“.

Ein sehr „deutscher“ Streit

SPD-Bundestagsfraktion und Regierungsmitglieder fordern mehr Einsatz für ein Ende des Kriegs in Gaza. Die Regierung solle sich den Initiativen auf europäischer Ebene anschließen, erklärten der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Adis Ahmetovic, und der SPD-Abgeordnete Rolf Mützenich gestern in Berlin.

Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) bedauert, dass diese bisher nicht unterzeichnet wurde. Die Union verteidigt hingegen ihr Vorgehen. Die Bundesregierung müsse den Stopp von Waffenexporten an die israelische Regierung durchsetzen, forderte die SPD-Fraktion. Das sei geboten, „um unsere völkerrechtliche Verantwortung, die in unserem Grundgesetz verankert ist, konsequent zu erfüllen“, heißt es in dem Statement, über das die „Süddeutsche Zeitung“ zuerst berichtete.

Die Lage in Gaza sei katastrophal und stelle einen humanitären Abgrund dar, begründete die SPD-Fraktion den Vorstoß. „Die Berichte über verhungerte Kinder und eine rapide eskalierende Hungersnot zeigen: Wir haben den vielbeschworenen ‘point of no return’ erreicht“, so Ahmetovic und Mützenich. Das mit Israel vereinbarte EU-Abkommen zur Verbesserung des humanitären Zugangs bleibe hingegen bislang wirkungslos. Parallel nähmen stattdessen Planungen für erzwungene und dauerhafte Vertreibung der palästinensischen Bevölkerung konkrete Formen an.

Es müsse ein Ende der militärischen Operation in Gaza sowie des illegalen Siedlungsbaus im Westjordanland geben. Außerdem brauche es einen politischen Willen zur perspektivischen Zwei-Staaten-Lösung. Waffenruhe und Geiselfreilassung hätten bislang nur auf Basis von diplomatischen Verhandlungen erreicht werden können, mahnen die Abgeordneten.

Unterdessen verteidigte der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jürgen Hardt (CDU), die Entscheidung der Bundesregierung zur Nicht-Unterzeichnung. „Der Bundesaußenminister hat die Erklärung nicht unterschrieben, da sie die gefühlte Isolation der israelischen Regierung nur verstärkt“, sagte er der FAZ von heute. Das zeige die Reaktion aus Jerusalem, fügte er an.

Außenminister Johann Wadephul (CDU) arbeite unermüdlich daran, die katastrophale Lage in Gaza zu verbessern, auf allen Kanälen – so wie er auch seit Amtsbeginn für die Befreiung der Geiseln kämpfe.

Islamismus yazidi

Foto: Zentralrat der Muslime in Deutschland, Facebook

ZMD schaltet sich in die Debatte ein

Angesichts der dramatischen menschlichen Tragödie im Gazastreifen richtete der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) heute einen dringenden Appell an Politik und Religionsgemeinschaften. Die Bundesregierung und die internationale Gemeinschaft werden aufgefordert, ungehinderte humanitäre Hilfe, einen dauerhaften Waffenstillstand, die Freilassung aller Geiseln sowie ernsthafte diplomatische Bemühungen einzuleiten, um weiteres Leid zu verhindern.

Der ZMD rief zudem Christentum und Judentum in Deutschland zu einem kollektiven Eintreten für Leben und Humanität auf. Vorsitzender Abdassamad El Yazidi betonte: „Der Hungertod in Gaza ist eine der schlimmsten humanitären Tragödien unserer Zeit. Es ist unsere ethische und religiöse Pflicht, uns über alle konfessionellen Grenzen hinweg für das Leben und die Menschenwürde einzusetzen. Erheben wir unsere Stimmen – für das Leben, für die Menschenwürde, für die, deren Existenz durch Hunger, Gewalt und Hoffnungslosigkeit bedroht ist.“

Humanitäre Organisationen und zivilgesellschaftliche Akteure würden von unermesslichem Leid unter der Zivilbevölkerung berichten . Gesundheitseinrichtungen seien weitgehend funktionsunfähig, Notaufnahmen zusammengebrochen, besonders Kinder, ältere Menschen und chronisch Kranke akut gefährdet.

, ,

Gaza: Gewalt gegen Zivilbevölkerung geht unvermindert weiter

Gewalt gaza

Die vergangenen sieben Tage in Gaza waren geprägt von anhaltender Gewalt, einer sich weiter verschärfenden humanitären Krise und massiven Menschenrechtsverletzungen.

(iz, dpa). Die israelischen Streitkräfte setzten ihre Angriffe auf verschiedene Gebiete des Gazastreifens fort, wobei täglich Dutzende Zivilisten getötet oder verletzt wurden. Gleichzeitig verschlechterte sich die Versorgungslage für die palästinensische Bevölkerung dramatisch, insbesondere im Hinblick auf Nahrungsmittel, Wasser, medizinische Versorgung und Schutzräume.

Die humanitäre und menschenrechtliche Lage in Gaza bleibt katastrophal. Die internationale Gemeinschaft, darunter die UN und zahlreiche NGOs, fordern ein sofortiges Ende der Gewalt gegen Zivilisten, die Öffnung sicherer Korridore für Hilfslieferungen und die Rückkehr zu einer neutralen, völkerrechtskonformen humanitären Versorgung.

Die Rolle der Gaza Humanitarian Foundation (GHF) steht dabei im Zentrum der Kritik und symbolisiert die Politisierung und Militarisierung der Nothilfe im Gazastreifen.

Trump spricht von einem „Abkommen“

Die Hamas will nach Einschätzung von US-Präsident Donald Trump eine Einigung mit Tel Aviv. „Sie wollen sich treffen und sie wollen diese Waffenruhe“, sagte er zu Beginn eines gemeinsamen Abendessens mit Ministerpräsident Netanjahu im Weißen Haus. Am 6. Juli wurde bekannt, dass die israelische Führung Änderungswünsche in einigen Punkten seitens der Hamas ablehnen würde.

Er war von anwesenden Journalisten gefragt worden, ob sich unbestätigte Berichte über einen Zwischenfall im Norden Gazas mit israelischen Opfern auf die laufenden Vermittlungsgespräche auswirken würden. „Ich denke nicht“, sagte Trump.

Foto: The White House, gemeinfrei

Zum aktuellen Stand der indirekten Gespräche über eine Waffenruhe und die Freilassung von Geiseln sagte US-Sonderbeauftragter für den Nahen Osten Witkoff, es gebe die Gelegenheit, eine Einigung schnell zu erzielen. Er werde nach offiziellen Angaben diese Woche in die katarische Hauptstadt Doha reisen, um an der Vermittlung teilzunehmen.

Gewalt und Hungerkrise in Gaza

Die Mehrheit der Bevölkerung leidet unter akutem Hunger. Die Vereinten Nationen und zahlreiche Hilfsorganisationen berichten von einer „katastrophalen“ Ernährungslage. Viele Menschen sind gezwungen, stundenlang an Verteilungspunkten für Lebensmittel auszuharren, wobei es immer wieder zu tödlichen Zwischenfällen kommt.

Seit Ende Mai wurden laut UN und Gesundheitsministerium mindestens 640 Menschen getötet und über 4.400 verletzt, als sie versuchten, Hilfsgüter zu erhalten. Die meisten dieser Vorfälle ereigneten sich in der Nähe von Verteilungspunkten der Gaza Humanitarian Foundation (GHF).

Viele Krankenhäuser sind beschädigt oder überfüllt, es fehlt an Medikamenten, Verbandsmaterial und Personal. Die Versorgung von Verletzten und Kranken ist vielerorts kaum noch möglich.

Weltgewissen

Foto: Aliaksandr, Adobe Stock

Internationale Kritik

Die UN, Amnesty International und andere Organisationen werfen Israel und der GHF schwere Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht vor. Es gibt Hinweise auf gezielte Tötungen, Kollektivstrafen und die bewusste Herbeiführung von Hunger als Kriegswaffe.

Die amerikanische Center for Constitutional Rights hat die GHF wegen möglicher Komplizenschaft an Kriegsverbrechen und Völkermord abgemahnt.

Verheerende Menschenrechtslage der Zivilbevölkerung

Hunderttausende Menschen sind weiterhin auf der Flucht innerhalb des Gazastreifens. Viele leben in provisorischen Lagern bzw. auf offenem Gelände, ohne ausreichenden Schutz vor Angriffen oder den Elementen.

Immer wieder wird gezielt auf Menschen geschossen, die sich an Hilfspunkten aufhalten. Berichte belegen, dass sowohl das israelische Militär als auch private US-Sicherheitsfirmen und bewaffnete Gruppen auf Zivilisten feuern, die auf Lebensmittel warten.

Die von der GHF betriebenen Verteilungspunkte werden von Überlebenden als „Todesfallen“ beschrieben. Die UN und über 170 NGOs werfen der GHF vor, zwei Millionen Menschen in überfüllte, militarisierte Zonen zu zwingen und sie dort fast täglich Angriffen auszusetzen.

Die GHF oder wenn angebliche Hilfe Militarisierung ist

Die Gaza Humanitarian Foundation (GHF) wurde im Februar 2025 als US-Organisation gegründet, um nach dem Ausschluss der UN und anderer etablierter Hilfswerke die Versorgung im Gazastreifen zu übernehmen. Sie wird von den USA und Israel unterstützt.

Sie steht massiv in der Kritik, da sie laut UN und Hilfsorganisationen nicht neutral agiert, sondern Teil eines politischen Projekts ist, das die palästinensische Bevölkerung kontrollieren und vertreiben soll. Die Organisation wird beschuldigt, die Hilfslieferungen zu instrumentalisieren und damit das Leid der Zivilbevölkerung zu verschärfen.

Seit Beginn ihrer Operationen wurden Hunderte Menschen an ihren Verteilungspunkten getötet, meist durch Schüsse des israelischen Militärs oder privater Sicherheitsdienste. Die Privatorganisation selbst bestreitet eine direkte Verantwortung, doch die Vorwürfe wiegen schwer.

Die Hamas hat jegliche Zusammenarbeit mit ihr verboten und wirft ihr vor, im Auftrag Israels und der USA zu agieren und die Zivilbevölkerung zu gefährden. Wer mit der GHF kooperiert, riskiert harte Strafen.

gaza trump

Foto: Anas-Mohammed, Shutterstock

Erschreckende Pläne zur Deportation und „Konzentration“ der Bevölkerung auf den Ruinen von Rafah

Israelische Regierungsvertreter und Militärs haben seit Kriegsbeginn mehrfach Pläne vorgestellt, große Teile der palästinensischen Menschen in Gaza in abgegrenzte, kontrollierte Gebiete („humanitäre Städte“ bzw. „Auffanglager“) umzusiedeln. Ziel ist es, die Personen entweder auf engem Raum zu konzentrieren oder ihre „freiwillige“ Auswanderung zu fördern.

In den letzten Tagen sind konkrete Pläne aus Tel Aviv für ein großes Auffanglager („Humanitäre Stadt“) für etwa 600.000 Palästinenser im südlichen Gazastreifen bekannt geworden. Diese sollen vor allem Menschen aufnehmen, die derzeit in provisorischen Zelten im Gebiet von Al-Mawasi leben und durch den Krieg in Gaza vertrieben wurden.

Das Lager soll auf den Trümmern der zerstörten Stadt Rafah entstehen und während einer geplanten 60-tägigen Feuerpause aufgebaut werden, über die derzeit in Doha zwischen Israel und der Hamas indirekt verhandelt wird.

Wer in die „Humanitäre Stadt“ aufgenommen wird, muss eine Sicherheitsüberprüfung durchlaufen. Nach der Aufnahme ist ein Verlassen der Einrichtung nicht mehr vorgesehen; wer sie verlässt, verliert das Recht auf Rückkehr.

Das Lager ist auch als Vorstufe für einen „Emigrationsplan“ gedacht: Verteidigungsminister Katz kündigte an, die „freiwillige“ Auswanderung von Palästinensern solle damit vorbereitet werden. Es gibt jedoch erhebliche Zweifel am freiwilligen Charakter dieser Maßnahme, und bislang hat kein Land eine nennenswerte Aufnahmebereitschaft signalisiert.

International und von Menschenrechtsorganisationen werden diese Pläne als Vorbereitung auf eine dauerhafte Vertreibung und als mögliche Verletzung des Völkerrechts kritisiert.

, ,

Gaza: Tel Aviv entfacht neue Gewaltwelle

gaza Kurzmeldungen

Israels Regierung begann eine weitere Angriffswelle auf Gaza inmitten unzähliger Opfer, weitverbreitetem Hunger und Kritik westlicher Verbündeter.

(dpa, KNA, iz). Am Sonntag ließ die Israels Führung eine neue Angriffswelle auf den, bereits zu 80 % zerstörten Gazastreifen los. Nach palästinensischen Angaben kam es dabei schon zu Beginn zu unzähligen Toten, Verwundeten und Zerstörungen.

Seit Tagen fliegt die israelische Luftwaffe massive Angriffe im Gazastreifen. Am Wochenende begann die Armee zudem mit einem großangelegten Einsatz von Bodentruppen. Im Norden sind laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde mittlerweile alle Kliniken außer Betrieb. Die IDF forderte sämtliche Anwohner von Chan Junis im Süden wegen eines bevorstehenden, „beispiellosen Angriffs“ auf, von dort zu fliehen.

Seit Anfang März hatte Israel keine Hilfslieferungen mehr in den Gazastreifen gelassen. Das Land wirft der Hamas vor, die Hilfsgüter gewinnbringend weiterzuverkaufen, um ihre Kämpfer und Waffen zu finanzieren.

Besatzung von Gaza: eine „wahnsinnig Idee“

Aktuelle Pläne für eine endgültige Okkupation des Gebiets und eine Vertreibung der palästinensischen Bevölkerung bezeichnete der deutsche Militär- und Sicherheitsberater Carlos Masala als „komplett außerhalb des Völkerrechts“. Gleiches gelte für die anhaltende Blockade humanitärer Hilfslieferungen. Die Idee, das umkämpfte Gebiet dauerhaft zu besetzen, sei überdies „wahnsinnig“.

Offenbar sei nichts aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt worden: Israel habe sich 2005 aus dem Landstrich zurückgezogen, weil die eigenen Streitkräfte dort ständig angegriffen worden seien und der Blutzoll viel zu hoch gewesen sei. „Das reproduziert Israel jetzt wieder“, so der Politikwissenschaftler der Münchner Bundeswehr-Universität.

Tel Avivs Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat öffentlich Pläne bestätigt, dass seine Administration die Einnahme des gesamten Gebiets verfolgt. „Wir werden die Kontrolle über alle Gebiete des Gazastreifens übernehmen“, sagte er in einer Videoansprache.

Die Absicht der israelischen Regierung sowie die vor wenigen Tagen gestartete Großoffensive mit massiven Luftangriffen und dem Einsatz von Bodentruppen stürzt die notleidende Bevölkerung des abgeriegelten Küstengebiets in weitere Unsicherheit und schürt Sorgen vor weiterer Vertreibung und Tod.

Warnungen vor weiterer Eskalation von Hunger und Versorgungskrise

Seit Anfang März hatte Israel keine Hilfslieferungen in das abgeriegelte und nach über anderthalb Jahren Krieg großflächig zerstörte Küstengebiet gelassen.

Die UN und Hilfsorganisationen warnen vor einer Hungersnot; die Appelle an Israel wurden zuletzt immer vehementer. Laut mehreren Medien erfolgt eine am Wochenende angekündigte Aufhebung der Blockade vor allem auf Druck der USA hin. „Wir wollen keine humanitäre Krise sehen und wir werden nicht zulassen, dass sie unter Präsident (Donald) Trumps Führung eintritt“, sagte der US-Sondergesandte Steve Witkoff dem US-Sender ABC News.

Menschen Gaza Hungersnot

Foto: Anas-Mohammed, Shutterstock

Die Hilfslieferungen sollen vorerst wieder internationale Organisationen wie das Welternährungsprogramm (WFP) sowie die World Central Kitchen bereitstellen, wie das Nachrichtenportal „walla.co.il“ meldete. Ende des Monats soll ein neuer Mechanismus greifen, der nicht unumstritten ist.

Berichten zufolge sollen Güter dann nur noch von wenigen Standorten im Gazastreifen aus verteilt werden. Die UN hatte den neuen Mechanismus kritisiert. Das lag unter anderem daran, weil Zivilisten auf dem Weg zu den Verteilungszentren ins Kreuzfeuer geraten und etwa Alte und Kranke diese erst gar nicht erreichen könnten.

Inmitten von Verhandlungen

Sowohl Israel als auch die Hamas waren am Sonntag mit Delegationen in Katars Hauptstadt Doha, um mit arabischen Vermittlern über einen neuen Waffenruhe-Deal zu verhandeln. Die US-Nachrichtenseite „Axios“ berichtete unter Berufung auf einen israelischen Beamten und eine weitere Quelle.

Trump-Berater Witkoff habe beiden Kriegsparteien einen aktualisierten Vorschlag unterbreitet, der die Freilassung von zehn Geiseln im Gegenzug für eine 45-60-tägige Waffenruhe und die Entlassung palästinensischer Häftlinge aus Israels Gefängnissen vorsehe.

Der Vorstoß enthalte eine neue Ausdrucksweise, wonach die Feuerpause zu einem Ende des anhaltenden Blutvergießens führen könnte, hieß es. Die Formulierung ziele darauf ab, der Hamas zu garantieren, dass Netanjahu die Waffenruhe nicht wieder einseitig für beendet erklären und den Krieg wieder aufnehmen kann.

gewalt

Foto: Keir Starmer, No. 10 Downing Street

Internationale Kritik: „Das ist keine Selbstverteidigung mehr.“

Die neue Offensive sorgt seit Wochenende für weltweite Ablehnung. Das Auswärtige Amt in Berlin meldete sich ebenfalls zu Wort. Der militärische Vorstoß sei „Grund zu tiefer Sorge“a, hieß es in einer Erklärung. Das Leben der noch lebenden Hamas-Geiseln, darunter Deutsche, könnte gefährdet werden. 

Zudem bestehe das Risiko, dass sich die katastrophale humanitäre Lage der Bevölkerung im Gazastreifen weiter verschlechtere. Das könne den notwendigen langfristigen Waffenstillstand in die Ferne rücken.

Die Staats- und Regierungschefs von Frankreich, Großbritannien und Kanada haben Israels Vorgehen im Gaza-Krieg als „völlig unverhältnismäßige“ Eskalation kritisiert und eine Warnung ausgesprochen. „Sollte Israel die erneute Militäroffensive nicht einstellen und die Beschränkungen der humanitären Hilfe nicht aufheben, werden wir mit weiteren konkreten Maßnahmen reagieren“, teilten Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der britische Premier Keir Starmer sowie sein kanadischer Amtskollege Mark Carney mit.

„Das menschliche Leid in Gaza ist unerträglich“, hieß es in der Stellungnahme weiter. Die Ausweitung der Angriffe auf den teils bis zur Unkenntlichkeit zerstörten Küstenstreifen lehne man entschieden ab. Man werde „nicht tatenlos zusehen, während die Netanjahu-Regierung diese ungeheuerlichen Maßnahmen fortsetzt“. Welche Konsequenzen die drei Länder konkret in Erwägung ziehen, blieb offen.

Zudem wandten sich die europäischen Politiker gegen den weiteren Siedlungsbau im Westjordanland. Man erwäge „gezielte Sanktionen“.

, , ,

Helfer schlagen Alarm: Situation im Gazastreifen spitzt sich zu

gaza krieg Gazastreifen

Für die Welthungerhilfe ist die Blockade des Gazastreifens ein Bruch des Völkerrechts – für die Klima-Aktivistin Luisa Neubauer auch.

Berlin (KNA). Die Situation in dem von der israelischen Armee abgeriegelten Gazastreifen spitzt sich weiter zu. „Seit mehr als zwei Monaten sind zwei Millionen Menschen von jeglicher humanitären Hilfe abgeschnitten und kämpfen tagtäglich um das Überleben“, teilte die Welthungerhilfe am Dienstag in Berlin mit.

Welthungerhilfe: Gaza-Blockade verletzt Völkerrecht

Die Blockade von Überlebenshilfen verletze das Völkerrecht in seinen Grundfesten, sagte Generalsekretär Mathias Mogge. „Es ist unerträglich, zusehen zu müssen, wie Menschen zu verhungern drohen, während gleichzeitig Hunderte von Lastwagen mit dringend benötigten Hilfsgütern an den Grenzen warten müssen.“

gaza hunger

Kinder protestieren in Gaza vor einer UN-Einrichtung gegen den Mangel an Grundnahrungsmitteln. (Foto: Anas-Mohammed, Shutterstock)

Bereits am Montag hatten fast 250 Hilfsorganisationen die Staatengemeinschaft zum Handeln aufgefordert. Wie das Welternährungsprogramm (WFP) in Rom mitteilte, ist für rund 470.000 Menschen das äußerste Stadium einer Ernährungskrise eingetreten, das drohende Verhungern.

Laut dem Bericht benötigen rund 71.000 Kinder und mehr als 17.000 Mütter dringend eine Behandlung wegen akuter Unterernährung. „Familien in Gaza verhungern, während die Lebensmittel, die sie brauchen, an der Grenze lagern“, erklärte WFP-Exekutivdirektorin Cindy McCain.

Weltgesundheitsorganisation warnt

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte unterdessen vor langfristigen Folgen für die Bevölkerung im Gazastreifen wegen der Lebensmittelknappheit. Der Hunger könne dauerhafte Auswirkungen auf „eine ganze Generation“ haben, erklärte der WHO-Beauftragte für die besetzten Palästinensergebiete, Rik Peeperkorn.

Es drohten Wachstumsstörungen und Beeinträchtigungen der kognitiven Entwicklung. Die Bevölkerung sei auf Unterstützung dringend angewiesen. Hilfsorganisationen schlügen Alarm, dass Hunderttausende Menschen verhungern könnten.

Auch die Klima-Aktivistin Luisa Neubauer meldete sich mit Blick auf die Situation im Gazastreifen zu Wort. Sie appellierte an die Bundesregierung, sich stärker für humanitäre Zugänge zum Gazastreifen einzusetzen.

Dort hungerten Tausende von Menschen, erklärte Neubauer in Berlin. „Wer beschützt dort gerade jetzt die Menschlichkeit aller, als ginge es um alles?“, fragte sie. Sie vermisse eine Bundesregierung, die „das Völkerrecht verteidigt, wenn Netanjahu es mit Füßen tritt“, so Neubauer mit Bezug auf den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.

, ,

„Kriegswaffe Hunger“: Helfer beklagen die anhaltende Blockade von Lieferungen

gaza hunger

Die humanitäre Lage in Gaza: Hilfsorganisationen beziehen Stellung zu den Folgen der israelischen Einfuhrblockade für Hilfsgüter. Ihr Vorwurf: Israel mache Hunger zur Kriegswaffe.

Jerusalem (KNA/iz.) Internationale Hilfsorganisationen haben massive Kritik an einer Blockadepolitik Israels und die Folgen für die palästinensische Zivilbevölkerung im Gazastreifen geübt. Sie forderten Israel am Freitag dazu auf, völkerrechtlichen Verpflichtungen für die Erfüllung von Grundbedürfnissen der Menschen im Gazastreifen nachzukommen.

Israel hungere die Zivilbevölkerung Gazas aus und nutze Hunger als Kriegswaffe, sagten Vertreter von Oxfam, Save the Children, Norwegian Refugee council und dem Netzwerk palästinensischer Nichtregierungsorganisationen (PNGO) in einem gemeinsamen Online-Medienbriefing. Insbesondere durch die vor zwei Monaten von Israel verhängte vollständige Einfuhrsperre für humanitäre Hilfe und Güter in den Gazastreifen verschärfe sich die Versorgungslage täglich.

Hunger und Nahrungsmittelknappheit träfen die schwächsten Teile der Gesellschaft besonders stark, darunter Kinder und schwangere Frauen, erklärte Oxfams Pressesprecherin in Gaza, Ghada Alhaddad.

Neben Lebensmitteln fehlt es laut Gavin Kelleher, Leiter für humanitären Zugang beim Norwegian Refugee Council, auch an Wasser, Treibstoff und angemessenen Unterkünften wie Zelten.

Hinzu kämen die Zerstörung von landwirtschaftlichen Flächen, Angriffe auf Notunterkünfte und Fischer vor der Küste sowie die Weigerung, Hilfsorganisationen Zugang zu Vorräten in Südgaza zu ermöglichen. Kelleher bezeichnete die israelische Gaza-Politik als eine „breite Kampagne, um sicherzustellen, dass Gaza unbewohnbar wird“.

Von einer nie dagewesenen, systematischen Kampagne sprach Amjad Schawa, der in Gaza lebende PNGO-Direktor und Stellvertreter des Generalkommissars der Unabhängigen Menschenrechtskommission. „Wir werden Tausende Opfer beklagen.“

Besonders schwer seien die Auswirkungen des Hungers und der Unterernährung auf Kinder, die irreversible Schäden davontrügen und an den Folgen sterben könnten.

Menschen Gaza Hungersnot

Foto: Anas-Mohammed, Shutterstock

Ähnlich äußerten sich das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), das UN-Kinderhilfswerk Unicef sowie die Organisation Aktion gegen den Hunger.

Ein wachsendes Risiko von Hunger, Krankheit und Tod sei „durch nichts zu rechtfertigen“, erklärte Unicef-Exekutivdirektorin Catherine Russell laut Mitteilung. „Humanitäre Hilfe war die einzige Lebensader für Kinder, und nun ist sie fast versiegt.“

Hinzu kämen fehlende Impfstoffe und die Ausbreitung von Krankheiten. Anhaltende Bombardierungen und Vertreibung erschwerten den Zugang zu Hilfe. Auch die Unicef-Vertreterin forderte von den Konfliktparteien, humanitäre Hilfe schnell und ungehindert zuzulassen.

Außerhalb des Gazastreifens lagern nach Angaben von Aktion gegen den Hunger rund 171.000 Tonnen Lebensmittel, die für eine Versorgung der gesamten Bevölkerung Gazas für bis zu vier Monate reichten. Dafür müsse jedoch der Zugang von Hilfsorganisationen zu den Vorräten gewährt werden. 

Hunger und Einschränkungen von humanitärer Hilfe dürften niemals als Druckmittel eingesetzt werden. Die Hilfswerke riefen die internationale Gemeinschaft zum Handeln auf.

Auslöser des Gaza-Kriegs war ein Angriff von Terroristen der radikalen Hamas auf israelische Orte und Armeestützpunkte entlang der Grenze zum Gazastreifen am 7. Oktober 2023. Dabei wurden etwa 1.200 Menschen getötet und rund 250 Geiseln verschleppt. Etliche kamen inzwischen frei; viele wurden getötet. Schätzungen zu getöteten Zivilisten in Gaza belaufen sich auf Zehntausende Opfer.

, , , , ,

Kurzmeldungen aus Ausgabe 358: von den Folgen der Trump-Politik bis zum Nahostkonflikt

tyrannen kurzmeldung trump präsident

Kurzmeldungen Ausgabe 358: In dieser Ausgabe behandeln wir nukleare Aufrüstung, die Außenpolitik Trumps sowie den Nahostkonflikt. Nukleare Abrüstung erleidet Rückschritt NEW YORK (IPS). Die Vereinten Nationen, deren Hauptaufgabe darin besteht, […]

IZ+

Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)

Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ – Onlineabo, Kombi Print & IZ+ or Das IZ-Förder-Abo können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.

Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.

Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.

* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.

,

10 Jahre Krieg: Unterernährung bei Kindern im Jemen nimmt wieder zu

kinder hunger jemen relief kurzmeldungen

Laut der Hilfsorganisation Islamic Relief Deutschland nehmen die Fälle von Unterernährung bei Kindern in abgelegenen ländlichen Gebieten des Jemen zu, während das Land heute zehn Jahre Krieg hinter sich hat.

Köln (IRD). Die Eskalation der Bombardierungen, die drastischen Kürzungen der humanitären Hilfe und internationale Sanktionen drohen, die Situation zu verschlimmern und die Fortschritte der letzten Jahre im Kampf gegen die Unterernährung von Kindern zunichte zu machen. Ein Arzt und ein Landwirt aus Zuhrah berichten.

Fachkräfte von Islamic Relief im Bereich Gesundheit und Ernährung im Jemen berichten, dass die Zahl der unterernährten Kinder zunimmt, so dass die Gesundheitszentren mehr Patienten aufnehmen, als sie aufnehmen können, und dass einige Kinder an Hunger sterben. Mehr als 55 Prozent der jemenitischen Kinder unter fünf Jahren leiden Berichten zufolge inzwischen an schwerer Unterernährung.

Tariq Hadi Mohammed, 36, ist Arzt in einem von Islamic Relief unterstützten Gesundheitszentrum und einer Klinik für therapeutische Ernährung im abgelegenen Bezirk Zuhrah, etwa 200 Kilometer nordwestlich der jemenitischen Hauptstadt Sana’a. Er berichtet, dass in diesem Gebiet bereits Kinder verhungert sind.

„Wir stellen jetzt eine Zunahme der Unterernährung bei Kindern fest und jeden Tag kommen mehr Fälle in der Station an. Die Unterernährung ist weit verbreitet, da die Lebensbedingungen schwieriger geworden sind.“

Kinder sterben an Hunger: Arzt Tariq Hadi Mohammed schildert die Lage in Zuhrah

„Eines Tages fanden Dorfbewohner ein junges Mädchen, das wegen schwerer Unterernährung fast im Koma lag. Sie brachten sie in die Gesundheitsstation, ihr Körper war geschwollen und ihr Zustand kritisch. Wir begannen sofort mit der Behandlung und es ging ihr besser. Später wurde auch ihre jüngere Schwester gebracht … leider war es da schon zu spät. Sie war nur noch Haut und Knochen und ihr Körper war zu schwach, um sich zu erholen. Sie verstarb. Als ich ihren Zustand sah, musste ich weinen“, schildert Mohammed.

„Dies ist ein abgelegenes Gebiet, in dem es kaum Gesundheitsdienste gibt und diese schwer zu erreichen sind. Die Station hat eine Kapazität für 8.000 Menschen, aber unter den derzeitigen Umständen versorgen wir etwa 12.000, darunter sowohl Einheimische als auch vertriebene Familien. Wir behandeln viele Kinder, aber auch unterernährte schwangere Frauen und stillende Mütter“, berichtet der Arzt.

Zehn Jahre Krieg haben die Infrastruktur und die Wirtschaft des Jemen zerstört und Millionen von Menschen daran gehindert, eine angemessene Lebensgrundlage zu finden, um ihre Familien zu unterstützen. Infolgedessen sind rund 19,5 Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen und 17,1 Millionen Menschen haben Schwierigkeiten, sich ausreichend zu ernähren. Deshalb ist der Erhalt der Gesundheitsrichtungen und Ernährungszentren im Land so wichtig.

Die Unterstützung von Gesundheitseinrichtungen im Jemen rettet Menschenleben

Islamic Relief unterstützt 185 Gesundheitszentren und Kliniken für therapeutische Ernährung in fünf Gouvernements im Jemen, damit diese den vielen Familien, die sonst nirgendwo hingehen können, kostenlose Behandlungen anbieten. Im vergangenen Jahr haben sie über 249.617 schutzbedürftige Menschen mit Nahrungsmitteln versorgt.

Hadi Ali Huessien Qadri, ein Landwirt im Bezirk Zuhrah, brachte kürzlich seine unterernährte Tochter in ein von Islamic Relief unterstütztes Zentrum, wo sie sich nach einer Behandlung erholte. Er sagt, er könne mit seiner Landwirtschaft nicht genug Geld verdienen, um seine Familie zu ernähren und zu unterstützen.

„Ich hatte kein Geld, um mich um sie zu kümmern und ihr und ihrer Mutter genug zu essen zu geben. Deshalb ist sie krank geworden. Auch die Kinder meiner Nachbarn sind unterernährt und alles nur, weil sie ihre Familien nicht ausreichend versorgen können. Sie haben nur eine Mahlzeit pro Tag. Das ist im ganzen Dorf so… die Situation hier ist sehr hart“, sagt der Landwirt.

Islamic Relief Landesdirektor Siddiq Khan berichtet über die Herausforderungen vor Ort

 „Zehn Jahre Krieg haben die jemenitische Wirtschaft verwüstet, die Infrastruktur des Landes zerstört und den Zugang zu Dienstleistungen der Grundversorgung erheblich erschwert. In diesem schwierigen Umfeld haben wir unermüdlich daran gearbeitet, das Leid zu lindern, den Ausbruch von Krankheiten zu verhindern und die Hilfe so transparent und effektiv wie möglich zu gestalten. Ich bin sehr stolz auf die Arbeit des Islamic Relief-Teams im Jemen, das 2,56 Millionen Menschen mit Nahrungsmitteln, medizinischer Versorgung und anderen wichtigen Hilfsgütern unterstützt“, sagt Khan und fährt fort.

„Doch während Millionen von Menschen von der humanitären Hilfe profitieren, bleiben Millionen weitere zurück, die mit Hunger, Gewalt und Krankheiten konfrontiert sind. Die Menschen hier brauchen dringend Unterstützung, aber die Krise wird von der Welt weitgehend vergessen. Die humanitäre Hilfe hat im Laufe der Jahre viel Positives bewirkt, indem sie den Menschen zu Nahrung, Arbeit, Gesundheitsversorgung, sauberem Wasser und Bildung verholfen hat. Doch die jüngsten Entwicklungen bedeuten, dass viele dieser Errungenschaften nun wieder ins Gegenteil verkehrt werden.“

Islamic Relief fordert die internationale Gemeinschaft auf, die humanitäre Finanzierung der Hilfe für den Jemen zu erhöhen, auf eine diplomatische Lösung der aktuellen Eskalation zu drängen sowie sicherzustellen, dass die Sanktionen keine Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung haben und die wirtschaftliche Entwicklung im Land zu unterstützen.

, , ,

Verzweiflung und Hunger. Lage in Nord-Gaza wird dramatischer

jabaliya gaza

Gaza: Viele Palästinenser, darunter Kranke, ältere Menschen und Verwundete, nicht in der Lage, sich zu bewegen, und können nirgendwo hingehen. (The Conversation). Die Tötung des Hamas-Führers Sinwar hätte eine Lösung […]

IZ+

Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)

Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ – Onlineabo, Kombi Print & IZ+ or Das IZ-Förder-Abo können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.

Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.

Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.

* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.

, ,

Ein Jahr Nothilfe in Gaza durch Islamic Relief

gaza

Während lokale Helferinnen und Helfer täglich ihr Leben riskieren, um humanitäre Hilfe zu leisten, spitzt sich der Hunger in Gaza immer weiter zu.

Köln (Islamic Relief Deutschland). Seit mehr als 12 Monaten leistet Islamic Relief in Gaza lebenswichtige Nothilfe und versorgt die Menschen mit Lebensmitteln, Matratzen, Hygienesets, Kleidung, sauberem Wasser und psychosozialer Unterstützung.

Während lokale Helferinnen und Helfer täglich ihr Leben riskieren, um humanitäre Hilfe zu leisten, spitzt sich der Hunger in Gaza immer weiter zu. Trotz der Herausforderungen konnten die Helfenden vor Ort bisher insgesamt 44 Millionen warme Mahlzeiten an die Menschen verteilen. Humanitäre Hilfe schützt Menschenleben und muss ungehindert stattfinden, so Islamic Relief Deutschland.

Gaza: Der Hunger spitzt sich zu

Ein Jahr nach Beginn der Eskalation in Nahost sind erhebliche Verluste an Menschenleben und Schäden an der Infrastruktur zu beklagen, die sowohl unmittelbare als auch langfristige sozioökonomische Folgen für Gaza und nun auch den Libanon nach sich ziehen. Dazu gehören langfristige Entbehrungen und ein Rückgang der menschlichen Entwicklung in den gesamten palästinensischen Gebieten.

Mindestens 1,9 Mio. Menschen, das heißt 90 Prozent der Bevölkerung in Gaza, sind mehrmals geflüchtet, viele sind schutzlos den harten Bedingungen ausgesetzt und haben keinen ständigen Zugang zu Nahrungsmitteln, Wasser oder Medikamenten. Die Infrastruktur des Gazastreifens ist schwer beschädigt, so dass Millionen Menschen ungeschützt ausharren. Nun kommt auch der zweite Winter ohne eine menschenwürdige Notunterkunft und notwendige Versorgung.

Umso wichtiger ist die Hilfe von Hilfsorganisationen vor Ort, die lebenswichtige Nothilfe leisten. Erst am Montag, den 21. Oktober haben lokale Helferinnen und Helfer von Islamic Relief insgesamt 8.625 verzehrfertige Mahlzeiten für vertriebene Menschen in Gaza bereitgestellt sowie 107.000 Liter sauberes Wasser für über 33.200 Personen. Zusätzlich wurden in Kooperation mit dem Welternährungsprogramm (WFP) am gleichen Tag mehr als 175.000 warme Mahlzeiten verteilt.

Über 183.0000 warme Mahlzeiten an einem Tag

Trotz der schwierigen Bedingungen haben die Helferteams von Islamic Relief in Zusammenarbeit mit dem Welternährungsprogramm, weiterhin Nothilfe geleistet und Lebensmittel und weitere Hilfsgüter verteilt. Gemeinsam mit dem Welternährungsprogramm konnte die Hilfsorganisation seit Konfliktbeginn in Gaza insgesamt 44 Millionen warme Mahlzeiten verteilen.

Durch die Zusammenarbeit konnten sie am 21. Oktober insgesamt 175.280 warme Mahlzeiten für Vertriebene im mittleren Gazastreifen, Khan Younis und in Gaza-Stadt bereitstellen. Auch stellten sie Nahrungsergänzungsmittel auf Lipidbasis „LNS“ für 498 schwangere und stillende Frauen sowie für 948 Kinder bereit. Diese Verteilungen stehen beispielhaft für die lebenswichtige sowie lebenserhaltende humanitäre Hilfe und die Dienstleistungen, die Islamic Relief vor Ort leistet.

Über die Kooperation mit dem WFP hinaus haben die Hilfsteams von Islamic Relief in Gaza am gleichen Tag verzehrfertige Mahlzeiten verteilt sowie Wasser, während weitere Helfende zusätzlich Bildungsprogramme und psychosoziale Unterstützung für 230 Kinder im Alter von 6-12 Jahren durchführten.

Ein psychosoziales Erste-Hilfe-Programm mit Freizeitaktivitäten für 142 Kinder und 71 Mütter wurde ebenso durchgeführt und essentielle Reinigungsmittel und Hygieneartikel für insgesamt 77 Notunterkünfte in Gaza wurden bereitgestellt. Alle aufgelisteten Hilfeleistungen fanden in Gaza-Stadt, im mittleren Gazastreifen und Khan Younis statt. Aktuell ist die Einfuhr und Bereitstellung von humanitären Gütern weiterhin erschwert, jedoch leisten die lokalen Helfenden gemäß ihrem humanitären Auftrag weiterhin humanitäre Hilfe und stehen den Menschen zur Seite.

IPC-Bericht warnt vor Hungersnot: 2,2 Millionen Menschen in Gaza sind von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen

Im gesamten Gazastreifen besteht ein hohes Risiko einer Hungersnot, solange der Konflikt andauert und der Zugang für humanitäre Hilfe eingeschränkt ist. Etwa 96 Prozent der Bevölkerung des Gazastreifens (2,15 Mio. Menschen) sind laut „Integrated Food Security Phase Classification“ (IPC) von akuter Ernährungsunsicherheit auf „Krisenniveau“ (Phase 3 des IPC-Index) oder höher bedroht.

Die Integrierte Phasenklassifizierung der Ernährungssicherheit IPC ist eine international anerkannte Initiative, die 2004 von der Food and Agriculture Organization (FAO) der UN zur Verbesserung der Analyse und Entscheidungsfindung im Bereich Ernährungssicherheit und Ernährung ins Leben gerufen wurde. IPC nutzt globale, wissenschaftliche Standards zur Bewertung von Hunger.

Die aktuelle Prognose von IPC lautet, dass das hohe Risiko einer Hungersnot zwischen November 2024 und April 2025 so lange besteht, wie der Konflikt andauert und der Zugang für humanitäre Hilfe eingeschränkt ist.

Es wird erwartet, dass sich die akute Unterernährung in allen Gouvernements verschlimmern wird, bedingt durch saisonale Krankheiten in Gebieten mit hoher Bevölkerungsdichte und durch die reduzierte Hilfe für Kinder, schwangere und stillende Frauen. Ebenso wird erwartet, dass zwischen September 2024 und August 2025 etwa 60.000 Fälle von akuter Unterernährung bei Kindern im Alter von 6 bis 59 Monaten auftreten werden, darunter 12.000 schwere Fälle.

Während der gesamte Gazastreifen in der Prognose bis September 2024 als Notstandsgebiet eingestuft wurde (IPC-Phase 4), waren mehr als 495.000 Menschen, etwas 22 Prozent der Bevölkerung, immer noch mit einem „katastrophalen“ Niveau akuter Ernährungsunsicherheit konfrontiert (IPC-Phase 5). In dieser Phase leiden die Haushalte unter extremem Nahrungsmittelmangel, Hunger und der Erschöpfung der Bewältigungskapazitäten. Aufgrund der Bedingungen ist mit einem Anstieg des Hungerniveaus zu rechnen.

Wie deutsche und internationale Hilfsorganisationen fordern, listet auch IPC den sofortigen und dauerhaften Waffenstillstand sowie die Sicherstellung des ungehinderten Zugangs zu allen Bevölkerungsgruppen im Gazastreifen als Empfehlung auf.

Besondere Notlage im Norden Gazas und tausende Menschen sind weiterhin vermisst

Im nördlichen Gazastreifen leidet die Zivilbevölkerung akut unter Mangel wichtiger Hilfsgüter, wie Wasser, Lebensmittel und Medikamente. UN OCHA berichtet von einem erschütternden Ausmaß an Tod, Verletzungen und Zerstörung und die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen äußerte zuletzt Besorgnis über die Lage der letzten verbliebenen Krankenhäuser in Nord-Gaza.

Die Zahl der Todesopfer im Gazastreifen ist mittlerweile auf mehr als 42.718 Palästinenser gestiegen, darunter mindestens 13.319 Kinder und 7.216 Frauen, während weitere 100.282 Menschen verletzt wurden (UN OCHA, Stand 22. Oktober 2024*).

Das internationale Rote Kreuz (ICRC) meldete im April 7.000 vermisste Menschen, die Zahl wird von Hilfsorganisationen mittlerweile weit höher eingeschätzt. Unter den Toten befinden sich laut Reporter ohne Grenzen (RSF) mehr als 130 Journalisten und Journalistinnen, während hunderte Mitarbeitende des Gesundheitswesens nach lokalen Angaben umgekommen sind.

Ungehinderter Zugang für humanitäre Hilfe und Waffenstillstand notwendig, um Leben zu schützen

Wie weitere deutsche Hilfsorganisationen, fordert auch Islamic Relief Deutschland einen gesicherten Zugang für humanitäre Helfende und einen sofortigen und dauerhaften Waffenstillstand, um so viele Menschenleben wie möglich zu schützen und zu erhalten.