Am 10. Juni starb mit dem Schweizer Jean Ziegler eine laute und unbequeme Stimme gegen den Skandal des globalen Hungers. „Ein Kind, das an Hunger stirbt, wird ermordet.“ (iz). Am […]
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Am 10. Juni starb mit dem Schweizer Jean Ziegler eine laute und unbequeme Stimme gegen den Skandal des globalen Hungers. „Ein Kind, das an Hunger stirbt, wird ermordet.“ (iz). Am […]
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BERLIN (IZ). Weltweit sterben noch immer jeden Tag Mütter an Komplikationen, die vermeidbar wären – alle zwei Minuten eine Frau, wie UN-Organisationen schätzen. Besonders in Krisen- und Kriegsgebieten ist das Risiko, Schwangerschaft oder Geburt nicht zu überleben, etwa fünfmal höher als in stabilen Staaten. Zugleich kürzen reiche Länder ihre Beiträge für humanitäre Hilfe und Gesundheitsprogramme, was zur Schließung von Kliniken führt und Hebammen sowie Medikamente fehlen lässt. Hilfswerke wie CARE warnen: Diese Sparpolitik kostet Mütter in Afrika und anderen Konfliktregionen das Leben. Das sei eine ethische Bankrotterklärung.
GENF (KNA/IZ). Migranten spielen nach einem UN-Bericht eine bedeutende Rolle in der globalen Wirtschaft. Allein Überweisungen von den laut letzten Schätzungen 168 Mio. Arbeitsmigranten in ihre Heimatländer betrugen 2024 bis zu 905 Mrd. US-Dollar, wie aus dem World Migration Report 2026 hervorgeht, der am Dienstag in Genf veröffentlicht wurde. 685 Mrd. Dollar gingen in Entwicklungs- und Schwellenländer. Der Betrag war größer als die offizielle Entwicklungshilfe und ausländische Direkt-Investments zusammen. „Weltweit trägt Migration dazu bei, Arbeitsplätze zu schaffen, das Wirtschaftswachstum anzukurbeln, Stabilität zu fördern und den sozialen Zusammenhalt zu stärken“, sagte Amy Pope, IOM-Generaldirektorin.
Foto: Shutterstock
RIAD (KNA). Die Islamische Weltliga fordert einheitliche und klare ethische Standards für die Weiterentwicklung Künstlicher Intelligenz. Generalsekretär Muhammad bin Abdul Karim Issa warnte auf einer internationalen Konferenz im marokkanischen Fès vor den Risiken unregulierter Systeme, wie die Zeitung „Arab News“ Ende April meldete. Besonders in sensiblen Bereichen wie Religion, Ethnien und Kultur könne eine missbräuchliche Anwendung Spaltung, Hass und Konflikte schüren. Der Vertreter der Islam-Liga verlangte Transparenz und eine stärkere Rechenschaftspflicht für Unternehmen, die in diesem Bereich tätig sind.
KABUL (IPS). In Afghanistan riskieren Lehrende und andere Haft, wenn sie öffentlich für das Recht von Mädchen auf Bildung eintreten. Zwei Männer in Herat wurden nach Posts zur Wiederöffnung von Schulen für Mädchen von der Taliban-Moralpolizei vorgeladen und an den Geheimdienst überstellt. Seit fast fünf Jahren bleiben weiterführende Schulen und Hochschulen für sie geschlossen, mehr als zwei Mio. Schülerinnen sind vom Unterricht ausgeschlossen.
Foto: Anke van Wyk, Adobe Stock
DAKAR (IZ). Im Sahel wächst die „Große Grüne Mauer“ langsamer als geplant, aber sie wirkt: Mio. Bäume und Hecken schützen Böden vor Erosion, halten Wasser im Boden und schaffen Einkommen für BäuerInnen von Senegal bis Nigeria. Das afrikanische Schlüsselprojekt gegen Desertifikation soll bis 2030 bis zu 100 Mio. Hektar degradierte Flächen wiederbeleben und Mio. „grüne Jobs“ schaffen. Umweltorganisationen sehen darin ein Beispiel, wie Klimaschutz, Armutsbekämpfung und Bewahrung der Schöpfung zusammengehen können.
SARAJEVO (GfbV). Die GfbV bewertet den angekündigten Abgang des Hohen Repräsentanten für Bosnien und Herzegowina, Christian Schmidt, als alarmierendes Signal für die Stabilität des Landes und für die Glaubwürdigkeit der internationalen Gemeinschaft: „Wenn ein Hoher Repräsentant unter politischem Druck zurücktritt, dann ist das kein geordneter Amtswechsel, sondern ein gefährlicher Präzedenzfall“, erklärte Belma Zulčić, Direktorin der GfbV-Sektion Bosnien und Herzegowina am 12. Mai. „Der Rücktritt darf nicht als Erfolg jener Kräfte verstanden werden, die seit Jahren systematisch den Staat Bosnien und Herzegowina schwächen, die Institutionen blockieren und die Opfer des Krieges verhöhnen.“
Screenshot: Arakan Army, YouTube
NEW YORK (IZ). Human Rights Watch wirft der Arakan Army vor, im Mai 2024 in Rakhine Hunderte Rohingya-Muslime getötet, verletzt und ihre Häuser niedergebrannt zu haben. Zwei Jahre später verweigert die inzwischen mit der Junta verfeindete Miliz jede Verantwortung, während Überlebende in Lagern festgehalten werden und nicht in ihre Heimat zurückkehren können. UN-Gremien und Menschenrechtsorganisationen sprechen von Kriegsverbrechen.
GENF (KNA). Das UN-Komitee gegen Rassendiskriminierung hat sich besorgt über den Umgang mit der ethnischen Gruppe der Fulani in Burkina Faso geäußert. Deren Angehörige würden Opfer von Exekutionen, Folter, willkürlicher Inhaftierung, Verschleppung und Zerstörung von Eigentum, heißt es in einem turnusmäßigen Länderbericht, der Anfang Mai veröffentlicht wurde. Täter seien Berichten zufolge oft Mitglieder der regulären Streitkräfte und deren Verbündete. Fulani würden auch weiterhin von der Polizei besonders scharf beobachtet.

Foto: Aerial View/Adobe Stock
PARIS (IZ). Frankreich schließt eine Rolle der NATO in der Straße von Hormus aus und setzt stattdessen auf eine eigenständige, europäisch geführte Marinemission zum Schutz der Handelsschifffahrt. Es will damit Distanz zu einer weiteren Militarisierung unter US-Führung wahren und zugleich die Golfstaaten als Partner gewinnen, deren Vertrauen in Washington durch den Iran‑Krieg stark gelitten hat. Während der US‑Blockade und iranischer Kontrollen bleibt der Seeweg ein globaler Engpass, dessen Sicherung über Energiepreise und Versorgung direkt Europa und mehrheitlich muslimische Länder betrifft.
LONDON (IZ). Die britische Außenministerin Cooper warnt, die Welt „schlafwandle“ in eine globale Ernährungskrise, weil die Schifffahrt durch die Straße von Hormus infolge des Iran‑Kriegs fast zum Erliegen gekommen ist. Statt rund 90 passieren derzeit nur noch wenige Schiffe täglich die Meerenge, hunderte Frachter mit Getreide und Düngemitteln stecken fest. Das Welternährungsprogramm befürchtet, dass bis zu 45 Mio. Menschen zusätzlich in akute Ernährungsunsicherheit geraten könnten, wenn die Blockade anhält. Besonders Länder im Globalen Süden wären betroffen.
Foto: The White House/Daniel Torok
WASHINGTON (Agenturen). US‑Medien berichten, Washington und Teheran stünden kurz vor einer 60‑tägigen Waffenruhe, die die Wiederöffnung der Straße von Hormus einschließen soll. Demnach würde Iran in dieser Zeit Minen räumen und auf Transitgebühren verzichten, während die USA die Blockade iranischer Häfen lockern und Ölexporte wieder zulassen könnten. Ziel ist, den nahezu eingebrochenen Schiffsverkehr zu normalisieren, der seit Beginn des Kriegs massive Folgen für Energie- und Lebensmittelpreise hat. Menschenrechtsexperten erinnern daran, dass solche Abkommen nicht nur als geostrategische Deals, sondern auch am Maßstab des Schutzes von Zivilbevölkerungen im Iran, in der Region und im Globalen Süden zu messen sind.
HEBRON (KNA). Das Oberste Gericht von Israel hat die teilweise Enteignung der Machpela, der Patriarchengräber am Rand von Hebron, offiziell legitimiert. Eine entsprechende Petition der Stadtverwaltung, der zuständigen muslimischen Stiftung sowie eines Komitees für die Wiederherstellung der Altstadt wiesen die Richter in Jerusalem am 20. Mai zurück, wie Medien berichten. Die Grabstätte gilt als eines der wichtigsten Heiligtümer des Judentums, wird aber aufgrund der abrahamitischen Herkunft auch von Christen und Muslimen verehrt.
Foto: Muhamad Taufiq Bin Azmi, Shutterstock
JEDDAH (KNA). Die Organisation für Islamische Zusammenarbeit OIC hat die jüngste Kundgebung des rechtsextremen israelischen Ministers Itamar Ben-Gvir an einer der heiligsten Stätten des Islam verurteilt. Der Chef der jüdisch-fundamentalistischen Partei Otzma Jehudit und Minister für Nationale Sicherheit hatte am 14. Mai an der Spitze von Siedlergruppen den Platz der Al-Aqsa-Moschee in Ostjerusalem besucht und dort die israelische Flagge gehisst. Die OIC sprach in einer Erklärung von einer „bewussten Provokation der Gefühle von Muslimen weltweit“.
JERUSALEM (KNA). Der Konflikt im Westjordanland betrifft auch die Beduinen. Für sie wird der Lebensraum immer enger. Genaue Bevölkerungsdaten fehlen. Zunehmende Zersiedelung, soziale Benachteiligung und neuerdings wachsende Repressalien israelischer Siedler schränken aber in wachsendem Maß die halbnomadische Lebensweise der Menschen ein. Die Beduinen und Hirtengemeinschaften gehören weder zur israelischen noch zur palästinensischen Gesellschaft. Die UN zählen sie daher zu den „am meisten gefährdeten Gruppen in den besetzten palästinensischen Gebieten“.
Foto: MINUSMA, Marco Dormino
BAMAKO (The Conversation). Bewaffnete Gruppen haben in Mali zuletzt erneut Regierungsstützpunkte und Städte angegriffen, darunter Verbände der Tuareg, die sich mit Jihadisten verbündet haben. Beobachter verweisen darauf, dass Konflikte um politische Teilhabe, Ressourcenverteilung und kulturelle Anerkennung der Tuareg seit Langem den Boden für Gewalt bereiten. Mit dem Abzug der UN‑Mission und Schwächung staatlicher Strukturen wächst die Gefahr, dass Zivilisten vertrieben und Massaker verübt werden.
WASHINGTON (GFP.com). Der Krieg der USA und Israels stürzt Länder des Globalen Südens in eine tiefe Krise. Nicht nur der Ölpreisschock verschärft ihre meist ohnehin schon prekäre Lage. Zudem gefährdet die Unterbrechung eines Drittels der globalen Düngemittelversorgung die weltweite Ernährungssicherheit und droht schon in Kürze 45 Mio. Menschen in akuten Hunger zu treiben. Gleichzeitig muss sich Afrika für einen Mangel an medizinischen Gütern wappnen, da der Kontinent einen Großteil davon über den Mittleren Osten importiert. Darüber hinaus droht der dreifache Schock aus Energie- und Nahrungsmittelkrise sowie kriegsbedingt schwächerem Wirtschaftswachstum weltweit mehr als 32 Mio. Menschen in die Armut zu treiben – vor allem in Entwicklungsländern.
ISLAMABAD (KNA). Einen Tag nach zwei tödlichen Terroranschlägen auf Polio-Impfteams in Pakistan hat die Provinz Sindh am 19. Mai dennoch eine entsprechende Impfkampagne für 5,8 Millionen Kindern unter fünf Jahren gestartet. Die 17.000 Mitglieder der Teams würden von 15.000 Sicherheitskräften geschützt, berichtete das pakistanische Nachrichtenportal „Dawn“. Morde von Terroristen an den Teams kommen seit Jahren in Pakistan immer wieder vor. Im Dezember 2025 kamen ebenfalls in Bajaur zwei Menschen bei einem Angriff auf ein Polio-Impfteam ums Leben.
Foto: Nick Brundle
RAMALLAH (IZ). Die palästinensische Autonomiebehörde wirft Israel vor, mit immer neuen Provokationen das historische Status‑quo‑Arrangement in Jerusalem auszuhebeln. Anlass ist der jüngste Besuch des rechtsextremen Sicherheitsministers Itamar Ben‑Gvir auf dem Gelände der Al‑Aqsa‑Moschee, bei dem er in Begleitung von Siedlern mit israelischer Flagge durch das zog. Palästinensische und internationale Beobachter sehen darin Teil einer Strategie, die exklusiv muslimische Nutzung der heiligen Stätte schrittweise auszuhöhlen und Ostjerusalem demographisch wie rechtlich weiter zu verändern.
BRÜSSEL (MEMO). Italien, Großbritannien, Frankreich und Deutschland warnten am 22. Mai, dass sich die Lage im besetzten Westjordanland in den letzten Monaten „erheblich verschlechtert“ habe, vor dem Hintergrund zunehmender Gewalt durch Siedler und einer israelischen Politik, die ihrer Ansicht nach die Stabilität und die Aussichten auf Frieden untergrabe, berichtete Anadolu. In einer gemeinsamen Erklärung erklärten die vier europäischen Länder, dass die israelischen Siedlungsaktivitäten gegen das Völkerrecht verstoßen und das Gebiet weiter zersplittern würden, wodurch die Möglichkeit eines lebensfähigen palästinensischen Staates gefährdet werde.
JERUSALEM (KNA). Die Gewalt israelischer Siedler in den besetzten palästinensischen Gebieten hält an. Israelische Siedler haben das Dorf Jibiya nordwestlich von Ramallah im besetzten Westjordanland angegriffen. Dabei steckten sie laut örtlichen Medienberichten am 22. Mai eine Moschee und mehrere palästinensische Fahrzeuge in Brand. Der Angriff ist kein Einzelfall, sondern Teil einer systematischen Politik.
(iz). Die anhaltenden Kriege im Nahen Osten treffen Menschen im Sudan mit voller Wucht – und sie treffen sie ausgerechnet in einer Zeit, in der viele Familien auf ein wenig Festfreude hoffen.
Die Hilfsorganisation Islamic Relief sprach mit Blick auf das kürzliche Opferfest vom „teuersten Opferfest aller Zeiten“: Die Kosten für die jährlichen Kurban‑Verteilungen der Organisation sind im Sudan binnen weniger Monate um mehr als 60 Prozent gestiegen, Brot hat sich verteuert, Treibstoffpreise haben sich nahezu verdreifacht.
Dabei gehört der Sudan schon jetzt zu den am stärksten von Hunger betroffenen Ländern der Welt. Drei Jahre Krieg haben nach UN‑Angaben die größte Hungerkrise weltweit ausgelöst. Dutzende Millionen haben kaum Zugang zu ausreichender Nahrung.
In diesem Kontext ist das Kurbanprogramm mehr als eine religiöse Tradition: Für viele Familien bedeutet das Fleisch aus den Opfertieren die einzige eiweißreiche Mahlzeit im Monat und ist ein wichtiges Mittel, um Unterernährung vorzubeugen.
Foto: US-DoD/gemeinfrei
Islamic Relief hatte im Sudan ursprünglich geplant, mehr als 92.000 Menschen mit Kurban‑Fleischkonserven zu erreichen – vor allem Vertriebene in Regionen wie Darfur und Kordofan, wo die Kämpfe besonders heftig sind.
Doch die rapide steigenden Preise zwangen die Organisation, schmerzhafte Prioritäten zu setzen: Entweder müssen weniger Familien erreicht werden, oder jede erhält weniger Fleisch als in den Vorjahren.
Mitarbeitende vor Ort berichten, dass sich das Leben binnen weniger Monate drastisch verteuert hat: Für den gleichen Betrag gibt es nur noch die Hälfte Brot, Treibstoff ist um weit über 100 Prozent teurer geworden, Düngemittel, Saatgut und andere landwirtschaftliche Betriebsmittel fehlen auf den Märkten.
Die Folgen reichen jenseits der Verteilungen von Fleisch hinaus. Steigende Treibstoff‑ und Lebensmittelpreise belasten die gesamte humanitäre Infrastruktur an ihre Grenzen. Lieferanten, mit denen Hilfswerke seit Jahren zusammenarbeiten, scheuen neue Verträge, weil sie das Währungs‑ und Preisrisiko nicht kalkulieren können.
In vielen Städten sind Gemeinschaftsküchen (Takaaya) zu einer Lebensader für arme Familien geworden. Doch genau diese Küchen müssen reihenweise schließen: Nach Angaben von Islamic Relief sind in den letzten sechs Monaten mehr als 40 Prozent von ihnen mangels Mitteln und Nachschub vom Netz gegangen.

Menschen im Sudan kochen in jahrhundertealter Tradition solidarisch für ihre Mitmenschen, in sogenannten Takaaya, Gemeinschaftsküchen. (Foto: Islamic Relief Deutschland)
Hinzu kommt, dass sich die Krisen überlagern. Die Kämpfe in Darfur und Kordofan treiben Hunderttausende Richtung Khartum und andere vergleichsweise sichere Bundesstaaten; dort treffen sie auf überforderte Gemeinden, steigende Mieten und eine kollabierende Grundversorgung.
Gleichzeitig verschärfen die Angriffe im Nahen Osten und die Blockade wichtiger Seewege die Lage: Unterbrochene Lieferketten über Rotes Meer und Straße von Hormus verteuern nicht nur Öl und Treibstoff, sondern ebenso Dünger und Getreide.
Das hat spürbare Folgen bis in die sudanesischen Märkte. Der Krieg am Golf wird so zur unsichtbaren Ursache leerer Töpfe in afrikanischen Küchen.
Was im Sudan zu beobachten ist, steht exemplarisch für eine breitere Entwicklung. Islamic Relief berichtet von ähnlichen Problemen in anderen Krisenländern: In Somalia haben sich die Treibstoffpreise mehr als verdoppelt, was Nahrungsmittel verteuert und Hilfslieferungen erschwert.

Foto: Islamic Relief Deutschland
Im Libanon, wo Angriffe ganze Gemeinden zur Flucht gezwungen haben, schlagen schon einfache Tankfüllungen deutlich stärker zu Buche – mit unmittelbaren Auswirkungen auf Transport, Stromversorgung und die Kosten grundlegender Dienstleistungen.
Das Welternährungsprogramm (WFP) warnt, dass solche Preis‑ und Versorgungsschocks Millionen weitere Menschen in akute Ernährungsunsicherheit stoßen können.
Für muslimische Hilfsorganisationen stellt sich damit zukünftig die Aufgabe, die religiöse Bedeutung von Hilfen mit der politischen Dimension der aktuellen Krisen zu verbinden.

(KNA). In Banjul, der Hauptstadt von Gambia in Westafrika. Das kleine, schmale Land ist vom großen Nachbarn Senegal komplett umgeben und vor allem als Urlaubsdestination für Briten bekannt. Moderne Hotels, große Pools und Sandstrände mit Palmen einerseits. Von Frida Nsonde & Katrin Gänsler
Andererseits lebt, verschiedenen Schätzungen zufolge, etwa jeder zweite Gambier – die Bevölkerung liegt bei rund 2,8 Mio. – unterhalb der Armutsgrenze. Schon geringe Preissteigerungen haben eine große Wirkung – auch für Taxifahrer Omar Chorr.
Er muss sein Auto gerade betanken, steht an der Zapfsäule und beobachtet, wie der zu zahlende Betrag auf dem Display weiter in die Höhe klettert. Die Preise seien gestiegen über die vergangenen Wochen, erklärt er – „wegen des Krieges im Iran, sagen die Leute“. Selbst die Gasflaschen zum Kochen seien deutlich teurer geworden. „Die Lage ist nicht leicht“, sagt er.
Die Preiserhöhung bestätigt Modou Ceesay, Manager der star-Tankstelle am Verkehrsknotenpunkt Turntable. Der Liter Benzin sei von zuvor etwa 80 Dalasi (0,9 Euro) um 14 Dalasi (0,16 Euro) gestiegen. „Der Preisanstieg für Diesel liegt bei rund 18 Dalasi“, so Ceesay. Umgerechnet sind das 0,21 Euro. Wer monatlich nur zwischen umgerechnet 100 und 200 Euro zur Verfügung hat, spürt jeden Cent weniger in der Tasche.
Immerhin, in Gambia hat sich die Regierung von Adama Barrow für eine Benzinsubvention entschieden. Für April hat sie dafür nach eigenen Angaben 316 Mio. Dalasi – 4,2 Mio. Euro – ausgegeben. Ohne die Subvention wäre die Lage zweifellos gravierender, zeigt sich Tankstellen-Manager Ceesay überzeugt.
Auch Pendler spüren den Preisanstieg. In unmittelbarer Nähe füllen sich Minibusse, das übliche Transportmittel in Gambia. „Vor einer Woche wurden die Transportpreise angehoben“, sagt Gehilfe Saidou Barry. Der junge Mann kassiert während der Fahrt das Geld ein.
Eine einfache Strecke, die zuvor 10 oder 12 Dalasi kostete, kostet nun 15 Dalasi. Für Strecken, die bisher 30 oder 50 Dalasi kosteten, müssen Fahrgäste nun jeweils 15 Dalasi mehr hinlegen. Die Erhöhung geht auf einen Beschluss des Transportministeriums nach einer Beratung mit der Transportgewerkschaft zurück.
Während es in Gambia noch Benzin gibt, haben in den vergangenen Wochen bereits mehrere Länder die Abgabemengen eingeschränkt. Vielerorts – etwa in Malawi und Namibia – bilden sich Berichten zufolge lange Schlangen vor den Tankstellen. In Mosambik ordnete die Regierung an, nach Möglichkeit von zu Hause zu arbeiten und unnötige Fahrten zu vermeiden.
Weitaus dramatischer ist die Lage längst im Sudan, wo seit drei Jahren Krieg herrscht. In der Region Ost-Darfur wird mithilfe von Dieselgeneratoren Wasser aus Bohrlöchern in Tanks oder Rohrleitungen gepumpt. Steigt der Dieselpreis, wird auch das Trinkwasser teurer.
Nach Angaben von Mohammed Gebril, Koordinator für Wasser und Sanitärversorgung beim christlichen Hilfswerk World Vision in Ost-Darfur, stiegen die Wasserpreise nach der Sperrung der Straße von Hormus bereits um 30 Prozent – und das ausgerechnet jetzt: Die Temperaturen klettern aktuell auf über 40 Grad Celsius. Haben Menschen kein sauberes Wasser, steigt außerdem das Risiko für Erkrankungen wie Typhus und Cholera.
Nervös ist man hingegen auf Madagaskar; zwei Wochen lang galt dort gerade der Notstand. Denn auf der Insel im Indischen Ozean ist nur zu gut bekannt, welche weitreichenden Folgen Wasser- und Stromengpässe haben können.
Diese erlebte Madagaskar erst im vergangenen Jahr; Proteste der „Gen Z“ folgten und schwächten die Regierung von Präsident Andry Rajoelina. Das Militär nutzte seine Chance – und stürzte die Regierung schließlich.
Doch es sind längst nicht nur gestiegene Benzinpreise, die den Alltag erschweren. Vielerorts wird auch Dünger knapp. Laut UNCTAD, der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung, wird etwa ein Drittel des weltweiten Seehandels mit Düngemitteln – das entspricht rund 16 Millionen Tonnen – durch die Straße von Hormus abgewickelt.

Foto: Aerial View/Adobe Stock
In Kenia kündigte die Regierung nun an, zwei Millionen Säcke subventionierten Düngers an mehr als sechs Millionen Farmer im Land zu verteilen. Diese hatten zuvor vor Ernteausfällen gewarnt.
Sollte es dazu kommen, könnte das gravierende Folgen für die Ernährungssituation haben. Kenia ist kein Einzelfall. Das Welternährungsprogramm schätzte gerade, dass weltweit zusätzlich 45 Millionen Menschen von Hunger betroffen sein könnten, falls der Konflikt nicht bis Mitte des Jahres beendet wird.
Davon lebten fast zwei Drittel in Afrika und Asien. Alleine im Sudan sind derzeit bereits mehr als 19 Mio. Menschen von akutem Hunger bedroht.
Unklar ist außerdem, welche Folgen der Krieg auf die Rücküberweisungen hat, die für Privathaushalte und Staaten eine wichtige Lebensader sind. Nach Weltbank-Angaben erhielt Subsahara-Afrika im Jahr 2021 schätzungsweise 49 Mrd. US-Dollar (rund 42 Mrd. Euro) an Rücküberweisungen.
In Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar, Kuwait, Bahrain und dem Oman leben Schätzungen zufolge rund fünf Millionen afrikanische Migranten, die dort in Privathaushalten, im Baugewerbe und in der Logistik arbeiten. Gehen dort die Einkommen zurück oder verlieren sie gar ihre Jobs, wirkt sich das auch in ihren Heimatländern aus.
(IRD). Angesichts der eskalierenden Lage in Nahost, werden Millionen Menschen ihr wichtiges Fest unter Bomben und in Angst verbringen. Der steigende Hunger in Ländern wie Afghanistan, Jemen, Pakistan und Südsudan, bleibt alarmierend.
Um dem Hunger zu trotzen und ein Zeichen für Frieden und Hoffnung zu setzen, hat das gesamte internationale Islamic Relief Netzwerk diesen Ramadan mehr als 800.000 Menschen weltweit mit Lebensmittelpaketen versorgt – darunter Familien, die in Ländern wie dem Libanon, Sudan und Gaza unter Krieg und Hunger leiden.
Die humanitäre Hilfsorganisation Islamic Relief Deutschland und ihre globalen Partner haben in den vergangenen vier Wochen Spenden gesammelt, um mit Hilfe der großzügigen Spenden noch mehr Menschen in Not global zu unterstützen.
50 bis 90 Kilogramm schwere Lebensmittelpakete, angepasst an lokale Gewohnheiten, haben hunderttausende Familie in diesem Ramadan ernährt. Angesichts der Kürzungen der Hilfeleistungen internationaler Regierungen, setzen die Spenden der Muslime auf der ganzen Welt und in Deutschland ein dringendes Zeichen der Menschlichkeit.
Geschäftsführer Michael Pfaff sieht hierin einen Hoffnungsschimmer in Zeiten von weltweiten Krisen und Hunger.
Er erklärt: „Solidarität in Zeiten, in denen Millionen Menschen weltweit Gewalt in Kriegen durchleben, ist für uns als humanitäre Hilfsorganisation ein Muss. Dass unsere deutschen Spenderinnen und Spender wieder zehntausende Lebensmittelpakete im Ramadan ermöglicht haben, bestärkt uns in unserem humanitären Auftrag.“
Angesichts der aktuellen Gewalt im Nahen Osten und weltweit sagt Pfaff: „Am heutigen Festtag sind unsere Gedanken vor allem bei den Menschen in Not, ob in Gaza, im Libanon und Sudan, sowie bei unseren Helfer-Teams weltweit, die Unglaubliches leisten. Wir wünschen allen Muslimen und Nicht-Muslimen gesegnete Festtage und ein Leben in Frieden und Sicherheit.“
Kriege, Klimawandel und Ungleichheit bedeuten, dass viele Menschen täglich um ihr Überleben kämpfen und Millionen von Familien hungern müssen. Die verteilten Lebensmittelpakete spenden Menschen in Not weltweit Trost, die sonst nicht genug zu essen hätten, um ihr Fasten zu brechen. Sie unterstützen vulnerable Gemeinschaften darin, etwas Kraft zu tanken.
In diesem Jahr wurden die ersten Lebensmittelpakete von Islamic Relief u.a. an Menschen in Afghanistan, Gaza, Jemen, Sudan und auch gezielt Rohingya-Gemeinschaften in Bangladesch verteilt. Schutzbedürftige Bevölkerungsgruppen wie Waisenkinder, alleinerziehende Mütter und alte Menschen sowie Menschen mit Behinderung stehen jedes Jahr im Fokus.
Erleichtert ist auch Nasima Akter, 36 Jahre alt, aus Shariatpur in Bangladesch, die mit ihren beiden Kindern und ihrer Mutter lebt.
„Abgesehen von Reis, Linsen und gelegentlich etwas Gemüse können wir uns gar nicht vorstellen, etwas anderes zu essen. Und wenn jemand von uns plötzlich krank wird, bleibt uns nichts anderes übrig, als die umliegende Gemeinschaft um Hilfe zu bitten, da wir allein nicht zurechtkommen“, erzählt die alleinerziehende Mutter, die sich über die ersehnte Verschnaufpause zum Ramadan freut.
In diesem Jahr kann sie durch das Lebensmittelpaket etwas neue Kleidung zum Festtag kaufen, was ihnen sonst nicht möglich ist und ihren 6-jährigen Sohn Ibrahim besonders freut.
Nasimas Kinder Ibrahim und Morium freuen sich über das Ramadanpaket und kichern beim Familien Portrait mit ihrer Oma. (Foto: Islamic Relief Deutschland)
Wie Nasima wurden in Bangladesch – darunter Cox’s Bazar, Barguna und Rangpur- in diesem Jahr tausende Menschen mit über 2.300 Lebensmittelpaketen unterstützt. 1,6 Millionen Kinder im Land leiden an akuter Unterernährung und 4,4 Mio. Menschen sind dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen.
Laut der globalen IPC-Klassifizierung für Hunger leiden heute 169,1 Mio. Menschen weltweit an mindestens krisenhaftem Hunger (oder schlimmer). Mehr als 29 Mio. Menschen werden bereits unter Phase 4, Krise/Notfall, eingestuft. Im Sudan, Südsudan und Somalia, aber auch im Jemen, Afghanistan und Pakistan sind große Teile der Bevölkerung von Ernährungsunsicherheit und drohenden Hungersnöten betroffen.
So leiden in Afghanistan 17,4 Mio. Menschen an krisenhaftem Hunger und schlimmer. Auch in Pakistan stürzen die Nachwirkungen des Jahres 2025 – Überschwemmungen, Dürre und wirtschaftliche Belastungen – ganze 7,5 Millionen Menschen in akute Ernährungsunsicherheit.
In Somalia hat sich die Zahl der Menschen, die unter akuter Ernährungsunsicherheit leiden, seit dem letzten Jahr auf 6,5 Millionen verdoppelt; 1,8 Mio. Kinder unter fünf Jahren sind von akuter Unterernährung bedroht. Im Sudan verschlechtert sich die humanitäre Lage weiterhin, während 19,1 Mio. Menschen an krisenhaftem Hunger leiden.
Infolge der Massenflucht aus der Stadt El Fasher Ende Oktober 2025 und der anhaltenden Kampfhandlungen hat die akute Unterernährung in zwei Gebieten in Nord-Darfur die Schwelle zur Hungersnot überschritten.
Im Südsudan leiden 5,9 Mio. Menschen an akuter Ernährungsunsicherheit. Bis zum Juni 2026 werden über 2 Mio. Kinder im Alter von 6 Monaten bis 5 Jahre an akuter Unterernährung leiden und dringend Ernährungshilfe und medizinische Behandlung benötigen. Darüber hinaus werden über 1 Mio. schwangere und stillende Frauen im Südsudan unterernährt sein.
In Gaza sind rund 1,6 Mio. Menschen nach wie von einer Lebensmittelunsicherheit der Stufe „Krise“ (IPC-Phase 3) betroffen. Davon sind eine halbe Million Menschen in IPC-Phase 4, Notfall, gefangen.
Und im Libanon sind aktuell 850.000 Menschen von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen und die humanitäre Lage verschlechtert sich rasant. In den letzten zwei Wochen wurden im Libanon mehr als eine Million Menschen durch anhaltende Luftangriffe, Bodenoffensiven und Evakuierungsbefehle gewaltsam vertrieben.
Angesichts der dramatischen Zahlen und gleichzeitigen Budgetkürzungen für Hilfe durch die globale Staatengemeinschaft, stellen die jährlichen Lebensmittelpakete von Islamic Relief eine tatsächliche Lebensader und Verschnaufpause vom täglichen Überlebenskampf für hunderttausende Menschen weltweit dar.
Neben Lebensmittelpaketen, hat Islamic Relief in vielen Ländern notleidende, arme Familien mit Bargeldhilfen oder Gutscheinen versorgt, damit sie selbst Lebensmittel kaufen und die angeschlagenen lokalen Märkte unterstützen können. Auch organisierten Helferinnen und Helfer gemeinschaftliche Iftars, bei denen Familien gemeinsam ihr Fasten brechen konnten.
Die Lage in Gaza bleibt für Bevölkerung und Hilfsorganisationen gleichermaßen schwierig. Einerseits hat sich die Lage teils verbessert. Andererseits drohen neue Probleme. (IPS). Seit dem Waffenstillstand zwischen Israel und Hamas […]
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(iz). Die Menschen in Gaza erleben seit August 2025 erstmals offiziell eine komplette Hungersnot, wie das System der Integrated Food Security Phase Classification (IPC) bestätigt hat.
Die Zustände werden als „vollkommen menschengemachte Katastrophe“ eingestuft, für die sie Organisationen in Israel in erheblichem Maße verantwortlich machen.
Nach jüngsten Daten sind mehr als eine halbe Million Menschen direkt von Hunger betroffen, darunter etwa 132.000 Kinder unter fünf Jahren. Die Kriterien für „Hungersnot“ der IPC-Kategorie 5 sind erfüllt:
Auf jeden Fall erhalten 20 % der Bevölkerung nicht die Mindestmenge von 2.100 kcal pro Tag, mindestens 30 % der Kinder unter fünf Jahren sind akut mangelernährt, und pro Tag sterben minimal 2 von 10.000 Menschen an Hunger.
Die Hungerkatastrophe entspricht der höchsten, fünften Stufe der IPC-Skala, die international als Standard für Ernährungssicherheit gilt. Die aktuelle Bewertung fußt auf UN-Daten und wurde um neue Indikatoren wie den mittleren Oberarmumfang (MUAC) ergänzt, wodurch die Schwelle für die Feststellung einer Hungersnot etwas gesenkt wurde. Kritiker bemängeln, dass dies die Einstufung erleichtert, aber selbst nach früheren Standards wären die Kriterien nun klar erfüllt.
Foto: Ran Zisovitch/Shutterstock
Humanitäre NGOs, UN-Vertreter und die IPC bezeichnen den Hunger als menschengemacht. Sie machen die strikten Nahrungsmittel- und Hilfsgüterblockaden Israels, die seit Ende 2024 verschärft wurden, direkt dafür rechenschaftspflichtig, dass Hilfsleistungen kaum noch bei der Bevölkerung ankommen.
Die Regierung in Tel Aviv wies die Einschätzung zurück, betonte, sie lasse ausreichend Hilfsgüter nach Gaza, und machte ihrerseits die Hamas für die Misere verantwortlich.
Internationale Organisationen und Experten widersprechen dieser Darstellung jedoch deutlich. Die UNO sieht im israelischen Vorgehen vorsätzliches Handeln und warnt vor möglichen Kriegsverbrechen. Als Besatzungsmacht sei der Staat verpflichtet, die Grundversorgung sicherzustellen.
Im Februar konnten während einer Waffenstillstandsphase Hilfsgüter die Not kurzzeitig lindern; die aktuelle Blockade wird als zentrales Hindernis zur Beendigung der Hungersnot genannt.
„Die israelischen Behörden müssen die Belagerung des Gazastreifens beenden, die Angriffe auf Gaza-Stadt sofort einstellen, alle Landübergänge öffnen, um Hilfsgüter ins Land zu lassen, und humanitären Helfer:innen ermöglichen, ihre Arbeit sicher ausüben zu können“, sagte Jolien Veldwijk, Landesdirektorin von CARE Palästina.

„Monatelange Warnungen wurden ignoriert. Jetzt bestätigt die UN: #Gaza-Stadt hat Stufe 5 erreicht: offizielle Hungersnot. Menschen in Gaza hungern nicht, weil Essen fehlt, sondern weil Essen durch Israel blockiert wird. Ein Kriegsverbrechen. Starvation by design.“ Alexander Schwarz, X, 22.08.2025
Bonn (CARE Deutschland/iz). Fast 55.500 unterernährte schwangere und stillende Frauen benötigen dringend Hilfe. Für den Verwaltungsbezirk Gaza wird nun eine Hungersnot (IPC-Phase 5) bestätigt, die sich bis Ende September voraussichtlich auf die Bezirke Deir Al Balah und Khan Younis ausweiten wird.
Es gibt jetzt keine Zeit mehr zu verlieren: „Die israelischen Behörden müssen die Belagerung des Gazastreifens beenden, die Angriffe auf Gaza-Stadt sofort einstellen, alle Landübergänge öffnen, um Hilfsgüter ins Land zu lassen, und humanitären Helfer:innen ermöglichen, ihre Arbeit sicher ausüben zu können“, sagt Jolien Veldwijk, Landesdirektorin von CARE Palästina.
„Die Menschen haben monatelang Hunger, Bombardierungen und Vertreibung überlebt, doch jetzt droht ihnen in Gaza das Verhungern. Die Blockade verhindert, dass Lebensmittel und Hilfsgüter die Bedürftigsten erreichen. Angesichts des bevorstehenden Angriffs auf Gaza-Stadt bleibt vielen nichts anderes übrig, als sich zu Fuß auf den gefährlichen Weg in den Süden Gazas zu machen, wo sie erneut in überfüllten Lagern ohne das Nötigste zum Überleben untergebracht werden“, ergänzt Jolien Veldwijk.
Auch für humanitäres Personal wird es immer schwieriger, Hilfe zu leisten. Samah Wadi, Ernährungsexpertin im von CARE geführten Zentrum für primäre Gesundheitsversorgung in Deir Al-Balah, beschreibt die Lage:
„Wir alle hungern, auch wir verlieren die Kraft, die wir für unsere tägliche Arbeit brauchen. Hunger ist alles, woran wir denken können. Unterernährung wirkt sich nicht nur auf den Körper aus, sondern auch auf den Geist und die Seele. In unserer Klinik sehen wir Menschen, die glauben, dass Nahrungsergänzungsmittel Lebensmittel ersetzen können, und dann muss man ihnen erklären, dass diese eben nur eine Ergänzung sind. Sie suchen nach allem, was ihnen zum Überleben hilft, woran sie sich festhalten können, auch wenn es sie nur für ein paar Stunden rettet.“
Wenn die Staats- und Regierungschef:innen der Welt nicht sofort umfassende Maßnahmen ergreifen, wird die Zahl der Palästinenser:innen, die an Hunger sterben, jeden Tag exponentiell steigen.
„Niemand kann behaupten, nichts davon gewusst zu haben. Wir fordern die internationale Gemeinschaft dringend auf, endlich einen sofortigen und dauerhaften Waffenstillstand, die Freilassung aller Geiseln sowie den uneingeschränkten, sicheren, ungehinderten, sofortigen und dauerhaften Zugang zu humanitärer Hilfe für alle Menschen in Not in Gaza zu gewährleisten“, sagt Jolien Veldwijk.

Die UN-Agentur für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) hat am 19. Juli erneut der Tel Aviver Regierung vorgeworfen, Nahrungsmittelmangel als Kriegswaffe gegen Zivilisten im Gazastreifen einzusetzen, wie die Nachrichtenagentur Anadolu berichtete. (iz, […]
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(dpa, kann, iz). Israel sieht sich wegen der katastrophalen Zustände im umkämpften Gazastreifen einem immer stärkeren weltweiten Druck zum Handeln ausgesetzt.
Laut Experten für Ernährungssicherheit zeichnet sich in dem Küstengebiet „das schlimmste Szenario einer Hungersnot“ ab. Sollte die israelische Regierung nicht wesentliche Schritte unternehmen, diese entsetzliche Situation zu beenden und sich zu einem langfristigen, nachhaltigen Frieden bekennen, werde Großbritannien – so wie Frankreich – den Staat Palästina anerkennen, warnte der britische Premier Keir Starmer.
Das Tel Aviver Außenministerium kritisierte diesen Vorstoß mit scharfen Worten. Die Anerkennung Palästinas als Staat wäre eine „Belohnung für die Hamas“ und würde die Bemühungen um eine Waffenruhe im Gazastreifen sowie die Freilassung der noch immer von der Hamas und anderen Extremisten festgehaltenen Geiseln beeinträchtigen, hieß es in einer Mitteilung.
Bei einer Konferenz zur Beilegung der Gewalt im Nahen Osten hat UN-Generalsekretär António Guterres harte Kritik an die israelische Regierung gerichtet. Weder die Terrorangriffe der Hamas vom 7. Oktober 2023 seien durch irgendetwas zu rechtfertigen, noch die „Austilgung Gazas, die sich vor den Augen der Welt entfaltet hat“, sagte Guterres am Montag in New York bei der von Frankreich und Saudi-Arabien ausgerichteten Tagung, an der Israel nicht teilnimmt.
Das Aushungern der Bevölkerung, die Tötung Zehntausender Zivilisten, eine weitere Zersplitterung der besetzten Palästinensergebiete und die Ausweitung der Siedlungen, weiter die Zunahme der Siedlergewalt gegen Palästinenser, Hauszerstörungen und eine Verschiebung der demografischen Verhältnisse bis hin zu offenen Annexionsplänen seien „Teil einer systemischen Realität, die die Bausteine für den Frieden demontiert“, so Guterres.
Eine Konfliktlösung müsse die Wahrheit zur Kenntnis nehmen, dass man an einer Belastungsgrenze angelangt sei. Die Zwei-Staaten-Lösung sei „ferner als je zuvor“.
Foto: Anas-Mohammed, Shutterstock
Seit Beginn des Gaza-Kriegs vor fast 22 Monaten sind nach Angaben der Gesundheitsbehörde bislang 60.034 Palästinenser ums Leben gekommen. 145.870 weitere erlitten demnach Verletzungen, wie es in einer Mitteilung der Behörde hieß. Es soll sich bei der Mehrheit der Opfer um Frauen, Minderjährige und ältere Menschen handeln.
Der Krieg, die israelische Kriegführung gegen Medien sowie die Kontrolle der Hamas machen es seit Kriegsbeginn schwierig, unabhängig Zahlen zu erheben. Zumal (gerade in Deutschland) der instrumentalisierte Vorwurf, alle Angaben würden von der Hamas stammen, zur Geringschätzung von Opferzahlen führt.
90 % der zwei Mio. Palästinenser wurden nach laut Hilfsorganisationen durch die Kampfhandlungen teils mehrfach in die Flucht getrieben. Die zivile Infrastruktur – Krankenhäuser, Schulen, Moscheen, Betriebe – wurde demnach weitgehend zerstört.
„Die israelische Ankündigung über eine einwöchige humanitäre Pause in bestimmten Teilen des Gazastreifens, die Einrichtung sicherer Routen für UN-Konvois sowie die vorübergehende Aufhebung von Zöllen auf bestimmte Hilfsgüter wie Medikamente ist keine Lösung für den Massenhunger und die von Menschen verursachte humanitäre Krise in Gaza“, erklärte die Hilfsorganisation CARE am Dienstag.
Die Forderung nach einem Waffenstillstand erhob zuvor Bundeskanzler Merz in einem Telefonat mit Premier Netanjahu. Netanjahu müsse „alles in seiner Macht Stehende“ unternehmen, um umgehend einen Waffenstillstand zu erreichen, erklärte Regierungssprecher Stefan Kornelius am 27. Juli in Berlin.
Beinahe zwei Jahre täglicher Gewalt, Zerstörung, Vertreibung, systematischer Behinderung humanitärer Hilfe sowie Belagerung und Aushungerung ließen sich nicht durch einzelne Maßnahmen rückgängig machen. Um die verheerenden Folgen auch nur ansatzweise zu lindern, bedürfe es eines langfristigen, koordinierten und ganzheitlichen Ansatzes.
„Ebenso wenig können Hilfslieferungen, die aus der Luft abgeworfen werden, eine verantwortungsvolle, gerechte und gezielte humanitäre Versorgung ersetzen. Sie haben sich bereits als gefährlich, entwürdigend und unzureichend erwiesen. Besonders gefährdet sind ohnehin bereits unterernährte Menschen, darunter Frauen, Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Behinderung.“
Foto: Deutscher Bundestag / Thomas Köhler / photothek
Deutschland und mehrere andere EU-Staaten wollen einem Vorschlag zur Sanktionierung Israels wegen der katastrophalen humanitären Lage in Gaza vorerst nicht zustimmen.
Bei Beratungen im Ausschuss der ständigen Vertreter der Mitgliedstaaten in Brüssel habe deswegen keine schnelle Einleitung des Entscheidungsverfahrens vereinbart werden können, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur von Diplomaten. Konkret hatte die EU-Kommission am 28. Juli empfohlen, die Teilnahme Israels am Forschungsförderungsprogramm Horizon Europe teilweise auszusetzen.
Die Bundesregierung forderte die Tel Aviv bei einer UN-Konferenz zur Zweistaatenlösung in New York zu einer Kursänderung auf. „Als Deutschland haben wir gesagt, dass wir einen palästinensischen Staat eher am Ende solcher Verhandlungen anerkennen würden. Das ist weiterhin unsere Position – aber wir sehen, dass die derzeitige israelische Politik in die entgegengesetzte Richtung weist“, sagte Staatsminister Florian Hahn. Dies sei „völlig falsch“ und diene nicht den langfristigen Sicherheitsinteressen Israels.
Mit Zweistaatenlösung ist die Schaffung eines unabhängigen palästinensischen Staates gemeint, der friedlich Seite an Seite mit Israel existieren soll. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte kürzlich angekündigt, Ende September vor der UN-Generalversammlung in New York Palästina als Staat anzuerkennen. Anders als Deutschland droht nun auch Großbritannien damit.
Von vielen Beobachtern, Experten und Historikern wird eine solche Lösung als unrealistisch und nicht machbar eingestuft. Vielmehr sei sie ein internationales Feigenblatt, um Grundfragen des Nahostkonflikts nicht angehen zu wollen.
Mehrere arabische Staaten, darunter die zwischen Israel und der Hamas vermittelnden Länder Ägypten und Katar, forderten unterdessen bei der UN-Konferenz zur Zweistaatenlösung ein Ende der Hamas-Herrschaft im Gazastreifen. In einem siebenseitigen Dokument, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, verlangten insgesamt 17 Länder konkrete Schritte für ein Ende des Konflikts.
„Der Krieg in Gaza muss jetzt enden“, heißt es zu einer der Voraussetzungen für das Ziel einer Zweistaatenlösung, zu der Israel sich bekennen müsse. In dem Dokument wird ebenfalls das Massaker der Hamas vom 7. Oktober 2023 verurteilt, das den Krieg auslöste.
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