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30 Jahre Islamic Relief: „Das Spendenverhalten hat sich stark verändert“

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30 Jahre Islamic Relief: Hintergrundgespräch mit Michael Pfaff, Geschäftsführer der Hilfsorganisation über Aus- und Einblicke der humanitären Arbeit.

(iz). Islamic Relief Deutschland wird in diesem Jahr 30 und Geschäftsführer Michael Pfaff erklärt im Interview, wie aus islamisch motivierter Solidarität eine professionelle, zertifizierte Hilfsorganisation wurde, die weltweit und zunehmend auch in Deutschland Menschen in akuter Not unterstützt.

Er spricht über die Gründung vor dem Hintergrund des Bosnienkriegs, den Kernauftrag, Zakat- und Sadaqa-Spenden transparent einzusetzen, aktuelle Schwerpunkte in Gaza, Sudan und „vergessenen Krisen“ sowie den Wandel des Spendenverhaltens durch Digitalisierung.

Zudem erläutert Pfaff, wie Islamic Relief mit Inlandsprogrammen, kultursensiblen Projekten und der Förderung muslimischer Zivilgesellschaft Verantwortung in Deutschland übernimmt und Selbstwirksamkeit als zentrale Botschaft an junge Menschen vermittelt.

Srebrenica

Foto: Jeroen Akkermans, via flickr | Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0

„Wir wollten nicht tatenlos bleiben“

Islamische Zeitung: Islamic Relief Deutschland wird in diesem Jahr 30 Jahre alt: Was war damals der konkrete Anlass für die Gründung – und welche Lücke wollten Sie im Hilfssektor schließen?

Michael Pfaff: Der konkrete Anlass für die Gründung Islamic Relief Deutschlands war die Betroffenheit der muslimischen Gemeinde in Deutschland über die katastrophalen humanitären Auswirkungen des Bosnienkriegs und die Hungersnot auf dem afrikanischen Kontinent.

Wir wollten nicht tatenlos bleiben und unserer Verantwortung gerecht werden. So wurde Islamic Relief Deutschland im Jahre 1996 gegründet. 

Es gab vor 30 Jahren noch keine Hilfsorganisation in muslimischer Trägerschaft, die in der Lage war, nach den internationalen Standards der humanitären Hilfe tätig zu sein und zugleich den Anforderungen für religiöse Zwecke, wie z.B. Zakat zu genügen.

Wir fanden mit Islamic Relief Worldwide einen Partner, der bereits 12 Jahre zuvor begonnen hatte und bereits ein Globales Netzwerk aufgebaut hatte.

Wir wollten den Musliminnen und Muslimen, die ihre religiösen Spenden, wie Zakat und Sadaqa, eine transparente, verlässliche und professionelle Plattform bieten, und die Spenden an internationale Hilfsstrukturen anbinden.

Es ging nicht darum, einen parallelen Hilfssektor zu schaffen, sondern eine bis dahin unterrepräsentierte gesellschaftliche Gruppe als Spenderinnen, Spender und aktive Akteure in die professionelle humanitäre Hilfe einbeziehen.

„Jeder Mensch besitzt die gleiche Würde“

Islamische Zeitung: Wie würden Sie den ursprünglichen Auftrag von Islamic Relief Deutschland beschreiben, und welche Grundprinzipien sind seit 30 Jahren unverändert geblieben?

Michael Pfaff: Auftrag war und ist, Menschen in akuter Not schnell und wirksam zu helfen und zugleich islamisch motivierte Solidarität in professionelle humanitäre Arbeit zu übersetzen. Menschen in Deutschland sollten eine verlässliche Möglichkeit erhalten, Verantwortung zu übernehmen und mit ihren Spenden sowohl Nothilfe als auch langfristige Unterstützung zu ermöglichen.

Unverändert geblieben ist unser Verständnis von Menschlichkeit und unsere religiöse Motivation. Jeder Mensch besitzt die gleiche Würde. Deshalb helfen wir nach dem Maß der Not – unabhängig von Religion, Herkunft, Geschlecht oder kulturellem Hintergrund. 

Der islamische Glaube ist für uns eine Quelle von Barmherzigkeit, sozialer Gerechtigkeit und Verantwortung, aber kein Kriterium dafür, wer Unterstützung erhält. Ebenso wichtig geblieben ist ein verantwortungsvoller Umgang mit Spenden, Transparenz und eine partnerschaftliche, würdige Zusammenarbeit mit den betroffenen Menschen. 

Weiterentwickelt haben sich vor allem unsere Reichweite, unsere fachlichen Strukturen und die Qualitätssicherung. Heute arbeiten wir in mehr Ländern, orientieren uns stärker an internationalen Standards und sind in deutschen, europäischen und internationalen Netzwerken und Verbänden verankert.

Auch Nachhaltigkeit und der enge Zusammenhang zwischen Umweltkatastrophen, Klimafolgen und humanitären Krisen spielen inzwischen eine deutlich größere Rolle in unserer Arbeit.

Der Kernauftrag ist jedoch derselbe geblieben: Leid zu lindern, Menschen zu stärken und Solidarität in verlässliche Hilfe zu verwandeln.

Takaaya Sudan

Menschen im Sudan kochen in jahrhundertealter Tradition solidarisch für ihre Mitmenschen, in sogenannten Takaaya, Gemeinschaftsküchen. (Foto: Islamic Relief Deutschland)

„Ein besonderer Schwerpunkt liegt derzeit auf der Unterstützung der vom Krieg im Sudan und im Gazastreifen betroffenen Bevölkerung“

Islamische Zeitung: In welchen Regionen und Themenfeldern liegen aktuell die Schwerpunkte Ihrer Projekte, und welche Entwicklungen beobachten Sie dabei besonders aufmerksam (z.B. Konflikte, Klima, Armut)?

Michael Pfaff: Unsere Projekte konzentrieren sich derzeit vor allem auf den Nahen Osten, den Sahel, Ostafrika und Südasien. In diesen Regionen leisten wir schwerpunktmäßig humanitäre Hilfe für Menschen, die von Konflikten, Vertreibung, Hunger und akuten Krisen betroffen sind.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt derzeit auf der Unterstützung der vom Krieg im Sudan und im Gazastreifen betroffenen Bevölkerung. Gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen unterstützen wir unter anderem die Versorgung mit Nahrungsmitteln, sauberem Wasser, medizinischer Hilfe sowie Maßnahmen zum Schutz besonders vulnerabler Bevölkerungsgruppen.

Mit großer Aufmerksamkeit beobachten wir die zunehmende Verflechtung verschiedener Krisen. Anhaltende und neue bewaffnete Konflikte verschärfen humanitäre Notlagen und führen zu weiteren Flucht- und Vertreibungsbewegungen. 

Gleichzeitig verstärken die Folgen des Klimawandels – etwa Dürren, Überschwemmungen und unregelmäßige Niederschläge – den Druck auf die Lebensgrundlagen vieler Menschen, insbesondere in Ostafrika.

Hinzu kommen steigende Armut, wirtschaftliche Instabilität und hohe Lebensmittelpreise, die den Zugang zu grundlegender Versorgung erschweren. Die betroffenen Gemeinschaften haben immer weniger Möglichkeiten, sich von einer Krise zu erholen.

Diese Entwicklungen machen deutlich, dass humanitäre Hilfe und langfristige Entwicklungszusammenarbeit eng zusammengedacht werden müssen. Unser Ziel ist es daher, nicht nur akute Not zu lindern, sondern Menschen auch dabei zu unterstützen, ihre Resilienz gegenüber zukünftigen Krisen zu stärken.

Wir verfolgen ebenso mit großer Sorge, dass sich die internationalen Rahmenbedingungen für humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit zunehmend verschärfen. Bewaffnete Konflikte nehmen zu, die Folgen des Klimawandels verschärfen bestehende Krisen, und Finanzierungslücken im humanitären System erschweren es, den wachsenden Bedarf zu decken. 

Gleichzeitig geraten zivilgesellschaftliche Organisationen in vielen Ländern zunehmend unter Druck. Diese Entwicklungen zeigen, wie wichtig eine verlässliche internationale Zusammenarbeit ist – sowohl, um akute Not zu lindern, als auch, um Menschen langfristig dabei zu unterstützen, Krisen besser zu bewältigen und ihre Widerstandsfähigkeit zu stärken.

Die Aufmerksamkeitsökonomie bestimmt auch das Verhalten von SpenderInnen

Islamische Zeitung: Bei den zweckgebundenen Spenden sind Hilfsorganisationen an die Entscheidungen der Spender und Spenderinnen gebunden. Gibt es Fälle, wo sich die Aktiven von IRD ein größeres Interesse in eher unterbelichtete Gebiete wünschen würde?

Michael Pfaff: Ein Grundproblem Humanitärer Hilfe ist, dass Spenden sehr oft davon abhängig sind, welche Aufmerksamkeit bestimmte Themen in der Öffentlichkeit erhalten, also ob die Politik bestimmte Themen aufgreift, Medien über Krisen berichten oder sich einzelne Menschen für eine Region einsetzen.

Zahlreiche Krisen dauern jedoch an und geraten aus dem Blickfeld. Daher ist es eine wichtige Aufgabe von Islamic Relief auf sogenannte „vergessene Krisen“ aufmerksam zu machen und Sprecher derjenigen zu sein, die in Deutschland keine Stimme haben, keine „Lobby“ die sich für sie einsetzt.

Das weltweit größte Flüchtlingslager ist in Bangladesch und die dorthin geflohenen Rohingya bedürfen nach wie vor der Unterstützung. Der Krieg im Yemen dauert an, vom Kongo hört man fast nichts mehr in den Medien.

Wir wenden daher einen Teil unserer Spenden (ca.1,5%) dafür auf, Anwalt der betroffenen Menschen zu sein und auf Konflikte aufmerksam zu machen.

Foto: Shutterstock/Monkey Business Images

„Digitalisierung hat die Kanäle revolutioniert“

Islamische Zeitung: Wie haben sich Spendenverhalten und -kanäle in den letzten Jahren verändert – etwa durch Digitalisierung, Kampagnen oder Krisen wie die Inflation?

Michael Pfaff: Das Spendenverhalten hat sich in den letzten Jahren sehr stark verändert, was vor allem an folgenden Faktoren liegt:

1. Die Digitalisierung hat die Kanäle revolutioniert. Statt klassischen Überweisungen spenden Menschen heute mobil und intuitiv – per Smartphone oder mit zwei Klicks über Webseite und Spendenplattformen.

Spendenaktionen sind dank Crowdfunding-Plattformen und Social-Media-Kampagnen demokratischer geworden. Jeder kann heute im Grunde per Knopfdruck eine eigene Spendenkampagne starten und im Bekanntenkreis teilen.

2. Der Trend geht zu Transparenz und Spontaneität. Spender wollen heute ganz genau wissen, wo ihr Geld ankommt. Das klassische, langfristige Abo-Modell verliert an Attraktivität.

Stattdessen spenden Menschen lieber anlassbezogen, projektbasiert und emotional getrieben – oft direkt ausgelöst durch Krisen oder Naturkatastrophen, die sie live auf Social Media mitverfolgen.

3. Auswirkungen wirtschaftlicher Effekte. Steigende Energiepreise und sinkendes Wirtschaftswachstum machen sich selbstverständlich auch bei der Spendenbereitschaft bemerkbar.

Im generellen Spendenmarkt wird derzeit eine sinkende Anzahl von Spendenden noch dadurch kompensiert, dass einzelne Spender mehr spenden.

„Die Muslimische Community hat sich in den letzten 30 Jahren sehr positiv entwickelt“

Islamische Zeitung: Welche Erfahrungen machen Sie mit Spendenbereitschaft, zivilgesellschaftlichem Engagement und Professionalität bei Muslimen? 

Michael Pfaff: Die Muslimische Community hat sich in den letzten 30 Jahren sehr positiv entwickelt. Sie ist jünger, besser ausgebildet und wirtschaftlich stärker als bei Gründung von Islamic Relief. Immer mehr Musliminnen und Muslime haben keinen sogenannten Migrationshintergrund und noch viel mehr sind in Deutschland geboren und bestens integriert.

Islamic Relief gehört inzwischen zu den Hilfsorganisationen in Deutschland mit den höchsten privaten Spendeneinnahmen. Der Erfolg von Islamic Relief ist ein Beleg für den Erfolg der muslimischen Community.

Für Muslime ist Spenden nicht nur freiwillige Wohltätigkeit, sondern auch religiöse Pflicht. Die Spendenbereitschaft und die Bereitschaft sich ehrenamtlich zu engagieren ist unter religiösen Muslimen daher größer als im „deutschen“ Durchschnitt.

„Engagement in Deutschland ist nicht neu“

Islamische Zeitung: Lieber Herr Pfaff, Islamic Relief hat sich entschieden, zukünftig auch in Deutschland aktiv zu werden. Welche Projekte sind bei Ihnen geplant und wie suchen Sie diese aus?

Michael Pfaff: Unser Engagement in Deutschland ist nicht neu. Seit 2016 haben wir uns in der Flüchtlingshilfe und nach der Flutkatastrophe vor fünf Jahren im Ahrtal eingesetzt, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Jetzt wollen wir unseren Einsatz in Deutschland systematischer ausbauen, denn die wirtschaftliche und soziale Situation in unserem Land bringt uns dazu, genauer hinzuschauen, welche Notlagen es bei uns gibt. Wir wollen der Gesellschaft, aus der unsere Spenderinnen und Spender kommen, mehr zurückgeben.

Um uns noch stärker für unsere eigene Gesellschaft zu engagieren, haben wir unser Engagement für Projekte in Deutschland daher deutlich ausgebaut. 

In der Vergangenheit gingen meist unter 0,5% unserer Spenden an Projekte in Deutschland. Dieses Jahr werden es ca. 2,5% sein, im kommenden Jahr sind rund 5% geplant.

Wir haben uns entschlossen, im ersten Schritt ein Förderprogramm aufzulegen, in dem wir uns mit existenziellen Themen beschäftigen.

Zu unserem 30-jährigen Jubiläum fördern wir daher 30 Projekte mit einer Summe von bis zu 30.000 Euro pro Projekt.

Wir fördern hierbei gemeinnützige Vereine kultursensible, soziale Ehrenamtsprojekte in den Bereichen Seniorenhilfe, Obdachlosenhilfe und Hospizarbeit aufzubauen. Wir wollen dort unterstützen, wo staatliche Hilfen fehlen und daher mehr ehrenamtliches Engagement gefragt ist. Dabei geht es uns insbesondere um den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Solidarität vor Ort und in der Nachbarschaft.

„‘Selbstwirksamkeit’ ist eine wichtige Botschaft“

Islamische Zeitung: Welche Rolle kann eine Organisation wie Islamic Relief Deutschland in der Stärkung muslimischer Zivilgesellschaft spielen?

Michael Pfaff: Islamic Relief ist in den 30 Jahren seiner Geschichte beeindruckend gewachsen. Wir bieten inzwischen rund 90 Mitarbeitenden Beschäftigung auf allen Ebenen. Mitarbeitende, Ehrenamtliche und Spender repräsentieren die ganze Vielfalt der muslimischen Community.

Wir sind eine der wenigen Hilfsorganisationen in muslimischer Trägerschaft, die international nach dem CHS (Core Humanitarian Standard) der UN arbeitet und zertifiziert ist. Auch in Deutschland erfüllen wir höchste Anforderungen an Transparenz und Wirtschaftlichkeit.

Wir sind eine deutsche Hilfsorganisation, die fest etabliert ist, selbst Verantwortung übernimmt und eine Plattform für zivilgesellschaftliches Engagement bietet.

Bei uns kann man erfahren, wie sehr jeder Einzelne durch Spenden, ehrenamtliches Engagement oder eine berufliche Tätigkeit bei uns, einen Unterschied machen kann.

„Selbstwirksamkeit“ ist eine wichtige Botschaft, die wir vor allem jungen Menschen vermitteln wollen. Zu wissen, dass das eigene Handeln etwas bewirken kann, ist eines der Fundamente unserer demokratischen Gesellschaft.

Wir wollen vermitteln, dass jeder einzelne wichtig ist und jeder einen Unterschied machen kann. Und wir zeigen täglich, dass auch der muslimische Teil unserer Zivilgesellschaft hierbei seinen eigenen Beitrag leistet.

Islamische Zeitung: Lieber Michael Pfaff, wir bedanken uns für das Gespräch.

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El Obeid unter Drohnenfeuer: Stadt am Rand der nächsten Katastrophe

El Obeid Sudan Islamic Relief

77 Tage nach der Berliner Sudan‑Konferenz warnt Islamic Relief Deutschland vor einer drohenden humanitären Katastrophe in El Obeid. Die belagerte Stadt steht unter „täglichen Drohnenangriffen“ und die Versorgung der Zivilbevölkerung bricht zusammen.

(iz). Die Lage in El Obeid hat sich seit der Berliner Sudan‑Konferenz weiter dramatisch zugespitzt: Die Stadt steht unter faktischer Belagerung, wird von Drohnenattacken getroffen und droht in eine neue humanitäre Katastrophe zu rutschen. Islamic Relief Deutschland warnt, dass internationale Zusagen bislang nicht in wirksamen Schutz für die Zivilbevölkerung übersetzt wurden und fordert entschiedene politische und diplomatische Schritte.

El Obeid – strategischer Knotenpunkt unter Beschuss

El Obeid ist die Hauptstadt des Bundesstaates Nord‑Kordofan und ein zentraler Handels‑ und Versorgungsknotenpunkt zwischen Darfur, Kordofan und dem übrigen Sudan. Nach Angaben von Islamic Relief leben dort rund 600.000 Menschen, darunter über 105.000 Binnenvertriebene, die vor Gewalt und Hunger aus anderen Landesteilen geflohen sind.

Die Stadt ist zugleich logistisches Drehkreuz für Hilfslieferungen in die breitere Kordofan‑Region – jede Unterbrechung der Zufahrtswege hat unmittelbare Folgen für die Versorgung zahlreicher Gemeinden mit Lebensmitteln, Wasser und Medikamenten.

Seit Monaten steht El Obeid unter Druck zwischen den regulären sudanesischen Streitkräften (SAF), die die Stadt halten, und den Rapid Support Forces (RSF), die das Gebiet nahezu vollständig eingekreist haben. Drohnenangriffe der RSF treffen nicht nur militärische Ziele, sondern wiederholt zivile Infrastruktur, Tankstellen, Treibstofflager und Versorgungsanlagen; dadurch werden Stromversorgung, Wasserpumpen und Gesundheitsdienste unterbrochen.

Drohnenkrieg und Belagerung: Alltag unter ständiger Bedrohung

Islamic‑Relief‑Mitarbeitende berichten von „täglichen Drohnenangriffen, wachsender Angst und immer knapper werdenden Vorräten“ in El Obeid. Die Angriffe zielen immer wieder auf Lastwagen, die Hilfsgüter, Treibstoff und Lebensmittel in die Stadt bringen sollen, wodurch die Versorgung von Hunderttausenden Menschen gefährdet wird. UN‑Organisationen und unabhängige Recherchestellen dokumentieren, dass die Drohnen auch Kraftwerke, Wasserstationen, Kliniken und Schulen beschädigen oder zerstören und so systematisch die Lebensgrundlagen der Bevölkerung untergraben.

Zwischen Anfang und Ende Juni wurden nach Angaben des UN‑Hochkommissariats für Menschenrechte mindestens 45 Menschen bei 15 Drohnenangriffen in und um El Obeid getötet, Dutzende weitere verletzt.

OCHA berichtet von Angriffen auf eine Strom‑Unterstation und eine Tankstelle, die zur Schließung von medizinischen Einrichtungen einschließlich eines Dialysezentrums und zur Abschaltung von Wasserstationen geführt haben.

Die Folge sind dunkel gewordene Stadtviertel, geschlossene Märkte und eine Bevölkerung, die unter Belagerungsbedingungen lebt und kaum noch sicheren Zugang zu Grundversorgung hat.

El Faschir Sudan

Foto: Ahyan Stock Studios/Shutterstock

Preise explodieren, Wasser wird zur Mangelware

Das Zusammenwirken von Belagerung, Zerstörung von Infrastruktur und Unterbrechung der Zufahrtswege treibt die Lebenshaltungskosten in El Obeid massiv in die Höhe. Islamic Relief berichtet, dass sich der Preis für einen Wasserkanister innerhalb weniger Wochen verdoppelt hat; auch Lebensmittelpreise steigen rasant. 

Andere humanitäre Akteure sprechen von Preissteigerungen für Grundnahrungsmittel von teilweise bis zu 300 Prozent – für viele Familien sind zentrale Güter schlicht nicht mehr erschwinglich.

Gleichzeitig warnen UN‑Stellen vor einem sich verschärfenden Risiko wasserbedingter Krankheiten wie Cholera, wenn Wasserpumpen längerfristig ausfallen und die Versorgung mit sauberem Trinkwasser weiter einbricht.

Bereits jetzt wird von einem Choleraausbruch im Bundesstaat West‑Kordofan berichtet, der durch unsichere Wasserquellen, mangelhafte Sanitärversorgung und die anhaltende Vertreibung befeuert wird. Sollte El Obeid ähnlich betroffen werden, würde sich die ohnehin prekäre Lage der Menschen noch einmal dramatisch verschärfen.

Foto: UNICEF/Jamal

Lager für Binnenvertriebene als besondere Brennpunkte

Zu den besonders gefährdeten Orten gehören die großen Lager für Binnenvertriebene in und um El Obeid. Islamic Relief berichtet von einem jüngsten Drohnenangriff auf das größte Lager der Stadt, bei dem zahlreiche Menschen getötet wurden. In diesem Lager suchen über 72.000 Menschen Schutz. 

Die Organisation unterstützt sie mit Nahrungsmitteln und Ernährungsprogrammen, warnt aber, dass die Vorräte zur Neige gehen und die Versorgung unter den derzeitigen Bedingungen immer schwieriger wird.

Dawelbeit Elzein Abdalla, Einsatzkoordinator von Islamic Relief in El Obeid, beschreibt die Stimmung vor Ort so: „Die Menschen hier sind zunehmend verängstigt durch die ständigen Drohnenangriffe und die wachsenden Engpässe bei Nahrung, Wasser, Treibstoff und Strom. Die Drohnen treffen Tankstellen, Tanklastwagen und die Hauptstraße, die die Stadt mit der Außenwelt verbindet. Unser Team in El Obeid versorgt Tausende Vertriebene mit Nahrungsmitteln und Ernährungsunterstützung. Doch die Bedingungen werden immer schwieriger, weil Vorräte zur Neige gehen und Preise steigen.“

Die Schilderungen decken sich mit Berichten anderer Organisationen, wonach Hilfskonvois aus Sicherheitsgründen verschoben oder ganz abgesagt werden müssen.

Internationale Warnungen vor neuen Massengräueltaten

Die Vereinten Nationen sprechen inzwischen von einem „roten Alarm“ in Bezug auf die Menschenrechtslage in El Obeid und warnen vor einem hohen Risiko großangelegter Gräueltaten gegen die Zivilbevölkerung.

Der Sicherheitsrat und das Menschenrechtsrat‑Sekretariat sehen Parallelen zu den Ereignissen in El Fasher, wo es zu dokumentierten Massentötungen, Vertreibungen, sexueller Gewalt und systematischer Zerstörung von Infrastruktur gekommen ist.

el Faschir sudan

Die marodierenden RSF-Milizen haben sich selbst bei der Eroberung von El Faschir gefilmt und dokumentieren ihre Taten im Netz. (Screenshot: RSF/Telegramm)

Ein von europäischen Staaten eingebrachtes Initiativpapier weist darauf hin, dass rund 500.000 Zivilpersonen in El Obeid Gefahr laufen, im Zuge eines möglichen RSF‑Großangriffs Opfer von Massengräueltaten zu werden.

Die internationale Schutz‑ und Menschenrechtsarchitektur versucht, mit eiliger Debatte im UN‑Menschenrechtsrat und Appellen an die Konfliktparteien gegenzusteuern, doch bislang ohne erkennbaren Durchbruch.

Stimmen von Islamic Relief Deutschland

Michael Pfaff, Geschäftsführer von Islamic Relief Deutschland, sieht eine deutliche Diskrepanz zwischen den Ergebnissen der Berliner Sudan‑Konferenz und der Realität in El Obeid: „Die Berliner Sudan‑Konferenz hat wichtige politische Aufmerksamkeit geschaffen. Doch Aufmerksamkeit allein schützt keine Kinder vor Drohnenangriffen, füllt keine Wasserkanister und öffnet keine blockierten Straßen.“

Mit Blick auf El Obeid sagt er: „El Obeid zeigt, wie groß die Lücke zwischen internationalen Zusagen und der Realität für Zivilisten im Sudan weiterhin ist. Die internationale Gemeinschaft muss jetzt diplomatischen Druck erhöhen, Angriffe auf Zivilisten stoppen und helfen, einen sicheren humanitären Zugang durchzusetzen.“

Shihab Mohamedali, Programmleiter von Islamic Relief im Sudan, warnt ausdrücklich vor einer drohenden humanitären Katastrophe, betont aber, dass noch Handlungsspielraum besteht:

„Wir befürchten, dass die eskalierende Gewalt in und um El Obeid zu einer humanitären Katastrophe führen könnte. Es ist aber noch nicht zu spät, die Warnungen ernst zu nehmen und eine Katastrophe zu verhindern. Wir fordern die Konfliktparteien auf, Blutvergießen zu vermeiden, Zivilisten zu schützen und humanitäre Hilfe zu allen Bedürftigen durchzulassen. Und wir fordern die internationale Gemeinschaft auf, El Obeid nicht aus den Augen zu verlieren und jetzt zu handeln, um weitere Gräueltaten zu verhindern.“

Forderungen von Islamic Relief und anderen Akteuren

Islamic Relief formuliert klare Anforderungen an die Konfliktparteien: Zivilpersonen und zivile Infrastruktur müssen geschützt werden; Angriffe auf humanitäre Transporte sind sofort zu unterlassen; sicherer und ungehinderter Zugang für Hilfsorganisationen muss gewährleistet werden.

Die internationale Gemeinschaft müsse ihre Zusagen aus der Berliner Sudan‑Konferenz „mit konkretem politischen Handeln untermauern“, etwa durch verstärkte diplomatische Bemühungen zur Deeskalation in El Obeid, den Schutz humanitärer Korridore und die konsequente Finanzierung lebensrettender Hilfe.

Auch andere NGOs wie der international Rescue Committee drängen auf ein schnelles Eingreifen, um einen möglichen RSF‑Bodenangriff auf El Obeid zu verhindern und die Stadt nicht in eine vollständige Belagerung und Versorgungskrise abgleiten zu lassen.

Amnesty International fordert im UN‑Menschenrechtsrat, dass Verbündete der RSF – etwa die Vereinigten Arabischen Emirate – ihre militärische und logistische Unterstützung einstellen und statt weiterer Eskalation politische Lösungen begünstigen.

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Sudan: Irankrieg verschärft die Hungerkrise

Kurzmeldungen ausland helfer Sudan Irankrieg hunger

Der anhaltende Irankrieg und die Störung der globalen Lieferketten führten zum teuersten Opferfest aller Zeiten, was den Hunger antrieb und Hilfslieferungen in einige der ärmsten Länder erschwert.

(iz). Die anhaltenden Kriege im Nahen Osten treffen Menschen im Sudan mit voller Wucht – und sie treffen sie ausgerechnet in einer Zeit, in der viele Familien auf ein wenig Festfreude hoffen.

Die Hilfsorganisation Islamic Relief sprach mit Blick auf das kürzliche Opferfest vom „teuersten Opferfest aller Zeiten“: Die Kosten für die jährlichen Kurban‑Verteilungen der Organisation sind im Sudan binnen weniger Monate um mehr als 60 Prozent gestiegen, Brot hat sich verteuert, Treibstoffpreise haben sich nahezu verdreifacht.

Dabei gehört der Sudan schon jetzt zu den am stärksten von Hunger betroffenen Ländern der Welt. Drei Jahre Krieg haben nach UN‑Angaben die größte Hungerkrise weltweit ausgelöst. Dutzende Millionen haben kaum Zugang zu ausreichender Nahrung.

In diesem Kontext ist das Kurbanprogramm mehr als eine religiöse Tradition: Für viele Familien bedeutet das Fleisch aus den Opfertieren die einzige eiweißreiche Mahlzeit im Monat und ist ein wichtiges Mittel, um Unterernährung vorzubeugen.

Foto: US-DoD/gemeinfrei

Islamic Relief hatte im Sudan ursprünglich geplant, mehr als 92.000 Menschen mit Kurban‑Fleischkonserven zu erreichen – vor allem Vertriebene in Regionen wie Darfur und Kordofan, wo die Kämpfe besonders heftig sind.

Doch die rapide steigenden Preise zwangen die Organisation, schmerzhafte Prioritäten zu setzen: Entweder müssen weniger Familien erreicht werden, oder jede erhält weniger Fleisch als in den Vorjahren.

Mitarbeitende vor Ort berichten, dass sich das Leben binnen weniger Monate drastisch verteuert hat: Für den gleichen Betrag gibt es nur noch die Hälfte Brot, Treibstoff ist um weit über 100 Prozent teurer geworden, Düngemittel, Saatgut und andere landwirtschaftliche Betriebsmittel fehlen auf den Märkten.

Die Folgen reichen jenseits der Verteilungen von Fleisch hinaus. Steigende Treibstoff‑ und Lebensmittelpreise belasten die gesamte humanitäre Infrastruktur an ihre Grenzen. Lieferanten, mit denen Hilfswerke seit Jahren zusammenarbeiten, scheuen neue Verträge, weil sie das Währungs‑ und Preisrisiko nicht kalkulieren können.

In vielen Städten sind Gemeinschaftsküchen (Takaaya) zu einer Lebensader für arme Familien geworden. Doch genau diese Küchen müssen reihenweise schließen: Nach Angaben von Islamic Relief sind in den letzten sechs Monaten mehr als 40 Prozent von ihnen mangels Mitteln und Nachschub vom Netz gegangen.

Takaaya Sudan

Menschen im Sudan kochen in jahrhundertealter Tradition solidarisch für ihre Mitmenschen, in sogenannten Takaaya, Gemeinschaftsküchen. (Foto: Islamic Relief Deutschland)

Hinzu kommt, dass sich die Krisen überlagern. Die Kämpfe in Darfur und Kordofan treiben Hunderttausende Richtung Khartum und andere vergleichsweise sichere Bundesstaaten; dort treffen sie auf überforderte Gemeinden, steigende Mieten und eine kollabierende Grundversorgung.

Gleichzeitig verschärfen die Angriffe im Nahen Osten und die Blockade wichtiger Seewege die Lage: Unterbrochene Lieferketten über Rotes Meer und Straße von Hormus verteuern nicht nur Öl und Treibstoff, sondern ebenso Dünger und Getreide.

Das hat spürbare Folgen bis in die sudanesischen Märkte. Der Krieg am Golf wird so zur unsichtbaren Ursache leerer Töpfe in afrikanischen Küchen.

Was im Sudan zu beobachten ist, steht exemplarisch für eine breitere Entwicklung. Islamic Relief berichtet von ähnlichen Problemen in anderen Krisenländern: In Somalia haben sich die Treibstoffpreise mehr als verdoppelt, was Nahrungsmittel verteuert und Hilfslieferungen erschwert.

Foto: Islamic Relief Deutschland

Im Libanon, wo Angriffe ganze Gemeinden zur Flucht gezwungen haben, schlagen schon einfache Tankfüllungen deutlich stärker zu Buche – mit unmittelbaren Auswirkungen auf Transport, Stromversorgung und die Kosten grundlegender Dienstleistungen.

Das Welternährungsprogramm (WFP) warnt, dass solche Preis‑ und Versorgungsschocks Millionen weitere Menschen in akute Ernährungsunsicherheit stoßen können.

Für muslimische Hilfsorganisationen stellt sich damit zukünftig die Aufgabe, die religiöse Bedeutung von Hilfen mit der politischen Dimension der aktuellen Krisen zu verbinden.

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Libanon. Massenflucht nach wochenlangen israelischen Angriffen

Libanon

Nach Beginn der völkerrechtswidrigen militärischen Attacken auf den Iran am 28. Februar weiteten sich die Israelichen Luftangriffe auf den Libanon aus. Mitarbeitende der Hilfsorganisation Islamic Relief im Land berichteten von Massenpanik und Vertreibung.

(IRD). Familien suchen Zuflucht in Schulen, um den tödlichen Bombardierungen und Zwangsevakuierungen zu entkommen. Angesichts der Eskalation im gesamten Nahen Osten wird befürchtet, dass bis zu einer Million Menschen im Libanon vertrieben werden könnten.

Das würde zu einer schweren humanitären Krise führen, lautete die Warnung von Islamic Relief Deutschland. Die Luftangriffe seien schlimmer als 2024, berichtete Landesdirektor Akram Sadeq am 3. März vor Ort.

Die Lage im Libanon hat sich seitdem dramatisch zugespitzt. Zeitgleich wurden bei Attacken auf Beirut (einschließlich der südlichen Vororte), das Bekaa-Tal, Tyros, Nabatieh und zahlreiche Dörfer im Süden mindestens mehrere Dutzend Menschen getötet und 149 weitere verletzt.

Hunderttausende Zivilisten haben seitdem keinen sicheren Ort, an den sie sich begeben können, da das israelische Militär die Bevölkerung aufgefordert hat, große Teile des Südlibanon zu verlassen. Tausende Familien sind dadurch gezwungen, nach Norden in Richtung Beirut zu fliehen, wo schwere Luftangriffe Menschen töten oder verletzen.

Die Straßen sind überfüllt mit Flüchtenden, die alles, was sie können, in Autos und Lastwagen gepackt haben. Einige Familien berichteten den Helfern von Islamic Relief, dass sie für eine Strecke von nur 48 Kilometer sechs oder sieben Stunden gebraucht hätten. Die Regierung hat Hunderte Schulen in Beirut,

im Libanongebirge und anderen Teilen des Nordens als Notunterkünfte für vertriebene Familiengruppen ausgewiesen. Teams von Islamic Relief vor Ort kündigten an, Hilfe in Form von Lebensmitteln, Wasser, Decken, Matratzen und Hygieneartikeln zu leisten.

Akram Sadeq, Landesdirektor der Hilfsorganisation im Libanon, erklärte, die Luftangriffe seien schlimmer als während des Krieges von 2024. Dieser hatte im ganzen Land massive Zerstörungen und zivile Opfer verursacht.

„Die Luftangriffe begannen mitten in der Nacht und weckten Familien, die nach einem Tag des Fastens im heiligen Monat Ramadan schliefen. Die heutigen Angriffe sind noch stärker und umfangreicher als die, die wir 2024 erlebt haben. 

Es wird erwartet, dass bis zu eine Million Menschen aus ihren Häusern fliehen werden, und der Zustrom von Menschen aus dem Süden des Libanon in den Norden ist massiv. Die Lage ist sehr angespannt. Die Menschen fliehen aus dem Süden wegen der israelischen Luftangriffe und der Evakuierungsbefehle, aber was sie noch mehr fürchten, ist die Möglichkeit einer Bodeninvasion.

Foto: Islamic Relief Deutschland

Die libanesische Regierung verfügt nicht über die Ressourcen, um eine derart massive Vertreibung alleine zu bewältigen. Islamic Relief arbeitet mit der Regierung und anderen Hilfsorganisationen zusammen, um sicherzustellen, dass vertriebene Familien mit Lebensmitteln und Hilfsgütern versorgt werden.“

Wie die Organisation in ihrer Pressemitteilung erklärte, stünden auch Teams im Irak, Jordanien, Syrien und Jemen bereit, um Hilfe zu leisten. Als humanitäre Hilfsorganisation sei man zutiefst besorgt, dass eine weitere Destabilisierung Millionen von Zivilisten in der gesamten Region beeinträchtigen und vertreiben könnte.

Sie forderte alle Parteien auf, eine diplomatische Lösung anzustreben, ihre Verpflichtungen gemäß dem Kriegsvölkerrecht einzuhalten, das Leben der Zivilbevölkerung zu schützen und sicherzustellen, dass humanitäre Organisationen weiterhin sicher arbeiten können.

Islamic Relief ist als globales Hilfsnetzwerk seit 2006 im Libanon tätig und unterstützt in der aktuellen Krise Menschen in Not. Seine lokale Stelle hatte bisher vertriebenen Familien und lokalen Aufnahmegemeinschaften in Nabatieh, Tyros und Bekaa geholfen, die nun wieder flüchten müssen.

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Winterhilfe von Islamic Relief: Wärme schenken, Leben retten und Sicherheit teilen

winter islamic relief

Pünktlich zum Wintereinbruch startet Islamic Relief Deutschland ihre jährliche Winterhilfe-Kampagne in 17 Ländern.

Köln (IRD). Unter dem Motto „Im Winter an ihrer Seite“ können Spenderinnen und Spender weltweit Wärme und Sicherheit mit Menschen in Not teilen. Angesichts anhaltender Kriege, Konflikte und Klimakatastrophen geht die humanitäre Winterhilfe weit über eine Solidaritätsbekundung hinaus – sie rettet gefährdete Leben in einer der härtesten Jahreszeiten.

Ob jung oder alt, wärmende Hilfe schützt Menschen in den unterschiedlichsten Regionen der Welt, vom Kosovo bis Afghanistan.

Ein harter Winter für Millionen Menschen in Europa und weltweit

Für Millionen von Menschen, die bereits unter Vertreibung, Krankheit und Armut leiden, bedeutet der Winter mehr als nur Kälte – er ist ein unaufhaltsamer Kampf ums Überleben.

In Regionen wie Afghanistan, Bosnien, Bangladesh, Gaza, dem Kosovo, Libanon und Syrien sinken die Temperaturen dramatisch, und viele Familien sind in notdürftigen Unterkünften oder heruntergekommenen Häusern auf Hilfe angewiesen.

„Die Kälte beeinträchtigt unsere Gesundheit, unsere Stimmung und unser tägliches Leben. Jeder Tag fühlt sich wie ein Kampf an, den es zu überstehen gilt“, erzählt Rabishe, eine alleinerziehende Mutter aus Podujeve im Norden des Kosovos.

„Manchmal bleiben wir alle in einem Raum, um Wärme zu sparen, und kuscheln uns unter Decken zusammen. Es ist schwer, hoffnungsvoll zu bleiben, wenn man ständig über den nächsten Tag nachdenkt.“

Kleinkind im Libanon, Winter 2025. (Foto: Islamic Relief)

Winter der Not: Winterhilfe spendet „Trost und Hoffnung in schwierigen Zeiten“

Auch außerhalb Europas verschärfen der Klimawandel und anhaltende Konflikte die extremen Wetterbedingungen. Immer mehr Menschen sind gezwungen, ihre Heimat zu verlassen, um zu überleben. In den von Islamic Relief unterstützten Regionen müssen Familien im Winter oft zwischen Hunger und eisigen Nächten entscheiden.

„Diese Hilfe bietet nicht nur physische Sicherheit, sondern auch Trost und Hoffnung in schwierigen Zeiten“, sagt Familienvater Wisam aus Gaza, der mit seiner Frau Nariman in einer improvisierten Notunterkunft lebt.

Auch die Solidarität der Gemeinschaft hilft ihm, diese harten Monate zu überstehen. „Die Verteilung dieser Güter hat auch das Gefühl der Solidarität innerhalb der Gemeinschaft gestärkt, da alle in Zeiten der Not zusammenkommen, um sich gegenseitig zu helfen.“

Lebenswichtige Hilfe für 290.000 Menschen in 17 Ländern

Islamic Relief Deutschland unterstützt durch die Winterhilfe besonders gefährdete Menschen – wie Kinder, alleinerziehende Mütter, Waisenfamilien und ältere Menschen – mit dringend benötigten Gütern, darunter Lebensmittel, Decken, Heizmaterial und Gutscheine, um die kalte Jahreszeit zu überstehen.

In diesem Jahr werden 290.000 Menschen in 17 Ländern mit Winterhilfe-Kits erreicht, darunter Afghanistan, Bangladesh, Bosnien, Gaza, Syrien, Libanon, Kosovo, Jemen, Pakistan und viele weitere. Tausende von Familien in Not werden in den kommenden Monaten unterstützt, insbesondere in Regionen, in denen Menschen in beschädigten Zelten oder unter extremen Bedingungen leben.

Mohammed Nabi in Afghanistan. (Foto: Islamic Relief)

Im vergangenen Jahr versorgte das globale Islamic Relief Hilsnetzwerk mehr als 160.000 Menschen mit lebensnotwendigen Winterhilfepaketen. In den unterstützten Regionen müssen Familien oft zwischen Hunger und eisigen Nächten entscheiden.

Für Millionen von Menschen, die bereits unter Vertreibung, Krankheit und Armut leiden, ist der Winter nicht nur eine beängstigende Aussicht – er ist eine echte Überlebensfrage.

Dank der Hilfe von Spenderinnen und Spendern wird Islamic Relief auch in diesem Jahr wieder Tausenden von Familien das Überleben in dieser schwierigen Jahreszeit erleichtern.

Über Islamic Relief Deutschland

Islamic Relief Deutschland ist Teil eines globalen Hilfsnetzwerks von humanitären Organisationen, das jährlich Millionen von Menschen in Krisenregionen unterstützt. Die Winterhilfe ist ein wichtiger Bestandteil der Arbeit von Islamic Relief, die auf die Bedürfnisse der am stärksten gefährdeten Menschen weltweit eingeht.

Spenden und Informationen zur Winterhilfekampagne: https://www.islamicrelief.de/winterhilfe/

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„Die Zeit läuft ab!“: Islamic Relief berichtet über die Lage in El Faschir

Islamic Relief

NGOs wie Islamic Relief Deutschland sowie Menschenrechtsorganisationen verweisen auf die katastrophale Lage im sudanesischen Kriegsgebiet.

Köln (iz). „Die Zeit läuft ab, um die Zivilbevölkerung in der Stadt El Fasher [auch El Faschir, Anm.d.Red.] in Darfur zu schützen, wo es schreckliche Berichte über Massenmorde und Leid gibt, da die Kämpfe in den letzten Tagen weiter eskaliert sind.“ So beginnt eine Stellungnahme der Hilfsorganisation Islamic Relief zu den erschreckenden Ereignissen der jüngsten Tage.

Rund 18 Monate war die Stadt von Einheiten der Rapid Support Forces (RSF) eingeschlossen. Die Lage war unbeschreiblich. Während sie beschossen wurde, litten ihre Menschen und Flüchtlinge unter massivem Hunger. Hinzukamen tödliche Infektionskrankheiten.

Seit 2023 bekämpft die RSF die regulären Streitkräfte (SAF). Beiden, sowie ihren ausländischen Unterstützern, geht es um die Kontrolle des Sudan. Dieser hat nicht nur Rohstoffe wie Gold zu bieten, sondern ist ein wichtiger Produzent von Lebensmitteln.

El Faschir: Lage in der Stadt ist katastrophal

Die humanitäre Lage im Ort sei nun katastrophal, so Islamic Relief. Zivilisten hätten eine 18-monatige Belagerung überstanden, die jegliche Hilfe abgeschnitten hat.

Wohnhäuser, Krankenhäuser, Schulen und Moscheen wurden wiederholt bombardiert. Viele Familien in der Stadt hungern, da die Vorräte an Lebensmitteln und Medikamenten erschöpft sind, während humanitäre Hilfe weiterhin blockiert wird.

„Lokale Gemeinschaftsküchen und gegenseitige Hilfsgruppen sind für viele Familien zur einzigen Lebensader geworden, doch ihnen gehen zunehmend die Mittel aus, und sie setzen sich großen Gefahren aus.

Berichten zufolge ist es Zehntausenden Menschen gelungen, aus der Stadt zu fliehen, doch viele Fluchtwege wurden abgeschnitten, und bis zu 250.000 weitere Menschen sind dort weiterhin eingeschlossen und fürchten um ihr Leben.“

Nach Berichten vor Ort sowie von Beobachtern ist der Verbleib vieler Menschen, die sich bspw. zum Lager Tawila retten wollten, immer noch unklar. Es gibt Befürchtungen, dass ein Teil diese Flucht nicht überleben wird.

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Foto: Official White House Photo

Islamic Relief: Internationale Gemeinschaft muss Druck ausüben

Islamic Relief Worldwide rief „die internationale Gemeinschaft“ dazu auf, den Druck für einen sofortigen Waffenstillstand zu erhöhen, ungehinderten humanitären Zugang zur Stadt zu ermöglichen und allen Zivilisten, die die Stadt verlassen möchten, eine sichere und würdevolle Ausreise zu garantieren.

„Während immer mehr Menschen ihr Leben riskieren, um zu entkommen, bereiten sich Mitarbeiter von Islamic Relief in Zentral-Darfur auf einen erwarteten Zustrom von Familien vor. In den vergangenen Monaten haben die Gesundheits- und Ernährungszentren von Islamic Relief in Zentral-Darfur Hunderte Familien aufgenommen, die dem Hungertod nahe waren, nachdem sie El Fasher und die umliegenden Lager verlassen konnten.“

Viele kämen in einem stark unterernährten Zustand an, da sie tagelang zu Fuß unterwegs waren, um ein gewisses Maß an Sicherheit zu erreichen, und berichteten von entsetzlichen Bombardierungen und Plünderungen entlang des Weges.

Shihab Mohamed Ali, Programmleiter von Islamic Relief im Sudan berichtet Folgendes: „Wir rechnen in den kommenden Tagen mit einer erheblichen Zahl von Vertriebenen, die aus El Fasher in unsere Kliniken kommen werden. El Fasher ist derzeit ein furchterregender Ort für Zivilisten.

Einige unserer Teammitglieder haben dort Verwandte, doch die Kommunikation ist zusammengebrochen, und sie sagten, dass sie seit drei Tagen nichts mehr von ihnen gehört haben.

Im Moment gibt es für Zivilisten keine sicheren Wege, die Stadt zu verlassen, aber die Lage ist so alarmierend, dass viele Menschen auf jede erdenkliche Weise versuchen zu fliehen – sei es mitten in der Nacht oder durch Bestechungsgelder, die sie sich nicht leisten können. Wir fordern, dass die Zivilbevölkerung geschützt wird und humanitäre Hilfe die Menschen erreichen darf.“

Gesundheitszentrum Nertite, das Islamic Relief im Sudan betreibt. (Foto: Islamic Relief Worldwide)

Die Grausamkeit der Kriegführung ist Programm im Sudan

Bereits am 10. Juni dieses Jahres veröffentlichte Islamic Relief Worldwide den Bericht einer geflohenen Frau. Die Mutter brachte ihren 19 Monate alten, unterernährten Sohn in eine Klinik der Organisation, nachdem sie aus dem Lager Zamzam fliehen musste.

In ihrer Beschreibung wird deutlich, dass Mord und Grausamkeit in der sudanesischen Kriegführung nicht bedauerliche Begleiterscheinungen sind. Vielmehr ist Brutalität gegenüber der Zivilbevölkerung integraler Bestandteil des Vorgehens von RSF und anderen.

„Sie griffen mit Drohnen und Soldaten an, die schossen, und mit bewaffneten Militärfahrzeugen. Ich habe meinen Onkel bei einem Drohnenangriff verloren. Wir gruben ein Loch, um uns zu verstecken, nahe an der Hauswand.

Während des Angriffs wurde ein Tor geöffnet, damit Frauen und Kinder das Lager verlassen konnten, aber junge Frauen im Alter von etwa 20 Jahren oder älter wurden von ihren Familien getrennt und vergewaltigt. Viele Mädchen sind noch immer vermisst. Ich entschied, dass wir weggehen mussten, um meine Schwester vor Missbrauch zu schützen.

Auf der Reise von Zamzam waren die Bedingungen hart – es gab kaum Nahrung oder Wasser. Ich sah zehn tote Kinder entlang der Straße nach Tawila und Menschen, die an Kontrollpunkten auf der Straße entführt wurden.

In Tawila mietete ich ein Fahrzeug, um nach Nertiti zu gelangen, wo uns die Einheimischen herzlich aufnahmen.

Eines meiner Kinder wurde in das Ernährungszentrum von Islamic Relief überwiesen, wo die Mitarbeitenden und die Nahrungsmittelhilfe das Leben meines Sohnes retteten. Er war sehr dünn und nahm jeden Tag weiter ab, aber seit der Ernährungsbehandlung hat er wieder zugenommen.“

Foto: Shutterstock

Verschiedene Quellen bestätigen den Ernst der Lage

Stellungnahmen wie die von Islamic Relief wurden in den letzten Tagen durch Stimmen aus dem Sudan sowie von Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International unterfüttert.

Bereits in der Vergangenheit habe die RSF in Darfur sowie im ganzen Land „massive Menschenrechtsverletzungen“ begangen. Hierzu zählten laut dem Amnesty-Landesdirektor Tigere Chagutah „ethnisch motivierte Angriffe auf nicht-arabische Gemeinschaften, vorsätzliche Tötungen von Zivilist*innen, sexuelle Gewalt gegen Frauen und Mädchen sowie Massaker.“

„Die RSF muss dazu gebracht werden, ihre Angriffe sofort einzustellen. Die Menschen brauchen dringend Fluchtkorridore. (…) Die UN muss endlich ein Waffenembargo gegen alle Konfliktparteien durchsetzen!“, veröffentlichte die Organisation am gestrigen Abend.

Mahnwache in Berlin angekündigt

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) und die Salam Sudan Campaign riefen gemeinsam zu einer Mahnwache vor dem Auswärtigen Amt in Berlin auf. Unter dem Motto „Stand with Sudan – Stoppt die Massaker in El Fasher!“ soll am Freitag, 31. Oktober 2025, von 15 bis 17 Uhr gegen die anhaltenden Gräueltaten im Sudan protestiert werden.

„Die Menschen in El Fasher, Darfur, sind unaussprechlichen Gräueltaten und Kriegsverbrechen ausgesetzt. Ganze Gemeinden werden ausgelöscht, während die Welt schweigt“, appellieren die Organisatoren in ihrem Aufruf. „Bringt Eure Stimmen, Eure Transparente und Eure Solidarität mit!“ Die Mahnwache richte sich an alle, die sich gegen Völkermord, ethnische Säuberungen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Sudan stellen wollen.

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Ramadan 2025: Islamic Relief hat über 1,1 Mio. erreicht

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Die Hilfsorganisation Islamic Relief stellte ihre Bilanz für den Ramadan 2025 vor. Schwerpunkte waren der Sudan und Gaza. (IZ/IRD). Zum diesjährigen Ramadanende haben Islamic Relief Deutschland und ihr internationales Partnernetzwerk […]

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10 Jahre Krieg: Unterernährung bei Kindern im Jemen nimmt zu

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Jemen: Laut der Hilfsorganisation Islamic Relief Deutschland nehmen die Fälle von Unterernährung bei Kindern in ländlichen Gebieten zu.

(Islamic Relief Deutschland). Die Eskalation der Bombardierungen, die drastischen Kürzungen der humanitären Hilfe und internationale Sanktionen drohen, die Situation zu verschlimmern und die Fortschritte der letzten Jahre im Kampf gegen die Unterernährung von Kindern zunichte zu machen. Ein Arzt und ein Landwirt aus Zuhrah berichten.

Fachkräfte von Islamic Relief im Bereich Gesundheit und Ernährung im Jemen berichten, dass die Zahl der unterernährten Kinder zunimmt, so dass die Gesundheitszentren mehr Patienten aufnehmen, als sie aufnehmen können, und dass einige Kinder an Hunger sterben. Mehr als 55 Prozent der jemenitischen Kinder unter fünf Jahren leiden Berichten zufolge inzwischen an schwerer Unterernährung.

Tariq Hadi Mohammed, 36, ist Arzt in einem von Islamic Relief unterstützten Gesundheitszentrum und einer Klinik für therapeutische Ernährung im abgelegenen Bezirk Zuhrah, etwa 200 Kilometer nordwestlich der jemenitischen Hauptstadt Sana’a. Er berichtet, dass in diesem Gebiet bereits Kinder verhungert sind.

„Wir stellen jetzt eine Zunahme der Unterernährung bei Kindern fest und jeden Tag kommen mehr Fälle in der Station an. Die Unterernährung ist weit verbreitet, da die Lebensbedingungen schwieriger geworden sind.“

„Eines Tages fanden Dorfbewohner ein junges Mädchen, das wegen schwerer Unterernährung fast im Koma lag. Sie brachten sie in die Gesundheitsstation, ihr Körper war geschwollen und ihr Zustand kritisch. Wir begannen sofort mit der Behandlung und es ging ihr besser. Später wurde auch ihre jüngere Schwester gebracht … leider war es da schon zu spät. Sie war nur noch Haut und Knochen und ihr Körper war zu schwach, um sich zu erholen. Sie verstarb. Als ich ihren Zustand sah, musste ich weinen.“, schildert Mohammed.

„Dies ist ein abgelegenes Gebiet, in dem es kaum Gesundheitsdienste gibt und diese schwer zu erreichen sind. Die Station hat eine Kapazität für 8.000 Menschen, aber unter den derzeitigen Umständen versorgen wir etwa 12.000, darunter sowohl Einheimische als auch vertriebene Familien. Wir behandeln viele Kinder, aber auch unterernährte schwangere Frauen und stillende Mütter.“, berichtet der Arzt.

Zehn Jahre Krieg haben die Infrastruktur und die Wirtschaft des Jemen zerstört und Millionen von Menschen daran gehindert, eine angemessene Lebensgrundlage zu finden, um ihre Familien zu unterstützen. Infolgedessen sind rund 19,5 Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen und 17,1 Millionen Menschen haben Schwierigkeiten, sich ausreichend zu ernähren. Deshalb ist der Erhalt der Gesundheitsrichtungen und Ernährungszentren im Land so wichtig.

Islamic Relief unterstützt 185 Gesundheitszentren und Kliniken für therapeutische Ernährung in fünf Gouvernements im Jemen, damit diese den vielen Familien, die sonst nirgendwo hingehen können, kostenlose Behandlungen anbieten. Im vergangenen Jahr haben sie über 249.617 schutzbedürftige Menschen mit Nahrungsmitteln versorgt.

Hadi Ali Huessien Qadri, ein Landwirt im Bezirk Zuhrah, brachte kürzlich seine unterernährte Tochter in ein von Islamic Relief unterstütztes Zentrum, wo sie sich nach einer Behandlung erholte. Er sagt, er könne mit seiner Landwirtschaft nicht genug Geld verdienen, um seine Familie zu ernähren und zu unterstützen.

„Ich hatte kein Geld, um mich um sie zu kümmern und ihr und ihrer Mutter genug zu essen zu geben. Deshalb ist sie krank geworden. Auch die Kinder meiner Nachbarn sind unterernährt und alles nur, weil sie ihre Familien nicht ausreichend versorgen können. Sie haben nur eine Mahlzeit pro Tag. Das ist im ganzen Dorf so… die Situation hier ist sehr hart.“, sagt der Landwirt.

„Zehn Jahre Krieg haben die jemenitische Wirtschaft verwüstet, die Infrastruktur des Landes zerstört und den Zugang zu Dienstleistungen der Grundversorgung erheblich erschwert. In diesem schwierigen Umfeld haben wir unermüdlich daran gearbeitet, das Leid zu lindern, den Ausbruch von Krankheiten zu verhindern und die Hilfe so transparent und effektiv wie möglich zu gestalten. Ich bin sehr stolz auf die Arbeit des Islamic Relief-Teams im Jemen, das 2,56 Millionen Menschen mit Nahrungsmitteln, medizinischer Versorgung und anderen wichtigen Hilfsgütern unterstützt“, sagt Khan und fährt fort.

„Doch während Millionen von Menschen von der humanitären Hilfe profitieren, bleiben Millionen weitere zurück, die mit Hunger, Gewalt und Krankheiten konfrontiert sind. Die Menschen hier brauchen dringend Unterstützung, aber die Krise wird von der Welt weitgehend vergessen. Die humanitäre Hilfe hat im Laufe der Jahre viel Positives bewirkt, indem sie den Menschen zu Nahrung, Arbeit, Gesundheitsversorgung, sauberem Wasser und Bildung verholfen hat. Doch die jüngsten Entwicklungen bedeuten, dass viele dieser Errungenschaften nun wieder ins Gegenteil verkehrt werden.“

Islamic Relief fordert die internationale Gemeinschaft auf, die humanitäre Finanzierung der Hilfe für den Jemen zu erhöhen, auf eine diplomatische Lösung der aktuellen Eskalation zu drängen sowie sicherzustellen, dass die Sanktionen keine Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung haben und die wirtschaftliche Entwicklung im Land zu unterstützen.

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10 Jahre Krieg: Unterernährung bei Kindern im Jemen nimmt wieder zu

kinder hunger jemen relief kurzmeldungen

Laut der Hilfsorganisation Islamic Relief Deutschland nehmen die Fälle von Unterernährung bei Kindern in abgelegenen ländlichen Gebieten des Jemen zu, während das Land heute zehn Jahre Krieg hinter sich hat.

Köln (IRD). Die Eskalation der Bombardierungen, die drastischen Kürzungen der humanitären Hilfe und internationale Sanktionen drohen, die Situation zu verschlimmern und die Fortschritte der letzten Jahre im Kampf gegen die Unterernährung von Kindern zunichte zu machen. Ein Arzt und ein Landwirt aus Zuhrah berichten.

Fachkräfte von Islamic Relief im Bereich Gesundheit und Ernährung im Jemen berichten, dass die Zahl der unterernährten Kinder zunimmt, so dass die Gesundheitszentren mehr Patienten aufnehmen, als sie aufnehmen können, und dass einige Kinder an Hunger sterben. Mehr als 55 Prozent der jemenitischen Kinder unter fünf Jahren leiden Berichten zufolge inzwischen an schwerer Unterernährung.

Tariq Hadi Mohammed, 36, ist Arzt in einem von Islamic Relief unterstützten Gesundheitszentrum und einer Klinik für therapeutische Ernährung im abgelegenen Bezirk Zuhrah, etwa 200 Kilometer nordwestlich der jemenitischen Hauptstadt Sana’a. Er berichtet, dass in diesem Gebiet bereits Kinder verhungert sind.

„Wir stellen jetzt eine Zunahme der Unterernährung bei Kindern fest und jeden Tag kommen mehr Fälle in der Station an. Die Unterernährung ist weit verbreitet, da die Lebensbedingungen schwieriger geworden sind.“

Kinder sterben an Hunger: Arzt Tariq Hadi Mohammed schildert die Lage in Zuhrah

„Eines Tages fanden Dorfbewohner ein junges Mädchen, das wegen schwerer Unterernährung fast im Koma lag. Sie brachten sie in die Gesundheitsstation, ihr Körper war geschwollen und ihr Zustand kritisch. Wir begannen sofort mit der Behandlung und es ging ihr besser. Später wurde auch ihre jüngere Schwester gebracht … leider war es da schon zu spät. Sie war nur noch Haut und Knochen und ihr Körper war zu schwach, um sich zu erholen. Sie verstarb. Als ich ihren Zustand sah, musste ich weinen“, schildert Mohammed.

„Dies ist ein abgelegenes Gebiet, in dem es kaum Gesundheitsdienste gibt und diese schwer zu erreichen sind. Die Station hat eine Kapazität für 8.000 Menschen, aber unter den derzeitigen Umständen versorgen wir etwa 12.000, darunter sowohl Einheimische als auch vertriebene Familien. Wir behandeln viele Kinder, aber auch unterernährte schwangere Frauen und stillende Mütter“, berichtet der Arzt.

Zehn Jahre Krieg haben die Infrastruktur und die Wirtschaft des Jemen zerstört und Millionen von Menschen daran gehindert, eine angemessene Lebensgrundlage zu finden, um ihre Familien zu unterstützen. Infolgedessen sind rund 19,5 Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen und 17,1 Millionen Menschen haben Schwierigkeiten, sich ausreichend zu ernähren. Deshalb ist der Erhalt der Gesundheitsrichtungen und Ernährungszentren im Land so wichtig.

Die Unterstützung von Gesundheitseinrichtungen im Jemen rettet Menschenleben

Islamic Relief unterstützt 185 Gesundheitszentren und Kliniken für therapeutische Ernährung in fünf Gouvernements im Jemen, damit diese den vielen Familien, die sonst nirgendwo hingehen können, kostenlose Behandlungen anbieten. Im vergangenen Jahr haben sie über 249.617 schutzbedürftige Menschen mit Nahrungsmitteln versorgt.

Hadi Ali Huessien Qadri, ein Landwirt im Bezirk Zuhrah, brachte kürzlich seine unterernährte Tochter in ein von Islamic Relief unterstütztes Zentrum, wo sie sich nach einer Behandlung erholte. Er sagt, er könne mit seiner Landwirtschaft nicht genug Geld verdienen, um seine Familie zu ernähren und zu unterstützen.

„Ich hatte kein Geld, um mich um sie zu kümmern und ihr und ihrer Mutter genug zu essen zu geben. Deshalb ist sie krank geworden. Auch die Kinder meiner Nachbarn sind unterernährt und alles nur, weil sie ihre Familien nicht ausreichend versorgen können. Sie haben nur eine Mahlzeit pro Tag. Das ist im ganzen Dorf so… die Situation hier ist sehr hart“, sagt der Landwirt.

Islamic Relief Landesdirektor Siddiq Khan berichtet über die Herausforderungen vor Ort

 „Zehn Jahre Krieg haben die jemenitische Wirtschaft verwüstet, die Infrastruktur des Landes zerstört und den Zugang zu Dienstleistungen der Grundversorgung erheblich erschwert. In diesem schwierigen Umfeld haben wir unermüdlich daran gearbeitet, das Leid zu lindern, den Ausbruch von Krankheiten zu verhindern und die Hilfe so transparent und effektiv wie möglich zu gestalten. Ich bin sehr stolz auf die Arbeit des Islamic Relief-Teams im Jemen, das 2,56 Millionen Menschen mit Nahrungsmitteln, medizinischer Versorgung und anderen wichtigen Hilfsgütern unterstützt“, sagt Khan und fährt fort.

„Doch während Millionen von Menschen von der humanitären Hilfe profitieren, bleiben Millionen weitere zurück, die mit Hunger, Gewalt und Krankheiten konfrontiert sind. Die Menschen hier brauchen dringend Unterstützung, aber die Krise wird von der Welt weitgehend vergessen. Die humanitäre Hilfe hat im Laufe der Jahre viel Positives bewirkt, indem sie den Menschen zu Nahrung, Arbeit, Gesundheitsversorgung, sauberem Wasser und Bildung verholfen hat. Doch die jüngsten Entwicklungen bedeuten, dass viele dieser Errungenschaften nun wieder ins Gegenteil verkehrt werden.“

Islamic Relief fordert die internationale Gemeinschaft auf, die humanitäre Finanzierung der Hilfe für den Jemen zu erhöhen, auf eine diplomatische Lösung der aktuellen Eskalation zu drängen sowie sicherzustellen, dass die Sanktionen keine Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung haben und die wirtschaftliche Entwicklung im Land zu unterstützen.

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Ein Jahr Nothilfe in Gaza durch Islamic Relief

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Während lokale Helferinnen und Helfer täglich ihr Leben riskieren, um humanitäre Hilfe zu leisten, spitzt sich der Hunger in Gaza immer weiter zu.

Köln (Islamic Relief Deutschland). Seit mehr als 12 Monaten leistet Islamic Relief in Gaza lebenswichtige Nothilfe und versorgt die Menschen mit Lebensmitteln, Matratzen, Hygienesets, Kleidung, sauberem Wasser und psychosozialer Unterstützung.

Während lokale Helferinnen und Helfer täglich ihr Leben riskieren, um humanitäre Hilfe zu leisten, spitzt sich der Hunger in Gaza immer weiter zu. Trotz der Herausforderungen konnten die Helfenden vor Ort bisher insgesamt 44 Millionen warme Mahlzeiten an die Menschen verteilen. Humanitäre Hilfe schützt Menschenleben und muss ungehindert stattfinden, so Islamic Relief Deutschland.

Gaza: Der Hunger spitzt sich zu

Ein Jahr nach Beginn der Eskalation in Nahost sind erhebliche Verluste an Menschenleben und Schäden an der Infrastruktur zu beklagen, die sowohl unmittelbare als auch langfristige sozioökonomische Folgen für Gaza und nun auch den Libanon nach sich ziehen. Dazu gehören langfristige Entbehrungen und ein Rückgang der menschlichen Entwicklung in den gesamten palästinensischen Gebieten.

Mindestens 1,9 Mio. Menschen, das heißt 90 Prozent der Bevölkerung in Gaza, sind mehrmals geflüchtet, viele sind schutzlos den harten Bedingungen ausgesetzt und haben keinen ständigen Zugang zu Nahrungsmitteln, Wasser oder Medikamenten. Die Infrastruktur des Gazastreifens ist schwer beschädigt, so dass Millionen Menschen ungeschützt ausharren. Nun kommt auch der zweite Winter ohne eine menschenwürdige Notunterkunft und notwendige Versorgung.

Umso wichtiger ist die Hilfe von Hilfsorganisationen vor Ort, die lebenswichtige Nothilfe leisten. Erst am Montag, den 21. Oktober haben lokale Helferinnen und Helfer von Islamic Relief insgesamt 8.625 verzehrfertige Mahlzeiten für vertriebene Menschen in Gaza bereitgestellt sowie 107.000 Liter sauberes Wasser für über 33.200 Personen. Zusätzlich wurden in Kooperation mit dem Welternährungsprogramm (WFP) am gleichen Tag mehr als 175.000 warme Mahlzeiten verteilt.

Über 183.0000 warme Mahlzeiten an einem Tag

Trotz der schwierigen Bedingungen haben die Helferteams von Islamic Relief in Zusammenarbeit mit dem Welternährungsprogramm, weiterhin Nothilfe geleistet und Lebensmittel und weitere Hilfsgüter verteilt. Gemeinsam mit dem Welternährungsprogramm konnte die Hilfsorganisation seit Konfliktbeginn in Gaza insgesamt 44 Millionen warme Mahlzeiten verteilen.

Durch die Zusammenarbeit konnten sie am 21. Oktober insgesamt 175.280 warme Mahlzeiten für Vertriebene im mittleren Gazastreifen, Khan Younis und in Gaza-Stadt bereitstellen. Auch stellten sie Nahrungsergänzungsmittel auf Lipidbasis „LNS“ für 498 schwangere und stillende Frauen sowie für 948 Kinder bereit. Diese Verteilungen stehen beispielhaft für die lebenswichtige sowie lebenserhaltende humanitäre Hilfe und die Dienstleistungen, die Islamic Relief vor Ort leistet.

Über die Kooperation mit dem WFP hinaus haben die Hilfsteams von Islamic Relief in Gaza am gleichen Tag verzehrfertige Mahlzeiten verteilt sowie Wasser, während weitere Helfende zusätzlich Bildungsprogramme und psychosoziale Unterstützung für 230 Kinder im Alter von 6-12 Jahren durchführten.

Ein psychosoziales Erste-Hilfe-Programm mit Freizeitaktivitäten für 142 Kinder und 71 Mütter wurde ebenso durchgeführt und essentielle Reinigungsmittel und Hygieneartikel für insgesamt 77 Notunterkünfte in Gaza wurden bereitgestellt. Alle aufgelisteten Hilfeleistungen fanden in Gaza-Stadt, im mittleren Gazastreifen und Khan Younis statt. Aktuell ist die Einfuhr und Bereitstellung von humanitären Gütern weiterhin erschwert, jedoch leisten die lokalen Helfenden gemäß ihrem humanitären Auftrag weiterhin humanitäre Hilfe und stehen den Menschen zur Seite.

IPC-Bericht warnt vor Hungersnot: 2,2 Millionen Menschen in Gaza sind von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen

Im gesamten Gazastreifen besteht ein hohes Risiko einer Hungersnot, solange der Konflikt andauert und der Zugang für humanitäre Hilfe eingeschränkt ist. Etwa 96 Prozent der Bevölkerung des Gazastreifens (2,15 Mio. Menschen) sind laut „Integrated Food Security Phase Classification“ (IPC) von akuter Ernährungsunsicherheit auf „Krisenniveau“ (Phase 3 des IPC-Index) oder höher bedroht.

Die Integrierte Phasenklassifizierung der Ernährungssicherheit IPC ist eine international anerkannte Initiative, die 2004 von der Food and Agriculture Organization (FAO) der UN zur Verbesserung der Analyse und Entscheidungsfindung im Bereich Ernährungssicherheit und Ernährung ins Leben gerufen wurde. IPC nutzt globale, wissenschaftliche Standards zur Bewertung von Hunger.

Die aktuelle Prognose von IPC lautet, dass das hohe Risiko einer Hungersnot zwischen November 2024 und April 2025 so lange besteht, wie der Konflikt andauert und der Zugang für humanitäre Hilfe eingeschränkt ist.

Es wird erwartet, dass sich die akute Unterernährung in allen Gouvernements verschlimmern wird, bedingt durch saisonale Krankheiten in Gebieten mit hoher Bevölkerungsdichte und durch die reduzierte Hilfe für Kinder, schwangere und stillende Frauen. Ebenso wird erwartet, dass zwischen September 2024 und August 2025 etwa 60.000 Fälle von akuter Unterernährung bei Kindern im Alter von 6 bis 59 Monaten auftreten werden, darunter 12.000 schwere Fälle.

Während der gesamte Gazastreifen in der Prognose bis September 2024 als Notstandsgebiet eingestuft wurde (IPC-Phase 4), waren mehr als 495.000 Menschen, etwas 22 Prozent der Bevölkerung, immer noch mit einem „katastrophalen“ Niveau akuter Ernährungsunsicherheit konfrontiert (IPC-Phase 5). In dieser Phase leiden die Haushalte unter extremem Nahrungsmittelmangel, Hunger und der Erschöpfung der Bewältigungskapazitäten. Aufgrund der Bedingungen ist mit einem Anstieg des Hungerniveaus zu rechnen.

Wie deutsche und internationale Hilfsorganisationen fordern, listet auch IPC den sofortigen und dauerhaften Waffenstillstand sowie die Sicherstellung des ungehinderten Zugangs zu allen Bevölkerungsgruppen im Gazastreifen als Empfehlung auf.

Besondere Notlage im Norden Gazas und tausende Menschen sind weiterhin vermisst

Im nördlichen Gazastreifen leidet die Zivilbevölkerung akut unter Mangel wichtiger Hilfsgüter, wie Wasser, Lebensmittel und Medikamente. UN OCHA berichtet von einem erschütternden Ausmaß an Tod, Verletzungen und Zerstörung und die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen äußerte zuletzt Besorgnis über die Lage der letzten verbliebenen Krankenhäuser in Nord-Gaza.

Die Zahl der Todesopfer im Gazastreifen ist mittlerweile auf mehr als 42.718 Palästinenser gestiegen, darunter mindestens 13.319 Kinder und 7.216 Frauen, während weitere 100.282 Menschen verletzt wurden (UN OCHA, Stand 22. Oktober 2024*).

Das internationale Rote Kreuz (ICRC) meldete im April 7.000 vermisste Menschen, die Zahl wird von Hilfsorganisationen mittlerweile weit höher eingeschätzt. Unter den Toten befinden sich laut Reporter ohne Grenzen (RSF) mehr als 130 Journalisten und Journalistinnen, während hunderte Mitarbeitende des Gesundheitswesens nach lokalen Angaben umgekommen sind.

Ungehinderter Zugang für humanitäre Hilfe und Waffenstillstand notwendig, um Leben zu schützen

Wie weitere deutsche Hilfsorganisationen, fordert auch Islamic Relief Deutschland einen gesicherten Zugang für humanitäre Helfende und einen sofortigen und dauerhaften Waffenstillstand, um so viele Menschenleben wie möglich zu schützen und zu erhalten.