Eine Firma aus dem Umfeld des AfD‑Bundesvorstands soll ein KI‑Werkzeug entwickelt haben, das automatisiert Wahlkampftexte und Social‑Media‑Posts für die Partei erzeugen soll.
(iz). Laut dem Projekt CORRECTIV hat das System undercover getestet und dokumentiert, wie sich mit wenigen Eingaben massenhaft AfD‑freundliche Inhalte generieren lassen – zugeschnitten auf bestimmte Zielgruppen und Themen.
Nach CORRECTIV‑Recherchen handelt es sich um eine Web‑Anwendung mit Login‑Bereich, die von einer Firma betrieben wird, deren Gesellschafter zugleich Mitglied des AfD‑Bundesvorstands ist.
Nutzerinnen und Nutzer können dort Themen wie „Migration“, „Energiepreise“ oder „Klimapolitik“ auswählen, Tonfall und Plattform (etwa X, Facebook bzw. Instagram) festlegen und anschließend automatisch Textvorschläge generieren lassen.
Das System nutzt einen großen Sprachmodell‑Dienst als technische Grundlage und kombiniert ihn mit eigenen „Prompts“ und Vorgaben, die die Inhalte klar auf AfD‑Botschaften ausrichten. CORRECTIV beschreibt, dass das Tool etwa Schlagworte wie „Überfremdung“, „Altparteien“ oder „grüne Verbotspolitik“ wiederkehrend aufgreift und dabei eine einheitliche, parteifreundliche Linie produziert.
Foto: Voyagerix, Adobe Stock
Um das Werkzeug zu prüfen, meldeten sich CORRECTIV‑Mitarbeitende als angeblicher AfD‑Kreisverband an und erhielten Zugang zu der Beta‑Version des Systems. Sie ließen sich u.a Beiträge zum Thema Flüchtlingspolitik, zu „Gender‑Wahnsinn“ und zur Europawahl erstellen und dokumentierten, dass das Tool ohne erkennbaren Faktencheck emotionale und zugespitzte Formulierungen vorschlägt.
In einem Fall erzeugte die KI etwa einen Text, der vor einem angeblichen „Migranten‑Ansturm“ warnt und von „unkontrollierter Masseneinwanderung“ spricht, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Andere generierte Beiträge forderten einen „sofortigen Stopp der Klimarettungs‑Experimente“ und zeichneten ein stark vereinfachtes Bild der politischen Gegenspieler.
Die Entwicklerfirma ist laut Handelsregister direkt mit der AfD vernetzt: Einer der Verantwortlichen sitzt im Bundesvorstand, die Firma zählt zu den Dienstleistern der Partei. CORRECTIV berichtet, dass das Tool zunächst ausgewählten Strukturen zur Verfügung gestellt werden soll – etwa Kreis‑ und Landesverbänden –, um ihren Online‑Wahlkampf zu professionalisieren und zu vereinheitlichen.
Ziel sei es, „das Netz zu fluten“, wie eine interne Projektbeschreibung zitiert wird: Mit Hilfe der KI sollen in kurzer Zeit viele, formal unterschiedliche, inhaltlich aber eng an der AfD‑Linie orientierte Beiträge entstehen, die auf verschiedenen Kanälen ausgespielt werden können.
Das Tool bietet dafür Funktionen wie das Erstellen von Varianten eines Posts, das Anpassen der Textlänge für unterschiedliche Plattformen sowie das Ergänzen von Slogans und Hashtags.
Foto: nitpicker, Shutterstock
Die Recherchen zum neuen KI‑System fügen sich in ein bereits dokumentiertes Muster: Parteienforscher und Medien haben in den vergangenen Jahren gezeigt, dass die AfD überdurchschnittlich häufig KI‑generierte Bilder und Videos im Wahlkampf verwendet.
Kreisverbände warben etwa mit künstlich erzeugten Porträts angeblicher Neumitglieder oder nutzten KI‑Bilder, um aggressive Migranten, überzeichnete Klimaaktivisten oder nostalgische Szenen „traditioneller“ Familienwelten darzustellen.
Das von CORRECTIV untersuchte Text‑Tool erweitert diese Praxis um die systematische Produktion von sprachlicher Propaganda. Während bisher einzelne Politiker und Verbände KI‑Anwendungen nutzten, um visuelle Inhalte zu erstellen, dient das neue System dazu, Textbausteine für Wahlkampfbotschaften in Serie zu liefern – mit klarer inhaltlicher Ausrichtung und organisatorischer Anbindung an die Parteispitze.
Die Autorinnen und Autoren des CORRECTIV‑Berichts halten fest, dass bereits ein früher Test zeigt, wie leicht sich das Werkzeug für emotional aufgeladene und vereinfachende Botschaften einsetzen lässt.
Die Frage, wie und in welchem Umfang die AfD das System im kommenden Wahlkampf tatsächlich einsetzen wird, bleibt offen – die technische Infrastruktur dafür ist nachweislich vorhanden.
Auslands-Kurzmeldungen Ausgabe 372: In dieser Ausgabe behandeln wir u.a. die Folgen des Irankriegs, über die Grüne Mauer bis zu Provokationen in Jerusalem.
CARE: Mittelkürzungen kosten Mütterleben
BERLIN (IZ). Weltweit sterben noch immer jeden Tag Mütter an Komplikationen, die vermeidbar wären – alle zwei Minuten eine Frau, wie UN-Organisationen schätzen. Besonders in Krisen- und Kriegsgebieten ist das Risiko, Schwangerschaft oder Geburt nicht zu überleben, etwa fünfmal höher als in stabilen Staaten. Zugleich kürzen reiche Länder ihre Beiträge für humanitäre Hilfe und Gesundheitsprogramme, was zur Schließung von Kliniken führt und Hebammen sowie Medikamente fehlen lässt. Hilfswerke wie CARE warnen: Diese Sparpolitik kostet Mütter in Afrika und anderen Konfliktregionen das Leben. Das sei eine ethische Bankrotterklärung.
Migranten sind ein Wirtschaftsfaktor
GENF (KNA/IZ). Migranten spielen nach einem UN-Bericht eine bedeutende Rolle in der globalen Wirtschaft. Allein Überweisungen von den laut letzten Schätzungen 168 Mio. Arbeitsmigranten in ihre Heimatländer betrugen 2024 bis zu 905 Mrd. US-Dollar, wie aus dem World Migration Report 2026 hervorgeht, der am Dienstag in Genf veröffentlicht wurde. 685 Mrd. Dollar gingen in Entwicklungs- und Schwellenländer. Der Betrag war größer als die offizielle Entwicklungshilfe und ausländische Direkt-Investments zusammen. „Weltweit trägt Migration dazu bei, Arbeitsplätze zu schaffen, das Wirtschaftswachstum anzukurbeln, Stabilität zu fördern und den sozialen Zusammenhalt zu stärken“, sagte Amy Pope, IOM-Generaldirektorin.
Foto: Shutterstock
Islamische Weltliga will ethischen Rahmen für KI
RIAD (KNA). Die Islamische Weltliga fordert einheitliche und klare ethische Standards für die Weiterentwicklung Künstlicher Intelligenz. Generalsekretär Muhammad bin Abdul Karim Issa warnte auf einer internationalen Konferenz im marokkanischen Fès vor den Risiken unregulierter Systeme, wie die Zeitung „Arab News“ Ende April meldete. Besonders in sensiblen Bereichen wie Religion, Ethnien und Kultur könne eine missbräuchliche Anwendung Spaltung, Hass und Konflikte schüren. Der Vertreter der Islam-Liga verlangte Transparenz und eine stärkere Rechenschaftspflicht für Unternehmen, die in diesem Bereich tätig sind.
Bildung für Mädchen kann gefährlich sein
KABUL (IPS). In Afghanistan riskieren Lehrende und andere Haft, wenn sie öffentlich für das Recht von Mädchen auf Bildung eintreten. Zwei Männer in Herat wurden nach Posts zur Wiederöffnung von Schulen für Mädchen von der Taliban-Moralpolizei vorgeladen und an den Geheimdienst überstellt. Seit fast fünf Jahren bleiben weiterführende Schulen und Hochschulen für sie geschlossen, mehr als zwei Mio. Schülerinnen sind vom Unterricht ausgeschlossen.
Foto: Anke van Wyk, Adobe Stock
„Grüne Mauer“ wächst langsam, aber sie wirkt
DAKAR (IZ). Im Sahel wächst die „Große Grüne Mauer“ langsamer als geplant, aber sie wirkt: Mio. Bäume und Hecken schützen Böden vor Erosion, halten Wasser im Boden und schaffen Einkommen für BäuerInnen von Senegal bis Nigeria. Das afrikanische Schlüsselprojekt gegen Desertifikation soll bis 2030 bis zu 100 Mio. Hektar degradierte Flächen wiederbeleben und Mio. „grüne Jobs“ schaffen. Umweltorganisationen sehen darin ein Beispiel, wie Klimaschutz, Armutsbekämpfung und Bewahrung der Schöpfung zusammengehen können.
Schmidt-Rücktritt als „alarmierendes Signal“
SARAJEVO (GfbV). Die GfbV bewertet den angekündigten Abgang des Hohen Repräsentanten für Bosnien und Herzegowina, Christian Schmidt, als alarmierendes Signal für die Stabilität des Landes und für die Glaubwürdigkeit der internationalen Gemeinschaft: „Wenn ein Hoher Repräsentant unter politischem Druck zurücktritt, dann ist das kein geordneter Amtswechsel, sondern ein gefährlicher Präzedenzfall“, erklärte Belma Zulčić, Direktorin der GfbV-Sektion Bosnien und Herzegowina am 12. Mai. „Der Rücktritt darf nicht als Erfolg jener Kräfte verstanden werden, die seit Jahren systematisch den Staat Bosnien und Herzegowina schwächen, die Institutionen blockieren und die Opfer des Krieges verhöhnen.“
Screenshot: Arakan Army, YouTube
Rebellen leugnen Schuld an Mord an Rohingya
NEW YORK (IZ). Human Rights Watch wirft der Arakan Army vor, im Mai 2024 in Rakhine Hunderte Rohingya-Muslime getötet, verletzt und ihre Häuser niedergebrannt zu haben. Zwei Jahre später verweigert die inzwischen mit der Junta verfeindete Miliz jede Verantwortung, während Überlebende in Lagern festgehalten werden und nicht in ihre Heimat zurückkehren können. UN-Gremien und Menschenrechtsorganisationen sprechen von Kriegsverbrechen.
UN-Ausschuss rügt Umgang mit den Fulani
GENF (KNA). Das UN-Komitee gegen Rassendiskriminierung hat sich besorgt über den Umgang mit der ethnischen Gruppe der Fulani in Burkina Faso geäußert. Deren Angehörige würden Opfer von Exekutionen, Folter, willkürlicher Inhaftierung, Verschleppung und Zerstörung von Eigentum, heißt es in einem turnusmäßigen Länderbericht, der Anfang Mai veröffentlicht wurde. Täter seien Berichten zufolge oft Mitglieder der regulären Streitkräfte und deren Verbündete. Fulani würden auch weiterhin von der Polizei besonders scharf beobachtet.
Foto: Aerial View/Adobe Stock
Paris schließt NATO-Rolle an Meerenge aus
PARIS (IZ). Frankreich schließt eine Rolle der NATO in der Straße von Hormus aus und setzt stattdessen auf eine eigenständige, europäisch geführte Marinemission zum Schutz der Handelsschifffahrt. Es will damit Distanz zu einer weiteren Militarisierung unter US-Führung wahren und zugleich die Golfstaaten als Partner gewinnen, deren Vertrauen in Washington durch den Iran‑Krieg stark gelitten hat. Während der US‑Blockade und iranischer Kontrollen bleibt der Seeweg ein globaler Engpass, dessen Sicherung über Energiepreise und Versorgung direkt Europa und mehrheitlich muslimische Länder betrifft.
Außenministerin warnt vor Lebensmittelkrise
LONDON (IZ). Die britische Außenministerin Cooper warnt, die Welt „schlafwandle“ in eine globale Ernährungskrise, weil die Schifffahrt durch die Straße von Hormus infolge des Iran‑Kriegs fast zum Erliegen gekommen ist. Statt rund 90 passieren derzeit nur noch wenige Schiffe täglich die Meerenge, hunderte Frachter mit Getreide und Düngemitteln stecken fest. Das Welternährungsprogramm befürchtet, dass bis zu 45 Mio. Menschen zusätzlich in akute Ernährungsunsicherheit geraten könnten, wenn die Blockade anhält. Besonders Länder im Globalen Süden wären betroffen.
Foto: The White House/Daniel Torok
Gerüchte über eine 30-Tage-Waffenruhe
WASHINGTON (Agenturen). US‑Medien berichten, Washington und Teheran stünden kurz vor einer 60‑tägigen Waffenruhe, die die Wiederöffnung der Straße von Hormus einschließen soll. Demnach würde Iran in dieser Zeit Minen räumen und auf Transitgebühren verzichten, während die USA die Blockade iranischer Häfen lockern und Ölexporte wieder zulassen könnten. Ziel ist, den nahezu eingebrochenen Schiffsverkehr zu normalisieren, der seit Beginn des Kriegs massive Folgen für Energie- und Lebensmittelpreise hat. Menschenrechtsexperten erinnern daran, dass solche Abkommen nicht nur als geostrategische Deals, sondern auch am Maßstab des Schutzes von Zivilbevölkerungen im Iran, in der Region und im Globalen Süden zu messen sind.
Hebron: Gericht erlaubt Teilenteignung
HEBRON (KNA). Das Oberste Gericht von Israel hat die teilweise Enteignung der Machpela, der Patriarchengräber am Rand von Hebron, offiziell legitimiert. Eine entsprechende Petition der Stadtverwaltung, der zuständigen muslimischen Stiftung sowie eines Komitees für die Wiederherstellung der Altstadt wiesen die Richter in Jerusalem am 20. Mai zurück, wie Medien berichten. Die Grabstätte gilt als eines der wichtigsten Heiligtümer des Judentums, wird aber aufgrund der abrahamitischen Herkunft auch von Christen und Muslimen verehrt.
Foto: Muhamad Taufiq Bin Azmi, Shutterstock
OIC verurteilt „Provokation“ von Ben Gvir
JEDDAH (KNA). Die Organisation für Islamische Zusammenarbeit OIC hat die jüngste Kundgebung des rechtsextremen israelischen Ministers Itamar Ben-Gvir an einer der heiligsten Stätten des Islam verurteilt. Der Chef der jüdisch-fundamentalistischen Partei Otzma Jehudit und Minister für Nationale Sicherheit hatte am 14. Mai an der Spitze von Siedlergruppen den Platz der Al-Aqsa-Moschee in Ostjerusalem besucht und dort die israelische Flagge gehisst. Die OIC sprach in einer Erklärung von einer „bewussten Provokation der Gefühle von Muslimen weltweit“.
Lage der Beduinen wird zunehmend prekär
JERUSALEM (KNA). Der Konflikt im Westjordanland betrifft auch die Beduinen. Für sie wird der Lebensraum immer enger. Genaue Bevölkerungsdaten fehlen. Zunehmende Zersiedelung, soziale Benachteiligung und neuerdings wachsende Repressalien israelischer Siedler schränken aber in wachsendem Maß die halbnomadische Lebensweise der Menschen ein. Die Beduinen und Hirtengemeinschaften gehören weder zur israelischen noch zur palästinensischen Gesellschaft. Die UN zählen sie daher zu den „am meisten gefährdeten Gruppen in den besetzten palästinensischen Gebieten“.
Foto: MINUSMA, Marco Dormino
Lage der Tuareg wird entscheidend sein
BAMAKO (The Conversation). Bewaffnete Gruppen haben in Mali zuletzt erneut Regierungsstützpunkte und Städte angegriffen, darunter Verbände der Tuareg, die sich mit Jihadisten verbündet haben. Beobachter verweisen darauf, dass Konflikte um politische Teilhabe, Ressourcenverteilung und kulturelle Anerkennung der Tuareg seit Langem den Boden für Gewalt bereiten. Mit dem Abzug der UN‑Mission und Schwächung staatlicher Strukturen wächst die Gefahr, dass Zivilisten vertrieben und Massaker verübt werden.
Irankrieg stürzt die Armen ins Elend
WASHINGTON (GFP.com). Der Krieg der USA und Israels stürzt Länder des Globalen Südens in eine tiefe Krise. Nicht nur der Ölpreisschock verschärft ihre meist ohnehin schon prekäre Lage. Zudem gefährdet die Unterbrechung eines Drittels der globalen Düngemittelversorgung die weltweite Ernährungssicherheit und droht schon in Kürze 45 Mio. Menschen in akuten Hunger zu treiben. Gleichzeitig muss sich Afrika für einen Mangel an medizinischen Gütern wappnen, da der Kontinent einen Großteil davon über den Mittleren Osten importiert. Darüber hinaus droht der dreifache Schock aus Energie- und Nahrungsmittelkrise sowie kriegsbedingt schwächerem Wirtschaftswachstum weltweit mehr als 32 Mio. Menschen in die Armut zu treiben – vor allem in Entwicklungsländern.
Trotz Terror – Pakistan setzt Impfkampagne fort
ISLAMABAD (KNA). Einen Tag nach zwei tödlichen Terroranschlägen auf Polio-Impfteams in Pakistan hat die Provinz Sindh am 19. Mai dennoch eine entsprechende Impfkampagne für 5,8 Millionen Kindern unter fünf Jahren gestartet. Die 17.000 Mitglieder der Teams würden von 15.000 Sicherheitskräften geschützt, berichtete das pakistanische Nachrichtenportal „Dawn“. Morde von Terroristen an den Teams kommen seit Jahren in Pakistan immer wieder vor. Im Dezember 2025 kamen ebenfalls in Bajaur zwei Menschen bei einem Angriff auf ein Polio-Impfteam ums Leben.
Foto: Nick Brundle
Autonomiebehörde zu Provokationen an Al-Aqsa
RAMALLAH (IZ). Die palästinensische Autonomiebehörde wirft Israel vor, mit immer neuen Provokationen das historische Status‑quo‑Arrangement in Jerusalem auszuhebeln. Anlass ist der jüngste Besuch des rechtsextremen Sicherheitsministers Itamar Ben‑Gvir auf dem Gelände der Al‑Aqsa‑Moschee, bei dem er in Begleitung von Siedlern mit israelischer Flagge durch das zog. Palästinensische und internationale Beobachter sehen darin Teil einer Strategie, die exklusiv muslimische Nutzung der heiligen Stätte schrittweise auszuhöhlen und Ostjerusalem demographisch wie rechtlich weiter zu verändern.
Euro-Troika: Lage „deutlich verschlechtert“
BRÜSSEL (MEMO). Italien, Großbritannien, Frankreich und Deutschland warnten am 22. Mai, dass sich die Lage im besetzten Westjordanland in den letzten Monaten „erheblich verschlechtert“ habe, vor dem Hintergrund zunehmender Gewalt durch Siedler und einer israelischen Politik, die ihrer Ansicht nach die Stabilität und die Aussichten auf Frieden untergrabe, berichtete Anadolu. In einer gemeinsamen Erklärung erklärten die vier europäischen Länder, dass die israelischen Siedlungsaktivitäten gegen das Völkerrecht verstoßen und das Gebiet weiter zersplittern würden, wodurch die Möglichkeit eines lebensfähigen palästinensischen Staates gefährdet werde.
Siedler setzen eine Moschee in Brand
JERUSALEM (KNA). Die Gewalt israelischer Siedler in den besetzten palästinensischen Gebieten hält an. Israelische Siedler haben das Dorf Jibiya nordwestlich von Ramallah im besetzten Westjordanland angegriffen. Dabei steckten sie laut örtlichen Medienberichten am 22. Mai eine Moschee und mehrere palästinensische Fahrzeuge in Brand. Der Angriff ist kein Einzelfall, sondern Teil einer systematischen Politik.
Islam und KI: Es gibt fundamentale Grenzen menschlichen Wissens. Die Unfähigkeit, die Seele vollständig zu begreifen, demonstriert, dass bestimmte Aspekte der Schöpfung jenseits technologischer Reproduzierbarkeit liegen. (iz). In den gläsernen […]
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IZ-Kurzserie zur KI (1): Technologische Visionen nehmen zunehmend religiöse Züge an. Eine islamische Kritik.
(iz). In den gläsernen Bürotürmen von Silicon Valley, der IT-Hochburg in Kalifornien, hat sich in den letzten Jahrzehnten eine bemerkenswerte Entwicklung vollzogen: Technologische Visionen nehmen zunehmend religiöse Züge an. Von Masroor Ahmad-Hünsch
Ray Kurzweil, Googles Director of Engineering und einer der einflussreichsten Vordenker der Künstlichen Intelligenz, prophezeit nicht weniger als die Verschmelzung von Mensch und Maschine – eine technologische Apokalypse, die er „Die Singularität“ nennt.
Seine Vorhersagen lesen sich wie säkulare Prophezeiungen: Bis 2029 sollen Computer menschliche Intelligenz erreichen und den Turing-Test bestehen.
Der Turing-Test ist ein Verfahren, das vom britischen Mathematiker und Informatiker Alan Turing entwickelt wurde, um festzustellen, ob eine Maschine ein dem Menschen vergleichbares Denkvermögen besitzt. Dabei kommuniziert eine menschliche Testperson über einen Computerbildschirm mit einem Menschen und einer Maschine, ohne zu wissen, wer wer ist. Kann die Maschine die Testperson so täuschen, dass sie nicht mehr zwischen Mensch und Computer unterscheiden kann, gilt der Test als bestanden.
Im Jahr 2045, so Kurzweil, erreichen wir „Die Singularität“: eine Verschmelzung von Mensch und KI, die unsere Intelligenz „milliardenfach“ vervielfacht. Bereits in den frühen 2030er Jahren, so seine Prognose, kommen wir einen Punkt, an dem wissenschaftlicher Fortschritt schneller voranschreitet als biologisches Altern und die Maschine besser sei als der Menschen und sich selbst vervielfacht und optimiert.
Kurzweil ist nicht irgendjemand, sondern eine Gallionsfigur des Transhumanismus, ein Name, der für viele zum Synonym für die Vision einer technologisch erweiterten Zukunft geworden ist. Seine Vorstellungen werden längst nicht nur von einer kleinen, abgeschotteten Gruppe getragen, sondern finden weltweit Anklang bei Forschenden, Unternehmern und Menschen.
Seine Vision gipfelt in sechs „Epochen der Evolution“, deren letzte er „Das Universum erwacht“ nennt – ein Zustand, den er selbst beschreibt als „so nah an Gott, wie ich es mir vorstellen kann.“
Der Wissenschaftsjournalist John Horgan bringt es auf den Punkt: „Seien wir ehrlich. Die Singularität ist eher eine religiöse als eine wissenschaftliche Vision.“ Diese Beobachtung ist nicht nur metaphorisch gemeint. Philosophen wie Émile P. Torres und Timnit Gebru haben den Begriff „TESCREAL“ geprägt – ein Akronym für eine Ideologie, die Transhumanismus, Extropianismus, Singularitarismus, Cosmismus, Rationalismus, Effektiven Altruismus und Longtermismus vereint.
Émile Torres, erklärt die quasi-religiöse Anziehungskraft dieser Bewegung: „Transhumanismus gibt dir ein Gefühl von Zweck und Bedeutung; da ist ein Versprechen vom Paradies; da ist die Idee, dass, wenn du nicht glaubst, dass Gott existiert, du ihn einfach durch künstliche Superintelligenz erschaffen kannst.“
Die religiöse Dimension der KI-Bewegung ist keineswegs nur metaphorisch. Anthony Levandowski, ehemaliger Google-Ingenieur und Pionier der selbstfahrenden Autos, gründete 2015 die „Way of the Future Church“ – eine offizielle, beim US-Finanzamt registrierte Religion, deren erklärtes Ziel die „Anbetung einer Gottheit basierend auf Künstlicher Intelligenz“ ist.
So eine extreme Entwicklung ist symptomatisch für einen tiefgreifenden Wandel im technologischen Diskurs. Was einst als Werkzeug gedacht war, wird zunehmend zum Objekt der Verehrung. Elon Musk verkündete im Januar 2026 auf X: „Wir haben die Singularität erreicht“.
Foto: rdne/Pexels
Aus islamischer Sicht offenbart diese Entwicklung ein fundamentales Problem: die Verwechslung von Schöpfer und Geschöpf, von Werkzeug und Anbetungswürdigem. Der Heilige Qur‘an spricht unmissverständlich über die einzigartige Stellung Gottes als Schöpfer: „Er ist Allah, der Schöpfer, der Bildner, der Gestalter. Sein sind die schönsten Namen. Alles, was in den Himmeln und auf Erden ist, preist Ihn, und Er ist der Allmächtige, der Allweise.“ (59:25)
Diese drei Namen Gottes – Al-Khaliq (der Schöpfer), Al-Bari (der Bildner) und Al-Musawwir (der Gestalter) – beschreiben eine Schöpfungsmacht, die kategorial verschieden ist von jeder menschlichen oder maschinellen „Kreativität“.
Der Heilige Qur’an stellt eine rhetorische Frage, die direkt zum Kern der KI-Debatte führt: „Ist nun wohl Der, Der erschafft, dem gleich, der nicht erschafft? Wollt ihr es also nicht beherzigen?“ (An-Nahl, 16:17)
Diese Frage ist nicht nur theoretisch, sondern hochaktuell: Können Maschinen, die statistisch Muster erkennen und reproduzieren, wirklich „erschaffen“ im wahrsten Sinne des Wortes? Oder imitieren sie lediglich das, was ihnen durch menschliche Trainingsdaten eingegeben wurde?
So betont er die unüberbrückbare Kluft zwischen Schöpfer und Geschöpf: „Dann entwickelten Wir es zu einer anderen Schöpfung. So sei denn Allah gepriesen, der beste Schöpfer.“ (23:13)
Dass Menschen in begrenztem Sinne „erschaffen“ können, ist nicht ausgeschlossen, weil sie sich diese Eigenschaft Gottes in menschlichen Maßen „leihen“ – aber der Koran stellt unmissverständlich klar: Allah ist „der Beste“ unter ihnen, unvergleichbar in Seiner Schöpfungskraft.
Ein zentraler Vers für das Verständnis der Grenzen menschlichen Wissens – und damit auch technologischer Machbarkeit – findet sich in Sure Al-Isra: „Und sie fragen dich über die Seele. Sprich: „Die Seele entsteht auf den Befehl meines Herrn; und euch ist vom Wissen nur wenig gegeben.“ (17:85)
Foto: Freepik.com
Dieser Vers wurde offenbart, als der Prophet Muhammad, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, nach der Natur des Geistes bzw. der Seele gefragt wurde. Die Antwort ist bemerkenswert eindeutig: Es gibt fundamentale Grenzen menschlichen Wissens. Die Unfähigkeit, die Seele vollständig zu begreifen, demonstriert, dass bestimmte Aspekte der Schöpfung – Bewusstsein, Geist, Leben selbst – jenseits menschlichen Verstehens und damit auch jenseits technologischer Reproduzierbarkeit liegen.
Wenn Kurzweil und andere Singularitäts-Propheten von der „Erschaffung“ künstlicher Superintelligenz oder gar künstlichen Bewusstseins sprechen, übersehen sie diese fundamentale Grenze. Sie verwechseln Simulation mit Substanz, statistische Verarbeitung mit echtem Verstehen.
In zeitgenössischen Science-Fiction-Filmen wie „Transcendence“, „Black Mirror“ oder „Upload“ wird eine scheinbar verlockende Vision präsentiert: Das menschliche Bewusstsein wird „hochgeladen“, digitalisiert und in eine virtuelle Unsterblichkeit überführt.
Diese Darstellungen offenbaren einen fundamentalen Irrtum der materialistischen Weltanschauung – die Annahme, dass das menschliche Bewusstsein nichts weiter sei als ein komplexes neuronales Muster, das sich durch ausreichend fortgeschrittene Algorithmen emulieren lässt.
Trotz Fact-checking belebt auch die Künstliche Intelligenz (KI) rassistische Stereotypen und Desinformationen. Es braucht die kritischen Fähigkeiten des Menschen. (The Conversation). In jeder Hinsicht ist 2025 das Jahr, in dem […]
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Einsamkeit ist in den letzten Jahren ein ständig beliebteres Gesprächsthema geworden. Von dem Verlust von Drittorten bis hin zur zunehmenden Abhängigkeit von Technologie. (iz). Es existieren immer mehr Menschen, die […]
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Die gegenwärtige Diskussion um die Künstliche Intelligenz (KI) bleibt selten bei der Beschreibung technischer Funktionalität stehen. Vielmehr rücken zunehmend Fragen nach ihrer kulturellen, ethischen und existenziellen Einordnung in den Vordergrund.
(iz). Verschiedene Denkrichtungen markieren hier mögliche Wege im Umgang mit dieser Technologie – ohne gleich in Fortschrittseuphorie oder Kulturpessimismus zu verfallen.
KI – höchste Zeit, dass sich Muslime einbringen
Es ist höchste Zeit, dass wir Muslime, als aktiver Teil der Zivilgesellschaft, unsere Position im Umgang mit dieser Technik formulieren. Die neue Schrift von Byung Chun Han „Sprechen über Gott“ liest sich in diesem Kontext wie eine Art Mahnschrift. Seine These: „Nicht Gott ist tot. Tot ist der Mensch, dem sich Gott offenbarte.“
Die Symbiose von sozialen Medien und künstlicher Intelligenz setzt uns kollektiv dem Geschäftsmodell der Ablenkungsindustrie aus. Schon heute lesen wir in unseren Moscheen dezente Hinweise an die Gläubigen, sie mögen während des Gebets ihre Mobiltelefone ausschalten.
Bald wird es zu den vornehmen Aufgaben unserer Imame gehören, die an der Schnittstelle von Infosphäre und Biosphäre agieren, Grundvoraussetzungen für eine spirituelle Erfahrung zu erklären.
Ohne die Möglichkeit der Konzentration, der Aufmerksamkeit und der inneren Entleerung kann keine spirituelle Erfahrung gelingen, behauptet Han zu Recht. Entsprechende Schulung wird zu den Schlüsselaufgaben muslimischer Gemeinden im 21. Jahrhundert gehören.
Es braucht einen nüchternen Blick auf die Technologie
Zur notwendigen Aufklärung gehört eine nüchterne Sicht auf die Faszination und die Abgründe modernster Technologie zu bieten. Ein häufig vorgebrachtes Argument gegen den Einsatz Künstlicher Intelligenz lautet, sie sei „untauglich“, weil sie „unrichtige Tatsachen behaupte“, „halluziniere“ oder „abstrakte Zusammenhänge erfinde“. Tatsächlich sind Fehler, fehlerhafte Zuordnungen und unplausible Schlussfolgerungen dokumentierte Phänomene in KI-generierten Texten.
Doch diese Beobachtungen greifen zu kurz, wenn sie als Beweis einer grundsätzlichen Unbrauchbarkeit gewertet werden. Denn KI-Sprachmodelle sind keine Wahrheitsmaschinen. Sie sind ihrem Wesen nach Modelle sprachlicher Wahrscheinlichkeit.
Foto: Freepik.com
Es ging nie um „Wahrheit“
Ihre Funktionsweise beruht nicht auf dem Erfassen von Wahrheit im philosophischen oder naturwissenschaftlichen Sinne, sondern auf der Erzeugung sprachlich plausibler Antworten – gelernt an unzähligen Mustern menschlicher Sprache. Vergessen wir nicht: In unserer Alltagssprache behaupten wir – ganz ohne Technik und oft unbewusst – fortlaufend unrichtige Tatsachen, wir verschleiern geschickt unsere Wissenslücken und konstruieren gerne falsche.
Die KI sollten wir weniger als ein Wunder verstehen, sondern als ein Werkzeug ansehen, das uns bei der Suche nach Wahrheit und Sinn unterstützen kann. Ja, die neuen Sprachmodelle werden Ideologen weiter ideologisieren; aber, sie werden auch Differenzierung und Ausgewogenheit ermöglichen.
In diesem Kontext gilt für uns Muslime das Bekenntnis zu der überragenden Bedeutung der Absicht, die bereits Imam Nawawi in seiner Hadithsammlung betonte. Es geht nicht darum, ob wir die Technik nutzen, sondern wie und vor allem warum. Die Ansprüche sind immer die Gleichen: Was bringt uns dem Schöpfer näher, wie organisieren wir unsere Belange im Einklang mit unseren Absichten und wie kommen wir einer gerechten Gesellschaft näher?
Nicht unwesentlich zur Skepsis gegenüber Künstlicher Intelligenz tragen die Äußerungen führender Akteure der digitalen Industrie bei. Manager und Gründer großer Technologiekonzerne bedienen in öffentlichen Statements nicht selten eine Rhetorik, die das Bild einer allumfassenden, nahezu gottgleichen Intelligenz heraufbeschwört.
Von Systemen, die „besser verstehen als der Mensch selbst“, bis hin zu Visionen einer „Superintelligenz“, die menschliche Begrenzungen transzendieren könne, wird eine Erzählung gestützt, die KI als eine dem Menschen überlegene Macht inszeniert. In den Zukunftsvisionen von Transhumanisten und sogenannten Posthumanisten erhält Künstliche Intelligenz eine nahezu metaphysische Dimension.
Foto: Freepik.com
Der nächste Schritt in der Evolution oder pseudo-religiöse Ideologie?
Für Denker wie Ray Kurzweil (ja, wir schaffen einen Gott!) ist die Superintelligenz nicht bloß eine technologische Entwicklung, sondern der nächste Schritt in der kosmischen Evolution. Die Mission dieser Superintelligenz sei es, das gesamte Universum in eine denkende Einheit zu verwandeln – Materie selbst solle Bewusstsein werden.
In dieser Vorstellung kulminiert technischer Fortschritt im pseudo-religiösen Ziel: der Erschaffung eines universalen Geistes, einer maschinellen Gottheit. Bemerkenswert ist, dass diese Visionen Parallelen zu spirituellen und religiösen Denkmodellen aufweisen.
Der Jesuit und Philosoph Pierre Teilhard de Chardin sprach bereits Mitte des 20. Jahrhunderts von einem „Punkt Omega“ – einem Zielpunkt der Evolution, an dem sich biologische, geistige und technologische Entwicklungen vereinen. Wie begegnen wir diesen Ausgestaltungen eines Phantasmas?
Die Verteidigung unserer Erzählung der Schöpfungsgeschichte und die Bewahrung unserer Formen von Weisheit ist von überragender Bedeutung. Hinzu kommt eine Verknüpfung mit dem Studium der europäischen Philosophie, ohne die wir Technik nicht vollständig verstehen können. In der Kombination definieren wir so einen aktualisierten Auftrag an die islamische Bildung in der Moderne.
„Ob wir wollen oder nicht, die Vorstellung, wonach KI-Systeme das menschliche Urteilsvermögen – gar das Menschsein selbst – überflügeln könnten, wird längst gesellschaftlich normalisiert.“ Zur Ironie der Geschichte gehört auch, dass wir Europäer neuerdings die Kolonialisierung unserer Gesellschaften durch einen sogenannten Technofeudalismus (Varoufakis) befürchten.
Grafik: IZ (alle Fotos gemeinfrei oder CC BY-SA 3.0)
Skepsis gegenüber den menschlichen Akteuren
Hinzu kommt unsere Skepsis gegenüber dem Führungsmythos der Tech-Propheten: Die Vorstellung, dass einige wenige – Manager, Ingenieure, Investoren – am Aufbau eines neuen, quasi-göttlichen Ordnungsprinzips arbeiten, ist einigermaßen verstörend. Neben die technologische Faszination tritt der Argwohn: Wird hier eine Macht aufgebaut, die sich jeder demokratischen Kontrolle entzieht?
Zweifellos engagieren wir uns als Muslime – der Idee der Gerechtigkeit verpflichtet – für die Verteidigung von Zivilgesellschaft gegen die Machenschaften der globalen Technikindustrie. Wir teilen die Sorge, dass der technische Fortschritt in eine metaphysische Hybris umzuschlagen droht – und eine neue Form der Macht etabliert, die sich jenseits ethischer Rückbindung entfaltet.
So ist der Ruf nach Regulierung und ethischer Begrenzung auch als Reaktion auf diese Rhetorik der Allmacht zu verstehen: Als Versuch, das Werkzeug KI wieder in den Horizont menschlicher Maßstäbe zurückzuholen. Wichtige Impulse kommen – an der Schnittstelle von Weisheit und Technik – im Moment weniger von der Theologie, sondern vielmehr aus der Welt der Philosophie.
Der sogenannte Neue Stoizismus etwa propagiert eine Haltung der Gelassenheit und Selbstdisziplin im Angesicht technischer Umwälzungen. Das Phänomen der Weisheit wurzelt hier grundsätzlich in der antiken, griechischen Philosophie. Dabei wird KI nicht als Bedrohung, sondern als Teil einer sich wandelnden Welt anerkannt.
Die stoische Grundhaltung mahnt jedoch zu innerer Maßhaltung: Nicht die Technologie soll das Maß des Menschen bestimmen, sondern der Mensch seine geistige Autonomie gegenüber der Technik bewahren. Die Frage nach der Kontrolle – also ob wir die Technik, oder sie uns kontrolliert – ist hier von entscheidender Bedeutung. Modern ist die Geisteshaltung nicht zuletzt, weil sie für die universalen Menschenrechte eintritt.
Auch der Neue Realismus, vertreten etwa durch den Philosophen Markus Gabriel, argumentiert für eine nüchterne Betrachtung der Wirklichkeit. KI wird hier weder als Allheilmittel noch als existentielle Gefahr begriffen, sondern als reale, materielle Technologie, die in ihrem Wirkungsspektrum verstanden und kritisch begleitet werden muss. „Die KI kann nicht philosophieren“, erinnert der Philosoph gerne sein Publikum.
Die Aufforderung zur „Technikoffenheit“ geht für ihn Hand in Hand mit dem Ruf nach epistemischer Bescheidenheit und ethischer Reflexion: Gott gehört zum Weltbild, der Mensch bleibt Subjekt der Wirklichkeit, KI ist ein Werkzeug. Allerdings sind kluge Philosophen wie Gabriel sich nicht ganz sicher, ob die Welt der Maschinen sich nicht eines Tages doch verselbständigen könnte.
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Haben die großen Weltreligionen etwas dazu zu sagen?
Was könnte die Bedeutung der großen Weltreligionen in diesem Diskurs sein? Ihre möglichen Rollen bleiben ambivalent: Einerseits können religiöse Traditionen als geistiges Gegengewicht fungieren, indem sie Fragen nach Sinn, Würde und Verantwortung jenseits technologischer Machbarkeit stellen.
Andererseits stehen auch sie vor der Herausforderung, sich dem digitalen Wandel nicht zu verschließen, sondern ihn kritisch und zugleich konstruktiv zu begleiten. Religiöse Argumentation trifft vor allem auf Vorbehalte, wenn sie mit profanen Machtinteressen paktiert.
Die muslimische Community, die in Europa lebt, ist sich hier der herausragenden Bedeutung der freien Zivilgesellschaft bewusst: Wie lebenswert wäre denn ein „islamischer“ oder „religiöser“ Staat, der beispielsweise die Möglichkeiten der KI anwendet, um die religiösen Gepflogenheiten und Tugenden seiner Bevölkerung zu überwachen? Man muss blind sein, um diese Abgründe nicht zu sehen.
Gemeinsam ist allen ethisch argumentierenden Positionen die Einsicht, dass KI als Technologie weder per se gut noch böse ist – wohl aber, dass ihr Einsatz weltbildprägend wirken kann. Technikoffenheit allein genügt daher nicht. Ihre Entwicklung und Einsatz verlangen nach einem geistigen Fundament, das sowohl Haltung als auch ethische Konzepte bereitstellt.
Nicht zuletzt wird auch die Frage nach Regulierung unvermeidlich: Als Mittel zur Begrenzung, aber auch als Ausdruck einer verantworteten Freiheit im Umgang mit der Technik.
Künstliche Intelligenz ist längst zu einem global wirkenden, kulturellen Faktor geworden. Sprachmodelle und KI-Systeme erzeugen Inhalte, die massenhaft rezipiert und in alltägliche Kommunikationsprozesse integriert werden. Damit beeinflussen sie oft unbemerkt das kollektive Weltbild.
Sie bestimmen, wie Zusammenhänge erklärt, wie Begriffe gefüllt und wie Probleme benannt werden. Diese Wirkung geht über rein technische Funktionalität hinaus: KI-Systeme schreiben Narrative fort, selektieren Informationen und prägen Interpretationsmuster.
Dieser kulturelle Einfluss wirft eine anthropologische Frage auf: Wie wird KI gesellschaftlich wahrgenommen? Bleibt sie bloßes Werkzeug oder beginnt sie, als eine Art „Anderer“ begriffen zu werden?
Schon heute ist zu beobachten, dass KI-gestützte Systeme als scheinbar autonome Gesprächspartner behandelt werden. Wer hat noch nicht in seinem Bekanntenkreis vernommen, dass man bessere, ausgewogenere Gespräche mit der Maschine führen kann als mit den meisten seiner Freunde?
Ungeklärt sind die Folgen, wenn KI-Plattformen Fragen von Muslimen beantworten und ihre Antworten in den sozialen Medien die Meinungshoheit erringen. Sicher ist nur: Die klassische Rolle der Moscheen als ein Ort der lebendigen, prägenden Wissensvermittlung gerät weiter unter Druck.
Wenn wir Muslime uns klar machen, wie wir uns künftig mit „Weisheit“ gegenüber der Technologie positionieren, können wir uns gleichzeitig den zahlreichen, faszinierenden Anwendungsmöglichkeiten zuwenden. Die Idee, Künstliche Intelligenz nicht nur als technisches Werkzeug, sondern als Träger ethischer Urteilsfähigkeit zu konzipieren, gewinnt zum Beispiel zunehmend an Bedeutung.
Dabei geht es weniger um das Ziel, Maschinen mit eigenem moralischem Bewusstsein auszustatten, sondern um die Programmierung von Systemen, die ethische Prinzipien in ihre Entscheidungsprozesse einbeziehen und berücksichtigen können.
Solche „ethisch denkenden KI-Agenten“ könnten in verschiedenen Anwendungsfeldern zum Einsatz kommen. In der Halal-Ökonomie könnten Agenten bspw. passende Investitionsmöglichkeiten analysieren und vorschlagen. In sensiblen Bereichen wie Asylverfahren oder Sozialleistungen könnten KI-Systeme dazu beitragen, automatisierte Entscheidungen nicht rein formalistisch, sondern unter Berücksichtigung menschlicher Würde und sozialer Gerechtigkeit zu gestalten.
Allgemeiner gefasst, lässt sich fragen: Teilen wir nicht die Hoffnung vieler Fachleute, dass mit bisher unbekannten technologischen Innovationen die Herausforderungen dieser Zeit zu lösen sind? Der Glaube an das gute Schicksal vereint heute Gläubige aller Facetten und eröffnet ganz neue Dialogformen.
Die Theologin Claudia Paganini zeigt in ihrem neuen Buch „Der neue Gott“ die letzten Berührungspunkte der Metaphysik mit dem Meta-Projekt der künstlichen Intelligenz. In ihrem Vergleich auf der Metaebene fehlt, auf der religiösen Seite, der Hinweis auf die Praxis der Weisheit, die Idee von Herzensbildung und die Bedeutung des Verhaltens.
Für sie ist es nicht überzogen „zu behaupten, dass sich die spirituelle Suche des Menschen im säkular-technisierten Zeitalter mehr und mehr in der Erfindung und Verehrung der KI konkretisieren wird“.
Mit der Anbetung einer Maschine wäre sicher kein Gipfel der Menschheitsgeschichte erreicht. Das Phänomen der Technik generell in Frage zu stellen, ist ebenso wenig eine Option.
Um so wichtiger wird es sein, zu zeigen, dass der Islam keine abstrakte Metaphysik ist, mehr als nur kalte Theologie lehrt, definitiv keine Ideologie anstrebt, sondern eine Lebenspraxis der Weisheit verkörpert. Unser Verhältnis zur offenbarten Sprache in Relation zur Systematik moderner Sprachmodelle zu erklären, gehört hier dazu.
Man weint nicht, wenn künstlich verfasste Texte vorgetragen werden. Nur mit Herz und Verstand ist die eigene Balance im Zeitalter der technologischen Revolutionen zu bewahren.
Künstliche Intelligenz (KI) entwickelt sich rasant und hinterlässt weltweit ihre Spuren. Ihre Implementierung birgt jedoch die Gefahr, dass sich die Kluft zwischen dem globalen Norden und Süden weiter vergrößert. (IPS). […]
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Künstliche Intelligenz, Sprache und Technologie stellen die Menschheit vor neue Herausforderungen. Aus islamischer Sicht stehen dabei Verantwortung, Maß und Wahrhaftigkeit im Mittelpunkt: Wie geht der Islam mit KI und neuer […]
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Faust 2.0 oder wie der CEO OpenAI-CEO Sam Altman die Zukunft formt – und fürchtet. (iz). Sam Altman ist nicht leicht zu fassen. Bei seinen öffentlichen Auftritten wirkt er bescheiden […]
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