Medien: Wie KI bei der Hetze hilft

Eine Firma aus dem Umfeld des AfD‑Bundesvorstands soll ein KI‑Werkzeug entwickelt haben, das automatisiert Wahlkampftexte und Social‑Media‑Posts für die Partei erzeugen soll.

28.07.2026 .Redaktion 3 Min. Lesezeit
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Foto: momius, Adobe Stock

(iz). Laut dem Projekt CORRECTIV hat das System undercover getestet und dokumentiert, wie sich mit wenigen Eingaben massenhaft AfD‑freundliche Inhalte generieren lassen – zugeschnitten auf bestimmte Zielgruppen und Themen.

Nach CORRECTIV‑Recherchen handelt es sich um eine Web‑Anwendung mit Login‑Bereich, die von einer Firma betrieben wird, deren Gesellschafter zugleich Mitglied des AfD‑Bundesvorstands ist. 

Nutzerinnen und Nutzer können dort Themen wie „Migration“, „Energiepreise“ oder „Klimapolitik“ auswählen, Tonfall und Plattform (etwa X, Facebook bzw. Instagram) festlegen und anschließend automatisch Textvorschläge generieren lassen.

Das System nutzt einen großen Sprachmodell‑Dienst als technische Grundlage und kombiniert ihn mit eigenen „Prompts“ und Vorgaben, die die Inhalte klar auf AfD‑Botschaften ausrichten. CORRECTIV beschreibt, dass das Tool etwa Schlagworte wie „Überfremdung“, „Altparteien“ oder „grüne Verbotspolitik“ wiederkehrend aufgreift und dabei eine einheitliche, parteifreundliche Linie produziert.

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Um das Werkzeug zu prüfen, meldeten sich CORRECTIV‑Mitarbeitende als angeblicher AfD‑Kreisverband an und erhielten Zugang zu der Beta‑Version des Systems. Sie ließen sich u.a Beiträge zum Thema Flüchtlingspolitik, zu „Gender‑Wahnsinn“ und zur Europawahl erstellen und dokumentierten, dass das Tool ohne erkennbaren Faktencheck emotionale und zugespitzte Formulierungen vorschlägt.

In einem Fall erzeugte die KI etwa einen Text, der vor einem angeblichen „Migranten‑Ansturm“ warnt und von „unkontrollierter Masseneinwanderung“ spricht, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Andere generierte Beiträge forderten einen „sofortigen Stopp der Klimarettungs‑Experimente“ und zeichneten ein stark vereinfachtes Bild der politischen Gegenspieler.

Die Entwicklerfirma ist laut Handelsregister direkt mit der AfD vernetzt: Einer der Verantwortlichen sitzt im Bundesvorstand, die Firma zählt zu den Dienstleistern der Partei. CORRECTIV berichtet, dass das Tool zunächst ausgewählten Strukturen zur Verfügung gestellt werden soll – etwa Kreis‑ und Landesverbänden –, um ihren Online‑Wahlkampf zu professionalisieren und zu vereinheitlichen.

Ziel sei es, „das Netz zu fluten“, wie eine interne Projektbeschreibung zitiert wird: Mit Hilfe der KI sollen in kurzer Zeit viele, formal unterschiedliche, inhaltlich aber eng an der AfD‑Linie orientierte Beiträge entstehen, die auf verschiedenen Kanälen ausgespielt werden können.

Das Tool bietet dafür Funktionen wie das Erstellen von Varianten eines Posts, das Anpassen der Textlänge für unterschiedliche Plattformen sowie das Ergänzen von Slogans und Hashtags.

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Die Recherchen zum neuen KI‑System fügen sich in ein bereits dokumentiertes Muster: Parteienforscher und Medien haben in den vergangenen Jahren gezeigt, dass die AfD überdurchschnittlich häufig KI‑generierte Bilder und Videos im Wahlkampf verwendet.

Kreisverbände warben etwa mit künstlich erzeugten Porträts angeblicher Neumitglieder oder nutzten KI‑Bilder, um aggressive Migranten, überzeichnete Klimaaktivisten oder nostalgische Szenen „traditioneller“ Familienwelten darzustellen.

Das von CORRECTIV untersuchte Text‑Tool erweitert diese Praxis um die systematische Produktion von sprachlicher Propaganda. Während bisher einzelne Politiker und Verbände KI‑Anwendungen nutzten, um visuelle Inhalte zu erstellen, dient das neue System dazu, Textbausteine für Wahlkampfbotschaften in Serie zu liefern – mit klarer inhaltlicher Ausrichtung und organisatorischer Anbindung an die Parteispitze.

Die Autorinnen und Autoren des CORRECTIV‑Berichts halten fest, dass bereits ein früher Test zeigt, wie leicht sich das Werkzeug für emotional aufgeladene und vereinfachende Botschaften einsetzen lässt.

Die Frage, wie und in welchem Umfang die AfD das System im kommenden Wahlkampf tatsächlich einsetzen wird, bleibt offen – die technische Infrastruktur dafür ist nachweislich vorhanden.