Was tun mit der Leere? Viele von uns dürften das kennen: Man hat mehrere Wochen, gar Monate auf ein Ziel oder die Etappe eines Projektes hingearbeitet. Nach dem erfolgreichen Abschluss […]
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Was tun mit der Leere? Viele von uns dürften das kennen: Man hat mehrere Wochen, gar Monate auf ein Ziel oder die Etappe eines Projektes hingearbeitet. Nach dem erfolgreichen Abschluss […]
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Regelmäßiges Gehen kann unsere Kreativität deutlich steigern – und zwar messbar, nicht nur gefühlt. (iz). Eine der wichtigsten Studien dazu stammt von der Stanford‑Psychologin Marily Oppezzo, deren Ergebnisse inzwischen breit […]
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Die Frage, ob es in einer ewigen Welt ohne Ziele und Herausforderungen langweilig werden kann, ist eine tiefgründige Frage, die sowohl Psychologie und Theologie als auch Existenzphilosophie berührt. (iz). Aus […]
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(iz). Der aktuelle Krieg und das unvorstellbare Grauen für die Zivilbevölkerung im Gaza-Streifen hat viele in Deutschland in vielfältiger Weise betroffen. Dazu gehören in erster Linie die Verwandten der Getöteten, Verletzten oder Verschleppten auf palästinensischer und israelischer Seite.
Nimmt man Empathie und Mitgefühl ernst, dann gilt ihnen Solidarität und der Wunsch, dass das Leiden ihrer Angehörigen und Freunde ein Ende haben möge.
Foto: Shutterstock, FooToo
Über diesen Aspekt hinaus sind JüdInnen in Deutschland und ihre Institutionen von antijüdischer Gewalt betroffen, die sich hier manifestiert hat. Nach Berichten öffentlicher Stellen kam es nach dem 7. Oktober zu einem massiven Anstieg antisemitischer Übergriffe. Berührt sind ebenso Angehörige der palästinensischen und arabischen Communitys.
Ein Teil stammt aus Palästina oder Israel; ein anderer aus einer Familie mit regionaler Fluchtbiografie. Sie sind nicht nur unmittelbar von Krieg, Terror und Gewalt betroffen. Sondern werden von Generalverdächtigungen und Assoziationslogiken im öffentlichen Diskurs berührt. Viele haben in den letzten Wochen eine deutliche Enttäuschung über den bundesdeutschen Umgang mit ihnen und ihren Perspektiven geäußert.
Im weiteren Sinne sind muslimische Gemeinschaften und ihr Verhältnis zur sogenannten Mehrheitsgesellschaft tangiert. Sie selbst und kritische nichtmuslimische Stimmen sind vielfach an die düsteren Monate und Jahre nach 9/11 erinnert (vgl. S. 14).
Manche Forderungen und Positionen der Politik mit dem organisierten Islam, die schon überwunden schienen, werden von Ampelkoalition und Opposition erneut hervorgeholt.
Um Missverständnissen vorzubeugen: Der Text bezieht sich selbstverständlich nicht auf die Situation der Zivilbevölkerung vor Ort. Was sie braucht, liegt auf der Hand: ein sofortiges Ende von Krieg und Gewalt, Nothilfe und langfristige Versorgung, Perspektiven für ein menschenwürdiges Leben und endlich eine tragfähige (Auf-)Lösung des Nahostkonflikts.
Foto: wohislimos, Unsplash
Dieser Krieg (wie frühere Ereignisse und Krisen) bringt Belastungen und Stress für Individuen und Communitys mit sich. Hinzu kommt, dass der Umgang mit einer Flut negativer Nachrichten (siehe S. 23) auch für die körperliche, emotionale und geistige Gesundheit ungesund ist. Zudem zeigt sich nicht erst seit dieser Krise, dass eine emotions- und affektgesteuerte Verarbeitung weder nachhaltig noch produktiv ist.
Meine Grundthese lautet: Wir brauchen (individuell und kollektiv) einen Rückgriff auf Traditionen (s. S. 19) des Umgangs mit Krisen- und Belastungsmomenten. Finden wir sie nicht, müssen wir sie suchen, adaptieren und neu erfinden. Ich bin der Überzeugung, dass uns derzeit drei wesentliche Elemente für einen gesunden Umgang mit Krisen und Negativität fehlen: Sublimierung, Katharsis und Ekstase (im erlaubten Sinne).
Auch hier bedarf es einer Erklärung: Dieser Text ist nicht eskapistisch. Weder soll er zur Weltflucht motivieren, noch bedeutet er, die Wirklichkeit durch eine „rosarote Brille“ zu betrachten. Nein, die Dinge sind, wie sie sind.
Was sich meiner Meinung nach ändern muss, ist die Weise, wie wir sie interpretieren und ob wir zulassen, dass die in ihnen enthaltene Negativität und Gewalt unser innerstes Dasein und Selbstverständnis beeinträchtigen.
Man möge mir den kruden biologischen Vergleich verzeihen: Als sozialer Organismus muss sich die Reaktion (und das verbundene Verhalten) auf diese Form von äußerem Stress ändern. Sonst bleiben wir bei unbewussten und für uns ungesunden Affekten.
„Wohin geht ihr also?“ (At-Takwir, Sure 81, 26)
Als Muslime wissen wir, dass jeder von Allahs Dienern entsprechend seiner Fähigkeit geprüft wird: „Allah erlegt keiner Seele mehr auf, als sie zu leisten vermag.“ (Al-Baqara, Sure 2, 286) Einige Prüfungen sind bekannt. Dazu gehört die gegenwärtige schmerzliche Situation in muslimischen Ländern. Aber auch die der Gesellschaften, in denen wir leben.
Für dieses Wissen und andere Aussagen (z.B. dass mit der Bedrängnis auch die Erleichterung kommt) gilt, dass sie nicht instrumentalisiert werden dürfen, um die Auseinandersetzung mit der Realität zu vermeiden oder auszublenden.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es neben solchen Versen und/oder Hadithen eine Person braucht, die sie verwirklicht. Wer in einer kleinbürgerlichen Existenz lebt, kann diese Wahrheiten zwar aussprechen, aber kennt ihre Wirklichkeit nicht.
Wenn Allah in dem obigen Vers sagt „Allah erlegt keiner Seele mehr auf, als sie zu leisten vermag“, dann heißt das nicht nur, dass Er uns nicht über das Maß hinaus etwas auferlegt, das wir zu tragen vermögen. Sondern zugleich, dass es Prüfungen gibt. Das gehört zur Existenz. Wir können sie weder „wegdenken“ noch in falsch verstandener Innerlichkeit leugnen.
Auch das ist für heutige Muslime ein schwieriger Gedanke: Allah offenbart sich in Seinen schönen UND Seinen majestätischen Namen. In der Nachfolge Seines edlen Gesandten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, dürfen wir nie vergessen, dass Allah in Seiner Schöpfung regiert.
Bei der Vorbereitung dieser Ausgabe bin ich auf ein Zitat des verstorbenen türkischen Sufis Seyyid Ahmet Arvâsî gestoßen, das die „condition humaine“ unserer Zeit beschreiben könnte: „Der Mensch wird unvermeidlich deprimiert sein. Das ist ein normaler Teil seines Lebens. Es ist das Phänomen, innere Energie zu sammeln und sie nutzbar zu machen. Abnormal ist die Unfähigkeit, die Depression zu sublimieren, oder der Versuch, sich nicht depressiv zu fühlen.“
Wenn es um die Beschäftigung mit kollektiven Prüfungen und Herausforderungen dieser Welt geht, wie es der Nahostkonflikt oder die Diskriminierung von Minderheit in Europa der Fall ist, fällt in der muslimischen Sphäre ein Aspekt auf: Mit wenigen Ausnahmen werden wir zu funktionalen Atheisten. Was bedeutet das? Wir verstehen Leid, Krieg oder Muslimfeindlichkeit als diesseitige, sichtbare Phänomene ohne dazugehörige Transzendenz.
Werden MuslimInnen angesprochen, dann meist unter identitätspolitischen Gesichtspunkten. Das Göttliche kommt kaum oder nur als Anrufung eines vermeintlich Abwesenden vor. Die Folgen sind, wie oben angedeutet, eher negativ. So schleichen sich Depression, Verzweiflung und Ressentiment in den Kern muslimischer Existenz.
Der amerikanische Denker Sherman Jackson beschreibt in seinem Buch „Islam and Problem of Black Suffering“ einen anderen Weg. Er befasst sich mit der komplexen Schnittmenge zwischen Allahs Din und der Erfahrung des Schwarzen Leidens. Er setzt sich mit den wichtigsten Schulen der Glaubenslehre auseinander, um deren Perspektiven auf menschliches Handeln, göttliche Gerechtigkeit und den Sinn der Bedrängnis zu analysieren.
Der muslimische Intellektuelle untersucht dabei „Fitra“, der inhärenten Güte aller Menschen in der islamischen Tradition und argumentiert, dass dieses Konzept die angeborene Würde und den Wert von Schwarzen bekräftigt und den entmenschlichenden Auswirkungen von Rassismus und Unterdrückung entgegenwirkt.
Im Buch betont Jackson die Rolle von Community und des sozialen Handelns in der Überwindung des Leidens. Er stützt sich auf die Begriffe „Umma“ (Gemeinschaft) und „Schura“ (Beratung), um für gemeinsame Anstrengungen zur Bekämpfung von Rassismus, Armut und anderen Formen der Ungerechtigkeit zu plädieren.
Ein wichtiger Anfang ist Erkenntnis einer ungesunden Situation. Zuerst muss man sich bewusst werden, dass etwas falsch läuft. Dazu gehört das Eingeständnis seiner Existenz. Und dann danach suchen, was nicht stimmt. Resilienz (siehe S. 23) kann beispielsweise durch Sublimation erreicht werden. Dabei werden Impulse, die das Wohlbefinden bei ständiger Belastung gefährden, in konstruktive Verhaltensweisen umgewandelt. Das ist ein Weg, negative Emotionen zu bewältigen, Stress abzubauen und Wachstum zu fördern. Dies kann auf natürliche Weise geschehen. Es gibt aber auch Strategien, die bewusst eingesetzt werden können.
Eine davon ist künstlerischer Ausdruck. Er bezieht sich hier auf den Prozess, Erfahrungen, Gefühle und Gedanken in kreative Ausdrucksformen umzuwandeln. Kunst wird so zu einem Medium der Sublimierung von Emotionen, indem sie diese in greifbare Formen umwandelt, die von anderen geteilt und verstanden werden können.
Bis zur „große[n] Weißung“ (E. Jünger) des modernen Kapitalismus hatten Gemeinschaften, die ihrer Fitra nahe blieben, Rituale und Traditionen, die dies ermöglichten. Heute müssen wir sie suchen. Ein Beispiel ist die Musik der Schwarzen in den USA. Gospel, Blues und Jazz wuchsen in der Auseinandersetzung mit Sklaverei und hundert Jahren Rassentrennung. Sie entstanden als urtümlicher Ausdruck, angesichts der permanenten Tyrannei die innere Freiheit und Freude nicht zu verlieren – ja, überhaupt am Leben zu bleiben.
Mit Sublimation wird ein Prozess der Läuterung und Reinigung assoziiert. Es handelt sich um ein psychologisches und literarisches Konzept, das sich auf die Veränderung der Gefühlslandschaft vor allem durch Kunst bezieht.
Der Begriff stammt aus dem Griechischen. Wichtig ist dabei, dass mit Gefühlen nicht nur etwas Abstraktes gemeint ist, sondern auch der körperliche Aspekt unserer Existenz, der sich – meist unbewusst – mit Emotionen auseinandersetzen muss.
Der Begriff wurde erstmals von Aristoteles in seinem Werk „Poetik“ eingeführt. Er vertrat die Ansicht, dass die Tragödie durch die Darstellung von Leid, Mitleid und Angst beim Publikum ein kathartisches Erleben hervorrufen könne. Durch diese Erfahrung würden diese Emotionen freigesetzt, was zu einem Gefühl der emotionalen Reinigung und Erleichterung führe.
Was für die antiken Griechen die Geburt der Tragödie war, durch die sie u.a. ihren archaischen Drang zum Menschenopfer überwanden (vgl. IZ Nr. 341), muss sich heute erweisen. Eines davon kann Musik sein.
So wussten Muslime seit frühester Zeit, dass und welche Zustände (Maqamat) ihre Entsprechung in der menschlichen Psyche haben. Auch der Dienst am Nächsten (arab. khidma) und seine Bevorzugung (arab. ithar), die in der Futuwwa praktiziert werden, haben kathartische Wirkung.
Wenn wir von „Ekstase“ sprechen, meinen wir nicht den verbotenen Rausch durch Substanzen, die haram sind. Es geht, in der Sprache der Sufis, um den „Wein, der nicht betrunken macht“ oder den „nüchternen Rausch“.
Diese Momente müssen nicht auf einen „Sufismus“ beschränkt sein. Aber was wir zweifellos brauchen, kommt in Schillers „Ode an die Freude“ zum Ausdruck, wo es zum Beispiel heißt: „Freude heißt die starke Feder. In der ewigen Natur, Freude, Freude treibt die Räder in der großen Weltenuhr“.
Um lebendig zu sein, müssen wir die blockierten Energien in uns freisetzen. So wie die Schwarzen den Blues sangen, um am Leben zu bleiben, brauchen wir einen solchen „wilden Lebensimpuls“, wie Schaikh Dr. Abdulqadir vor Jahren in einem Text über Ägypten schrieb. Mit dieser Lebensenergie, die aus der Gemeinschaft und der Freude des Dhikr erwächst, wird Handeln erst möglich.

(iz). Wenn der Mensch auf sein Herz und sein Gewissen hört, weiß er oft, was richtig und was falsch ist. So sagte eins der Prophet Muhammed, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden: „Höre auf dein Herz. Das Gute ist das, was dir unbeschreibliche Erleichterung und Glücksgefühle verschafft, wenn du es tust. Das Böse hingegen ist etwas, das etwas in dir zerstört und ruiniert, auch wenn die Leute hierfür eine Fatwa geben (und sagen, es sei das Richtige).“ (Darimi)
Trotzdem entscheidet sich der Mensch manchmal bewusst für das Falsche. Diese Spannung zwischen Erkenntnis und Handlung ist alt. Sie zieht sich durch alle Religionen, Philosophien und psychologischen Modelle. Besonders im Glaubensleben wiegt sie aber schwer.
Hier stellt sich nämlich die Frage, warum ein Gläubiger bewusst sündigt, obwohl er an eine jenseitige Strafe glaubt und das Paradies ersehnt? Warum entscheidet er sich also für etwas, das ihm langfristig schadet?
Um diese Fragen zu verstehen, müssen wir uns mit der Psychologie des Menschen selbst beschäftigen. Mit seinen Widersprüchen, seiner Schwäche, seinen Trieben und seinem Verstand. Und mit der Tatsache, dass der Mensch nicht immer ein rationales Wesen ist.
Said Nursi, ein islamischer Gelehrter des 20. Jahrhunderts, bringt es auf den Punkt. In einem seiner zentralen Werke beschreibt er das menschliche Innenleben so:
„Da die menschliche Triebseele einen winzigen Augenblick des Vergnügens dem vielfachen Lohn eines zukünftigen Vergnügens vorzieht, so fürchtet sie sich auch vor einem unmittelbar drohenden Schlag mehr als vor einem Jahr einer künftigen Strafe. Und wenn zudem den Menschen seine Gefühle überwältigen, hört er nicht mehr auf die Erwägungen seines Verstandes. Seine Begierden und Illusionen beherrschen ihn und so zieht er das kleinste und bedeutungsloseste gegenwärtige Vergnügen selbst noch einer außerordentlich großen Belohnung in der Zukunft vor. Und er flieht vor einer geringen gegenwärtigen Unbequemlichkeit mehr als vor einer fürchterlichen künftig drohenden Qual. Denn Begierden, Illusionen und Emotionen kennen keine Zukunft, vielmehr leugnen sie diese. Und wenn die Triebseele sie auch noch unterstützt, schweigen das Herz als Sitz des Glaubenslebens und auch der Verstand und erklären sich für besiegt.“ (Nursi, k.A., S. 148)
Er beschreibt hier ein psychologisches Phänomen, das heute als „Belohnungsaufschub“ bekannt ist. Es meint die Fähigkeit, eine sofortige kleine Belohnung aufzuschieben, um später eine größere zu bekommen. Genau diese Fähigkeit fehlt oft in Momenten der Schwäche. Das erklärt, warum Menschen sich für das Falsche entscheiden, auch wenn sie wissen, dass es ihnen langfristig schadet.
Foto: Jochen Tack, imago
Die berühmteste Studie zum Thema ist das „Marshmallow-Experiment“ an der Stanford University aus den 1970er-Jahren. Kinder bekamen die Wahl: einen Marshmallow jetzt oder zwei, wenn sie etwas warten.
Viele konnten nicht warten. Sie aßen sofort. Nur rund 30 % der Kinder schafften es, zu warten (Mischel, Ebbesen, 1970). Spätere Studien zeigten, dass diejenigen, die warten konnten, als Erwachsene erfolgreicher und stabiler waren. (Shoda, Mischel, Peake, 1990)
Auch in der Neuropsychologie ist bekannt, dass das limbische System, zuständig für Emotionen und kurzfristige Reize, sofort aktiviert wird, wenn eine Versuchung auftritt. Der präfrontale Kortex, der für langfristige Planung zuständig ist, braucht länger. In der Zeit, in der das Gehirn noch abwägt, hat der Mensch sich oft schon entschieden.
Daher erscheinen die Bestrafung im Jenseits und die Belohnung im Paradies dem Menschen zu fern. Sie sind wie Zukunftsversprechen, die keine Wirkung mehr entfalten, wenn die Versuchung direkt vor ihm steht. Ein Klick, ein Blick, ein Wort, das reicht, um Vernunft und Glauben zu übertönen.
Eine zweite Komponente bei der Wahl des Falschen ist, dass dies immer leichter ist, als das Gute zu tun. Hierzu schreibt Nursi, „dass der Weg allen Übels und aller Leidenschaften, da er die Zerstörung ist, auch besonders einfach ist. […] (Versuchungen) leiten die Menschen rasch auf diesen Weg.“ (Nursi, k.A., S. 148)
Es ist in der Tat viel einfacher das Falsche zu tun, als das Gute zu tun. Das Böse braucht keine Anstrengung. Es fließt aus dem Menschen, wenn er loslässt. Gutes hingegen verlangt Disziplin, Bewusstsein, Opferbereitschaft. Eine gute Tat braucht Planung, Kraft, Geduld. Eine Sünde passiert beiläufig.
Dazu kommt die zerstörerische Rolle der Gesellschaft, wenn schlechte oder kriminelle Taten verharmlost oder normalisiert werden. Dadurch wird der Mensch ständig in Versuchung geführt. Wenn er nicht wachsam ist, driftet er ab, ohne es zu merken.

Foto: Freepik.com
Wichtig ist hier jedoch auch, dass „Sünden nicht aus einem Mangel an Glauben, sondern infolge einer Niederlage von Herz und Verstand, weil die Gefühle, Begierden und Illusionen die Oberhand gewonnen haben“, entstehen. (Nursi, k.A., S. 148)
Der Glaube ist also da, aber er schweigt. Die Gefühle haben gesiegt. Diese Erkenntnis ist wichtig. Sie zeigt, dass Sünde nicht immer ein Ausdruck von Leugnung ist. Oft ist sie Ausdruck von menschlicher Schwäche, von einem kurzen Moment der Überforderung.
Wer das versteht, kann barmherziger mit sich selbst und anderen sein. Aber auch entschlossener in der Bekämpfung der eigenen Neigungen. Denn die Triebseele will nicht warten. Sie will jetzt.
Ein Gläubiger sündigt, obwohl er glaubt. Das liegt nicht an fehlender Überzeugung, sondern an der Natur seiner Psyche. Der Mensch zieht das Jetzt dem Später vor. Er fürchtet sich mehr vor dem Schmerz im Moment als vor der Strafe in ferner Zukunft. Er lässt sich überwältigen von Trieben, die keinen Morgen kennen. Daher zieht er das augenblickliche und vergängliche Vergnügen dem ewigen und unendlichen Vergnügen in der Zukunft vor.
Die Religion zeigt diesen Mechanismus. Sie warnt nicht nur vor der Sünde, sondern erklärt auch, warum wir zu ihr neigen. Wer dies versteht, kann bewusster leben. Und vielleicht beim nächsten Mal standhalten.
Seelsorge: Ein soziologisch und religionspsychologisch fundierter Beitrag von Dr. Cemil Şahinöz. (iz). Inmitten einer Gesellschaft, die sich zunehmend an Effizienz, Funktionalität und Selbstoptimierung orientiert, gerät etwas zutiefst Menschliches immer mehr […]
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(iz). Er sprach nicht in Schablonen und antwortete nicht mechanisch. Wer ihn etwas fragte, bekam keine Standardantwort. Er hörte zu, beobachtete, spürte, was der Fragende brauchte. Und dann sagte er, was in genau diesem Moment für genau diesen Menschen wichtig war.
Einmal kam ein Mann zum Propheten und wollte wissen, welche Tat die beste sei. Der Prophet sagte, das pünktliche Gebet sei die wichtigste (Bukhari, 527). Ein anderer kam mit einer ähnlichen Frage und der Prophet sagte diesmal, es sei, die Eltern gut zu behandeln (Muslim, 2549). Wieder ein anderer fragte und diesmal antwortete er, sich mit seinem Leben und seinem Besitz für die Sache Gottes einzusetzen (Bukhari, 2786).
Während des Fastens fragte ein Mann den Propheten, ob jemand, der fastet, seine Frau umarmen (Anmerkung: evtl. auch küssen) darf, und er gab ihm die Erlaubnis. Aber als ein anderer Mann zu ihm kam und ihn fragte, verneinte er es. Derjenige, dem er die Erlaubnis gab, war ein alter Mann, und derjenige, dem er es verneinte, war ein junger Mann (Abu Dawud, Savm, 35, 2387), bei dem er wohlmöglich befürchtete, dass dieser unwillentlich sein Fasten brechen würde.
Foto: Joe Houghton
Wer nur nach der oberflächlichen Logik fragt, warum die Antworten unterschiedlich ausfielen, übersieht das Entscheidende. Der Prophet kannte sein Gegenüber. Er wusste, was im Herzen vorging, was das Leben des Fragenden prägte, wo seine Schwächen lagen und wo seine Stärken.
Der Prophet passte seine Antwort der seelischen Verfassung des Menschen an. Er sprach nicht in Regeln, er lebte Beziehung. Wer viel betete, aber seine Eltern vernachlässigte, bekam keine Ermutigung zum Gebet, sondern wurde an seine Eltern erinnert. Jeder bekam nicht das, was er hören wollte, sondern das, was er brauchte und hören musste.
All diese Antworten haben etwas gemeinsam. Sie sind keine standardisierten Empfehlungen, sondern individuell abgestimmte Wegweiser. Der Prophet hörte nicht nur die Worte der Fragenden, sondern spürte, was hinter diesen Worten lag.
Er verstand, dass dieselbe Frage aus ganz unterschiedlichen Beweggründen gestellt werden kann. Einer fragt aus Angst, ein anderer aus Zweifel, ein dritter aus echter Sehnsucht.
Der Prophet antwortete nicht auf die bloße Formulierung, sondern auf den Menschen, der vor ihm stand. Seine Antwort spiegelte nicht nur den Inhalt der Frage, sondern auch den inneren Zustand des Fragenden.
Was er sagte, war daher nicht einfach ein Regelwerk zum Abhaken, sondern eine Einladung zur persönlichen Entwicklung. Er sah nicht nur den äußeren Rahmen, sondern erkannte, was die Seele des Menschen gerade brauchte.
Foto: Drazen, Adobe Stock
Dem einen empfahl er das Gebet zur rechten Zeit, weil er spürte, dass dieser Mensch Struktur und Verlässlichkeit brauchte. Dem anderen sagte er, er solle seine Eltern gut behandeln, weil er erkannte, dass hier familiäre Bindung und Dankbarkeit heilend wirken würden. Und einem dritten empfahl er den Einsatz auf dem Weg Gottes, weil in ihm Kraft und Entschlossenheit schlummerten, die ein Ziel brauchten.
Der Prophet, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, reagierte also nicht mit allgemeinen Prinzipien, sondern mit tiefem Verständnis. Er war nicht bloß ein Lehrer von Vorschriften, sondern ein feinfühliger Seelenführer.
Wer zu ihm kam, wurde gesehen. Nicht nur gehört. Das macht seine Antworten so menschlich und zugleich so überzeitlich. Sie berühren, weil sie aus einer Haltung echter Zuwendung und innerer Klarheit stammen.
Der Prophet wirkte nicht wie ein Lehrer, der Formeln erklärt. Er war ein Begleiter, der hinschaute. Seine Methode war das Zuhören. Sie war das Wahrnehmen des Augenblicks. Seine Worte waren wie Medizin. Nicht jeder bekam die gleiche Dosis. Nicht jeder das gleiche Mittel.
Wer sein Verhalten wirklich verstehen will, muss ihn als Seelsorger sehen, nicht als Regelgeber. Als jemand, der den Menschen in seiner Tiefe begegnete. Der Prophet behandelte nicht die Frage, sondern den Fragenden.
Der Prophet Muhammed, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, war kein Theoretiker. Er war kein moralischer Befehlshaber. Er war ein Lehrer des Herzens. Ein Mensch, der in den Augen seines Gegenübers las.
Seine Antworten waren Wege, die individuell zum Guten führten. Wer ihn verstehen will, muss zuhören lernen wie er. Und erkennen, dass gleiche Fragen nicht gleiche Antworten brauchen, sondern ein aufrichtiges Verstehen dessen, der sie stellt.
Hintergrund: Haben Sie schon einmal zu jemandem „Ich hasse dich“ gesagt? Oder in einem beiläufigen Gespräch das „H“-Wort benutzt wie „Ich hasse Brokkoli“? Was fühlen Sie wirklich, wenn Sie sagen, […]
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Katze im Haus können das Gefühl der Einsamkeit verringern und das Wohlbefinden steigern. (Amaliah.com). Stellen Sie sich vor, Sie kommen nach einem anstrengenden Arbeitstag nach Hause und werden an der […]
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Verschwörungsmythen: Wer an sie glaubt, muss verrückt sein. Ganz so einfach ist es jedoch nicht. (iz). Nicht jeder, der an Verschwörungsmythen glaubt, ist psychisch krank. Warum aber geben sich diese […]
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