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IZ-Wochenschau: Wer bedroht unsere Sicherheit?

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Von Hamburg bis zu unbeteiligten Zivilisten. Eine Wochenschau mit Blick auf das, was in der Woche wichtig war oder werden könnte.

Berlin (iz, dpa). Die Debatte über mögliche inhaltliche und ideologische Verbindungen der AfD zu Regimen wie dem russischen und dem chinesischen ist in den vergangenen sieben Tagen weitergegangen. Auslöser waren Enthüllungen europäischer Geheimdienste, wonach die Europaabgeordneten Bystron und Krah Gelder von moskautreuen Oligarchen erhalten haben sollen.

Weitere Vorwürfe gegen den EU-Abgeordneten Krah wurden in Folge geäußert: Ein Mitarbeiter wurde nun unter dem Vorwurf der Spionage für Peking verhaftet. Neben der Weitergabe sensibler Informationen aus dem Umfeld des EU-Parlaments soll der Deutsch-Chinese auch chinesische Oppositionelle ausspioniert haben.

Für den „Spiegel“ und andere passt die Affäre um den AfD-Politiker zu dessen angeblicher Nähe zu Peking und dessen Interessen.

Wer gefährdet unsere Sicherheit?

Die Enthüllungen sind eingebettet in weitere Festnahmen von Verdächtigen, die für Moskau unter anderem in der Bundeswehr spioniert haben sollen. Inzwischen sind mehrere Verfahren anhängig.

Auch im fränkischen Bayreuth wurden zwei mutmaßliche russische Saboteure festgenommen. Das BKA, das die Festnahme angeordnet hatte, wirft ihnen vor, US-Stützpunkte zu Sabotagezwecken ausgekundschaftet zu haben. Noch dramatischer ist die Tat eines russischstämmigen Mannes, der zwei ukrainische Soldaten erstach. Diese befanden sich zur Rehabilitation von Kriegsverletzungen im bayerischen Murnau.

Vorfälle wie dieser und die Vorwürfe gegen bekannte AfD-Größen werfen nach zwei Jahrzehnten die Frage auf, ob die Obsession der inneren Sicherheitsbehörden mit den Muslimen im Land nicht die Fähigkeit zur Abwehr realer Gefahren behindert hat. Ein Text dazu findet sich im Archiv:

Welche Gefahr geht von politischen Bewegungen aus?

Zwei scheinbar skurrile politische Bewegungen machen derzeit von sich reden. Am Montag begann einer von mehreren Prozessen gegen Angehörige der Reichsberger Szene. Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen wird den Mannen um Prinz Reuß in Stuttgart-Stammheim vorgeworfen, einen gewaltsamen Umsturz geplant zu haben. Einer der größten Prozesse dieser Art in der Bundesrepublik. Mehr zu dieser Szene hier: https://islamische-zeitung.de/hintergruende-wer-sind-die-reichsbuerger/

Von größerer Bedeutung für die deutschen Muslime ist eine Hamburger Demonstration aus dem Umfeld von Hizbutahrir. Nach Mobilisierung der Gruppe Muslim Interaktiv kamen über 1.000 Teilnehmer in den Hamburger Stadtteil St. Georg (im Februar 2023 konnte sie noch die 3,5-fache Teilnehmerzahl aufbringen). Parolen wie „Das Kalifat ist die Lösung“ wurden gerufen.

Die Aktion rief in der politischen Öffentlichkeit die erwarteten Reaktionen hervor. Unionspolitiker wie Alexander Throm kritisierten sie mit scharfen Worten. Es folgten – ebenfalls nicht überraschend – Forderungen nach Gesetzesverschärfungen, Verboten und natürlich Abschiebungen.

Bereits am 28. April nannte Bundesinnenministerin Faeser (SPD) diese Demonstration, die allerdings nicht von den Polizeibehörden aufgelöst wurden, als „schwer erträglich“. Am Dienstag legte sie in einem Interview mit „Bild“ nach: „Unser umfassendes Gesetzespaket für mehr Abschiebungen ist jetzt in Kraft. Das ermöglicht, Islamisten und Antisemiten ohne deutschen Pass schneller auszuweisen und abzuschieben.“

Was in der aktuellen Debatte unbeachtet bleibt: Gruppierungen aus dem Umfeld von Hizbutahrir greifen vor allem Muslime an. Lokale muslimische Vertreter aus westdeutschen Großstädten bestätigen, nicht nur persönlich verbal attackiert zu werden. Der Ton des Netzwerks gegenüber Mainstream-Muslimen habe sich radikalisiert. Dass diese nicht namentlich genannt werden wollen, zeigt die Brisanz des Themas für deutsche Muslime. Inzwischen hat sich die Schura Hamburg mit einer Stellungnahme zu Wort gemeldet: https://islamische-zeitung.de/schura-hamburg-zur-hizbutahrir-demo/

Afrika: Was taugt eine „multipolare“ Weltordnung?

Seit Jahren wird auf der internationalen Bühne vom Ende des „amerikanischen Jahrhunderts“ gesprochen. Nicht nur das Entstehen von Bündnissen wie den BRICS-Staaten, sondern auch der Krieg in der Ukraine und die Spannungen im Südchinesischen Meer seien Anzeichen dafür.

Schwere Schläge erhält die bisherige Weltordnung durch das seit Monaten anhaltende Verhalten westlicher Regierungen – von Washington bis Berlin – gegenüber dem entsetzlichen Leiden der palästinensischen Zivilbevölkerung in Gaza. Das Schweigen gegenüber der gegenwärtigen israelischen Regierung stehe – so viele Stimmen im „globalen Süden“ – für den Zusammenbruch westlicher Außenpolitik. Als Alternative wird seit Monaten eine „multipolare Weltordnung“ beschworen und als Lösung gepriesen.

Wie sich Konflikte ohne westlichen Hegemon gestalten können, zeigen derzeit afrikanische Regierungen. Nach militärischen Machtübernahmen in Westafrika kündigten Staaten wie Niger, Mali oder Burkina Faso bisherige Verträge mit Frankreich. Das wurde als Beispiel eines neuen Selbstbewusstseins der ehemaligen Kolonien von Paris gefeiert.

Was keiner Militärjunta gelungen ist: Die grassierende Gewalt und den Terror in ihren Ländern einzudämmen. Schlimmer noch: In Mali werfen Menschenrechtler der Regierung vor, nichts gegen Menschenrechtsverletzungen durch die russische Söldnertruppe Wagner zu unternehmen. Und in Burkina Faso soll es zu einem Massaker der Armee unter Zivilisten gekommen sein: https://islamische-zeitung.de/burkina-faso-vorwuerfe-massaker-armee-junta/

Auch aus dem Gegen-die-Bürger-Krieg im Sudan kommen erneut drastische Warnungen vor einer Vergrößerung des menschlichen Elendes. Die sich bekriegenden Konfliktparteien der Streitkräfte (SAF) sowie der rivalisierenden RSF-Truppen haben die derzeit größte Fluchtbewegung ausgelöst. Der massenhafte Hunger steigt nach Angaben von Hilfsorganisation weiter an. Hinter den Generälen stehen keine westlichen Staaten, sondern nahöstliche Regierung sowie Russland.

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Hintergründe: Wer sind die Reichsbürger?

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Am 7. Dezember hat die Polizei 25 Personen verhaftet. Nach weit mehr als 120 Hausdurchsuchungen wurde ihnen die Planung eines Staatsstreiches zur Last gelegt. Insgesamt laufen laut Behörden Ermittlungen gegen […]

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Jeder Zweite sieht eine Gefahr in ihnen: Wer sind die Reichsbürger?

Polizei Gewalt

Am 7. Dezember hat die Polizei 25 Personen verhaftet. Nach weit mehr als 120 Hausdurchsuchungen wurde ihnen die Planung eines Putsches zur Last gelegt. Insgesamt laufen laut Behörden Ermittlungen gegen mehr als 50 mutmaßliche Mitglieder des Netzwerkes Ermittlungen. Von Claire Burchett

(The Conversation/iz/dpa). Die Gruppe wird beschuldigt, Heinrich XIII. Prinz Reuß (den Angehörigen eines alten Adelsgeschlechts) durch einen Staatsstreich an die Macht bringen zu wollen. Unter den Festgenommenen waren auch „Reichsbürger“. Hierbei handelt es sich um eine formlose Bewegung von Netzwerken und Einzelpersonen, von denen viele rechtsextreme Ansichten haben. Sie wurden schon früher von Gewalttaten abgehalten. Aber dieser jüngste Vorfall und sie haben größere Besorgnis ausgelöst.

Eine „ernste Gefahr“ für die Ordnung

Etwa die Hälfte der deutschen Bevölkerung glaubt, dass von sogenannten Reichsbürgern eine ernste Gefahr für die Demokratie und ihre Repräsentanten ausgeht. Bei einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov aus dem Jahre 2016 vertraten 53 Prozent der Teilnehmer diese Ansicht. 31 Prozent der Befragten sehen eine solche Gefahr nicht. 15 Prozent der Teilnehmer der repräsentativen Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur äußerten sich zu dieser Frage unentschieden.

Im Westen wird die Gefahr den Angaben zufolge etwas größer eingeschätzt als im Osten Deutschlands. Während im Westen rund 56 Prozent der Bevölkerung der Ansicht sind, dass diese Extremisten eine ernste Gefahr für die Demokratie und ihre Repräsentanten sind, glauben das in den neuen Bundesländern nur 44 Prozent der Menschen.

Dass Reichsbürger auch für sie selbst eine Bedrohung darstellen könnten, denkt nur eine Minderheit. 63 Prozent der Menschen in Deutschland sehen ein solches persönliches Risiko laut Umfrage nicht. Knapp jeder fünfte (19 Prozent) gab an, er fühle sich durch diese Extremisten etwas bedroht. Lediglich sieben Prozent der erwachsenen Bürgerinnen und Bürger sind der Meinung, dass Reichsbürger für sie persönlich sehr bedrohlich seien.

Ein Adliger und eine Richterin

Unter den Verhafteten befand sich eine frühere Bundestagsabgeordnete der AfD, die bis zu ihrer Verhaftung Richterin in Berlin war. Birgit Malsack-Winkemann vertrat die Partei von 2017 bis 2021. Darüber hinaus wurden mehrere ehemalige und aktive Soldaten im Zusammenhang mit Putschvorbereitungen verhaftet. Dies gibt den Ermittlungsbehörden Anlass zu großer Sorge, da solche Verbindungen gefährlichen Extremisten Zugang zu Waffen und ausgebildeten Personen verschaffen könnten.

Anfang 2022 wurde Reuß von Medien als der Reichsbürgerszene nahestehend und Anhänger von Verschwörungstheorien bezeichnet. Das veranlasste seine Familie, sich öffentlich von ihm zu distanzieren. Abgesehen von einer Rede im Jahr 2019 auf der WorldWebForum-Konferenz in der Schweiz, die eine antisemitische und geschichtsrevisionistische Botschaft enthielt, wurde er kaum bekannt. Die Beteiligung eines Aristokraten spricht für die monarchistischen Beweggründe einiger Reichsbürger, die wieder einen Kaiser als Staatsoberhaupt einsetzen wollen.

Keine zentralisierte Struktur, aber gemeinsame Überzeugungen

Die Reichsbürger haben keine zentralisierte Struktur, aber nach neuesten Zahlen mindestens 23.000 Anhänger. Ihre wichtigste Überzeugung ist, dass der derzeitige deutsche Staat sowie seine Institutionen und demokratisch gewählten Vertreter nicht legitim sind. Sie verweigern sich der Anerkennung staatlicher Autorität, wenn es beispielsweise um Steuern geht. In der Pandemie wurden sie berüchtigt, da sie sich der Einhaltung von COVID-19-Beschränkungen verweigerten.

Einige halten offizielle Dokumente wie Personalausweis und Reisepass für illegitim. Andere ziehen es vor, sich mit einem Staatsbürgerschaftsnachweis auszuweisen, während ein Teil illegale Reisepässe und Führerscheine fabriziert. 2021 wurde ein Beamter aus dem Dienst entfernt, nachdem er einen Reisepass beantragte, in dem das Königreich Bayern aus Geburtsort aufgeführt werden sollte.

BRD GmbH oder die Ablehnung des Staates

Die Mitglieder der Gruppe glauben mehrheitlich, dass eine frühere Version des deutschen Staates die rechtmäßige Form ist – es bestehen Unstimmigkeiten darüber, welche. Einige meinen, dass die wahre Form Deutschlands zwischen 1871 und 1918 bestand. Andere führen die Verfassung der Weimarer Republik in der Zwischenkriegszeit als die des eigentlichen Staates an. Ein Rest konzentriert sich auf das Jahr 1937, um zu zeigen, was sie als die legitimen Grenzen des Staatsgebiets ansehen, das damals das ehemalige Königreich Preußen, Teile des heutigen Polen und Russland, nicht aber Österreich umfasste, das 1938 annektiert wurde.

Ein verbindender Glaube aller ist, dass der gegenwärtige Staat keinerlei Souveränität besitze. Sie meinen, die westlichen Alliierten Frankreich, Großbritannien und die USA würden weiterhin die Kontrolle haben, obwohl ihre Besetzung Westdeutschlands 1955 endete. Daher betrachten sie die Bundesrepublik als „Marionettenregime“, die nicht den Interessen der Deutschen diene. Manchmal bezeichnen sie diese als BRD GmbH, die keine Macht beanspruchen könne.

Überschneidungen mit Rechtsextremen

Ein ähnlicher Revisionismus ist in der breiteren deutschen extremen Rechten verbreitet, insbesondere bei einigen Mitgliedern der populistischen AfD-Partei. Die Leugnung der Bedeutung des Holocaust und die Betonung „positiver“ Momente der Geschichte fördern die Relativierung des Mordes an den europäischen Juden und des Antisemitismus. Im Gegensatz zu dieser, die ihre Rhetorik an den politischen Mainstream angepasst hat, missachten einige Reichsbürger die geltenden Gesetze, die Holocaustleugnung und Nazi-Propaganda verbieten. Die Gruppe wird mit unverhohlenem Hass auf Juden und Verbreitung von antisemitischen Verschwörungstheorien sowie mit offener Holocaustleugnung in Verbindung gebracht. Im März 2020 beschlagnahmte die Polizei bei Razzien in Wohnungen einiger Anhänger Neonazipropaganda.

Gewalt wird attraktiv

Einige Reichsbürger beginnen offenbar, sich an politischer Gewalt zu beteiligen. Die jüngsten Festnahmen folgten auf mehrere andere Vorfälle. Im Jahr 2016 wurde ein Polizeibeamter bei einer Razzia wegen der illegalen Waffensammlung eines Mitglieds erschossen. Im August 2020 versuchten einige im Rahmen eines Protestes gegen COVID-19-Beschränkungen, in den Deutschen Bundestag einzudringen. Im Umfeld der Razzia sprach das Innenministerium von 21.000 Reichsbürgern. Zehn Prozent von ihnen sei gewaltbereit.

Die Gegenwart ehemaliger und aktiver Soldaten beziehungsweise Polizisten sowie einer ehemaligen Bundestagsabgeordneten (und aktiven Richterin) unter den jüngst Verhafteten legt nahe, dass sie nicht ganz ohne Einfluss sind. Die AfD hat lange jede Verbindung zu ihnen geleugnet, aber sich in den letzten Jahren kontinuierlich nach rechts bewegt. 2019 berichtete das Innenministerium von vereinzelten Verbindungen von Reichsbürgern und Partei.

Man könnte sie als Randgruppe betrachten, aber ihre Ideen sind offensichtlich für einige so attraktiv, dass sie davon überzeugt sind, ein Staatsstreich sei ein lohnendes Unterfangen. Und Verbindungen zu einflussreicheren Organisationen würden sie noch gefährlicher machen – weshalb diese Angelegenheit von den Behörden so ernst genommen wird.

* Veröffentlicht im Rahmen einer Creative Commons-Lizenz.

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Amnesty: Behörden müssen gegen Extremismus in eigenen Reihen vorgehen

verfassungsschutz

Berlin (Amnesty/iz). Anlässlich der Razzien in der Reichsbürgerszene, zu denen auch Ermittlungen der Bundesanwaltschaft gegen ein Mitglied des Kommandos Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr und mehrere Reservisten der Bundeswehr gehören sollen, fordert Amnesty International in Deutschland die Behörden auf, sich aktiv gegen Rassismus, Antisemitismus und andere menschenfeindliche Ideologien in den eigenen Reihen einzusetzen.

Zu den Ermittlungen der Bundesanwaltschaft sagt Beate Streicher, Expertin für Polizei und Menschenrechte bei Amnesty International in Deutschland: „Die heutigen Festnahmen zeigen die Gefährlichkeit von rassistischen, antisemitischen und anderen menschenfeindlichen Ideologien. Dabei ist besonders besorgniserregend, dass nach Medienberichten ein erheblicher Teil der Gruppe aus aktiven oder ehemaligen Soldaten besteht, darunter auch Männer mit militärischer Spezialausbildung.“

Der deutsche Staat sei nach den Menschenrechten dazu verpflichtet, alle Menschen vor rassistischer, antisemitischer und weiterer menschenfeindlicher Gewalt zu schützen. Diese Schutzpflicht werde katastrophal verfehlt, wenn aktive und ehemalige Staatsbedienstete, die im Umgang mit Waffen geschult sind, menschenfeindliche Ideologien in die Tat umsetzen wollten. 

„Der Handlungsbedarf ist akut. Es braucht eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Rassismus und menschenfeindlichen Ideologien in den eigenen Reihen der staatlichen Behörden.“ Dabei müssten die zugrundeliegenden, menschenfeindlichen Ideologien benannt und angegangen werden.

„Nach dem Grundgesetz und der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte sind alle Menschen gleich an Würde geboren. Diesen menschenrechtlichen Anspruch zu verteidigen, muss Ziel aller sein, sowohl der staatlichen Einrichtungen als auch der gesamten Gesellschaft.“

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Razzien bei „Reichsbürgern“: Thüringens Innenminister sieht AfD als „Schnittstelle von Rechtsextremen“

influencer Muslime Berlin Anschlag

„Letztendlich fungiert sie wie eine Organisationszentrale, eine Schnittstelle für die Vernetzung von rechtsextremen Organisationen.“

Erfurt/Berlin (dpa/iz). Nach der Großrazzia gegen eine „Reichsbürger“-Gruppierung sieht Thüringens Innenminister Georg Maier eine Verbindung zur in seinem Land vom Verfassungsschutz beobachteten AfD. „Die AfD hat sich immer weiter radikalisiert. Sie verbreitet diese Verschwörungsmythen, sie verbreitet diese Verschwörungsfantasien und Umsturzfantasien“, sagte der SPD-Politiker am Donnerstag im Deutschlandfunk.

„Aber schlimmer noch ist: letztendlich fungiert sie wie eine Organisationszentrale, eine Schnittstelle für die Vernetzung von rechtsextremen Organisationen. Und das ist das, was diese Partei immer gefährlicher macht.“

Maier sprach von einem schwierigen Umfeld mit schwerwiegenden Krisen. „Die Menschen machen sich Sorgen, viele haben Angst. Und das ist genau das, was die AfD natürlich auch adressiert“, so Maier. Die Partei versuche, den Menschen zusätzlich Angst einzujagen. „Sie fantasiert von einem autoritären Staatssystem. Das ist im Grunde das, was sie anstreben.“

Der Minister rechnete mit weiteren Festnahmen. Erfahrungsgemäß folge eine zweite Welle, weil Beweisstücke ausgewertet würden. Weitere Personen rückten damit ins Blickfeld. „Ich gehe davon aus, dass es noch weitere Festnahmen gibt.“

BKA-Chef Münch sieht Notwendigkeit einer „genauen Überprüfung von Sicherheitskräften“

Der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Holger Münch, will nach den ersten Durchsuchungen vom 7. Dezember genauer hinsehen, wer bei den Sicherheitskräften arbeitet. „In solchen Zeiten, in denen wir auch sehr stark als Sicherheitskräfte gefordert sind, muss man sich darauf verlassen können, dass alle uneingeschränkt hinter der freiheitlich demokratischen Grundordnung stehen“, sagte er im ARD-„Morgenmagazin“ am Donnerstag.

Auch ehemalige und noch aktive Personen der Sicherheitskräfte gelten als Tatverdächtige. Im BKA gebe es derartige Sicherheitsüberprüfungen „sehr, sehr lange“. Auch in vielen Landespolizeien sei das mittlerweile Usus. „Und ich denke, dass dort, wo es noch nicht gemacht wird, wir das auch in absehbarer Zeit einführen werden“, so Münch weiter.

Suche nach Waffen geht weiter

Die Ermittlungen werden fortgesetzt. Dabei wird auch geschaut, ob die Beschuldigten noch weitere Waffen versteckt haben. Den Obleuten des Innenausschusses des Bundestages war am Mittwoch nach übereinstimmenden Angaben von Teilnehmern der Unterrichtung mitgeteilt worden, bei der Razzia seien zunächst zwei Langwaffen, eine Kurzwaffe sowie Schwerter- und Armbrüste, Schreckschuss- und Signalschusswaffen gefunden worden.

Diese Waffen seien nur teilweise bei mutmaßlichen Mitgliedern der Gruppe gefunden worden, die über eine waffenrechtliche Erlaubnis verfügten. Dem Vernehmen nach waren darunter auch Dienstwaffen.

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25 Festnahmen im Reichsbürger-Millieu: Behörden durchsuchen Räume von mutmaßlichen Umstürzlern

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Die Reichsbürgerszene steht im Visier des Verfassungsschutzes. Heute sind Tausende Polizisten in fast allen Ländern ausgerückt, um Verdächtige festzunehmen. Laut Bundesanwaltschaft plante eine Gruppe den Staatsumsturz.

Karlsruhe/Berlin (dpa/iz). Die Bundesanwaltschaft hat am Mittwochmorgen 25 Menschen aus der Szene der „Reichsbürger“ im Zuge einer Razzia festnehmen lassen. Rund 3.000 Beamte seien in elf Bundesländern im Einsatz, sagte eine Sprecherin der Behörde der Deutschen Presse-Agentur. Sie wirft den Beschuldigten vor, den Umsturz des Staates vorbereitet zu haben.

22 Festgenommene sollen Mitglieder einer terroristischen Vereinigung sein, zwei davon Rädelsführer. Drei weitere gelten als Unterstützer. Zudem gebe es 27 weitere Beschuldigte, sagte die Sprecherin. „Wir haben noch keinen Namen für diese Vereinigung“, erklärte sie.

Festgesetzt wurden die Personen den Angaben zufolge in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Hessen, Niedersachsen, Sachsen und Thüringen sowie jeweils eine Person in Österreich und Italien. Durchsuchungen habe es darüber hinaus in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland gegeben. Heute wollte die Bundesanwaltschaft mit der Vernehmung der ersten Festgenommenen beginnen.

Wie die dpa meldete, hätten sich die Ermittlungen auch gegen Soldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK) gerichtet. Nach Angaben des Militärischen Abschirmdienstes (MAD) handle es sich dabei um einem Mann aus dem Stab. Laut dpa-Informationen wurden sein Haus und sein Dienstzimmer in der Graf-Zeppelin-Kaserne in Calw (Baden-Württemberg) durchsucht.

Bundesanwaltschaft: Gruppe wollte staatliche Repräsentanten stürzen

Nach Angaben der Bundesanwaltschaft hätten die Mitglieder der namenlose Gruppe die staatliche Ordnung in Deutschland stürzen und durch eine eigene ersetzen wollen. „Den Angehörigen der Vereinigung ist bewusst, dass dieses Vorhaben nur durch den Einsatz militärischer Mittel und Gewalt gegen staatliche Repräsentanten verwirklicht werden kann“, hieß es in der Mitteilung. „Hierzu zählt auch die Begehung von Tötungsdelikten.“

Innenministerin Faeser: „Abgrund einer terroristischen Bedrohung“

Laut Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) ließen die Enthüllung in einen „Abgrund einer terroristischen Bedrohung“ blicken. Deren Initiatoren seien „von gewaltsamen Umsturzfantasien und Verschwörungsideologien getrieben“, erklärte die Ministerin am Mittwoch in Berlin. Faeser sprach ausdrücklich von einer mutmaßlich terroristischen Vereinigung. „Militante Reichsbürger verbindet der Hass auf die Demokratie, auf unseren Staat und auf Menschen, die für unser Gemeinwesen einstehen.“

Justizminister Buschmann spricht von „wehrhafter Demokratie“

Bundesjustizminister Marco Buschmann hat die bundesweite Razzia in der Reichsbürgerszene als „Anti-Terror-Einsatz“ bezeichnet. „Demokratie ist wehrhaft: Seit heute Morgen findet ein großer Anti-Terror-Einsatz statt“, schrieb der FDP-Politiker am Mittwochmorgen auf Twitter. Der Generalbundesanwalt ermittele gegen ein mutmaßliches Terror-Netzwerk aus dem Reichsbürger-Milieu. „Es besteht der Verdacht, dass ein bewaffneter Überfall auf Verfassungsorgane geplant war.“

Foto: Deutscher Bundestag | Achim Melde

Richterin und Ex-AfD-Abgeordnete unter den Festgenommenen

Neben einem Adligen, der wohl eine neue Regierung anführen sollten, gehören zu den verhafteten Personen neben den erwähnten KSK-Angehörigen auch Reservisten der Bundeswehr auch die Richterin und ehemalige AfD-Bundestagsabgeordnete Birgit Malsack-Winkemann. Bis zum Schluss hatte die Berliner Senatsverwaltung versucht, eine Rückkehr von Malsack-Winkemann in das Richteramt zu verhindern. Sie unterlag allerdings vor einem Dienstgericht für Richter. „Die Ermittlungen sind abzuwarten, aber offenbar lag die Senatsverwaltung in ihrer Einschätzung richtig“, erklärte Justizsenatorin Kreck (Linke).

Senatsjustizverwaltung und Kreck wollten Malsack-Winkemann in den Ruhestand versetzen. Sie sei als Richterin nicht mehr unvoreingenommen, argumentierten sie vor Gericht. Sie habe im Bundestag wiederholt und öffentlich Flüchtlinge „ausgegrenzt und wegen ihrer Herkunft herabgesetzt“ und sich in Debatten und im Internet „mit konstruierten, offensichtlich falschen Behauptungen zu Flüchtlingen geäußert“.