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9/11 in der Schule – Appell einer muslimischen Mutter an Pädagog*innen

9/11 11. September Schule Mutter

Als eine Fünftklässlerin in der Schule erstmals mit den Anschlägen vom 9/11 konfrontiert wird, gerät ihr Bild vom Islam ins Wanken. Ihre Mutter erzählt von Schuld, Angst und der Frage, wie Unterricht über Terror sprechen kann, ohne muslimische Kinder zu stigmatisieren – ein eindringlicher Appell an Pädagog*innen.

(iz). Am 11. September vergangenen Jahres kam meine damals in der fünften Klasse befindliche Tochter sichtlich aufgewühlt aus der Schule nach Hause. Ich machte mir Sorgen. Von Zeyneb Sayilgan

„Was ist passiert?“, fragte ich sie. Sie bat mich, mich zu ihr zu setzen und gemeinsam mit ihr ein Video anzusehen. Ihr Sozialkundelehrer hatte der Klasse einen kurzen Ausschnitt über die schrecklichen Anschläge auf das World Trade Center gezeigt, die zu diesem Zeitpunkt bereits fünfundzwanzig Jahre zurücklagen.

Meine Tochter war zutiefst erschüttert darüber, dass Menschen, die sich selbst als Muslime bezeichnet hatten, diese Tragödie verübt hatten.

Der schmerzerfüllte Ausdruck auf ihrem Gesicht verfolgt mich bis heute. Während ich diese Zeilen schreibe, laufen mir die Tränen über das Gesicht. In diesem Augenblick brach ihre Welt zusammen.

Seit sie denken konnte, hatte Islam für sie Liebe, Schönheit und Güte bedeutet. Islam bedeutete, sich um unsere Nachbarn zu kümmern, und sie zum gemeinsamen Essen in unseren Garten einzuladen.

Islam bedeutete auch, sich mit den Tanten und Onkeln unserer Gemeinde für wohltätige Zwecke einzusetzen, etwa indem sie während des Ramadan gemeinsam Lebensmittelspenden sammelten – und dabei viel Freude mit ihren Freunden hatte.

Islam ermutigte sie, in der Schule fleißig zu lernen und zu einer verantwortungsvollen Bürgerin heranzuwachsen, die dazu beiträgt, diese Welt für alle Menschen ein wenig besser zu machen.

Vor allem aber war Islam für sie auch inmitten tiefster Trauer und großen Schmerzes eine Quelle von Sinn und Trost. Nachdem ihre kleine Schwester Meryem bei einem tragischen Autounfall ums Leben gekommen und sie dadurch zum Einzelkind geworden war, hatte der Islam ihr Kraft und Hoffnung gegeben.

Foto: FEMA Photo Library/Andrea Booher/via Wikimedia Commons | Lizenz: Public Domain

Wie konnte irgendjemand im Namen des Islam solche Gräueltaten begehen?

Für sie – und für die fast zwei Milliarden Muslime weltweit – waren die Lehren des Koran (Sure 28:77) und das geistliche Vermächtnis des Propheten Muhammad lebensbejahend.

Meine Tochter war von einer wunderbaren, vielfältigen muslimischen Gemeinschaft umgeben, die ihr diese Werte vorlebte. Mehr noch: Schon früh in der vierten Klasse beschloss sie, ihre muslimische Identität selbstbewusst zum Ausdruck zu bringen und das Kopftuch zu tragen.

Als Eltern waren wir aufgrund ihres jungen Alters entschieden dagegen. An ihrer öffentlichen Schule war sie mit ihrem Kopftuch das einzige sichtbar muslimische Mädchen. Ich bewunderte ihren Mut und ihr Selbstvertrauen, doch als Mutter und Pädagogin war ich zugleich zutiefst besorgt. Ich wollte sie vor dem grausamen Phänomen der Islamophobie bewahren.

An jenem 11. September wurde mir klar, dass ich sowohl als Mutter als auch als Pädagogin auf schmerzliche Weise versagt hatte. Ich fühlte mich schuldig und voller Reue, weil ich sie nicht besser auf diese Realität vorbereitet hatte.

Nach einer langen, schmerzhaften Stille fragte ich meine Tochter, wie sie sich fühlte, nachdem sie von den Anschlägen des 11. September erfahren hatte.

Dann antwortete sie – auf eine beinahe unheimlich erwachsene Weise und mit Worten, die sie zuvor in ihrem Leben noch nie gebraucht hatte:

„Ich fühle mich betrogen.“

Ich war wie erstarrt. Mir fehlten die Worte. Ich schwieg einfach. Dann stand sie auf und verließ den Raum.

Aus irgendeinem Grund hatte ich mir eingeredet, dass die Tragödie des 11. September – selbst fünfundzwanzig Jahre später – nicht dieselben negativen psychologischen Auswirkungen auf meine Tochter haben würde, wie sie meine Generation erlebt hatte. Ich hatte mich geirrt. Ich war naiv gewesen.

Als muslimische Schülerin, die im Klassenzimmer immer wieder Islamfeindlichkeit erfahren hatte, wusste ich, wie es sich anfühlt, aufgrund der eigenen Religionszugehörigkeit Schuld zu empfinden. Ich kannte Scham und Wut. Ich kannte auch das Gefühl des Verrats.

Jeden Tag hatte ich hart daran gearbeitet, der Außenwelt zu beweisen, dass ich eine „gute Muslima“ war. Im Handumdrehen hatten Terroristen all diese Bemühungen zunichtegemacht und mir ein Bild aufgezwungen, das sich zutiefst ungerecht anfühlte und nicht widerspiegelte, wer ich wirklich war.

Genauso hatte sich meine Tochter im Klassenzimmer gefühlt.

Es dauerte Jahre, bis ich verstanden hatte, dass ich nicht für die ungeheuerlichen Taten anderer Erwachsener verantwortlich gemacht werden kann. Der muslimische Gelehrte Bediüzzaman Said Nursi erinnert im Anschluss an den koranischen Ruf nach Gerechtigkeit an die Worte: „Keine Seele trägt die Last einer anderen Seele,“ (Koran 35:18).

Als Mutter und Pädagogin hatte ich meiner Tochter die schönsten Seiten des Islam nahegebracht. Doch die Wahrheit ist: Gemeinschaften können zugleich schön und fehlerhaft sein.

Sie spiegeln die ganze Fülle und die Widersprüchlichkeit menschlicher Existenz und Natur wider: die Stärken und Schwächen, die Erfolge und Misserfolge, die Einfachheit und Komplexität, das Gute und das Böse. Selbst in jedem individuellen menschlichen Leben ist diese Dynamik mehr oder weniger sichtbar.

Aus unterschiedlichen Gründen werden Muslime jedoch immer wieder als besonders verwerflich und gefährlich dargestellt.

An jenem Tag, entschied sich ihr Lehrer bewusst dafür, die vielfältigen und schönen Erfahrungen von Muslimen auszublenden. Stattdessen stellte er ein erschütterndes Beispiel für die dunkelsten menschlichen Impulse in den Mittelpunkt: Hass, Feindseligkeit und Zerstörung.

In den Köpfen dieser jungen Schüler*innen erschien der Islam nun als eine gefährliche Ideologie, vor der man sich fürchten müsse. Muslimen war nicht zu trauen.

Der Kreislauf der Islamfeindlichkeit setzte sich fort.

Fünf Jahre lang kamen Islam und Muslime im Lehrplan meiner Tochter nicht vor. Zwei Milliarden Muslime auf der Welt werden in den Bildungsplänen schlicht nicht berücksichtigt.

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Foto: Anastasia Shuraeva, Pexels | Lizenz: Pexels License

Auch in Schulbüchern bleiben Muslime weitgehend unsichtbar.

Fünf Jahre lang hatten die Mitschüler*innen meiner Tochter kein einziges Wort über die Geschichte der Muslime, über ihre bedeutenden Beiträge zu Wissenschaft und menschlicher Zivilisation, über ihr Zusammenleben mit unterschiedlichen Gemeinschaften auf der ganzen Welt oder über persönliche Erfahrungen von Muslimen gehört.

Die Einbeziehung dieser und vieler weiterer hilfreicher Materialien in den Unterricht hätte den Schüler*innen ermöglicht, die Vielfalt, Komplexität und Vielschichtigkeit muslimischen Lebens kennenzulernen.

Wie Jason Creeger, Programmleiter für Lehrkräfte und Schulen am Institute for Islamic, Christian and Jewish Studies in Baltimore, feststellt:

„Was bedeutet es, wenn Schüler*innen dem Islam im Lehrplan begegnen – aber ausschließlich durch die Perspektive des Konflikts oder Krieges? Was entgeht ihnen, wenn sie nichts über muslimische Werte oder die reiche Geschichte des interreligiösen Dialogs zwischen Juden, Christen und Muslimen erfahren? Die Erkenntnis, dass es in unseren Lehrplänen wahrscheinlich blinde Flecken oder zumindest verpasste Chancen gibt, ist etwas, worüber alle Pädagog*innen stärker nachdenken müssen.“

Die von dem Psychologen Gordon Allport formulierte Kontakthypothese besagt, dass persönliche Begegnungen zwischen Angehörigen unterschiedlicher sozialer Gruppen Vorurteile wirksam abbauen können – allerdings nur dann, wenn bestimmte unterstützende Bedingungen gegeben sind. Das Klassenzimmer kann ein solcher Ort der Begegnung und Zugehörigkeit sein.

Als Mutter und Akademikerin im Bereich interreligiöser Bildung sehe ich Lehrkräfte als meine Verbündeten und Partner bei der Aufgabe, die nächste Generation von Führungspersönlichkeiten heranzubilden.

Unsere Schüler*innen sollten die Möglichkeit erhalten, die Komplexität und Schönheit verschiedener Religionen kennenzulernen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen – ebenso wie ihre reichen Kulturen und vielfältigen Gemeinschaften. Dies könnte uns helfen, eine Generation von Weltbürger*innen heranzubilden, die Unterschiede nicht nur akzeptiert, sondern ihnen offen und wertschätzend begegnet.

Und es könnte dazu beitragen, eine vielfältige, engagierte und lebendige Gesellschaft zu fördern.

* Dr. Zeyneb Sayılgan ist muslimische Theologin in den USA.

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Rassismus: Forscherinnen warnen vor Folgen im Schulalltag

schule rassismus

Rassismus: Rund 40 Prozent der Schülerinnen und Schüler haben eine Migrationsgeschichte – und viele von ihnen erlebe subtile Benachteiligung. Das zeigt sich an Leistungsbewertung, aber auch ganz konkret in der Sprache.

Berlin (KNA). „Ich lebe in Deutschland, ich besuche die dritte Klasse“, steht unter dem Bild von dem blonden Jungen. Bei dem schwarzen Kind neben ihm heißt es: „Ahmet kommt aus Afrika“, und: „Er versteht noch schlecht Deutsch.“

Für Aileen Edele ein problematisches Beispiel: „Vor allem ältere Schulbücher stellen migrierte Menschen oft als homogene, problematische Gruppen dar, die es zu integrieren gilt“, schreibt sie in einem aktuellen Papier des Mediendienstes Integration.

Schulbücher sind laut der Forscherin nur ein Teil des Problems – grundsätzlich orientiere sich der schulische Alltag noch stark an einer vermeintlichen „Standard-Familie“.

Bestimmte Weltregionen würden „fast ausschließlich als arm, ländlich und rückständig dargestellt“, Weltreligionen problematisierend: „Muslime tauchen vor allem im Zusammenhang mit Integrationsdefiziten oder Bedrohungsszenarien auf“, sagt Edele. Dies fördere hierarchisches und rassistisches Denken.

Foto: Designed by Freepik

In neueren Schulbüchern gebe es gewisse Fortschritte, heißt es in der Expertise. Allerdings würden etwa lateinamerikanische Länder oftmals in einen Gegensatz zu Europa gestellt, „wo Probleme wie soziale Ungleichheit oder Umweltverschmutzung vermeintlich nicht (mehr) auftreten“.

Gemeinsam mit Sophie Harms hat die Professorin des Berliner Instituts für Migrations- und Integrationsforschung zahlreiche Studien mit hohen Datensätzen ausgewertet. Ergebnis: Eine Mehrheit der Schülerinnen und Schüler mit Migrationsgeschichte hat nach eigenen Angaben selten oder nie persönliche Diskriminierung erlebt.

Allerdings sollte dies „nicht als Entwarnung missverstanden werden“: Rassismus erlebten vor allem junge Menschen, die als nicht der Mehrheit zugehörig wahrgenommen werden. Auch werde diese Diskriminierung nicht immer benannt.

Rund 40 Prozent aller Schülerinnen und Schüler haben einen Migrationshintergrund. Besonders stark von rassistischer Diskriminierung betroffen sind demnach Schülerinnen und Schüler, deren Familien aus der Türkei oder arabischsprachigen Ländern eingewandert sind – sie berichten häufiger von persönlicher Diskriminierung als diejenigen, deren Familien ursprünglich aus Polen, dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion oder dem früheren Jugoslawien stammen. Zudem fühlen sich Jungen demnach stärker diskriminiert als Mädchen.

Edele und Harms verweisen auf weitere Studien, denen zufolge Diskriminierung besonders häufig aufgrund der Hautfarbe geschieht. Auch gegenüber Sinti und Roma gebe es massive Vorurteile.

Diese Erfahrungen könnten sich negativ auf Selbstbild und Wohlbefinden auswirken. „Alle Schüler*innen haben das Recht auf einen diskriminierungsfreien Schulbesuch“, mahnen die Forscherinnen.

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Foto: Anastasia Shuraeva, Pexels

Betroffene besuchten seltener ein Gymnasium und machten seltener Abitur – einigen experimentellen Studien zufolge, weil Lehrkräfte mitunter gleiche Leistung schlechter bewerten. Auch das Verhalten von Lehrerinnen und Lehrern könne dazu beitragen, dass Schülerinnen und Schüler mit Migrationsgeschichte sich weniger zutrauten und weniger gefördert würden.

Problematisch sei zudem „die geringe Anerkennung der Herkunftssprachen eingewanderter Familien“: So sei es die Ausnahme, dass diese an Schulen als Fremdsprachen gelehrt würden.

Angebote mit herkunftssprachlichem Unterricht seien von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich: In Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern umfasse es nur eine Sprache, in Nordrhein-Westfalen dagegen 28.

An manchen Schulen seien Herkunftssprachen verboten; Türkisch oder Russisch erschienen also als weniger förderungswürdig als etwa Englisch oder Spanisch. „Selbstverständlich müssen auch für den Erwerb der deutschen Sprache ausreichend Lerngelegenheiten eröffnet werden“, so die Autorinnen.

Jedoch könnten gute Kenntnisse der Herkunftssprache auch den weiteren Spracherwerb erleichtern – insofern seien Verbote doppelt fatal. Sie signalisierten zudem, „dass ihre Familiensprache und somit ein wichtiger Teil ihrer Identität nicht erwünscht und als unvereinbar mit dem Bildungsort Schule angesehen wird.“

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5 Mal am Tag: Das islamische Gebet im öffentlichen Raum

Gebet

5 Mal am Tag: Das Gebet ist kein politisches Statement. Es ist auch keine kulturelle Show. Betrachtungen über das Verhältnis von Alltag, Identität und Akzeptanz.

(iz).  Fünfmal täglich richtet sich der gläubige Muslim innerlich und äußerlich nach Mekka aus. Das Gebet, im Arabischen „Salat“, gehört zum Herzstück des islamischen Lebens (Şahinöz, 2018, 2023).

Es beginnt nicht irgendwann, sondern orientiert sich am Lauf der Sonne. Morgens vor dem Sonnenaufgang. Mittags, wenn die Sonne ihren höchsten Punkt erreicht. Am Nachmittag, bevor sie untergeht. Dann zum Sonnenuntergang. Und schließlich in der Nacht, wenn alles still wird.

Diese fünf Abschnitte strukturieren den Tag. Und das ist kein Zufall, sondern Teil des spirituellen Aufbaus. Es geht um Achtsamkeit, Unterbrechung, Erdung.

Foto: imago images

Das Gebet als Anker im Tag

Im Gegensatz zum westlichen Verständnis von Religion ist das islamische Gebet kein privater Rückzugsmoment. Es ist ein öffentlicher, sichtbarer Akt, auch wenn er still ausgeführt wird.

Das beginnt mit der rituellen Waschung, der Wudu, und endet mit dem Gruß nach rechts und links. Jeder einzelne Schritt hat Bedeutung. Jeder Schritt macht deutlich, dass hier jemand betet, bewusst und in Richtung eines absoluten Ziels.

Was viele nicht wissen ist, dass man für das Gebet keine Moschee aufsuchen muss. Das Gebet ist an keine Architektur gebunden. Der Prophet Muhammed, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, sagte, die ganze Erde sei ein Ort der Niederwerfung, solange sie sauber ist:

„Die Erde ist für mich zu einem Ort der Anbetung und zu einem reinen Ort gemacht worden. Wer aus meiner Gemeinde zur Gebetszeit irgendwo ankommt, kann dort beten“ (Nasai, Mesacid, 42; vgl. bu Huraira, 2977).

In der Praxis bedeutet das, dass Muslime überall beten können. Auf einem Parkplatz, im Wald, im Büroflur. Wichtig ist, dass man nicht gestört wird und sich konzentrieren kann. In Deutschland stellt das viele Gläubige vor eine Herausforderung. Denn das öffentliche Gebet ist nicht immer selbstverständlich.

Schule: Zwischen Pausenklingel und Gebetszeit

Für muslimische Schüler, die ihre Religion ernst nehmen, ist das Gebet in der Schule ein heikles Thema. Gerade im Winter fällt das Mittagsgebet oft genau in die Unterrichtszeit. In vielen Schulen gibt es keine festen Räume dafür.

Manchmal dürfen sie in der Pause einen leeren Raum nutzen. Manchmal auch nicht. Dann wird in einem Gang gebetet oder auf der Toilette, aus Mangel an Alternativen. Das letztere entspricht in vielen Fällen weder dem islamischen Reinheitsgebot noch dem menschlichen Würdegefühl.

Schulen sind kein Ort der Religion, heißt es oft. Aber Schule ist ein Ort der Bildung. Und Bildung bedeutet auch, mit Unterschiedlichkeit umgehen zu lernen. Wo Toleranz nicht praktiziert wird, bleibt sie ein leerer Begriff.

Wer es Schülern ermöglicht, ihre Gebete zu verrichten, stärkt nicht die Religion, sondern die demokratische Kultur. Wichtig ist, dass die Schule den Rahmen vorgibt. Niemand soll missionieren, niemand soll stören. Ein neutraler Raum, eine saubere Ecke in einem Gang oder Flur, klar geregelt, reicht vollkommen aus.

Arbeitsplatz: Zwischen Termindruck und Gottesbewusstsein

Auch im Berufsleben gibt es Konflikte. Einige Gebetszeiten liegen meist mitten in der Arbeitszeit. Wer in einer großen Firma arbeitet, hat es oft einfacher.

Dort gibt es inzwischen Ruheräume, Stille Räume oder sogar Gebetsräume. Vor allem in Unternehmen mit internationalem Personal. In kleineren Betrieben sieht das anders aus. Da fehlt oft das Verständnis oder schlicht der Platz.

Viele Muslime lösen das pragmatisch. Sie beten in der Mittagspause. Oder kurz am Ende der Schicht. Aber nicht jeder Beruf lässt das zu. Wer im OP steht, im Einzelhandel arbeitet oder am Fließband, kann nicht einfach den Arbeitsplatz verlassen.

Hier hilft nur eins: Kommunikation. Wer frühzeitig erklärt, worum es geht, stößt meist auf Verständnis. Arbeitgeber, die mitdenken, ermöglichen Pausen, wo sie möglich sind. Denn sie wissen, ein zufriedener, respektierter Mitarbeiter arbeitet besser.

Und Gebet braucht nicht viel. Fünf Minuten Ruhe und einen kleinen, sauberen Ort. Mehr nicht.

Krankenhaus: Ein Ort voller Grenzen – und Möglichkeiten

In Krankenhäusern gibt es oft Gebets- oder Andachtsräume. Sie sind neutral gehalten, ohne Symbole. Für viele Muslime ist das hilfreich. Denn nicht nur Personal betet, sondern auch Patienten und Angehörige.

Der Wunsch nach Gebet ist in Krisensituationen besonders stark. Das Gebet gibt Halt, wenn medizinische Worte versagen.

Problematisch wird es, wenn der Raum nicht zugänglich ist oder nur bestimmten Gruppen offensteht. Es braucht klare Regeln. Wer den Raum betritt, muss ihn so verlassen, wie er ihn vorgefunden hat.

Kein Ort für Debatten oder religiöse Auseinandersetzungen. Einfach ein Ort der Stille, offen für alle. Dann klappt das auch im Krankenhausalltag.

Flughäfen: Orte des Transits und der Spiritualität

Reisende Muslime erleben oft, wie wohltuend es ist, an Flughäfen Gebetsräume vorzufinden. Überall gibt es inzwischen Rückzugsorte. Nicht aus Gefälligkeit, sondern aus Anerkennung der Realität. Millionen Muslime reisen jährlich.

Und viele von ihnen beten. Wenn sie einen stillen Ort finden, erhöht das nicht nur ihre Zufriedenheit. Es zeigt auch, dass ihr Glaube Raum findet, ohne die anderen zu verdrängen.

Universitäten: Lernen und Beten – kein Widerspruch

Auch an Universitäten ist das Gebet ein Thema. Viele Studierende organisieren sich in Gruppen, sprechen mit der Hochschulleitung, suchen Räume. Manchmal klappt das sofort. Manchmal gar nicht. Doch wo gegenseitiges Verständnis herrscht, entstehen kreative Lösungen.

Ein Seminarraum in der Pause. Ein leerer Kellerraum mit sauberem Teppich. Es geht nicht darum, Moscheen an Universitäten zu bauen. Es geht darum, Studierende nicht zwischen Bildung und Glaube wählen zu lassen.

Foto: placesyoullpray.com

Wenn Religion auf Unverständnis trifft

Trotz all dieser positiven Beispiele gibt es Konflikte. Manche Menschen fühlen sich durch das Gebet gestört. Andere glauben, Religion gehöre ausschließlich ins Private. In manchen Fällen kommt es zu offenen Auseinandersetzungen.

Dann wird das Gebet als Provokation wahrgenommen. Oder als Zeichen mangelnder Integration. Doch solche Sichtweisen übersehen, dass Integration nicht Selbstverleugnung bedeutet.

Konflikte entstehen meist aus Unwissenheit. Wer noch nie gesehen hat, wie ein Muslim betet, kann es für fremd halten. Wer es aber versteht, erkennt darin etwas sehr Menschliches. Ein Moment der Ruhe. Eine Form der Disziplin. Eine Haltung der Demut.

Deshalb braucht es Aufklärung, nicht Verbote. Das Gespräch ist entscheidend. Wer fragt, bekommt meist auch eine ruhige Antwort. Wer dagegen urteilt, ohne zu verstehen, bleibt außen vor.

Wie man Konflikte löst

Lösungen beginnen mit Zuhören. Ein Arbeitgeber, der die Beweggründe kennt, kann individuelle Wege finden. Eine Lehrerin, die einem Schüler Raum gibt, zeigt pädagogische Größe. Eine Verwaltung, die Rückzugsräume schafft, beweist Weitblick. 

Niemand verliert etwas, wenn ein Mensch kurz innehält, um zu beten. Die Gesellschaft gewinnt an Tiefe, wenn sie Raum für Vielfalt lässt.

Was nicht hilft, sind Extreme. Weder das Verbot noch die unkontrollierte Öffnung. Es braucht Regeln. Es braucht Respekt. Wer betet, soll niemanden stören. Und wer gestört ist, sollte überlegen, ob es wirklich das Gebet ist oder das eigene Unverständnis.

Ein stiller Akt mit öffentlicher Wirkung

Das Gebet ist kein politisches Statement. Es ist auch keine kulturelle Show. Es ist ein stiller, regelmäßiger Akt. Er macht Menschen ruhiger, aufmerksamer, fokussierter. 

Fünfmal am Tag wird man aus dem Trott geholt. Nicht durch Push-Nachrichten, sondern durch einen inneren Ruf. Wer das verstanden hat, sieht das Gebet nicht als Störung. Sondern als Zeichen einer gelebten Überzeugung, die niemandem schadet.

Der öffentliche Raum ist groß genug für viele Wege. Auch für den Weg, der nach Mekka führt.

Literatur
Nasai: Sunan An-Nasai. Dar-us-Salam Publications: Riyadh, 2007
Şahinöz C.: Das Gebetsbuch. Handbuch zum Islamischen Gebet. Theorie und Praxis. 11. Auflage. Yediveren: Istanbul, 2018
Şahinöz C.: Das große Buch der islamischen Bittgebete. Astec: Bochum, 2023

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Schüler erleben Weltreligionen. Drei-Religionen-Schule feiert religiöse Feste und Bräuche

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Sonne-Mond-und-Sterne-Fest feiern statt Sankt Martin? Aus religiöser Toleranz? Von wegen. Wie eine besondere Schule in Niedersachsen mit religiösen Festen umgeht. (KNA). In den Klassen hängen Advents-, Ramadan- und Chanukka-Kalender. So […]

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Friedensbildung in der Schule „so wichtig wie Lesen, Schreiben, Rechnen“

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„Friedensbildung ist so wichtig wie Lesen, Schreiben, Rechnen. Dieser Punkt muss unbedingt stärker in die Bildungsdebatte gelangen.“ Augsburg (KNA). Wie sehen Kinder Frieden und Krieg? Dieser Frage ist Jasmin Kriesten […]

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Religion: Schüler lernen wenig

Religion

„In vielen Fachkonzepten bleibt Religion etwas sehr Altes, Fremdes oder sogar Skurriles (…)“, kritisierte Neef.

Leipzig (KNA). Kinder und Jugendliche lernen laut einer Studie im Ethikunterricht nur wenig über Religionen. Obwohl das Ziel einer religionskundlichen Grundbildung in den Lehrplänen verankert sei, werde es nicht konsequent umgesetzt, kritisierte Religionswissenschaftlerin Katharina Neef am 27. Februar in Leipzig.

Foto: Pixnio, Amanda Mills

Sie äußerte sich mit Blick auf eine Untersuchung der Universitäten Leipzig und Hannover. So sollten Schüler nach den Bildungsvorgaben eigentlich aus einer nicht-religiösen Perspektive Wissen über Religionen und religiöse Traditionen erlangen.

Religion wird exotisiert

„In vielen Fachkonzepten bleibt Religion etwas sehr Altes, Fremdes oder sogar Skurriles, zum Beispiel wenn über Gottesbeweise gesprochen wird oder Islam und Buddhismus als exotische, fremde Religionen präsentiert werden“, kritisierte Neef. Stattdessen sollten Religionen im Unterricht als Teil von Lebenswelten in konkreten Gesellschaften ernst genommen werden.

Foto: Albayrake, Institut für Islamische Theologie Osnabrück

Ein religionskundlicher Zugang begreife Religionen „nicht nur als geistige, sondern auch als soziale Phänomene“ und biete die Möglichkeit, Dinge aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Dies sei auch wichtig für die Toleranzerziehung.

Eine Leerstelle im Schulsystem

Das deutsche Schulsystem fordere Religionsbildung zwar theoretisch ein, praktisch bleibe „dies aber weitgehend eine Leerstelle“, hieß es weiter. In der Lehramtsausbildung kämen religionskundliche Inhalte zum Teil gar nicht oder nur sehr marginal vor. Zudem zeige sich in der Praxis oft sehr viel Unsicherheit beim Sprechen über Religion.

Foto: londubh, Shutterstock

Zwar sähen die Lehrpläne fast aller Bundesländer ein Ersatzfach für Schülerinnen und Schüler vor, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen wollten. Dies werde aber nicht in allen Bundesländern konsequent umgesetzt. Während etwa in den meisten neuen Ländern Ethik von der 1. bis zur 12. Klasse angeboten werde, gebe es in anderen Bundesländern in der Grundschule keinen Ersatz. Betroffene Kinder würden dann gar nicht oder „irgendwie beschult“.

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Interview: Jugendlichen mit Zuwanderungsgeschichte auf Augenhöhe begegnen

Junge Muslime Zuwanderung Jugendliche Abendland

Berlin (KNA). Cordula Heckmann (64) ist seit mehr als 30 Jahren Lehrerin. Sie leitet die Gemeinschaftsschule Campus Rütli in Berlin-Neukölln. Dort gelang ihr gemeinsam mit ihrem Team der Wandel von einer bundesweit bekannte Problemschule zu einem Erfolgsmodell. Jetzt hat sie – kurz vor dem Ruhestand – ein Buch geschrieben, in dem sie auf ihre Arbeit zurückblickt und mögliche Wege der Integration aufzeigt. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) sprach mit ihr am Dienstag über fehlenden Wagemut an deutschen Schulen – und was man besser machen kann. Von Nina Schmedding

Frage: Frau Heckmann, Sie kritisieren in Ihrem Buch „die Untertanenmentalität“ an deutschen Schulen. Was meinen Sie damit?

Cordula Heckmann: Ich bemerke bei Lehrkräften, Schulleitern oder in der Schulverwaltung oft die Haltung: Besser schlechte Schule als falsche Schule. Soll heißen: Womöglich bleiben weniger Kraft und Zeit für den Unterricht oder die Begleitung von Schulen, aber jedes Formular ist korrekt ausgefüllt, um nicht angreifbar zu sein. Die Angst vor der Grenzüberschreitung, dem Fehlverhalten, dem Scheitern ist groß. Schade, denn das hemmt.

Frage: Hemmt was?

Cordula Heckmann: Dass man mutig voran geht. Das Regelwerk im Schulsystem ist zwar gut, aber man muss auch die Möglichkeiten sehen, mal nach rechts und links zu schauen. Meiner Meinung nach muss man gerade im Bereich der Bildung immer wieder Wagnisse eingehen.

Frage: Der Campus Rütli hat eine Reihe ungewöhnlicher Kurse: Arabisch, ein Kurs Glaube und Zweifel – sind das solche Wagnisse? Warum bieten Sie so etwas an?

Cordula Heckmann: Kinder mit Zuwanderungsgeschichte leben in zwei verschiedenen Welten: Auf der einen Seite die Herkunftsfamilie, die eventuell auch von Flucht geprägt ist, und auf der anderen die Mehrheitsgesellschaft. Mir ist es wichtig, dass es in der Schule zu einem Dialog von beiden Welten kommt – einem Dialog auf Augenhöhe, in einer vertrauensvollen Umgebung. In den schulischen Lehrplänen wird die Unterschiedlichkeit der Lebenswelten zu wenig berücksichtigt, und es bleibt den einzelnen Schulen überlassen, ob sie solche Angebote schaffen.

Im Kern geht darum, die beiden Milieus gewinnbringend zueinander zu bringen. Integrationsarbeit ist ein Kontinuum und sollte deshalb nicht erst stattfinden, wenn es einen Skandal gibt. Deshalb sind diese Kurse, die entweder freiwillig und zusätzlich oder wählbar – aber dann verpflichtend – sind, wichtig: Wir wollen den jungen Menschen das Gefühl geben, dass sie dazu gehören und auch, dass ihre Sichtweise wahrgenommen wird – um sie für die Möglichkeiten, die die Gesellschaft als Chance für sie bereithält, zu öffnen.

Frage: Arabisch in der Schule – sollten die Kinder nicht lernen, Deutsch zu sprechen?

Cordula Heckmann: Natürlich ist und bleibt die Bildungssprache Deutsch. Es handelt sich um zusätzlichen, freiwilligen muttersprachlichen Unterricht. Die Forschung geht davon aus, dass eine Zielsprache besser gelernt wird, wenn die Familiensprache gut beherrscht wird. Aber natürlich ist es auch eine Geste an die Kinder und Jugendlichen, dass sie sich wiederfinden in unserem Angebot.

Frage: Immer wieder gibt es an Schulen Vorfälle religiöser Diskriminierung – gerade in Problembezirken wie Neukölln. Schülerinnen, die von anderen unter Druck gesetzt werden, ein Kopftuch zu tragen, oder Kinder, die zum islamischen Fasten aufgefordert werden. Wie gehen Sie damit um?

Cordula Heckmann: Um all das wissen wir. Darum haben wir etwa den Kurs Glauben und Zweifel eingerichtet. Wir brauchen einen konstruktiven Dialog, der schwierige Themen anspricht und Werte wie die Religionsfreiheit ausdrücklich einschließt. Wir haben erfahren, dass wir so die Jugendlichen gewinnen können. Leider nie alle. Dann muss auch mit Sanktionen gearbeitet werden, aber erfolgreicher erscheint uns ein Erkenntnisprozess. Das ist für den gesellschaftlichen Zusammenhalt essenziell. Und wir brauchen die jungen Leute auch auf dem Arbeitsmarkt.

Frage: Die Rütli-Schule wurde 2006 durch einen Brandbrief bundesweit bekannt, in dem Lehrkräfte den Berliner Bildungssenator aufforderten, das Gewaltproblem an der Schule zu lösen. Danach wurde die Schule völlig umgekrempelt, der Campus Rütli entstand, Sie übernahmen die Schulleitung. Wie ist die Situation heute? Gibt es Gewalt an Ihrer Schule?

Cordula Heckmann: Wenn ganz viele pubertierende Schülerinnen und Schüler zusammenkommen, gibt es natürlich Konflikte. Das war auch in meiner früheren Schule in Dahlem so, in einem eher bürgerlichen Umfeld. Und das ist bei uns so. Wir nehmen Konflikte sehr ernst und bearbeiten das auf vielen verschiedenen Ebenen, im Lehrplan, in Projekten. Wenn allerdings die grundlegende Grenze zur Gewalt überschritten wird, dann holen wir uns auch Akteure wie das Jugendamt und die Polizei an unsere Seite. Unsere Schüler wissen, dass ein solches Verhalten nicht ungesehen und nicht unbeantwortet bleibt. Das trägt zur Befriedung bei.

Frage: Was müsste sich ändern, um Kinder und Jugendliche mit ungünstigen Startbedingungen die bestmögliche Bildung zu ermöglichen?

Cordula Heckmann: Was für Schulen in herausfordernden Lagen vor allem wichtig ist, ist Zeit. Meine Kolleginnen und Kollegen müssen sich dem einzelnen Kind widmen. Und da unterscheiden wir uns wesentlich von Schulen, wo sozusagen die Eltern als Nachhilfelehrer eingepreist sind. Um die Begleitung und Unterstützung der Schülerinnen und Schüler dennoch zu gewährleisten, brauchen die Lehrkräfte Zeit, und wir brauchen den Ganztag. Das föderale Schulsystem sollten wir nutzen, um Synergien zu schaffen. Ein wichtiges Thema wäre etwa, wie organisieren wir zusammen mehr Bildungsgerechtigkeit. Leider geht es aber allzu oft um Konkurrenzen zwischen den Ländern.

Und ich bin auch für längeres gemeinsames Lernen an Schulen, um alle Schichten und Milieus zusammenzubringen. Dazu gehört das Lernen im Sozialraum. Das würde ein Stück helfen, den Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen unabhängiger von ihrer sozialen Herkunft zu machen.

Frage: Macht die Arbeit an einer Schule in einem Problembezirk unter schwierigen Bedingungen zufriedener – weil die Kinder ihre Lehrkräfte hier mehr brauchen als anderswo?

Cordula Heckmann: Für mich und viele meiner Kolleginnen und Kollegen ist das so. Vom ersten Moment an hatte ich das Gefühl, ich bin richtig hier. Ich habe hier die Möglichkeit, Kindern, die es nicht ganz so einfach im Leben haben, ein Angebot zu machen. Und es ist ja auch ein Projekt, das hoffen lässt: Viele Schülerinnen und Schüler von uns haben ihren Weg gemacht.

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EU verurteilt Zerstörung palästinensischer Schule durch Israel

rüstung merz

Brüssel (KNA). Die EU hat die Zerstörung einer palästinensischen Grundschule durch israelisches Militär im besetzten Westjordanland verurteilt. Solche Zerstörungen seien völkerrechtlich illegal; das Recht von Kindern auf Bildung müsse respektiert werden, sagte der Sprecher des Europäischen Auswärtigen Dienstes, Peter Stano, am 2. Dezember in Brüssel. Demolierungen und Zwangsräumungen vermehrten nur das Leiden der Palästinenser und führten zu weiterer Eskalation.

Die israelische Armee hatte am Montag die erst vor kurzem gebaute und auch mit EU-Mitteln finanzierte Schule in Masafer Yatta südlich von Hebron zerstört. Die Aktion fand laut dem arabischen Sender Al Jazeera während des morgendlichen Unterrichts statt. Soldaten hätten Schockgranaten gegen die Kinder eingesetzt, hieß es.

EU-Sprecher Stano sprach von einer „inakzeptablen Entwicklung“. Er verwies auf die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs Israels, der im Mai die gewaltsame Räumung mehrerer Dörfer im Gebiet Masafer Yatta für rechtens erklärte. Die 1.200 Bewohner lebten in einer zunehmend von Zwang und Einschüchterung geprägten Atmosphäre, so Stano; dazu zählten auch Bewegungsbeschränkungen für die Bevölkerung sowie Lehrer und humanitäre Helfer.

Übergriffe nicht hinnehmbar

Washington (KNA). Bei seinem ersten Besuch einer Moschee in den USA hat Präsident Barack Obama Muslime als Teil der „amerikanischen Familie“ bezeichnet. In seiner Rede vor der „Islamic Society of Baltimore“ setzte er sich mit Nachdruck für Religionsfreiheit ein. Drohungen gegen muslimische Gemeinden, Übergriffe gegen Kopftuch tragende Frauen oder muslimische Schulkinder und Beschädigungen von Moscheen seien nicht hinnehmbar.
Muslime seien „ein Teil Amerikas“, sagte Obama. Sie seien nicht „Muslime oder Amerikaner, sondern Muslime und Amerikaner“. An die christliche Mehrheit gewandt sagte der Präsident: „Wir müssen begreifen, dass ein Angriff auf eine Religion ein Angriff auf alle unsere Religionen ist.“ Dies sei zu bedenken, wenn die Gesellschaft es mit der Religionsfreiheit ernst nehme.
Pluralität sei keine Schwäche, sondern die größte Stärke der USA. „Entweder wir steigen zusammen auf oder wir stürzen zusammen ab“, sagte Obama. Ohne ausdrücklich auf den republikanischen Präsidentschaftsbewerber Donald Trump und seine Forderung nach einem Einreiseverbot für Muslime einzugehen, sagte Obama, jede Politik sei zurückzuweisen, die versuche, „Vorurteile oder Stimmungen zu manipulieren, um Leute wegen ihrer Religion anzugreifen“.
Heiterkeit erntete Obama mit der Bemerkung, schon Gegner des US-amerikanischen Gründervaters Thomas Jefferson (1743-1826) hätten diesen als Muslim zu diskreditieren versucht. „Ich bin also nicht der erste“, sagte Obama unter Anspielung auf entsprechende Gerüchte über seine Person. „Ich bin in guter Gesellschaft.“
Die einzigen beiden muslimischen Kongress-Abgeordneten lobten die Rede des Präsidenten. Innerhalb von acht Tagen wandte sich Obama in Reden an Juden, Muslime und Christen in seinem Land: Vergangene Woche bekundete er anlässlich des Holocaust-Gedenktags in der israelischen Botschaft in Washington Verbundenheit mit dem jüdischen Volk. Am Donnerstag das christlich geprägte „National Prayer Breakfast“ auf dem Programm. In den USA sind etwa ein Prozent der Bevölkerung Muslime.

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Autobiografie von Fereshta Ludin: Eine lehrreiche Odyssee

(iz). Eine Rezension über das neue Buch Fereshta Ludins zu schreiben, gleicht dem Auftrag einer Hommage. „Enthüllung der Fereshta Ludin“, heißt die Biografie über „Die mit dem Kopftuch“. Im Frühjahr […]

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