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Ausgezeichnete Kreative und Helferinnen

Berlin (DMZ). Der Ehrenamtspreis für muslimische Frauen in Berlin wurde erstmalig am 12. März 2020 an drei ausgewählte Frauen im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung verliehen.

Ausgezeichnet mit dem ersten Platz wurde Sana Ullah, die sich bereits früh ehrenamtlich bei Islamic Relief engagiert und deren Veranstaltungen und Aktionen mit großer Kreativität und Zuverlässigkeit mit gestaltet. Ebenso bringt sie sich in ihrer Moschee mit methodisch abwechslungsreich gestalteten Unterrichten ein.

Bahiyyah Walter erhielt den zweiten Platz für ihr vielfältiges Engagement in vielen sozialen Bereichen, sei es bei gemeinnützigen Veranstaltungen von Islamic Relief, Spendensammlungen, der Betreuung von Häftlingen und Obdachlosen. In Krisensituationen steht sie Hilfesuchenden als Notfall-Seelsorgerin zur Seite.

Der dritte Platz ging an Du’a Abu Ta’a, die den Unterricht für arabische Sprache für Kinder in ihrer Moschee organisiert und gestaltet. Sie betreut Eltern und Kinder, unterrichtet, managet die Lehrer und organisiert weitere Veranstaltungen.

Ende 2019 waren die Berliner Moscheen und muslimischen Organisationen aufgerufen worden, besonders engagierte Frauen ihrer Gemeinschaft vorzuschlagen. Eine Jury von sechs muslimischen Frauen mit weitreichender Erfahrung im Ehrenamt wählte aus den Nominierten die ersten drei dotierten Plätze.

Der Festakt fand mit rund siebzig geladenen Gästen im Festsaal der Berliner Stadtmission statt. Moderiert wurde die Veranstaltung von Van Bo Le-Mentzel und Said Haider. Das Grußwort sprach Katarina Niewiedzial, Beauftragte des Senats von Berlin für Integration und Migration. Musikalisch eingerahmt wurde der Festakt von Naile Tuncer (Gesang und Klavier), Nathan Andriamiharisoa (Klavier) und Emine Erol (Tanbur).

Iman Reimann, die Vorsitzende des DMZ Berlin e.V. freut sich über die gelungene Veranstaltung: „Mit dem Ehrenamtspreis geben wir Einblick in das vielfältige Engagement muslimischer Frauen, die ihre kraftvolle Motivation aus dem Glauben schöpfen, verantwortungsbewusst handeln und sich gesellschaftlichen Aufgaben stellen.“

Das Resümee der Jury ist ebenfalls beeindruckend, denn: „Ohne den tatkräftigen Einsatz der Frauen würden viele Gemeinden so, wie sie heute existieren, nicht bestehen können. Sie leisten enorm viel Basisarbeit, wodurch die Gemeinden eine Strahlkraft bis in die Gesellschaft hinein erreichen.“

Die Preisverleihung ist Teil des von der Robert Bosch Stiftung geförderten Projekts „Fit für’s Ehrenamt – Muslimische Frauen engagieren sich“. Sie hat das Ziel der Stärkung der Kompetenzen und der Professionalisierung im Ehrenamt.

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Steingewordene Ringparabel in Zartrosa

(iz). Sie verfügen über goldene Kuppeln, prächtige Minarette und reich verzierte Innenräume. Nur betende Muslime trifft man in einigen der schönsten Moscheen Deutschlands nie an. Fabian Goldmann stellt Moscheen vor, […]

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Die Grenzen des Machbaren

BERLIN (GFP.com). Die Bundeswehr bereitet im Windschatten der Coronakrise einen womöglich länger andauernden Inlandseinsatz vor. Ab Freitag dieser Woche, den 3. April sollen 15.000 Militärs voll einsatzbereit sein, um im Kampf gegen das Covid-19-Virus unter anderem logistische Aufgaben zu übernehmen. Im Gespräch sind auch polizeiliche Tätigkeiten.

Der „Einsatz spezifisch militärischer Waffen“ ist laut Berichten nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Darüber hinaus führt die Bundeswehr für den Einsatz eine neue Befehlsstruktur ein: Sie konstituiert vier regionale Führungsstäbe bei zwei Panzerdivisionen, im Luftwaffen- sowie im Marinekommando, die jeweils für mehrere Bundesländer zuständig sind. Die Ausweitung des Einsatzes und die Bündelung der Befehlsstruktur geht mit Forderungen einher, die Grundgesetzbestimmungen für Interventionen im Inland zu lockern.

Zugleich wird scharfe Kritik am neuen Infektionsschutzgesetz laut, das massive Grundrechtseinschränkungen ermöglicht. Rechtswissenschaftler weisen darauf hin, es stelle „die Gesetzesbindung von Regierung und Verwaltung weitgehend zur Disposition“.

Militärische Amtshilfe
Die Bundeswehr steht vor einem möglicherweise länger andauernden Großeinsatz im Inland. Ab 3. April sollen 15.000 Soldaten voll einsatzbereit sein, um unterschiedliche Tätigkeiten im Kampf gegen das Covid-19-Virus zu übernehmen. Formal handelt es sich dabei um sogenannte Amtshilfe nach Artikel 35 des Grundgesetzes; demnach können die Streitkräfte angefordert werden, sofern dies zur Bewältigung einer Naturkatastrophe oder eines besonders schweren Unglücksfalls als nötig gilt.

Bereits Mitte März haben Militärs in Einzelfällen Amtshilfe zu leisten begonnen, so etwa bei der Bereitstellung und der Einlagerung von Material, darunter Atemschutzmasken und Schutzanzüge, bei der Durchführung von Tests und bei der Versorgung von Lkw-Fahrern, die in Dutzende Kilometer langen Staus vor der Grenze zu Polen festsaßen. Bis Ende vergangener Woche waren gut 200 Anträge auf Amtshilfe bei der Bundeswehr eingegangen; davon waren 44 genehmigt worden, neun waren abgeschlossen, 25 werden zur Zeit durchgeführt.

Soldaten als Polizisten
Zum Wochenende sind nähere Angaben über die Einheiten bekannt geworden, die jetzt in volle Einsatzbereitschaft versetzt werden. Demnach werden künftig rund 2.500 Logistiker mit etwa 500 Lkw für „Lagerung, Transport, Umschlag“ bereitstehen.[2] Für Desinfektionstätigkeiten sind 18 Dekontaminationsgruppen mit insgesamt rund 250 Soldaten vorgesehen. 6.000 Militärs können zu nicht näher definierten Aktivitäten zur „Unterstützung der Bevölkerung“ herangezogen werden, rund 5.500 zu „Absicherung/Schutz“. Zudem sind 600 Feldjäger für „Ordnungs-/Verkehrsdienst“ eingeplant.

Es zeichnet sich inzwischen klar ab, dass Soldaten dabei auch Aufgaben übernehmen können, die eigentlich für die Polizei reserviert sind. So will der Landrat des Lankreises Miesbach in Oberbayern rund zehn Soldaten einsetzen, um ein Gebäude des Technischen Hilfswerks abzusichern, in dem Schutzmasken und weitere medizinische Ausrüstung lagern. Einwände gegen eine etwaige Bewaffung der Soldaten gibt es bei den Kreisbehörden nicht.

Darüber hinaus hat das Bundesland Baden-Württemberg vor, krankheitsbedingte Ausfälle bei der Polizei in Kürze durch Militärs zu decken. Dabei gehe es, heißt es, etwa um Transportaufgaben und um den Schutz polizeilicher Einrichtungen.

Neue Befehlsstruktur
Für den Covid-19-Einsatz der Bundeswehr werden, wie der Fachjournalist Thomas Wiegold festhält, „neue Befehlsstrukturen im Inland“ geschaffen. Galten bislang die Landeskommandos der Truppe als Ansprechpartner für die einzelnen Bundesländer in Sachen Amtshilfe, die ihrerseits dem Kommando Territoriale Aufgaben in Berlin und damit dem Inspekteur der Streitkräftebasis unterstellt sind, so wird jetzt zwischen die Landeskommandos und die nationale Zentrale in Berlin eine weitere Ebene eingefügt: vier regionale Führungsstäbe, die jeweils für mehrere Bundesländer zuständig sind.

Angesiedelt sind sie bei der 10. Panzerdivision in Veitshöchheim (Bayern), bei der 1. Panzerdivision in Oldenburg, beim Luftwaffenkommando in Berlin sowie beim Marinekommando in Rostock. Lediglich die ABC-Abwehreinheiten, die Desinfektionsaufgaben übernehmen sollen, sowie die Feldjäger sind unmittelbar dem Inspekteur der Streitkräftebasis, Martin Schelleis, unterstellt. Wiegold zitiert aus einer internen Anweisung der Truppe, der zufolge „in besonderen Ausnahmefällen und auf Weisung der Bundesministerin“ der „Einsatz spezifisch militärischer Waffen … zulässig“ sei.

Hatte das Bundesverfassungsgericht dies 2006 noch für unzulässig erklärt, so hat es den Beschluss im Jahr 2012 revidiert und den Einsatz spezifisch militärischer Mittel, wenn auch mit gewissen Einschränkungen, erlaubt.

Grundgesetzänderung
Mitgetragen wird der Covid-19-Inlandseinsatz der Bundeswehr auch von Reservisten. Bis Ende vergangener Woche hatten sich knapp 8.000 von ihnen freiwillig gemeldet. Hinzu kommt, dass die Debatte über eine Grundgesetzänderung zur Ausweitung derartiger Einsätze begonnen hat. Nach ersten Überlegungen des CDU-Militärpolitikers Roderich Kiesewetter, den Grundgesetzartikel 35 um die ausdrückliche Nennung von Pandemien als Einsatzgrund zu erweitern, hat sich Patrick Sensburg, Präsident des Bundeswehr-Reservistenverbandes sowie CDU-Bundestagsabgeordneter, entsprechend geäußert.

Bezüglich der Einsatzfelder für die Bundeswehr müsse man „diskutieren“, was künftig unter „Sicherung kritischer Infrastruktur durch die Streitkräfte“ zu verstehen sei, forderte Sensburg: „Bislang war damit das Wasserwerk oder Elektrizitätswerk gemeint.“ Nun aber zeige sich, dass es dabei „auch um die Versorgung des Supermarkts um die Ecke oder von Lkw-Fahrern auf der Autobahn gehen kann“. Eine „Klarstellung“ sei „sinnvoll“.

Grundrechte eingeschränkt
Unterdessen wird scharfe Kritik an dem neuen Infektionsschutzgesetz laut, das am Mittwoch vom Bundestag und am Freitag vom Bundesrat verabschiedet worden ist.

Es ermächtigt den Bundesgesundheitsminister, sofern das deutsche Parlament eine „epidemische Lage von nationaler Tragweite“ feststellt, zu weitreichenden Maßnahmen, die nicht zuletzt die Einschränkung oder die Aufhebung von Grundrechten umfassen, darunter die Versammlungsfreiheit und die Freizügigkeit, aber auch das Recht auf körperliche Unversehrtheit.

Kritisiert wird dabei nicht nur, dass die Maßnahmen, wenngleich das Gesetz zunächst auf ein Jahr beschränkt ist, schwere Einschnitte mit sich bringen, sondern auch, dass sie weitreichende, grundsätzliche Bedeutung haben.

Autoritäre Entscheidungen
So weisen die Juristen Klaus Ferdinand Gärditz und Florian Meinel, Professoren für Öffentliches Recht an den Universitäten Bonn bzw. Würzburg, darauf hin, „dass das neue Infektionsschutzgesetz die Gesetzesbindung von Regierung und Verwaltung weitgehend zur Disposition stellt“. „Der neue Paragraph 5 Absatz 2 erteilt dem Gesundheitsminister die Befugnis, durch Rechtsverordnungen von den gesetzlichen Regelungen dieses und anderer Gesetze abzuweichen“, konstatieren Gärditz und Meinel: „Mit der Ermächtigung eines Bundesministeriums, gesetzesvertretendes Verordnungsrecht zu erlassen, setzt sich das Parlament in Widerspruch zu zentralen Normen der Verfassung“. Letztere seien eine Lehre aus „dem historischen Trauma des Ermächtigungsgesetzes vom März 1933 und der Handhabung des Notverordnungsrechts durch den letzten Reichspräsidenten“.

In dem neuen Infektionsschutzgesetz würden „die gesetzlichen Regelungen … ohne nennenswerte Begrenzung zur Disposition gestellt“; „Zweck und Ausmaß der Abweichungen bleiben opak“. Gärditz und Meinel warnen ausdrücklich, „die entscheidende Frage“ sei, ob die parlamentarische Exekutive „in der Situation höchster Gefahr in der Lage“ bleibe, „politische Mehrheiten für ihre Politik zu gewinnen“, „oder ob die Exekutive zur Chiffre einer Sehnsucht nach autoritären Entscheidungen mit harter Hand wird, die auf die Zustimmung einer zunehmend panischen Bevölkerung setzt“ – um rücksichtslos „die Grenzen des Sagbaren und des Machbaren auszutesten“.

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„Moscheen brauchen finanzielle Unterstützung“

Berlin (Islamrat). „Die Einschränkungen während der Corona-Krise trifft Moscheegemeinden hart. Sie brauchen jetzt finanzielle Unterstützung, um die nächsten Wochen und Monate zu überstehen“, erklärt Burhan Kesici, Vorsitzender des Islamrates für die Bundesrepublik Deutschland. Anlass sind die Beschränkungen zur Verhinderung der weiteren Ausbreitung der Corona-Pandemie – unter anderem das Verbot, in sich in Moscheen zu Gebeten und anderen Gottesdienste zu versammeln.

„Die Maßnahmen zur Eindämmung der weiteren Ausbreitung des Corona-Virus unterstützen wir als islamische Religionsgemeinschaft uneingeschränkt. Bereits vor den ersten Erlassen haben wir im Rahmen unserer Möglichkeiten zahlreiche Maßnahmen in unseren Moscheegemeinden ergriffen. Der Schutz des Lebens und die Gesundheit sind uns von Allah anvertraut und genießen hohe Priorität.

Gleichzeitig stoßen viele unserer Moscheegemeinden an ihre finanziellen Grenzen. Die Moscheen des Islamrates werden ausschließlich mit Mitgliedsbeiträgen und größtenteils von Spenden der jeweiligen Gemeindemitglieder und Moscheebesucher finanziert. Andere Einnahmequellen oder Geldgeber gibt es nicht. Aus diesen Erlösen werden laufende Bankkredite zur Finanzierung des Eigentums oder laufende Mietkosten finanziert. Hinzu kommen Lohnfortzahlungen an Imame und gegebenenfalls an weiteres Personal in den Gemeinden.

Durch den Ausfall der täglichen Gebete und des Freitagsgebets ist ein beträchtlicher Teil der Spenden ersatzlos weggefallen. Viele Gemeinden sind sehr besorgt, ob sie die nächste Bankrate, die laufende Miete oder den Imam noch bezahlen können. Insbesondere die gesammelten Spenden während des Fastenmonats Ramadan machen erfahrungsgemäß einen großen Anteil am Jahresvolumen aus. Derzeit deutet vieles darauf hin, dass die Einschränkungen auch noch nach Beginn des Fastenmonats am 23. April andauern werden. Damit wären viele Moscheegemeinden nicht mehr solvent.

Vor diesem Hintergrund rufen wir die Bundesregierung und die Landesregierungen auf, Maßnahmen zum finanziellen Schutz und Erhalt der Moscheegemeinden zu ergreifen. Viele Moscheegemeinden leisten einen unschätzbar wichtigen Beitrag für die Gesamtgesellschaft, tragen zum Zusammenhalt bei und engagieren sich in ihren Städten und Kommunen. Auch während der Corona-Krise haben sich bundesweit tausende Jugendliche aus Moscheegemeinden zu örtlichen Hilfsgruppen zusammengeschlossen, um Älteren und sonstigen Risikogruppen zu helfen, ihre Einkäufe oder sonstige Besorgungen zu erledigen. Es wäre fatal, sie und ihre Moscheegemeinden ausgerechnet jetzt alleine zu lassen.

Die allermeisten Islamrat-Moscheen blicken auf jahrzehntealte Traditionen zurück. Sie wurden mit größten Mühen und aus Eigenmitteln der einstigen ‚Gastarbeiter‘ aufgebaut. Sie und ihre mühsam aufgebauten Gemeinden in dieser schwierigen Zeit alleine zu lassen, wäre unangemessen und würde der Lebensleistung der Gründerväter dieser Moscheegemeinden nicht gerecht werden“, sagte Kesici weiter.

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Das Virus und wir

(iz). Das Coronavirus, oder COVID-19, verursacht grippeähnliche Symptome und Erkrankungen der oberen Atemwege. Es stammt aus einer Familie von Viren, die ungefähr ein Drittel von Grippen und Erkältungen ausmachen. Nur wenige Mitglieder dieser Virusfamilie können schwerwiegendere Symptome verursachen, und COVID-19 ist eines davon, wobei dies nicht heißt, dass es dazu kommen muss. Die meisten Menschen die daran erkranken, leiden unter normalen unangenehmen Grippesymptomen. In einigen extremen Fällen kann es jedoch zu einer Bronchitis oder Lungenentzündung kommen. Die Komplikationen durch Bronchitis und Lungenentzündung können sich in etwa 3,4 Prozent der Fälle als tödlich erweisen.

Um dies ins rechte Licht zu rücken, muss erwähnt werden, dass andere Ausbrüche dieser ­Virusfamilie Todesraten von bis zu 38 Prozent hatten (MERS-Cov2). Es wird angenommen, dass die Übertragungs­mechanismen hauptsächlich über Niesen, Husten und Oberflächenkontakt entstehen.

Unser modernes Leben, geprägt von intensiven internationalen Reisen und Migration, in Verbindung mit der globalen Erwärmung, erhöhen die Chancen globaler Pandemien erheblich. Da sich die pharmazeutischen Investitionen in Virostatika und Antibiotika verlangsamt haben, wünschen sich Pharmaunternehmen seitdem Zugang zu öffentlichen Mitteln für die Durchführung von Forschungsarbeiten.

Sie sind verständlicherweise zu dem Schluss gekommen, dass die Finanzierung dieser Art von Forschung zu teuer ist, die Forschungsreisen zu lang sind und das Risiko besteht, zu viel Aufwand zu betreiben, ohne wirksame Resultate zu erzielen. Daher haben sich Pharmaunternehmen vermehrt von dieser Art der Forschung abgewandt. Nun brauchen sie unser Geld.

COVID-19 hat den medialen Nutzen, Pharmaunternehmen einen besseren ­Zugang zur öffentlichen Geldbörse zu verschaffen. Dies wird zur Finanzierung für die Forschung antiviraler und antibiotischer Mittel verwendet. Unser westliches Lösungsmodell ist ein militanter Kapitalismus des freien Marktes, der in seinem Ansatz fast stalinistisch ist. Die Krise wird die Gesellschaft und unsere Wirtschaft neu gestalten, um der Doktrin eines militanten Kapitalismus des freien Marktes zu entsprechen, der oft mit ­verheerenden menschlichen Kosten und unglaublichen Verlusten öffentlicher Gelder einhergeht. Die Mängel dieses Ansatzes werden sich in der Art und Weise zeigen, wie wir mit dem zunehmenden Risiko von Pandemien umgehen.

Während dieser Artikel Strategien zur Erhöhung der Immunität enthält, müssen wir uns an unsere kollektive Verantwortung erinnern, jene Probleme anzugehen, die in erster Linie zu dieser Art von Krise führen. Wir versuchen jedoch, diese Probleme mit denselben Prozessen zu lösen, die sie überhaupt verursacht ­haben. Militante Ansätze des freien Marktes funktionieren eben durch die Anwendung zunehmend militanter ­Strategien des freien Marktes.

Nun zum Persönlichen. Nach der ­Infektion ist die traditionelle Strategie der griechisch-arabischen, chinesischen und ayurvedischen Medizin, die durch das Virus hervorgerufenen Zustände zu unterbinden, indem entweder die durch die Symptome hervorgerufenen Zustände beschleunigt und schnell abgeschlossen werden, während die Stärke und ener­getische Integrität des Patienten erhalten bleibt, oder man entscheidet sich für die Unterbindung der Bedingungen, die das Virus fördern, damit es keine brauchbare Arbeitsgrundlage mehr hat. Diese Strategien können zusammen mit antiviralen Medikamenten und allopathischen Arzneimitteln verfolgt werden.

Wir können den menschlichen Körper als eine Festung mit Mauern und Toren betrachten, die entweder Eintritt ermöglichen oder die Verteidigung der Festung erleichtern. Sie halten Feinde fern und lassen Freunde herein. Die Wände sind ein spezieller Zelltyp, der Grenzen schafft.  Dieses Gewebe wird als Epithelgewebe bezeichnet, aus dem unsere Haut, unser Lungengewebe und das Verdauungs­system bestehen.  Dies ist unsere erste Verteidigungslinie. Die Tore sind unsere Münder, Nasenlöcher und andere Öffnungen. Unsere Lungen und unser Verdauungstrakt müssen das einlassen, was wir brauchen, und unerwünschte Fremdstoffe und Mikroben fernhalten. Das Epithelgewebe weist daher Lücken auf, die kontrolliert werden, um Dinge hereinzulassen und draußen zu halten.

Längerer Stress setzt jedoch Stress­hormone frei, die das Epithelgewebe langfristig verändern. Dies vergrößert die Lücken und erweitert so die metaphorischen Tore, was die Verteidigung beeinträchtigt und die Belastung unseres ­Immunsystems erhöht. Die Feinde sind jetzt innerhalb der Tore und so werden die Immunitätssoldaten zum Handeln gezwungen. Genau aus diesem Grund ist Panik in unserer ohnehin schon stressigen Situation mit dem Coronavirus eine ­besonders dumme Art, mit dieser umzugehen.

Zunehmende Angst und Panik, zwanghaftes Fernsehen und Aufmerksamkeit bedeuten Profit für die Medien. Die Bedürfnisse unserer Gesellschaft und die der Medienunternehmen sind im Widerspruch zueinander und dies verschlimmert genau das, wovor die Medien uns eigentlich schützen wollen.

Das Wichtigste, was wir tun können, um unsere Immunität zu stärken, ist Stress abzubauen. Somit wird die Integri­tät unseres Epithelgewebes repariert. Wir tun auch gut daran, unsere Verdauungsbelastung zu verringern, indem wir leichtere, nährstoffreiche Lebensmittel essen, wobei Gemüse ganz oben auf der Liste steht. Suppen und Eintöpfe entlasten das riesige freiliegende Verdauungsgewebe, das sich durch unseren Körper erstreckt, und geben unserem epithelialen Barrieregewebe die Möglichkeit, seine gesunde Struktur wiederherzustellen. Wegerich und Odermennige sind nützliche Kräuter, um dies zu unterstützen.

Hier ist eine wirksame Mischung zur Stärkung des Immunsystems.

Zutaten:
1 ganze ungewachste Zitrone
Eine Daumenlänge Ingwer
1 Handvoll Minzblätter
1 grüner Apfel oder eine grüne Mango
2 TL Fenchelsamen.
TL rotes Chilipulver (weglassen, wenn jemand, der die Mischung einnimmt, autistisch ist)
1 TL Meer- oder Steinsalz
½ Zwiebel.
4-6 Knoblauchzehen.
Honig und Olivenöl oder Apfelessig, um gewünschte Konsistenz und Geschmack zu erreichen. Lagern Sie die Mischung in einem Glas im Kühlschrank.

Dosierung: 1 TL zweimal täglich.

Und: Stress reduzieren.

Eine der Folgen der Moderne war die Trennung des Menschen von einer ­Medizin, die ihn mit seiner Umgebung und den ihn umgebenden Segnungen verband. Das fortschreitende Entfernen ­traditioneller Arzneimittel aus den Gemeinden war Wegbereiter unserer schließlichen Abhängigkeit von Arzneimitteln. Krankheit wurde zu einem Markt, der ausgebeutet werden sollte, und da Krankheit nicht von Menschen getrennt werden kann, werden Menschen ausgebeutet.

Die moderne Medizin hat viel zu bieten, aber das Wirtschaftsmodell, das die Dämonisierung der traditionellen Kräutermedizin zur Förderung der pharmazeutischen Medizin erforderlich machte, war nie im Interesse der Menschen. Es sind Medikamente in den Kräutern, Gewürzen, Früchten, Mineralien und Dingen um uns herum enthalten. Das Wissen um pflanzliche Heilmittel wird von Pharmaunternehmen als kommerzielle Katastrophe angesehen, doch muss sich dies in unseren Leben ändern. Es muss und wird. Denn wie Bob Marley sagte: „In der Fülle des Wassers hat der Narr Durst!“ Ihre Küche ist eine Apotheke!

Die menschliche Festung erstreckt sich durch Sie und ist die lange, gewundene Tunnelstraße Ihres Verdauungssystems.  Es ist das am stärksten den Elementen ausgesetzte Organ und transportiert Krankheitserreger – Viren, Pilze, Phagen und Bakterien – in den Kern unseres Körpers. Es ist jedoch mit Säuren, Enzymen und anderen Verdauungshilfen über­flutet, die, sobald sie ausgeglichen sind, dafür sorgen, dass die überwiegende Mehrheit der Invasoren rechtzeitig stirbt, indem sie schlichtweg auf eine robuste Verdauung stoßen.

Schleimhäute schützen die Verdauungswände und verlangsamen Krankheitserreger, sodass die Flüssigkeiten eine gute Chance haben, zu wirken. Eine der Wirkungen der Kräuterformel, die ich Ihnen gegeben habe, besteht darin, die Verdauung zu stärken, eine gesunde Schleimsekretion zu fördern und so die Belastung Ihres Immunsystems zu verrin­gern, die unweigerlich mit einer schlechten Verdauung einhergeht. Nur die Förderung einer gesunden Schleimsekretion stellt sicher, dass die natürlichen Abwehrkräfte gut funktionieren. Dies stärkt die Abwehr sowohl der Lunge als auch des Verdauungssystems, und dies ist die Weisheit der traditionellen Medizin, denn Tausende von Jahren übermittelter Beobachtung führen zu einigen ziemlich vernünftigen Strategien.

Alle Zutaten sind Lebensmittel, daher besteht nur ein sehr geringes Risiko für Nebenwirkungen und Komplikationen.  Das Mittel ist auch für Schwangere und Kinder geeignet. Für Kinder müssen wir die Dosierung je nach Alter und Größe des Kindes auf ½, oder ¼ Teelöffel ­reduzieren.

Sobald Krankheitserreger – Viren, Bakterien, Phagen oder Pilze – über das Epithelgewebe der Haut, der Lunge oder des Verdauungssystems gelangen, kommen sie direkt in den Blutkreislauf. Sie haben nun erfolgreich die Festungsmauern durchbrochen und die menschliche ­Verteidigung kann in diesen Fällen keine Sperrmauern und klebrigen Schleimhäute mehr gegen sie anwenden. Der Feind befindet sich jetzt im Blutkreislauf und unser Körper muss jetzt eine ­Immunreaktion auslösen, sodass die Truppen versammelt sind und einströmen, um die anzugreifen, die sich in den Kasernen des Lymphsystems befinden, die häufig neben Blutgefäßen und Nerven in getrennten Gefäßen zirkulieren. Diese Verteidigungstruppen müssen fremde Invasoren identifizieren, und ­daher gibt es häufig eine Verzögerung zwischen dem Sammeln von Informationen und der Immunabwehr, insbesondere wenn der Erreger noch nie zuvor angetroffen wurde.

Das Problem von gestresstem und verändertem Verdauungsgewebe besteht insbesondere darin, dass mit den vergrößerten Lücken im Gewebe der Blutstrom von vielen Fremdkörpern angegriffen wird und dies ein langfristiges Problem ist. Es kommt zu Veränderungen der Qualität unserer Körperflüssigkeiten, das Immunsystem ist chronisch hyperal­armiert und muss Überstunden leisten. Dies führt zu einem beeinträchtigten Verdauungssystem und Immununregelmäßigkeiten einschließlich Allergien.

Unsere Küchenmedizinformel enthält zwei beliebte Inhaltsstoffe, natürliche Antibiotika, die die Arbeit unserer Immuntruppen unterstützen und verstärken. Diese sind Knoblauch und Zwiebeln. Ja! Wer hätte gedacht, dass Knoblauch und Zwiebeln natürliche Antibiotika sind? Diese beiden wunderbaren Mitglieder der Pflanzenwelt unterstützen nicht nur die Immunität, sondern auch die Verdauung.

Das nächste, was wir berücksichtigen müssen, ist die Qualität der Körperflüssigkeiten, da unsere Immunreaktionen in unseren Körperflüssigkeiten ausgelöst werden und daher eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ein sehr wichtiger Faktor für die Optimierung der Immunität ist. Ich habe vier Podcasts, in denen die Bedeutung der Flüssigkeitszufuhr und die Frage, wie wir diese sicherstellen können, erörtert werden. Sie finden diese unter alexcarberry.podbean.com und mich unter alexcarberry.net.

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Können wir zurück zum Status quo?

(iz). Am 16. März veröffentlichte das Bundespresseamt eine gemeinsame Erklärung von Staats- und Regierungschefs der G7. In der Videokonferenz und dem folgenden Papier wurde die COVID-19-Pandemie als „menschliche Tragödie“ und „weltweite gesundheitliche Krise“ anerkannt. Auch die erwarteten Risiken für die Weltwirtschaft blieben nicht unerwähnt. Ungeachtet nötiger nationalstaatlicher Sofortmaßnahmen bleibe man der Stabilität der Weltwirtschaft verpflichtet.

Der erste Teil der staatsmännischen Analyse reflektierte den Ernst der sich entfaltenden Krise. Die gemeinsamen Ziele (notwendige Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit, Förderung von Wachstum und Schutz von Arbeitsplätzen, Unterstützung von Welthandel und internationalen Investitionen sowie Wissenschafts- und Technologiekooperation) hingegen äußerten einen Optimismus, dem sich nicht alle anschließen mögen.

Jenseits von Panik, Weltuntergangsszenarien und Borderline-Verschwörungstheorien gibt es genug rationale Aspekte, der längt global verzahnten Realitäten, die eine Rückkehr zum Zustand vor Beginn der Ausbreitung von SARS-CoV-2 als übermenschliche Anstrengung erscheinen lassen.

Letztendlich stellt sich die (vorher von Fridays for Future formulierte) Frage, ob und wie sich das seit dreißig Jahren dominante Modell der Globalisierung und des stetigen Wachstums halten lässt. In ihrer Analyse vom 16. März in „Foreign Policy“ stuften H. Farrell und A. Newman Virus, Pandemie und Erkrankung als „enormen Stresstest für die Globalisierung“ ein. „Während entscheidende Lieferketten zusammenbrechen und Nationen medizinische Versorgung horten und sich beeilen, Reisen zu begrenzen, zwingt die Krise zu einer umfassenden Neubewertung der vernetzten Weltwirtschaft.“ Nicht nur habe die Globalisierung überhaupt erst die Ausbreitung einer ansteckenden Krankheit ermöglicht, sondern schuf eine tiefe, gegenseitige Abhängigkeit zwischen Konzernen und Nationen. Das macht alle wesentlich empfänglicher für unerwartete Schocks. „Jetzt erkennen Firmen und Staaten gleichermaßen, wie verletzlich sie sind.“

Für das Autorenduo besteht die Lektion des neuen Coronavirus nicht im Scheitern der Globalisierung, sondern in ihrer Verletzlichkeit.  – „trotz oder gerade wegen ihrer Vorteile“. Seit Jahrzehnten erzeugten Unternehmen bisher nie gekannten Reichtum. Aber deren Bemühung zum Streamlining habe auch die Menge ungenutzter Ressourcen in der Weltwirtschaft als Ganzer verkleinert. Zu wenige dieser Mittel machten das größere System in Krisenzeiten brüchig und schalteten wichtige Sicherungen aus.

„Das Fehlen ausfallsicherer Herstellungsalternativen kann dazu führen, dass die Lieferketten zusammenbrechen, wie dies in einigen medizinischen und gesundheitsbezogenen Bereichen aufgrund des neuen Coronavirus der Fall ist. Die Produzenten lebenswichtiger medizinischer Versorgung wurden von einem Anstieg der weltweiten Nachfrage überwältigt, bei dem die Länder im Wettbewerb um Ressourcen gegeneinander antreten“, schrieben Farrell und Newman. Die Schwächen der globalen Lieferketten gäben China enorme kurzfristige Vorteile, das Verhalten anderer Staaten zu beeinflussen. „Das sind wertvolle Mittel – und Peking setzt sie geschickt ein.“

In der Sicht von Marc Saxer, Asienreferent bei der Friedrich-Ebert-Stiftung, habe die globale Vernetzung zu einem „plötzlichen Einbruch“ der chinesischen Nachfrage nach Erdöl geführt. Das habe den entsprechenden Rohstoffmarkt erschüttert. „Der Ölpreis stürzte in der Folge auf historische Tiefststände. Das mag Industrie und Verbrauchern kurzfristig Erleichterung verschaffen. Ölpreiskriege, Rezessionssorgen und Kalamitäten an den Finanzmärkten lassen jedoch die Börsen abstürzen.“ Nur ein entschlossenes Eingreifen aller großen Zentralbanken habe bisher einen Finanzinfarkt verhindern können. Vollkommen unklar ist, soweit, was dieser Preiseinbruch für die Erdölproduzenten – und alle Länder, die von Rohstoffausfuhren abhängig sind – bedeuten wird.

Größere Sorgen bereiteten ihm „die Schockwellen, die nun durch die maroden Finanzsysteme laufen und dort längerfristige besorgniserregende Trends“ verstärken würden. Viele Industriezweige und Privathaushalte in den USA seien überschuldet. Und in China würden Schattenbanken, Immobilien- und Staatsunternehmen sowie die Provinzen des Landes unter einer Schuldenlast ächzen. Und in Europa hätten sich seine Banken bisher immer noch nicht von der Finanzkrise 2008 erholt: Der wirtschaftliche Kollaps in Italien könne die Eurokrise wieder aufflammen lassen. „Wie groß die Furcht vor dem Einsturz dieser Kartenhäuser ist, zeigt die Flucht der Investoren in sichere Staatsanleihen. Die Coronakrise könnte eine Kettenreaktion in Gang setzen, an deren Ende eine globale Finanzkrise steht“, schrieb der Asienexperte.

Jayati Gosh befürchtete am 17. März im „IPG Journal“ der Friedrich-Ebert-Stiftung einen Fall in die Rezession. Die Unterbrechung von Lieferketten, Schließungen von Fabriken (wie es die Autoindustrie in Europa und den USA tat), Stilllegung ganzer Regionen sowie Existenzsorgen breiter Arbeiterschichten stellen ein realistisches Szenario dar.

Gosh merkte kritisch an, dass eine zunehmende finanzielle Instabilität mit ihrem „Potenzial für eine Schuldenkrise und sogar einen umfassenderen finanziellen Zusammenbruch“ bisher zu wenig beachtet werde. Die Möglichkeit auf eine realökonomische Erholung der Märkte und betroffenen Länder könnte „durch unbewältigte Finanz- und Schuldenkrisen zu Fall gebracht werden“. Eine Analyse der UN-Konferenz für Handel und ­Entwicklung (UNCTAD) zeigt, dass die Gesamtverschuldung der Entwicklungsländer (privat, öffentlich und im Ausland) ca. doppelt so hoch sei wie ihr gesamtes Bruttoinlandsprodukt. „Diese finanzielle Lage, die in den besten Zeiten beun­ruhigend wäre, könnte schon bei einem relativ leichten wirtschaftlichen Schock eine Katastrophe bedeuten.“

Nach Ansicht von manchen Beobachtern kann sich die Krise der nationalen Gesundheitssysteme und in Folge der Weltwirtschaft weiter hin zu einer weiteren Machtverschiebung auf globaler Bühne führen. Nach Ansicht von K.M. Campbell und R. Doshi in „Foreign Policy“ (18. März) hätte die Corona-Pandemie die Fähigkeit der USA, auf Krisen zu reagieren, ihre Macht zu projizieren und glaubwürdig zu wirken, getestet. Ihr skeptisches Urteil lautet, dass das politische Washington bisher in der Krise daran gescheitert sei.

Das von den USA geschaffene Vakuum werde derzeit zügig von der chinesischen Führung gefüllt. „Es arbeitet daran, sein System zu bewerben, anderen Ländern materielle Hilfe anzubieten und sogar andere Regierungen zu organisieren. Die bloße Dreistigkeit von Chinas Schritt ist kaum zu übertreiben. Schließlich waren es Pekings eigene Fehltritte – insbesondere seine Bemühungen, zunächst die Schwere und Ausbreitung des Ausbruchs zu vertuschen –, die dazu beitrugen, die Krise hervorzubringen, von der jetzt ein Großteil der Welt betroffen ist.“

China konnte die Gelegenheit nutzen, seine eigene Geschichte zu erzählen. Die Möglichkeit erhielt es durch das der­zeitige Chaos in der US-Führung. Seine Staatsmedien und Diplomaten erinnern ein globales Publikum regelmäßig an die Überlegenheit seiner Bemühungen und kritisieren die „Verantwortungslosigkeit und Inkompetenz“ der „sogenannten ­politischen Elite in Washington“, wie es die staatliche Agentur Xinhua in einem Meinungsbeitrag geschrieben hat.

Viel grundsätzlicher und skeptischer äußerte sich der wichtige indische Denker und Kritiker Pankaj Mishra. In einem Beitrag für „Bloomberg News“ schrieb er unter Verweis auf die Krisen vor und nach dem Ersten Weltkrieg, dass der Coronavirus für eine „radikale Transformation“ stehe. Und zwar einer Art, die sich nur einmal pro Jahrhundert ereigne und die vorherige Annahme zerschmettere. Die an sich schon verheerende Pandemie könnte sich nur als der erste von mehreren Schocks erweisen, die vor uns lägen.

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Sari Saltuk in Blagaj

(iz). Die Frage, wie Islam auf den Balkan kam, ist heiß umstritten. Kam er mit Schwert? Oder war es, wie Noel Malcolm in seiner Geschichte der Balkanstaaten schreibt, dass Christen […]

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Mit wem soll man kooperieren?

Muslimische Repräsentanten sind (in den USA) als Reaktion auf den „Donald Trump-Effekt“ Bündnisse mit der US-Linken (dort als „Liberals“ bezeichnet) eingegangen. Postmoderne Weltanschauungen haben in Folge die Autorität der offenbarten Schriften herausgefordert und so eine Filterblase der Heiligkeit um jene „Rechte“ gebaut, die in der öffentlichen Rationalität wurzeln. Die möglicherweise größte Herausforderung dieser Postmoderne ist die fluide Natur von Wahrheit dank des extremen Subjektivismus der Spätmoderne. Eine solche Modernität wird eben solche muslimischen FührerInnen hervorbringen, und dadurch die subversive Natur der Religion neutralisieren.

(Muslim Matters). Als Kind einer christlichen Familie habe ich häufig vor dem Schlafengehen das Vaterunser gelesen. Es hinterließ einen starken Eindruck in meinem moralischen Gefüge. Seine Worte scheinen mir anhaltend als Rechtleitung für die Menschheit zu dienen. Nachdem ich mit dem Islam gesegnet wurde, bin ich der Meinung, dass es nach als Rahmen und Paradigma für den muslimischen Geist und die gesellschaftliche Interaktion dienen kann.

Die Worte „dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel“ scheinen einen rechtschaffenen Versuch nahezulegen, die himmlische Ordnung hier auf Erden nachzubilden. Sie nehmen das Himmlische und wollen es hier auf Erden anwenden. Die Quelle der Güte sind demnach die Himmel.

Die erste große Bewegung von diesem Ideal weg war es, den Menschen zur Quelle des Guten zu machen. So als würden wir sagen: „Dein Wille geschehe im Himmel, so wie er auf Erden ist.“ Die Heiligkeit und Autorität der Offenbarung ging an den Menschen und seinen eigenen Willen über. Während beide Perspektiven möglicherweise gelegentlich zu den Standards der Vollkommenheit einig sind, sind Muslime und Christen durch Offenbarung einem anderen Standard verpflichtet, der nicht von ihnen kommt.

Postmoderne Trends verlagerten das Maß der Perfektion auf den menschlichen Geist und das kollektive Verständnis von „Korrektheit“. Später wandelten die Trends der Spätmoderne die heilige Botschaft des Gebets weiter: „Mein Wille geschieht auf Erden wie im Weltraum.“ Wo der Mensch einmal aufblickte und etwas sah, das er Himmel nannte, schaut er jetzt in die gleiche Richtung und sieht nichts. Dieser Raum ist zufällig, blind und ohne Zwecke – wie die arme Seele, die auf Erden wandelt. Das ist die Realität der Spätmoderne, die so beredt von Zygmunt Bauman erklärt wurde.

In „Modernity’s Wager“ erklärt Adam Seligman einen Kompromiss, den religiöse Gemeinschaften einer postmodernen Gesellschaft schließen müssen. Der „Wetteinsatz“, wie er ihn nennt, ist ein Wandel von der offenbarten Realität eines transzendenten Wesens zur „augenscheinlichen“ Wahrheit unserer kollektiven Gesellschaft. Entsprechend dem Narrativ im öffentlichen Diskurs sind diese Wirklichkeiten offenkundig und daher vorrangig in der Vernunft verwurzelt. So als würde Gott nur das widerspiegeln, was unser Geist schon durch den Verstand erreichen könne. Seligman glaubt, der Prüfstein der heutigen Moral sei die Vorrangstellung individueller Rechte, die in der Vernunft wurzelten. Diese hätten nun Heiligkeit für sich beansprucht. Dies sei der „Einsatz“ des modernen Menschen. Er habe die Krone des Sakralen von der Offenbarung übernommen und sich gekrönt. Alles, was er denke, fühle, sage und ausdrücke werde geheiligt. So habe er sich zur letzten Autorität gemacht, über der es keine weitere mehr gebe. Mit den Worten Seligmans: „Wenn das Selbst jedoch einen heiligen Ort hat, dann muss es auch ein gebieterischer sein, denn was ist das Heilige, wenn nicht bestimmend?“

Liquide Modernität: Auf dem Wasser gehen
Das vielleicht stärkste Kennzeichen der spätmodernen Gesellschaft ist ihre Liquidität und Fehlen an Definition. Formen und Definitionen unterliegen in ihr dem Blickwinkel. Hier sind Bestimmungen nicht objektiv. Und Begriffe durch den Geist desjenigen definiert, der sie benutzt, anstatt dass sie einer externen Quelle kommen. Vernunft und Logik werden angesichts der öffentlichen Meinung aus dem Fenster geworfen. Ein Mann oder eine Frau ist keine biologische, objektive und konkrete Sache, sondern wird durch jene Person definiert, die den Begriff verwendet.

Wahrheit, Gerechtigkeit, Gleichheit und Freiheit werden hier ebenfalls verflüssigt. Diese Begriffe sind nicht länger Worte, durch die Menschen oder Kulturen beurteilt werden, sondern werden zu Namen, die trotz ihres regelmäßigen Gebrauchs jede Bedeutung verlieren. Machthaber betrachten sich als den Maßstab zur Definition der Terminologie. Zu sagen, dass diese oder jene Nation nicht frei sei, bedeutet demnach, dass sie nicht unserer Definition davon entspricht. Jede objektive Diskussion über Freiheit bleibt so vom öffentlichen Gespräch ausgeschlossen. Diese Verflüssigung sei ein notwendiger Schritt hin zur Befreiung des Menschen. Sie ermächtigt ihn, in Übereinstimmung zu seiner oder ihrer Vorstellung der umgebenden Welt zu handeln.

Die Bewertung von Angemessenheit oder Unangemessenheit des Verhaltens einer anderen Person wird in dieser liquiden Welt unangemessen oder inakzeptabel. „Wer bist du, um mir zu sagen, dass das, was ich tue, falsch ist?“, ist eine normale und plausible Antwort, wenn die Realität der Welt um diese Person durch nichts anderes als ihre Perspektive und Freiheiten definiert wird. Ein Urteil über Angemessenheit von Handlungen und Lebensstilen ist kein Angriff auf ein Individuum, sondern auf deren Angemessenheit. Das Erscheinen von „Safe Spaces“ (die alles andere als sicher sind) schafft essenziell eine Sphäre, in der Wahrheit und Lüge, Angemessenheit und Unangemessenheit nicht existieren und nicht diskutiert werden können. Macht einfach, was ihr wollt.

Zygmunt Bauman hat den Begriff „liquide Moderne“ geprägt, um den spätmodernen Staat zu definieren. Flüssigkeiten nehmen ihrem Wesen nach die Form jedes Gefäßes an, in dem sie sich befinden. Religiöse Tradition will ihrer Natur nach nicht liquide sein. Vielmehr verlangt sie danach, Gefäß zu sein, durch welches das menschliche Leben geprägt wird – und Gesellschaft als ganzer. Religion formt und wird nicht geformt.

Zygmunt Bauman hat ausführlich über die Inkohärenz einer flüssigen Gesellschaft geschrieben, die nicht definiert ist. Er führte die Idee der flüssigen Moderne ein und erklärte, dass ihre Merkmale sich auf das Individuum beziehen: nämlich das zunehmende Gefühl der Unsicherheit und der Privatisierung der Mehrdeutigkeit. Sie veranlasst die Leute auch, von einer sozialen Position zu einer anderen auf eine liquide Weise zu wandeln.

Meine Sorge ist der Aufstieg „verflüssigter“ muslimischer Führer, die in unserem heutigen Kontext sehr nachgefragt werden.

Der Autor Prof. Peter J. Leithart sieht bei Muslimen eine ähnliche Entwicklung wie bei anderen Religionen: „Wir haben keinen Grund zur Annahme, der Weg der Privatisierung im Judentum oder Islam wäre dem des Christentums ähnlich. Hier unterscheiden sich die Bedingungen der kommunalen Mitgliedschaft und der individuellen Identität in diesen Religionen so stark von denen in einem säkularisierten christlichen Gemeinwesen.“

Hat Leithart Recht, müssen Muslime auf das vorbereitet sein, was ich das „Projekt der Formbarkeit“ nenne. Dabei handelt es sich um den organisierten Versuch von Gelehrten und politischen Aktivisten, ein Bild der religiösen Tradition zu zeichnen, das niemals im Widerspruch zu den liberalen Trends der weiteren Gesellschaft steht. Spirituelle Gepflogenheiten (die originell gesandt wurden, um sich für einen Dialog in der allgemeinen Sphäre zu ereignen) werden zum Verstummen gebracht und verschwinden aus der Öffentlichkeit. Dieses Projekt wird die frühen Positionen im Erbe auf eine Weise neu lesen und interpretieren, die vollkommen mit dem gegenwärtigen Diskurs harmonisiert. Es sucht äußerlich, die Muslime an den Tisch eines Diskurses zu bringen, aber in Wirklichkeit nur eine kastrierte, zahnlose Nachbildung.

Während das Hauptkennzeichen des Liberalismus die Freiheit des Selbst von sozialen Beschränkungen der Familie, Gemeinschaft und Religion ist, besteht die ironische Realität darin, dass dieser eine paradoxe Intoleranz an den Tag legt, wenn die Tradition eine ungefilterte, echte Stimme am Tisch will. Das wird von Ross Douthat in der „New York Times“ in einem Text namens „The Challenge of Pluralismus“ erläutert.

Darin schrieb er als Entgegnung auf Emily Bazelon: „Nehmen wir Pluralismus ernst, besteht sein Sinn darin, eine Gruppe zu ermöglichen, ein ‘Schild’ gegen den Druck des Konsenses zu erheben – und Alternativen zu entwickeln und zu fördern, die von den Mächtigen oder der Gesellschaft als ganzer zurückgewiesen werden. Dies gilt, wenn der fragliche Konsens alt, verwurzelt und traditionell ist. Aber es gilt auch, wenn er sich als Repräsentant von ‘Modernität’ (oder ‘Fortschritt’ oder ‘Erleuchtung’ oder einem beliebten Wort der Wahl) begreift. Denn Ideen der historischen Avantgarde genauso wie die verwurzelten Tradition können sich als falsch, fehlgeleitet, unmoralisch und barbarisch erweisen.“ Hier brechen die gegenwärtige liberalistische Agenda und Tradition auseinander. Wer gegen die Meinung der vermeintlichen Erleuchtung spricht, wird dämonisiert.

Natürlich sind religiöse Tradition wie Christentum und Islam keine Feinde von Freiheit. Vielmehr brauchen sie einen offenen Diskurs über die Definition dieses Begriffes. Klassische islamische Quellen vermitteln eindeutig die Verantwortung zur Aufrechterhaltung eines objektiven moralischen Standards, der die Werte der Gesellschaft prägen und leiten sollte. Die individuellen Rechte des Menschen werden hier nicht den emotionalen Launen und sozialem Druck unterworfen.

Die eigentliche Bestimmung von Freiheit aus einer islamischen Perspektive ist schlussendlich die Freiheit vom Selbst im Gegensatz zu der des Selbst. Laut Taylor und MacIntyre liegt das schließliche Scheitern des Liberalismus in seiner Definition von Selbst, Gemeinschaft und Moral.

In einem Hadith (im Sahih Bukhari) heißt es hierzu: „Das Gleichnis des Verständigen, der die Begrenzungen Allahs befolgt, gegenüber dem Unverständigen, der die Begrenzungen befolgt, ist wie eine Gruppe Menschen, die ein Schiff betritt. Die Leute ziehen Lose, wo sie sitzen sollen. Einige sitzen unter Deck, andere auf ihm. Wenn die unteren Menschen Wasser benötigen, müssen sie an jenen auf Deck vorbei. Dann kam ihnen die Idee, dass sie nur ein Loch in den Kiel des Schiffes bohren müssen, um an Wasser zu gelangen (…). Würden die Leute auf Deck den unteren erlauben, ihren Plan zu verwirklichen, werden alle zerstört. Stoppen sie diese jedoch, werden alle gerettet.“

Hier liegt eine wichtige Aussage zur Freiheit, die mit dem kommunitaristischen Verständnis von Gemeinschaft und dem Selbst übereinstimmt. Der traurigste Teil des amerikanischen-muslimischen Dialogs ist die Tatsache, dass das akademische Gespräch um Begriffe wie Freiheit, die immer noch energisch diskutiert werden, komplett ignoriert wird. Über diese schrieb Jean-Jacques Rousseau in „Vom Gesellschaftsvertrag“: „Der Mensch wird frei geboren und ist überall in Ketten. Ein Mann hält sich für den Meister anderer, bleibt aber eher ein Sklave als sie.“ Diese Aussage erkennt eine vergleichbare Bedeutung zur prophetischen Überlieferung an. Absolute Freiheit ist eine Fata Morgana. Die Handlungen einzelner werden unausweichlich die gesamte Gemeinschaft beeinflussen.

Im Islam wird Befreiung nicht als Freiheit des Selbst, sondern als Freiheit vom Selbst definiert. Patrick Dean erläutert das in einem Text (2012): „Der Liberalismus versteht Freiheit stattdessen als den Zustand, in dem man innerhalb der Sphäre frei handeln kann, die nicht durch positive Gesetze eingeschränkt ist.“ Und er schließt mit den Worten: „Liberalismus weist das antike und vorliberale Konzept von Freiheit als erlernter Fähigkeit des Menschen zurück, ihre niedrigen und hedonistischen Sehnsüchte zu beherrschen.“

Diese Idee der Kontrolle des niederen Selbst erkennen wir in den qur’anischen Erklärungen der drei Formen des Selbst (arab. nafs). Diese Erläuterung der drei Typen will den Menschen ermutigen, sich gegen die schlechten und ungesunden Aspekte des Menschen zu wenden. Und will gleichzeitig im Selbst das Wesen bestärken, das sich in Übereinstimmung mit dem göttlichen Gesetz bewegt.

Nach Dean hegt der „frühmoderne Liberalismus die Ansicht, dass die menschliche Natur unveränderlich sei. Menschen seien ihrem Wesen nach selbstbezogene Wesen, deren niederen Impulse genutzt, aber nicht grundlegend verändert werden könnten“. Hat er Recht, dann sind die Folgen dieser Weltanschauung auf eine Religion, welche der Tradition Autorität verleiht, insofern verheerend, als dass das Recht durch das Individuum beurteilt wird und nicht der Einzelne durch das Gesetz. Islam (im wörtlichen Sinne Unterwerfung) wird zum „Antichristen“ des Liberalismus gemacht. Das Ziel der Revolutionen war es, eine menschliche Sphäre des unbeschränkten Handelns für jeden auf der Suche nach Erfüllung zu schaffen. Dies ist erkennbar unerreichbar und katastrophal für das Schiff der Menschheit. Wie Charles Taylor sagte: „Man ist nur unter anderen ein Selbst. Ein Selbst kann niemals ohne Bezug auf seine Mitwelt beschrieben werden.“

Religion ist zweifelsohne eine globale Kraft. Obwohl Religion einst als irrational galt, dient sie heute als Aufruf zur Vernunft, welche dieser treuer ist als die heutigen postmodernen Trends. Das von mir beschriebene „Projekt der Formbarkeit“ zielt auf die Anerkennung unserer Leidenschaften ab. Es will tradierte rechtliche Positionen übersehen und diese Meinungen als überholt ausgrenzen. Das Projekt wird zweifelsohne gezwungen sein, akademische Zugeständnisse zu machen, um Religion passend zu machen.

Jedoch müssen wir uns die Frage stellen, ob „Anerkennung“ das höchste Ziel ist, nach dem wir streben können. Einige werden der Ansicht sein, dass wir mehr als nur Bündnisse aufbauen können und sollten, um die politische Freiheit zu erlangen, frei zu unseren eigenen Anliegen und aus unserem eigenen Bezugsrahmen heraus zu sprechen. Ich habe keinen Zweifel, dass meine Positionen als gegen Idschtihad und als rückschrittlich eingestuft werden. Jedoch bin ich der Ansicht, dass wir uns in Amerika einen starken Sinn der religiösen Identität bewahren und Bündnisse mit anderen Religionsgemeinschaften knüpfen sollten. (Muslim Matters)

Die Vollversion des Textes erschien am 27.07.2017 im online-Medium Muslim Matters.

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Das Grundgesetz hat die Seuche

Lüneburg (ots). Wie gut ist das Grundgesetz für den Stresstest durch eine Pandemie gewappnet? Prof. Pierre Thielbörger: Erschreckend schlecht. Das Grundgesetz ist deutlich besser gewappnet für Bedrohungen von außen – also den Spannungs- oder gar den Verteidigungsfall. In diesem Fall ermöglicht das Grundgesetz weitreichende Möglichkeiten der Kompetenzverschiebungen oder der Vereinfachung des Gesetzgebungsverfahrens. Den Katastrophenfall beziehungsweise inneren Notstand – der im Falle einer Pandemie gegeben ist – behandelt das Grundgesetz stiefmütterlich.

Was fehlt Ihnen für die Regelung des inneren Notstands? Man muss sich fragen, welche der Regelungen für den äußeren Notstand übertragbar sein könnten. So tagte am Mittwoch der Bundestag, um ein wichtiges Rettungspaket zu verabschieden. Aber in Zeiten der Pandemie darf man sich schon fragen, ob es sinnvoll ist, dass 709 Abgeordnete zusammenkommen, um abzustimmen. Die Antwort ist nein.

Bisher galt als Quorum für die Beschlussfähigkeit des Bundestags die Hälfte der Abgeordnete. Das ist am 25. März auf ein Viertel herabgesetzt worden. Aber auch das ist immer noch eine große Zahl von Abgeordneten, die zusammenkommen müssen. Insofern wäre die Regelung für den externen Notfall, der Gemeinsame Ausschuss von Bundesrat und Bundestag mit nur noch 48 Abgeordneten, sehr viel angemessener.

Wieso hatten die Verfassungsväter und -mütter die Vereinfachung von Regierungsverfahren nur für den Fall der Bedrohung von außen vorgesehen? Man war aufgrund der Erfahrungen der Vergangenheit skeptisch. Artikel 48, Absatz 2 der Weimarer Reichsverfassung hatte dieser Demokratie ein katastrophales Ende beschert. Insofern war man aus der Angst heraus, dass sich Weimar wiederholen könnte, bei der Notstandsgesetzgebung sehr zurückhaltend. Und obwohl man es durchaus diskutiert hatte, ließ man am Ende die Finger davon. Wieder aufgenommen, jedoch nur unzureichend umgesetzt wurde es dann sehr viel später, 1968, als auch erstmals mit der Großen Koalition die entsprechenden Mehrheiten vorhanden waren.

Was sind die Schwächen der Artikel 35 Abs. 2 und 3 zum Katastrophenfall und des Artikel 91 in Verbindung mit Art. 87a zur Abwehr von Gefahren für den Bestand des Bundes? In Deutschland ist die Gesetzgebungskompetenz auf Bund und Länder verteilt, die Verwaltungskompetenz liegt aber in aller Regel bei den Ländern. Deswegen sind auch die Maßnahmen aufgrund des Paragraphen 28 des Infektionsschutzgesetzes Sache der Länder. Aber der Bund hat ein Interesse daran, dass in den Bundesländern einigermaßen einheitliche Maßnahmen getroffen werden.

Deswegen hat Frau Merkel am Montag vergangener Woche (16. März) mit den Länderchefs Richtlinien für die Umsetzung des Infektionsschutzgesetzes erarbeitet. Aber diese wurden jedenfalls anfangs nicht eingehalten. So wurde beschlossen, die Spielplätze zu schließen. Sofort scherte der Berliner Senat aus mit dem Argument, viele Berliner hätten keinen Garten, seien deshalb auf die Spielplätze angewiesen. Berliner Bezirke konterten daraufhin, ein Offenlassen der Spielplätze sei ihnen zu gefährlich. Das zeigt: Wenn der Bund keine Entscheidungen an sich ziehen kann, bleibt es uneinheitlich. Alles ist auf den guten Willen der Länder angewiesen, zu kooperieren.

Erweist sich der Föderalismus in Zeiten der Seuche als Hemmschuh? Er ist in Deutschland jedenfalls sehr ausgeprägt – und grundsätzlich ist das auch sehr gut so. Andere Länder haben es aber in dieser Situation aber leichter. Solange alle bereit sind, an einem Strang zu ziehen, steht der Föderalismus einer effektiven Seuchenbekämpfung nicht im Wege. Aber stellen wir uns mal vor, es würden Bundesländer von Parteien regiert, die sich quer stellten und auf Verhinderung setzten. Dann hätten wir ein größeres Problem.

Sind zentralistische Staaten wie Frankreich handlungsfähiger? Sie konnten zumindest schneller reagieren. Das ist aber kein Appell, unsere föderalen Strukturen über Bord zu werfen. Für innere Krisenfälle wie die derzeitige COVID-19-EpiPandemie sollten wir sie aber anpassen.

Sie fordern auch eine Regelung der Einschränkung oder sogar Aussetzung von Grundrechten. Wieso? Selbstverständlich spreche ich mich nicht dafür aus, die Grundrechte stärker einzuschränken. Meine Kritik geht vielmehr dahin, dass der besondere Umgang mit Grundrechten in Krisenzeiten im Grundgesetz nicht transparent geregelt ist. In der Europäischen Menschenrechtskonvention steht beispielsweise, dass Grundrechte in Notzeiten ausgesetzt werden können. Bei uns werden sie zwar derzeit teilweise auch ausgesetzt.

Doch eine Regelung, die klar sagt, unter welchen außergewöhnlichen Bedingungen ein Grundrecht befristet beschränkt oder ausgesetzt werden kann, würde doppelt positiv wirken: Die Bürger wüssten, dass die Beschränkungen ihrer Freiheiten außergewöhnlich und temporär sind. Und die Politiker wären sich besser darüber im Klaren, welch gewichtige Eingriffe sie gerade veranlassen. Dies würde einer möglicherweise drohenden schleichenden Normalisierung von außergewöhnlichen Maßnahmen entgegenwirken. Im Moment werden die krassesten Maßnahmen, die es in der Bundesrepublik bisher gegeben hat, wie zu normalen Zeiten einfach gesetzlich mit Artikel 28 Absatz 1 Satz 1 und 2 des Infektionsschutzgesetzes legitimiert. Dort steht jedoch zur Zeit verdammt wenig drin.

Nichts darüber, wie lange Grundrechte außer Kraft gesetzt werden dürfen – wie etwa die Versammlungs- und die Religionsfreiheit. Ich habe große Zweifel, dass die Regelung, bestimmte Orte nicht mehr betreten zu können, bis Schutzmaßnahmen ergriffen sind, als rechtliche Basis für die derzeitigen Eingriffe ausreichend ist. Und die bisher vorgelegten Reformvorschläge sind auch noch nicht überzeugend. So soll das bisher gültige Verbot, jemanden gegen seinen Willen ärztlich zu behandeln, einfach entfallen. Das wäre ein ganz enormer Grundrechtseingriff. So wünschenswert viele der geplanten Eingriffe im Falle einer Pandemie sind – sie sollten klarer geregelt werden.

Wäre eine Notstandsregelung in einer anderen historischen Situation nicht eine gefährliche Waffe gegen die Demokratie, man denke nur an die Notverordnungen in der Weimarer Republik? Die Gefahr einer missbräuchlichen Anwendung eines solchen Instruments besteht. Andererseits greift die Regierung derzeit angesichts einer als groß wahrgenommenen Gefahr auch ohne bestehende Notstandsregelung massiv in die Grundrechte ein. Weitergehende Eingriffe haben die meisten heute lebenden Bürger nie erlebt. Die jüngeren Generationen sind nahezu uneingeschränkte Freiheit gewohnt: zu arbeiten, was sie wollen, dahin zu reisen, wohin sie möchten, etc.

Derzeit funktioniert unser System, weil sich die Bundestagsfraktionen vertrauen, weil sich die Ministerpräsidenten am Ende doch zusammenraufen und weil die Bürger vertrauensvoll vorübergehend auf ihre Rechte verzichten. Was aber, wenn sich dieses Vertrauen bei der nächsten Krise verflüchtigt hat? Genau das vermute ich. Und deshalb brauchen wir explizite Regelungen. Aktuell haben die Länder letztlich gut zusammengearbeitet. Ebenso die Fraktionen, die sich auf eine Herabsetzung der Beschlussfähigkeit des Bundestages geeinigt haben. Auch ein Pairing-Verfahren ist im Gespräch, wo für jeden krankheitsbedingt fehlenden Koalitionsabgeordneten auch einer der Opposition fernbleiben würde. Und die Bürger zeigen sich mehrheitlich solidarisch, um Alte und Kranke zu schützen.

Nun muss man sich aber fragen: Bleibt das so? Wieso sollten Parteien, die in anderen Zusammenhängen mit der Demokratie spielen, dies nicht auch an diesem Punkt tun? Wieso glauben wir, dass eine „Generation Freiheit“ dauerhaft solche Beschränkungen hinnimmt? Ich denke, es ist nur eine Frage der Zeit, bis Forderungen lauter werden, die Ausgangsbeschränkungen ausschließlich für die Gefährdeten zu verhängen. Das befürworte ich nicht, bin vielmehr auf das Maß an Solidarität in der Gesellschaft stolz, das aktuell gezeigt wird. Ich fürchte aber, das ist angesichts der Härte der Einschränkungen die Solidarität nicht von Dauer sein wird. Und genau deshalb müssen wir das Grundgesetz fit machen für die nächste Pandemie.

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Memento Mori

„Mein Herr! Weite mir meine Brust und erleichtere mir meine Aufgabe und löse den Knoten meiner Zunge, damit sie meine Rede verstehen mögen.“ In Jumu’a, Sure 62, 8, sagt Allah […]

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