Terroranschlag auf zwei Moscheen in Neuseeland

Christchurch (dpa/iz). Bei einem rechtsradikalen Terroranschlag auf zwei Moscheen in der neuseeländischen Stadt Christchurch sind am Freitag mindestens 49 Menschen getötet worden. Dies bestätigte Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern. Zudem wurden durch Schüsse in den beiden Gotteshäusern mehrere Dutzend muslimische Gläubige verletzt. Ardern sprach von einem „terroristischen Angriff“. Die Polizei nahm vier Verdächtige fest, darunter auch einen Australier.
Der genaue Ablauf der Attacke war auch nach Stunden noch unklar. Für den Pazifikstaat ist es eine der schlimmsten Gewalttaten der jüngeren Geschichte. Aus Sorge vor weiteren Angriffen riegelte die Polizei Schulen und andere öffentliche Gebäude stundenlang ab. An die Bevölkerung – insbesondere an Muslime – appellierte sie, zuhause zu bleiben: „Unter keinen Umständen sollte irgendjemand im Land jetzt zu einer Moschee gehen.“
Australiens Premierminister Scott Morrison bestätigte, dass einer der Verdächtigen Australier ist. Er sprach von einem „rechtsextremistischen gewalttätigen Terroristen“. Im Internet kursierte ein Video der Tat, das von dem 28-Jährigen stammt. Er trug dabei eine Helmkamera und sendete seine Tat per Livestream in soziale Medien.
Nach Augenzeugenberichten begann der Angriff gegen 13.45 Uhr (1.45 Uhr MEZ). Ein bewaffneter Mann drang in eine Moschee in der Innenstadt ein, wo sich zur Mittagsstunde mehr als 300 Menschen zum Freitagsgebet versammelt hatten, und schoss mit einer Schnellfeuerwaffe um sich. Zeugen zufolge handelt es sich bei dem Täter um einen weißen Mann, der Helm und kugelsichere Weste trug. Später fielen auch noch in einer anderen Moschee Schüsse.
Einer der überlebenden Gläubigen, Mohan Ibrahim, berichtete der Zeitung „New Zealand Herald“ von einem „Schockmoment“. „Dann haben alle Leute angefangen davonzulaufen.“ Ein anderer Zeuge, Ahmad Al-Mahmoud, sagte: „Es fielen mindestens 50 Schüsse, sehr schnell hintereinander. Können auch Hunderte gewesen sein.“ Nach der Tat sperrte die Polizei das Gelände um die Moschee weiträumig ab.
Die Polizei nahm insgesamt vier Verdächtige fest: drei Männer und eine Frau. Auf einem Video ist zu sehen, wie mehrere bewaffnete Beamte einen Mann aus einem weißen Auto ziehen, das zuvor offensichtlich gerammt wurde. Nach Angaben von Polizeisprecher Mike Bush wurden an mehreren Autos Sprengsätze entdeckt.
In Neuseeland ist nur eine kleine Minderheit der Bevölkerung muslimischen Glaubens. Insgesamt gibt es dort etwa 50 000 Muslime, viele davon Einwanderer aus Staaten wie Pakistan oder Bangladesch. Größte Religionsgruppe in Neuseeland ist das Christentum. Die Stadt Christchurch hat 350 000 Einwohner und liegt auf der Südinsel des Pazifikstaats. Bürgermeisterin Lianne Dalziel sagte: „Alle sind geschockt. Ich hätte nie gedacht, dass so etwas hier passieren kann.“

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Was ist ­Männlichkeit?

„Dass er fröhlich und freundlich mit seinen Brüdern ist.“ Hadith (iz). Wir leben in einem Moment, in dem Männlichkeit und ihre Parameter nicht bloß kritisch gesehen, sondern in Frage gestellt […]

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Neukölln zwischen Armut und Hipstern

Berlin (KNA). Hähnchengrills, Gemüsemärkte, Falafel-Läden und Halal-Metzgereien, dazwischen „Spätis“ und glitzernde Brautmodengeschäfte: Die Sonnenallee in Berlin-Neukölln ist ein Symbol für das Miteinander verschiedener Kulturen und weit über Berlin hinaus bekannt. Aber auch Drogen und Kriminalität sind untrennbar mit ihrem Namen verbunden. Er ist nicht zuletzt durch die Medien mit Bildern und Klischees überfrachtet. Doch was ist dran am Mythos Sonnenallee?
Wer durch die Straße schlendert, gewinnt allein am kulinarischen Angebot einen Eindruck von der Vielfalt: libanesisch, türkisch, indisch und italienisch, halal oder vegan. Seit 2015 kommen immer mehr syrische Läden dazu. Die Sonnenallee ist auch für Geflüchtete aus arabischen Ländern eine bekannte Anlaufstelle. „Die Menschen wissen, dass sie hier alles bekommen“, erzählt Sulaiman Al-Sakka. Der 21-Jährige und seine Familie flüchteten 2011 aus Syrien. Auf der Sonnenallee eröffneten sie 2016 die Konditorei „Damaskus“.
Das Geschäft hat großen Erfolg – trotz zahlreicher umliegender Läden, die türkisches Baklava anbieten. „Das syrische Gebäck ist viel weniger süß“, erklärt Al-Sakka. Die Nachfrage ist hoch, Bestellungen kommen aus ganz Europa. Inzwischen hat die Familie zwei weitere Filialen in Berlin. „Der Laden hat uns viele Wege eröffnet“, sagt Al-Sakka. Er arbeitet in der Konditorei und macht zusätzlich eine Ausbildung zum Physiotherapeuten – um ein zweites berufliches Standbein zu haben, wie er sagt.
Auch wenn ihre Kultur die Straße zu dominieren scheint: Menschen mit arabischem Hintergrund sind rund um die Sonnenallee in der Minderheit. Nur 13 Prozent der Anwohner sind Zuwanderer aus arabischen Ländern, erklärt die Kulturwissenschaftlerin Miriam Stock von der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd.
Insgesamt hat aber jeder Zweite in Neukölln einen Migrationshintergrund. Jahrelang lebten dort vor allem türkische Gastarbeiter. In den 1990er Jahren zogen dann wegen der günstigen Mieten viele Libanesen und Palästinenser zu. Nach dem Fall der Mauer kamen überdies Osteuropäer, später auch Spanier, Italiener und Griechen.
In den vergangenen Jahren entwickelte sich das Viertel zum Szenebezirk: Es zieht auch gut verdienende Menschen an. Sie treiben die Immobilienpreise nach oben, der Verdrängungsdruck auf die alteingesessenen Bewohner ist laut Berliner Mietergemeinschaft „immens hoch“.
„Wenn ich am Telefon sage, ‘Hallo, hier ist Frau Mourad’ – ist die Wohnung weg“, erzählt Hanadi Mourad von ihrer Suche nach einer neuen Bleibe. „Alleinverdienerin, Migrationshintergrund, Muslimin, da habe ich keine Chance.“ Mourad ist mit ihrer Familie aus dem Libanon nach Berlin gekommen. Seit rund zehn Jahren arbeitet sie als eine von 80 sogenannten Stadtteilmüttern in der Sonnenallee. Sie unterstützt andere zugewanderte Familien dabei, sich im deutschen Alltag zurecht zu finden.
Armut, Drogen, Kriminalität und eine hohe Arbeitslosigkeit zählen zu den Schattenseiten der Sonnenallee. Beim Stichwort „Brennpunkt“ zuckt der für Neukölln zuständige Leiter der Berliner Polizei, Peter Diebel, mit den Schultern. „Mein Abschnitt ist eine Brennfläche“, stellt er klar. Die Polizei halte dagegen, indem sie versuche, Präsenz zu zeigen und das Sicherheitsempfinden der Bürger durch verstärkte Streifengänge zu fördern.
Trotzdem ist die Kriminalität in Neukölln nicht auffälliger als in anderen Bezirken – und das Viertel auch keine „No-go-Area“, wie Diebel betont. Kritisch sieht er aber die Entstehung von Parallelgesellschaften bei Zuwanderern. Als massives Problem bezeichnet er zudem den öffentlichen Konsum harter Drogen. Junkies, die sich am helllichten Tag vor aller Augen Spritzen setzen, seien ein verbreiteter Anblick.
Doch Neukölln reagiert auch auf die Herausforderungen. Zahlreiche Initiativen engagieren sich, etwa eine Selbsthilfegruppe für Männer mit türkischem Hintergrund oder der Verein Gangway, der jungen Menschen hilft, ihren Weg zu finden. Start-ups entdecken Neukölln als Standort für neue Geschäftsideen. Für manche gehört der zwiespältige Ruf der Sonnenallee offenbar auch zur Vermarktungsstrategie.

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Gesichter der Männlichkeit

(iz). Männlichkeit ist zum Unwort geworden. Häufig wird sie in toxisches gehüllt oder wird nur widerwillig benutzt. Wir finden uns zwischen Extremen wieder: Entweder gelten Männer als böse oder sie […]

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Herr Demir, wie wird man ­eigentlich Imam?

(iz). Abdulsamet Demir hat sein Abitur in Hamburg abgeschlossen. Nach einer Begegnung mit Vertretern der Islamischen Theologie in einer Informationsveranstaltung hat er sich entschieden, das Fach zu studieren. Dies war ihm wichtig, weil er hier im Gegensatz zur Islamwissenschaft eine Binnenperspektive kennenlernen wollte. 2011 begann der heutige Imam einer Moschee im Süden der Hansestadt mit seinem Studium. Herr Demir arbeitet nun seit eineinhalb Jahren als Imam in einer Moscheegemeinde in Hamburg-Harburg und schreibt weiter an seiner Masterarbeit. Mit ihm sprachen wir über den Alltag eines Imams, den Umgang mit der Gemeinschaft und woher er seine Inspiration bezieht.

Islamische Zeitung: Lieber Abdulsamet Demir, Sie sind hauptamtlicher Imam in Hamburg in einer lokalen Moschee in einem Stadtteil in Hamburg. Wie müssen wir uns den Alltag eines Imams vorstellen?

Abdulsamet Demir: Mein Alltag ist sehr bunt. Da kommt ständig etwas Neues hinzu. Im Grunde ist das auch eine Tätigkeit, die rund um die Uhr abgefragt werden kann. Ich bin sozusagen immer im Bereitschaftsdienst. Wenn mich um drei Uhr nachts jemand anruft, weil eine Person gestorben ist, bin ich da. Solche Aufgaben kommen regelmäßig vor, weil unsere Moschee zu den großen Gemeinschaften Hamburgs gehört. Und hier gibt es vielfältige Problematiken und Baustellen, die ich bearbeiten muss. Darüber hinaus liegt mein Schwerpunkt natürlich in der Moschee selbst, wo ich die täglichen fünf Gebete leite und für die Gemeindemitglieder da bin.

Weiterhin habe ich andere Aufgaben, mit denen ich den Tag verbringe wie die Begegnung und Unterweisung von Schülern und Studenten. Nachmittags bieten wir ihnen Koran- und Islamunterricht an. Wir erörtern immer wieder aktuelle Fragen zu aktuellen Geschehnissen oder sprechen auch nur ganz einfach miteinander, wenn Bedarf danach besteht. Einige kommen dann mit ihren Problemen, die sie bedrücken.

Als Imam bin ich dann Zuhörer und Vertrauensperson. An Wochenenden haben wir über knapp 200 Schülerinnen und Schüler, die bei uns unterrichtet werden.

Nach dem Morgengebet nutze ich beispielsweise die Zeit, um weiter an meiner Masterarbeit zu schreiben, Seminare und Unterrichtseinheiten vorzubereiten oder Zeitungsartikel zu verfassen. Des Öfteren kommen Schulklassen und Konfirmandengruppen zu Besuch, da wir Moscheeführungen anbieten. Und weil wir die einzige größere Moschee in der Gegend sind, kommen viele aus dem Hamburger Süden sowie aus Buchholz zu uns.

Islamische Zeitung: Wie wird man eigentlich Imam? Was ist der Antrieb dafür?

Abdulsamet Demir: Hierbei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Als Vorbereitung kann ein Studium der Islamwissenschaften, aber auch anderer Geistes- und Kulturwissenschaften helfen. Ideal ist natürlich die Islamische Theologie, die mittlerweile in Deutschland angeboten wird. Man kann hier studieren, oder einen Studiengang im Ausland absolvieren. Das haben die meisten Imame in Deutschland gemacht, die bisher aus dem Ausland kommen. Die neue Generation hat zumindest die Möglichkeit, sich hier theoretisch ausbilden zu lassen. Das Problem ist, dass wir kein praktisches Jahr oder eine Art „Priesterseminar“ für Imame haben. Es gab mal in Osnabrück einen Fortbildungslehrgang für angehende und bestehende Imame (mittlerweile eingestellt), an dem auch ich teilgenommen habe, aber der war eher theoretisch. Besser wäre es, wenn man im Anschluss eines Theologiestudiums eine Art „Imam-Referendariat“ anhängen könnte. Aber ich glaube nicht, dass in absehbarer Zeit so etwas kommen wird.

Es gibt ein paar Projekte, aber die müssen gefördert werden. Parallel dazu haben einige muslimischen Organisationen in Deutschland auch solche Projekte mit der Idee, Imame aus den eigenen Communities auszubilden. Hier liegt ein anderes Problem: Es gibt Leute, die mit uns Islamische Theologie studiert haben. Aber Sie können vielleicht niemals Imame werden, weil sie keine praktischen Erfahrungen haben. Andererseits muss ich als Imam von der Gemeinde anerkannt und inoffiziell begnadigt werden. Das ist ein wichtiger Faktor vor allem in Deutschland aber auch in anderen Ländern.

Seit meinem sechsten Lebensjahr habe ich in einer Gemeinde als Schüler angefangen und bin großgeworden, habe den Koran und die nötige Normenlehre gelernt und die Gemeinde kennengelernt. Daher ist für einen angehenden Imam Vorpraxis und Verwurzelung unverzichtbar. Es braucht auch Kenntnis der gemeinschaftsinternen Politik. Die Leute müssen einen kennen. Auch die Bekannt- und Beliebtheit ist bei der Auswahl eines Imams wichtig.

Islamische Zeitung: Ein Imam zu sein, heißt nicht nur formelles Wissen oder die Erfüllung formaler Kriterien. Es geht ja wohl auch darum, das Wissen zu verkörpern. Wie und wo lernt man das?

Abdulsamet Demir: Das Studium hat uns Werkzeuge an die Hand gegeben,  damit muss man arbeiten. Wichtig ist, dass man während des Studiums in private Gesprächs- und Unterrichtszirkel involviert ist. Das ist das A und O. Ich denke, ein guter Imam muss von klein auf an dazu erzogen werden – von der Familie aber auch von einer islamischen Gemeinschaft. Das ist ein sehr wichtiger Faktor. Zu den wichtigen Aspekten gehört auch die selbstständige und freiwillige Erarbeitung von Texten außerhalb des Studiums. Man wird nicht „fertig“, sondern muss weiterlernen. Außerdem sollte ein Imam in allen Lagen auch Vorbild sein. Man muss sich das mit der Zeit aneignen, daher lerne ich im „Imam-Alltag“ ständig Neues dazu.

Islamische Zeitung: Jetzt wird die Frage nach dem, was ein Imam sein soll, in Deutschland kontrovers diskutiert. Es gibt hierzu verschiedene Positionen. Wir haben hier immer noch einen sehr starken Überhang an Vorbetern, die aus dem Ausland kommen, wo sie aufwuchsen und gelernt haben. Kann jemand, der hier nicht aufgewachsen ist, die Sprache nicht oder nur kaum spricht, und die Gegebenheiten nicht wirklich kennt, so ein Amt wirklich authentisch ausfüllen?

Abdulsamet Demir: Das geschieht ja immer noch. Und solange es nicht zu großen Schwierigkeiten kommt, akzeptieren die Gemeinden immer noch die Imame, die ja die Heimatsprache der ersten und zweiten Generationen sprechen. Das Problem, was wir in Deutschland und insgesamt in der Diaspora haben, ist, dass die dritte und schon die folgende vierte Generation eben diese Heimatsprache nicht besser kennt als Deutsch, Englisch oder Französisch. Die importierten Imame können schon nicht mehr damit umgehen und auch die Elterngeneration nicht. Vieles hat sich in den letzten 20 bis 30 Jahren geändert. Die Imame müssen sich an die hiesigen gesellschaftlichen Strukturen und die Kultur, Sprachgebrauch und Denkart(en) der Jugend anpassen. Darum benötigen wir hier aufgewachsene Imame.

Islamische Zeitung: Aber es kommen ja nicht nur Leute mit einer Sprache oder einer Kultur in eine Moschee. Wir haben auch nichtmuslimische Deutsche, die sich für den Islam interessieren. Sind das nicht Aufgaben, die eigentlich besser Einheimische erfüllen können?

Abdulsamet Demir: Diese Leute werden immer wieder vernachlässigt. Und wir hoffen, auch sie in die Community einzubinden durch eine neue Generation von Imamen, die als Multiplikatoren dienen, weil sie mehrere Sprachen kennen und als Vermittler wirken können. Es treten Schwierigkeiten auf, wenn jemand zu einem alten Imam kommt, der kein Deutsch spricht und nicht informiert ist über die Diskurse in Deutschland. Das wirkt sich fast immer negativ aus. Wie soll da ein Dialog stattfinden? Daher freut sich die Gemeinde und im Allgemeinen die Community, Imame zu haben, die auch mit Nichtmuslimen auf Augenhöhe sprechen können und diese zu mehr Dialog und Öffnung hinziehen.

Islamische Zeitung: Sie hatten eingangs gesagt, dass Sie auch mal „Hausbesuche“ machen. Findet die Arbeit eines Imams auch „draußen“ im Stadtteil statt? Gibt es eine Einbindung in das Stadtteilumfeld?

Abdulsamet Demir: Es gibt eine offizielle Aufgabenverteilung für den Imam. Dazu zählen ganz grob das Vorbeten der täglichen Pflichtgebete, die Begegnung und Begleitung von Moscheegängern und die islamische Unterweisung. Darüber hinaus habe ich als Muslim und Imam einen inoffiziellen Auftrag, außerhalb der Moschee dem spirituellen und religiösen Wohlsein der Community zu dienen. Das Bewusstsein dafür sich außerhalb der Moschee einzusetzen, hängt wiederum vom jeweiligen Imam individuell ab. Wir sind jung und gehen enthusiastisch an die Sache heran. Von daher bin ich sehr viel unterwegs. Ich nehme regelmäßig an Dialogveranstaltungen teil und habe sehr viel auch in anderen Stadtteilen zu tun, wo ich mit anderen Jugendlichen unterwegs bin und auch Seminare gebe. Auch in anderen Stadtteilen in Hamburg sind wir gut vernetzt und werden als Zuhörer oder Akteure zu Großveranstaltungen eingeladen. Ein weiteres Feld ist die Krankenhaus- und Gefängnisseelsorge, bei der wir erkrankte und inhaftierte Besuchen.

Islamische Zeitung: Gibt es eigentlich auch so etwas wie einen „Stammtisch“ für Imame, wo man sich austauschen kann?

Abdulsamet Demir: Ja, wir haben einen regen Austausch vor allem mit Imamen aus benachbarten Moscheen. Einige von ihnen kommen aus dem Ausland, andere sind hier sozialisiert. Wir sind in der Hinsicht sehr kommunikativ und tauschen uns regelmäßig aus. Für die Imame der Milli Görüs gibt es ein monatliches Treffen, auf denen wir miteinander reden und Informationen austauschen. Mit mir gibt es noch einen jungen Imam zurzeit. Wir sind beide hier aufgewachsen, dabei habe ich mein Studium hier im Inland, er wiederum seines im Ausland absolviert. Darüber hinaus sind wir im ständigen Kontakt mit Studierenden der islamischen Theologie aus verschiedenen Städten, die uns als Vorgänger und Mentoren ansehen.

Islamische Zeitung: Eine funktionierende Gemeinschaft lebt auch von einer lebendigen Kommunikation. Wie wichtig für Sie ist ein regelmäßiger Austausch mit der Gemeinde?

Abdulsamet Demir: Lebendige und vor allem qualitative Kommunikation ist mir sehr wichtig. So habe ich nebst der Kommunikation und religiöser Pflege meiner Gemeinde mich zu Anfang – jetzt sind sie weg – mit einigen radikaleren Jungs auseinandergesetzt. Mit einigen von ihnen, mit denen es möglich ist, wahre ich den Kontakt, um sie durch korrekte Informationen aufzuklären. Aber das ist ein langwieriger Prozess. Darüber hinaus haben wir im Viertel auch junge Leute mit persönlichen Problemen wie Drogen- oder Alkoholsucht. Da muss ich in schwierigen Situationen auch mal individuelle Methoden anwenden. Das ist nicht immer leicht, aber erlaubt mir, Erfahrungen anzusammeln.

Islamische Zeitung: Wird man als Imam irgendwann einmal „fertig“ oder ist das ein ständiger Lernprozess?

Abdulsamet Demir: Manchmal kommt zum Beispiel eine Frage, über die ich nie nachgedacht und geforscht habe. Darüber gebe ich den Leuten Bescheid und beschäftige mich mit der Thematik. Oder ich versuche, einfach spontan und je nach Person individuelle Auskunft zu geben. Und dann schaue ich im Nachhinein nach, ob das richtig war oder nicht. Manchmal ist es richtig, manchmal nicht. Wenn es falsch war, dann versuche ich nochmal, die Fragenden zu kontaktieren. Der Lernprozess hat für einen Imam kein Ende.

Islamische Zeitung: Als Imam in einer Gemeinschaft werden Sie auch mit seelsorgerischen Aufgaben konfrontiert, mit persönlichen Krisen und insgesamt mit der Notwendigkeit, die Spiritualität der Gemeindemitglieder hoch zu halten. Wo findet man als Imam seine eigene Kraftquelle?

Abdulsamet Demir: Wenn ich andere Leute seelsorgerisch betreue und die nötige Unterstützung gebe, reizt es mich selbst von Zeit zu Zeit. Dann ist meine Frau meine erste Kraftquelle. Wenn ich mal einen schlechten Tag habe, ist sie es, die mich wieder aufbaut. Als Imam hat man gute und weniger gute Tage. Meine Frau unterstützt mich in diesem Bereich. Sie ist auch theologisch gebildet und in der Frauengemeinschaft aktiv. Auch meine Familie ist mir eine wichtige Stütze. Meine Großeltern unterstützen, fördern und fordern mich immer wieder, in jeder Lage stabil zu sein und als Vorbild zu fungieren.

In diesem Bereich aktiv zu sein, Menschen zu helfen und Vorbild in einer Gemeinde zu sein, heißt auch, dass ich mich immer wieder weiterbilden und verbessern muss. Für meine eigene Kraft und spirituelle Energie versuche ich auch immer wieder in die Gemeinde einzutauchen und Zeit mit den Leuten zu verbringen.

Islamische Zeitung: Sie sind hier Imam geworden. Es gibt hier nicht nur Ihre lokale Gemeinschaft, sondern auch die der Muslime in Deutschland insgesamt. Was würden Sie sich zukünftig für die Moscheegemeinden auch für die Imame in Deutschland wünschen.

Abdulsamet Demir: Auf jeden Fall sehr viel mehr Unterstützung von der Gemeinschaft. Ich selbst werde von meiner eigenen, insbesondere auch von ihrer Führung, sehr stark unterstützt. Wenn eine Moscheeleitung sehr alt ist, dann gibt es wenig Hoffnung für einen jungen Imam. Wenn sie verjüngt wird und wenn die Gemeinde jung und lebendig ist, kann sowohl der junge Imam als auch die Jugend in dieser Gemeinde aktiv sein und überleben. Ich halte es auch für sehr wichtig, dass die jungen Imame in Deutschland zukünftig finanziell und ideell stärker gefördert werden. Die Imame sollten auch ihre verfügbare Zeit produktiv nutzen. Zwischen den Gebetszeiten ist ja doch einiges an Zeit. In dieser können sie sich in Kursen fort- und weiterbilden. Ansonsten sehe ich die Zukunft für die Imame als eigentlich gut. Da die Moscheen vom Staat und aus dem Ausland nicht finanziert werden, braucht es bessere finanzielle Anwerbestrategien, um junge Leute an (leider noch) alte Strukturen anzubinden. Dann wächst auch die Chance, dass es mehr junge Imame gibt, die aus Deutschland kommen.

Islamische Zeitung: Lieber Abdulsamet Demir, wir bedanken uns für das Interview.

Abdulsamet Demir: Lieber Herr Wilms, ich bedanke mich für die schöne Anfrage und freue mich auf den Artikel.

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Amnesty: Gipfel von EU und Arabischer Liga war „fatales Signal“

Berlin/Sharm-el-Sheikh (KNA). Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) kritisiert das am 25. Februar zu Ende gegangene EU-Gipfeltreffen mit der Arabischen Liga als „fatales Signal in kritischer Zeit“. Massive, systematische Menschenrechtsverletzungen und Angriffe auf die Zivilgesellschaft dürften durch die EU nicht legitimiert werden, heißt es in einer Erklärung vom Montagabend.
Eine mögliche vertiefte Kooperation der EU mit arabischen Staaten müsse „vor dem Hintergrund des internationalen Terrorismus, der Verletzungen des humanitären Völkerrechts und der vielen schutzsuchenden Menschen unbedingt stärker verbunden werden mit der dringend benötigten Verbesserung der Menschenrechtslage in der Region“, forderte Markus N. Beeko, der Amnesty-Generalsekretär in Deutschland.
Wer in diesen kritischen Zeiten Sicherheit, Stabilität und wirtschaftliche Entwicklung stärken wolle, müsse die Einhaltung des Völkerrechts, Rechtsstaatlichkeit und die Kontrolle von Menschenrechtsstandards vorantreiben, so Beeko weiter: „Wer weniger Menschen auf der Flucht sehen möchte, muss Gewalt, Willkür und den systematischen Menschenrechtsverletzungen den Kampf ansagen.“
Viele der in den ägyptischen Badeort Sharm-el-Sheikh gereisten Regierungschefs aus arabischen und nordafrikanischen Staaten – darunter der Gastgeber, Ägyptens Präsident Al-Sisi – seien für schwere Menschenrechtsverletzungen verantwortlich, unter anderem für „das brutale Vorgehen gegen Demonstranten, willkürliche Inhaftierung und Folter von Kritikern sowie den Einsatz der Todesstrafe“. Amnesty will am Dienstag einen neuen Bericht zur Lage der Menschenrechte im Nahen Osten und in Nordafrika vorstellen.
Die europäischen Regierungschefs und Spitzen der EU hätten „die Gelegenheit verpasst, deutlich zu machen, dass die Einhaltung des Völkerrechts und Menschenrechtsverbesserungen wichtige Grundlage jeder multilateralen Zusammenarbeit sein müssen“, kritisierte Beeko weiter. Der Ausbau von Kooperationen in den Bereichen Sicherheit, Migration oder Konfliktlösung dürfe nicht zu Lasten der Rechte und Grundfreiheiten der Menschen dort gehen.
Vom 23. bis zum 25. Februar hatten sich 49 Staats- und Regierungschefs der EU und der Arabischen Liga zum ersten Gipfel dieser Art getroffen. In der Abschlusserklärung hatten sie betont, kulturelle und religiöse Intoleranz, Extremismus und Diskriminierung bekämpfen zu wollen. Zudem solle der Einsatz gegen illegale Migration und Menschenschmuggel verstärkt werden.
Zum Abschluss des Treffens hatte sich Al Sisi gegen Kritik gewehrt und erklärt, die EU habe die arabischen Staaten nicht zu belehren in Sachen Menschenrechte. Kurz zuvor hatte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker betont, man habe bei dem Gipfel sehr wohl Fragen der Menschenrechte offen und deutlich angesprochen.
EU-Ratspräsident Donald Tusk bewertete den Gipfel als „guten Beginn“ für weitere Kooperationen: „Wir müssen den besten Weg zu einem offenen Dialog finden, nicht der Konfrontation.“

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Debatte: Kann der Islam „weiß“ sein?

(iz). Dr. Farid Hafez hat kürzlich in seinem Artikel „The Figure of the White Muslim“ argumentiert, dass „weiße Muslime“ unter anderem in Westeuropa tendenziell als willkommen galten, da sie sich […]

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Das Regime lässt töten

(iz/Agenturen). Am 20. Februar ließen die ägyptischen Behörden neun Männer hinrichten, denen eine Beteiligung an der Ermordung des Generalstaatsanwaltes Hisham Baraka 2015 vorge­worfen wurde. Menschenrechtsorganisationen und Juristen kritisierten das damalige […]

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Global denken, lokal handeln

(iz). Die jugendliche Umweltak­tivistin Greta Thunberg aus Schweden hat die globale ­Öffentlichkeit erheblich aufgemischt. Ihr Engagement zum Klimawandel – Friday for Future – hat sowohl begeisterte Zustimmung als auch Ablehnung […]

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Ein Stück Andalusien für Schottland

(iz). Von außen betrachtet sieht es unscheinbar aus. Tritt man hinein, eröffnet sich eine Welt des Zusammenkommens. Das Al-Andalus Gemeindezentrum in Glasgow ist als Treffpunkt für die ganze Gemeinschaft gedacht, […]

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