, ,

Eigentlich geht es um Gottesfurcht

Gottesfurcht

Zweck des Fastens ist nicht spiritueller Erweiterung, auch sie dadurch gestärkt werden mag. Der erste Antrieb ist die Gottesfurcht.

(iz). Das Wort Ramadan leitet sich von der arabischen Wurzel R-M-D ab. Es bedeutet große Hitze. Manche sind der Ansicht, dass es zur Zeit des Hochsommers war, als die Gläubigen zu fasten aufgerufen wurden. Das Fasten im Monat Ramadan war eine aufhebende Anweisung, die das frühere Pflichtfasten am Tag von Aschura, dem 10. Tag des Muharram, ersetzte.

Auch wenn dieser einzelne Tag immer noch verehrt wird und das Fasten an ihm immer noch als Akt der Anbetung Allahs empfohlen ist, befahl der Allerhöchste stattdessen einen ganzen Monat der Enthaltsamkeit von Essen, Trinken und Geschlechtsverkehr während der Stunden des Tageslichts. Allah sagt im Qur’an: „Oh, die ihr Iman habt, vorgeschrieben ist euch das Fasten, so wie es denjenigen vor euch vorgeschrieben war, auf dass ihr gottesfürchtig werden möget.“ (Al-Baqara, 183)

Gottesfurcht ist das oberste Ziel

Die letzten Worte dieses Verses werden gerne mit der Bedeutung „auf dass ihr gottes­fürchtig werden möget“ übersetzt. Viele Menschen betrachten Gottesfurcht (eine verkürzte Übersetzung des arabischen Wortes Taqwa) als einen Zustand der spirituellen Erhebung und Freude. Aber das scheint nicht die genaue Deutung der meisten sunnitischen Qur’aninterpretatoren (arab. Mufassirun) zu sein.

Auch wenn Taqwa am Ende dazu führen kann. Aus dieser Ableitung nehmen viele an, dass spirituelle Erhebung sich direkt aus Fasten und Enthaltsamkeit ergibt. Das heißt, demnach diene der Akt des Fastens als das Ausfüllen eines spirituellen Vakuums. Eine Gottesfurcht durch Leiden.

Wie dem auch sei, einer solchen Deutung gelingt es nicht, die eigentliche Anordnung von Ursache und Wirkung zwischen geistiger Erweiterung und Fasten zu reflektieren. Al-Qurtubi schrieb: „Es wurde gesagt, dass die Bedeutung ‘auf dass ihr gottesfürchtig werden möget’ bedeutet, sich von falschen Handlungen zu enthalten. Es heißt auch, dies sei eine allgemeine Aussage…“, die allgemeine Bedeutung leitet sich von dem Wort „tattaqun“ ab.

Es bedeutet einfach, zu vermeiden oder vorsichtig zu sein. Diese Auslegung wurde von Al-Suddi wiedergegeben, was durch Ibn Dscharir berichtet wurde: „Vermeidung von Lebensmitteln, Getränken und Frauen, so wie sie (die Leute des Buches) sie vermeiden würden.“ Die grundlegende Annahme ist die gleiche. Das Wesen des Fastens ist in der linguistischen Definition von Saum zusammengefasst: zurückhalten und enthalten. Dies wirft dann ein Schlaglicht auf zwei ramadanische Gedanken.

Foto: Myvisuals, Adobe Stock

Ehrfurcht und Respekt vor Allah

Erstens, der Zweck des Fastens ist nicht die Erlangung spiritueller Erweiterung, auch wenn sie durch Enthaltsamkeit gestärkt werden mag. Letztendlich kommt es zum Fasten aus Angst und Respekt vor Allah. Das heißt, der Akt des Fastens ist die Manifestation des Glaubens an und die Hingabe gegenüber dem Allerhöchsten.

Es kommt von einem Herzen, dem es nach Allah verlangt. Das ist der Grund, warum sich die frühen Muslime Monate vor dem Ramadan auf diesen vorbereiteten. Sie steigerten ihre spirituelle Wahrnehmung und das Wissen von Allah. Sie stärkten ihre Belastbarkeit, sich von irdischem Verlangen zu enthalten, sodass sie zum Ramadanbeginn ihre resolute Fähigkeit zeigen konnten.

Kunst der Enthaltsamkeit

Der zweite Aspekt behandelt die Kunst des sich Enthaltens. Es geht gegen die ganze Lehre der Enthaltsamkeit, den Sonnenuntergang  grünes Licht für Völlerei zu nutzen. Oder sich am Tage zu zügeln, während wir uns für  tägliche Festmahl vorbereiten. Der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, moderierte eine Schari’a zwischen den beiden Extremen. Er verbot den übermäßigen Verbrauch genauso wie Wisal (das ununterbrochene Fasten an jedem Tag).

Der Punkt des Verbrauchs ist eine sehr einfache. Anas ibn Malik überlieferte, dass der Gesandte Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sein Fasten mit Datteln vor dem Abendgebet brach. Wenn es diese nicht gab, mit getrockneten. Und in Abwesenheit dieser mit einem Becher Wasser. Dies findet sich in einem anderen Hadith, in dem er sagte: „Wenn jemand von euch sein Fasten bricht, dann soll er das mit Datteln tun. Und wenn er keine finden kann, dann mit Wasser, denn es ist reinigend.“

Foto: baramyou0708, Freepik.com

Seine Aussagen verweisen  mehrere Dinge, aber eine vielleicht drängende Frage, die hier zu Tage tritt, sind die ausgefeilten Feste, die Leute organisieren. Oft wird dies mit dem häufig zitierten Hadith begründet: „Wer einem Fastenden Nahrung zum Fastenbrechen gibt, wird die Belohnung dieser Person erhalten, ohne dass der Fastende irgendeinen Verlust erfährt.“

Bei diesem Hadith müssen wir bedenken, dass die Belohnung für die Speisung eines Fasten darin besteht, was man ihr gibt, um ihr Fasten zu brechen (Iftar). Der Anlass für diese Aussage war, einen Anreiz für die Speisung der weniger Begüterten zu liefern. Das gleiche gilt für die Zakat al-Fitr: Niemand soll an dem Feiertag hungern. Heute wird es oft benutzt, um Übertreibung zu begründen. Hier gibt es Nachsichtigkeit in einem Zusammenhang, der selten gottesfürchtig ist.

Da haben wir die unglückliche Ehefrau, die den ganzen Tag das Essen vorbereiten muss, anstatt sich in der Anbetung zu engagieren. Eine der bekannten Folgen ist, dass sie manchmal sogar das Abendgebet verschieben muss. Und andere können nicht einmal beten, weil ihre Hosen an den Nähten platzen. Ein solches Verhalten ist ein Schlag ins Gesicht einer auf der Offenbarung basierten Haltung gegenüber. So wird das Fastenbrechen zu etwas, das es nicht ist.

Zeit Ramadan

Foto: Sumaya Hisham

Notwendige Differenzierung

Das Thema (wie jedes andere im Islam) verlangt nach Differenzierung. Die frühen Muslime unternahmen Anstrengungen, um ihr Fasten mit anderen zu brechen. Daher ist die gemeinschaftliche Natur des Iftars nichts, das nicht entmutigt werden sollte. ’Abdullah ibn Mubarak brach sein Fasten mit Waisen und den. ’Abdullah ibn Al-Mubarak tat dies mit anderen Gelehrten und servierte ihnen Essen. Hammad ibn Sulaiman speiste jede Nacht 50 Menschen und gab ihnen am Feiertag neue Kleidung.

Offenkundig sind solche Versammlungen, wo sich die Religiösen versammeln, um einfach zu essen und sich an der Gesellschaft zu erfreuen, empfehlenswert. Anas ibn Malik überlieferte, wie der Prophet zu Sa’d ibn Ubada kam. Dieser brachte Brot und Öl. Der Gesandte Allahs aß es und sagte: „Die Fastenden haben ihr Fasten mit dir beendet. Die Rechtschaffenen haben dein Mahl gegessen und die Engel haben dich empfohlen.“

,

Taqwa – was ist das eigentlich?

hadsch reise taqwa muslime hajj

Taqwa ist ein Schlüssel zur islamischen Lebenspraxis und eine unverzichtbare Eigenschaft. Heutige Übersetzungen wie „Gottesfurcht“ werden ihr kaum gerecht.

(iz). Jede Woche, bei jeder Freitagspredigt, werden die Leute daran erinnert, Taqwa zu haben. Kein besserer Rat könnte einer Frau oder einem Mann gegeben werden.

Denn diese Anweisung Allahs gilt für alle, die jemals auf der Erde gingen. Er sagt in Seinem Edlen Buch: „Und Wir haben bereits denjenigen, denen vor euch die Schrift gegeben wurde, und euch anbefohlen: Fürchtet Allah!“ (An-Nisa, Sure 4, 131)

Dies ist der erste Befehl, den ein jeder Prophet seinem Volk geben musste. Er edelt den Menschen und erhebt ihn über seine Zeitgenossen. Der Prophet sagte: „Wenn ihr der edelste unter den Menschen sein wollt, habt Taqwa vor Allah.“ Und Allah sagt: „Gewiss, der Geehrteste von euch bei Allah ist der Gottesfürchtigste.“ (Al-Hujurat, Sure 49, 13)

Was aber ist diese Taqwa, auf die so viel Wert gelegt wird? Um welche Eigenschaft handelt es sich dabei? Zumeist wird sie als „Gottesfurcht“ übersetzt. Diese ist tatsächlich ein zentraler Bestandteil.

Aber Furcht vor Allah ist keine paralysierende Angst, sondern ein aktivierender Antrieb. Sie lässt keinerlei Raum für Faulheit oder Untätigkeit. Denn Allah zu fürchten heißt, Ihn zu kennen. Allah sagt hierzu: „Nur diejenigen unter Seinen Dienern mit Wissen fürchten Allah.“ (Fatir, Sure 35, 28)

Kenntnis von unserem Herrn bedeutet, dass wir Ihn durch Seine Namen und Seine Eigenschaften kennen. Wir wissen, dass Er uns erschaffen hat und uns Rechtleitung und Gesandte schickte.

Wir wissen, dass Er der einzige Richter ist und dass Ihm alle Attribute der Herrschaft gehören sowie die der Gnade und der Schönheit. Bei Ihm ist alle Macht. Er bestimmt, was ist und was sein wird.

Unser Schicksal und unsere letzte Heimstätte liegen in Seinen Händen. Und Er hat keine Verpflichtungen uns gegenüber. Wir können nicht annehmen, dass wir sicher sind und dass uns ein Platz in Seiner Zufriedenheit gewiss ist.

Tatsächlich benötigen wir Furcht (arab. khauf), die durch Hoffnung (arab. raja) balanciert wird. Denn Furcht ohne Hoffnung ist Verzweiflung. Sie lässt uns aufmerksam bleiben, macht uns vorsichtig und achtsam in allem, was wir tun. Menschen, die mit gefährlichen Tieren umgehen, werden bestätigen, dass ein gewisses Maß an permanenter Furcht und Respekt nötig sind. Verliert man sie, wird man rücksichtslos und es kommt zu Unfällen.

Das gilt umso mehr mit einem Herrn, der vollkommene Macht über uns hat. Sobald Nachlässigkeit zuschlägt und wir unsere Furcht verlieren, befinden wir uns in größter Gefahr. Allah sagt in einem Hadith Qudsi:

„Bei Meiner Macht, keiner Meiner Diener wird zwei Befürchtungen oder zwei Gefühle der Sicherheit verbinden. Wenn er Mich in dieser Welt fürchtet, dann lasse Ich ihn sich sicher fühlen am Tag der Auferstehung, aber wenn Er sich vor Mir in dieser Welt sicher fühlt, dann fülle Ich ihn am Tag der Auferstehung mit Furcht an.“

Die einzige Sache, die uns am Erfolg hindert, ist Angst vor der Schöpfung. Sie ist das Gegenteil der Gottesfurcht, denn unser spirituelles Zentrum kann nicht Heimstätte von beidem sein. Und der Mensch kann nicht zwei Herzen in seiner Brust haben.

Daher sollten wir Taqwa wählen. Die Furcht, die zu Handlungen führt. Sie veranlasst eine Person, Vorkehrungen zu treffen, und Schritte einzuleiten, die sie und ihre Zukunft schützen.

In einem Gleichnis von ’Umar ibn Al-Khattab heißt es, das Leben sei ein Pfad voller Brombeersträucher und Dornen. Um zu verhindern, dass sie uns kratzen oder die Kleidung aufreißen, sollten wir gewissenhaft gehen und unsere Hosenbeine aufrollen.

Dieser Akt ist die Essenz der Taqwa. Jene Vorsicht ist es, die wir auf dem Weg von Allah praktizieren müssen. Wir müssen meiden, was Ihm missfällt, und tun, was Ihm gefällt. Dieser Pfad ist stellvertretend für das Leben. Und so sollte Taqwa unser permanenter Gefährte sein.

, ,

Ramadan 2026: Das eigentliche Ziel ist Taqwa

ramadan 2025 taqwa

Auszüge aus einem Vortrag von Schaikh Sohaib Webb über Taqwa, Fasten, die Fallstricke des Materialismus und Zeitmanagement. (Zaytuna College). Es ist Ramadan. Das ist der neunte Monat des islamischen Mondkalenders. […]

IZ+

Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)

Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ – Onlineabo, Kombi Print & IZ+ or Das IZ-Förder-Abo können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.

Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.

Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.

* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.

,

Warum brauchen wir Taqwa?

taqwa

Warum Taqwa? Der südafrikanische Imam Schaikh Isma-eel Isaacs über eine der muslimischen Grundeigenschaften

(iz). „O ihr Menschen, Wir haben euch wahrlich aus Mann und Frau erschaffen“ – damit sind der Prophet Adam und unsere Meisterin Hawa (Eva) gemeint, oder die Tatsache, dass wir eins sind. Dann hat Allah uns in Mann und Frau geteilt und dass jeder von uns von einem Vater und einer Mutter geboren wurde – „und Wir haben euch zu Völkern und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennenlernt“. Von Schaikh Isma-eel Isaacs

Daher hat niemand einen Vorzug gegenüber dem anderen. Wir sind alle in unserer Menschlichkeit gleich. Aus diesem Grund gibt es keine Grundlage für Prahlerei bzw. Überlegenheit aufgrund des Geschlechts oder der Abstammung.

Unter den Gelehrten herrscht eine leichte Meinungsverschiedenheit über die genauen Umstände, in denen dieser Vers offenbart wurde. Einige sagen, dies habe mit einem Vorfall zu tun, in den Abu Hind verwickelt war. Dabei befahl der Prophet dem Stamm Bayadah, diesen mit einer seiner Frauen zu ehelichen, und sie antworteten: „Sollen wir unsere Töchter mit unseren befreiten Sklaven verheiraten?“ Daraufhin sandte Allah diesen Vers herab.

Einige Gelehrte sagen, dass er offenbar wurde, als ein Mann, dem kein Platz eingeräumt worden war, beim Namen seines Vaters gerufen wurde. Der Prophet fragte, wer das sei, und Thabit antwortete: „Ich bin es, o Gesandter Allahs.“ Der Prophet bat ihn dann als Lehre für alle, in die Gesichter der Menschen zu schauen, und Thabit sah Menschen unterschiedlicher Hautfarbe. Der Gesandte Allahs sagte dann: „Du übertriffst sie nur durch Frömmigkeit.“

Allein die Tatsache, dass wir alle eine Herkunft teilen, die sich zweifelsohne bis auf Adam und Hawa zurückverfolgen lässt, ist der größte Beweis gegen die Vormachtstellung aufgrund der Abstammung.

Wie überliefert und allgemein bekannt ist: „Kein Araber hat Überlegenheit gegenüber einem Nicht-Araber, noch hat ein Nicht-Araber Überlegenheit gegenüber einem Araber; ebenso wenig hat eine weiße Person Überlegenheit gegenüber einer schwarzen Person, noch hat eine schwarze Person Überlegenheit gegenüber einer weißen Person, außer durch Taqwa.“

Außerdem sagte der Prophet: „Es gibt drei Dinge, die Überbleibsel aus der vorislamischen Zeit sind: Prahlerei mit den eigenen Vorfahren, Beleidigung der Abstammung anderer und das Beschwören der Rufe der vorislamischen Ära.“

Allah schuf die Menschen in Schu’ub (das sind große Gruppen, die aus kleineren Untergruppen, den Qaba’il, bestehen), um die gegenseitige Anerkennung und Verbindungen untereinander zu erleichtern, gemäß der Weisheit, die Allah verfügt hat. Das bedeutet, dass man die Abstammungslinien und Vorfahren der anderen anerkennt, damit man ohne Zweifel weiß, dass alle aus einer einzigen Quelle abstammen. Wie der Prophet sagte: „O ihr Menschen, euer Herr ist Einer, und euer Vater ist Einer. Ihr alle seid von Adam, und Adam wurde aus Staub erschaffen.“

Er sagte: „In der Tat ist der Edelste von euch in den Augen Allahs der Rechtschaffenste von euch“ (Al-Hujurat, Sure, 49, 18) – was bedeutet, dass nicht derjenige mit der angesehensten Abstammung gemeint ist. Die Grundlage für die Vervollkommnung der Seelen und die Unterscheidung zwischen den Individuen ist Taqwa.

Wer die höchsten Ränge erreichen will, muss sie anstreben. Der Prophet sagte: „Wer unter den Menschen der Edelste sein will, der soll tun, was Allah ihm befohlen hat, und sich von dem fernhalten, wovon Allah ihm befohlen hat, sich fernzuhalten.“

Der Prophet sagte: „In der Tat schaut Allah nicht auf eure äußere Erscheinung oder euren Reichtum, sondern Er schaut auf eure Herzen und eure Taten. Ihr seid alle Nachkommen Adams; der Edelste von euch ist in den Augen Allahs der Rechtschaffenste von euch. Dennoch sagt ihr: ‘So-und-so ist der Sohn von so-und-so.’“

In diesem Zusammenhang rechtfertigt kein Kontext eines Volkes, einer Nation oder einer Ethnie deren Überlegenheit gegenüber einer anderen. Es heißt, dass Sayyiduna Ali zu sagen pflegte: „Worauf muss der Sohn Adams stolz sein? Sein Anfang ist ein verachtenswerter Tropfen Flüssigkeit, und sein Ende ist ein schmutziger Leichnam, und dazwischen trägt er Abfall.“

Das Einzige, was Sinn ergibt, ist: „In der Tat ist der Edelste von euch in den Augen Allahs der Rechtschaffenste von euch.“ (Al-Hujurat, Sure, 49, 18)

Ibn Ajiba kommentiert diesen Vers wie folgt: „Wisse, dass der Anteil jedes Dieners von Allah entsprechend seiner Taqwa ist, und seine Taqwa entsprechend seiner Hingabe an Allah, und seine Hingabe entsprechend seiner Freiheit von Ablenkungen, und seine Freiheit entsprechend seiner Selbstlosigkeit, und seine Selbstlosigkeit entsprechend seiner Liebe, und seine Liebe entsprechend seines Wissens über Allah (…).“

Umgekehrt schrieb er auch: „Der Fall eines Dieners in den Augen Allahs ist auf den Mangel an Taqwa zurückzuführen, und der Mangel an Taqwa ist auf die Schwäche seiner Hingabe oder Konzentration zurückzuführen, und die Schwäche der Hingabe entspricht der Komplexität seiner Sorgen und die Komplexität der Sorgen hängt von seinem Eifer und Verlangen nach der Welt ab, und das Verlangen nach der Welt hängt von der Schwäche seiner Liebe zu Allah ab, und die Schwäche der Liebe hängt von seiner Unwissenheit über Ihn ab. Und Allah weiß es am besten.“

Die Spaltungen, die wir für uns selbst schaffen, um einige fälschlicherweise über andere zu erheben, haben in den Augen Allahs keine Bedeutung. Wer von Allah, dem Allmächtigen, geehrt wird, hat die Mittel zum Glücklichsein erlangt und die Schlüssel zur Erlösung gesichert. Niemand wird von Allah mehr geehrt als derjenige, der Seine Grenzen in der Öffentlichkeit und im Verborgenen einhält.

Das Übel des Takfirs oder die Gefahr der Ignoranz

(iz). Vor wenigen Monate wurde die Studie eines US-amerikanischen Sicherheitsinstituts [Deadly Vanguards: A Study of al-Qa’ida’s Violence Against Muslims, CTC Publications] veröffentlicht, in der statistisch nachgewiesen wurde, dass die allermeisten Opfer des Terrors seitens extremistischer muslimischer Gruppierungen vor allem Muslime selbst sind.

Aber auch in Deutschland ist diese gefährliche Unsitte leider verbreitet. So erreichen unsere Redaktion manchmal aus diversen Emailverteilern namenlose Emails, die zum Takfir (die Erklärung, dass andere Muslime wegen angeblich falscher Absichten den Islam verlassen hätten) auffordern. Auch wenn solche Fehlgeleiteten keine Grundlage haben, auf der sie argumentieren könnten, verwirren sie gerade unter jüngeren Muslimen die schwächeren Gemüter.

Heutzutage haben einige Unarten um sich gegriffen, die dem Islam schaden können – zur Freude seiner Gegner. Dazu zählt die Behauptung, bestimme Muslime – die nicht die Positionen der entsprechenden Personen teilen – hätten ihren Glauben aufgegeben. Es gibt Aussagen unseres Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, über die Prüfungen unserer Zeit und ihrer Unordnung (arab. Fitna). Wir finden im Sahih von Imam Muslim und anderen Hadith-Meistern prophetische Aussagen, die vom Blutvergießen unter Muslimen in unserer Zeit sprechen.

Zu Beginn muss darauf hingewiesen werden, dass die Praxis des Takfir aus dem letzten Jahrhundert stammt und wir eine Zunahme beobachten. Diese Denunziation ist zu einem Werkzeug der Unwissenden geworden, Missbrauch und Ermordung von Muslimen zu rechtfertigen.

Im größten Teil der muslimischen Geschichte gibt es nur sehr wenige ernsthafte Fälle von Spaltungen. Wir haben unsere ‚Aqida (Glaubenslehre), das islamische Recht (Fiqh oder Schari’a) und Ihsan (Tariqa, Tasawwuf oder Reinigung des Selbst). Die führenden Rechtsgelehrten hegten Zuneigung für einander. Das gleiche galt für die Imame der ‚Aqida und anderer islamischer Wissenschaften. Sie waren eine große Familie, die sich gegenseitig Respekt zollte.

Diejenigen, die Takfir in der muslimischen Welt einführten, haben sich zwischen die Offenbarung und Muslime gestellt. Sie haben die Leute von den Gelehrten getrennt. Jene beschützten die Religion, indem sie sich an den ersten Generationen des Islam ausrichteten. Die Gelehrten vermieden die Beschuldigung eines Muslims, er oder sie hätte den Glauben verlassen. Wir erfahren aus einem Hadith unseres geliebten Propheten, dass wir jene Dinge meiden sollten, die das Leben oder die Gesundheit eines Muslims schädigen könnten.

In seiner „Tabaqat“ schrieb Imam Asch-Scha’rani: „Einmal wurde Schaikh Al-Islam Taqi Ad-Din As-Subki gefragt, ob es notwendig sei, jene zu Nichtmuslimen zu erklären, die [schädliche] Neuerungen in den Islam einbringen und einige Verse des Qur’ans falsch auslegen? Er entgegnete: ‚Ich solltet wissen, dass es für jene, die Allah fürchten, sehr schwierig ist, jemanden des Unglaubens zu beschuldigen, der sagt, dass es keinen Gott gibt außer Allah und dass Muhammad Sein Gesandter ist.'“

Einen Muslim des Unglaubens zu beschuldigen ist eines sehr gefährliche Sache. Die würde bedeuten, dass man ihm sagt: „Du wirst für immer in der Hölle bleiben.“ Tausende nicht des Unglaubens zu beschuldigen und sich darin zu irren, ist besser als im Falle eines einzigen Muslims einen Fehler zu begehen, indem man diesen irrtümlich angreift. Es gibt das folgende Hadith: „Ich ziehe es vor, wenn ein Imam eine Person fälschlicherweise entschuldigt, als wenn er diese fälschlicherweise beschuldigt.“

Imam As-Subki führte dazu weiterhin aus: „Die Regeln des Takfir sind eine sehr komplexe Angelegenheit – mit wenig Klarheit und vielen Zweifeln behaftet. Es gibt dafür viele Richtlinien und Bedingungen. Zuerst einmal ist eine gute Beherrschung des Arabischen, all seiner Dialekte und Ausdrücke in ihrem wörtlichen und übertragenen Sinne nötig. Man muss alle Feinheiten der Wissenschaft des Tauhids und ihrer komplizierten Punkte kennen. Darüber hinaus muss man auch in vielen anderen Wissenschaften zu Hause sein. Dies ist für die meisten Gelehrten unserer Zeit kaum zu leisten, von einfachen Leuten ganz zu schweigen. Wie können diejenigen, die nicht in der Lage sind, ihre Zunge vor jenen Worten zu hüten, die ihren eigenen Glauben schaden, die Religion anderer vor schädlichen Worten beschützen? Uns bleibt nichts anderes übrig, als das Urteil in Sachen Takfir für jenen zu reservieren, welche die beiden Elemente des Glaubensbekenntnisses leugnen; und als Ergebnis den Islam verlassen haben. Jedoch ist dies nur ein seltener Fall.“

Imam As-Subkis Worten legen den Schluss nahe, dass nur die vollkommen Unwissenden und solche, die Allah nicht fürchten, leichthin Muslime zu Ungläubigen erklären. Wenn Takfir zu einer leichten Sache wird, führt dies zu Unruhe, Gewalt, Chaos und üblen Dingen. Dann gibt es keinen Platz mehr für den Islam. Dies ist genau das, was unser geliebter Prophet sagte, als er die Zeit kurz von dem Jüngsten Gericht beschrieb.

Es gibt ein Hadith des Propheten: „Wenn sich zwei Muslime mit ihren Schwertern bekämpfen, gehen sowohl der Mörder als der Ermordete in das Höllenfeuer.“ Da wurde der Gesandte Allahs gefragt: „O Gesandter Allahs, warum muss der Getötete ins Feuer eintreten?“ Der Prophet entgegnete: „Wäre er nicht getötet worden, dann wäre er der Mörder geworden, denn er hatte eine Tötungsabsicht.“

Gelegentlich kommen einige und rufen Ärger hervor. Diese Leute kennen nichts vom Islam außer wenigen Überlieferungen; als würde das heilige Gesetz nur auf drei oder vier Überlieferungen beruhen! Sie ignorieren die anderen qur’anischen Verse und Überlieferungen, die von den Imamen übermittelt wurden sowie ihre Erläuterungen jener Verse und Überlieferungen. Was geschieht, wenn Leute ihre Religion auf wenigen prophetischen Aussagen – die sie selbst auslegen – aufbauen?

Wir sollten uns daran erinnern, wer in der Geschichte Muslime getötet hatte. Wer tötete den zweiten, rechtgeleiteten Khalifen ‚Uthman? Und als was bezeichneten sie sich: Muslime oder Nichtmuslime? Sie behaupteten, sie seien Muslime auf der Suche nach einem guten Herrscher. Jedoch vergaßen sie, dass ‚Uthmans zweiter Name „Dhu’l-Nurain“ war – der Besitzer der beiden Lichter. Der Prophet gab ihm zwei seiner Töchter als Ehefrauen. Erinnerte sich keiner seiner Angreifer, dass ‚Uthman ibn ‚Affan zu jenen Prophetengefährten gehörte, denen der Garten versprochen war? Ihr Hass auf die Wahrheit machte sie blind, führte zu Blutvergießen und schließlich zur Ermordung von ‚Uthman, der sein Leben gab, obwohl er sie hätte zu jedem Zeitpunkt ausschalten können. Ihm standen umfangreiche Mittel zur Verfügung, aber er fürchtete sich davor, das Blut der Gläubigen zu vergießen. Hätte er es den Muslimen befohlen, wären ganze Armeen zu ihm geströmt, aber er lehnte das Vergießen vom Blut der Muslime ab.

Wir wissen von den Büchern der islamischen Geschichte, dass es immer durch Leute mit einem schwachen Iman, einem falschen Verständnis ihrer Religion und einem beschränkten Verstand zu Problemen kam. Ibn Battal erläuterte in einem Kommentar auf ein Hadith aus dem Sahih Al-Bukhari, in dem der Prophet sagte: „Sollten ihr auf dem Weg zum Markt oder zur Moschee einen Pfeil mit euch führen, so haltet ihn an der Pfeilspitze fest.“ Der Sinn dessen sei laut Ibn Battal, dass kein Mensch unbeabsichtigt dabei zu Schaden komme. Was würde der Prophet wohl zur heutigen Lage sagen?

Schaikh ‚Alawi Al-Maliki schrieb in seinem Buch „At-Tahzin min Mudschazat bi’l-Takfir“, dass die großen Gelehrten der Praxis des Takfir immer aus dem Weg gingen. Die Menschen brauchen Erziehung. Ziehen wir wirklich Nutzen aus der Fitna [wörtl. „Versuchung“, Unruhe oder Bürgerkrieg im übertragenen Sinne]? Wir sollten die Leute unterweisen, wie sie beten und fasten. Wir sollten sie lehren, den Propheten, seine Gefährten, die Imame und die Rechtschaffenen zu lieben. Stattdessen lernen die Jüngeren, wie man eine Fitna anfängt. Wäre es nicht besser für jene, die dem Islam helfen wollen, die Menschen darin zu unterweisen, die Schahada [das doppelte Glaubensbekenntnis] auszusprechen, zu beten und richtig zu fasten?

,

Halal-Zerfizierung: Bisher wurde zu wenig gefragt, ob und für wen der globale Trend von Nutzen ist. Von Sulaiman Wilms

(iz). Milliarden-Gewinne soll sie einfahren und dazu noch eine Wachstumsfunktion für Muslime in aller Welt haben. Die Rede ist von der globalen Halal-Industrie für Lebensmittel, Kosmetika, Medikamente und damit verbundene […]

IZ+

Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)

Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ – Onlineabo, Kombi Print & IZ+ or Das IZ-Förder-Abo können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.

Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.

Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.

* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.

,

Zum Umgang mit dem Qur’an. Eine Debatte um das Berliner Corpus Coranicum Projekt. Von Wolf Ahmed Aries, Hannover

Mit großer Aufmerksamkeit las ich den offenen Brief meines muslimischen Bruders zu den Arbeiten des Projektes „Corpus Coranicum“ der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, der mich zu einigen Überlegungen veranlasste, die […]

IZ+

Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)

Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ – Onlineabo, Kombi Print & IZ+ or Das IZ-Förder-Abo können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.

Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.

Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.

* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.

,

Über das Gedenken an das Wesentliche – Auszüge aus einem Buch von Ibn Hadschar Al-Asqalani. Von S. Wilms und M. Özkan

(iz). In Gesprächen mit Kollegen oder auch mit Bekannten und Verwandten werde ich als „neuer“ Muslim (im Gegensatz zu den „gebürtigen“) regelmäßig danach befragt, warum ich mich denn für den […]

IZ+

Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)

Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ – Onlineabo, Kombi Print & IZ+ or Das IZ-Förder-Abo können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.

Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.

Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.

* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.

,

Offener Brief eines deutschen Muslims: Gedanken zum Corpus-Coranicum-Projekt der BBAW in Berlin. Von A. Almendinger

(iz). Wie mit dem Qur’an umzugehen sei, beschäftigt Muslime seit Anbeginn der Offenbarung an den Propheten Muhammad. So kommt es nicht von ungefähr, dass Allah Selbst im Qur’an Bezug nimmt […]

IZ+

Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)

Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ – Onlineabo, Kombi Print & IZ+ or Das IZ-Förder-Abo können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.

Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.

Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.

* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.