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IZ-Wochenschau: Während Rafah angegriffen wird, stöhnt Südostasien unter Rekordhitze

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Blick auf das, was in der Woche wichtig ist. Bisher gibt es keine Verhandlungslösung. Das Kriegskabinett befahl den Angriff auf Rafah.

Berlin (iz, dpa, KNA). Am Montagnachmittag hatten sich die Menschen in Rafah noch über die Zustimmung der Hamas zu einem Flüchtlingsabkommen gefreut, das eine Pause im Krieg hätte bedeuten können. Die Freude sollte nicht lange anhalten: Kurz darauf lehnte das israelische Kriegskabinett ein mögliches Abkommen ab.

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Foto: IDF, via Wikimedia Commons | Lizenz: Public Domain

Gleichzeitig beschloss es, die „Operationen“ gegen die mit rund 1,5 Millionen Menschen überfüllte Stadt an der Grenze zu Ägypten fortzusetzen. Am Dienstag herrschte bei den internationalen Hilfsorganisationen vor Ort Unklarheit über Flucht- und Hilfsmöglichkeiten für die am stärksten bedrohten Zivilisten.

Israelische Truppen waren in der Nacht zum 7. Mai in Teile der Stadt vorgerückt und hatten nach eigenen Angaben die palästinensische Seite des dortigen Grenzübergangs unter ihre Kontrolle gebracht. Der Grenzverkehr und die Einfuhr humanitärer Hilfsgüter wurden vorerst gestoppt.

„Es bleibt die Frage, wie Behinderte, Alte und Kranke sicher transportiert werden können und wo eine so große Bevölkerung sicher untergebracht und versorgt werden kann“, erklärte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) am Dienstag in Genf. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stehen Krankenhäuser wegen Treibstoffmangels vor dem Aus.

Wesen Freiheit soll verteidigt werden?

In der Öffentlichkeit findet derweil ein merkwürdig gespaltener und widersprüchlicher Diskurs statt. Angesichts der verstärkten Angriffe von WahlhelferInnen und PolitikerInnen in einigen Bundesländern, die Angehörige aller Parteien treffen, betonten VertreterInnen verschiedener Parteien die Bedrohungslage. Sie forderten ein Ende dieser politischen Gewalt sowie einen besseren Schutz ihrer KollegInnen.

Der Schutz unseres Gemeinwesens und seiner bürgerlichen Freiheiten stand in diesen Tagen im Mittelpunkt vieler Wortmeldungen. So beschrieb SZ-Autor Ronen Steinke im Podcast seiner Zeitung, wie Angriffe gerade auch auf kommunaler Ebene den politischen Meinungskorridor einengen.

Dass der Eingriff in die Freiheit der öffentlichen Debatte für Teile des offiziellen Deutschlands nicht per se problematisch ist, zeigt etwa der Umgang mit Studentenprotesten gegen den anhaltenden Krieg und das Leid der palästinensischen Zivilbevölkerung in Gaza – aber auch in Ost-Jerusalem und im Westjordanland.

Am Dienstag räumten Berliner Polizeikräfte ein Protestcamp von StudentInnen an der Freien Universität. Diese hatten dort einen Hof besetzt. Einige wurden wegen Hausfriedensbruchs und Volksverhetzung festgenommen. Die Räumung erfolgte auf Anweisung der Universitätsleitung.

Als Reaktion kritisierten „Lehrende an Berliner Universitäten“, denen sich auch Wissenschaftler aus dem In- und Ausland anschlossen, das Vorgehen von Universitätsleitung und Polizei. „Als Lehrende der Berliner Hochschulen verpflichtet uns unser Selbstverständnis dazu, unsere Studierenden auf Augenhöhe zu begleiten, aber auch zu schützen und sie in keinem Fall Polizeigewalt auszuliefern“, heißt es in dem Dokument.

„Unabhängig davon, ob wir mit den konkreten Forderungen des Protestcamps einverstanden sind, stellen wir uns vor unsere Studierenden und verteidigen ihr Recht auf friedlichen Protest, das auch die Besetzung von Uni-Gelände einschließt. Die Versammlungs- und Meinungsfreiheit sind grundlegende demokratische Rechte, die auch und gerade an Universitäten zu schützen sind.“

Geberkonferenz Sudan

Foto: UNHCR/Charlotte Hallqvist

Sudan: Das stille Leiden der Menschen

Im Sudan vollzieht sich derzeit eine stille humanitäre Katastrophe. Im Gegen-die-Bürger-Krieg der sudanesischen Armeeführung (SAF) mit den Rapiden Einsatzkräften (RSF) zahlt die Zivilbevölkerung einen hohen Preis. Das Ganze spielt sich übrigens ohne sonderliche Kritik durch Organisationen wie die Arabische Liga oder die Organisation der muslimischen Zusammenarbeit (OIC) ab.

Nach Angaben von Hilfsorganisationen stellt der jetzige Konflikt aktuelle die größte humanitäre Krise weltweit überhaupt dar. Eine Konfliktforscherin hat vor einem möglichen Großangriff auf die sudanesische Stadt Al-Faschir durch Paramilitärs gewarnt. Die Stadt im Südwesten des Bürgerkriegslandes sei die letzte in der Region Darfur, die noch nicht unter Kontrolle der Rapid Support Forces (RSF) stehe, sagte Juliette Paauwe vom Global Centre for the Responsibility to Protect der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Sie fordert strengere Maßnahmen gegen Sudans Konfliktparteien.

„Die Staaten müssen ihren Einfluss nutzen, um sicherzustellen, dass SAF und RSF eine anhaltende Waffenruhe vereinbaren und alle Kräfte sich an das humanitäre Völkerrecht und die Menschenrechte halten“, so Paauwe. Darauf müsse ein „glaubwürdiger politischer Prozess“ folgen, der den Wunsch der Sudanesen nach Demokratie berücksichtige. Der UN-Sicherheitsrat müsse seine Sanktionen ausweiten. Zudem sollten die Staaten „gezielte Sanktionen“ gegen Armeechef Abdel Fattah Burhan und RSF-Anführer Mohamed „Hemedti“ Dagalo erwägen, darunter das Einfrieren ihrer persönlichen Bankkonten und ihrer Unternehmen.

Foto: NourEnergy e.V.

Hunderte machten bei der diesjährigen GreenIftar-Kampagne mit

Am 29. April veröffentlichte NourEnergy die diesjährigen Ergebnisse seiner GreenIftar-Kampagne. Dieses Jahr hätten, so der Verein, 626 Veranstaltungen stattgefunden. Dafür hätten sich „39 Moscheen, 53 Hochschulgemeinden und 258 Privathaushalte registriert“.

Besonders beliebt seien dabei das Einsparen von Verpackungen, vegetarisches/veganes Essen sowie das Teilen von Überschüssen mit Bedürftigen gewesen.

Südostasien leidet unter Rekordhitze

Aktuell herrscht in Südostasien Rekordhitze, das durch das Phänomen El Niño verursacht wird. Gefühlte Werte von über 50 Grad sind nicht nur für die Gesundheit gefährlich – sie haben noch weitere Folgen.

Länder in Südostasien und in Südasien melden Hitzerekorde – speziell die Philippinen, Bangladesch und Vietnam. So klagt Südvietnam mit der Millionenmetropole Ho-Chi-Minh-Stadt (früher: Saigon) über die längste Hitzewelle seit 30 Jahren. Seit Jahresbeginn lagen die Tageswerte Meteorologen zufolge fast immer bei über 35 Grad. In einigen Regionen wurden zuletzt sogar Temperaturen von rund 40 Grad gemessen.

Bangladesch erlebt derzeit sogar die längste Hitzewelle seit mindestens 75 Jahren. „Ich habe noch nie eine solche Gluthitze erlebt“, sagt der 38-jährige Aminur Rahman aus der Hauptstadt Dhaka erschöpft. Um seine fünfköpfige Familie über Wasser zu halten, tritt er auf seiner Rikscha in die Pedale. Derzeit schafft er gerade einmal zwei Stunden am Tag. Aber es kommen ohnehin kaum Kunden – auch in Dhaka bleiben die Menschen lieber in kühleren Innenräumen. Innerhalb weniger Tage starben trotzdem mindestens zehn Menschen an einem Hitzschlag. Vorsorglich wurden Schulen geschlossen – ebenso wie auf den Philippinen.

El Niño hat nichts mit dem menschengemachten Klimawandel zu tun. Es ist ein natürlich alle paar Jahre auftretendes Wetterphänomen, das mit der Erwärmung des Meerwassers im tropischen Pazifik und schwachen Passatwinden einhergeht. Das Phänomen kann aber die Folgen des Klimawandels verschärfen, weil es einen zusätzlich wärmenden Effekt hat. Auswirkungen gibt es vor allem in Südostasien, Australien, Afrika und Mittelamerika.

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IZ-Wochenschau: Wer bedroht unsere Sicherheit?

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Von Hamburg bis zu unbeteiligten Zivilisten. Eine Wochenschau mit Blick auf das, was in der Woche wichtig war oder werden könnte.

Berlin (iz, dpa). Die Debatte über mögliche inhaltliche und ideologische Verbindungen der AfD zu Regimen wie dem russischen und dem chinesischen ist in den vergangenen sieben Tagen weitergegangen. Auslöser waren Enthüllungen europäischer Geheimdienste, wonach die Europaabgeordneten Bystron und Krah Gelder von moskautreuen Oligarchen erhalten haben sollen.

Weitere Vorwürfe gegen den EU-Abgeordneten Krah wurden in Folge geäußert: Ein Mitarbeiter wurde nun unter dem Vorwurf der Spionage für Peking verhaftet. Neben der Weitergabe sensibler Informationen aus dem Umfeld des EU-Parlaments soll der Deutsch-Chinese auch chinesische Oppositionelle ausspioniert haben.

Für den „Spiegel“ und andere passt die Affäre um den AfD-Politiker zu dessen angeblicher Nähe zu Peking und dessen Interessen.

Wer gefährdet unsere Sicherheit?

Die Enthüllungen sind eingebettet in weitere Festnahmen von Verdächtigen, die für Moskau unter anderem in der Bundeswehr spioniert haben sollen. Inzwischen sind mehrere Verfahren anhängig.

Auch im fränkischen Bayreuth wurden zwei mutmaßliche russische Saboteure festgenommen. Das BKA, das die Festnahme angeordnet hatte, wirft ihnen vor, US-Stützpunkte zu Sabotagezwecken ausgekundschaftet zu haben. Noch dramatischer ist die Tat eines russischstämmigen Mannes, der zwei ukrainische Soldaten erstach. Diese befanden sich zur Rehabilitation von Kriegsverletzungen im bayerischen Murnau.

Vorfälle wie dieser und die Vorwürfe gegen bekannte AfD-Größen werfen nach zwei Jahrzehnten die Frage auf, ob die Obsession der inneren Sicherheitsbehörden mit den Muslimen im Land nicht die Fähigkeit zur Abwehr realer Gefahren behindert hat. Ein Text dazu findet sich im Archiv:

Welche Gefahr geht von politischen Bewegungen aus?

Zwei scheinbar skurrile politische Bewegungen machen derzeit von sich reden. Am Montag begann einer von mehreren Prozessen gegen Angehörige der Reichsberger Szene. Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen wird den Mannen um Prinz Reuß in Stuttgart-Stammheim vorgeworfen, einen gewaltsamen Umsturz geplant zu haben. Einer der größten Prozesse dieser Art in der Bundesrepublik. Mehr zu dieser Szene hier: https://islamische-zeitung.de/hintergruende-wer-sind-die-reichsbuerger/

Von größerer Bedeutung für die deutschen Muslime ist eine Hamburger Demonstration aus dem Umfeld von Hizbutahrir. Nach Mobilisierung der Gruppe Muslim Interaktiv kamen über 1.000 Teilnehmer in den Hamburger Stadtteil St. Georg (im Februar 2023 konnte sie noch die 3,5-fache Teilnehmerzahl aufbringen). Parolen wie „Das Kalifat ist die Lösung“ wurden gerufen.

Die Aktion rief in der politischen Öffentlichkeit die erwarteten Reaktionen hervor. Unionspolitiker wie Alexander Throm kritisierten sie mit scharfen Worten. Es folgten – ebenfalls nicht überraschend – Forderungen nach Gesetzesverschärfungen, Verboten und natürlich Abschiebungen.

Bereits am 28. April nannte Bundesinnenministerin Faeser (SPD) diese Demonstration, die allerdings nicht von den Polizeibehörden aufgelöst wurden, als „schwer erträglich“. Am Dienstag legte sie in einem Interview mit „Bild“ nach: „Unser umfassendes Gesetzespaket für mehr Abschiebungen ist jetzt in Kraft. Das ermöglicht, Islamisten und Antisemiten ohne deutschen Pass schneller auszuweisen und abzuschieben.“

Was in der aktuellen Debatte unbeachtet bleibt: Gruppierungen aus dem Umfeld von Hizbutahrir greifen vor allem Muslime an. Lokale muslimische Vertreter aus westdeutschen Großstädten bestätigen, nicht nur persönlich verbal attackiert zu werden. Der Ton des Netzwerks gegenüber Mainstream-Muslimen habe sich radikalisiert. Dass diese nicht namentlich genannt werden wollen, zeigt die Brisanz des Themas für deutsche Muslime. Inzwischen hat sich die Schura Hamburg mit einer Stellungnahme zu Wort gemeldet: https://islamische-zeitung.de/schura-hamburg-zur-hizbutahrir-demo/

Afrika: Was taugt eine „multipolare“ Weltordnung?

Seit Jahren wird auf der internationalen Bühne vom Ende des „amerikanischen Jahrhunderts“ gesprochen. Nicht nur das Entstehen von Bündnissen wie den BRICS-Staaten, sondern auch der Krieg in der Ukraine und die Spannungen im Südchinesischen Meer seien Anzeichen dafür.

Schwere Schläge erhält die bisherige Weltordnung durch das seit Monaten anhaltende Verhalten westlicher Regierungen – von Washington bis Berlin – gegenüber dem entsetzlichen Leiden der palästinensischen Zivilbevölkerung in Gaza. Das Schweigen gegenüber der gegenwärtigen israelischen Regierung stehe – so viele Stimmen im „globalen Süden“ – für den Zusammenbruch westlicher Außenpolitik. Als Alternative wird seit Monaten eine „multipolare Weltordnung“ beschworen und als Lösung gepriesen.

Wie sich Konflikte ohne westlichen Hegemon gestalten können, zeigen derzeit afrikanische Regierungen. Nach militärischen Machtübernahmen in Westafrika kündigten Staaten wie Niger, Mali oder Burkina Faso bisherige Verträge mit Frankreich. Das wurde als Beispiel eines neuen Selbstbewusstseins der ehemaligen Kolonien von Paris gefeiert.

Was keiner Militärjunta gelungen ist: Die grassierende Gewalt und den Terror in ihren Ländern einzudämmen. Schlimmer noch: In Mali werfen Menschenrechtler der Regierung vor, nichts gegen Menschenrechtsverletzungen durch die russische Söldnertruppe Wagner zu unternehmen. Und in Burkina Faso soll es zu einem Massaker der Armee unter Zivilisten gekommen sein: https://islamische-zeitung.de/burkina-faso-vorwuerfe-massaker-armee-junta/

Auch aus dem Gegen-die-Bürger-Krieg im Sudan kommen erneut drastische Warnungen vor einer Vergrößerung des menschlichen Elendes. Die sich bekriegenden Konfliktparteien der Streitkräfte (SAF) sowie der rivalisierenden RSF-Truppen haben die derzeit größte Fluchtbewegung ausgelöst. Der massenhafte Hunger steigt nach Angaben von Hilfsorganisation weiter an. Hinter den Generälen stehen keine westlichen Staaten, sondern nahöstliche Regierung sowie Russland.