Gespenster des Genozids

Der deutsche Philosoph Hegel sagte einmal: „Was die Erfahrung aber und die Geschichte lehren, ist dieses, dass Völker und Regierungen niemals etwas aus der Geschichte gelernt und nach Lehren, die aus derselben zu ziehen gewesen wären, gehandelt haben.“ Nichtsdestotrotz hat der historische Autodidakt Wladimir Putin gelernt, sie auf seine eigene Weise zu deuten. Von Jan […]

15.04.2022 .Redaktion 5 Min. Lesezeit

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Der deutsche Philosoph Hegel sagte einmal: „Was die Erfahrung aber und die Geschichte lehren, ist dieses, dass Völker und Regierungen niemals etwas aus der Geschichte gelernt und nach Lehren, die aus derselben zu ziehen gewesen wären, gehandelt haben.“ Nichtsdestotrotz hat der historische Autodidakt Wladimir Putin gelernt, sie auf seine eigene Weise zu deuten. Von Jan Lundius

(IPS). Während der Covid-19-Krise ging er in die Archive des Kreml und schrieb nach einem Studium alter Landkarten und Verträge ein langes Essay über „Die Historische Einheit von Russen und Ukrainern“. Seine Lektionen sind detailreich, aber nichtsdestoweniger ebenso voreingenommenen. Sie basieren auf der utopischen Idee des „Russki Mir“, einer russischen Welt, die alle Russischsprachigen vereint, welche über verschiedene Länder verstreut leben.

Beispielsweise behauptet er, die Krim wäre ein natürlicher Teil Russlands, ignoriert dabei die Erwähnung, wie es dazu kam: 1441 gründeten Mongolen das Khanat der Krim. Ihre Nachfahren, die Tataren, regierten das Gebiet bis 1783, als es vom russischen Reich annektiert wurde. Das war Teil des Versuchs zur Kolonisierung des fruchtbaren Landes nördlich des Schwarzen Meeres. Die Zaren nannten es Neues Russland. Putin benutzt diesen Namen mehrfach, wenn er sich auf die südlichen und östlichen Landesteile der Ukraine bezieht. Ihre „Russifizierung“ löste einen Exodus in osmanische Gebiete aus.

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