Hamlet, Prinz von Europa

Ein Essay von Konstantin Sakkas über Hamlet als den Paten des nachrömischen Europas.

05.11.2024 Konstantin Sakkas 8 Min. Lesezeit
hamlet

Foto: Eugene Delacroix, via Wikimedia Commons

„Höher als die Wirklichkeit steht die Möglichkeit.“ Martin Heidegger

(iz). Hamlet, die vielleicht wichtigste Figur der europäischen Literaturgeschichte nach der Antike, steht für den erbitterten Kampf des Menschen um „das richtige Leben“, für das Reich der Freiheit gegen das Reich der Notwendigkeit. In ihm vollzieht sich zugleich der Mythentransfer vom Mittelmeerischen zum Nordischen.

Europa, sagte der erste deutsche Bundespräsident, Theodor Heuss, sei auf drei Hügeln gebaut: Golgotha, dem Areopag und dem Kapitol. Das mag ideengeschichtlich stimmen; wenn man aber annimmt, dass das Eigentliche des Menschen sich im sogenannten Mythischen (was nicht das Gleiche ist wie das Irrationale) ausspricht, so sind es vielleicht nicht diese drei Stätten theologisch-politischer Konstitution, auf denen Europa gründet, sondern zwei Halbinseln, einander geografisch gegenüberliegend und in dieser Diametralität Europa umgreifend: Griechenland und Dänemark.

Den Mythentransfer von dem Land, an dessen Klippen Odysseus, der Vielgewandte, vom wütenden Gott Poseidon geschmettert wurde, zu dem Land, über das die Idee des Westens in die Welt getragen wurde, hat die englische Romanautorin Rosemary Sutcliff in ihrem „Laternenträger“-Zyklus verarbeitet.

Weltliterarisch ausgesprochen wird er im Hamlet-Stoff, den William Shakespeare vom mittelalterlichen dänischen Historiografen Saxo Grammaticus hatte und dessen zentraler Schauplatz Schloss Kronborg in Helsingör ist, gelegen im äußersten Nordosten der Insel Seeland, an der Meerenge gegenüber Schweden.

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