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Projekte für ein friedliches Miteinander von Juden und Muslimen

Ausgabe 312

IZ+

Wenn es keinen Spaß macht, dann tue ich es nicht“, lautet eines der seichten Credos dieser Zeit. Ein weiteres: „Wenn ich keine Lust habe, dann…“ – Lust und Spaß dominieren das Handeln des modernen Menschen. Doch wie sie entstehen, darüber wird nirgends hörbar nachgedacht. Das war nicht immer so. Griechenland und Rom, so wird es ­immer wieder heraufbeschworen, sind die Wiege des Abendlandes. Doch wenn man näher hinschaut, scheinen wenige Gemeinsamkeiten mit den geistigen Größen dieser Zeiten vorhanden zu sein. Eine dieser geistigen Größen ist der Philosoph Seneca. Sein Werk „Von der Kürze des Lebens“ lohnt sich vor allem in unserer modernen, von Schnelllebigkeit geprägten Zeit, näher betrachtet zu werden. Im Nikol Verlag ist 2019 eine neue Übersetzung dieses antiken Textes gemeinsam mit Senecas Schrift „Vom glückseligen Leben“ veröffentlicht worden. Der Übersetzer, Otto Apelt, erschließt uns auf ­verständliche Weise diesen römischen Klassiker. Es sei nicht zu wenig Zeit, die wir besäßen, sondern wir würden sie zu wenig nutzen, so Seneca. Doch wofür soll diese Zeit, die einem zur Verfügung steht eigentlich genutzt werden? Wenn es darum geht Zeit zu sparen, kann doch niemand uns modernen Menschen das Wasser reichen. Maschinen und Geräte, die für uns rechnen und arbeiten, waren noch nie so viele vorhanden wie heute. Supermärkte liefern alles, was gar für eine ausgewogene Ernährung benötigt wird. Und diese Nahrung wird auch benötigt: denn dank der fortgeschrittenen Technik und den nie dagewesenen Angeboten muss die Auswahl der Snacks groß sein, wenn es sich tagtäglich vor Netflix bequem gemacht wird. Entspannen, es sich gemütlich machen, wer das kann, der hat es ja gut! Ist das nicht gerade die Lebensart? Ganz andere Ziele verfolgt Seneca. Er spricht davon, dass Charakterbildung einzig zur wahren Lust führen würde. Das klingt nun ziemlich langweilig und erscheint wahrscheinlich dermaßen befremdlich, dass es doch wieder spannend klingt. Seneca gibt Ratschläge, die vor allem im Zeitalter von Social Media höchst provokant klingen: „Glücklich ist nicht, wer anderen so vorkommt, sondern wer sich selbst dafür hält.“ – Ist das gesamte Konzept von Social Media nicht darauf aufgebaut, ein interessantes Profil zu ­haben, das „geliked“ wird. Je mehr Likes, umso größer der Einfluss. Seine Zeit in Likes zu investieren, das hieße, wenn ­dieser Gedanke zu Ende gedacht wird, seine Macht auszubauen. Seneca würde dem harsch widersprechen und deshalb ist er für die Moderne interessanter denn je. Menschen würden sich darüber beschweren, dass sich andere keine Zeit für sie nehmen und fürchten sich davor nicht gemocht zu werden. Doch nimmt ein Mensch sich selbst überhaupt so ernst, dass er sich Zeit nur für sich nimmt und nachdenkt darüber, wer er sein will? Wieso dann die Beschwerde über die anderen, wenn man es selbst nicht tut? Ein Klassiker des alten Roms stellt ­Fragen an die Moderne – eine klare ­Empfehlung! o 
Gegen Aggression und Gewalt: Mehrere Initiativen und Projekte engagieren sich seit längerer Zeit für respektvolle Beziehungen zwischen Juden und Muslimen in Deutschland. Sie setzen vor allem auf Begegnungen. (KNA/iz). Jüngst […]

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