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Für die Kinder: Westafrika kämpft um Bildung

sahel

In vielen Ländern Westafrikas fängt gerade ein neues Schuljahr an. Für den Kauf von Heften, Büchern und Uniformen müssen Eltern sogar Kredite aufnehmen. Vielen Millionen Kindern bleibt der Schulbesuch sogar […]

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Ein Kontinent, kein Land: Dipo Faloyin will weitverbreitete Stereotypen über Afrika korrigieren

kurzmneldung

„Wenn ich Afrika nur aus den populären Bildern kennen würde, würde auch ich denken, dass Afrika ein Ort mit schönen Landschaften, schönen Tieren und unverständlichen Menschen ist, die sinnlose Kriege […]

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Weitere Truppenabzüge: UN-Friedensmission Minusma in Mali geschwächt

Entschieden ist noch nichts. Aber die Bundesregierung debattiert über einen Abzug der Bundeswehr aus Mali. Dort wird ihre Rolle positiver wahrgenommen als in Deutschland.

Bamako (KNA). Deutschland könnte Großbritannien und der Elfenbeinküste folgen. Beide Länder kündigten Anfang der Woche an, sich nicht mehr an der UN-Friedensmission im Norden Malis (Minusma) zu beteiligen. Laut Medienberichten soll es in den nächsten Tagen Gespräche zwischen Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) und Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) über den Militäreinsatz in dem westafrikanischen Land geben.

In Deutschland wird die Mission, an der die Bundeswehr mit mehr als 1.000 Soldaten beteiligt ist, kritisch betrachtet. Dazu beigetragen hat 2020 der Putsch, durch den Assimi Goita an die Macht kam. Er setzte den anfangs vereinbarten Wahltermin für Frühjahr 2022 aus. Organisationen wie Human Rights Watch werfen ihm vor, dass Meinungs- und Pressefreiheit zunehmend eingeschränkt werden. So musste der Fernsehsender „Joliba TV News“ kürzlich nach Kritik an der Regierung sein Programm für zwei Monate einstellen.

Europa verurteilt jedoch vor allem die Kooperation mit der russischen Sicherheitsfirma Wagner. Zusammen mit der malischen Armee sollen die Söldner in Moura im März 300 Zivilisten getötet haben. Der Zeitschrift „The Africa Report“ sagte ein Mitarbeiter der Nichtregierungsorganisation ACLED, die Daten zu internationalen Konflikten sammelt, Wagner kämpfe hauptsächlich gegen die Terrorbewegung „Gruppe für die Unterstützung des Islam und der Muslime“ (JNIM) sowie gegen die Peul-Volksgruppe in Zentralmali. Es heißt, dass JNIM seine Anhänger vor allem aus dieser ethnischen Gruppe rekrutiert. Peul-Vertreter klagen indes seit Jahren über Stigmatisierung und Übergriffe.

Ohnehin ist die Zusammenarbeit zwischen Minusma und malischer Regierung kompliziert. Besonders Deutschland bemängelt, dass die Personalrotation schwierig sei. Im August hatte Lambrecht den Einsatz bereits vorübergehend ausgesetzt. Generell wird bemängelt, das Projekt sei nicht erfolgreich. Die Gewalt habe sich aus dem Norden bis ins Zentrum des Landes ausgebreitet.

„Minusma ist sehr weit davon entfernt, perfekt zu sein“, sagt Christian Klatt, Landesvertreter der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung in Malis Hauptstadt Bamako. „Ohne sie wäre es aber aller Wahrscheinlichkeit nach deutlich schlechter um das Land bestellt.“ Die Städte Gao und Timbuktu, die 2012 von Terrorgruppen besetzt waren, seien heute wieder sicherer, die Märkte geöffnet. Laut Klatt genießt die Mission im Norden einen besseren Ruf als in den übrigen Landesteilen.

Sollte sich Deutschland – die Bundeswehr ist vorwiegend für Logistik und Aufklärung zuständig – tatsächlich zurückziehen, hätte das beträchtliche Auswirkungen. Im Vergleich zu Truppenstellern aus der Region sind Soldaten aus Europa gut ausgerüstet. Blauhelm-Soldaten aus Afrika und Asien sind schlechter geschützt, weshalb ihr Einsatz riskanter ist.

Auch nach Einschätzung von Ulf Laessing, Leiter des Regionalprogramms Sahel der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung, ist Minusma weiterhin sinnvoll. Im Norden breiteten sich Dschihadisten weiter in Richtung Menaka und Gao aus. „Die Menschen haben den Wunsch, dass Miunusma und Bundeswehr bleiben.“ Sie seien zudem wichtige Arbeitgeber. Seit Jahren ist klar, dass sich junge Männer nicht unbedingt aus ideologischen Gründen islamistischen Gruppen anschließen, sondern nicht zuletzt aus Perspektivlosigkeit.

Ein übereilter Abzug könnte obendrein dem russischen Präsidenten Wladimir Putin einen geopolitischen Erfolg bescheren. „Er will, dass der Westen geht“, sagt Laessing. „Diesen Triumph sollten wir ihm nicht gönnen.“ Gleichwohl müsse mittelfristig ein koordinierter Abzug – anders als beim Debakel in Afghanistan – geplant werden.

Die UN-Mission Minusma, die im Juli 2013 ihre Arbeit aufnahm, hat ein Mandat für bis zu 13.289 Soldaten sowie 1.920 Polizisten. Sie wurde ins Leben gerufen, weil im Jahr zuvor nach einem Aufstand von Teilen der Tuareg-Bevölkerung sowie einem Staatsstreich Dschihadisten-Gruppen den Norden besetzten.

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In Burkina Faso ist jeder Zehnte auf der Flucht

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Binnenvertriebene in Burkina Faso haben fast alles verloren. Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft geben viele dennoch nicht auf. Unterstützung bekommen sie vor allem von Angehörigen. Ouagadougou (KNA) Niemata Konfe […]

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Sicherheitslage im Sahel: „Ein Krieg gegen Muslime, Christen und Animisten“

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Dori (KNA). Die Terroranschläge im Sahel hören nicht auf. Eine ganze Region leidet unter Gewalt, Vertreibung und Nahrungsmangel. Allein durch militärische Präsenz lasse sich das nicht verändern, sagt Laurent Dabire, […]

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In Afrika wächst der Einfluss von Putins Söldnern

Mali

Während Wladimir Putin weiter Krieg gegen die Ukraine führt, versucht er, den russischen Einfluss im Nahen Osten und in Afrika auszuweiten. Längst beschäftigt das Treiben der Wagner-Söldner nicht nur Politik-Experten. Von Katrin Gänsler, Markus Schönherr und Joachim Heinz

Pretoria/Porto-Novo/Bonn (KNA). Zum Beispiel Mali. Im September 2021 hieß es aus dem westafrikanischen Staat erstmals, dass die Übergangsregierung unter Assimi Goita einen Vertrag mit der russischen Wagner-Truppe unterzeichnen wolle. Goita, der sich im August 2020 mit einer Gruppe von Generälen an die Macht geputscht hatte, zahlt Berichten zufolge den bis zu 1.000 Söldnern monatlich umgerechnet gut 9,1 Millionen Euro.

Im April dieses Jahres bemühte sich Außenminister Abdoulaye Diop, die Angelegenheit herunterzuspielen: Man unterhalte seit langem eine Kooperation mit dem russischen Staat. Mali ist kein Einzelfall. Die Söldner sollen auch etwa in Libyen, der Zentralafrikanischen Republik, im Sudan oder in Mosambik operieren.

Politik-Experten beobachten das Treiben der Gruppe, die nicht Teil der regulären russischen Streitkräfte ist, mit Sorge. Und das nicht nur, weil Russland sich mit diesem Engagement Einfluss in Afrika sichern will. Im Syrien-Krieg stellten die Söldner unter Beweis, dass bei ihnen Menschenleben nicht viel zählen.

Kenner der Szene wunderte es kaum, als die Vereinten Nationen Anfang August über ein Massaker der malischen Armee an der Grenze zu Mauretanien berichteten. Betroffen davon: Angehörige der ethnischen Gruppe der Peulh. Im Schlepptau der Malier: „weiße Soldaten“, mutmaßlich Wagner-Söldner. Sie sollen auch für den Tod von bis zu 400 Menschen in Moura im Zentrum des Landes mitverantwortlich sein.

Als Gründer der Truppe wird immer wieder Oberstleutnant Dmitri Utkin genannt, ehemals Mitglied des russischen Militärgeheimdienstes GRU. „Er wählte den Namen Wagner als Hommage an den deutschen Komponisten und wegen des damit verbundenen Symbolcharakters“, heißt es in einem unlängst erschienenen Buch über „Putins geheime Armee“. Utkin sei „ein großer Bewunderer des Dritten Reichs und Adolf Hitlers“. In den Sozialen Netzwerken bezeichneten sich die Söldner in Anspielung darauf als Mitglieder eines Orchesters, „das von einem ‘Komponisten’ geleitet werde und ‘Konzerte’ auf der ganzen Welt gebe“.

Finanziell ist der Dienst in der Truppe durchaus lukrativ. Bis zu 3.000 Euro im Monat können die Söldner im Auslandseinsatz angeblich verdienen – der Durchschnittslohn in Russland lag zuletzt bei 400 Euro. Als wichtigster Geldgeber gilt der Oligarch Jewgeni Prigoschin. Der 62-Jährige saß als junger Mann wegen mehrerer Delikte im Gefängnis. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion begann er eine zweite Karriere und betätigte sich unter anderem als Betreiber einer Hotdog-Kette und mehrerer Luxusrestaurants.

Heute verfügt „Putins Koch“ über einen direkten Draht zum Kreml-Herrscher und agiert nach Meinung der Buchautoren wie ein Mafiapate alter Schule: „Allgegenwärtig, aber unsichtbar.“ In Afrika verhalten sich die von ihm unterstützten Kämpfer im Regelfall ähnlich diskret. Ihre Aktivitäten werden gleichwohl aufmerksam registriert – nicht zuletzt von Hilfsorganisationen. Manche äußern sich nur hinter vorgehaltener Hand. Andere wie Misereor sind offener.

„Der Umgang mit den Söldnern ist ein Thema, das bei unseren Partnern in Mali ständig auf der Tagesordnung steht“, sagt der Leiter der Dialog- und Verbindungsstelle von Misereor für Mali, Burkina Faso und Niger, Adegbola Faustin Adeye. Er fügt allerdings hinzu, dass ein Großteil der Bevölkerung in dem krisengebeutelten Land das Engagement durchaus positiv sieht. „Die Menschen in Mali wollen Frieden und Sicherheit, notfalls eine Pazifizierung mit Gewalt“, so Adeye.

Die Sympathien für Russland haben zudem historische Wurzeln, wie der Misereor-Vertreter erklärt. Schon der erste Präsident Malis, Modibo Keita, verfolgte demnach einen sozialistischen Kurs. Studenten wie Militärs seien in der Sowjetunion und den Nachfolgestaaten stets mit offenen Armen empfangen worden. Adeye schätzt, dass etwa die Hälfte der Offiziere in Mali eine militärische Ausbildung in Russland durchlaufen hat.

In der Zentralafrikanischen Republik scheint die Gemengelage ähnlich wie in Mali. „Seit der russischen Intervention herrscht mehr Sicherheit im Land“, sagt eine Akademikerin in der Hauptstadt Bangui. „Sie haben die Rebellen weit genug zurückgedrängt, sodass wir ziemlich angstfrei leben konnten.“ Anders als die UN-Blauhelme im Land hielten die Wagner-Söldner auch mit der Waffe auf ihre Feinde, statt nur mit der Kamera.

Auch der Herausgeber einer Online-Zeitung in Bangui bestätigt die Präsenz russischer Kämpfer: „Vor Beginn des Krieges in der Ukraine waren es 2.500. Mit Kriegsausbruch kehrte ein Teil davon nach Russland zurück.“ Allerdings habe durch „Misshandlungen“ ein Umdenken in Bevölkerung stattgefunden: „Sie sind nicht mehr beliebt. Die Menschen wollen, dass sie gehen.“

In Mosambik versuchte die Regierung, den 2017 begonnenen Aufstand von Islamisten mithilfe der Wagner-Gruppe niederzuschlagen. Doch die Mission war ein „blanker Misserfolg“, wie Mosambik-Experte Eric Morier-Genoud berichtet. „Wenn ich mich recht entsinne, wurden sechs oder acht ihrer Männer durch die Aufständischen geköpft, woraufhin sie beschlossen, wieder abzuziehen.“ Auch in dem südafrikanischen Land mehrten sich in dieser Zeit Berichte von „Angriffen auf Zivilisten“, erinnert sich Johan Viljoen, Direktor des katholischen Denis-Hurley-Friedensinstituts in Pretoria.

Wo immer Wagner-Kämpfer auftreten, reißen sie Teile der lokalen Wirtschaft an sich. In Sudans Goldsektor mischen sie ebenso mit wie in den zentralafrikanischen Diamantenminen; sogar ins Kaffee- und Zuckergeschäft sollen sie eingestiegen sein. In Mali geht es neben Gold um Gas, Erdöl, Kali, Uran – und Wasser. Das Land hat Anschluss an ein riesiges Reservoir, das bis nach Libyen reicht.

Neben Söldnern schickte Moskau zuletzt vermehrt politische und wirtschaftliche Hilfe, auch in Form von Waffen, sagt Gustavo de Carvalho. Putin nutze das Misstrauen aus, das zwischen dem Westen und einigen afrikanischen Ländern herrsche, analysiert der Experte des Südafrikanischen Instituts für Internationale Angelegenheiten (SAIIA). Er bezweifelt jedoch, dass das russische Engagement langfristig Stabilität bringt.

Unterdessen bereitet „Putins Koch“ Prigoschin offenbar den Boden für weitere Allianzen. Anfang des Monats meldete er sich nach dem Putsch in Burkina Faso zu Wort. „Ich grüße und unterstütze Hauptmann Ibrahim Traore.“

* Marat Gabidullin, „Wagner – Putins geheime Armee. Ein Insiderbericht. Mit einem Vorwort von Ksenia Bolchakova und Alexandra Jousset“, Econ, Berlin 2022, 22,99 Euro.

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Auch Erfolgsgeschichten: Experte rät zu ausgewogenerem Blick auf Afrika

In den westlichen Industriestaaten neigt man bisweilen dazu, in Afrika nur Missstände zu sehen. Der Entwicklungsexperte Pranish Desai wirbt für eine andere Sichtweise. Von Markus Schönherr (KNA). Abgemagerte Kinder, die […]

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Gespalten und wenig Einfluss: Hintergründe über Kenias Muslime

Anlässlich der jüngsten Präsidentschaftswahlen nutzen wir die Gelegenheit für einen Überblick über die Lage der Muslime Kenias. Obwohl sie in der Vergangenheit eine Rolle in der Zurückdrängung repressiver Gesetze spielten […]

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Afrika zahlt den höchsten Preis

Während Afrika laut Berichten nur vier Prozent der globalen CO2-Emissionen ausstößt, erträgt dieser enorme Kontinent, Heimat von mehr als 1,3 Milliarden Einwohnern in 52 Staaten, die Hauptlast von 80 Prozent […]

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Krise im Sahel verschärft sich weiter

In Mali, Burkina Faso und Niger gab es in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 1.000 Anschläge auf Zivilisten. Mehr als zwei Millionen Menschen sind auf der Flucht; und die Gewaltspirale dreht sich weiter.

Cotonou (KNA). Die Zahlen sind alarmierend. Nach Informationen der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch wurden zwischen Januar und Juli allein im Westen des Niger mehr als 420 Zivilisten ermordet. „Die bewaffneten Islamisten führen einen Krieg gegen die Zivilbevölkerung“, sagt Corinne Dufka, Sahel-Leiterin der Organisation; „sie töten, plündern und zerstören Leben“. Besonders betroffen ist die Region Tillaberi, die an Burkina Faso und Mali grenzt. Erst am vergangenen Wochenende starben dort 19 Personen; eine Woche zuvor waren es 37. Für Hilfsorganisationen wird die Arbeit immer schwerer.

Der schwerste Anschlag der vergangenen Wochen in Burkina Faso fand Mitte August zwischen Arbinda und Gorgadji statt, als mutmaßliche Dschihadisten einen Konvoi angriffen und 80 Menschen ermordeten. Unter den Opfern waren Soldaten, Zivilisten und Mitglieder von Selbstverteidigungsmilizen. Die katholische Bischofskonferenz sprach von einem „Akt der Barbarei“.

In Mali war zuletzt die Region Gao, die an den Niger grenzt, besonders betroffen. Angriffe auf die Gemeinde Ouatagouna mit mehr als 50 Toten bezeichnete die Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen für Mali (Minusma) als eine „Verletzung der Menschenrechte und des humanitären Völkerrechts“ und forderte eine Untersuchungskommission. Die Minusma ist derzeit mit knapp 13.000 Soldaten im Land; dazu kommen eine Reihe weiterer Militäroperationen wie Barkhane mit 5.100 Soldaten. Die französische Mission zur Terrorbekämpfung soll bis 2023 halbiert werden, da der überwiegend militärische Ansatz als gescheitert gilt. In Mali, aber auch in Frankreich hatten das Experten lange vor der Entscheidung von Präsident Emmanuel Macron betont.

Die Region mit rund 65 Millionen Bewohnern ist schließlich trotz der starken Militärpräsenz seit 2013 immer instabiler geworden. Nach Einschätzung des Welternährungsprogramms WFP sind heute 13,4 Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen; knapp 2,1 Millionen sind in ihren Heimatländern auf der Flucht. Aktuell werden häufig Bauern beim Bewirtschaften ihrer Felder angegriffen. Das führt dazu, dass vielerorts Flächen brachliegen, was die schlechte Versorgungslage zusätzlich verschärft.

Betroffen ist auch das Bildungssystem. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung im Zentralsahel liegt bei 16,2 Jahren. Schon vor der Krise war Schulbesuch besonders auf dem Land keine Selbstverständlichkeit, vor allem nicht für Mädchen. Die wenigen Schulen waren schlecht ausgestattet, die Klassenräume mit 70 bis 80 Schülern völlig überfüllt. Seit 2017 haben sich im Sahel Anschläge auf Schulen versechsfacht, wie der im Februar gewählte nigrische Präsident Mohamed Bazoum kürzlich vor dem Weltsicherheitsrat betonte. Im Sahel sind daher knapp 5.000 Bildungseinrichtungen geschlossen; mehr als 700.000 Kinder haben keinen Unterricht; 20.000 Lehrer können nicht arbeiten. „Jede Schule, die geschlossen wird, ist ein Fenster, das sich schließt“, so Bazoum.

Das kann die Gewalt zusätzlich anheizen. Mitglieder der verschiedenen Terrorbewegungen wie der Gruppe für die Unterstützung des Islam und der Muslime (JNIM) und dem Islamischen Staat in der größeren Sahara (EIGS) verbreiten zwar eine salafistische Ideologie. Sie verbieten Feiern, den Gebrauch von Französisch, zwingen Frauen, sich zu verschleiern und planen Experten zufolge, ein Kalifat zu errichten. Doch auch Perspektivlosigkeit treibt junge Menschen in die Arme von Terroristen. Die US-Hilfsorganisation Catholic Relief Service sieht zudem Arbeitslosigkeit und entrechtete Jugendliche als ursächlich für die Gewalt an.

Neben einer Verbesserung der wirtschaftlichen Perspektiven mahnt die Denkfabrik International Crisis Group (ICG) mit Sitz in Brüssel außerdem bessere Regierungsführung an. Auch das Fehlen von Regierungshandeln hat letztlich dazu geführt, dass sich Terrorgruppen ausbreiten und große Teile der Bevölkerung ihr Vertrauen in den Staat verloren haben.