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Algerien: Papst appelliert an Frieden und Religionen

papst dialog Kurzmeldungen

Papst Leo XIV. hat seinen ersten Auftritt in Algerien genutzt, um ein Programm zu formulieren, das weit über den Tag hinausweist.

(iz). Am 12. April 2026, zu Beginn seiner Afrikareise, sprach er in Algier vor Vertretern von Regierung, Diplomatie und Zivilgesellschaft zu Geschwisterlichkeit, Gerechtigkeit und Verantwortung im Angesicht der globalen Krisen.

Erstaunlich nüchtern setzte der Papst dabei an einem Punkt an, der in religiösen und politischen Debatten oft überdeckt wird: der gemeinsamen Gottesbeziehung von Christen und Muslimen. „Wir sind Brüder und Schwestern, weil wir denselben Vater im Himmel haben“, erklärt er – ein Satz, der in einer Zeit, in der Religion häufig als Trennlinie erscheint, bewusst quer zum dominierenden Diskurs steht.

In einer Welt voller Konflikte und Missverständnisse, so Leo XIV., gehe es darum, einander zu begegnen und zu verstehen, im Bewusstsein, „dass wir eine einzige Familie sind“.

Dass diese Sätze ausgerechnet in Algerien fielen, war kein Zufall. Das Land war erste Etappe einer elftägigen Afrikareise, die der Papst am 12. April begonnen hatte; tags darauf, setzte er seine Besuche bei kirchlichen Gemeinschaften fort und würdigte in der Basilika „Unsere Liebe Frau von Afrika“ die kleine katholische Minderheit als Ort des Dialogs.

Leo XIV., der Algerien schon vor seiner Wahl zweimal bereiste, knüpfte damit an eine biografische Vertrautheit mit der Region an. Die antiken nordafrikanischen Wurzeln des Christentums und die heutige muslimische Mehrheitsgesellschaft wurden in seinen Worten zu einem gemeinsamen kulturellen Raum, in dem Gastfreundschaft nicht Folklore, sondern theologische Praxis ist.

Relevant wurde sein Auftritt, wo sich Spiritualität und Gesellschaftskritik verschränken. Leo XIV. sprach nicht allein von Frömmigkeit, sondern von Barmherzigkeit als sozialem Korrektiv. „Ungerecht ist, wer Reichtümer anhäuft und anderen gegenüber gleichgültig bleibt“, sagt er, und nennt eine Religion ohne Barmherzigkeit ebenso wie ein gesellschaftliches Leben minus Solidarität „in den Augen Gottes einen Skandal“.

Hier tastete der Papst die Ränder des globalen Wirtschaftssystems ab, ohne es beim Namen zu nennen – eine Rhetorik, die aufmerksame Hörer dann verstehen sollen, wenn sie sich nicht direkt angesprochen fühlen wollen.

Vor dem Hintergrund von Krieg am Persischen Golf und fortdauernden Konflikten im weiteren Nahen Osten erhielt seine Algerien-Rede eine zweite, unausgesprochene Ebene. Während anderswo Waffen sprechen, insistierte Leo XIV. darauf, dass Christen und Muslime vor Gott nicht Gegner, sondern Verwandte seien. 

Die Zuspitzung auf das Bild der „einen Familie“ kann man als geistliches Motiv lesen. Sie ist zugleich eine subtile Kritik an einer Weltordnung, in der Grenzen, Allianzen und Ökonomien nach ganz anderen Logiken funktionieren.

Am schärfsten zeigte sich diese kritische Perspektive, wenn der Papst die „fortschrittlichen“ Gesellschaften der Gegenwart betrachtet. Viele von ihnen, so seine Diagnose am 12. April, stürzten immer tiefer in Ungleichheit und Ausgrenzung; Menschen und Organisationen, die über andere herrschen, zerstörten jene Welt, „die der Allerhöchste erschaffen hat, damit wir zusammenleben“.

Der Begriff der „neokolonialen Versuchungen“, den er in dem Kontext benutzte, verweist auf eine Geschichte, die noch nicht vergangen ist – und auf afrikanische Erfahrungen, „die Afrika nur zu gut kennt“.

Leo XIV. inszeniert sich nicht als neutraler Beobachter, sondern kritischer Analytiker der Wirklichkeit. Sein Appell, „Oasen des Friedens“ zu vermehren, die Ursachen der Verzweiflung anzuprangern und zu beseitigen, richtet sich an politische Eliten – und zugleich an eine Öffentlichkeit, die aus seiner Sicht zu oft an Symptomen hängen bleibt.

Wenn er forderte, gegen diejenigen vorzugehen, „die aus dem Unglück anderer Profit schlagen“, dann ging es ihm nicht nur um moralische Empörung, sondern um eine Verschiebung des Blicks: weg von abstrakten Konfliktkarten hin zu den konkreten Biografien, auf deren Rücken Gewinne gemacht werden.

Dass der Papst diese Worte in Algier sprach – vor einer mehrheitlich muslimischen Gesellschaft und einer kleinen christlichen Minderheit –, deutet auf eine dramaturgische Setzung: Der Ort wurde zum Teil der Botschaft.

Die Afrikareise begann nicht mit einer innerkirchlichen Selbstvergewisserung, sondern dem Versuch, religiöse Sprache als gemeinsame Ressource gegen politische und ökonomische Entfremdung fruchtbar zu machen.

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Vier Monate Sudan-Krieg: Appell von Menschenrechtsorganisationen 

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Sudan-Krieg: Humanitäre Korridore und Sanktionen gefordert. Verhandlungen nur mit Beteiligung aller zivilen Kräfte.

Göttingen (GfbV). Seit vier Monaten herrscht im Sudan wieder Krieg. Vor diesem Hintergrund kritisiert die „Bana Group for Peace and Development“, ein Netzwerk sudanesischer Frauenorganisationen die internationale Gemeinschaft: Die demokratische Bewegung des Sudan, die 2018/2019 das Ende der Militärdiktatur unter Omar Al Baschir erreichte, sei viel zu wenig unterstützt worden.

Sudan-Krieg geht auf El Bashir-Dikatur zurück

„Gegen den Willen des sudanesischen Volkes wurden genau jene Kräfte im Land gefördert, die jetzt den Krieg führen: Abdelfatah Burhan, Chef der sudanesischen Armee und Mohammed Hamdan Daglo, Anführer der paramilitärischen Rapid Support Forces“, berichtete Sarah Reinke, Leiterin der Menschenrechtsabteilung der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV). Die Ansprechpersonen der Demokratiebewegung seien vom politischen Prozess ausgeschlossen worden. Besonders die Rolle der Frauen sei nicht anerkannt worden.

Foto: Agence France-Presse, via Wikimedia Commons | Lizenz: Universal Public Domain

„Frauen haben von Anfang an eine zentrale Rolle in der Revolution gespielt. Sie haben die Proteste angeführt, sie haben sich einen permanenten Platz in den Widerstandskomitees erkämpft und sich gegen die patriarchalen Strukturen und die Gewalt in der sudanesischen Gesellschaft engagiert“, so Reinke.

Nun seien Frauen und Kinder wieder die Hauptleidtragenden im Krieg, in dem Vergewaltigung als Waffe gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt werde.

Appell an Bundeskanzler Scholz

In einem Appell, den die GfbV und die „Bana Group for Peace and Development“  Bundeskanzler Olaf Scholz gerichtet haben, fordern die Organisationen: 

  • Humanitäre Korridore und entmilitarisierte Zonen, damit die sudanesische Zivilgesellschaft selbst Hilfen organisieren kann. Entmilitarisierung des Flughafens in Khartum. 
  • Öffnung der Grenzen nach Ägypten, Äthiopien und zum Südsudan für Flüchtende sowie humanitäre Hilfe für sie.
  • Sanktionen gegen Einzelpersonen und sudanesische Firmen im Besitz der Rapid Support Forces oder der Sudanesischen Streitkräfte: Einfrieren von Geldern und Strafen für Unternehmen, die mit den Sanktionierten zusammenarbeiten.
  • Ermittlungen des Internationale Strafgerichtshofs gegen die Hauptverantwortlichen. 
  • Unterstützung von Treffen der sudanesischen, Demokratiebewegung, auch mit erleichterter Visavergabe.

Geberkonferenz Sudan

Foto: UNHCR/Charlotte Hallqvist

Zivilbevölkerung fordert Waffenstillstand

„Ein Waffenstillstand ist wichtig. Eine Machtteilung zwischen den kriegsführenden Generälen darf es aber nicht geben. Bei Verhandlungen über eine zukünftige Regierung müssen alle zivilen Kräfte beteiligt werden“, forderte Reinke.

Die Bilanz der bisherigen Kämpfe ist erschütternd: Mindestens 3.000 Tote, über 6.000 Verletzte. Drei Millionen Menschen sind auf der Flucht, 25.000 von humanitärer Hilfe abhängig.

Viele haben keinen Zugang zu medizinischer Versorgung, Strom, Wasser und Lebensmitteln, der Mobilfunk fällt ständig aus, Frauen und Kinder werden Opfer von sexualisierter Gewalt. In Darfur zerstören die RSF und verbündete Milizen ganze Ortschaften und greifen gezielt bestimmte ethnische Gruppen wie die Masalit an. Internationale Beobachter warnen vor einem Völkermord.