Zakat als das Andere: Besitz, Konsum und individueller Erfolg gelten heutzutage in kapitalistischen Gesellschaften oft als Maßstab für ein gelungenes Leben. (iz). Zakat ist nicht einfach eine religiöse Pflicht unter […]
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Zakat als das Andere: Besitz, Konsum und individueller Erfolg gelten heutzutage in kapitalistischen Gesellschaften oft als Maßstab für ein gelungenes Leben. (iz). Zakat ist nicht einfach eine religiöse Pflicht unter […]
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(Zaytuna). Die Gemeinschaft der Muslime ist derzeit zersplittert und es gibt in ihr viel Leid. Möge Allah uns zusammenbringen und die Herzen vereinen. Denn er ist der Einzige, der dazu in der Lage ist. Wir haben uns als unfähig erwiesen.
Ich wurde gebeten, über die Nacht des Schicksals (Lailat Al-Qadr) zu reden, und wollte darin allgemein zum Ramadan sprechen und insbesondere darüber, was dieser Augenblick für diesen Monat meint. Der Vers im Qur’an, aus dem der Begriff stammt, lautet „wir haben ihn ja in der Nacht der Bestimmung hinabgesandt“ (Al-Qadr, Sure 97, 1), was die Herabkunft der Offenbarung bedeutet.
Das in diesem Qur’anvers verwendete arabische Wort leitet sich davon ab, dass etwas – bspw. der Regen – herabkommt. Ebenso kommt die qur’anische Offenbarung herab, wie es in der Sura Al-Qadr aus dem letzten Sechzigstel des Qur’an erwähnt wird.
Laut den Qur’ankommentatoren kann das Wort, nachdem dieses Kapitel benannt wurde, viele Bedeutungen enthalten. An anderer Stelle wird dieser Moment als ein „gesegneter“ beschrieben.
Einer der Inhalte ist, dass es sich um eine Nacht handelt, in der die Dinge für das kommende Jahr vorgesehen werden. Aus dieser Perspektive ist es eine wichtige Nacht. Denn wir glauben, dass Allah alles vorherbestimmt hat. Dies ist einer der Aspekte, die in unserer Glaubenslehre wurzeln.
Sie enthält sechs essenzielle Punkte, die der Prophet in einem Hadith beschrieb, als Jibril, Friede sei mit ihm, ihn vor seinen Gefährten fragte, was Iman sei. Einer davon war, dass man an das Qadr glaubt bzw. an das, was vermessen ist. Manche verwenden das Wort Schicksal.
Die Herausforderung dabei ist, dass man in das Problem des Determinismus geraten kann. Das ist etwas, woran Muslime nicht glauben, dass die Dinge in dieser Weise so bestimmt sind, ohne an dieser Bestimmung teilzunehmen.
Mit anderen Worten: Der Mensch hat einen freien Willen. Das ist eines der göttlichen Geheimnisse. Man kann es so betrachten: Es gibt die newtonsche Physik und die Quantenphysik.
Man darf beide nicht auf derselben Bedeutungsebene anwenden. Die von Newton gilt nicht auf der Quantenebene und die Quantenphysik gilt nicht auf der newtonschen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, dieselbe Realität aus unterschiedlichen Dimensionen zu betrachten.
Wir wissen, dass dies eines der Geheimnisse dieser Zivilisation und ihrer Macht ist. Es ist interessant, dass Qadr mit Qudra verwandt ist, was Macht bedeutet. Manchmal wird sie daher als „Nacht der Macht“ übersetzt, weil Messung eines der Mittel ist, durch die Leute gestärkt werden.
Die Fähigkeit, Dinge zu vermessen, verleiht den Menschen eine unglaubliche Macht. Und das ist einer der Gründe, warum die westliche Zivilisation davon besessen ist, alles zu messen.
Allah hat Macht über eine jegliche Sache. Und Er misst sämtliche Dinge. Er weiß, wie viele Sandkörner es gibt. Er weiß um alle Atome im Universum. Ein jedes dieser Dinge ist im Wissen Gottes enthalten. Und so kann diese menschliche Fähigkeit des (Ver)Messens, die uns Macht verleiht, niemals in der Gegenwart der göttlichen Fähigkeit bestehen. Sie wird einfach aufgehoben. Sie glauben, sie hätten Kontrolle über die Erde. Und an diesem Punkt sagt Allah: „Unser Befehl kommt.“
Er demonstriert seine Qudra in der tatsächlichen Nacht der Macht. Er zeigt euch, dass Er eine solche erschaffen kann, die in ihrer Belohnung für das, was ihr in ihr tut, tausend Monaten entspricht. Das ist eines der außergewöhnlichen Geschenke, die dieser Umma gegeben wurden. Allah kann die Zeit dehnen. Und Er kann sie verkürzen. In diesem Moment gibt Er uns die Belohnung von eintausend Nächten. Man kann im Laufe eines Lebens umgerechnet tatsächlich bis zu tausend Monate fasten.
Foto: Archiv
In dieser Sure sagt Allah, dass er den Qur’an herabgesandt hat. Der Tradition zufolge kam er in einem singulären Event von der gut erhaltenen Tafel herab. Und Jibril brachte ihn von dort. Ab diesem Zeitpunkt wurde er dem Propheten über einen Zeitraum von 23 Jahren stückweise offenbart. Er wurde nicht nur in einem einzigen Ereignis gegeben, sondern das war der Beginn der Offenbarung, so die Überlieferung.
Ich möchte schnell zu einem der wichtigsten Aspekte des Monats zurückkehren: dem Qur’an. Allah sagt, wenn er den Ramadan in ihm erwähnt, dass er „eine Rechtleitung für die Menschen“ ist. Er ist eine Klarstellung dieser Rechtleitung.
Und ist eine Richtschnur für das Unterscheidungsvermögen. Allah gibt etwas, das dazu befähigt, zwischen richtig und falsch, gut und böse, zwischen dem, was fromm und tugendhaft ist, und dem, was es nicht ist, zu unterscheiden. Der Qur’an ist dieses große Geschenk, das der Umma gegeben wurde.
Diese Suren weisen eindeutig klare Strukturen auf, die man nach gründlichem Lesen erkennen kann. Fahreddin Ar-Razi sagt, dass nur wenige Menschen jemals in diese eindringen. Denn der Qur’an verlangt eine Art von tadabbur: „Denken sie nicht tief über diesen Qur’an nach?“
Das meint, etwas bis zum Ende zu durchdringen. Bis zum Abschluss zu gehen. Und das Buch Allahs kann nie durchdrungen werden. Aber hier bedeutet es, profund darin einzutauchen, um aufrichtig zu versuchen, es zu verstehen. Dies ist eines der Dinge, die für die Umma wichtig sind, um ihre Beziehung zum Qur’an wiederherzustellen.
Einer der Punkte, die man immer haben sollte, ist jemanden, der in einer Situation mehr weiß als andere. Deshalb braucht man Gelehrte. Aber gleichzeitig müssen wir aus dieser völligen Abhängigkeit von ihnen herauskommen. Wir selbst sollen uns aktiv mit dem Lernen beschäftigen.
Wenn wir das nicht tun, wird es zu einer passiven Erfahrung, sodass die Menschen nie daran arbeiten, die göttliche Offenbarung zu verstehen. In ihr wird verlangt, dass die Leute darüber nachdenken. Allahs Buch fordert uns auf, sich mit ihm zu beschäftigen.
Foto: as-artmedia, Adobe Stock
Einer der großen Mufassirun unserer Tradition, Ibn Juzay Al-Kalbi, hat eine schöne Zusammenfassung des Qur’ans gegeben. Er sagte, wenn man jemanden fragt, was sein Zweck sei, die Leute mit verschiedenen Dingen aufwarten werden. Er bot eine schöne Definition des Qur’an. Er sagte, dass er die Schöpfung dazu aufruft, den Schöpfer, d.h. Menschen und Dschinn, anzubeten und in seinen Din einzutreten.
Er führt dann aus, dass das zwei zusätzliche Dinge verlangt. Das meint, zu welcher Anbetung wir aufgerufen sind und was die Anreize sind, dies zu tun? Allah sagt: Solltest du das machen, bekommst du eine Belohnung. Oder wer das tut, bekommt das. Und das andere ist der Stock, der sagt: Wenn du das tust, wird das geschehen. Wenn du das nicht machst, wird das passieren. Es ist eine Warnung. So werden die meisten Menschen motiviert.
Imam Al-Ghazali und andere haben gesagt, dass sich die Muslime auf höchster Ebene darüber erheben. Das ist die allerhöchste Stufe von Leuten, die Allah verehren, weil er dieser Anbetung würdig ist.
Dann sagt Ibn Juzay: Wer ins Detail geht, wird feststellen, dass alle Bedeutungen des Qur’an auf sieben zurückgehen. Die erste ist ‘Ilm Al-Rububiyya, das Wissen über unseren Herrn. Die zweite ist Nubuwa, das Wissen über die Propheten und Gesandten. Die dritte ist Ma’ad, was nach dem Tod geschieht. Dann kommen Wa’ad und Wa’id – die Warnungen und Versprechen. Dann die Ankam, die Regeln, die Allah uns gegeben hat. Und die Qasas, die Geschichten, die Allah erzählt hat.
Ein Großteil des Qur’ans besteht aus Berichten über frühere Völker. Die am häufigsten wiederholte Geschichte im Qur’an ist die von Pharao und Moses, weil dies das am meistverbreitete wiederkehrende menschliche Phänomen ist: die Beziehung zwischen dem Unterdrücker und dem Unterdrückten.
(iz). Zu den eindrücklichen Erfahrungen des Fastens gehört die existentielle Zeiterfahrung. Wir alle kennen das Phänomen: die Zeit, die man ohne Trinken und Essen verbringt, kann lang werden.
„Eine Stunde kann je nach unserer Stimmung, unserem Lebensalter oder unserer Tätigkeit dahinkriechen oder dahinrasen, sich beschleunigen oder verlangsamen, aber auf der Uhr ist jede Stunde gleich“, schreibt die Philosophin Jose Hermsen. In ihrem Buch über die Kunst des „Kairos“ weist sie auf eine andere Zeiterfahrung hin, die – so die Überlegung – ebenso zum Ramadan gehört.
„Während Chronos für die universelle, statische und quantitative Zeit steht, die notwendig ist, um die Zeit in einen linearen Zusammenhang zu versetzen, steht Kairos für den subjektiven, dynamischen und qualitativen Moment, der gerade den spezifischen und sich ständig verändernden Umständen Rechnung trägt und darum zu einem Wandel der Erkenntnis führen kann.“
Ein Ziel der Enthaltsamkeit ist es (und darin liegt die Schwierigkeit), die Erwartung auf den besonderen Moment stets hochzuhalten. Wir sollten nachdenken über den Doppelcharakter der Zeit: den Unterschied zwischen der chronologisch vorgestellten Uhrzeit und den Augenblicken, wo sie die Möglichkeit einer erweiterten Erfahrung des Bewusstseins birgt.
Für die griechischen Dichter war Kairos „alles, was für den Menschen gut ist.“ Die Segnungen des Ramadans beschränken sich nicht nur auf den positiven Einfluss auf unsere Gesundheit. Vielmehr eröffnet sich ein Erfahrungsraum der Besinnung und Selbstreflexion stimuliert. Im Moment des Stillstands und der Aufmerksamkeit sehen wir eine Zäsur in den gewohnten Ereignisketten und die Möglichkeit echter Veränderung.
Es gehört zu den Besonderheiten der Zeit, dass es leichter fallen kann, auf Essen oder Trinken zu verzichten, als auf die Nutzung des Smartphones. Wir sollten gerade am Ende des Ramadans die Gelegenheit ergreifen, unser Verhältnis zur Technologie zu hinterfragen.
Was ist es, was einen bewussten Verzicht auf den permanenten Online-Zustand so schwer macht? Der Philosoph Henri Bergson schrieb schon zu Beginn des letzten Jahrhunderts über die Schwierigkeit in der Moderne, sich wiederzufinden. „Die meiste Zeit leben wir unserer selbst äußerlich, wir gewahren von unserem Ich nur sein entfärbtes Phantom, den Schatten (…). Wir leben eher für die Außenwelt als für uns (…) eher als daß wir selbst handeln, werden wir gehandelt.“ Während des Ramadans erleben wir die Möglichkeit, uns im Gebet von der Dominanz der äußeren Welt immer wieder zu befreien.
Letztendlich streben wir in diesem Monat eine Balance dieser beiden Aspekte an. Wir versuchen, die Prioritäten unserer Wahrnehmung richtig zu setzen; anstatt nur die Zeit totzuschlagen. „Die innere Emigration funktioniert nicht mehr, weil die Infiltration des Realen uns in jedem Rückzugsraum einholt“, stellt der Philosoph Peter Sloterdijk in einem Interview mit der „Augsburger Allgemeinen“ treffend fest.
Wichtige Phänomene, deren Bedeutung wir insbesondere in der Fastenzeit zu ergründen versuchen, kann man nicht simpel verdrängen. Wir nehmen zum Beispiel bewusst die tragische und verzweifelte Situation der Palästinenser war. Uns erreichen die Bilder von ihrem Fastenbrechen in einer Trümmerwelt und wir empören uns über die Gewalt, der sie auch in diesem heiligen Monat ausgesetzt sind. Die Bittgebete, die wir gemeinsam in der Nacht sprechen, erinnern daran.
Foto: GreenIftar, NourEnergy
In diesen Tagen ist häufig von einer „Zeitenwende“ die Rede. Blicken wir auf die hinter uns liegenden Jahrzehnte zurück, wurde das Fasten lange vorrangig als Gegenbewegung zur Konsumgesellschaft gesehen. Heute ist es vor allem die Angst und die Depression, Ablenkung und Zerstreuung, die das Seelenleben gefährden, Zustände, denen wir uns mit den Riten und dem daraus resultierenden Vertrauen auf eine höhere Wirklichkeit entziehen.
Um dieses Potenzial für uns offen zu halten, müssen wir vorsichtig mit den äußeren Eindrücken sein, die einen erreichen. Die Unterscheidung, was tatsächlich wichtig ist oder was nicht, gehört zu den bedeutsamen Übungen dieser Zeit.
In der griechischen Philosophie sind es die Tragödien, die dem Menschen die Bewältigung der Affekte von Furcht und Mitleid aufzeigen sollen und zu einer „Kartharsis“, einer Reinigung, führen sollen.
Aristoteles argumentierte, dass die Affektbeeinflussung nicht schädlich sei. Denn der Ablauf der Tragödien mit ihrer Lösung des Konfliktes befreit uns von dem Druck, der durch sie erregten Affekten. Sein Lehrer Platon war skeptisch angesichts dieser Form der Reinigung. Er befürchtete generell, dass geistige und emotionale Einflüsse in der Seele eine unbeherrschbare, oft negative Eigendynamik entfalten.
Foto: Adobe Stock
In diesem Jahrhundert erleben wir zahlreiche Tragödien, Kriege und Herausforderungen, von denen man sagt, dass es keine simplen Lösungen mehr gibt. Die Flut der Bilder, die Darstellung von Gewalt und Exzessen, die Vielzahl wahrer und falscher Informationen beeinflussen den eigenen Zustand unbemerkt. Man neigt heute dazu, gerade wenn man an irrationale Gewaltausbrüche denkt, die Einwände Platons wieder ernster zu nehmen. Der Blick in die Abgründe unserer Zeit bleibt nicht folgenlos.
Der Ramadan ist eine ungewöhnliche Zeit und die uns zugeeignete Form der Reinigung, die unseren Körper, unser Denken und unseren Glauben erneuert. Die besonderen Momente dieses Monates kann man nicht erzwingen, man muss sich in der Offenheit für sie halten.
Jede Nacht erleben wir gemeinsam den Klangraum der Offenbarung und die Macht göttlicher Inspiration. Es ist der Monat Ramadan, in welchem der Qur’an als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt wurde, der die Zeichen der Wahrheit inne hat und das Richtige vom Falschen trennt (Al-Baqara, 2/185).
Angesichts der Lage des Menschen im 21. Jahrhundert ist tiefes Gottvertrauen und unumstößliche Zuversicht notwendiger denn je.
Ägypten hat erbitterte Kriege gegen Israel geführt und vernichtende Niederlagen eingesteckt. 1978 wagte Kairo den Weg zum Frieden. Heute ist das arabische Land als Vermittler im Nahostkonflikt unverzichtbar. (KNA). „Kein […]
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Über die Räume: Ein Essay aus dem Lesezirkel des Netzwerks muslimischer Akademiker über Wahrnehmung, Wirkung und Bedeutung des physischen Orts. (iz). Urlaub – ein Begriff, der Sehnsüchte weckt. Wir alle […]
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Es wird seit Anfang Dezember letzten Jahres darüber spekuliert, wie sich der Niedergang des Assad-Regimes auf die Machtverhältnisse im Nahen Osten auswirken könnte. (IPS/The Conversation/IZ). Es ist fast schon ein […]
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(iz). Allah hat uns ein wunderbares und wertvolles Geschenk gegeben und trotzdem behandeln wir es oft herablassend und erkennen weder seinen Wert, noch seine Bedeutung. Allah erinnert uns mehrfach an Seine Gabe und doch schenken wir dem oft zu wenig Beachtung. Wiederholt sagt Er uns, wie es am besten eingesetzt wird und doch verschwenden und vergeuden wir es.
Dieses Geschenk ist Zeit – die Augenblicke, die Stunden, die Tage, die Jahre, aus denen unser Leben besteht. Zu viele von uns betrachten sie als gegeben, verkennen ihren Wert und begreifen nicht, wie wichtig es ist, sie sinnvoll zu nutzen.
Der Wert von Zeit wird aus dem Qur’an ersichtlich, denn sie ist eines der Dinge, bei denen Allah selbst schwört. So sagt Er „beim späten Nachmittag; wahrlich, der Mensch befindet sich im Verlust“ (Al-’Asr, 1), „bei der Nacht, wenn sie verhüllt und beim Tag, wenn er enthüllt“ (Al-Lail, 1-2) und „bei der Morgendämmerung und zehn Nächten“ (Al-Fadschr, 1-2).
Foto: Sondem, Adobe Stock
Wenn Allah eine Sache in einem Schwur erwähnt, tut Er dies, um die Aufmerksamkeit der Zuhörer auf ihre Wichtigkeit zu lenken, und sie zum Nachdenken anzuregen. Allah tut dies nicht leichthin. Also beleuchtet der Fakt, dass Zeit in ihren verschiedenen Aspekten der Gegenstand von Allahs Schwüren ist, ihre Bedeutung für uns und wie wir unseren Alltag bestreiten.
Die Lebensweise des Gesandten Allahs und seiner Gefährten bestätigt ebenfalls die Wichtigkeit der Zeit für das menschliche Wesen. Mu’adh ibn Dschabal berichtete, dass der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte: „Ein Sklave Allahs wird am Tag der Auferstehung stehen, bis er über vier Dinge befragt wurde: Seine Lebenszeit und wie er sie genutzt hat, seine Jugend und wie er sie verbracht hat, seinen Besitz, wie er diesen erworben und wie er ihn ausgegeben hat sowie sein Wissen und welchen Nutzen er daraus gezogen hat.“
Von Ibn ‘Umar wird berichtet, dass er sagte: „Wenn Abend ist, wartet nicht auf den Morgen. Und wenn Morgen ist, erwartet nicht den Abend. Nehmt von eurer Gesundheit für den Moment, an dem ihr krank seid. Und nehmt von eurem Leben, wenn ihr tot seid.“ Mit anderen Worten: Nutzt die Zeit, in der ihr jetzt lebt und verschiebt die Dinge nicht auf später.
Einige der Leute des Wissens gingen weiter, um die enorme Bedeutung der Zeit zu erklären. Dazu gehört Al-Hasan Al-Basri, der große Tabi’i [Angehöriger der Generation nach den Prophetengefährten] und Mann Allahs: „Oh Sohn Adams, du bist nichts als eine Ansammlung von Tagen. Jedes Mal, wenn ein Tag vergeht, geht ein Stück von dir mit.“
Und diese Tage und Augenblicke, aus denen wir bestehen, sind endlich. Es gibt von ihnen nur eine beschränkte Anzahl, die uns zur Verfügung stehen. Wir können es uns nicht leisten, einen einzigen leer und nicht ausgefüllt verstreichen zu lassen. Jeder vorbeiziehende Moment ist verschwunden und kann niemals zurückgebracht werden. Eine andere Aussage von Al-Hasan Al-Basri macht dies noch verständlicher: „Jeder dämmernde Tag ruft aus: ‘Oh, Sohn Adams! Nimm Versorgung von mir. Wenn ich weg bin, werde ich bis zum Tag der Auferstehung niemals wieder zurückkehren.’“
Und wer weiß schon, wie viele weitere solcher Tage man noch haben wird. Es gibt niemanden unter uns, der mit Sicherheit sagen könnte, dass er morgen noch hier sein wird; ganz zu schweigen vom nächsten Jahr. Kein Mensch weiß, wann und wo er sterben wird. Dieses Wissen ist Allahs und gehört Ihm allein. Allah sagt im Qur’an: „Niemand weiß, was er morgen erwerben wird, und niemand weiß, in welchem Land er sterben wird. Gewiss, Allah ist Allwissend und Allkundig.“ (Luqman, 34)
Die Römer hatten das Motto: „Carpe Diem (Nutze den Tag!)“ Wir sagen: „Nutze den Augenblick!“ Wir sollten keine einzige Sekunde verstreichen lassen, ohne sie im vollsten Maße auszunutzen. Stellen wir uns vor, wie säßen in der Schule oder der Universität in einer Prüfung. Denken wir an das Gefühl von Dringlichkeit und Unmittelbarkeit, die wir in jedem Augenblick dieser Prüfung verspürten. Allah prüft uns; egal, ob wir bestehen oder scheitern. Unsere Ergebnisse werden uns in unseren Büchern am Tag der Auferstehung vorgelegt.
Aber bei diesem Examen geht es nicht nur um einen Job oder ein Stück Papier. Nein, es handelt sich dabei um unser ewiges Schicksal, unser Jenseits in der dauerhaften Heimstätte. Es gibt keine Nachprüfung. Es gibt keine zweite Chance. Wenn wir also so viel Dringlichkeit angesichts einer so kleinen Sache an den Tag legen, wie groß sollte dann unser Druck sein, den wir in der Zeit verspüren, die wir für das beste Ergebnis aufwenden, auf das ein Mensch hoffen kann?
Mu’adh ibn Dschabal berichtete, wie der Prophet sagte: „Es gibt nichts, was die Leute des Gartens so sehr bereuen werden, wie die von ihnen verschwendete Zeit, in der sie sich nicht an Allah erinnerten.“ Es gibt viele Wege zum Ausfüllen unserer Zeit, die zu korrekten Antworten auf diese Prüfung führen, aber die meisten kreisen um eine Sache: Dhikrullah – die Erinnerung an Allah in allen Dingen und eine Arbeit, die auf das Jenseits ausgerichtet ist. Dies heißt nicht, dass wir nicht arbeiten, essen oder schlafen sollten. Aber es heißt, dass wir diese Dinge in Seinem Namen tun und zur Erlangung Seines Wohlgefallens machen.
Es heißt sicherzustellen, dass alle Tätigkeiten korrekt und in Übereinstimmung mit dem Qur’an und der Sunna sind. Es bedeutet, jeden Augenblick unserer Zeit zu nutzen, keine „Zeit totzuschlagen“ oder sie zu verschwenden, indem wir nichts tun. Verfügt man über freie Zeit, gilt es den Segen darin zu erkennen und ihn im vollsten Maße auszufüllen.
Der folgende Satz des Gesandten Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, wurde von Ibn ‘Abbas überliefert: „Es gibt zwei Segnungen Allahs, die viele Leute als gegeben betrachten: Gesundheit und freie Zeit.“ Und ‘Umar ibn Al-Khattab sagte: „Prüft euch selbst, bevor ihr geprüft werdet.“ Es ist wichtig, sich zum Ende eines jeden Tages die Zeit zu nehmen, um sich zu vergewissern, wie gut man seine Zeit verbracht hatte und dann diese Information zu nutzen, um die eigene Zeit am nächsten Tag effizienter zu handhaben. Allah selbst betonte dies im Qur’an: „Oh, die ihr glaubt, fürchtet Allah. Und eine jede Seele schaue, was sie für morgen vorausschickt. Und fürchtet Allah; gewiss, Allah ist Kundig dessen, was ihr tut. Und seid nicht wie diejenigen, die Allah vergessen haben und die Er dann sich selbst hat vergessen lassen.“ (Al-Hasr, 18-19)
Und Allah hilft uns bei der Ordnung unseres Tages und beim Bewusstsein von der Zeit, wenn sie vergeht, indem für jeden Akt der Anbetung bestimmte Zeiten vorgeschrieben sind. Niemand sollte etwas verzögern. Wir sollten es uns nicht leisten, dass weitere Augenblicke verloren gehen. Die Zeit vergeht schnell und ist endgültig vorbei. Es hat seinen Grund, warum wir sagen „die Zeit vergeht wie im Flüge“. Man sollte aufpassen, nicht zu den Leuten zu gehören, die Allah im Qur’an beschreibt, wie sie in ihrem Totenbett liegen und sagen: „Mein Herr, würdest Du mich doch auf eine kurze Frist zurückstellen! Dann würde ich Almosen geben und zu den Rechtschaffenen gehören.“ (Al-Munafiqun, 10)
Ihre Bittgebete kommen zu spät, denn Allah sagt: „Allah wird aber keine Seele zurückstellen, wenn ihre Frist kommt. Und Allah ist Kundig dessen, was ihr tut.“ (Al-Munafiqun, 11) Vielmehr sollten wir wir zu jenen werden, die in der Stunde ihres Todes keine Furcht und keine Reue verspüren müssen. Sie haben den Wert der Zeit erkannt und sie genutzt. Man sollte wie die werden, über die Allah sagt: „Und sie soll keine Furcht überkommen, noch sollen sie traurig sein.“ (Al-Baqara, 112)
Foto: Jochen Tack, imago
Die Anziehungskraft der diesseitigen Welt ist stark und es gibt in ihr unendliche Zerstreuungen. Wohin wir auch schauen, werden wir abgelenkt und von denen Aufgaben hinweggezogen, für die wir erschaffen wurden, Allah zu kennen und Ihn anzubeten. In einer solchen Welt der Zerstreuungen ist es schwierig, das Bewusstsein von Zeit und ihrem Wert aufrechtzuerhalten. Ereignisse geschehen und wir vergessen. Die Menschheit ist vergesslich und schwächt. Allah sagt: „Der Mensch wurde schwach erschaffen.“ (An-Nisa, 28)
Und deshalb hat Er, in Seiner unendlichen Weisheit, es beschlossen, uns andauernd an der Bedeutung von Zeit in Relation zum Din zu erinnern. Allah hat Seinen Din und insbesondere die Akte Seiner Anbetung so strukturiert, dass wir uns der Zeit bewusst sein müssen und sie nicht vergessen. Jeder Anbetung wurde eine bestimmte Zeit zugewiesen – die fünf Gebete den Tag und die Nacht hindurch, das Freitagsgebet einmal die Woche, die Zakat auf Reichtum, nachdem ein ganzes Jahr vergangen ist sowie Ramadan und Hadsch an den für sie vorgesehenen Zeitpunkten innerhalb eines Jahres.
Und es gibt noch mehr als das: Allah gewährt uns Zeiten, den Tag, die Woche, den Monat und das Jahr hindurch, in denen die Belohnung für Akte der Anbetung größer sind als normal und in denen es wahrscheinlicher ist, dass Bittgebete angenommen werden. Einige dieser Augenblicke bleiben verborgen.
Dazu gehört die Sa’at Al-Istidschaba, der Moment am Freitag, wenn alle Bittgebete beantwortet werden, und die Lailat Al-Qadr – die Nacht der Macht – im Ramadan. Und die Weisheit all dieser verborgenen Zeiten besteht darin, dass sie uns dazu bringt, jeden unserer Momente mit der Erinnerung Allahs und Bittgebeten zu füllen, um sicherzustellen, dass sie mit diesen besonderen Momenten übereinstimmen.
Andere, besondere Momente wurden für den Menschen kenntlich gemacht. Darunter fallen unter anderem das letzte Drittel einer jeden Nacht, die Lailat Al-Bara’a und die vier heiligen Monate. Der Grund dafür, warum uns diese Zeiten nun bekannt sind, ist, dass wir damit Erinnerungen und Gründe haben, unsere Anstrengungen neu auszurichten und unsere Absichten zu erneuern.
(iz). Kürzlich habe ich ein Seminar mit dem Thema „Die muslimische Maria“ abgeschlossen. Viele Nichtmuslime im Kurs waren überrascht, als sie erfuhren, dass Muslime eine Verbindung zu Maria haben.
Sie wussten nicht über ihre Wertschätzung im Islam und wie wichtig sie für unseren Glauben und unsere Praxis ist. Das ist wenig verwunderlich, wenn man bedenkt, dass die Hälfte der Amerikaner angibt, „nicht viel“ oder „überhaupt nichts“ über den Islam zu wissen.
Als muslimisches Mädchen, das in Rheinland-Pfalz, einem überwiegend katholischen Bundesland, aufwuchs, war Maria eine ständige Präsenz in meinem Leben. Ihre Bilder und Statuen, die in der ganzen Stadt verteilt waren, lächelten mich an, während ich zur Schule ging. Zur Weihnachtszeit sang ich mit meinen Klassenkameraden Lieder wie Stille Nacht, heilige Nacht.
Zu Hause und in der Moschee war ich fasziniert von Marias außergewöhnlichem Charakter, ihrem Mut und ihrer Hingabe. Sie ist eine der am meisten verehrten Frauen im Islam, und der Qur’an widmet ihr das ganze 19. Kapitel, um ihren hohen Status zu würdigen. Sie ist etwas Besonderes, nicht nur weil sie die Mutter Jesu war, sondern auch wegen ihrer vorbildlichen Spiritualität, ihrer Anbetung und ihrem Dienst an Gott.
Für mich und viele Muslime bleibt Maria ein Vorbild, wenn es darum geht, in Zeiten der Verzweiflung moralischen Charakter, Vertrauen und Hoffnung auf Gott zu entwickeln. Sie zeigt uns, dass in der Ungewissheit auch Chancen liegen. Maria hatte mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen, doch sie blieb standhaft.
Als junge Frau, die aufgrund meiner muslimischen Religionspraxis mit vielen Herausforderungen konfrontiert war, motivierte mich Maria, mich nicht von Vorurteilen und Stereotypen entmutigen zu lassen. Wie sie strebte auch ich danach, meinen Platz in der Welt zu finden.
Mit zunehmendem Alter hörte ich weiterhin muslimische Weihnachtslieder mit meinen Töchtern, von denen ich eine Maryam nannte – der arabische Name für Maria im Qur’an. Die Auswahl dieses Namens war ein Gebet: Ich hoffte dass auch meine Tochter die Frömmigkeit und die schönen Tugenden von Mitgefühl, Demut, Mut und Hoffnung verkörpern würde.
Die Präsenz Marias ist in vielen Teilen der muslimischen Welt sichtbar. Der Mihrab – die Gebetsnische in jeder Moschee, die in Richtung der Kaaba in Mekka weist, dem gemeinsamen Mittelpunkt des Gebets der Muslime – trägt den Namen des privaten Gebetsstätte von Maria, wie es im Qur’an erwähnt wird (Sure Al-i ’Imran, 3, 37).
Oft nahm ich meine Schüler mit zum Schrein der Mutter Maria (Meryem Ana Evi), einem Wallfahrtsort in der Türkei, an dem Muslime und Christen diese heilige Figur ehren. Natürlich besuchten wir auch die berühmte Hagia Sophia in Istanbul und blickten zu Maria auf, die über alle Gläubigen wacht, die zur Moschee zum Gebet eintreten.
Aus Respekt vor dem islamischen Monotheismus, der keine Bilder oder Statuen erlaubt, wird das wunderschöne Bild von Maria während der Gebetszeiten normalerweise abgedeckt.
Muslime in den Vereinigten Staaten sind stolz darauf, Moscheen nach Maria und Jesus zu benennen. Das Islamische Zentrum Maryum in Maryland, die Maryam-Moschee in Texas oder die Moschee von Jesus, dem Sohn Marias, im Bundesstaat New York – all diese Moscheen verdeutlichen die heiligen Verbindungen zwischen Islam und Christentum.
Maria ist ein Symbol der dauerhaften Beziehung zwischen den abrahamitischen Religionen. Im Qur’an (Sure Al-i ’Imran, 3, 45) wird anerkannt, dass sie im jüdischen Glauben aufgewachsen ist und dass Jesus der verheißene Messias war. Koranische Inschriften über Maria und Jesus, die im siebten Jahrhundert im Felsendom zu finden sind, bringen Verbindungen zwischen den Religionen zum Ausdruck und bewahren gleichzeitig die theologischen Unterschiede des Islam.
Im Laufe meines Lebens habe ich mehr über die christliche Maria erfahren, ohne jedoch meine eigenen muslimischen Überzeugungen aufzugeben oder die theologischen Unterschiede zu beschönigen. Für Christen bleibt Maria die Mutter Gottes (theotokos) und nimmt einen hohen Stellenwert in der Vorstellung von der Inkarnation Gottes ein.
Muslime hingegen betrachten sie als die Mutter des Propheten Jesus, die beide vollkommen menschlich sind. Marias Bedeutung im Islam ergibt sich aus ihren eigenen Eigenschaften wie Hingabe und absolutes Gottvertrauen. Ich habe gelernt, mit gesunden Meinungsverschiedenheiten zu leben und diese unauflösbaren Spannungen anzuerkennen.
Ich hoffe, dass meine Schüler bei der Auseinandersetzung mit der muslimischen Darstellung Marias meinen Unterricht mit einer reicheren und tieferen Wertschätzung für ihr spirituelles Erbe verlassen haben. Wir waren uns alle einig über ihre große Barmherzigkeit und ihre Verkörperung der Hoffnung.
Christen und Muslime zusammen machen mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung aus. Ich hoffe, dass wir Maria gemeinsam ehren können, indem wir uns stärker für gegenseitiges Verständnis und für die Verbesserung unserer Menschheitsfamilie einsetzen.
Dr. Zeyneb Sayılgan ist Islamwissenschaftlerin. Ihre Forschung beschäftigt sich mit dem theologischen Gedankengut des muslimischen Gelehrten Bediüzzaman Said Nursi (1876-1960). Hierzu moderiert sie den Podcast Begegnung mit dem Islam. Ihre Arbeit ist in zahlreichen Medien wie DIALOG, Religion News Service, Covenant, U.S. Catholic, MuslimMatters, Maydan, Qantara, MIGAZIN, IslamIQ, Islamische Zeitung und Perspektif erschienen.
Die Bedeutung der Sunna in den Texten von Said Nursi zeigt sich als ein zentrales Thema seiner theologischen Ausarbeitungen. (iz). In seinen Werken wird deutlich, dass die Sunna nicht nur […]
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