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Antimuslimische Gewaltwelle: 200 Menschen in Großbritannien verurteilt

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Tagelang griffen rechtsextreme Randalierer in mehreren Städten britische Muslime, die Polizei und Unterkünfte für Migranten an. Die britische Justiz reagiert mit Härte auf die Gewaltwelle.

London (dpa). Mehr als 200 Menschen sind bisher wegen ihrer Rolle bei den rechtsradikalen Ausschreitungen in mehreren britischen Städten verurteilt worden.

Dabei sprachen Gerichte in der überwiegenden Zahl der Fälle eine Haftstrafe aus, wie eine Auswertung der britischen Nachrichtenagentur PA ergab. Demnach müssen 193 der insgesamt 202 Verurteilten ins Gefängnis.

Die höchste Strafe erhielt ein 48-jähriger Mann aus der nordostenglischen Stadt Kingston upon Hull. Er räumte vor Gericht die Teilnahme an gewalttätigen Ausschreitungen („violent disorder“) sowie versuchte Brandstiftung und rassistisch motivierte Sachbeschädigung ein und wurde deshalb zu sechs Jahren Haft verurteilt.

Der bislang jüngste Verurteilte war ein 13-Jähriger, der im nordenglischen Manvers gemeinsam mit einem Mob Wurfgeschosse gegen ein Hotel geschleudert hatte, in dem Migranten untergebracht sind.

Er muss nun für ein Jahr richterlich erlassene Auflagen erfüllen. Nächste Woche soll das Strafmaß gegen einen zwölfjährigen Jungen verkündet werden. In Großbritannien beginnt die Strafmündigkeit ab zehn Jahren.

Insgesamt wurden bisher mehr als 1.280 Menschen festgenommen und etwa Anklagen erlassen. Bei den Ausschreitungen waren Dutzende Polizisten verletzt sowie Fahrzeuge angezündet und Geschäfte geplündert worden. 

Vorausgegangen war eine Messerattacke in der Stadt Southport, bei der drei Mädchen getötet und weitere Menschen verletzt wurden. In sozialen Netzen wurde die Falschnachricht verbreitet, der Täter sei ein muslimischer Migrant.

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Was war los in England? Hintergründe über die Unruhen

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Zwischen Ende Juli und Anfang August kam es zu massiven Gewaltausbrüchen gegen Muslime und andere Minderheiten in England. Ein Versuch der Erklärung. (The Conversation). Als bekannt wurde, dass ein 17-Jähriger […]

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Jahangir Mohammed: Wie es zur Gewalt kam

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„IZ-Begegnung“ mit Jahangir Mohammed vom London Ayaan Institute über die antimuslimischen Gewaltausbrüche in Großbritannien. (iz). Vom 30. Juli bis 6. August wurde Großbritannien (vor allem England und Nordirland) von einer […]

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Antimuslimische Gewalt in England: Hoffnung auf Ruhe

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Zehntausende Menschen setzten in Großbritannien nach den Ausschreitungen ein Zeichen gegen antimuslimische und rechtsextremistische Gewalt. Mehr als eine Woche lang erschütterten rechtsradikale Krawalle das Land.

London (KNA, dpa). Nach dem Ausbleiben neuer rechtsextremer Ausschreitungen in England wächst die Hoffnung auf eine dauerhafte Rückkehr zur Normalität. In vielen Städten waren am Mittwochabend neue Krawalle befürchtet worden – doch stattdessen gingen Tausende Menschen gegen Hass und Gewalt auf die Straße.

Die neue Labour-Regierung unter Premier Keir Starmer stand angesichts der fremdenfeindlichen Unruhen im Land vor ihrer ersten Krise. Dabei spielte das Thema Migration vor den britischen Parlamentswahlen Anfang Juli keine entscheidende Rolle. Das marode Gesundheitssystem, hohe Lebenshaltungskosten und Lohndebatten trieben den Sozialdemokraten die Wähler zu.

Dagegen konnten die Konservativen im Wahlkampf nicht mit dem Versprechen punkten, Asylzahlen zu senken, Migrantenboote über den Kanal zu stoppen und Abschiebungen zu forcieren – zumal sie damit längst gescheitert waren. Seit 2021 stieg die Zahl der Asylbewerber jährlich auf zuletzt mehr als 84.000.

Premierminister Keir Starmer zufolge war der weitgehend friedliche Verlauf des Abends vor allem Polizei und Justiz zu verdanken. „Ich denke, die Tatsache, dass wir gestern Abend nicht die befürchteten Unruhen erlebt haben, ist darauf zurückzuführen, dass wir viele Polizisten im Einsatz hatten (…)“, sagte der Labour-Politiker.

Antifaschistische Demonstranten drängen gewaltbereite Rassisten ab. (Screenshot: YouTube)

Antimuslimische Gewalt: Radikalisierung der weißen Arbeiterschaft

In bestimmten Milieus der unteren Mittelschicht und der weißen Arbeiterklasse befeuert das eine Radikalisierung, die seit etwa 15 Jahren zugenommen hat. Dafür stehen kleine, aber aggressive Gruppierungen wie die rechtsextreme British National Party oder die islamfeindliche English Defence League. Deren einstiger Chef Tommy Robinson (41) – eine Art englischer Martin Sellner in Hooligan-Ausgabe – genießt unter Asylgegnern Kultstatus.

Manche Beobachter führen „Fake News“ in den Sozialen Medien, die zu den tagelangen Ausschreitungen auf der Insel und der Eskalation am Wochenende beitrugen, direkt auf ihn zurück. Der 17-Jährige, der am 29. Juli in Southport drei Mädchen bei einem Tanzkurs mit einem Messer ermordet und viele verletzt hatte, sei muslimischer Asylbewerber, hieß es da. Tatsächlich wurde der Täter, dessen Eltern aus dem überwiegend christlichen Ruanda stammen, in Cardiff geboren. Mehr gab die Polizei bisher nicht bekannt, auch kein Motiv für die Tat.

Fest steht aber: Die Bilanz der einwöchigen Krawalle ist seit Beginn der Flüchtlingskrise vor rund zehn Jahren europaweit beispiellos. In Manchester, Liverpool und anderen englischen Städten rotteten sich teils hunderte Menschen unter dem Motto „Genug ist genug“ zusammen, griffen Moscheen und Asylunterkünfte an, zerstörten Geschäfte, bedrohten verängstigte Muslime und Migranten.

Es wird von einem „Pogrom“ gesprochen – aber auch breiter Widerstand durch die Zivilgesellschaft

Mehr als 400 Randalierer wurden festgenommen, Dutzende Polizisten verletzt. Plötzlich taucht mitten im kosmopolitischen Großbritannien ein Begriff auf, den man in Europa lange hinter sich glaubte: Pogrom.

„Das ist kein Protest, das ist Gewalt“, erklärte Premierminister Starmer am 5. August nach einer Sitzung des Krisenstabs. Verantwortlich sei eine winzige Minderheit rechter Mobs, die in keiner Weise die britische Gesellschaft repräsentiere.

Der Strafverfolgungsbehörde Crown Prosecution Service zufolge wurden bisher knapp 150 Menschen angeklagt. Beinahe 500 waren zuvor festgenommen worden. Bei ersten Verurteilungen wurden teils mehrjährige Haftstrafen verhängt.

Londons Bürgermeister Sadiq Khan bedankte sich auf X bei den Menschen, die friedlich demonstrierten, und den Sicherheitskräften. Er fügte hinzu: „Und an alle rechten Schläger, die noch immer Hass und Spaltung säen wollen – ihr werdet niemals willkommen sein.“

Der Organisation Stand Up to Racism zufolge versammelten sich im ganzen Land etwa 25.000 Menschen, um gegen rechtsextreme Gewalt zu demonstrieren. Darunter viele im Londoner Bezirk Walthamstow, im Osten Londons sowie in den Städten Bristol, Brighton, Liverpool und Sheffield.

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Foto: Keir Starmer, No. 10 Downing Street

Gefühle der Entfremdung bei den „Autochthonen“

Fraglich ist allerdings, ob die Labour-Regierung das tieferliegende Problem ethnischer Spannungen allein mit den Mitteln des starken Staats ausreichend adressiert. Wie in anderen westlichen Gesellschaften fühlen sich auch Teile der Bevölkerung von der Zuwanderung nicht nur kulturell und wirtschaftlich bedroht, auch das Sicherheitsgefühl auf der Insel erodiert. 

Mehr als 50.000 Messerangriffe in einem Jahr zählte die Polizei zuletzt. Aus Sicht der Migrationsgegner sind sie das logische Resultat einer ideologischen Politik, die ihre Heimat auf Biegen und Brechen zu einer multikulturellen Zone machen will.

Vielerorts bildeten sich auch Gegenproteste von Menschen mit „Refugees welcome“-Schildern. Solidarität kommt auch von christlichen Kirchen. So verurteilte der Flüchtlingsbischof der katholischen Bischofskonferenz von England und Wales, Paul McAleenan, die Exzesse. Die Taten weniger stünden im Gegensatz zum Einsatz von Flüchtlingshelfern und kirchlicher Gruppen, die Migranten unermüdlich die Hand reichen.

Man muss den Bürgerkrieg nicht für „unausweichlich“ halten, wie Elon Musk dies am 5. August auf seiner Online-Plattform X tat und damit Empörung in London auslöste. Doch die Woche der Gewalt hat die Polarisierung im Land dramatisch beschleunigt.

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Muslimfeindlichkeit ist ein europäisches Problem

Muslimfeindlichkeit

Muslimfeindlichkeit ist nach wie vor ein drängendes Problem in allen europäischen Staaten. Es stellt die Regierungen vor die Herausforderung. Der 21. September wurde zum Europäischen Aktionstag gegen Islamophobie erklärt. Wir […]

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England: Muslimische Transportarbeiter sammeln für Syrien

England

England: Mitglieder einer Vereinigung muslimischer Transportarbeiter helfen Syrern beim Hausbau

London (Muslim Aid). Eine Partnerorganisation der britischen Hilfsorganisation Muslim Aid, der Transportarbeiterverband Muslims in Rail, habt genug Geld gesammelt, um zwei Häuser in Syrien für die Opfer des Erdbebens zu bauen, das Anfang des Jahres stattfand.

England: Hilfe zum syrischen Hausbau

Durch ihre Teilnahme an einer jährlichen Regatta am 8. Juli sammelten sie mehr als 5.000 Pfund für das Syria Home Project von Muslim Aid. Es wurde ursprünglich als Antwort auf die Bedürfnisse von Syrern ins Leben gerufen, die durch den langjährigen Krieg im Nordwesten Syriens vertrieben wurden.

Mustafa Faruqi, Vorsitzender des Kuratoriums von Muslim Aid, begleitete das Team der Transportarbeit auf dem Boot.

Foto: Muslim Aid / Muslims in Rail

Unterkünfte sollen nachhaltig sein

Das Projekt selbst war ein Erfolg, denn die Hilfsorganisation legte großen Wert darauf, dass die Häuser nicht nur sicher sind und den Bedürfnissen der Begünstigten entsprechen, sondern auch umweltfreundlich sind. Sie werden mit Solarenergie betrieben und haben ein solides Fundament haben, sodass sie den Auswirkungen des Erdbebens unbeschadet standhalten konnten.

„Ich bin stolz auf das ‘Muslim in Rail’-Team, das eine bemerkenswerte Leistung vollbracht und über £5.000 für das ‘Muslim Aid Syrian Home Project’ gesammelt hat. Die Veranstaltung ist nicht nur wegen des beträchtlichen finanziellen Beitrags bemerkenswert, sondern auch wegen der tiefgreifenden Auswirkungen, die sie auf unser kollektives Gefühl der Erfüllung hatte“, sagte der Bootsführer Saad Janjua.

Foto: Muslim Aid / Muslims in Rail

„Veranstaltungen wie diese bieten uns eine einzigartige Gelegenheit, unsere Dankbarkeit auszudrücken und ein soziales Engagement zu zeigen, das ein Gefühl der Einheit und Verbundenheit unter allen Teilnehmern fördert. Es ist bemerkenswert, wie eine einzige Veranstaltung all diese Vorteile in sich vereinen und zu einer wirklich bedeutsamen Erfahrung für alle Beteiligten werden kann“, fügte er hinzu.

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Frühe Musliminnen in England

Wenig ist bekannt über die Frauen, die in Großbritanniens frühesten muslimischen Gemeinschaften leben. Es gibt aber schon Erkenntnisse zum Leben einiger der ersten Musliminnen des Landes. Von Isla Isser-Owen (iz). […]

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Die anderen 22 Prozent – Weltweit leben 400 Millionen Muslime als Minderheit

Wie ein aktueller Report des Londoner Thinktanks Ayaan Institute dokumentiert, stellen muslimische Minderheiten nicht nur rund ein Viertel aller Muslime. Sie spielen auch eine wichtige Rolle für die zukünftige Entwicklung der islamischen Welt.

(iz). Am 10. Oktober veröffentlichte das unabhängige Londoner Ayaan Institute ein umfangreiches Papier über muslimische Minoritäten in aller Welt. „Ummah at the Margins“ („Ummah an den Rändern“) behandelt fast ein Viertel der globalen Muslime (ca. 400 Millionen Menschen) und füllt damit eine wichtige Lücke im weltweiten innermuslimischen Diskurs aus. Autor ist der englische Sozial- und Kulturanthropologe Yahya Birt, der 2014 vom Magazin „The Economist“ als „einflussreicher britischer Muslim“ beschrieben wurde. Der Schriftsteller, Gemeinschaftshistoriker und Forscher hat unter anderem für Einrichtungen wie die Georgetown University oder die Universität Leeds gearbeitet.

Das Papier habe zum Ziel, so Institutsleiter Jahangir Mohammed, die Rolle islamischer Minderheitengemeinschaften für die Schaffung von Einheit, Wohlstand und Verbundenheit mit der Mehrheit zu beleuchten. Damit sie das konstruktiv tun könnten, bräuchten sie unabhängige Organisationen sowie eine größere Resilienz gegenüber auswärtigen Feindseligkeiten. Birt nutzt seine umfangreiche Expertise von Communitys in Großbritannien und globaler Bewegungen zur Diskussion fundamentaler Fragen, vor denen wir heute stünden. Gefahren und Chancen, die sich diesen Minderheiten stellten, würde sie zum Vorausdenken zwingen.

Jene muslimischen Bevölkerungen sind nach Ansicht des Ayaan Institute von Bedeutung, weil sie 22 Prozent (Stand: 2022) aller weltweiten Muslime ausmachen. Auch deshalb müssen Wege für ihr Überleben und Erfolg gefunden werden. Der Bericht fokussiert sich auf 31 Gruppen mit jeweils mehr als einer Million Angehörigen. So lebt in Indien die zweitgrößte islamische Personengruppe der Welt mit 213 Millionen Mitgliedern. Aus historischen und demografischen Gründen sind diese Gemeinschaften signifikanter, als es der Begriff „Ummah an den Rändern“ vermittelt.

In „Ummah at the Margins“ werden drei geografische Zonen für die Betrachtung identifiziert. Zuerst kommen die „Großen 3“ (Indien, China und Russland). Hier leben historisch umfangreiche Minderheiten, deren sich verschlechternde Lage global Anlass zur Sorge sein sollte. Als Nächstes folgen 14 afrikanische Staaten, in denen zwar teils schlechte ökonomische Verhältnisse herrschen, die aber vorbildhaft in Sachen Glaubensfreiheit seien. Und schließlich erfreuen sich Muslime in neun westlichen Ländern höherer Freiheit und Wohlstand als Muslime anderswo. Nach Ansicht von Yahya soll diese Dreiteilung ein Fundament zur strategischen Erforschung der Minderheiten insgesamt legen.

Zu den Schlüsselerkenntnissen gehört, dass es kaum oder keinen Zusammenhang zwischen persönlichen, bürgerlichen und ökonomischen Freiheiten und Religionsfreiheit in den 31 Ländern gibt. Das mache nach Ansicht des Autors weitere Untersuchungen nötig, um die Ursachen von Feindseligkeit und nötigen Gegenmaßnahmen zum Schutz solcher Minoritäten zu bestimmen. Die sich diesen Communitys stellenden Fragen sind keinesfalls vom Rest der Ummah getrennt. Insgesamt konkurriert die Vorstellung einer globalen ethischen Gemeinschaft mit der gegenwärtigen Diasporapolitik von mindestens fünf einflussreichen Staaten. Bei Letzterer dominiert die ethnische Zugehörigkeit zu einem Ursprungsland und ist jeweiligen nationalen Interessen unterworfen. Dabei haben diese Minderheiten kein verlorenes Heimatland, „sondern vielmehr eine geteilte Ausrichtung (Qibla) nach Mekka, einen gemeinsamen Glauben, Schrift und einen Propheten für die ganze Welt“.

Muslime sind nach Birt fester Bestandteil des dominanten nationalstaatlichen Systems geworden, das sich in den letzten zwei Jahrhunderten über den ganzen Globus ausgebreitet hat. Im Unterschied zu anderen wird dieser Nationalismus in mehrheitlich islamischen Gesellschaften in religiöse Begriffe gehüllt. Ihre nationalen Eliten schufen „eine betreute Religion“, die ihre Interessen im In- und Ausland befördern sollte. Zu den Schlüsselfaktoren dieser oft übersehenen Communitys gehört unter anderem: In ihnen hat Indien mit schätzungsweise 213 Millionen Angehörigen (Stand: 2020) die zweitgrößte Gemeinschaft weltweit. Schätzungen gehen davon aus, dass es Indonesien in Sachen Größe in den kommenden 50 Jahren überholen wird.

Auf unserem Kontinent verschiebt sich der demografische Schwerpunkt langsam nach Westen. Heute leben in Frankreich, Deutschland, Großbritannien und Italien mehr Muslime als in den einzigen muslimischen Ländern Europas, Albanien und Kosovo. Legt man die geografische Definition der letzten eineinhalb Jahrhunderte an, erstreckt sich unsere Halbinsel nördlich der afrikanischen Küste bis zu einer Linie vom Ural bis zum Kaspischen Meer. In diesem Bereich dominieren noch die Muslime in Ost- und Südosteuropa; vor allem, wenn man die Mehrheitsgebiete der Türkei (Istanbul und Thrazien, 12,55 Mio. in 2020), Aserbaidschan (9,79 Mio. in 2020) und die große Minderheit in Russland (16 Mio. in 2020) mit einbezieht. Das Pew Forum ging 2015 davon aus, dass die muslimische Bevölkerung Europas von 5,9 Prozent (2010) auf 10,2  anwachsen soll.

Die älteste Gemeinschaft außerhalb Mekkas, jene in Äthiopien, stellt 36 Prozent aller Einwohner in diesem afrikanischen Land. Zu anderen führenden, und teils historischen Minderheiten gehören die von China (28 Mio.), Tansania (21 Mio.), Russland (16 Mio.), Elfenbeinküste (9 Mio.) und den Philippinen (6 Mio.).

Was vielen nicht bekannt ist: Einige der aufgezählten Bevölkerungsgruppen in einer Minderheitensituation sind größer als die von OIC-Staaten. So leben in Indien mehr Muslime als in Nigeria und Ägypten zusammen. Es gibt mehr Muslime in Äthiopien als in Saudi-Arabien, in China mehr als in Syrien, mehr in Tansania als in Somalia und mehr in Russland als in Tunesien.

Die neun genannten Beispiele im euro-amerikanischen Raum stellten 2020 rund 29 Millionen Angehörige. Das ist eine vergleichsweise neue Entwicklung, denn die meisten Communitys entstanden nach 1945. Allerdings gibt es wichtige Pionierleistungen, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen. Eine nennenswerte Ausnahme davon ist Bosnien, wo die Beheimatung des Islam im 15. begann.

Für den größten Teil erfreuen sich diese Gemeinschaften relativ hoher Grade an Religionsfreiheit und persönlichem Wohlstand – im Vergleich zu den meisten OIC-Staaten. „Sie wurden während der vergangenen dreißig Jahre in Hinblick auf die Solidarität der Ummah zunehmend durchsetzungsfähiger“, schreibt Birt. Allerdings stehen sie insbesondere seit 9/11 vor größeren politischen und rechtlichen Beschränkungen. Einige Schätzungen besagen, dass es in den „westlichen neun“ Ländern insgesamt 45 Millionen Muslime geben wird.

Es hätte den Rahmen von „Ummah at the Margins“ gesprengt, würde Birt eine Analyse für jede dieser mehr als dreißig Minderheiten anfügen. Im letzten Viertel des Reports wird Großbritannien als Fallbeispiel vorgestellt. Darin finden sich viele Parallelen zu den „westlichen 9“. Die Gemeinsamkeiten gelten hingegen kaum für die Gruppe aus Indien, China und Russland sowie für die muslimischen Minoritäten Afrikas, die unter ganz unterschiedlichen Bedingungen operieren.

Das Phänomen dieser Gemeinschaften beleuchtet „die große Herausforderung des islamischen Nationalismus“, die für den Autor die größte Aufgabe der Ummah darstellt. Für ihn liegt die Erklärung darauf in der Instrumentalisierung, welcher der Islam während der Staatenbildung der postkolonialen Periode unterworfen wurde. Er wurde in nationale Identitäten und Institutionen gepresst. Das äußerte sich laut Birt in diesen drei Prozessen: Religiöse Institutionen und Autoritäten (wie Auqaf oder Qadis) wurden nach dem jeweiligen Trend verstaatlicht.

Die Schari’a wurde von einem unabhängigen und grenzüberschreitenden Prozess des rechtlichen Nachdenkens zu einem öffentlichen, gebietsgebundenen und positiven Recht gemacht. Laut Wael bin Hallaq bedeutet dies, dass es für einen modernen Staat unmöglich sei, „islamisch“ zu sein.

Unterricht für Kinder wurde von privaten Medressen in staatliche Schulen verlegt. Seine Inhalte mutierten zu einer Lehre, in der Islam als ein Bezugspunkt für Nationalgeschichte und bürgerliche Indoktrinierung herhalten musste. Der letzte Punkt ist nach Birt abhängig von den jeweiligen Bedingungen der Dekolonisierung, dem Wiederauftauchen von Privatschulen dank des Neoliberalismus sowie der Art und Weise, wie moderne Islamschulen als Institution die eurozentrische Trennung von öffentlichen und staatlichen Schulen überwinden.

„Muhammad“ beliebtester Jungenname in Großbritannien

London (KNA). Muhammad ist inzwischen der häufigste Jungenname für Neugeborene in Großbritannien. Laut einer Statistik der Internetseite „BabyCentre“ (Montag) stieg der Name gegenüber dem Vorjahr um 27 Plätze auf Rang eins der Beliebtheitsskala. Ali, Omar und Ibrahim rückten neu in die Top 100 auf. Bei den Mädchennamen schaffte es Nur (Arabisch für „Licht“) als Neuzugang direkt auf Platz 29, Maryam – die arabische Version von Maria – verbesserte sich um 59 Positionen auf Rang 35.

Die Chefredakteurin von „BabyCentre“, Sarah Redshaw, verwies darauf, Muhammad sei in muslimischen Familien traditionell der Name für den männlichen Erstgeborenen. Die wachsende Beliebtheit arabischer Namen wie auch des indischen Aarav spiegle die wachsende Vielfalt in der britischen Gesellschaft.

Muslimische Sorgen nach Brandanschlag auf Londoner Moschee

Der Brand eines islamischen Zentrums in London sendet Schockwellen durch die muslimische Gemeinschaft Großbritannien und verstärkt – nach der brutalen Ermordung eines Armeesoldaten – wachsende Befürchtungen vor einer neuen, anti-muslimischen Welle.

(OnIslam.net). „Muslime sind verängstigt und fühlen sich vollkommen unverstanden“, meint Massoud Shadjareh, Vorsitzender der Islamic Human Rights Commission (IHRC) gegenüber der „International Business Times“ am 6. Juni. „Sie wurden physisch angegriffen, Moscheen niedergebrannt, Friedhöfe beschädigt und die sozialen Netzwerke sind voller anti-muslimischem Hass und Drohungen von Gewalt.“

Vorgehen verlangt
Muslimische Vertreter riefen die Regierung zum Vorgehen gegen anti-muslimische Ressentiments auf. „Dies war der letzte Vorfall in einer ganzen Reihe von Angriffen seit dem schrecklichen Mord an Lee Riby“, erklärte Farooq Murad, der Generalsekretär vom Muslim Council of Britain (MCB). „Es ist an der Zeit für ein ernsthaftes Vorgehen gegen solche Verbrechen.“

Nach der Ermordung hat die rechtsgerichtete EDL (English Defenve League) divese Proteste gegen Muslime und ihre Moscheen abgehalten. Laut Murad habe es diverse Verurteilungen des EDL-Vorgehens gegeben, aber keine daraus resultierenden Handlungen. „Wir brauchen eine wirkliche Antwort von den Polizeiführungen, angefangen bei der nationalen Polizei, in dieser Frage. Lokale Polizeieinheiten und Bezirkskommandanten haben sich in respektabler Weise mit den Gemeinschaften in Verbindung gesetzt. Jetzt müssen wir vom Leiter der Polizei von Groß-London und den Verantwortlichen der Vereinigung der Polizeichefs hören, was sie für den Schutz vor steigenden Angriffen zu tun gedenken.“