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Der Körper im Fastenmonat: Hochsaison für Selbstdisziplin und Entgiftung. Von Ajmal Mansoor

Gesundheit ist einer der wichtigsten Elemente des Glücks. Was wir zu uns nehmen, hat einen direkten Einfluss darauf. Im Islam werden die Muslime dazu ermutigt, bewusst mit ihrer Physis umzugehen. […]

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Wie nähern wir uns der Zeit des Ramadan?

„Der Radschab ist der Monat, in dem die Saat ausgebracht wird. Schaban die Zeit, in der die Pflanzen bewässert werden und Ramadan der Monat für die Ernte. (…) Radschab ist […]

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Aus gegebenem Anlass – Hintergrund: Antworten auf den zeitgenössischen Nihilismus aus dem muslimischen Denken. Von Abu Bakr Rieger

(iz). Wenn man sich die Frage nach Europa, dem Islam und dem Nihilismus neu stellt, dann ist dies für europäische Muslime nichts anderes als die eigene Frage als Gestalt. Dies gilt natürlich besonders für Europäer, die zum Islam konvertiert sind und heute als europäische Muslime über ihre eigenen Erfahrungen an der denkwürdigen Linie, die den Nihilismus und den Islam trennt, reflektieren.

Ich erinnere mich natürlich auch noch an meine persönliche Situation, die dazu führte, den Nihilismus als meine eigene geistige Haltung zu Gunsten des Islam aufzugeben. Diese „gefährliche Begegnung“ mit europäischen Muslimen geschah zu meiner Studentenzeit in Freiburg.

Ich hatte zu dieser Zeit das Christentum innerlich verlassen. Ich bewunderte Albert Camus; den französischen Schriftsteller mit der Zigarette, und las seinen „Mythos von Sysyphos“. Ich bewunderte damals den Versuch des Existenzialisten, in einer trostlosen und sinnlosen Zeit zumindest „Haltung“ zu bewahren.

Ich war allerdings auch ein wenig irritiert, dass Camus selbst, man könnte sagen „absurderweise“, seinen Tod bei einem merkwürdigen Autounfall fand. Er starb auf einer ewig geraden Landstraße. Sein Reifen war „zufällig“ geplatzt und sein Auto zerschellte an dem einzigen kleinen Bäumchen weit und breit.

Ich erinnere mich an eine Andere, vielsagende „absurde“ Episode in meinen Freiburg Studententagen. Genauer gesagt ging es um einen Vorfall, der die Freiburger Öffentlichkeit empörte und mich doch ein wenig amüsierte. Der prachtvolle Sitz des Freiburger Bischofs wurde mit großem Aufwand frisch gestrichen und erschien in weißem Glanz. Ein unbekannter Anarch schrieb nun an diese weiße Wand „Gott ist tot“. Der Sprayer unterschrieb diesen bösen Satz schlicht mit „Nietzsche“. Die Wand und der grelle Satz wurde natürlich über Nacht eilig weiß überstrichen. In der nächsten Nacht schrieb aber ein anderer Sprayer an gleicher Stelle „Nietzsche ist tot“ und unterschrieb in geschwungener Handschrift mit „Gott“.

Auf die dringliche Frage meines damaligen Gesprächspartners, der mich in langen Gesprächen geduldig in den Islam einführte, woran ich denn selbst glaube, antwortete ich daher wahrheitsgemäß: „An nichts. Ich denke Camus hat Recht. Das Leben ist absurd. Es gibt keinen Gott“.

Die Antwort der europäischen Muslime, mit denen ich zusammensaß, auf diese schienbar provokante Feststellung war souverän! Sie zeigten sich nicht etwa provoziert, lächelten sogar, und klärten mich auf, ich bestätigte ja immerhin bereits den ersten Teil der Schahada. Ich fand so heraus, dass die Feststellung Nietzsches, wonach Gott – im christlichen Sinne – tot sei, philosophisch aus der Sicht dieser Muslime in bestimmter Weise seine Berechtigung habe. Ich staunte! Im Übrigen – so die Muslime weiter – sei die Welt nichts Anderes als eine Art Spiegel, in den man hineinschaue. Was blieb mir übrig, als genauer nachzudenken, wie ich in diesen Spiegel künftig hineinschauen wollte?

Aber kommen wir noch einmal auf Friedrich Nietzsche zurück. Nietzsche, der berühmte Deutsche, der bekanntlich mit dem Hammer philosophierte und der einen gewichtigen Teil des europäischen Denkgebäudes zum Einsturz brachte. Natürlich wollte Nietzsche dabei weder ein gefährliches, neues gottloses Menschenwesen schaffen, noch plump alle Glaubensriten an sich abschaffen.

Nietzsche bewegte vielmehr die Not, den Menschen auf eine neue Welt, auf ein neues Denkgebäude – ohne den bisher gewohnten „christlichen Gott“ – vorzubereiten. Mit anderen Worten: Nietzsche dachte über den Nihilismus nach, ohne selbst einfach nihilistisch zu sein.

Dass es zu kurz fasst, Nietzsche als „Ungläubigen“ abzustempeln, zeigt eine andere Episode seines Denkens. Vor seinem Tode erklärte Nietzsche, er verstehe nicht, warum die Deutschen nicht den Islam statt dem Christentum angenommen hätten. Europa, so Nietzsche polternd, habe zwei Probleme: „Alkohol und Christentum.“ Nietzsches Pessimismus über die geistige Lage Europas gipfelte bekannterweise in dem Satz: „Die Wüste wächst, weh dem, der Wüsten birgt.“ Die Frage nach dem Nichts beschäftigte jedenfalls zunehmend die großen Geister. In einem Brief des Dichters von Kleist an seine Verlobte aus dem Jahre 1801 findet sich eine treffende Beschreibung der persönlichen Erfahrung des Nihilismus dieser Tage.

Kleist beschreibt in diesem Brief die radikale Konsequenz des neuen Denkens, die Relativierung der Möglichkeit jeder Wahrheit: „Wir können nicht entscheiden, ob das, was wir Wahrheit nennen, wahrscheinlich Wahrheit ist, oder ob es uns nur so scheint. Ist das letzte, so ist die Wahrheit die wir hier sammeln, nach dem Tode nicht mehr – und alles Bestreben, ein Eigentum sich zu erwerben, das uns auch in das Grab folgt, ist vergeblich-. Mein einziges, mein höchstes Ziel ist gesunken, und ich hab nun keines mehr-.“

Keine Ziele, Keine Wahrheit – was folgt aus den Worten des jungen begabten Dichters? Geradezu Unglaubliches sollte nun gelten. Statt einer allgemein verbindlichen Wahrheit bleibt dem Menschen nur noch eine Art Subjektivität! Politisch blieb einer ganzen Generation von „jungen Dichtern, ohne objektiven Wahrheiten“ nur der aufkommende Nationalismus, eine aufbrausende Gefühlsregung und gefährliche Selbstüberhöhung zugleich, die Millionen Europäern als künftiger Religionsersatz dienen sollte. Aber nicht nur Gott befand sich in Auflösung, auch das eigene „Ich“ – und damit eigentlich alle überkommenen Vorstellungen von der Ordnung dieser Welt.

Dostojewski stellte nun eine weitere radikale Frage, nämlich die, ob in einer Welt ohne Gott nicht auch alles erlaubt sei? Eine Jahrhundertfrage, die einige Brisanz haben sollte. In der neuen gottlosen Welt standen sich ja plötzlich hochgerüstete, vom Nationalismus beseelte, subjektiv denkende Völker gegenüber. Ohne die gewohnte christliche Moral eine gefährliche und brisante Lage. Einige Jahrzehnte später, im Angesicht des anrollenden 1. Weltkrieges, rief der deutsche Dichter Rainer Maria Rilke erschrocken aus: „Die Erde ist endgültig dem Menschen in die Hände gefallen.“

Die verheerenden Weltkriege und ihre furchtbaren Bilder sind es ja auch, die bis heute der verbreiteten nihilistischen Grundhaltung einiges an Argumenten liefern. Man denke nur an die industrielle Vernichtung von Menschen, den Holocaust und die Atombomben. Hannah Arendt kommentierte angesichts Ausschwitz und dessen andauernden Folgen für den Humanismus nur: „Dies hätte nicht passieren dürfen“.

Die Gründe für eine mögliche nihilistische Haltung sind wahrlich nicht ausgegangen, stehen wir doch alle in der Not, nicht zu wissen, was der Mensch angesichts von Leid und Umweltzerstörung überhaupt noch ausrichten kann. Die moderne Technik ist nach Heidegger aber nichts anderes als ein gewaltiges „Herausfordern“ der Schöpfung. Wir erleben dieses „Herausfordern“ – man erinnere sich nur an das Öl-Debakel im Golf von Mexiko – beinahe alltäglich. Alle Katastrophen lehren uns, dass, obwohl wir wissen, wir nicht handeln können! Uns scheinen sprichwörtlich die Hände gebunden!

Gerade die aktuelle Finanzkrise zeigt dabei die fragwürdige Rolle der politischen Souveränität. Weder Nationen noch Parteien scheinen noch die Macht zu haben, wie wir heute sehen, die globale Kraft der Finanzökonomie substanziell zurückzuweisen. Schlimmer noch: Jedem Widerstand – wie der Anti-Globalisierungsbewegung – droht der „Spirit“ auszugehen. Jeder, ob allein oder in Gruppen, der versucht, mit einigem Idealismus sich der „Wüste“ entegenzustellen, droht der „Spirit“, die nötige Geisteskraft auszugehen. Ist das etwa die geheimnisvolle, lähmende Kraft des Nihilismus, die uns jederzeit ergreifen kann? Schon im postmodernen Deutschland stritten sich der Philosoph Martin Heidegger und der Schriftsteller Ernst Jünger über die Folgen des Nihilismus. Sie diskutierten die alten, neuen Fragen unserer Zeit: Kann man noch gegen den Nihilismus handeln; und wenn ja, wo, wer und wie?

Was Jünger als Aktion gegen den Nihilismus vorschlug, war eine Art heldenhafter individueller Widerstand, eine Art extreme Auseinandersetzung mit dem Nichts, das dann, so Jünger, „nach seiner Überwindung jene Schätze freisetzen wird, die es ehemals verborgen hielt“. Jünger sah also durchaus Grund für Optimismus. In seiner berühmten Schrift „Über die Linie“ schrieb Jünger: „Die metaphysische Beunruhigung der Massen, das Auftauchen der Einzelwissenschaften aus dem kopernikanischen Raum und das Auftreten von theologischen Themen in der Weltliteratur, sind Positiva hohen Ranges, die man einer rein pessimistischen oder auf Untergang gerichteten Lagebeurteilung mit Recht entgegenhalten kann“.

Aber natürlich wusste auch Jünger, dass der Nihilismus nicht einfach mit ein wenig „gutem Willen“ überwunden werden kann. Auch Jünger sah, dass es dazu mehr brauchte als „nur“ eine menschliche Entscheidung oder eine schlichte Ideologie. Den Menschen kann überhaupt nur noch – wie es Heidegger später mysteriös im „Spiegel“-Interview formulierte – ein „Gott“ retten. Ein Gott? Was meint aber das Wort „Gott“ für den Nietzsche-Verehrer Heidegger? Nur so viel ist gewiss: Heidegger, insofern radikaler denkend als Jünger, setzte den vollendeten Nihilismus, die vollkommene Seinsvergessenheit mit der vollständigen Entmachtung der Subjektivität gleich!

Heidegger fasste dieses Dilemma in einem Briefwechsel mit Kästner so: „Kein menschliches Rechnen und Machen kann von sich aus und durch sich allein eine Wende des gegenwärtigen Weltzustandes bringen; schon deshalb nicht, weil die menschliche Machenschaft von diesem Weltzustand geprägt und ihm verfallen ist. Wie soll sie dann je noch seiner Herr werden?“

Die Werke Jüngers und Heideggers fassten aber immerhin einige wesentlichen Voraussetzungen für einen neuen Anfang und ein neues Denken. Man könnte diese so zusammenfassen: Ein neues Denken kann nicht im alten Subjekt-Objekt-Verhältnis denken. Nötig ist kein blinder Aktionismus, sondern das Überdenken der europäischen Geistesgeschichte – und, als eine Komponente jenseits des menschlichen Willens: Es braucht hierzu natürlich ein gutes Schicksal.

Hier nun taucht auch der Islam am Denkhorizont auf. Weist der Islam den Europäern etwa einen Weg aus dem Nihilismus und wenn ja, mit welcher denkerischen Berechtigung?

Zweifellos ist es die islamische Lebenspraxis selbst, die das Dasein zu ganz neuen, fundamentalen Wahrnehmungen führt. Im Kern dieser Wahrnehmung, jenseits von Subjekt und Objekt, jenseits von Ich und Gott, steht ein denkwürdiger Satz Ibn Al-Arabis: „Allah regiert die Schöpfung aus sich selbst heraus.“

Wie kommen wir an diesen Ort, der jenseits von „Innen“ und „Außen“ liegt und sich nicht finden lässt, wenn man sich als ein Gegenüber eines Gottes versteht? Imam Al-Dschunaid sagte über diesen denkwürdigen geistigen Vorgang, der so schwer in Sprache zu fassen ist: „Tasawwuf ist, dass du mit Allah bist ohne Verbindung, und dass Seine Wahrheit dein Ich verschwinden lässt und dann dich mit Ihm zurück zum Leben bringt“.

Bedenken wir aus dieser neuen Sicht heraus nochmals die Lebenspraxis des Islam. Die aufregende Frage ist dabei: Steht diese Praxis tatsächlich im Widerspruch zu den Einsichten der europäischen Philosophie? Hier muss man sich nochmals die Fünf Säulen des Islam vergegenwärtigen.

Da ist zunächst die Schahada, die, wie ich bereits erwähnt hatte, in ihrem ersten Teil die Verneinung der christlichen Metaphysik umschließt. Das Glaubensbekenntnis bestätigt die absolute Einheit und verneint – im Gegensatz zum Christentum – die Möglichkeit der Trinität.

Aus ihr folgt, das Gebet, das eine völlig neue Wahrnehmungsebene eröffnet. Das Gebet beginnt mit Feststellung, dass Allah nicht nur groß, sondern größer ist! Uns eröffnet sich eine dynamische, nie ganz zu fassende Wirklichkeit.

Wir erfahren auf der Hadsch die Subs­tanz der menschlichen Existenz, herausgelöst aus den Gegensätzen von Raum und Zeit, Vergangenheit und Zukunft, ein Kreisen, die Auflösung der Gegensätze, das Ende der Dialektik von Raum und Zeit. Die Zahlung der Zakat, zu der wir verpflichtet sind, nötigt uns auf, „Dinare“ beziehungsweise echtes Geld zu drucken, um dieser Verpflichtung nachzukommen. Das Verbot der Zinsnahme, das uns Allah befiehlt, eröffnet uns die Möglichkeit einer neuen gerechten Wirtschaft! Und schlussendlich: Das offenbarte Konzept einer funktionierenden ökonomischen Ordnung eröffnet die Möglichkeit eines neuen Nomos.

Im Monat des Ramadan, dem wir mit Freude entgegensehen, erleben wir die Möglichkeit der Freiheit und das Zutrauen in die versprochene Versorgung.

Ist es also diese Lebenspraxis des Islam, die den Nihilismus überwindet? Das wird natürlich nicht heißen können, dass die alltägliche Auseinandersetzung mit dem Nihilismus für uns Muslime nicht mehr zu spüren wäre und dass man vor nihilistischen Zuständen als Muslim immer sicher wäre. Der Nihilismus ist tatsächlich ein so mächtiger Gegner, dass man ihm nicht alleine und ohne Hilfsmittel gegenübertreten kann. Im Islam und der Sunna des Propheten finden sich die Grundlagen für ein Miteinandersein, für die Erfahrung der Einheit und eine Sammlung von Handlungsanweisungen, die im Zusammenspiel an den Ort jenseits des Nihilismus führt.

In der Offenbarung des Qur’ans ist diese Botschaft einstimmig und eindeutig zusammengefasst. Sie steht der Offenbarungsform der Technologie, also der Vieldeutigkeit und Vielstimmigkeit des Internet gegenüber. In der Rezitation des Qur’ans, in der Feier der Sprache, wurzelt auch das Gegengift gegen die Stimmung der Langeweile und Lähmung, die sich im Nihilismus notwendigerweise breit macht.

Rainer Maria Rilke – der bis sehr nahe an das Tor des Islam rückte, dichtete unter dem Eindruck des europäischen Nihilismus: „Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr. Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben“.

Das innere Fasten: Auszüge aus der „Ihja ‘Ulum Ad-Din“

(iz). Es ist wichtig anzumerken, dass es drei Abstufungen des Fastens gibt: das gewöhnliche, das besondere und das sehr besondere. Das ­gewöhnliche Fasten bedeutet Enthaltsamkeit von Nahrung, Trinken und ­sexueller Befriedigung. Das besondere Fasten ist die Bewahrung der Ohren, Augen, Zunge, Hände und Füße – ­sowie aller anderen Glieder – vor falschen Handlungen. Das sehr besondere Fasten bedeutet ein Fasten des Herzen, das frei ist von nutzlosen Sorgen und weltlichen Gedanken und alles missachtet außer Allah. Es wird durch das Festhalten an weltlichen Dingen gebrochen, außer um jene Dinge willen, die aus religiösen Zwecken betrieben werden. Denn diese stellen Versorgung für das Jenseits dar und entstammen nicht dieser Welt.

Jene, die Wissen vom spirituellen Leben des Herzens haben, betrachten es ebenfalls als eine falsche Handlung, sich den ganzen Tag mit der Ausrichtung des eigenen Fastenbrechens zu beschäftigen. Diese Angst leitet sich aus einem Mangel an Vertrauen in die Überfülle der Großzügigkeit Allahs und aus einem Mangel an Vertrauen in Sein Versprechen der Versorgung ab.

Zu dem dritten Rang zählen die ­Propheten, die wirklichen Freunde ­Allahs und jene, die Ihm nah sind. Er lässt sich nicht durch Worte erklären, sondern ­seine wahre Natur wird besser durch Handlungen offenbar. Dieser Rang ­besteht in der absoluten Hingabe zu ­Allah und der Vernachlässigung von ­allem, das anders ist als Allah. Dies wird durch die Bedeutung seiner Worte ­besiegelt: „Sprich: ‘Allah!’ Dann lass sie sich weiter vergnügen an ihrem eitlen Geschwätz.“ (Al-An’am, 91)

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Innere Voraussetzungen
Das besondere Fasten wird von den Rechtschaffenen praktiziert. Es bedeutet die Befreiung der eigenen Glieder von falschen Dingen.

Ein zurückhaltender Blick, der davor zurückscheut, irgend etwas zu sehen, dass beschämenswert oder zu tadeln ist, oder was das Herz von der Erinnerung Allahs ablenkt. Der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte: „Der ziellos umher irrende Blick ist einer der vergifteten Pfeile Schaitans, der Fluch Allahs auf ihm. Wer ihn aus Furcht vor Allah aufgibt, der erhält von Ihm einen Iman, dessen Süße im Herzen erfahren wird.“

Dschabir überlieferte von Anas, dass der Gesandte Allahs sagte: „Fünf Dinge brechen das Fasten eines Mannes: Lügen, üble Verleumdung, Tratsch, Meineid und der lustvolle Blick.“

Wichtig ist das Bewahren der eigenen Zunge vor nutzlosem Gerede, Lüge, Tratsch, Obszönität, Grobheit, Streit und Kontroverse. Besser ist es, zu schwei­gen, sich an Allah zu erinnern oder den Qur’an zu rezitieren. Dies ist das Fasten der Zunge. Said Sufjan sagte, das üble Nachrede das Fasten brechen kann. Laith zitierte Mujahid [zwei muslimische Gelehrte der Frühzeit] mit den Worten: „Zwei Gewohnheiten brechen das Fas­ten: Verleumdung und Lügen.“

Der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte: „Das Fas­ten ist ein Schild. Wer fastet, sollte keine üble oder dumme Rede führen. Wenn er angegriffen oder beleidigt wird, soll er antworten: ‘Ich faste, ich faste!’“

Gleichfalls ist es angemessen, das Gehör vor allem zu verschließen, das ­ablehnenswert ist. Alles, dessen Aussprechen illegitim ist, ist auch unrechtmäßig, wenn es zu Ohren kommt. Aus diesem Grund verglich Allah den Lauschenden mit dem Profiteur: „Sie sind ­notorische Lauscher hinsichtlich der ­Falschheit, Verschlinger von Unerlaubtem.“ (Al-Ma’ida, 42)

Außerdem sagte Er, erhaben sei Er: „Warum untersagen ihnen die Rabbiner und die Schriftgelehrten nicht ihre sündige Rede und ihren Verzehr von Verbotenem?“ (Al-Ma’ida, 63)

Schweigen hingegen in der Gegenwart der üblen Nachrede ist ebenfalls eine tadelnswerte Eigenschaft: „Und Er hat euch schon in dem Buch herab gesandt, dass – wenn ihr hört, dass die Zeichen Allahs geleugnet und verspottet werden – ihr nicht bei ihnen sitzt, bis sie zu einem anderen Gespräch übergehen; ihr wäret sonst wie sie.“ (An-Nisa, 140)

Aus diesem Grund sagte der Gesandte Allahs: „Der Verleumder und sein Zuhörer sind Teilhaber an der falschen Tat.“

Alle Glieder und Organe sind vor einer falschen Handlung zu bewahren: Die Hände und Füße vor verwerflichen Taten und der Magen vor fragwürdigen Lebensmitteln in der Zeit des Fastenbrechens. Es ist bedeutungslos zu fasten, das heißt, sich erlaubten Dingen zu enthalten, nur um das eigene Fasten mit dem zu brechen, das unrechtmäßig ist. Jemand, der so handelt, ist mit einem Mann zu vergleichen, der ein Schloss errichtet, aber eine Stadt zerstört.

Erlaubte Speisen sind in ihrer Menge – nicht in ihrer Qualität – schädlich, und das Fasten verringert diese. Eine Person kann aus Furcht vor Krankheit die übermäßige Einnahme einer Medizin aufgeben, aber sie wäre dumm, wenn sie zu Gift wechseln würde. Das Unrechtmäßige ist ein Gift für die Religion, während das Rechtmäßige eine Medizin ist – nützlich in kleinen Dosen, aber schädlich im Übermaß. Das Ziel des Fastens ist die Förderung der Mäßigung. Der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte: „Viele, die fasten, haben nicht ­davon als Hunger und Durst!“ Dies ­wurde auf jene bezogen, die ihr Fasten mit unrechtmäßigen Lebensmitteln ­brechen. Andere sind der Ansicht, dass es sich auf jene bezieht, die sich erlaubtem Essen enthalten, aber ihr Fasten wegen ihrer Verleumdung, die verboten ist, im übertragenen Sinne mit „mensch­lichem Fleisch“ brechen. Andere betrachten es als Hinweis auf jene, die ihre Glieder nicht vor falschen Handlungen bewahren.

Zu den spirituellen Voraussetzungen des Fastens zählt auch das Vermeiden des Fastenden, sich in der Zeit des Fas­tenbrechens mit zu viel erlaubter Nahrung zu mästen. Es gibt bei Allah kein übleres Gefäß als ein Magen voll erlaubter Nahrung. Welchen Sinn hat das Fasten als ein Mittel zum Kampf gegen den eigenen Feind und die Überwindung der Leidenschaften zu nutzen, wenn man in der Zeit des Fastenbrechens alles wettmacht, was man während des Tages verpasst hat und sich darüber noch an weiterem erfreut? Es ist zur Gewohnheit geworden, im Ramadan alle Arten von Lebensmitteln zu lagern, sodass mehr verbraucht wird als in anderen Monaten.

Es ist bekannt, dass das Ziel des ­Fas­tens die Hunger-Erfahrung ist und die Leidenschaften zu beschränken, um Taqwa [furchtsames Wissen von Allah und dementsprechendes Verhalten] zu erlangen. Wenn der Magen von früh bis spät hungert, damit sein Appetit angeregt und sein Verlangen erhöht wird, nur damit ihm am Abend Delikatessen angeboten werden, damit er sich daran sättigen kann, dann werden Leidenschaften aktiviert, die unter normalen Bedingungen ruhen würden.

Der Geist und das Geheimnis des Fas­tens ist die Schwächung jener Kräfte, die Schaitans Mittel sind, um zurück zum Üblen zu führen. Es ist daher entscheidend, den eigenen Verzehr auf das zurückzuführen, was man in einer normalen Nacht zu sich nimmt, wenn man nicht fastet. Das Fasten hat keinen Nutzen, wenn man so viel zu sich nimmt, wie am Tag und in der Nacht zusammen. Darüber hinaus ist es bedeutsam, am Tag wenig zu schlafen, sodass der oder die Fastende den Hunger und den Durst fühlt und sich der Schwächung der eigenen Kraft – sowie der folgenden Reinigung des Herzens – bewusst wird.

Man sollte einen gewissen Grad an Schwäche in die Nacht hinüber retten, um die Vollziehung der Nachtgebete (Tahadschud) und die Rezitation der Lobpreisungen (Aurad) einfacher zu machen. Es könnte sein, dass Schaitan sich nicht dem eigenen Herzen nähert und dass man Zeuge des Königreichs im Himmel wird. Die Nacht der Macht repräsentiert jene Nacht, in der einiges von diesem Königreich offenbart wird. Dies ist mit den Worten Allahs gemeint: „Wir haben ihn in der Nacht der Macht [Al-Qadr] herabgesandt.“ (Al-Qadr, 1)

Jeder, der einen Sack Lebensmittel zwischen sein Herzen und seine Brust stellt, wird blind für diese Offenbarung. Noch reicht es aus, den Magen leer zu halten, um diesen Schleier hinfort zu ziehen, solange nicht der Geist von allem geleert wird außer Allah. Das ist der Kern der Angelegenheit und der Ausgangspunkt des Ganzen ist die Reduzierung des Essens.

Nach dem Brechen des Fastens soll das Herz wie ein Pendel zwischen Furcht und Hoffnung schwingen. Niemand weiß, ob das eigene Fasten angenommen und Allahs Zufriedenheit erlangt wird, oder ob es abgelehnt wird und man zu denen zählt, die Er verabscheut. In diesem Zustand sollte jeder sein, der eine Handlung der Anbetung vollzieht.

Es wurde überliefert, dass Al-Hasan Al-Basri einmal an einer Gruppe vorbeikam, die freudig lachte. Er sagte: „Allah, der Große und Erhabene, hat den Monat Ramadan zu einer Rennbahn gemacht, auf der Seine Geschöpfe in Seiner Anbetung miteinander wetteifern. Es ist absolut erstaunlich, jemanden an einem Tag lachend und spielend zu sehen, wenn der Sieg die Gewinner und das Scheitern die Vergeudenden erreicht. Bei Allah, wenn der Schleier hinfort gezogen wird, dann wird derjenige mit der guten Tat mit seinen guten Werken beschäftigt sein und der Übeltäter mit seinen schlechten.“

Von Al-Ahnaf ibn Qais wird berichtet, dass er einmal gefragt wurde: „Du bist ein gereifter Älterer. Das Fasten wird dich schwächen.“ Aber er entgegnete: „Dadurch bereite ich mit auf eine lange Reise vor. Gehorsam gegenüber Allah, gepriesen sei Er, ist einfacher, als Seine Strafe zu erleiden.“ Dies sind die innerlich signifikanten Bedeutungen des Fastens.

Auf Grundlage einer Übertragung von Mukhtar Holland ins Englische.

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Eine richtige Absicht ist wichtig, um den Anforderungen des Ramadans gerecht zu werden

(iz). Es gehört zu den Herausforderungen für Menschen in den Medien, dem Strom des permanenten Nachrichtenzyklus zu folgen und ständig neuen „Content“ zu liefern. Jenseits der Reizüberflutung und dem schnellen […]

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Alltag der Muslime: Wie begehen Muslime den Ramadan?

(iz). Die Verse, in denen Allah im Qur’an den Ramadan erwähnt, sind bekannt: „Oh, die ihr Iman (Vertrauen in Allah) habt! Das Fasten ist euch vorgeschrieben, so wie es denen […]

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Europeas Muslime und der Ramadan: Fragen an den Lehrer und Imam Dr. Asadullah Yate

(iz). Auch wenn der Islam im Internet und in den herkömmlichen Medien präsent ist, scheint es mehr als sinnvoll zu sein, dessen spirituellen Aspekte über die polemisch debattierten Aspekte zu betonen. Ohne Frage haben die so genannten „Fünf Säulen“ Vorrang vor sekundären Fragen.

Wir sprachen daher mit dem muslimischen Lehrer, Imam und Übersetzer Dr. Asadullah Yate über verschiedene, wichtige Aspekte des Fastenmonats Ramadan.

Islamische Zeitung: Wir Muslime sagen immer, dass der Ramadan die besten Zeit des Jahres sei. Wir freuen uns auf sie und sind traurig, wenn sie vorüber ist. Für einen nicht-muslimischen Außenseiter mag es seltsam erscheinen, eine gute Zeit zu haben, wenn man weder essen oder trinken kann beziehungsweise sich der anderen erlaubten Dinge des Lebens erfreuen darf. Wie kann dies eine wunderbare Zeit sein?

Dr. Asadullah Yate: Es handelt sich um eine Zeit des Wandels und der Ausnahme. Vor allem und zuerst handelt es sich beim Ramadan um eine erschütternde Phase. Der Fastenmonat verändert das normale Verhaltensmuster des Lebens, was wiederum eine Veränderung im reglementierten Alltag von Essen und Schlafen nach sich zieht.

Die Unterbrechung unserer Routine erweckt die spirituelle Seite des Herzens. Das Herz erwacht, weil wir weniger essen und schlafen. Dies führt natürlicherweise zur Belebung der anderen Wirklichkeit des menschlichen Selbst [der Nafs] und des Herzens. Aus diesem Grund wird man spiritueller. Das Wort „Tarawih“ [der Name des besonderen Gebets, dass in der Nacht verrichtet wird] bedeutet wörtlich „spirituell werden“. Die Bedeutung des Tarawih leitet sich von „Ruh“ [Geist] ab.

Aus diesem Grund ist der Ramadan die Zeit der besonderen Zustände und der Freude.

Islamische Zeitung: Sicherlich kennen die meisten Muslime die relevanten Verse des Qur’an im Zusammenhang mit dem Ramadan. Könnten sie uns kurz einen Überblick verschaffen?

Dr. Asadullah Yate: In der Sure Al-Baqara [Vers 183 ff.] sagt Allah, dass das Fasten uns in dem gleichen Maße vorgeschrieben wurde, wie für jene Völker, die vor uns kamen. In anderen Worten: Das Fasten ist seit den Tagen Adams immer ein Teil der menschlichen Realität gewesen. Es ist keine Praxis, die nur auf die Muslime beschränkt ist.

Und Allah sagt in einem Vers, dass es uns vorgeschrieben sei, dass wir im Monat Ramadan fasten müssen. Es gibt natürlich Ausnahme für jene, die reisen oder krank sind. Jene Gruppen müssen in diesen Zuständen nicht reisen und die ausgelassenen Tage später nachholen.

An zwei Stellen dieser qur’anischen Verse erwähnt Er auch Regeln, die aufgehoben wurden. Diese betreffen jene historische Phase, in der die Muslime entscheiden konnten, ob sie fasten oder nicht. Wenn sie dies nicht taten, mussten sie eine Fidja bezahlen. Aber Allah hat mit jenen Versen in der Sure Al-Baqara nun diese Möglichkeit aufgehoben und uns gesagt, dass wir fasten müssen, wenn wir ansässig sind. Mit anderen Worten, wenn wir weder reisen oder krank sind.

An einer anderen Stelle dieser Gruppe qur’anischer Verse erlaubt Allah, dass die Muslime nun Geschlechtsverkehr während der gesamten Nacht haben können. Denn zu Beginn des Islam war es ihnen nur erlaubt, sich ihren Eheleuten bis zur Zeit des Nachtgebets zu nähern. Und so finden wir in Zusammenhang mit dem Ramadan zwei Gelegenheiten, bei denen eine frühere Praxis des Islam durch eine spätere aufgehoben wurde.

Islamische Zeitung: Ich habe von verschiedenen Phasen des Ramadans gehört und jede einzelne soll für ein bestimmtes Element des Fastenmonats stehen. Könnten sie uns diese kurz beschreiben?

Dr. Asadullah Yate: Der Gesandte Allahs sagte, dass der erste Teil des Ramadans, die ersten zehn Tage, Gnade oder Rahma ist. Der zweite Teil, seine Mitte – die Maghfira – ist die Vergebung, in der dem Diener Allahs alle falschen Handlungen verziehen werden. Und der dritte Teil ist die Freiheit, der Schutz vor dem [Höllen]Feuer.

Wir wissen von einer anderen prophetischen Überlieferung, dass jemandem, der den Ramadan „Imaman“ (mit vollem Vertrauen auf Allah) und „Ihtisaban“ (voll bewusst) fastet, seine Zunge hütet und sich offensichtlich von allen Dingen fern hält, die es zu vermeiden gilt, die falschen Handlungen vergeben werden. Man ist dann am Feiertag zum Ende des Ramadans wie ein neugeborener Säugling.

Islamische Zeitung: Für die Muslime ist die „Nacht der Macht“ (Lailatul Qadr) der Höhepunkt des Fastenmonats. Warum ist dies eine besondere Zeit und was bedeutet sie für die Muslime?

Dr. Asadullah Yate: Diese Nacht ist der enorme Augenblick, in dem Allah der Qur’an auf einmal herab sandte. Wir wissen natürlich, dass der Qur’an in einer langjährigen Periode offenbart wurden, wenn der Prophet Rechtleitung benötigte, um zu wissen, was er in einer bestimmten Lage zu tun hatte. Aber er wurde auch in einem Durchgang herab gesandt – in dieser Nacht der Macht (Qadr). Die Nacht ist eine Offenbarung der Macht Allahs.

Qadr bedeutet aber Maß oder Bestimmung. Es ist die Nacht, in der Allah die Ereignisse des kommenden Jahres bestimmt. Der Prophet hat uns angewiesen, nach ihr in den letzten zehn Tagen des Ramadans Ausschau zu halten. Dann hatte er diese Anweisung weiter eingegrenzt und gesagt, wir sollten nach ihr in den ungeraden Nächten suchen. Und schließlich gab der Gesandte Allahs eine noch genauerer Bestimmung, als er sagte, dass es sich dabei um die 27. Nacht handelt.

Wir haben unterschiedliche Überlieferungen, von denen keine absolut bestimmend ist. Der Gesandte Allahs wies uns an, wir sollten nach dieser Nacht „suchen“. Manche sind der Ansicht, dass sich die Nacht der Macht während des gesamten Ramadans finden lasse. Aber die wahrscheinlichsten Hinweise finden sich bezüglich der letzten zehn Tage des Ramadans und bezüglich des 27. Ramadan.

Die Lailatul Qadr ist die Nacht, in der wir daran erinnert werden, dass der Qur’an offenbart wurde. Wir wissen von einer anderen Überlieferung, dass es die Nacht der Stille ist. Dabei handelt es sich um einen Augenblick, in welcher die Belohnung von Allah endlos vergrößert wird. Für jedes Gebet während dieser Nacht, im Tarawih oder danach, gibt es eine besondere Belohnung.

Der Prophet hatte es uns ebenfalls empfohlen, in den letzten zehn Tagen des Ramadans I’tikaaf zu machen. Das heißt, sich in die Moschee zurückzuziehen und von der auswärtigen Welt abschneiden.

Islamische Zeitung: Nur wenige Tag nach der Lailatul Qadr kommt das Fest des ‚Id, welches das Ende des Ramadans markiert. Was ist die soziale Bedeutung des ‚Ids für die Muslime?

Dr. Asadullah Yate: Natürlich ist der ‚Id eine Zeit der enormen Freude, in der die Enthaltsamkeit plötzlich in eine Feier verwandelt wird, zu der alle zusammenkommen. Der Gesandte Allahs sagte, dass es zwei Freuden für den Fastenden gibt. Zum einen, wenn er am Ende des Tages sein Fasten bricht und zum anderen, wenn er seinem Herrn begegnet.

Die Muslime fasten für Allah und Allahs sagte in einem Hadith Qudsi: „Das Fasten ist für mich.“ Es ist also eine spezielle Form der Anbetung, die Allah für Sich beansprucht. Und Er sagt weiter: „Ich werde die Belohnung dafür geben.“

Das Fasten kann nicht von außen beobachtet werden. Nur der Fastende selbst und Allah wissen davon und so gibt es keine Grundlage für Rija – für das Angeben. Was am ‚Id geschieht ist die Umkehrung der gesamten Sache nach außen. Die Freude wird in den Menschen sichtbar und sie kommen zusammen. Normalerweise wird das besondere Feiertagsgebet in einer Musalla, einem Ort außerhalb der Stadt, verrichtet, in der alle Platz finden. Der ‚Id ist ein Augenblick der Vereinigung nach dieser Zeit der Enthaltsamkeit.

Islamische Zeitung: Sie haben umfangreich die muslimische Welt bereist. Was ist der Unterschied zwischen den Muslimen Europas auf der einen Seite und denen im Nahen Osten, wie sie den Ramadan praktizieren?

Dr. Asadullah Yate: Offenkundig fastet nur ein Teil der Bevölkerung in Europa. Und so findet sich hier eine andere Atmosphäre, wenn man die Geschäfte und Straßen betritt und die Mehrheit der Menschen nicht fastet. Dies hat eine Auswirkung auf den persönlichen Zustand. Man ist sich offenkundig bewusst, dass nur die anderen Muslime fasten.

In der traditionell muslimischen Welt geschieht der Ramadan jedoch als gemeinschaftliches Ereignis. Und so wird wegen der Macht des Fastens der Ruhani-Aspekt der Menschen geweckt und sie dadurch gestärkt. Dadurch wird der Din des Islam belebt und mit ihm die Menschen.

Wir wissen vom Propheten, dass die Teufel während des Ramadans in Ketten gelegt sind und die besten Eigenschaften der Menschen zu Tage treten. Dies ist in Europa nicht immer der Fall, denn wir werden uns des Unterschieds zwischen Fastenden und Nichtfastenden bewusst. Allerdings gibt uns dies natürlich die Möglichkeit, jenen Menschen, die keine Muslime sind, das große Geschenk des Ramadans zu erklären. Wir können sie zum Fastenbrechen einladen und mit ihnen das Licht teilen, dass Allah uns gegeben hat.

Islamische Zeitung: Vielen Dank für das Gespräch.

Gedanken zum Ramadan. Von Tasnim El-Naggar

(iz). Ramadan. Ein Monat ist angebrochen, der für manche manchmal nichts weiter darstellt als Hunger. Sie sehnen sich nach einem Ham- oder Cheeseburger, bleiben bei jeder McDonalds-Plakat-Werbung stehen, schauen jedem wassertrinkenden Fußgänger lechzend hinterher und können den Abend kaum mehr erwarten oder entwickeln Krankheitsgefühle bei dem Gedanken an den nächsten Ramadantag.

Zugegeben es geht wohl jedem Muslim ab und zu in seinem Leben genau so. Ist ja auch nicht einfach, das Ganze, aber… irgendwie geht’s. Gut sogar. Es gibt ja auch noch andere Gefühle, wenn man an das Wort „Ramadan“ denkt. So ein Gefühl von: ich freu mich! Zum Freuen sind bekanntlich elf Monate lang Zeit. Erst kommt unmittelbar nach Ramadan ein wehleidiges Zurückblicken auf den vergangenen Monat. Dann wird sehnsüchtig vorwärts geschaut. Wann ist es endlich wieder soweit? Jaja, die gute, alte Vorfreude.

Und dann steht er plötzlich, ganz überraschend, auch schon wieder vor der Tür. Überrumpelt einen förmlich. Hat sich einfach herangeschlichen, ohne dass man es gemerkt hat. Huch, schon wieder Ramadan?! Du bist der Monat, dem ich schon die ganze Zeit entgegengeblickt habe. Na so was aber auch! Also gut, dann freu ich mich jetzt. Jetzt gerade bin ich mittendrin im Freuen. Der Ramadan des Jahres hat nämlich angefangen. Die Menschen, wenn sie nicht im Urlaub sind, sitzen bis in die Puppen im Garten oder vergnügen sich anderweitig in der warmen Jahreszeit. Es ist Sommer, und ich faste. Mit all meinen Sinnen, jawohl! Na gut, ein bisschen durstig und müde bin ich gegen Abend, kurz bevor das Fasten­brechen naht, und in meinem Bauch grummelt’s auch. Aber was wäre ein Ramadan ohne Herausforderung? Diese Eis schleckenden, sich sonnenden, sitzenden Leute verpassen etwas ich beneide sie nicht um das, was sie tun. Ich enthalte mich gern von all dem, jetzt, da ich begriffen habe, dass dieser Monat Ramadan ein Monat der Chancen ist.

Hunger und Durst hin oder her mein Magen ist leer, aber mein Kopf ist klar. Konzentration ist gefragt. Nämlich auf das Wesentliche. Jetzt habe ich die Chance bekommen mich zu verbessern. Körper, Geist und Seele von Schlechtem zu reinigen. Mein Leben neu zu ordnen, alte Lasten (und Laster) abzulegen. Meine Sinne um den Einen Gott kreisen zu lassen und ein wenig von dieser Welt abzurücken, um in mich zu gehen. Nachzusinnen, neue Kraft in Enthaltung zu sammeln. Ein Monat, in der sich diese Chancen gleich einer Lupe vergrößern und sich all die alltäglichen Sorgen und Nöte verkleinern. Ich will sie nutzen!

Manchmal ist dies nicht so einfach. Meine Freundin kommt um 11.00 Uhr verschlafen in mein Zimmer. Sie fastet. „Ich fühle mich gerade wie nach einer durchzechten Nacht“, sagt sie und entschwindet zur Arbeit. Ich schmunzle. Wie nah Konsum und die Enthaltung davon beieinander liegen können. Ich mache mir Gedanken darüber, was ich heute Abend koche. Lasagne oder doch Brokkoli-Auflauf? Ich kreise ums Essen. Und in der Uni merke ich plötzlich erstaunt, wie ich die Leute beim Essen oder Trinken beobachte. „Ach, das ist also doch kein Muslim, wie ich dachte. Der fastet ja gar nicht“, schießt es mir durch den Kopf. Erschrocken rufe ich mich zur Vernunft. Was geht’s mich an, was der macht? In der türkischen Moschee ­lachen wir ziemlich gemein über die vielen türkischen ü’s im arabischen Gebet. „Ich habe Muskelkater vom Gebet bekommen“, stöhnt eine Bekannte, die wir beim gemeinsamen Fastenbrechen kennengelernt haben, ob der hohen Geschwindigkeit des etwas längeren freiwilligen Gebets im Ramadan hach, wie wunderbar weltlich der Ramadan doch sein kann.

Ja, auch das gehört zum „Ramadan-Feeling“. Aber dann schließe ich die Tür, lasse die Welt dahinter zurück. Ich lese im Qur’an, lasse mir die arabischen Worte voller Poesie auf der Zunge zergehen, versuche zu verstehen, beuge mich nieder im Gebet, mit der Stirn auf dem Boden, und spreche mit Gott. Verweile, die Hände leicht zusammengelegt und gebeugt, und bitte ihn, um was ich ihn bitten möchte. Mache eine Abrechnung mit mir selbst, nehme mir Dinge vor.

Man lädt ein und wird eingeladen, man teilt Dattel und Gebetsteppich miteinander, tauscht Worte und Lächeln aus, übt sich in Geduld, Sanftmut und Brüder­lichkeit. Es menschelt. Morgens, wenn alle Welt schläft, stehe ich zum Morgengebet auf, und mit mir andere, die die Chance nutzen wollen. Verschla­fen sind sie, übermüdet, hungrig, aber doch voll eingetaucht in den Ramadan, den Monat der Monate, in seine enthaltsamen und weltlichen Seiten. Ich weiß bereits jetzt, dass er schnell vergehen wird, wie das Schönste eben nun mal schnell vergeht. Ich werde ihn garantiert vermissen, den Ramadan.

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