Im Angesicht der Katastrophe von Gaza: Ein Essay von Robert Rigney über die Reaktion der globalen Jugendkultur und warum sie „plötzlich“ politisch ist. (iz). Bis vor kurzem waren das westliche […]
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Im Angesicht der Katastrophe von Gaza: Ein Essay von Robert Rigney über die Reaktion der globalen Jugendkultur und warum sie „plötzlich“ politisch ist. (iz). Bis vor kurzem waren das westliche […]
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(iz). Geht es unter MuslimInnen um politisch „heiße Eisen“ oder emotional unterlegte Forderungen, fehlt es häufig an der ansonsten oft beschworenen Ambiguitätstoleranz.
Wie anderswo, haben auch wir manchmal ein Problem mit Differenzierung, Einordnung und Kontextualisierung. Jenseits des Allzumenschlichen gibt es Probleme unserer Gesprächskultur, die wir nicht unwidersprochen hinnehmen können – auch deshalb nicht, weil sie Prämissen von Allahs Din verletzen.
Hierzu gehört der oft vorgetragene Vorwurf von „Heuchelei“. Dieser wird entweder geäußert, wenn Muslime mit Widerspruch bei politischen Themen konfrontiert werden, die für sie quasi-religiöse Stellung haben. Hinzukommt die Neigung von sektiererischen Gruppierungen wie Hizbutahrir, Ablehnung ihrer Slogans als „Heuchelei“ zu etikettieren.
Und da bewegen wir uns auf einem gefährlichen Punkt zu. Denn der Vorwurf der Heuchelei (arab. nifaq) – also, dass der Angesprochene ein Munafiq sei – ist extrem schwerwiegend. Schauen wir uns an, was nur an einer der vielen Stellen über die Heuchler im Qur’an gesagt wird: „Gewiss, die Heuchler möchten Allah betrügen, doch ist Er es, der sie betrügt. Und wenn sie sich zum Gebet hinstellen, stellen sie sich schwerfällig hin, wobei sie von den Menschen gesehen werden wollen, und gedenken Allahs nur wenig.“ (An-Nisa, Sure 4, 142) Es würde den Rahmen sprengen, weitere der vielen Verse zur Heuchelei anzuführen.
Nifaq bedeutet Verstellung bzw. Verschleierung und ist im Grunde genommen eine Lüge. Etwas sagen und etwas anderes tun oder an einer Sache festhalten und etwas anderes behaupten. Außerdem ist das eine Form der Selbsttäuschung. Wenn man sich nicht bewusst ist, dass man etwas nur tut, um die Leute glauben zu machen, man sei ein „guter“ Muslim.
Aus vielen bestehenden Versen und Hadithen lernen wir, dass sich Heuchelei in verschiedenen Umständen, Formen und Intensitäten manifestiert. Der äußere und innere Aspekt müsse im Zusammenhang mit dem Herzen jedes Einzelnen und der Situation, in der er sich befindet, verstanden werden.
Der Vorwurf von „Heuchelei“ ist in fast allen alltäglichen Fällen eine Anmaßung. Denn er setzt die Behauptung voraus, das Innere einer Person zu kennen; und wegen dieses behaupteten Wissens ein Urteil treffen zu können. Aber diese Kenntnis ist von Allah nur Seinen Propheten und Freunden gegeben.
Darüber hinaus ignoriert der Anspruch, aufgrund von politischen Positionen „Heuchelei“ attestieren zu können, wesentliche Aspekte dessen, wie ein Urteil gefällt wird. Der Qadi oder Mufti mit der nötigen beruflichen Demut wird sich niemals anmaßen können, nach dem Inneren einer betreffenden Person (es sei denn, sie bezeugt es) zu beurteilen.
Es wird gefährlich, wenn relevante und sensitive Terminologien aus ihrem Kontext herausgelöst werden, um dann komplett willkürlich eingesetzt werden zu können. Es gibt – trotz einer Tradition der politischen Philosophie der islamischen Lehre – in Offenbarung, Sunna und dem Recht kaum eindeutige Aussagen zu politischen Ordnungsfragen.
Das ist leicht verständlich. Über die Jahrhunderte und Kontinente hinweg die konkreten Gegebenheiten der Muslime so divers (vom großen zentralasiatischen Reich bis zu Waldnomaden in Südostasien), dass eine eindeutige „islamische“ Ordnung gar nicht existieren könnte.
Es gehört zu den Grundsätzen des Urteilens im Din, dass dort, wo es keine eindeutigen verbindlichen Aussagen gibt, ein Widerspruch bzw. die Meinungsverschiedenheit nicht nur möglich, sondern auch legitim sind. Das Gleiche gilt für ihrem Wesen nach politische Fragen. Die Art und Weise unseres Dins kennt keine politische bzw. ideologische Totalität dieser Art, wie wir sie aus der Ideologiegeschichte der Moderne kennen.
Angesichts erhitzter Debatten, Kriegen im Ausland und ideologischen Projekt wie Hizbutahrir ist es wichtig, sich an die Grundlagen unseres Dins zu erinnern. Und daran, dass es unsere Pflicht ist sicherzustellen, dass der Andere von den Konsequenzen unseres Sprechens und Handelns sicher ist.
(iz). Fußball ist für viele Menschen die wichtigste Nebensache der Welt. Das Spiel ermöglicht eine Pause vom Alltag, regeneriert Emotionen und Begeisterung. Eigentlich. Bei der Fußballweltmeisterschaft in Katar scheint dies anders zu sein. Sie ist ein Politikum.
Und ja, das Land ist voller Widersprüche: ein islamisches Land und ein wichtiger Militärstützpunkt der USA, eine globale Wirtschaftsmacht und Ziel für Heerscharen von Geschäftemachern. Nicht zuletzt ist es die Bühne der tragischen Schicksale von WanderarbeiterInnen.
Pünktlich zu Beginn der Weltmeisterschaften kocht die Kritik hoch, warum auch nicht. Nur: Ein wenig Fairness und Respekt vor der anderen Kultur ist ebenso angebracht. Das Schicksal der Bauarbeiter in der Wüste verweist zum Beispiel gleichermaßen auf die fatalen Zustände in deren Heimatländern. Das teilweise Alkoholverbot rund um die Stadien ist kein Skandal, sondern Alltag in vielen europäischen Großstädten bei Großevents. Bigott ist genauso die Logik, dass man in dem Land Gas kaufen will – ganz ohne moralische Vorbehalte –, aber nun die Weltmeisterschaft verdammt.
Überhaupt: Sportereignisse fanden in den letzten Jahren nicht nur in Vorzeige-Demokratien statt. Das wird zukünftig nicht anders sein. Will man von diesem Prinzip abrücken, kann es keine Welt- sondern nur West-Meisterschaften geben. Eine derart rigide Haltung ist weder in der Sportwelt noch in der Globalisierung denkbar. Der internationale Handel, von dem Deutschland abhängt, verträgt sich sowieso schlecht mit absolut gesetzten Moralvorstellungen.
Was heißt das für die kommenden Tage? Man schaut Fußball. Respektiert die Kultur des Landes, ohne auf die nötige Kritik zu verzichten. Und vermeidet, eine ganze Region ins Abseits zu stellen. Der Forderung nach Reformen kommen Regierungen, die nicht beleidigt werden, eher nach. Es sind die einfachen Fans, nicht gierige Funktionäre, die an die Idee der Völkerverständigung erinnern, zu dem der Sport beitragen kann.
(iz). Eigentlich ging die „Bombe“ schon am 14. April hoch: Die „Stuttgarter Nachrichten“ berichteten, dass der Initiator der so genannten „Lies-Aktion“, Ibrahim Abou-Nagie, Hartz-IV-Empfänger sei. Diese Informationen hatte die Stuttgarter Journalisten damals – nach ihren eigenen Aussagen – aus vorliegenden Unterlagen des NRW-Verfassungschutz. Außerdem, so wird behauptet, habe Abou-Nagie, zur Verwunderung der Ermittler – und ohne weitere Konsequenzen – hohe Telefonrechnungen produziert und fahre zudem ein drittfinanziertes, teures Auto. Ob dies alles so stimmt, wurde bisher nicht von der Behörde bestätigt.
Heute legt die „BILD“ nach und berichtet mit großen Buchstaben über die Hinweise der „Stuttgarter Zeitung“. Das Boulevardblatt wirft dem „Prediger” auf Seite 1 – neben seinem bekanntem Gerede – vor, auch den deutschen Staat auszubeuten.
Der Bericht gibt damit eine weitere Vorlage für ein nachhaltiges Ressentiment gegen Muslime. Nicht nur in unserer Facebook-Community wird das merkwürdige Zusammenspiel zwischen Massenmedien und Kleingruppen – zu Lasten einiger Millionen Muslime im Lande – mit einigem Argwohn verfolgt.
In der muslimischen Community hat im Internet eine breite Debatte über den Fall begonnen. Grundsätzlich wird dabei immer wieder zu Recht erinnert, dass die kleine Gruppierung der „Salafiten“ nicht nur facettenreich, sondern auch in sich selbst zerstritten ist.
Die Meinungen im konkreten Fall sind gespalten. Zwar wird gewarnt, andere Muslime mit noch unbewiesenen Behauptungen zu schaden. Üble Nachrede ist immerhin ein schweres Delikt im Islam. Andererseits, so die zweite Meinung, ist aber das auf Öffentlichkeit ausgerichtete Politikum „Salafismus“ so schädlich für die Muslime, dass auch eine kritische, innerislamische Debatte über alle Fakten erlaubt sein muss. „Sozialhilfe kassieren und den Staat attackieren“, empfindet eine große Mehrheit natürlich als inakzeptabel. Gerade auch, weil die genannte Gruppe sehr schnell anderen Muslimen „Heuchelei“ vorwirft. Sollten die Vorwürfe gegen Abou-Nagie nicht stimmen, wäre natürlich eine Gegendarstellung des in die Schlagzeiten geratenen Muslim fällig.
Nicht nur das: Es gibt auch Misstrauen. So hat Abou-Nagie in einem YouTube-Video aus dem Jahr 2010 selbst eingeräumt, dass er vom Verfassungsschutz – angeblich wegen seiner Wortwahl – angesprochen und sogar „eingeladen“ worden sei. Was aus diesen Kontakten genau wurde, ist bisher von beiden Seiten nicht bekannt und wird zum Gegenstand kritischer Nachfragen.
„Es ist Krieg! Es ist Krieg! Gottes Engel wehre und rede du darein! Es ist leider Krieg und ich begehre nicht schuld daran zu sein!“ (Mathias Claudius) „Ich halte es […]
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„Was ich mit der Überbewertung meinte, ist, dass das Kopftuch schon fast mit Islam gleichgesetzt wird. Es wird unter vielen Muslimen so viel über das Kopftuch geredet, dass man denken […]
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