,

Darf im Himmel gelacht werden?

himmel gelacht lachen

Dialog über die Frage, ob im Himmel gelacht werden darf. Ein transzendentales Manifest von Peter Schütt.

(iz). In meiner hochbetagten Seniorenschreibwerkstatt lassen wir die sich häufenden aktuellen Krisen und Kriege lieber links liegen und wenden uns am liebsten dem uns viel näher liegenden Jenseits zu.

Unser diesseitiger Dialog verwandelt sich so in ein metaphysisches Kolloquium. Darf im Himmel gelacht werden? Mit dieser eher scherzhaft gemeinten Frage hat uns während unserer letzten Sitzung ausgerechnet unser Senior einigermaßen ratlos gemacht.

„Warum nicht?“, habe ich als Himmelstürsteher spontan geantwortet. Ausgerechnet unser Junior fällt mir ins Wort. Aber was gibt es im Himmel zu lachen? Ich stelle mir Euren Himmel ziemlich langwierig und langweilig vor, nichts als Beten und in die Knie gehen.

Unser wohlgemuter Senior, Thomas Mann versiert, stimmt ihm ausnahmsweise zu: „Ich kann Deine Abneigung verstehen: Ein Zauberberg für alle Ewigkeiten, ein Tag so lang, so langweilig wie der andere, gepflegte Langeweile von früh bis spät, das wäre auch nichts für mich.“

Ich falle beiden ins Wort. „Ich glaube, Ihr seid auf dem falschen Dampfer. Ihr verwechselt das Paradies mit einer in alle Zeit und Ewigkeit verlängerten Vorruhestandsregelung. Aber das Gegenteil ist der Fall. Ihr verschlafenen Erdlinge werdet auferweckt zu einem neuen Leben, ein Leben jenseits aller von Erden vertrauten Langenweile, ein Leben mit lauter neuen Begegnungen, Erfahrungen und Erlebnissen.“

Ich träume davon, beim himmlischen Freitagsgebet meinem Propheten von Angesicht zu Angesicht zu begegnen.

Zwischenfrage unseres lachenden Dritten: „Ohne vor ihm in die Knie zu sinken? Ja, antworte ich, ich bevorzuge Augenhöhe. Im Paradies entfällt ja auch die Schwerkraft, die uns hier unten immer wieder nach unten zieht.“ – „Du meinst, da oben seid ihr schwerelos?“

„Nein, das nicht. Ich sage lieber: unbeschwert. Wir Menschenkinder tragen in uns ein unbändiges Verlangen, wir wollen grenzenlos leben, lieben und uns dem anderen hingeben. Unser Herz ist unersättlich, es kann im Endlichen nicht gesättigt werden. Es sehnt sich sehnsüchtig nach dem Himmelslicht. Ich möchte auch im Himmel immer wieder neue und andere Menschen kennen und lieben lernen. Und zu guter Letzt bin ich gespannt darauf, hoch oben Lebensgefährtinnen und Gefährten wieder zu treffen, die ich schon auf Erden liebgewonnen habe und auch auf der höchsten Erkenntnisstufe nicht vermissen möchte.“

Da fällt mir zuallererst meine patente Nachbarin Petra Quaas ein, die mich Schwerenöter nach einem brutalem Raubüberfall wie ein Schutzengel aus schwerster Not gerettet hat. Ich denke dankbar an meine Mutter, die Gott dazu ausersehen hat, mich mit dem ersten Licht dieser und der kommenden Welten zu erleuchten. Vorausschauend behalte ich auch meine eigenen Kinder und Kindeskinder im Auge. Ich möchte meiner Allerliebsten auf Erden noch einmal tränenfeuchtes Auges gegenübertreten. Sie hat mir, geborgen im Verborgenen, erste Vorahnungen der himmlischen Liebesfreuden anvertraut.

Ich freue mich darauf, meinem Himmelstüröffner Imam Razvi wieder zu begegnen und ihm Rede und Antwort zu stehen. Ihm gegenüber habe ich gerade noch zur rechten Zeit in der Hamburger Moschee, die den Namen meines Schutzheiligen Imam Ali trägt, mein Glaubensbekenntnis bekundet.

„Aber der“, fragt mich unser Werkstatt-Senior, „war nicht dein einziger Lehrer?“

Nein, nein, mein wichtigster Lehrer, nein, meine wichtigste Islamlehrerin, war und bleibt Annemarie Schimmel. Ihre Spuren findest Du in meinen Büchern, sie hat meinen Humor über den grünen Klee gelobt und mir zu guter Letzt auch noch eine weibliche Seele angedichtet.

* Angeregt durch einen Essay von Dr. Cemil Sahinöz in der Ausgabe April 2026 der „Islamischen Zeitung“.

Die Welt im Ganzen

(iz). Irgendwie haben moderne Medien unsere Welt übernommen. Sie präsentieren „Breaking News“, fluten uns mit Informationen, oder takten unsere Empfindungen im „Gefällt mir“ Modus. Das Leben, so wie wir es zu betrachten gewohnt waren, wird zu einer unübersichtlichen Struktur, zersetzt in unzählige kleine Einzelteile.

Die wichtigen Phänomene lassen sich aber nur in größeren Zusammenhängen verstehen. Das Wesen von Reichtum, Gesundheit oder Frieden zu bestimmen bedarf immer der Offenbarung und einer Philosophie. Wissenschaft dagegen denkt nicht, bestimmt aber zunehmend unsere Blickrichtung und die Gier nach neuen Details. Der Modus des „Machens“ macht uns Menschen zu Arbeitern, die selbst noch in der Freizeit arbeiten müssen. Das moderne Lebensgefühl hat so auch etwas mit Entfremdung zu tun: was ist wirklich, was ist gut, was ist wahr? Umso wichtiger ist es für uns Muslime den Überblick zu wahren. „Die Welt ist wunderbar im Ganzen“, heißt es bei Ernst Jünger, gerade auch im Angesicht schrecklicher Kriege und menschlicher Verwirrungen. Über allem thront die Schöpfung, die unheimlichen, perfekten Zusammenhänge.

In der Offenbarung erleben wir das Wunder der Sprache und erhalten gleichzeitig Hinweise, wie wir die Welt im Ganzen erfahren können – ohne uns je an sie zu verlieren. Während der Atheismus in allen Zusammenhängen einen Zufall erkennen will, ist der Gläubige von der Harmonie alles Geschaffenen fasziniert. Er sucht nach einer ganzheitlichen Wissenschaft, die nicht zersetzt, sondern vielmehr zusammenfügt. Er erkennt auch die existentiellen Bedingungen unserer Wirklichkeit an. Am Himmel geht der Mond auf und unter, gibt uns den Takt vor.

Dieser Mond ist ein ganz Anderer, als ihn die Astronauten vorzufinden glauben. Überhaupt ist die Schöpfung nach ganz anderen Zeitmaßstäben erschaffen. Die Erzählung über die Schaffung der Welt in wenigen Tagen ist ein Gleichnis. Unsere Lebenszeit auch. Der Gläubige findet, auch in größter Not, Trost im Glauben an das Schicksal. Er versteht den Satz Hölderlins, dass diejenigen, die auf Erden das Paradies erschaffen wollten, nichts als die Hölle gebracht haben.

Die Schöpfung lehrt uns das Maß, wir sind jenseits von Macht- und Ohnmachtsphantasien unterwegs. Der Schöpfer weiss vom Blatt, dass vom Himmel fällt, weiss von uns. Wir müssen bei allem Spektakel, dass unsere Medien vermitteln, nach den tieferen Bedeutungen suchen. Unsere Aufgabe ist es, das Werk des Schöpfers zu preisen, auch wenn wir es mit keiner Wissenschaft je ganz umfassen können. Ohne Besinnung auf das Wesentliche kann das Leben nicht gelingen.

, ,

Vorbereitung auf den Ramadan

Ramadan Monate Vorbereitung

Gibt es eine Vorbereitung auf den Ramadan? Über die besondere Zeit vor dem Fastenmonat. „… Und (Er schuf auch) die Sonne, den Mond und die Sterne, durch Seinen Befehl dienstbar […]

IZ+

Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)

Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ – Onlineabo, Kombi Print & IZ+ or Das IZ-Förder-Abo können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.

Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.

Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.

* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.