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Islamic Relief im Gespräch: „30 mal 30.000 Euro für Deutschland“

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Islamic Relief startet mit „30 mal 30.000 Euro für Deutschland“ ein neues Förderprogramm für kultursensible Ehrenamtsprojekte – im Interview erklärt Taner Yüksel, welche sozialen Lücken geschlossen und welche lokalen Netzwerke gestärkt werden sollen.

(iz). Das neue Inlandsprogramm von Islamic Relief Deutschland ist das Ergebnis eines mehrjährigen Diskussions- und Entwicklungsprozesses. Mit „30 mal 30.000 Euro für Deutschland“ fördert die Organisation 30 kultursensible Ehrenamtsprojekte in Nordrhein-Westfalen und Berlin.

Im Gespräch erläutert Taner Yüksel, Islam- und Kommunikationswissenschaftler sowie Pädagoge mit therapeutischer Ausbildung, warum es darum geht, soziale Bedarfe neu wahrzunehmen, lokale Akteure zu vernetzen und zivilgesellschaftliches Engagement zu stärken. Zugleich fragt das Interview, welche Rolle eine international tätige humanitäre Organisation in Deutschland übernehmen kann.

„Ich glaube, dass dieser Zeitpunkt tatsächlich der richtige für Veränderungen ist“

Islamische Zeitung: Islamic Relief Deutschland feiert 30 Jahre Bestehen und hat gleichzeitig seine Arbeit im Inland auf ein neues Fundament gestellt. Warum richten Sie ihren Blick nun stärker auf soziale Projekte hier?

Taner Yüksel: Ja, ich glaube, dass dieser Zeitpunkt tatsächlich der richtige für Veränderungen ist. Genauer betrachtet, befinden wir uns in einem Spannungsfeld, das auf der einen Seite von der Dauer unseres Bestehens und auf der anderen vom Wandel in unserer Gesellschaft geprägt ist.

Unser Bestehen für die Dauer von drei Jahrzehnten steht symbolisch für Beständigkeit. In mehr als einer Generation Organisationsgeschichte mit unterschiedlichen Entwicklungsphasen lassen sich gewisse Erkenntnisse ableiten, indem wir fragen: Was hat sich bewährt? Was muss beibehalten werden? Und an welchen Stellen sollten wir uns weiterentwickeln?

Der Dauer unseres Bestehens steht auf der anderen Seite der Wandel in der Gesellschaft gegenüber. Wir erleben starke politische, soziale sowie kulturelle und wirtschaftliche Veränderungen. Ich möchte dafür jetzt keine allzu großen Worte benutzen, aber mein Eindruck ist, dass wir uns in einer Art Paradigmenwechsel befinden, den man durchaus ernst nehmen muss.

Kurz gesagt: Es ist die richtige Zeit darüber nachzudenken, wie wir uns neben der erfolgreichen Humanitären Hilfe und der Entwicklungszusammenarbeit weiterentwickeln wollen. Wir haben uns dafür entschieden, mit unserem Inlandsprogramm 30 Projekte in Deutschland zu fördern und so Wandel mitzugestalten.

Muslime deutsch

Foto: Prostock-studio/Adobe

„Häufig werden Community und Gesellschaft künstlich als getrennt betrachtet“

Islamische Zeitung: Es gibt in der Community in Deutschland manchmal die Idee, man müsse im Inland jenseits der „eigenen“ Moschee nichts fördern, weil das „ja der Staat“ schon macht. Abgesehen davon, dass wir derzeit eine tiefe Wirtschaftskrise erleben – ist diese Einstellung hilfreich?

Taner Yüksel: Ich glaube, die Vorstellung, der Staat solle die sozialen Aufgaben übernehmen, ist nachvollziehbar. Wir leben nach wie vor in einem recht gut funktionierenden Gemeinwesen.

Aber vor allem unser Sozialsystem hängt vom Engagement der Bürgerinnen und Bürger ab. Die Einsicht, dass jenseits der eigenen Moschee etwas gefördert werden sollte, hängt auch mit der Geschichte der Muslime in dem jeweiligen Land oder Ort zusammen.

Vor dem Hintergrund der sozioökonomischen Situation ist es nachvollziehbar, dass man versucht, erst einmal konkrete Strukturen in der eigenen Community aufrecht zu erhalten. Andererseits ist das nicht die Herangehensweise, die ich bevorzugen würde.

Ich halte es für wichtig, dass sich muslimische Communitys in der Allgemeinheit deutlich stärker engagieren. Häufig werden Community und Gesellschaft künstlich als getrennte Bereiche betrachtet. Doch wir leben in dieser Gesamtgesellschaft und sind Teil von ihr. Entsprechend haben wir eine bestimmte Rolle zu erfüllen.

Wenn wir uns auf spezifische Blickwinkel verständigen, besteht in den Communitys durchaus das Bewusstsein, dass wir mehr für die Gesamtgesellschaft tun müssen. Wenn wir z.B. nachfragen, was geschieht, sollte das deutsche Sozialsystem, das erheblich unter Druck steht, in eine Krise geraten oder im schlimmsten Fall zusammenbrechen, was macht ihr dann?

Eine solche Entwicklung war früher unvorstellbar, doch die heutige Lage ist schwierig. Die entscheidende Frage wäre dann: Welches System greift dann? Dann bekommen Nachbarschaft, lokale Netzwerke und regionaler Zusammenhalt vor Ort eine sichtbarere Bedeutung. Das ist ein wichtiger Punkt, der aber vielleicht einen eigenen Beitrag verdient.

„Wir brauchen ein Vorgehen, das bisher unsichtbare Themen sichtbar macht.“

Islamische Zeitung: Sie fördern 30 kultursensible Ehrenamtsprojekte mit jeweils bis zu 30.000 Euro – nach welchen Leitlinien haben Sie die Themen ausgewählt?

Taner Yüksel: Es wäre ein großer Luxus, die Auswahl allein anhand eines Leitgedankens treffen zu können. Tatsächlich ging ihr eine Abwägung diverser Ansprüche voraus.

Seit 30 Jahren haben wir eine treue und stetig wachsende Gruppe von Spenderinnen und Spendern. Deshalb mussten wir uns fragen, ob sie bereit wären, zukünftig Inlandsprogramme zu finanzieren und ob sie sagen würden: „Wir finden gut, was ihr da macht, und würden es direkt fördern.“

Für Programme im Inland waren bisher keine zweckgebundenen Mittel vorgesehen. Spenden, die etwa ausdrücklich für den Sudan, Bangladesch oder andere konkrete Zwecke, wie Brunnenbau oder Waisenkinder eingegangen sind, dürfen nicht für sie eingesetzt werden.

Auch Gelder für die Zakat bleiben hier unberührt. So kommen bisher ausschließlich ungebundene Mittel zum Einsatz. Wir müssen uns aber fragen, ob und unter welchen Bedingungen unsere Förderer in Zukunft bereit wären, solche Projekte langfristig mitzutragen.

Seit 2022 hat sich eine interne Arbeitsgruppe mit dem Thema Inlandsprojekte beschäftigt. Im Hinblick darauf wurden unterschiedliche Ansätze diskutiert. Besonders häufig ging es um Angebote für Kinder, Frauen und Senioren.

Bei der Entwicklung des neuen Inlandsprogramms wollten wir aber nicht weiterhin nur in den bekannten Kategorien denken. Wir brauchen ein Vorgehen, das bisher unsichtbare Themen sichtbar macht.

Vielleicht würden wir sonst übersehen, dass eine ältere, gebrechliche Frau wie „Oma Müller“ im zweiten Stock eines Hauses in Duisburg kaum noch ihre Wohnung verlassen kann, sich nicht mehr über die Treppe traut und vereinsamt, weil niemand sie wahrnimmt oder bei ihr anklopft.

Ähnlich ist es bei Menschen, die allein im Hospiz im Sterben liegen und kaum Besuch bzw. Zuwendung erfahren. Auch Obdachlosigkeit – das dritte Programmfeld – macht deutlich, dass wir oft an Personen vorbeigehen, ohne dass sich ausreichend viele berufen fühlen, etwas konkret zu tun.

Kurz gesagt: Wir haben uns gefragt, welche Form von Hilfen jetzt angebracht wäre, um auch die bislang übersehenen Bedarfe wahrzunehmen. Was wird gebraucht – und wie erkennen wir das verlässlich? Das nun aufgelegte Förderprogramm ist der Versuch, sie auf verlässliche Weise zu erkennen und darauf zu reagieren.

„Transparenz ist ein fester Bestandteil unserer Überlegungen.“

Islamische Zeitung: Kann sich Islamic Relief vorstellen, in dieser Hinsicht eigene Kampagnen zu entwickeln?

Taner Yüksel: Transparenz ist ein fester Bestandteil unserer Überlegungen. Wir wollen diese Arbeit offen weiterentwickeln und Spenderinnen und Spendern die Möglichkeit geben, sich unmittelbar daran zu beteiligen und sie gezielt zu unterstützen.

Das wäre für uns zugleich ein bedeutender Gradmesser: Die Hilfe würde zeigen, ob die Menschen sagen, dass sie mit diesem Ansatz einverstanden sind und ihn für wichtig halten. In diesem Sinne wäre es die Stunde der Wahrheit – nämlich dann, wenn sich keiner dafür interessieren würde.

Ich bin optimistisch. Bisher hat niemand, mit dem ich darüber gesprochen habe, anders reagiert als mit einem klaren: „Endlich!“ Es ist wichtig, dass wir ebenfalls das Leid im Inland wahrnehmen und uns dafür einsetzen.

Foto: Magnific | Lizenz: Acceptable Use Policy

„So lässt sich eine deutlich stärkere Leuchtturmwirkung erzielen.“

Islamische Zeitung: Besonders berücksichtigt werden Nordrhein-Westfalen und Berlin, zugleich sollen mindestens 50 Prozent der Zielgruppe Menschen mit Einwanderungsgeschichte sein. Geht es hier eher um eine Reaktion auf konkrete soziale Bedarfe oder zusätzlich um ein Signal an muslimische und migrantische Communitys?

Taner Yüksel: Die Auswahl der beiden Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Berlin hat pragmatische Gründe. Das Programm ist grundsätzlich bundesweit angelegt.

Bei der konkreten Planung haben wir jedoch festgestellt, dass 30 über Gesamtdeutschland verteilte Projekte nach dem Gießkannenprinzip womöglich nur eine begrenzte Wirkung entfalten würden.

Eine regionale Konzentration ermöglicht dagegen einen direkten Kontakt zu den Trägervereinen. Wir können Fachvorträge und Netzwerkveranstaltungen anbieten sowie unmittelbar mit den Beteiligten arbeiten.

So lässt sich eine deutlich stärkere Leuchtturmwirkung erzielen, als wenn Projekte von München bis Flensburg verstreut liegen und kaum persönlicher Kontakt zu den Organisationen besteht, mit denen wir zusammenarbeiten möchten.

Ziel ist eine langfristige Kooperation. Wir werden sehen, mit welchen Trägern sich diese gut gestalten lässt. Sie soll nicht nach einem Jahr enden.

Vielmehr wollen wir das Programm erneut auflegen, gegebenenfalls auf weitere Regionen ausweiten und es inhaltlich sowie thematisch weiterentwickeln. Dabei orientieren wir uns an den Erfahrungen, die wir sammeln, und an den Bedarfen, die weiterhin an uns herangetragen werden.

Islamische Zeitung: Es gab Vorläuferprojekte. Dazu zählt etwa Speisen für Waisen. Auch wenn dabei hier keine Mittel vergeben werden und die Unterstützung Waisenkindern im Ausland zugutekommt, entfaltet das zugleich eine Wirkung im Inland. Darüber hinaus fördern Sie MuTeS, das Muslimische Seelsorgetelefon in Berlin. Knüpft das neue Programm an diese Erfahrungen und Projekte in Deutschland an?

Taner Yüksel: In die Gespräche und Diskussionen der vergangenen vier Jahre, die auch in internen Arbeitsgruppen geführt wurden, sind selbstverständlich die bisherigen Erfahrungen eingeflossen. Was soll nun anders laufen? Bisher bestand unsere Inlandsarbeit vor allem aus einzelnen Themen und Projekten. Neben der Telefonseelsorge haben wir uns während der Flutkatastrophe im Ahrtal stark engagiert. Außerdem sind wir seit 2016 an einem Flüchtlingsprojekt in Köln beteiligt, um nur einige zu nennen. Vereinzelt haben wir also bereits Projekte im Inland umgesetzt.

Für uns stellt sich vor allem die Frage nach einer systematischen Herangehensweise: Wie können wir auf den bisherigen Erfahrungen aufbauen, unsere Arbeit wirksamer und erkennbarer gestalten und uns stärker am öffentlichen Diskurs über diese Themen beteiligen? Es geht insofern auch um Sichtbarkeit.

Das Programm richtet sich nicht nur als Signal an die muslimische und migrantische Community, sondern an die gesamte Gesellschaft. Seit vielen Jahren wird gefordert, dass muslimische Träger sich stärker an gesamtgesellschaftlichen Themen beteiligen. Muslime nehmen diese Aufgabe bereits wahr, wenn auch nicht sichtbar genug.

Zugleich muss man fairerweise feststellen, dass die Wohlfahrtsarbeit in Deutschland auf mehr als 100 Jahren Erfahrung etablierter Organisationen beruht. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege bildet dabei einen gewachsenen und in gewisser Hinsicht eher geschlossenen Kreis.

Für muslimische Trägerorganisationen ist es deutlich schwieriger als für etablierte Akteure wie Caritas, Diakonie oder andere Wohlfahrtsverbände, an Mittel zu gelangen und entsprechende Projekte umzusetzen. Deshalb müssen wir zunächst als Träger oder Förderer von Trägern in der Öffentlichkeit stärker auftreten, Vertrauen gewinnen und zeigen, dass wir ernsthaft etwas bewegen wollen – und es auch können.

Religionsgemeinschaften

Foto: kuarmungadd/Adobe Stock | Lizenz: Adobe Stock, erworben

„Es muss noch mehr geschehen.“

Islamische Zeitung: Versteht sich das Programm als Impuls, einer möglichen „Selbstverzwergung“ von Gemeinschaften entgegenzuwirken und ihre zivilgesellschaftlichen Handlungsmöglichkeiten stärker zu nutzen?

Taner Yüksel: Es wäre, ehrlich gesagt, etwas anmaßend, uns selbst als Initialzündung zu verstehen. In Deutschland leben seit mehr als 60 Jahren Muslime in größerer Zahl. Es existiert längst eine gewachsene Community und eine Vielzahl von Organisationen, die ernsthaft und erfolgreich arbeiten. Eine gewisse Selbstverzwergung gibt es jedoch.

Es muss noch mehr geschehen. Muslimische Träger sozialer Aufgaben stehen vor strukturellen Schwierigkeiten. Diese entstehen nicht allein innerhalb der Gemeinschaften, sondern hängen auch mit allgemeinen Rahmenbedingungen zusammen, auf die wir derzeit nur begrenzt Einfluss haben.

Zunächst können wir nur auf das schauen, was sich beeinflussen lässt: unsere eigenen Strukturen und Möglichkeiten. Diese sollten wir gezielt einsetzen. Sichtbarkeit ist dabei besonders wichtig. Wir müssen zeigen, wofür wir stehen.

Ich stelle mir das gern wie eine Landschaft vor: Niemand kann sie allein gestalten. Aber wir können uns um eine bestimmte Wiese, ein kleines Waldstück oder eine Straße kümmern; in der Hoffnung, dass weitere Akteure andere Bereiche übernehmen. So kann es gelingen, die unterschiedlichen Bedarfe gemeinsam in den Blick zu nehmen.

Bei der Entwicklung des Programms haben wir deshalb gefragt: Wenn wir im Ausland als humanitäre Hilfsorganisation und in der Entwicklungszusammenarbeit tätig sind, welche Rolle haben wir dann in Deutschland?

Das Spektrum ist breit. Auch etablierte Institutionen sind divers ausgerichtet: Die AWO arbeitet anders als etwa der Arbeiter-Samariter-Bund, der beispielsweise eher im Rettungsdienst und mit Krankentransporten tätig ist. Weitere konzentrieren sich mehr auf Kindertagesstätten, Seniorenarbeit oder spezifische soziale Einrichtungen. Keine ist daher gleich aufgestellt.

Für uns stellt sich die Frage: Worin liegt unsere besondere Stärke? In welchem Bereich sollten wir uns engagieren, um in dieser Landschaft eine Lücke zu schließen? Solche Fragen muss man zunächst aushalten, ohne sie vorschnell beantworten zu wollen.

Dieses Förderprojekt ist der Versuch, uns dieser Antwort zusammen mit anderen Trägervereinen zu nähern. Innerhalb der Projekte wollen wir Diskussionen anstoßen, Netzwerke aufbauen und Fachvorträge nutzen, um einen gemeinsamen Prozess der Bewusstwerdung in Gang zu setzen. So möchten wir Lösungen auf die Fragen unserer Zeit gemeinsam entwickeln.

Islamische Zeitung: Lieber Taner Yüksel, wir bedanken uns für das Interview.

Link zum Projekt: www.islamicrelief.de/inlandsprogramme/

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Islamic Relief-Bilanz zu Kurban 2026: Hungerkrisen verschärfen sich

islamic relief kurban 2026

Islamic Relief zog eine Bilanz zu Hilfslieferungen für das Kurbanfest und stellt gleichzeitig eine Verschärfung von Hungerkrisen fest.

Köln/Berlin (IRD/IZ). Während weltweit Millionen Menschen das Kurbanfest (Eid-ul-Adha) feierten, kämpften immer mehr Familien gegen Hunger, Vertreibung und Armut.

Islamic Relief Deutschland versorgte gemeinsam mit dem internationalen Islamic Relief Hilfsnetzwerk in diesem Jahr mehr als drei Millionen Menschen in 29 Ländern mit Kurbanfleisch – darunter Familien in Gaza, Sudan, Libanon, Somalia und Jemen.

Die weltweite Hungerkrise verschärft sich dramatisch

Laut dem aktuellen „Global Report on Food Crises“ leiden derzeit rund 266 Millionen Menschen in 47 Ländern an akuter Ernährungsunsicherheit – doppelt so viele wie noch vor zehn Jahren. Erstmals mussten 2025 gleichzeitig zwei Hungersnöte ausgerufen werden: in Teilen des Sudan und des Gazastreifens.

Besonders dramatisch ist die Lage im Sudan, wo sich der Krieg inzwischen im dritten Jahr befindet. Die Kosten für Lebensmittelhilfen sind dort laut Islamic Relief um mehr als 60 Prozent gestiegen. Gleichzeitig verschärfen Vertreibung, zerstörte Infrastruktur und steigende Lebensmittelpreise die Versorgungslage für Millionen Menschen.

Auch im Gazastreifen leiden weiterhin hunderttausende Familien unter schwerem Hunger und massiven Einschränkungen beim Zugang zu Hilfsgütern. Aufgrund der anhaltenden Krise plant Islamic Relief gemeinsam mit lokalen Partnern, mehr als 90.000 Menschen mit konserviertem Kurbanfleisch zu versorgen.

Libanon als ein Schwerpunkt

Im Libanon treiben wirtschaftlicher Zusammenbruch, Vertreibung und die Folgen regionaler Konflikte immer mehr Familien in die Armut. Mehr als eine Million syrische Geflüchtete leben dort unter schwierigen Bedingungen.

Die 73-jährige Sobhia, die mit ihrer Familie aus Syrien in den Libanon fliehen musste, beschreibt die Bedeutung der Unterstützung so:

„Manchmal fühlen wir uns vergessen – besonders an Feiertagen, wenn wir es uns nicht leisten können, wie andere zu feiern. Wenn wir solche Hilfe erhalten, gibt uns das Hoffnung. Eure Unterstützung füllt nicht nur unseren Tisch, sondern hebt auch unsere Stimmung.“

Sobhia lebt gemeinsam mit ihren Kindern und sechs Enkelkindern im Libanon. Die Familie versucht mit Gelegenheitsarbeiten zu überleben, doch steigende Preise für Lebensmittel, Miete und Medikamente machen den Alltag zunehmend unerträglich.

Foto(s): Islamic Relief Deutschland

Neben akuter Lebensmittelhilfe verteilt Islamic Relief zum Fest auch Kleidung, Schuhe und Schulmaterialien an rund 25.000 Kinder und Familien in 18 Ländern.

„Für viele Familien ist das Kurbanfleisch die einzige Möglichkeit im Jahr, überhaupt Fleisch essen zu können“, erklärt Michael Pfaff, Geschäftsführer von Islamic Relief Deutschland. „Gerade in Zeiten von Hunger, Krieg und Vertreibung ist diese Unterstützung ein wichtiges Zeichen von Solidarität und Menschlichkeit.“

Die Kurban-Verteilungen von Islamic Relief fanden in diesem Jahr unter anderem in Afghanistan, Äthiopien, Bangladesch, Gaza, Jemen, Kenia, Libanon, Mali, Niger, Pakistan, Somalia, Sudan, Südsudan und Syrien statt. Besonders große Verteilungen erfolgen in Mali und Niger – zwei Krisenregionen, in denen sich Hunger und Kinderunterernährung weiter verschärfen.

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Rückblick: Islamic Relief Deutschland erreichte mehr als 120.000 Menschen zum Ramadanende

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Pünktlich zum Ramadanende, teilte die Kölner Hilfsorganisation Islamic Relief Deutschland ihren Festtagsgruß und mahnte zu internationaler Solidarität und Diplomatie. 

(IRD). Angesichts der eskalierenden Lage in Nahost, werden Millionen Menschen ihr wichtiges Fest unter Bomben und in Angst verbringen. Der steigende Hunger in Ländern wie Afghanistan, Jemen, Pakistan und Südsudan, bleibt alarmierend.

Um dem Hunger zu trotzen und ein Zeichen für Frieden und Hoffnung zu setzen, hat das gesamte internationale Islamic Relief Netzwerk diesen Ramadan mehr als 800.000 Menschen weltweit mit Lebensmittelpaketen versorgt – darunter Familien, die in Ländern wie dem Libanon, Sudan und Gaza unter Krieg und Hunger leiden.

Die humanitäre Hilfsorganisation Islamic Relief Deutschland und ihre globalen Partner haben in den vergangenen vier Wochen Spenden gesammelt, um mit Hilfe der großzügigen Spenden noch mehr Menschen in Not global zu unterstützen. 

50 bis 90 Kilogramm schwere Lebensmittelpakete, angepasst an lokale Gewohnheiten, haben hunderttausende Familie in diesem Ramadan ernährt. Angesichts der Kürzungen der Hilfeleistungen internationaler Regierungen, setzen die Spenden der Muslime auf der ganzen Welt und in Deutschland ein dringendes Zeichen der Menschlichkeit.

Geschäftsführer Michael Pfaff sieht hierin einen Hoffnungsschimmer in Zeiten von weltweiten Krisen und Hunger.

Er erklärt: „Solidarität in Zeiten, in denen Millionen Menschen weltweit Gewalt in Kriegen durchleben, ist für uns als humanitäre Hilfsorganisation ein Muss. Dass unsere deutschen Spenderinnen und Spender wieder zehntausende Lebensmittelpakete im Ramadan ermöglicht haben, bestärkt uns in unserem humanitären Auftrag.“

Angesichts der aktuellen Gewalt im Nahen Osten und weltweit sagt Pfaff: „Am heutigen Festtag sind unsere Gedanken vor allem bei den Menschen in Not, ob in Gaza, im Libanon und Sudan, sowie bei unseren Helfer-Teams weltweit, die Unglaubliches leisten. Wir wünschen allen Muslimen und Nicht-Muslimen gesegnete Festtage und ein Leben in Frieden und Sicherheit.“

Kriege, Klimawandel und Ungleichheit bedeuten, dass viele Menschen täglich um ihr Überleben kämpfen und Millionen von Familien hungern müssen. Die verteilten Lebensmittelpakete spenden Menschen in Not weltweit Trost, die sonst nicht genug zu essen hätten, um ihr Fasten zu brechen. Sie unterstützen vulnerable Gemeinschaften darin, etwas Kraft zu tanken.

Zehntausende Lebensmittelpakete von Bangladesch und Gaza bis Syrien und Sudan

In diesem Jahr wurden die ersten Lebensmittelpakete von Islamic Relief u.a. an Menschen in Afghanistan, Gaza, Jemen, Sudan und auch gezielt Rohingya-Gemeinschaften in Bangladesch verteilt. Schutzbedürftige Bevölkerungsgruppen wie Waisenkinder, alleinerziehende Mütter und alte Menschen sowie Menschen mit Behinderung stehen jedes Jahr im Fokus.

Erleichtert ist auch Nasima Akter, 36 Jahre alt, aus Shariatpur in Bangladesch, die mit ihren beiden Kindern und ihrer Mutter lebt. 

„Abgesehen von Reis, Linsen und gelegentlich etwas Gemüse können wir uns gar nicht vorstellen, etwas anderes zu essen. Und wenn jemand von uns plötzlich krank wird, bleibt uns nichts anderes übrig, als die umliegende Gemeinschaft um Hilfe zu bitten, da wir allein nicht zurechtkommen“, erzählt die alleinerziehende Mutter, die sich über die ersehnte Verschnaufpause zum Ramadan freut.

In diesem Jahr kann sie durch das Lebensmittelpaket etwas neue Kleidung zum Festtag kaufen, was ihnen sonst nicht möglich ist und ihren 6-jährigen Sohn Ibrahim besonders freut.

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Nasimas Kinder Ibrahim und Morium freuen sich über das Ramadanpaket und kichern beim Familien Portrait mit ihrer Oma. (Foto: Islamic Relief Deutschland)

Wie Nasima wurden in Bangladesch – darunter Cox’s Bazar, Barguna und Rangpur- in diesem Jahr tausende Menschen mit über 2.300 Lebensmittelpaketen unterstützt. 1,6 Millionen Kinder im Land leiden an akuter Unterernährung und 4,4 Mio. Menschen sind dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen.

169 Millionen Menschen weltweit leiden unter krisenhaftem Hunger

Laut der globalen IPC-Klassifizierung für Hunger leiden heute 169,1 Mio. Menschen weltweit an mindestens krisenhaftem Hunger (oder schlimmer). Mehr als 29 Mio. Menschen werden bereits unter Phase 4, Krise/Notfall, eingestuft. Im Sudan, Südsudan und Somalia, aber auch im Jemen, Afghanistan und Pakistan sind große Teile der Bevölkerung von Ernährungsunsicherheit und drohenden Hungersnöten betroffen.

So leiden in Afghanistan 17,4 Mio. Menschen an krisenhaftem Hunger und schlimmer. Auch in Pakistan stürzen die Nachwirkungen des Jahres 2025 – Überschwemmungen, Dürre und wirtschaftliche Belastungen – ganze 7,5 Millionen Menschen in akute Ernährungsunsicherheit.

In Somalia hat sich die Zahl der Menschen, die unter akuter Ernährungsunsicherheit leiden, seit dem letzten Jahr auf 6,5 Millionen verdoppelt; 1,8 Mio. Kinder unter fünf Jahren sind von akuter Unterernährung bedroht. Im Sudan verschlechtert sich die humanitäre Lage weiterhin, während 19,1 Mio. Menschen an krisenhaftem Hunger leiden.

Infolge der Massenflucht aus der Stadt El Fasher Ende Oktober 2025 und der anhaltenden Kampfhandlungen hat die akute Unterernährung in zwei Gebieten in Nord-Darfur die Schwelle zur Hungersnot überschritten.

Im Südsudan leiden 5,9 Mio. Menschen an akuter Ernährungsunsicherheit. Bis zum Juni 2026 werden über 2 Mio. Kinder im Alter von 6 Monaten bis 5 Jahre an akuter Unterernährung leiden und dringend Ernährungshilfe und medizinische Behandlung benötigen. Darüber hinaus werden über 1 Mio. schwangere und stillende Frauen im Südsudan unterernährt sein.

In Gaza sind rund 1,6 Mio. Menschen nach wie von einer Lebensmittelunsicherheit der Stufe „Krise“ (IPC-Phase 3) betroffen. Davon sind eine halbe Million Menschen in IPC-Phase 4, Notfall, gefangen.

Und im Libanon sind aktuell 850.000 Menschen von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen und die humanitäre Lage verschlechtert sich rasant. In den letzten zwei Wochen wurden im Libanon mehr als eine Million Menschen durch anhaltende Luftangriffe, Bodenoffensiven und Evakuierungsbefehle gewaltsam vertrieben.

Ramadan-Lebensmittelpakete als Lebensader und Moment der Erholung für Hunderttausende

Angesichts der dramatischen Zahlen und gleichzeitigen Budgetkürzungen für Hilfe durch die globale Staatengemeinschaft, stellen die jährlichen Lebensmittelpakete von Islamic Relief eine tatsächliche Lebensader und Verschnaufpause vom täglichen Überlebenskampf für hunderttausende Menschen weltweit dar.

Neben Lebensmittelpaketen, hat Islamic Relief in vielen Ländern notleidende, arme Familien mit Bargeldhilfen oder Gutscheinen versorgt, damit sie selbst Lebensmittel kaufen und die angeschlagenen lokalen Märkte unterstützen können. Auch organisierten Helferinnen und Helfer gemeinschaftliche Iftars, bei denen Familien gemeinsam ihr Fasten brechen konnten.

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Wenn Hoffnung still ist: Reflexionen aus dem Jemen

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Nada Abu Taleb hat als Medien- und Kommunikationskoordinatorin von Islamic Relief im Jemen das stille Leiden des Landes dokumentiert. Nun offenbart sie anlässlich des Welttags der humanitären Hilfe, was humanitäre […]

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Den Völkermord von Srebrenica überleben

srebrenica

Für die Opfer von Srebrenica und des Bosnienkrieges insgesamt: Die Hilfsorganisation Islamic Relief Deutschland steht bis heute an der Seite der Überlebenden.

Köln (Islamic Relief Deutschland/iz). 30 Jahre nach dem Völkermord von Srebrenica bedeuten 30 Jahre Aufarbeitung, Erinnern, Gedenken und Trauma für die bosnische Gesellschaft. Sie zeugen aber auch von der Hoffnung und Widerstandsfähigkeit traumatisierter Menschen, die einen Völkermord überlebt haben.

Über 700 Tonnen Hilfsgüter während des Krieges

Islamic Relief Deutschland und ihr internationales Hilfsnetzwerk haben während des Bosnienkrieges mehr als 700 Tonnen Hilfsgüter bereitgestellt und die Menschen darin unterstützt, ihre eigenen Lebensmittel anzubauen. Die 70-jährige Überlebende und Zeitzeugin Tima erinnert sich an das Grauen von Srebrenica, die Kriegsjahre und das Leben danach.

Heute gedenkt die internationale Gemeinschaft des Völkermordes von Srebrenica im Jahr 1995, bei dem mehr als 8.372 bosniakische Männer und Jungen getötet wurden – aber auch der mehr als 100.000 größtenteils bosniakischen Todesopfer, die in den Kriegsjahren von 1992 bis 1996 in ganz Bosnien getötet wurden.

Das Trauma hält bis heute an und ist generationenübergreifend. Die 70-jährige Überlebende Tima erzählt von der Flucht aus ihrer Heimatstadt Sebioèina mit ihren drei Kindern: „Ich musste mein Zuhause verlassen, weil sie das Haus in Brand setzten. Sie töteten, wen sie konnten. Wir sind nie zurückgekehrt. Diejenigen, die geblieben sind, wurden getötet.“

Timas Heimatstadt Sebioèina wurde 1992 von serbischen Truppen angegriffen, was sie und ihre Familie zur Flucht zwang. Drei Monate lang trug Tima ihre Kinder durch den Schnee, bis sie Srebrenica erreichte, wo sie zunächst im Wald leben musste. „In Srebrenica erinnere ich mich an den Klang der Granaten. Ich erinnere mich daran, wie anstrengend es war, das schwere Essen auf meinem Rücken zu tragen, während ich gleichzeitig meine Kinder trug.“

Sie erinnert sich auch an die schwedischen Hilfsorganisationen, die etwas humanitäre Hilfe brachten. Sie sagt: „Diejenigen, die humanitäre Hilfe erhielten, hatten eine Überlebenschance, aber diejenigen, die keine erhielten, hatten keine Chance. Ich hoffe, dass es hier nie wieder Krieg gibt.“

Alija, Timas Ehemann, und ihr Sohn wurden von den serbischen Truppen gefangen genommen. Er wurde auf tragische Weise in Kasaba, im Osten von Bosnien und Herzegowina, getötet; im Jahr 1995, wie das rote Kreuz später herausfand. Ihr Sohn Nedzad wurde zu einer Massenhinrichtungsstätte gebracht. Trotz der vier Schüssen auf ihn, überlebte er und kehrte schwerverletzt zu seiner Mutter nach Tuzla zurück.

Jetzt, 30 Jahre später, lebt Tima zeitweise bei Nezdad in Srebrenica. Und bis heute verfolgen sie die Kriegsjahre: „Wenn man einmal etwas extrem Beängstigendes erlebt hat, dann erschüttern einen danach selbst kleine Dinge. Ich würde meinen Sohn gerne aus Srebrenica wegbringen, aber was kann ich tun? Da Nedzad hier beschäftigt ist, müssen wir hierbleiben.“

Tima und ihre beiden damals noch kleinen Töchter erhielten später Unterstützung durch das Waisenpatenschaftsprogramm von Islamic Relief. Tima konnte einen kleinen Kredit aufnehmen, der ihr half, die Kinder in die Schule zu schicken. Sie sagt: „Ich bin Islamic Relief sehr dankbar, denn ich hätte nirgendwo anders einen Kredit bekommen. Ich möchte Ihnen und der Organisation, die die Patenschaft für meine beiden Mädchen übernommen hat, einfach nur sehr danken.“

Derzeit teilt sie ihre Zeit zwischen Tuzla und Srebrenica, wo Nedzad lebt, auf, doch die Rückkehr dorthin fällt ihr immer noch schwer. „Ich wollte nicht zurückkehren“, sagt sie.

Auch 30 Jahre nach dem Krieg und dem Völkermord von Srebrenica findet sie keine Worte, die auch nur annähernd das Leid ausdrücken, welches ihr wiederfahren ist. Täglich beweist sie ihren Mut und ihre Willenskraft aufs Neue, indem sie auch jetzt für ihre Kinder da ist.

Trauma

Das Trauma der jahrelangen Belagerung, des Völkermordes, der Hungersnot und der massenhaften Vergewaltigungen von schätzungsweise 50.000 Frauen hält bis heute an. Mehr als 104.000 größtenteils bosniakische und muslimische Menschen starben im Krieg, dessen Spuren die Gesellschaft bis heute durchziehen.

Zwischen dem 13. und 19. Juli 1995 wurden beim Genozid von Srebrenica mehr als 8.372 Bosniaken hingerichtet und unzählige Frauen vergewaltigt.

Als Hilfsorganisation hat Islamic Relief während des Bosnienkrieges Lebensmittel an die Flüchtenden und Überlebenden verteilt und unterstützte sie in den schweren Folgejahren dabei, ihr Leben wiederaufzubauen.

Um die Menschen auch danach zu unterstützen, setzte Islamic Relief in den 30 Jahren seit dem Krieg zahlreiche Projekte um, die Frauen und Kinder in ihrer Resilienz durch psychosoziale Betreuung stärken, aber auch Familien dabei unterstützen, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Waisenpatenschaften halfen den vielen Witwen und Waisenkindern dabei, Zugang zu Bildung zu erhalten und Mikrokredite zu nehmen, um sich eine kleine Existenz aufzubauen.

30 Jahre humanitäre Hilfe in Bosnien für eine Zukunft voller Hoffnung 

Der Bosnienkrieg ist eng mit der Gründung Islamic Relief Deutschlands verbunden, denn noch vor der offiziellen Gründung 1996 sammelten deutsche Helferinnen und Helfer erstmalig Geld für die Opfer und Überlebenden des Bosnienkrieges und des Völkermordes von Srebrenica.

Mittlerweile leistet die Kölner Hilfsorganisation seit 30 Jahren humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit in dem Land, das den Krieg und andere Katastrophen erlebt hat.

Die Hilfsorganisation hat während des Krieges in Bosnien Soforthilfe geleistet und unterstützt bis heute schutzbedürftige Gemeinden vor Ort – ob durch die jährliche Winterhilfe, saisonalen Ramadan- und Kurban Lebensmittelverteilungen oder Patenschaften für Waisenkinder.

Heute noch steht das internationale Islamic Relief Hilfsnetzwerk den Überlebenden des Völkermordes, insbesondere Witwen und Waisenkindern zur Seite, mit bis zu 1400 laufenden Waisenpatenschaften.

Islamic Relief als globales Netzwerk ist seit 1992 in Bosnien und Herzegowina tätig. Mit dem Kriegsende halfen lokale Teams den Überlebenden beim Wiederaufbau ihrer Häuser und bei der Bewältigung ihres Traumas; halfen den Kindern, wieder zur Schule zu gehen, und bei der Gründung von Bauernhöfe und kleinen Unternehmen.

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Antikriegstag: Solidarität mit den Kindern in Kriegs- und Krisengebieten

kinder krieg

Zum Auftakt der Aktion „Speisen für Waisen“ rief Islamic Relief Deutschland heute vor dem Brandenburger Tor zu Solidarität mit den Kindern in Kriegs- und Krisengebieten auf. Mit einer 50 m langen gedeckten Tafel wurde symbolisch der vielen Millionen Kinder gedacht, die täglich vom Tod bedroht sind.  

Berlin (IRD). Deutschlands größte ehrenamtliche Aktion von Muslimen und Nichtmuslimen „Speisen für Waisen“ setzte heute am Antikriegstag ein Zeichen gegen das Vergessen und für Frieden. Weltweit leben über 468 Millionen Kinder in Konfliktgebieten. Sie sind oft schwer traumatisiert, haben Angst vor den geringsten Geräuschen und wissen nicht, ob sie eine Zukunft haben.

Ein Zeichen für Kinder im Krieg

Denn täglich kämpfen sie ums Überleben, darum, nicht getötet zu werden oder zu verhungern. Unzählige Kinder werden in Konfliktgebieten zu Waisenkindern. 

Eine symbolisch gedeckte Tafel vor dem Brandenburger Tor machte diese Kinder sichtbar und rief zum gemeinsamen Engagement für die Ärmsten dieser Welt auf. Mehrere hundert Menschen folgten diesem Aufruf und bekundeten ihre Solidarität mit den Waisenkindern.

„Kinder haben im Krieg alles verloren: ihre Familienangehörigen, aber auch die Zuversicht, dass das Leben eine Zukunft für sie bereithält. Diese Kinder wurden ihrer Kindheit beraubt“ berichtet Nora Shamroukh, Kampagnenkoordinatorin von „Speisen für Waisen“, die mit syrischen Kindern vor Ort gesprochen hat.

Fotos: Islamic Relief Deutschland

„Ihr Bildungsweg wurde abgeschnitten, es gibt keine Gesundheitsversorgung, die Familien haben kaum Möglichkeiten, sich wieder einen Lebensstandard zu erarbeiten, weil die Infrastruktur zerstört wurde. Auch wenn der Krieg vorbei ist: Die Unterstützung für diese Kinder muss unbedingt weitergehen!“ appelliert Nora Shamroukh.

Was ist Speisen für Waisen?

Islamic Relief Deutschland ruft Muslime und Nichtmuslime in ganz Deutschland auf, gemeinsam ein Essen mit Familie, Freunden oder Bekannten zu veranstalten und dabei Spenden zugunsten von Waisenkindern zu sammeln. 

Die Erlöse der diesjährigen Aktion kommen Waisenkindern im Krieg zugute, die dringend Hilfe benötigen. Allein in Syrien und Jemen haben Millionen von Kindern seit fast einem Jahrzehnt keine Kindheit mehr. In Gaza und im Sudan leiden sie an Hunger und sind täglich mit dem Tod konfrontiert. Islamic Relief Deutschland setzt sich seit über 25 Jahren für Menschen in Not ein.

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Islamic Relief Deutschland Jahresbericht 2021: Perspektiven schaffen für Menschen in Not

Köln (IRD). Das Jahr 2021 markierte für die Hilfsorganisation aus Köln 25 Jahre humanitäre Arbeit für und mit Menschen in Not. Islamic Relief Deutschland stellt im Rückblick besondere Nothilfe- und Entwicklungsprogramme vor und präsentiert den jährlichen Finanzbericht 2021. Die Spenden und Fördermittel erreichten im zweiten Pandemiejahr über 25 Millionen Euro, einen Höchstwert seit der Gründung des gemeinnützigen Vereins 1996.

„Die Zahlen aus unserem Jahresbericht 2021 bedeuten für uns nicht nur den Abschluss eines erfolgreichen Geschäftsjahres als Hilfsorganisation. Es bedeutet vielmehr, dass wir trotz der verheerenden Folgen globaler Ereignisse Menschen weltweit lebensrettende Unterstützung gewährleisten konnten. Durch unsere Projekte der Humanitären Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit haben wir allein im letzten Jahr hunderttausende Menschen erreicht. Ob im Einsatz gegen Hunger, für medizinische Versorgung oder gegen die Auswirkungen der Klimakrise: Wir streben stets nach Ganzheitlichkeit und Transparenz unserer Hilfe. Sei es in Afghanistan, in Deutschland oder im Jemen, wir stehen solidarisch mit den Menschen in ihrer Not“, sagt Tarek Abdelalem, Geschäftsführer von Islamic Relief Deutschland.

31 Nothilfemaßnahmen weltweit: Afghanistan, Deutschland, Jemen, Sudan und Syrien

Die Hilfsorganisation reagierte mit zahlreichen Projekten der Humanitären Hilfe auf Krisen wie Hunger, Dürren, militärische Konflikte und Überschwemmungen in der Welt. Der Fokus lag dabei auf Nothilfe für Ernährungssicherheit und den Gesundheitssektor, insbesondere für Menschen im Afghanistan, Bangladesch, Jemen, Sudan und Syrien, die von Hunger, Krieg und Vertreibung betroffen sind. Insgesamt 31 Projekte der Humanitären Hilfe wurden 2021 in 28 Ländern finanziert.

Ob in Afghanistan aufgrund von Nahrungsmangel durch Dürre und Konflikt, im Sudan, wo die Überschwemmungen große Teile des Landes verwüsteten oder in Syrien und im Jemen, wo bewaffnete Auseinandersetzungen und ihre Folgen Millionen von Menschen das Leben erschwerten, in vielen Regionen hat Islamic Relief Menschen in Form von Bedarfspaketen und Wiederaufbaumaßnahmen unterstützt.

Zusätzlich wurden diejenigen, die unter gewaltsamen politischen Konflikten und den Folgen leiden, wie äthiopische Geflüchtete im Sudan oder Menschen im Jemen, mit notwendigen und lebenserhaltenden Hilfs- und Sensibilisierungsmaßnahmen zur Bekämpfung von COVID-19 unterstützt.

Auch hierzulande wurde umgehend auf die Flutkatastrophe im Sommer 2021 in Nordrhein-Westfalen reagiert. Unmittelbar nach der Flutkatastrophe halfen Ehrenamtliche und Mitarbeitende von Islamic Relief Deutschland im Juli und August in Erftstadt und Stolberg bei den Aufräumarbeiten. Zeitgleich wurden Nothilfeprojekte für eine längerfristige Unterstützung initiiert.

„Wir dürfen eines nicht vergessen: Die Anzahl schutzbedürftiger Menschen, die von Hunger, militärischen Konflikten und Naturkatastrophen betroffen sind, hat sich nicht nur erhöht, ihre Lage hat sich weiterhin durch die Folgen der Pandemie verschlimmert. Die Folgen halten noch immer an“, erklärt Abdelalem zum weiterhin wachsenden Bedarf an humanitärer Hilfe weltweit.

Gegen den Hunger: Nahrungsmittelhilfe zu Ramadan und Kurban für eine Million Menschen

Angaben der „Deutschen Welthungerhilfe“ zufolge litten im Jahre 2021 bis zu 811 Millionen Menschen weltweit unter chronischem Hunger. Hierfür sind verschiedene Ursachen, wie anhaltende Dürre, Naturkatastrophen und nicht zuletzt vorherrschende bewaffnete Konflikte, verantwortlich. Im letzten Jahr erreichte Islamic Relief Deutschland dank großzügigen Spenden der deutschen Spenderinnen und Spender mehr als eine Million Menschen mit Lebensmitteln zu Ramadan und Kurban.

Mit den jährlichen Ramadan- und Kurban-Projekten leistet die Hilfsorganisation ihren Beitrag zur Linderung der Hungersnot in Krisen- und Katastrophengebieten, vor allem in Afrika und Asien. Denn zum Fastenmonat Ramadan und zum Kurbanfest werden jährlich Lebensmittelpakete und Kurban-Fleisch an Bedürftige verteilt. Im Fokus stehen hier insbesondere Witwen, Waisen, Geflüchtete oder Ältere. Denn für sie ist der Zugang zu ausreichender und ausgewogener Nahrung schwieriger zu gewährleisten. Vor allem Kinder leiden am stärksten unter der herrschenden Nahrungsmittelknappheit.

6,2 Millionen Euro für ganzheitliche Entwicklungsprojekte und 11.300 Waisenkinder

Das 1:1-Waisenpatenschafts-Programm unterstützte mit 4,9 Millionen Euro im Jahr 2021 insgesamt 11.354 Waisenkinder durch die Gewährleistung von Bildung und Nahrung in 27 Ländern. Mit über 1,3 Millionen Euro wurden zudem 16 Entwicklungsprojekte in den Bereichen Gesundheit, Wasser und Sanitär, Katastrophenvorsorge und psychosoziale Unterstützung sowie Bildung und Einkommenssicherung finanziert.

Im ländlichen Bangladesch haben 1.000 Frauen eine Chance erhalten, sich durch ganzheitliche Maßnahmen beruflich weiterzubilden und sich in 40 Selbsthilfegruppen zu organisieren, die auch nach der Projektlaufzeit weiterhin aktiv sind. Die Frauen, die sich als Familienoberhaupt um ihre Familien sorgen, konnten bereits nach einigen Monaten ihr Einkommen erhöhen und somit ihre Ernährungssicherheit sowie den Zugang zum Markt und zu grundlegenden Dienstleistungen gewährleisten. Ihre ökonomische Situation und ihre Möglichkeiten der gesellschaftlichen Teilhabe haben sich verbessert.

Das Ziel der Entwicklungszusammenarbeit von Islamic Relief ist immer eine Verbesserung der Lebenssituation der betroffenen Menschen in mehreren miteinander zusammenhängenden Bereichen wie Bildung, Gesundheit, Wasser und Sanitär, Einkommenssicherung und Katastrophenvorsorge. Indem die Hilfe einen integrativen Ansatz verfolgt, können häufig einige oder alle dieser Bereiche zugleich abgedeckt werden. Entsprechend dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ unterstützt dies Menschen darin, ihr Leben langfristig selbstbestimmt und eigenverantwortlich zu gestalten.

Inlandsaktivitäten: Über 5.000 Beratungsgespräche beim „Muslimische SeelsorgeTelefon“ und der Einsatz für Klimagerechtigkeit

In Deutschland führten die Ehrenamtlichen beim „Muslimische Seelsorge Telefon“ (MuTeS) 2021 knapp 5.556 Beratungsgespräche durch. Zudem nahm Islamic Relief Deutschland auch 2021 wieder an themenbezogenen Konferenzen und wichtigen Aktionen teil: Darunter die Teilnahme am Humanitarian Congress im Oktober mit dem Schwerpunkt „Aspiring towards global justice – a humanitarian imperative?“. Hierbei ging es um die Schnittpunkte zwischen humanitärer Hilfe und globaler Gerechtigkeit.

In Berlin und Köln war die Hilfsorganisation mit ehrenamtlichen Unterstützerinnen und Unterstützern am 24. September 2021 beim Klimastreik dabei. Islamic Relief Deutschland rief zusammen mit der Klima-Allianz Deutschland und vielen anderen Organisationen der Zivilgesellschaft zum Handeln auf, um die Klimakrise einzudämmen. Mit der Forderung „Klimagerechtigkeit jetzt!“ wiesen sie auf die spürbaren Folgen der Klimakrise hin und plädierten für mehr Handeln der Politik.  Auch beteiligt sich die Hilfsorganisation seit 2018 an der Seenotrettung im Mittelmeer von SOS MEDITERRANEE Deutschland (seit 2022 SOS Humanity), die 2021 in die dritte Phase ging.

Besonderer Dank gilt den Helferinnen und Helfern vor Ort

„Wir sind dankbar für die gelungene Umsetzung unserer humanitären Hilfe und Entwicklungsprojekte im letzten Jahr. Wir bedanken uns bei unseren Spenderinnen, Spendern und Gebern für ihr Vertrauen in uns. Besonders unseren Helferinnen und Helfern vor Ort möchten wir großen Dank aussprechen, denn nur durch sie kommt unsere Hilfe an. Nur mit ihnen können wir so viele Menschenleben schützen, trotz aller Herausforderungen und Gefahren, denen sie ausgesetzt sind. Gemeinsam machen wir 2022 weiter“, sagt der Geschäftsführer von Islamic Relief Deutschland.

Das gesamte Islamic Relief-Netzwerk unterstützte 11 Millionen Menschen in 36 Ländern im Jahr 2021 durch vielfältige Nothilfe- und Entwicklungsprogramme. Im Jemen und Nordsyrien, wo bereits Gesundheits- und Ernährungsprojekte durchgeführt wurden, stärkte Islamic Relief die Kapazität von Gesundheitseinrichtungen. Mehr als eine Million Menschen in Syrien wurden hierdurch erreicht und Hunderttausende im Jemen erhielten eine monatliche Lebensmittelversorgung.

Mehr Infos zum Jahresbericht 2021 von Islamic Relief Deutschland: https://www.islamicrelief.de/transparenz/jahresbericht/

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Pakistan: Islamic Relief plant massive Aufstockung der Hilfe

Die humanitäre Hilfsorganisation verdoppelt ihren ursprünglichen Einsatz von 17,3 Millionen US-Dollar für die Flutkatastrophe auf 34,6 Millionen US-Dollar für die Unterstützung von 500.000 Menschen.

Köln (Islamic Relief). Islamic Relief stockt ihre Hilfe in Pakistan erheblich auf, um die langfristige Unterstützung für eine halbe Million Menschen sicherzustellen, die von den verheerenden Auswirkungen der beispiellosen Überschwemmungen auf die Infrastruktur, die Ernährungssicherheit und die Lebensgrundlagen betroffen sind – eine Situation, die der Geschäftsführer der internationalen Hilfsorganisation als die größte Katastrophe in der Geschichte des Landes bezeichnet.

Islamic Relief hat bisher 7,5 Millionen US-Dollar umgesetzt, um lebensrettende Soforthilfe für die von Überschwemmungen betroffenen Menschen zu leisten, aber das Ausmaß der Krise bedeutet, dass noch viel mehr benötigt wird. Die Hilfsorganisation strebt nun eine Aufstockung ihrer Mittel auf 34,6 Millionen US-Dollar an, um den Wiederaufbau der Gemeinden zu unterstützen und 500.000 Menschen in Belutschistan, Khyber Pakhtunkhwa, Sindh und Punjab weiter zu helfen.

Bislang hat Islamic Relief mehr als 52.000 Menschen mit Soforthilfe wie Nahrungsmitteln, Zelten, Trinkwasser, Hygienekits und Bargeld unterstützt. Von Islamic Relief geschulte Rettungsteams haben außerdem mehr als 1.000 Menschen aus dem steigenden Wasser evakuiert und gerettet.

„Als Industrienation mit hohem C02-Ausstoß kommt uns eine besondere Verantwortung für die menschengemachte Klimakatastrophe in Pakistan zu. Millionen Menschen haben alles verloren – ihr Erspartes, ihr zu Hause, ihre Arbeit und vieles mehr. Sie durchleben ein Trauma. Als Privatperson kann ich jetzt spenden und Leben retten. Als Hilfsorganisation sind wir bereits seit Tag eins vor Ort und unterstützen die Menschen, damit sie überleben. Internationale Hilfe ist nötig, heute wie in den kommenden Monaten und Jahren“, appelliert Tarek Abdelalem, Geschäftsführer von Islamic Relief Deutschland.

In Planung: Nachhaltiger Wiederaufbau der Infrastruktur und der Lebensgrundlagen

Der neue und erweiterte Einsatzplan der Hilfsorganisation für das nächste Jahr sieht vor, dass die Menschen vor weiterem Schaden bewahrt werden und durch den Wiederaufbau der Infrastruktur und der Lebensgrundlagen in Würde leben können. Das Team von Islamic Relief Pakistan wird eng mit der nationalen und lokalen Regierung zusammenarbeiten, um folgende Maßnahmen sicherzustellen:

• Wiederaufbau von beschädigten Häusern und Infrastrukturen. Mehr als 1,6 Millionen Häuser wurden zerstört oder beschädigt, und die jüngsten Bewertungen von Islamic Relief ergaben, dass drei Viertel der Menschen in den betroffenen Gebieten keinen Zugang zu sauberem Wasser haben. Die Teams vor Ort planen den Bau neuer hochwassersicherer Unterkünfte für Familien und die Wiederherstellung von Wasserversorgungssystemen und sanitären Anlagen.

• Wiederherstellung der Lebensgrundlage von Bauern und Viehzüchtern. Mehr als 3,6 Millionen Hektar Ernten und Obstplantagen wurden durch die Überschwemmungen zerstört und mehr als 800.000 Tiere wurden getötet. Islamic Relief wird die Menschen unterstützen, die ihre gesamte Lebensgrundlage verloren haben – durch die Wiederbelebung der Landwirtschaft durch die Verteilung von Saatgut und organischem Dünger im Vorfeld der bevorstehenden Pflanzsaison. Auch die Unterstützung von Viehhirten durch die Wiederaufstockung des Tierbestands und die Sicherstellung, dass das überlebende Vieh durch Impfungen, Entwurmung und die Bereitstellung von Futter gesund bleibt, ist in Planung.

• Versorgung der Menschen mit Bargeld, da viele Menschen ihre einzige Einkommensquelle und ihre gesamten Ersparnisse verloren haben. Islamic Relief wird den Menschen Bargeldzuschüsse bereitstellen, damit sie das Nötigste kaufen und die lokalen Märkte unterstützen können. Außerdem werden Menschen vor Ort im Rahmen von zukünftigen Cash-for-Work-Projekten beschäftigt, um Trümmer zu beseitigen und beschädigte Straßen und Infrastruktur zu reparieren.

• Sicherheit für schutzbedürftige Menschen. Da so viele Menschen obdachlos sind und in einfachen Notunterkünften und Lagern leben, besteht ein erhöhtes Risiko von Gewalt und Missbrauch. Islamic Relief wird ihre Bemühungen zur Verhinderung geschlechtsspezifischer Gewalt verstärken, indem sie sichere Räume für Frauen sowie Kinder einrichtet und Überweisungswege einrichtet, damit gefährdete Menschen in den Lagern Zugang zu Präventions- und -Reaktionsdiensten haben. Es sollen Toiletten und Waschanlagen gebaut werden, die sicher und geschlechtsspezifisch sind.

• Bewältigung der psychologischen Auswirkungen der Überschwemmungen. Millionen von Menschen haben in den letzten Wochen unglaublich traumatische Erlebnisse hinter sich gebracht. Islamic Relief wird gefährdeten Menschen Beratung und psychosoziale Unterstützung bieten.

• Fokus auf besonders schutzbedürftigen Bevölkerungsgruppen, durch die Bereitstellung von Lebensmittelpaketen und Ernährungshilfen für schwangere und stillende Frauen sowie durch die Sicherstellung von Leistungen für Menschen mit Behinderungen.

Waseem Ahmad, Geschäftsführer von Islamic Relief Worldwide, ist gerade aus Pakistan zurückgekehrt, wo er betroffene Gemeinden in Khyber Pakhtunkhwa besucht hat und mit hochrangigen Beamten, darunter Premierminister Shehbaz Sharif, zusammentraf. Er berichtet:

„Dies ist die größte Katastrophe in der Geschichte Pakistans und die Auswirkungen werden noch jahrelang zu spüren sein. Die Lebensgrundlagen ganzer Gemeinden wurden vollständig vernichtet und viele Familien haben alles verloren, was sie besaßen. Islamic Relief ist seit vielen Jahren in Pakistan tätig, und wir werden noch viele weitere Jahre vor Ort sein, um den Gemeinden in ihrer Not beizustehen.

Dies ist eine Klimakatastrophe, bei der schmelzende Gletscher und noch nie dagewesene Monsunregen zusammenkommen, um Gemeinden zu verwüsten wie nie zuvor. Neben der Deckung der unmittelbaren Bedürfnisse der Menschen ist es von entscheidender Bedeutung, dass Organisationen wie Islamic Relief den langfristigen Wiederaufbau unterstützen und sich für Klimagerechtigkeit einsetzen, bis die Staaten mit den größten Umweltsünden ihre Emissionen reduzieren, die solch zerstörerische Auswirkungen auf gefährdete Nationen wie Pakistan haben, deren CO2-Fußabdruck relativ bescheiden ist.

Dank der besonderen Großzügigkeit unserer Unterstützerinnen und Unterstützer auf der ganzen Welt haben wir bereits dafür gesorgt, dass Zehntausende von Menschen lebensnotwendige Nahrungsmittel, Wasser und Unterkünfte erhalten. Wir sind entschlossen, dafür zu sorgen, dass die Unterstützung, die die Menschen brauchen, nicht mit unserer Nothilfe aufhört, sondern mit dem Wiederaufbau der Infrastruktur und der Lebensgrundlagen fortgesetzt wird, um eine bessere Zukunft zu schaffen.“

Waseem Ahmad, Geschäftsführer Islamic Relief Worldwide
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Wenn der Klimawandel alles nimmt: Islamic Relief ruft zu Hilfe für Pakistan auf

Mehr internationale Hilfe ist dringend erforderlich, um auf Pakistans schlimmste Überschwemmungen zu reagieren, bei denen ein Drittel des gesamten Landes jetzt unter Wasser steht. Islamic Relief appelliert an die internationale Staatengemeinschaft, ihre Nothilfe-Reaktion zu verstärken, um Menschen zu helfen, die an vorderster Front unter dem globalen Klimawandel leiden.

Köln (IRD). Nach den schlimmsten Überschwemmungen seit Menschengedenken in Pakistan, bei denen ein Drittel des gesamten Landes unter Wasser steht, wird dringend mehr internationale Hilfe benötigt.

Mehr als 33 Millionen Menschen – jede/r siebte/r Pakistaner/in – sind inzwischen von den Überschwemmungen betroffen, und in einigen Gebieten gibt es fast das Achtfache der normalen Niederschläge. Es wird erwartet, dass sich die Situation in den kommenden Tagen verschlimmern wird, mit weiteren Überschwemmungen, Ausbrüchen von durch Wasser übertragenen Krankheiten und Lebensmitteln, die auf den lokalen Märkten zur Neige gehen.

Pakistan produziert weniger als 1 Prozent des weltweiten Kohlenstoff-Fußabdrucks, aber die Menschen im Land leiden am meisten unter den Folgen

Waseem Ahmad, Geschäftsführer von Islamic Relief Worldwide, ist heute vor Ort in der Provinz Khyber Pakhtunkhwa im Nordwesten Pakistans, um lebensrettende Hilfsgüter wie Lebensmittel und Unterkünfte bereitzustellen. Er berichtet von der Lage:

„Die Menschen hier sind die Hauptleidtragenden des globalen Klimawandels. Pakistan produziert weniger als ein Prozent des weltweiten Kohlenstoff-Fußabdrucks, aber seine Menschen leiden unter den größten Folgen. Dies sind die schlimmsten Überschwemmungen, die Pakistan je erlebt hat, und das Ausmaß der Verwüstung ist unvorstellbar.

Ich habe gesehen, wie ganze Dörfer weggeschwemmt und überflutet wurden. Ich sah kilometerweit nichts als Wasser, wo noch vor wenigen Tagen ganze Gemeinden und Häuser standen. Ich habe so viele Familien getroffen, die nur wenige Minuten vor dem Eintreffen der Fluten um ihr Leben geflohen sind und alles verloren haben, was sie besaßen – ihre Häuser sind zerstört, ihr Vieh ist verendet und ihre Ernten sind vernichtet. Sie wissen nicht, wie sie sich und ihre Kinder ernähren sollen.

Tausende von Familien stehen am Rande der Hauptstraßen, da dies der höchstgelegene Ort ist, den sie finden können, und wo sie hoffen, dass sie Hilfe bekommen können. Es bricht mir das Herz, wenn ich sehe, wie so viele Menschen aus ein paar Bettlaken und Planen-Fetzen Notunterkünfte errichten und ohne Nahrung und Wasser festsitzen.

Trotz der enormen Schäden an der Infrastruktur, wie z. B. an Straßen und Brücken, kommen die ersten Hilfslieferungen an, doch viele Menschen sind weiterhin von der Außenwelt abgeschnitten. Islamic Relief verteilt lebensrettende Hilfsgüter wie Lebensmittel, Zelte, Bargeld und Hygienekits. Aber es wird noch viel mehr Unterstützung benötigt.

Nothilfe ist dringend notwendig, um Leben und Lebensgrundlagen zu retten. Aber wir brauchen auch echte globale Maßnahmen gegen den Klimanotstand. Diese Katastrophen werden immer häufiger und schwerwiegender – Länder wie Bangladesch und Südafrika haben in diesem Jahr die schlimmsten Überschwemmungen seit Jahrzehnten erlebt, während am Horn von Afrika gerade eine noch nie dagewesene Dürre herrscht. Es ist an der Zeit, dass die Welt aufwacht und etwas gegen den Klimawandel unternimmt.“

Durch die Überschwemmungen sind bisher mindestens 1136 Menschen in Pakistan ums Leben gekommen, und es wird erwartet, dass die Zahl der Opfer weiter steigt. Da 2 Millionen Hektar Ernten vernichtet und 800.000 Tiere getötet wurden, gehen auf vielen Märkten die Lebensmittel aus, und viele Familien stehen vor dem Nichts. Es wird erwartet, dass sich die wirtschaftlichen Verluste des Landes auf Milliarden von Dollar belaufen.

Islamic Relief hat einen weltweiten Spendenaufruf für die Nothilfe gestartet und will mehr als 200.000 von den Überschwemmungen betroffene Menschen unterstützen. Die Hilfsorganisation ist in den Provinzen Sindh, Belutschistan und Khyber Pakhtunkhwa (KPK) im Einsatz und hat bisher mehr als 20.000 Menschen mit Zelten, Lebensmitteln, Bargeld, Hygienesets und anderen lebenswichtigen Hilfsgütern erreicht.

Laut Islamic Relief Deutschland wurden 2,6 Millionen Menschen in Not erreicht

islamic relief

Köln (IRD). Islamic Relief Deutschland feiert dieses Jahr 25-jähriges Jubiläum als humanitäre Hilfsorganisation. Im Jahresbericht 2020 stellt der Kölner Verein in einem Rückblick besondere Nothilfe und Entwicklungsprogramme vor und präsentierte den jährlichen Finanzbericht. Die Spenden und Fördermittel erreichten im Pandemiejahr über 23 Millionen Euro, einen neuen Höchstwert seit der Gründung des gemeinnützigen Vereins 1996.

„Der Jahresbericht 2020 bedeutet für uns mehr als ein erfolgreiches Geschäftsjahr als Hilfsorganisation. Es markiert für uns fast 25 Jahre humanitäre Arbeit für und mit Menschen in Not, auf die wir sehr stolz sind. Durch unsere Projekte der Nothilfe und Entwicklungszusammenarbeit, haben wir allein im letzten Jahr über 2,6 Millionen Menschen erreicht. Ob im Einsatz gegen Hunger, für medizinische Versorgung oder gegen die Auswirkungen der Klimakrise: Wir streben stets nach Ganzheitlichkeit und Transparenz unserer Hilfe. Sei es in Afghanistan, im Jemen oder hier in Deutschland, wir stehen solidarisch an der Seite schutzbedürftiger Menschen“, erklärte Tarek Abdelalem, Geschäftsführer von Islamic Relief Deutschland.

29 Nothilfemaßnahmen für Menschen in Not: Jemen, Südsudan, Syrien

Die Lage schutzbedürftiger Menschen, die von Hunger, Krieg und Naturkatastrophen betroffen sind, wurde durch COVID-19 und den damit verhängten Maßnahmen weltweit verschlimmert. Islamic Relief Deutschland gab 2020 knapp 2,3 Millionen Euro für Nothilfeprojekte aus und reagierte auf Krisen wie Hunger, Dürren und Überschwemmungen in der Welt. Der Fokus lag auf Nothilfe für den Gesundheitssektor, insbesondere für Menschen im Jemen und Syrien, die von Krieg und Vertreibung betroffen sind.

Maßnahmen zur Bekämpfung von COVID-19 und zur Sensibilisierung für das Virus standen zudem in Äthiopien, Gaza und Südsudan im Fokus. Schutzbedürftige Menschen in Bosnien und im Südsudan oder syrische Geflüchtete in Jordanien erhielten Hygieneartikel. In Albanien und im Gaza-Streifen unterstützte Islamic Relief Familien mit Lebensmitteln. Durch gezielte Winterhilfe konnten Menschen in Afghanistan, Jordanien, Myanmar und im Libanon vor der Kälte des Winters geschützt werden.

5,7 Millionen Euro für ganzheitliche Entwicklungsprojekte und Waisenkinder

Das 1:1-Waisenpatenschafts-Programm unterstützte mit 4,3 Millionen Euro im Jahr 2020 insgesamt 9988 Waisenkinder durch Bildung und Nahrung in 28 Ländern. Mit über 1,4 Millionen Euro wurden zudem 21 Entwicklungsprojekte in den Bereichen Gesundheit, Wasser und Sanitär, Katastrophenvorsorge und psychosoziale Unterstützung sowie Bildung und Einkommenssicherung umgesetzt. In Pakistan ging das Projekt zur Förderung von Straßenkindern in die zweite Phase. Und in Mali und Südafrika setzte sich Islamic Relief Deutschland für den Schutz und die soziale und wirtschaftliche Förderung von Frauen ein.

In Koulikoro in Mali arbeitete Islamic Relief mit 40 Glaubens-und Gemeindeführenden zusammen, um sie für Kinder- und Frauenrechte zu sensibilisieren. Hierbei stand besonders das Wissen um die Gefahren weiblicher Genitalverstümmelung/-beschneidung (FGM/C) im Vordergrund. Mehr als 370 Mädchen konnten dadurch vor der grausamen und gesundheitsgefährdenden Praxis bewahrt werden. Und über 600 Kinder wurden vor Kinderarbeit und Zwangsehe geschützt.

Inlandsaktivitäten 2020: Das „Muslimische SeelsorgeTelefon“ und Aktivitäten

In Deutschland führten die Ehrenamtlichen beim „Muslimische Seelsorge Telefon“ (MuTeS) 2020 knapp 5.880 Beratungsgespräche durch. Zudem nahm Islamic Relief Deutschland auch 2020 wieder an themenbezogenen Konferenzen und wichtigen Aktionen teil: Darunter Demonstrationen für Klimagerechtigkeit, dem Regional Strategy Meeting MENA in Istanbul von Islamic Relief Worldwide und einer Fachtagung zur Katastrophenvorsorge 2020, die vom Deutschen Roten Kreuz organisiert und von Auswärtigen Amt gefördert wurde.

Spendenkampagnen zu Ramadan und Kurban: Fast 1 Million Menschen erreicht

Zum islamischen Fastenmonat Ramadan erreichte die Lebensmittelhilfe von Islamic Relief Deutschland mehr als 175.000 Menschen in 31 Ländern. Mehr als 815.000 Menschen in 29 Ländern wurden durch Spenden zu Kurban mit Fleisch versorgt. Mit den umgesetzten Spenden wurden zu beiden Kampagnen also über 990.000 Menschen, knapp 1 Million, mit Lebensmitteln versorgt. Zudem freuten sich insgesamt mehr als 19.000 Kinder und Jugendliche an den Festtagen über ein Festtagsgeschenk.

„Wir sind dankbar für die erfolgreiche Umsetzung unserer humanitären Hilfe und Entwicklungsprojekte trotz der COVID-19 Pandemie. Wir danken unseren Spenderinnen und Spendern und Gebern für ihr Vertrauen in uns. Auch unseren Helferinnen und Helfern vor Ort möchten wir großen Dank aussprechen. Nur durch sie kommt unsere Hilfe an, nur mit ihnen können wir Menschenleben schützen, trotz aller Herausforderungen. Gemeinsam machen wir weiter“, betonte Nuri Köseli, stellvertretender Geschäftsführer von Islamic Relief Deutschland.

Das gesamte Islamic Relief-Netzwerk unterstützte 13 Millionen Menschen in 39 Ländern im Jahr 2020 durch vielfältige Nothilfe- und Entwicklungsprogramme. Als Reaktion auf den Ausbruch der Pandemie und um den Auswirkungen des Virus auf besonders gefährdete Länder zu mildern, beschloss das weltweite Islamic Relief-Netzwerk zudem sofortige Nothilfemaßnahmen in Höhe von 10 Millionen US-Dollar. Im Jemen und Nordsyrien, wo bereits Gesundheits- und Ernährungsprojekte durchgeführt wurden, stärkte Islamic Relief die Kapazität von Gesundheitseinrichtungen. 3,6 Millionen Menschen im Jemen erhielten lebenswichtige Unterstützung und insgesamt 364 lebensverändernde Projekte wurden weltweit gemeinsam umgesetzt.

Mehr Informationen zum Jahresbericht 2020 von Islamic Relief Deutschland unter: https://www.islamicrelief.de/transparenz/jahresbericht/