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30 Jahre Islamic Relief: „Das Spendenverhalten hat sich stark verändert“

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30 Jahre Islamic Relief: Hintergrundgespräch mit Michael Pfaff, Geschäftsführer der Hilfsorganisation über Aus- und Einblicke der humanitären Arbeit.

(iz). Islamic Relief Deutschland wird in diesem Jahr 30 und Geschäftsführer Michael Pfaff erklärt im Interview, wie aus islamisch motivierter Solidarität eine professionelle, zertifizierte Hilfsorganisation wurde, die weltweit und zunehmend auch in Deutschland Menschen in akuter Not unterstützt.

Er spricht über die Gründung vor dem Hintergrund des Bosnienkriegs, den Kernauftrag, Zakat- und Sadaqa-Spenden transparent einzusetzen, aktuelle Schwerpunkte in Gaza, Sudan und „vergessenen Krisen“ sowie den Wandel des Spendenverhaltens durch Digitalisierung.

Zudem erläutert Pfaff, wie Islamic Relief mit Inlandsprogrammen, kultursensiblen Projekten und der Förderung muslimischer Zivilgesellschaft Verantwortung in Deutschland übernimmt und Selbstwirksamkeit als zentrale Botschaft an junge Menschen vermittelt.

Srebrenica

Foto: Jeroen Akkermans, via flickr | Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0

„Wir wollten nicht tatenlos bleiben“

Islamische Zeitung: Islamic Relief Deutschland wird in diesem Jahr 30 Jahre alt: Was war damals der konkrete Anlass für die Gründung – und welche Lücke wollten Sie im Hilfssektor schließen?

Michael Pfaff: Der konkrete Anlass für die Gründung Islamic Relief Deutschlands war die Betroffenheit der muslimischen Gemeinde in Deutschland über die katastrophalen humanitären Auswirkungen des Bosnienkriegs und die Hungersnot auf dem afrikanischen Kontinent.

Wir wollten nicht tatenlos bleiben und unserer Verantwortung gerecht werden. So wurde Islamic Relief Deutschland im Jahre 1996 gegründet. 

Es gab vor 30 Jahren noch keine Hilfsorganisation in muslimischer Trägerschaft, die in der Lage war, nach den internationalen Standards der humanitären Hilfe tätig zu sein und zugleich den Anforderungen für religiöse Zwecke, wie z.B. Zakat zu genügen.

Wir fanden mit Islamic Relief Worldwide einen Partner, der bereits 12 Jahre zuvor begonnen hatte und bereits ein Globales Netzwerk aufgebaut hatte.

Wir wollten den Musliminnen und Muslimen, die ihre religiösen Spenden, wie Zakat und Sadaqa, eine transparente, verlässliche und professionelle Plattform bieten, und die Spenden an internationale Hilfsstrukturen anbinden.

Es ging nicht darum, einen parallelen Hilfssektor zu schaffen, sondern eine bis dahin unterrepräsentierte gesellschaftliche Gruppe als Spenderinnen, Spender und aktive Akteure in die professionelle humanitäre Hilfe einbeziehen.

„Jeder Mensch besitzt die gleiche Würde“

Islamische Zeitung: Wie würden Sie den ursprünglichen Auftrag von Islamic Relief Deutschland beschreiben, und welche Grundprinzipien sind seit 30 Jahren unverändert geblieben?

Michael Pfaff: Auftrag war und ist, Menschen in akuter Not schnell und wirksam zu helfen und zugleich islamisch motivierte Solidarität in professionelle humanitäre Arbeit zu übersetzen. Menschen in Deutschland sollten eine verlässliche Möglichkeit erhalten, Verantwortung zu übernehmen und mit ihren Spenden sowohl Nothilfe als auch langfristige Unterstützung zu ermöglichen.

Unverändert geblieben ist unser Verständnis von Menschlichkeit und unsere religiöse Motivation. Jeder Mensch besitzt die gleiche Würde. Deshalb helfen wir nach dem Maß der Not – unabhängig von Religion, Herkunft, Geschlecht oder kulturellem Hintergrund. 

Der islamische Glaube ist für uns eine Quelle von Barmherzigkeit, sozialer Gerechtigkeit und Verantwortung, aber kein Kriterium dafür, wer Unterstützung erhält. Ebenso wichtig geblieben ist ein verantwortungsvoller Umgang mit Spenden, Transparenz und eine partnerschaftliche, würdige Zusammenarbeit mit den betroffenen Menschen. 

Weiterentwickelt haben sich vor allem unsere Reichweite, unsere fachlichen Strukturen und die Qualitätssicherung. Heute arbeiten wir in mehr Ländern, orientieren uns stärker an internationalen Standards und sind in deutschen, europäischen und internationalen Netzwerken und Verbänden verankert.

Auch Nachhaltigkeit und der enge Zusammenhang zwischen Umweltkatastrophen, Klimafolgen und humanitären Krisen spielen inzwischen eine deutlich größere Rolle in unserer Arbeit.

Der Kernauftrag ist jedoch derselbe geblieben: Leid zu lindern, Menschen zu stärken und Solidarität in verlässliche Hilfe zu verwandeln.

Takaaya Sudan

Menschen im Sudan kochen in jahrhundertealter Tradition solidarisch für ihre Mitmenschen, in sogenannten Takaaya, Gemeinschaftsküchen. (Foto: Islamic Relief Deutschland)

„Ein besonderer Schwerpunkt liegt derzeit auf der Unterstützung der vom Krieg im Sudan und im Gazastreifen betroffenen Bevölkerung“

Islamische Zeitung: In welchen Regionen und Themenfeldern liegen aktuell die Schwerpunkte Ihrer Projekte, und welche Entwicklungen beobachten Sie dabei besonders aufmerksam (z.B. Konflikte, Klima, Armut)?

Michael Pfaff: Unsere Projekte konzentrieren sich derzeit vor allem auf den Nahen Osten, den Sahel, Ostafrika und Südasien. In diesen Regionen leisten wir schwerpunktmäßig humanitäre Hilfe für Menschen, die von Konflikten, Vertreibung, Hunger und akuten Krisen betroffen sind.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt derzeit auf der Unterstützung der vom Krieg im Sudan und im Gazastreifen betroffenen Bevölkerung. Gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen unterstützen wir unter anderem die Versorgung mit Nahrungsmitteln, sauberem Wasser, medizinischer Hilfe sowie Maßnahmen zum Schutz besonders vulnerabler Bevölkerungsgruppen.

Mit großer Aufmerksamkeit beobachten wir die zunehmende Verflechtung verschiedener Krisen. Anhaltende und neue bewaffnete Konflikte verschärfen humanitäre Notlagen und führen zu weiteren Flucht- und Vertreibungsbewegungen. 

Gleichzeitig verstärken die Folgen des Klimawandels – etwa Dürren, Überschwemmungen und unregelmäßige Niederschläge – den Druck auf die Lebensgrundlagen vieler Menschen, insbesondere in Ostafrika.

Hinzu kommen steigende Armut, wirtschaftliche Instabilität und hohe Lebensmittelpreise, die den Zugang zu grundlegender Versorgung erschweren. Die betroffenen Gemeinschaften haben immer weniger Möglichkeiten, sich von einer Krise zu erholen.

Diese Entwicklungen machen deutlich, dass humanitäre Hilfe und langfristige Entwicklungszusammenarbeit eng zusammengedacht werden müssen. Unser Ziel ist es daher, nicht nur akute Not zu lindern, sondern Menschen auch dabei zu unterstützen, ihre Resilienz gegenüber zukünftigen Krisen zu stärken.

Wir verfolgen ebenso mit großer Sorge, dass sich die internationalen Rahmenbedingungen für humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit zunehmend verschärfen. Bewaffnete Konflikte nehmen zu, die Folgen des Klimawandels verschärfen bestehende Krisen, und Finanzierungslücken im humanitären System erschweren es, den wachsenden Bedarf zu decken. 

Gleichzeitig geraten zivilgesellschaftliche Organisationen in vielen Ländern zunehmend unter Druck. Diese Entwicklungen zeigen, wie wichtig eine verlässliche internationale Zusammenarbeit ist – sowohl, um akute Not zu lindern, als auch, um Menschen langfristig dabei zu unterstützen, Krisen besser zu bewältigen und ihre Widerstandsfähigkeit zu stärken.

Die Aufmerksamkeitsökonomie bestimmt auch das Verhalten von SpenderInnen

Islamische Zeitung: Bei den zweckgebundenen Spenden sind Hilfsorganisationen an die Entscheidungen der Spender und Spenderinnen gebunden. Gibt es Fälle, wo sich die Aktiven von IRD ein größeres Interesse in eher unterbelichtete Gebiete wünschen würde?

Michael Pfaff: Ein Grundproblem Humanitärer Hilfe ist, dass Spenden sehr oft davon abhängig sind, welche Aufmerksamkeit bestimmte Themen in der Öffentlichkeit erhalten, also ob die Politik bestimmte Themen aufgreift, Medien über Krisen berichten oder sich einzelne Menschen für eine Region einsetzen.

Zahlreiche Krisen dauern jedoch an und geraten aus dem Blickfeld. Daher ist es eine wichtige Aufgabe von Islamic Relief auf sogenannte „vergessene Krisen“ aufmerksam zu machen und Sprecher derjenigen zu sein, die in Deutschland keine Stimme haben, keine „Lobby“ die sich für sie einsetzt.

Das weltweit größte Flüchtlingslager ist in Bangladesch und die dorthin geflohenen Rohingya bedürfen nach wie vor der Unterstützung. Der Krieg im Yemen dauert an, vom Kongo hört man fast nichts mehr in den Medien.

Wir wenden daher einen Teil unserer Spenden (ca.1,5%) dafür auf, Anwalt der betroffenen Menschen zu sein und auf Konflikte aufmerksam zu machen.

Foto: Shutterstock/Monkey Business Images

„Digitalisierung hat die Kanäle revolutioniert“

Islamische Zeitung: Wie haben sich Spendenverhalten und -kanäle in den letzten Jahren verändert – etwa durch Digitalisierung, Kampagnen oder Krisen wie die Inflation?

Michael Pfaff: Das Spendenverhalten hat sich in den letzten Jahren sehr stark verändert, was vor allem an folgenden Faktoren liegt:

1. Die Digitalisierung hat die Kanäle revolutioniert. Statt klassischen Überweisungen spenden Menschen heute mobil und intuitiv – per Smartphone oder mit zwei Klicks über Webseite und Spendenplattformen.

Spendenaktionen sind dank Crowdfunding-Plattformen und Social-Media-Kampagnen demokratischer geworden. Jeder kann heute im Grunde per Knopfdruck eine eigene Spendenkampagne starten und im Bekanntenkreis teilen.

2. Der Trend geht zu Transparenz und Spontaneität. Spender wollen heute ganz genau wissen, wo ihr Geld ankommt. Das klassische, langfristige Abo-Modell verliert an Attraktivität.

Stattdessen spenden Menschen lieber anlassbezogen, projektbasiert und emotional getrieben – oft direkt ausgelöst durch Krisen oder Naturkatastrophen, die sie live auf Social Media mitverfolgen.

3. Auswirkungen wirtschaftlicher Effekte. Steigende Energiepreise und sinkendes Wirtschaftswachstum machen sich selbstverständlich auch bei der Spendenbereitschaft bemerkbar.

Im generellen Spendenmarkt wird derzeit eine sinkende Anzahl von Spendenden noch dadurch kompensiert, dass einzelne Spender mehr spenden.

„Die Muslimische Community hat sich in den letzten 30 Jahren sehr positiv entwickelt“

Islamische Zeitung: Welche Erfahrungen machen Sie mit Spendenbereitschaft, zivilgesellschaftlichem Engagement und Professionalität bei Muslimen? 

Michael Pfaff: Die Muslimische Community hat sich in den letzten 30 Jahren sehr positiv entwickelt. Sie ist jünger, besser ausgebildet und wirtschaftlich stärker als bei Gründung von Islamic Relief. Immer mehr Musliminnen und Muslime haben keinen sogenannten Migrationshintergrund und noch viel mehr sind in Deutschland geboren und bestens integriert.

Islamic Relief gehört inzwischen zu den Hilfsorganisationen in Deutschland mit den höchsten privaten Spendeneinnahmen. Der Erfolg von Islamic Relief ist ein Beleg für den Erfolg der muslimischen Community.

Für Muslime ist Spenden nicht nur freiwillige Wohltätigkeit, sondern auch religiöse Pflicht. Die Spendenbereitschaft und die Bereitschaft sich ehrenamtlich zu engagieren ist unter religiösen Muslimen daher größer als im „deutschen“ Durchschnitt.

„Engagement in Deutschland ist nicht neu“

Islamische Zeitung: Lieber Herr Pfaff, Islamic Relief hat sich entschieden, zukünftig auch in Deutschland aktiv zu werden. Welche Projekte sind bei Ihnen geplant und wie suchen Sie diese aus?

Michael Pfaff: Unser Engagement in Deutschland ist nicht neu. Seit 2016 haben wir uns in der Flüchtlingshilfe und nach der Flutkatastrophe vor fünf Jahren im Ahrtal eingesetzt, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Jetzt wollen wir unseren Einsatz in Deutschland systematischer ausbauen, denn die wirtschaftliche und soziale Situation in unserem Land bringt uns dazu, genauer hinzuschauen, welche Notlagen es bei uns gibt. Wir wollen der Gesellschaft, aus der unsere Spenderinnen und Spender kommen, mehr zurückgeben.

Um uns noch stärker für unsere eigene Gesellschaft zu engagieren, haben wir unser Engagement für Projekte in Deutschland daher deutlich ausgebaut. 

In der Vergangenheit gingen meist unter 0,5% unserer Spenden an Projekte in Deutschland. Dieses Jahr werden es ca. 2,5% sein, im kommenden Jahr sind rund 5% geplant.

Wir haben uns entschlossen, im ersten Schritt ein Förderprogramm aufzulegen, in dem wir uns mit existenziellen Themen beschäftigen.

Zu unserem 30-jährigen Jubiläum fördern wir daher 30 Projekte mit einer Summe von bis zu 30.000 Euro pro Projekt.

Wir fördern hierbei gemeinnützige Vereine kultursensible, soziale Ehrenamtsprojekte in den Bereichen Seniorenhilfe, Obdachlosenhilfe und Hospizarbeit aufzubauen. Wir wollen dort unterstützen, wo staatliche Hilfen fehlen und daher mehr ehrenamtliches Engagement gefragt ist. Dabei geht es uns insbesondere um den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Solidarität vor Ort und in der Nachbarschaft.

„‘Selbstwirksamkeit’ ist eine wichtige Botschaft“

Islamische Zeitung: Welche Rolle kann eine Organisation wie Islamic Relief Deutschland in der Stärkung muslimischer Zivilgesellschaft spielen?

Michael Pfaff: Islamic Relief ist in den 30 Jahren seiner Geschichte beeindruckend gewachsen. Wir bieten inzwischen rund 90 Mitarbeitenden Beschäftigung auf allen Ebenen. Mitarbeitende, Ehrenamtliche und Spender repräsentieren die ganze Vielfalt der muslimischen Community.

Wir sind eine der wenigen Hilfsorganisationen in muslimischer Trägerschaft, die international nach dem CHS (Core Humanitarian Standard) der UN arbeitet und zertifiziert ist. Auch in Deutschland erfüllen wir höchste Anforderungen an Transparenz und Wirtschaftlichkeit.

Wir sind eine deutsche Hilfsorganisation, die fest etabliert ist, selbst Verantwortung übernimmt und eine Plattform für zivilgesellschaftliches Engagement bietet.

Bei uns kann man erfahren, wie sehr jeder Einzelne durch Spenden, ehrenamtliches Engagement oder eine berufliche Tätigkeit bei uns, einen Unterschied machen kann.

„Selbstwirksamkeit“ ist eine wichtige Botschaft, die wir vor allem jungen Menschen vermitteln wollen. Zu wissen, dass das eigene Handeln etwas bewirken kann, ist eines der Fundamente unserer demokratischen Gesellschaft.

Wir wollen vermitteln, dass jeder einzelne wichtig ist und jeder einen Unterschied machen kann. Und wir zeigen täglich, dass auch der muslimische Teil unserer Zivilgesellschaft hierbei seinen eigenen Beitrag leistet.

Islamische Zeitung: Lieber Michael Pfaff, wir bedanken uns für das Gespräch.

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80 Jahre Arbeit: Unesco vor Herausforderungen

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Unesco – Herausforderungen nehmen zu, nicht ab. Seit 80 Jahren ist die UN-Organisation eine globale Stimme für Kultur und Bildung. (KNA). Der Kölner Dom, die Klosterinsel Reichenau und die Pyramiden […]

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40 Jahre muslimehelfen. Ein Aktiver berichtet

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muslimehelfen: Gemeinsam Gutes bewirken. Das ist nicht nur ein schöner Gedanke, sondern seit nunmehr 40 Jahren gelebte Realität. 

Hinter jeder guten Tat, jedem Hilfsprojekt und Spende stehen Menschen, die sich mit Herz und Verstand für Bedürftige einsetzen. Doch wer genau steckt dahinter und wie sind wir aufgebaut? Von Soufian El Khayara

Zunächst ist muslimehelfen ein eingetragener, gemeinnütziger Verein – ähnlich wie viele Moscheevereine. Das bedeutet: Ein unentgeltlich arbeitender Vorstand, der von den Mitgliedern regelmäßig gewählt wird, trifft die strategischen Entscheidungen, trägt die rechtliche Verantwortung und sorgt dafür, dass alle Spenden satzungsgemäß ausschließlich für gemeinwohlorientierte Zwecke verwendet werden. Unterstützt wird der Vorstandsvorsitzende dabei durch einen ehrenamtlichen Kassenwart.

Für die operative Arbeit sorgen derzeit 16 Mitarbeitende, die in drei Hauptbereiche gegliedert sind: Projekte, Spenden (inklusive Spenderservice) sowie Verwaltung. Die Projektabteilung koordiniert Hilfsprojekte und steht im engen Austausch mit unseren Partnern vor Ort. Das Fundraisingteam informiert über die Arbeit und motiviert SpenderInnen, uns weiterhin zu unterstützen. Dazu gehören Grafikerinnen, die sämtliche multimedialen Inhalte gestalten. Die Verwaltung sichert alle buchhalterischen, organisatorischen und personalrechtlichen Abläufe ab.

Besonders stolz sind wir auf den hohen Frauenanteil: 13 von 17 Mitarbeitenden sind weiblich – das entspricht mehr als 75 %. Zwei der drei Abteilungen werden von ihnen geleitet.

Das Team ist so vielfältig wie unsere Spendergemeinschaft: Neben deutschen Muslimen arbeiten Menschen mit Wurzeln in der Türkei, Marokko, Tunesien, Algerien, Pakistan, Italien, Bulgarien und weiteren Ländern.

Manche sind in Deutschland geboren, andere als Erwachsene hierhergekommen. Diese kulturelle Vielfalt hilft uns, die Anliegen und Bedürfnisse der deutschsprachigen Muslime besser zu verstehen – und bringt sprachliche Fähigkeiten mit sich, die in unserer täglichen Arbeit von großem Nutzen sind.

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Foto: jcomp, freepik.com

So engagiert das Team ist – ohne internationale Partnerorganisationen wäre die Hilfsarbeit nicht umsetzbar. In den letzten vier Jahrzehnten haben wir unter anderem ein zuverlässiges Netzwerk in Afrika, Asien, Europa und dem Nahen Osten aufgebaut. Die Partner kennen die lokalen Gegebenheiten, wissen, wo Hilfe am dringendsten gebraucht wird, und sorgen dafür, dass unsere Projekte wirken.

Im vergangenen Jahr durften wir Spenden von rund 11.400 Unterstützern entgegennehmen, darunter etwa 2.690 regelmäßige Geber. Das ist ein großes Vertrauenszeichen – und ein starker Ansporn, noch besser zu werden. Auch online sind wir mit vielen von euch verbunden: 116.000 auf Facebook, über 3.000 auf Instagram, 1.700 auf X (ehemals Twitter) und rund 950 auf YouTube folgen uns und teilen unsere Vision: Barmherzigkeit, die ankommt.

Ich bin seit mehr als elf Jahren bei muslimehelfen, und die humanitäre Arbeit, die hier geleistet wird, ist für mich zu einem festen Bestandteil meines Lebens geworden. Die Aufgabenbereiche haben sich im Laufe der Zeit verändert, doch manches ist eine Konstante geblieben.

Ich habe miterlebt, wie aus ersten Planungen und guten Absichten konkrete Pläne entstanden sind, die tausende Kilometer entfernt bedürftige Menschen erreichen und dafür bin ich unendlich dankbar.

Durch die Berichterstattung über unsere Hilfsprojekte habe ich gelernt, dass jede Spende nicht nur eine Zahl auf einem Konto oder in einer Exceltabelle ist, sondern ein Zeichen von Hoffnung, das von Herzen kommt. (mh)

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Interkulturelle Woche feiert 50-jähriges Jubiläum

Interkulturelle

Längst wurde aus dem „Tag des ausländischen Mitbürgers“ die Interkulturelle Woche. Zu den Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen kam auch Staatsoberhaupt Steinmeier und fand lobende Worte. (KNA). Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat […]

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Buchmesse 2023 zwischen Besucheransturm und Zukunftsfragen

Buchmesse

Buchmesse: Wann schreibt Künstliche Intelligenz Bücher? Ersetzt Tiktok die Literaturkritik? Die Frankfurter Buchmesse feiert 75. Geburtstag – mit großen Fragen. Von Sandra Trauner

Frankfurt/Main (dpa). Nach dem Ende der Pandemie werden die Menschenmassen auf der Frankfurter Buchmesse zurückerwartet. Zwischen 18. bis 22. Oktober werde es „rappelvoll“, sagt Buchmessen-Direktor Juergen Boos.

Buchmesse-Tickets gefragt wie 2019

Die Ticketverkäufe liegen schon zwei Wochen vor dem Start über denen von 2019. Damals waren mehr als 300.000 Besucher nach Frankfurt gekommen. Inhaltlich hat die Messe dicke Bretter zu bohren – etwa Künstliche Intelligenz und die damit verbundenen Urheberrechtsfragen oder eine lautstarke junge Generation und ihre Kritik an alten weißen Büchermenschen.

Foto: Frankfurter Buchmesse, Domenic Driesen

Außerdem feiert die Buchmesse in diesem Jahr einen runden Geburtstag: Seit 75 Jahren treffen sich im Herbst Autoren, Verleger und Leser in Frankfurt.

Eigentlich ist das Event aber viel älter: Die Geschichte reicht zurück bis ins Mittelalter, das früheste Dokument stammt aus dem 15. Jahrhundert. Das Jubiläum bezieht sich daher nur auf die Nachkriegszeit, ist aber Grund genug zu feiern.

Aussteller steigen um 10 Prozent

Der Veranstaltungskatalog ist so dick wie lange nicht. Die Zahl der Aussteller hat erneut um zehn Prozent zugelegt. Im vergangenen Jahr waren es rund 4.000 aus knapp 100 Ländern gewesen. Besonders gewachsen ist das Agentenzentrum, wo die internationalen Rechte gehandelt werden.

„Die internationalen Gäste sind zurück“, sagt Boos. Indien und China seien so stark vertreten wie noch nie. Rechte Verlage – die in den vergangenen Jahren immer wieder Gegenstand erbitterter Debatten waren – bleiben laut Messe weitgehend fern.

„Die Branche braucht die Buchmesse als Kraftquelle und Inspiration“, sagte Boos bei der Vorschau-Pressekonferenz vor zwei Wochen. Sie braucht den Austausch aber auch, um Zukunftsfragen zu verhandeln.

Foto: Fotolia

Welche Rolle wird KI spielen?

Bei den Themen, die die Branche in diesem Jahr besonders umtreibt, steht KI (Künstliche Intelligenz) ganz oben. Stereotype Liebesromane könne eine Maschine genauso gut schreiben wie ein Mensch, sagt Boos. Schon heute würden dafür Schreibprogramme eingesetzt. „Früher war das Science Fiction, jetzt ist es wirklich da“, so Boss.

Problematischer findet Boos mögliche Folgen für Übersetzer. Bisher werde KI vor allem bei Sachtexten wie Gebrauchsanleitungen eingesetzt. Für Literaturübersetzungen glaubt Boos noch an die Überlegenheit des Menschen. „Die Maschine ist nicht originär. Sie guckt nach hinten, nimmt das, was da ist, stellt es vielleicht in einen neuen Zusammenhang, aber sie kann nichts Neues kreieren.“

Ungeklärt ist die „Grauzone“ im Urheberrecht. Wem gehören die Rechte an einem maschinell entstandenen Text? Und wie steht es um die Rechte an den Texten, auf die die KI zurückgegriffen hat? „Da haben wie ein Riesenthema – und da geht es um richtig viel Geld“, sagt Boos.

„Die alten weißen Männer und Frauen unserer Branche sind verunsichert“, sagt Boos. Sie fühlten sich herausgefordert von einer jungen, lauten Generation, die einen anderen Blick auf gesellschaftliche Themen hätte. In den Fachforen könnte viel gestritten werden, zum Beispiel über die Frage, ob Verlage sogenannte Sensitivity Reader brauchen, um kritische Stellen in Texten zu entschärfen.

Die Buchmesse sei der richtige Ort, um darüber zu verhandeln, sagt Boos. „Wir müssen voneinander lernen. Wir wollen miteinander ins Geschäft kommen.“

Foto: Rawpixel, Freepik.com

TikTok als neues Medium für die Branche

Daher bekommt ein Aussteller, der im vergangenen Jahr zum ersten Mal nach Frankfurt gekommen war, 2023 eine noch größere Bühne: das Videoportal Tiktok und seine „Booktok“-Community.

„Tiktok ist ein wichtiges Absatzinstrument für die gesamte Buchbranche geworden“, sagt Boos. Der Kanal ziele nicht nur auf die Leser, sondern biete sich der Buchbranche auch als Dienstleister an.

Um die erwarteten Massen zu lenken, hat die Buchmesse manches neu organisiert. Statt stundenlangem Anstehen an Ständen überall auf der Messe gibt es erstmals ein „Meet the Author“-Areal, in dem man vorab einen Termin buchen kann für Autogramme oder Selfies. Die Publikumsveranstaltungen in der Stadt („Bookfest“) finden erstmals ausschließlich in Buchhandlungen, Büchereien und Bibliotheken statt.

Neu ist auch ein spezielles Angebot für Familien unter dem Namen „Frankfurt Kids Festival“. Dafür müssen die Besucher auf eines der beliebtesten Formate verzichten: Das „Blaue Sofa“ von Bertelsmann, ZDF Deutschlandfunk und 3sat ist in diesem Jahr nicht auf der Messe.

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Islamic Relief feiert ein Vierteljahrhundert Unterstützung für Bedürftige

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(iz). Wer die muslimische Landschaft Kölns kennt, der ist schon häufiger an ihrem Verwaltungssitz in Nippes vorbeigefahren. Unzählige weitere Muslim:Innen im gesamten Bundesgebiet kennen ihre Informationsstände auf muslimischen Events vor […]

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Der Tag der Offenen Moschee feiert 2021 seinen 25. Geburtstag

(iz). Dieses Jahr wurde in Deutschland verschiedener Gedenk- und Jahrestage gedacht. Dazu gehörten zu Jahresanfang 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland, der 20. Jahrestag der verheerenden Anschläge vom 11. September 2001, 700 Jahre Dante Alighieri, 150 Jahre Deutsche Reichsgründung und viele andere historisch aufgeladene Daten.

Neueren Datums ist eine seit 25 Jahren am Tag der Deutschen Einheit stattfindende Tradition, die längst zu einer Institution der Bundesrepublik geworden ist: der Tag der Offenen Moschee (TOM). Unter Federführung des Koordinationsrates der Muslime (KRM) öffnen auch dieses Jahr wieder bundesweit mehr als 1.000 Moscheegemeinden ihre Türen.

Nach einem wegen der Pandemie mehr oder weniger virtuellen TOM vom letzten bieten sich jetzt wieder direkte Möglichkeiten der Begegnung in und um mehr als 1.000 Moscheegemeinden, die am 3. Oktober unter Organisation des KRM ihre Türen öffnen.

Angesichts eines Vierteljahrhunderts TOM findet das diesjährige Event unter dem Motto „25 Jahre TOM – Moscheen gestern und heute“ statt. Als Auftaktort wurde die Kölner Zentralmoschee im Stadtteil Ehrenfeld bestimmt. Neben Repräsentant:innen der im Koordinationsrat der Muslime in Deutschland befindlichen Organisationen werden auch viele Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus Politik, Medien und Gesellschaft geladen sein. Wenn Sie unsere aktuelle Ausgabe in Händen halten, dürfte für viele Leser:innen der TOM hinter uns liegen.

Längst findet diese Einladung an die Öffentlichkeit nicht mehr nur in Deutschland statt. Es hat auch über unsere Grenzen hinaus Schule gemacht. Seit 2007 veranstalten muslimische Dachorganisationen in der Schweiz einen vergleichbaren Tag. Seit 2011 findet in Frankreich der „Mosquée porte ouverte“ statt und seit 2015 organisiert der Muslim Council of Britain ein vergleichbares Event unter dem Titel „Visit my Mosque“. In Teilen der USA öffnen seit 2000 jährlich die Moscheen.

Dabei handelt es sich beim TOM nicht nur um einen bloßen Tag der offenen Tür. Viele Moscheegemeinden sind auch an anderen Tagen für Interessierte und Besucher:innengruppen zugänglich. Im Rahmen der KRM-Kampagne finden sie auch jeweils im Rahmen eines thematischen Schwerpunkts statt. Zu den Zielen des einheitlichen Mottos gehöre es erstens nach Angaben des KRM, einen zentralen Aspekt des Islam beziehungsweise des muslimischen Lebens aus dem Selbstverständnis heraus darzustellen. Zweitens gehe es darum, dieses Thema in den öffentlichen Fokus zu setzen. Damit gehöre der TOM zu den öffentlichkeitswirksamsten, aber bei weitem nicht einzigen Angeboten der Muslime in Deutschland für Nichtmuslime.

Link: http://tagderoffenenmoschee.de/

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Islamic Relief: 25 Jahre humanitäre Hilfe in Bildern

Köln (IRD). Islamic Relief Deutschland wird 25 Jahre alt. Mit der Online-Ausstellung „Faces of IRD“ zeigt die Hilfsorganisation 25 Projekte aus einem Vierteljahrhundert Nothilfe und Entwicklungszusammenarbeit.

Erdbeben in Japan und der Türkei, Kriege in Syrien und Bosnien, Hungersnöte am Horn von Afrika und im Jemen – die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der humanitären Hilfsorganisation Islamic Relief Deutschland leisteten bei zahlreichen Katastrophen weltweit Hilfe. Seit 25 Jahren engagiert sich die NGO in der Nothilfe und der Entwicklungszusammenarbeit. Zu ihrem Jubiläum präsentiert sie nun Einblicke aus den zurückliegenden zweieinhalb Jahrzehnten in einer Online-Ausstellung mit dem Titel „FACES OF IRD“. 

Mit der Ausstellung geht Islamic Relief Deutschland bis an ihre Anfänge – noch vor ihrer offiziellen Gründung zurück – als erstmalig Geld für die Opfer des Bosnienkriegs gesammelt wurde. Die Organisation präsentiert passend zum 25-jährigen Jubiläum Bildmaterial aus 25 Projekten, verteilt auf vier Kontinente und 18 Länder. Insgesamt verwirklichte die NGO bereits Projekte in über 40 Ländern weltweit.

„Realistische Einblicke in die Arbeit einer Hilfsorganisation“

Die Motivation hinter der Vernissage erklärt Tarek Abdelalem, Geschäftsführer von Islamic Relief Deutschland: „Unsere Ausstellung gibt einen realistischen Einblick in die Arbeit einer Hilfsorganisation. Dazu gehören extreme Situationen in Kriegen oder nach Umweltkatastrophen genauso wie hoffnungsvolle und fröhliche Momente.“

Wer die Ausstellungsseite besucht, erkennt schnell, wie vielseitig die Aufgaben der Hilfsorganisation sind. „Es war uns wichtig, die gesamte Bandbreite unserer Arbeit abzubilden“, sagt Nuri Köseli, stellvertretender Geschäftsführer von Islamic Relief Deutschland und führt beispielhaft an: „In Nepal erarbeiten wir mit den Gemeinden eine Katastrophenvorsorge. In Mali klären wir Glaubensführer auf, um veraltete Traditionen zu durchbrechen und die Rechte von Frauen und Mädchen zu stärken. In Asien, Europa und Afrika sind wir in Flüchtlingslagern aktiv und versorgen die Menschen mit Medikamenten und Nahrung.“ Bilder aus diesen und vielen weiteren Projekten finden Interessierte ab sofort unter: www.faces.islamicrelief.de.

Neben der Online-Ausstellung führt Islamic Relief Deutschland zu ihrem Jubiläum eine weite Aktion durch. Unter dem Motto „I’m a Reliefer“ stellt die NGO jede Woche eine Unterstützerin oder einen Unterstützer vor. Zu finden sind die Geschichten der „Reliefer“ auf der Website der Organisation sowie auf ihren Social-Media-Kanälen.

Über Islamic Relief Deutschland

Gegründet wurde Islamic Relief Deutschland 1996 in Köln, wo bis heute ihre Zentrale sitzt. Weitere Standorte befinden sich in Berlin und Essen. Als Mitglied des internationalen Islamic Relief-Netzwerkes agiert die Nichtregierungsorganisation weltweit in mehr als 40 Ländern und auf allen Kontinenten. Islamic Relief Deutschland leistet sowohl lebensrettende Nothilfe als auch langfristige Entwicklungszusammenarbeit. Dabei hält sich die NGO strikt an die Nachhaltigkeitsziele der UN (Sustainable Development Goals) und ist den Core Humanitarian Standards on Quality and Accountability (CHS) verpflichtet, einem weltweiten Qualitätsstandard für humanitäre Arbeit. 

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War es das wert?

(IMD) Vor fünf Jahren begann in Tunesien der arabische Aufstand. Heute wird allerorten die bange Frage gestellt, was vom damaligen „Frühling“ geblieben ist. Mit Ausnahme von Tunesien scheinen die Demokratisierungsbewegungen […]

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Berliner Muslime erinnerten an das Ende des Eisernen Vorhangs

(iz). Direkt am Schnittpunkt zwischen Ost und West im Berliner Stadtteil Gesundbrunnen lud der Deutschsprachige Muslimkreis zu einer Veranstaltung zum 25. Jahrestags des Mauerfalls ein. Eingeleitet durch die inspirierende und wunderbare Musik des Trios Vuslat berichteten Djamila Alkonavi und Muhammad Abdulrazzaque von ihren Erlebnissen mit der Berliner Mauer und ihrem Fall.

Djamila Alkonavi erzählte von ihrer Kindheit und Jugend in der damaligen DDR, wo sie – ein Jahr vor Beginn des Mauerbaus – zum Islam fand. Wenige Tage, nachdem das Ostberliner Regime die Barriere zu errichten begann, halfen ihr muslimische Studenten, in den Berliner Westteil zu gelangen. Alkonavi reflektierte auch über Folgen und Bedeutungen des Mauerfalls.

Er war damals ein junger indischer Student, berichtete Muhammad Abdulrazzaque, der seit Langem in der Berliner Community aktiv ist. Er war an dem Abend dabei, als die Trennung beider Teile Berlins ihr Ende fand. Abdulrazzaques Ausflug in dieser schicksalshaften Nacht, so seine lebendige und unterhaltsame Beschreibung, führte ihn durch DDR-Hauptstadt. „Niemand hätte gedacht, die Mauer fällt“, beschrieb er die damalige Stimmung. Gleichzeitig machte Muhammad Abdulrazzaque deutlich, dass der Wunsch nach Freiheit ein allgemeinmenschliches Verlangen sei.

Den informativen wie unterhaltsamen Abend des DMK im Ost-West-Café moderierte IZ-Chefredakteur Sulaiman Wilms. Im Folgenden dokumentieren wir seine Einführung in das Event:

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„Ich denke, es erübrigt sich heute Abend, die historischen Ereignisse des Mauerfalls nachzuerzählen. Viel interessanter erscheinen mir die möglichen Bedeutungen dieses Events.

Es gibt eine Anekdote des bekannten chinesischen Kommunisten Deng Xiao Ping. Er soll gefragt worden sein, was sich denn über die Französische Revolution sagen ließen. Seine Antwort war lapidar: «Zu früh.»

Mit dem Zitat im Hinterkopf enthalte ich mich hier einer definitiven Meinung über historischen Aspekte. Interessant aber ist doch, zu überlegen, welche überzeitlichen Lektionen sich aus dem Mauerfall von einer muslimischen Perspektive ableiten lassen.

Das Problem bei Titeln wie «Der Islam und …» oder «die Muslime und …» ist immer, dass trotz der Verbindung «und» immer aber auch eine Distanz vorausgesetzt wird. Gerade für Berlin lässt sich das gewiss nicht sagen; waren doch auch die Berliner Muslime vor Ort dabei und in Folge auch vom Mauerfall wie alle anderen betroffen.

Alles Erschaffene ist im Wandel begriffen und pendelt zwischen den verschiedenen Gegensatzpaaren. Nur Allah ist ewig, bleibend und mit sich selbst identisch. Alles andere bewegt sich in Zeit und Raum, die nach islamischer Lehre vergänglich sind.

Die Erinnerung an diesen Fakt ist ein wichtiger Eckstein des muslimischen Bewusstseins. In dieser Hinsicht ist das Bittgebet Aischas, der Gattin des Propheten (saws) für mich von Bedeutung: «Oh Allah, halte mich im Wandel.»

Uns Bundesbürgern galt die Berliner Mauer und die Deutsche Teilung in der Mehrheit als eine längst akzeptierte Gegebenheit. Im politischen und öffentlichen Mainstream gab es nur wenige, die überzeugt von einem Ende dieses Zustands ausgingen. Man hatte ihn akzeptiert, oder sich damit abgefunden. Für nicht wenige unter uns waren Teilung und Mauer gar ein notwendiges Element der Nachkriegsordnung.

Und sehr plötzlich öffnete sich die Mauer. Für uns Muslime muss das eine Erinnerung par excellence an das Schicksal sein. Es ist Allah, der die Dinge nach seinem Willen ordnet. Wir, die Generation junger Erwachsener, wachte am Morgen nach der Maueröffnung auf und die Welt war eine andere.

Es mag Ursachen geben, warum Mauer und Teilung nicht mehr haltbar waren. Trotzdem hätte kein Plan irgendeines Akteurs ein solches Ereignis hervorbringen können. Für Muslime ist das natürlich kein fatalistischer Gedanke, sondern vielmehr Ermutigung.

Und ein Anlass, das 25. Jubiläum des Falls der Berliner Mauer zu nutzen, uns an das Schicksal zu erinnern. Denn auch wir unterliegen in einer technisierten Welt oft dem Wahn permanenter Kontrolle.

Ich will aber nicht bei einer rückwärts blickenden Aussage enden.

Wir erliegen gelegentlich der Versuchung, uns in unzähligen Integrationsdebatten zu verzetteln. Schicksalshafte Ereignisse wie der Fall der Mauer deuten aber an, dass der oft bemühte «Verfassungspatriotismus» (Habermas) vielleicht nicht ausreichend Tiefe hat, um Muslime in diesen Ort zu verwurzeln.

Dieses Ereignis ist in meinen Augen daher eine passende Gelegenheit, über unsere Schicksal zu reflektieren. Mehr noch: zu fragen, was uns mit diesem Ort verbindet und welchen Beitrag unser Schöpfer, der Herr der Welten, von uns wünscht. Damit wir unserem Schicksal, der Zeit und dem Ort, an dem wir leben, gerecht werden können.“