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Eine Geschichte von Flucht und Vertreibung: Rohingya-Drama „Lost Land“ gewinnt Fritz-Gerlich-Preis 2026

rohingya drama flucht

Wie Kinder Flucht erleben – das erzählt das preisgekrönte Drama „Lost Land“ am Beispiel der Rohingya. Es ist der erste Kinofilm in der Sprache dieser verfolgten muslimischen Volksgruppe. 

(KNA). Verstecken und Fangen spielen Somira (9) und ihr Bruder Shafi (4) am liebsten. Das hat etwas Makabres, denn das ganze Dasein der Rohingya-Ethnie, zu der die Geschwister gehören, besteht genau daraus: sich zu verstecken und hoffen, nicht gefangen zu werden. Von Marius Nobach

Der japanische Regisseur Akio Fujimoto erzählt in seinem Drama „Lost Land“ von ihrem Schicksal. Wie viele Angehörige der verfolgten muslimischen Volksgruppe aus Myanmar leben die Kinder, ihr Großvater und eine Tante als Flüchtlinge in Bangladesch.

Die kleine Familie versucht mit anderen Mitgliedern der Gemeinschaft übers Meer nach Malaysia zu gelangen. Dort wohnen Verwandte. Doch die Reise ist gefährlich. Die Rohingya werden bedroht, misshandelt und bestohlen. Schließlich finden sich die Geschwister allein mitten im Dschungel wieder.

Fotos: Trigon Film

Beim 43. Filmfest München wurde „Lost Land“ am Mittwochabend mit dem Fritz-Gerlich-Preis 2026 ausgezeichnet. Kardinal Reinhard Marx übergab die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung. Der Preis wird von der katholischen Filmproduktionsfirma Tellux gestiftet und erinnert an den Publizisten Fritz Gerlich (1883-1934).

Der katholische Journalist hatte sich Anfang der 1930er-Jahre als Herausgeber der Wochenzeitung „Der gerade Weg“ entschieden gegen den Nationalsozialismus positioniert. Nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler wurde Gerlich Anfang 1933 verhaftet und in der Nacht vom 30. Juni auf den 1. Juli 1934 im Konzentrationslager Dachau ermordet.

Der nach ihm benannte Preis geht seit 2012 jedes Jahr an einen Film aus dem Programm des Filmfests München, der sich für mehr Menschlichkeit und gegen Diktatur, Intoleranz und Verfolgung einsetzt.

Die Jury würdigte Fujimoris Arbeit als „eine bemerkenswert sensible Inszenierung, die dokumentarische Authentizität mit eindringlicher Erzählkunst verbindet“. Der Regisseur erzähle von Flucht und Vertreibung, ohne in Klischees zu verfallen. Trotz der Hoffnungslosigkeit in vielen Momenten lasse „Lost Land“ auch Trost aufscheinen.

Beispiele von Hilfe und Anteilnahme machten deutlich, „wie leicht es wäre, das Schicksal der Menschen und damit unsere ganze Welt besser zu machen, indem wir uns der Not unserer Nächsten nicht verschließen“.

„Lost Land“ gilt als erster Kinofilm, der in der Sprache der Rohingya gedreht wurde. Der Regisseur zielt auf Authentizität durch den Einsatz von nichtprofessionellen Schauspielern und einer Kamera, die stets nah am Geschehen bleibt.

Fotos: Trigon Film

In unübersichtlichen Situationen taucht sie mitten ins Chaos hinein und versucht, mit den gehetzten Figuren mitzuhalten. Die Erzählung wird durch die Etappen der Flucht vorangetrieben, wobei der Film immer mehr die Perspektive der Kinder einnimmt.

Warum sie überhaupt fliehen müssen, begreifen sie in ihrem jungen Alter natürlich noch nicht. Doch wenn sie verängstigt wahrnehmen, dass die vermeintlichen Helfer eine neue Bedrohung sind, überträgt sich ihre Furcht unmittelbar auf den Zuschauer. Das gilt allerdings auch für den Mut, den die zwei zeigen, als sie ganz auf sich allein gestellt sind.

Die Szenen der engen geschwisterlichen Bindung holen die Emotion in den Film zurück, die man vorher beim rücksichtslosen Umgang mit den Rohingya schon für verloren hielt.

Fujimoto und seinen glaubhaften jungen Darstellern gelingt es, in dieser an sich verzweifelten Lage einen Kontrast in der Stimmung zu setzen: In ihrer Zweisamkeit finden die Kinder neue Kraft, sie richten sich auf und können sogar wieder spielen und lachen.

Das sind freilich nur Momente, denn „Lost Land“ erzählt kein Märchen, in dem alle Figuren am Ende glücklich am Ziel ihrer Träume ankommen.

Sein ernstes Anliegen behält der Film stets im Blick: Eindrücklich erinnert er daran, dass Hunderttausende Rohingya ihrer Heimat beraubt wurden und unter menschenunwürdigen Bedingungen leben müssen.

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Coexister oder „Weltfrieden im Kleinen“

Coexister Kurzmeldungen

Nahostkrieg, Flüchtlingskrise, Konflikte – der Verein Coexister geht dem nicht aus dem Weg, sondern macht das Miteinander zwischen Religionen und Weltanschauungen möglich. Und bekam dafür jetzt einen wichtigen Preis. (KNA). […]

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Ehrenamt: Das Berliner DMZ zeichnete aktive Musliminnen aus

dmz

Das Deutsche Muslimische Zentrum (DMZ Berlin e.V.) verlieh seinen jährlichen Ehrenamtspreis „Nisa“ am 28. November an drei ausgesuchte Musliminnen.

(iz). Die Preisträgerinnen hätten durch ihren Einsatz und ihres soziales Engagements „aktiv an der positiven Entwicklung und Verstärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und Fortschritts beigetragen“. Die feierliche Verleihung fand mit Gästen aus Politik, Gesellschaft und Religion im Gemeindesaal der Moabiter St. Johanniskirche statt.

Im Vorfeld der Auszeichnung waren Moscheen und muslimische Organisationen der Hauptstadt dazu aufgerufen, besonders engagierte Frauen ihrer Gemeinschaften vorzuschlagen. Fünf muslimische Jurorinnen mit eigener weitreichender Erfahrung im Ehrenamt wählten aus den Nominierten die ersten drei Plätze aus, die hier mit dotierten Preisen geehrt wurden.

Diese Preise wurden zum vierten Mal vom DMZ ausgelobt. Sein Vorsitzender, Yalcin Delikaya, betonte: „Ehrenamt ist elementar für eine starke Zivilgesellschaft und unverzichtbar wichtig für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland. Was mit ehrenamtlichem Engagement möglich ist und welche Kraft dahintersteckt, zeigen die hier ausgezeichneten Schwestern mit ihrer Vita und ihrem freiwilligen Einsatz. Jedes Engagement im Dienste der Gesellschaft verdient großen Dank und höchsten Respekt. Umso schöner ist es, wenn für jahrelange ehrenamtliche Tätigkeiten ein Abend organisiert und diese Personen auch gebührend gefeiert werden.“

Bereitschaft für soziales Engagement ist eine wichtige Triebfeder der Zivilgesellschaft. Dieser Gemeinsinn kann in einer offenen Gesellschaft nicht staatlich verordnet werden. Das Ehrenamt spielt eine zentrale Rolle in Deutschland und ist ein wesentlicher Bestandteil einer Bürgergesellschaft. Etwa 40 % der Deutschen ab 14 Jahren engagieren sich regelmäßig oder gelegentlich freiwillig. Dies zeigt, wie weit verbreitet und wichtig es in der Bundesrepublik ist.

Mitte 2020 führte die IZ ein Gespräch mit dem Karlsruher Islamwissenschaftler Dr. Jörg Imran Schröter, der zuvor eine Studie zum Engagement junger MuslimInnen angefertigt hatte. Ihm ging es um die Frage, inwiefern muslimische Religiosität mit einem positiven Engagement in der Gesellschaft zusammengehen und auch zusammenhängen kann. „Da war es eine Freude festzustellen, dass eine neue Generation junger Muslim*innen ‘am Start ist’, die überzeugt ihren Glauben leben, gebildet sind, aktiv an der Gesellschaft partizipieren und sich dabei auch sozial engagieren oder dies zumindest gerne möchten.“

Im Interview berichtete Maria Wassing-Shadfan über das DMZ, seine Aktivitäten und Hintergründe, warum das Zentrum ehrenamtliches Engagement auszeichnet. Das DMZ bzw. sein Vorläufer bestehen seit 1989. Seit Jahrzehnten hat sich der Verein es sich zur Aufgabe gemacht, eine Institution für Muslime aus verschiedenen Kulturkreisen und Ländern zu sein. Konvertiten und Menschen mit Migrationshintergrund hätten dort eine Heimat gefunden. Ein Schwerpunkt im DMZ sei nach Auskunft von Wassing-Shadfan die Bildung. Das andere seien das soziale Miteinander sowie ein positiver Wandel, wozu das Ehrenamt zähle.

In diesem Jahr habe man den Fokus auf Frauen für die Preisverleihung gelegt. Diese seien oft „im Hintergrund“ engagiert und nicht häufig sichtbar. Dabei verdecke diese Bescheidenheit ihr „ganz großes Potenzial“. Das Zentrum möchte diese Möglichkeiten sowohl dokumentieren als auch fördern. Frauen würden in Vereinen und Gemeinschaft „viel Basisarbeit“ leisten. Ohne ihre Leistung, so Maria Wassing-Shadfan, „wären die Vereine längst nicht da, wo sie sind“. Das DMZ möchte Frauen und ihr freiwilliges Engagement in den Fokus stellen, unterstützen, ihre Arbeit professionalisieren, beim Aufbau von Netzwerk helfen und sie in der Gesellschaft sichtbar machen.

In der Hauptstadt seien muslimischen Frauen insbesondere in der Kinder- und Jugendarbeit aktiv, haben Strukturen geschaffen und viele Mitglieder für dieses Engagement gefunden. Durch ihre Arbeit hätten sie eine Vorbildfunktion für die muslimische Community. Eine der ausgezeichneten Damen habe einen Verein gegründet, der sich unter anderem der Behindertenarbeit widmet.

Der weibliche Faktor beim muslimischen Ehrenamt in Deutschland ist längst nicht mehr wegzudenken. Bei den meisten öffentlichen Veranstaltungen, Kulturwochen oder anderen Events stellen Frauen häufig eine leichte Mehrheit bei Helferinnen und Besucherinnen. Wassing-Shadfan bestätigt diese Beobachtung: „Wir haben sehr viele engagierte Frauen und Mädchen.“ Gerade Mädchen brächten sich stark ein und zeigten großes Interesse am gesellschaftlichen Leben.

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Der hohe Preis des Extremismus

hizb extrem

Reflexionen über extremistische Politik, das nicht stattgefundene Ende der Geschichte und wie man seriöse Politik macht.

(Post Apathy). Radikale Politik endet in der Regel enttäuschend. Fast jede extreme Bewegung marschiert unter dem Banner von Blut und Eisen, um die Welt radikal nach ihren Vorstellungen umzugestalten, aber hinter dem Lärm kommen eher banale Lebensvisionen zum Vorschein. Von Ahmad Askary

Fast alle Bewegungen des letzten Jahrhunderts waren sich einig im Wunsch nach Wohlfahrtsstaaten, Hochgeschwindigkeitszügen (elektrisch), einem relativ technokratischen Regierungskabinett (oft unter einem ideologisch geprägten Staatsoberhaupt aus Gründen der Identitätsfindung), etc.

Welchen Preis bezahlt die Welt für den Extremismus?

Die Würde der Bezugsgruppe ist wichtig für sie. Ein Großteil der radikalen Politik läuft darauf hinaus, dass es um die Frage geht, warum „unsere“ Gruppe nicht über diese banalen Annehmlichkeiten verfügt. Unglücklicherweise führt der vermeintliche Charakter des Nullsummenspiels im Wettbewerb zwischen ihnen zu viel Blutvergießen und Chaos, obwohl ihre Visionen fast identisch sind.

Im Europa des 19. Jahrhunderts gab es zahlreiche nationalistische Bewegungen, die Revolutionen und eine nationale Homogenisierung (sprich: Völkermord) auslösten. Im 20. Jahrhundert griff diese Entwicklung auf den Rest der Welt über.

Heute, aus der Perspektive des 21. Jahrhunderts können wir rückblickend fragen: Hat es sich gelohnt? Nach all dem Blutvergießen und den Kämpfen, in denen Millionen Menschen getötet, ins Exil getrieben und unterdrückt wurden, sind viele der damals entstandenen Nationalstaaten kaum noch funktionsfähig.

Wo stehen die Iren heute nach all dem Leid und dem Kampf, den sie durchgemacht haben? Der irische Nationalismus scheint ihnen nicht wirklich gut zu tun. Sie haben sich den Engländern angenähert und sprechen Englisch statt Gälisch. Sie haben den Katholizismus aufgegeben und sind der EU beigetreten. Polen ist auf dem gleichen Weg (abgesehen von Englisch). Wo steht Bulgarien (und der größte Teil des Balkans)? Die Jugend ist nach Deutschland ausgewandert.

Foto: John Smith, Shutterstock

Das größte Argument gegen Nationalismus

Das größte Argument gegen Ideologien wie den Nationalismus ist, dass die Mehrheit nach all dem Blutvergießen und den Kämpfen ein normales Leben nach US-Vorbild mit Konsum und dem Prinzip „leben und leben lassen“ führen wollen.

Ein anderes Beispiel ist der muslimische Extremismus. Die meisten „Islamisten“ wollen vordergründig nur einen Staat mit religiöser Identität; im Wesentlichen wollen sie ein funktionierendes Parlament, ein technokratisches Kabinett unter einer Kalifatsfigur und dann moderne Annehmlichkeiten wie Hochgeschwindigkeitszüge, eine Art Wohlfahrtsstaat usw. Kurz gesagt, ein Nationalstaatsmodell, das nach Religion und nicht nach ethnischer Zugehörigkeit differenziert. Was kein großer Unterschied ist.

Die Taliban führten eine epische Reihe von Kriegen gegen die Russen, sich selbst und eine von den USA angeführte westliche Koalition, die sich über mehrere Generationen erstreckte. Sie siegten, als sich die US-Truppen im August 2021 aus Kabul zurückzogen. Nachdem sie in den Tälern und Bergen von Khorasan gegen die mechanisierten Armeen zweier Weltreiche gekämpft hatten, sitzen die Kämpfer in ihren Büros und müssen den Krieg mit E-Mails und Tabellenkalkulationen führen.

Foto: Gage Skidmore, Wikimedia Commons | CC BY-SA 3.0

Aufstieg der neuen Rechten

Wir haben in der westlichen Hemisphäre mit der Wahl von Donald Trump, dem Aufstieg der „Alt-Right“, esoterischen Blogosphäre-Bewegungen und anderen rechtsgerichteten Dissidenten-Szenen zwischen 2016 und 2020 einen Vorgeschmack auf radikale Politik bekommen. Nachdem wir einige Hauptakteure dieser Initiativen beobachten durften, scheint es, dass die Mehrheit der extremen Galionsfiguren heute ausgebrannt sind, gecancelt wurden oder ihren Dissidentenstatus als Mittel genutzt haben, um Junior-Mitglieder der Hierarchie des Status quo zu werden.

Die meisten Menschen, die sich als „Dissidenten“ im Status quo bezeichnen, sind entweder bloße Ästheten oder vorübergehend ins Abseits geratene Aspiranten auf einen Platz in der Elite. Die mit Prosa um sich werfenden Edgelords und die Manifeste schwingenden „Reformer“ sollte man meiden.

Es mag ein Klischee sein, zu sagen, dass Fukuyama Recht hatte. Aber es gibt (derzeit) nichts, was über das von ihm formulierte Ende der Geschichte hinausgeht. All das Blut und das Leid, das aus religiösen, ethnischen und nationalen Gründen vergossen wurde, strebt nach dem, das wir heute haben. Warum also überhaupt mit den Extremen befassen, wenn dies in der Regel durch die Systeme erreicht werden kann/wird, die von den Radikalen aufgrund ihres vermeintlichen Mangels an Vitalität abgelehnt werden?

Gibt es Alternativen?

Wir schimpfen über die Ungerechtigkeiten der liberalen Demokratie und ihrer modernen prozeduralistischen Form. Aber was ist die Alternative? Erstens: Wir haben größtenteils die gleichen Absichten. Zweitens: Hat irgendjemand wirklich ein besseres System zur Erreichung dieser Ziele geschaffen?

Es scheint, als stehen wir derzeit vor diesen Alternativen: eine kommunistische Technokratie mit chinesischen Merkmalen und eine kapitalistische Technokratie mit amerikanischen Merkmalen. Selbst dann unterscheidet sich China metaphysisch nicht von der westlichen Zivilisation. Es hat diese genommen und sie „besser“ gemacht.

Es ist noch zu früh, um zu sagen, wer in wem aufgehen wird. Auf jeden Fall unterschätzen die Radikalen die welthistorischen Kräfte, die notwendig sind, um eine dritte Option zu schaffen bei Weitem und sie überschätzen ihre eigene Fähigkeit, diese global historische Macht zu sein.

Extremismus wird immer Anhänger haben – aber der Preis dafür ist hoch. Radikale enden entweder als Kanonenfutter oder geraten in ernsthafte Schwierigkeiten, weil sie etwas Dummes und der Gesellschaft Abträgliches tun. Ihre Ideologien sind es nicht wert, sein Leben dafür zu opfern. Nur um es für eine Vision zu verlieren, die sich als so banal erweist wie alles, was wir heute schon haben.

Der einzige Vorteil, den man aus dem Surfen in radikalen politischen Diskursen zieht, ist, dass man ein tieferes Verständnis für Macht, Zivilisation und die menschliche Natur entwickelt. Es ist von Zeit zu Zeit nützlich, „aus der Box herauszutreten“, sich von dummen, untergeordneten ideologischen Schikanen zu lösen und -ismen für das Ist aufzugeben.

Man muss sich bemühen, einen eher aristotelischen Ansatz zu verfolgen: Denken in Grundprinzipien zu grundlegenden Fragen von Krieg und Frieden, Leben und Tod, Wohlstand und Armut, Freiheit und Sklaverei. Diese Fragen sind wichtig. Alles andere ist belanglos.

Wirtschaftsexperten warnen vor den Folgen eines Angriffes auf den Iran

Seit geraumer Zeit fordern Politiker, Journalisten und ­Westentaschenstrategen härtere US-Maßnahmen gegen den Iran, bis hin zum Krieg. In einer Studie über die Folgen sämtlicher, möglicher Szena­rien untersuchen Forscher die wirtschaft­lichen […]

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Dass sich die Publizistin Ayaan Hirsi Ali massiv im Ton vergreifen darf, bleibt merkwürdig unbeachtet. Ein Kommentar von Sulaiman Wilms

„Die Feier in der Springer-Akademie wirkte wie das Ritual einer verschworenen Gemeinde, die der ‘Freiheit’ und der ‘Verteidigung des Westens’ huldigt als wären dies Glaubensprinzipien einer obskuren Religion und Ayaan Hirsi Ali deren Hohepriesterin. Dass diese Freiheitsgemeinde aus der Tradition der Aufklärung, der zu folgen sie vorgibt und als deren Feind sie den Islam ausgemacht hat, längst ausgeschert ist, scheint sie nicht zu merken.“ (Cicero, 18. Mai 2012)

(iz). Der Skandal ist Teil des medialen Betriebs und seiner Aufmerksamkeitszyklen. Sich an ihm beteiligen zu wollen oder ihn gar zu betreiben, ist ungefähr so sinnvoll, wie zu glauben, man könne Einfluss auf die Gezeiten nehmen. Wie der mediale Skandal funktioniert, lässt sich am Streit um das „Gedicht“ von Günter Grass zu erkennen.

Genauso ärgerlich wie die Dramaturgie des Skandals ist es aber aber ebenso, wenn wirklich skandalträchtige Themen beziehungsweise Vorgänge nicht berichtet werden. In beiden Situationen muss die Frage gestellt werden, wer sie betreibt und wer von ihr profitiert.

Stellen wir uns den hypothetischen (und höchst unwahrscheinlichen) Fall einer öffentlichen Person vor, die von einem hochrangigen – und einflussreichen – Medienkonzern mit einem Preis ausgezeichnet würde. Bei seiner Rede würde unser hypothetischer Preisträger dann den real existierenden Terrorismus im Nahostkonflikt verstehend – und im Grunde wohlwollend – erklären und apologetisch in sein Weltbild einordnen. Danach würde die Rede der Person unter lautem Applaus von den anwesenden Gästen aufgenommen werden. Kein Widerstand regt sich. Wir können davon ausgehen, dass dies ausreichend Munition für einen handfesten Skandal wäre.

Wer glaubt, dies ist bloße Spinnerei, der irrt. Es ist einem Beitrag im „Cicero“ zu danken, der bisher als einziges deutsches Massenmedien auf einen solchen Vorgang aufmerksam machte. Anlässlich des 100. Geburtstags von Axel Springer, dem Gründer des gleichnamige Medienimperiums mit seinem Flaggschiff „Bild-Zeitung“, ehrte das Medienkonglomerat die niederländisch-somalische Aktivistin Ayaan Hirsi Ali mit einem „Ehrenpreis“.

Dass von ihr, die einmal im Dienst einer der neokonservativen Denkfabriken in den USA stand, sicherlich keine ausgewogenen oder differenzierenden Ansichten zu erwarten sind, ist klar. Aber selbst Beobachter, die so manches von ihr gewohnt sind, sollten sich von ihrer Dankesrede überraschen lassen.

Wie viele der handelsüblichen Verschwörungstheorien irrlichtet Ali über eine Koalition aus stillen Verbündeten, die die ungebremste Ausbreitung „des freiheitsbedohenden Islams in Europa“ (so „Cicero“) ermöglichen würden. Für sie seien diese Personen „advocates of silence (Anwälte des Schweigen)“. Soweit bewegte sie sich – noch – im islam-kritischen Milieu Europas, obwohl dies natürlich ein klassisch rechter Topos ist.

„Ausdrücklich macht Hirsi Ali sich in ihrem Vortrag die Argumentation des norwegischen Massenmörders Anders Breivik zu eigen, der im Juli vergangenen Jahres 77 Menschen, meist junge Mitglieder der norwegischen Sozialdemokraten, niedermetzelte, um gegen den Vormarsch des Islam in Europa zu protestieren“, setzte „Cicero“ seine Beschreibung des Events fort. Hirsi Ali habe sich direkt auf Breiviks Manifest bezogen. Breivik sage, „weil alle Möglichkeiten, seine Ansichten öffentlich kundzutun, zensiert worden seien, habe er keine andere Wahl gehabt als zur Gewalt zu greifen“.

„So reden rechtsradikale Verschwörungstheoretiker. Das ist der Gipfel, den Massenmord durch Breivik damit zu erklären, dass die islamische Gefahr in Europa von dunklen Mächten verschwiegen worden sei“, zitierte „Cicero“ mit dem Zentih-Chefredakteur Daniel Gerlach einen der wenigen Anwesenden, der diesen Vorgang bedenklich findet. Das Publikum, inklusive der „notorischen Warner vor der islamischen Gefahr“, hätten Ayaan Hirsi Ali anhaltenden Beifall geklatscht.

Auf Anfrage des Magazins relativierten sowohl der Springer-Verlag als auch Ayaan Hirsi Ali die Passage. Weder wollte sie Breivik entschuldigen, noch seine Tat rechtfertigen. Ihren Preis durfte Ayaan Hirsi Ali selbstverständlich behalten.

Business as usual also? Alles nur ein Missverständnis? Die „Islamkritik“ muss sich von ihren radikalen Elementen distanzieren, wie dies bereits viele Muslime mit „ihren“ Radikalen tun. Ansonsten bleibt der Eindruck zurück, man mache mit Extremisten und Mördern gemeinsame Sache.

Debatte: Petition gegen Ehrung von Necla Kelek ausgerufen

(iz) Die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung will im November den alljährlichen „Freiheitspreis“ an die türkischstämmige Soziologin Necla Kelek verleihen. Necla Kelek tritt seit Jahren als so genannte Islamkritikerin in Erscheinung und hat […]

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