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„Das wird Folgen haben“

„Die Ereignisse sind der Schaum der Dinge, wenn die Brecher über sie hinweggehen. Das Wichtigste ist das am wenigsten Sichtbare. Das Ereignis kommt hoch, erscheint, blendet, verblüfft – und verrauscht. Man muss sorgfältig darauf achten, woran es nichts ändert. Das muss näher betrachtet werden.“ Paul Valéry, franz. Dichter
(iz/dpa/MEMO). „Das ist mehr als ein Verbrechen, das ist ein Fehler.“ Dieses Zitat von Napoleons Minister Talleyrand passt im Rückblick zur Entscheidung von US-Präsident Trump, als das US-Militär am 3. Januar den berühmt-berüchtigten Divisionskommandeur der iranischen Revolutionsgarden (IRGC), Qasem Soleimani, per Drohnenangriff tötete. Bisher ist vollkommen unklar, welchen langfristigen Konsequenzen die, auch in den USA umstrittene Aktion haben wird. Immerhin hisste Teheran in Qom nicht nur eine symbolträchtige „Kriegsflagge“, sondern führte am 7. Januar einen ersten, eher symbolischen Angriff gegen ein US-Ziel im Irak durch.
Der Kommandeur der iranischen Al-Quds-Einheit (eine „Eliteeinheit“ der IRGC) war in der Nacht zum Freitag, den 3. Januar, bei einem US-Drohnenangriff nahe dem Bagdader Flughafen getötet worden. Nach Angaben irakischer Sicherheitskräfte trafen drei Raketen zwei Fahrzeuge. Insgesamt seien acht Menschen getötet worden. Darunter war zudem der Warlord Abu Mahdi al-Muhandis, ein enger Verbündeter des Irans und Schwiegersohn Soleimanis.
Die US-Regierung bezeichnete Soleimanis Tötung am 3. Januar als Akt der Selbstverteidigung und forderten Teheran zur „Deeskalation“ auf. Der Präsident schrieb auf Twitter, Soleimani sei für den Tod von „Tausenden Amerikanern“ verantwortlich und habe „viele weitere“ töten wollen. „Er war direkt und indirekt verantwortlich für den Tod von Millionen Menschen, inklusive der großen Zahl jüngst im Iran selbst getöteter Demonstranten.“ Das Pentagon erklärte, der Einsatz sei auf Anweisung von Präsident Trump erfolgt. Die Vereinigten Staaten wollten Frieden, Partnerschaft und Freundschaft mit anderen Ländern. Man wolle auch keinen Regimewechsel im Iran, tue aber alles, um Diplomaten, Soldaten und Bürger zu schützen. „Ich bin bereit und vorbereitet, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen – und das bezieht sich insbesondere auf den Iran“, meinte der US-Präsident.

Foto: Pete Souza, The White House, gemeinfrei

Bush und Obama hielten sich zurück
Die Vereinigten Staaten beäugten den einflussreichen Kommandeur, der an vielen Konflikten im Nahen Osten beteiligt war, seit Jahren mit scharfem Auge. Soleimani unterlag seit mehreren Jahren UN-Sanktionen, die Auslandsreisen für ihn eigentlich unmöglich machen sollten. Bisher bleibt es eher diffus, was den US-Präsidenten (der derzeit keinen vollen Mitarbeiterstab im Bereich Sicherheit und Außenpolitik hat) zu seiner Entscheidung veranlasste. Trump selbst führte als Begründung einen Angriff auf die US-Botschaft in Bagdad an, für den er den Iran verantwortlich machte.
Elissa Slotkin, Demokratische Abgeordnete im Repräsentantenhaus und ehemalige Expertin für schiitische Milizen, verwies auf Twitter am gleichen Tag des Angriffes darauf, dass sich die früheren Präsidenten Obama und Bush gegen eine gezielte Tötung von Qasem Soleimani entschieden hätten. „Wir sahen zu, wie seine Macht zunahm und er den Gruppen im Irak, Syrien, Libanon und im Jemen (…) und in der Welt die nötige Macht verlieh – mit verheerenden Folgen. Was Demokratische und Republikanische Präsidenten immer vom Angriff auf Soleimani selbst abhielt, war die einfache Frage: Ist ein Angriff die zu erwartende Vergeltung wert sowie die Gefahr, uns in langwierige Konflikte verwickeln zu lassen? Beide Regierungen, für die ich gearbeitet habe, kamen zum Schluss, dass das Ziel nicht die Mittel rechtfertigte. Die Trump-Regierung ist einer anderen Kalkulation gefolgt.“
Donald Trump dürfte die gleichen Informationen wie seine Amtsvorgänger erhalten haben. Seine Entscheidung könnte gerade deshalb über Jahrzehnte im Nahen Osten nachwirken. Marc Polymeropoulos, vor kurzem pensionierter, leitender CIA-Beamter, twitterte sein Erstaunen: „In den üblichen nationalen Sicherheitsprozeduren wird viel über solche Enthauptungsschläge nachgedacht. (…)“ Er frage sich, ob es dieses Mal analytische Einschätzungen gegeben habe und ob sie einen Einfluss auf Trump gehabt hätten.
Jonathan Stevenson, führender US-Analyst am International Institute for Strategic Studies, schrieb am 4. Januar in der „New York Times“, dass sich seit den Tagen von Bush und Obama die „fundamentalen Fakten vor Ort“ nicht geändert hätten. „In Form eines soliden Entscheidungsprozesses zwischen den Akteuren der nationalen Sicherheit, den die Mitarbeiter des Nationalen Sicherheitsrates koordinieren sollen, wären solche Bedenken systematisch angesprochen, seziert und diskutiert worden. Es wäre ein Konsens erzielt worden, um das Vorgehen des Präsidenten zu begründen. Hier scheint kein solcher Prozess stattgefunden zu haben“, schrieb Stevenson.
Darüber hinaus sei ein „Enthauptungsschlag“ wie der gegen Qasem Soleimani überhaupt nicht dazu geeignet, US-amerikanische Ziele in der Region vor künftigen Angriffen zu schützen. Prävention war eines der Argumente, mit denen Trump seine Entscheidung begründete – „insbesondere, wenn es sich bei der Organisation um die Revolutionsgarde handelt, die wesentlicher Bestandteil eines ausgebauten Sicherheitsstaates mit einer beträchtlichen Tiefe an Befehlstalenten ist“.
Susan E. Rice, Nationale Sicherheitsberaterin von 2013 bis 2017 unter Barack Obama, kritisierte Trumps Vorgehen ebenfalls in der „New York Times“. Selbst wenn die Tötung von General Soleimani durch Selbstverteidigung gerechtfertigt gewesen wäre, werde sie in strategischer Hinsicht nicht besser. „Angesichts des nachweislich willkürlichen und kurzsichtigen Charakters der Entscheidungsprozesse in der Regierung Trump in Sachen nationaler Sicherheit (wie die Einladung der Taliban nach Camp David oder das Fallenlassen der Kurden) scheint es zweifelhaft, ob die Regierung viel Zeit mit Planung ihres zweiten oder dritten Schrittes verbracht hat (…).“
Angesichts angekündigter (und bisher eingetretener) iranischer Vergeltungen werde es für die Vereinigten Staaten schwierig, Spannungen abzubauen und einen größeren Konflikt zu vermeiden, schrieb Rice weiter. Die USA hätten Teheran bislang nicht abgeschreckt, obwohl seit Mai 14.000 zusätzliche amerikanische Truppen in die Golfregion entsandt worden.
Foto: khamenei.ir, CCL 4.0

Wer war Soleimani?
Während im Iran die Trauerfeierlichkeiten für die Graue Eminenz des Teheraner Projekts abgehalten wurden, verwiesen Fachleute auf die Bilanz des Getöteten. Karim Sadjadpour, iranisch-amerikanischer Politikexperte bei der Carnegie-Stiftung und ehemaliger Chefexperte für den Iran bei der renommierten International Crisis Group, erinnerte seinen weitreichenden Einfluss. Kein Mann sei in den letzten Jahren an so vielen Konflikten beteiligt gewesen. „Sein Tod ist ein enormer Verlust für das iranische Regime“. Als unbestrittener Militärbefehlshaber habe Soleimani „eine schiitische Fremdenlegion“ aufgebaut, die eine bleibende Rolle in den blutigsten Konflikten der Region spielte – vor allem in Syrien, dem Irak und Jemen.
„Ein hochrangiger US-Beamter sagte mir: ‘Es war wichtig, Iran zu zeigen, dass wir eskalieren werden. Wenn sie einen unserer Männer töten, können wir 30 von ihren töten. Wenn sie unsere Botschaft angreifen, können wir ihre Militärkommandeure töten“, zitierte der Iran-Fachmann die ungenannte Quelle. Für US-Militärbeamte, die im Irak gedient hätten, sei der General Hauptfeind gewesen. Von schnellen Vorhersagen hält er wenig: „Die Auswirkungen von Soleimanis Tod werden Jahre in Anspruch nehmen, bis sie sich zeigen.“
Als Kommandeur der Quds-Einheit kontrollierte Soleimani ein milliardenschweres internationales Netzwerk. Hierzu gibt es eine bekannte Anekdote: 2008 wurde General David Petraeus, damaliger Kommandeur von CENTCOM, vom irakischen Präsidenten Talabani ein Handy mit einer SMS von Soleimani gereicht. Darin hieß es: „Lieber General Petraeus, Sie sollten wissen, dass ich, Qasem Soleimani, die iranische Politik in Hinblick auf Irak, Libanon, Gaza und Afghanistan kontrolliere. Und der Botschafter in Bagdad ist Mitglied der Quds-Einheit. Die Person, die ihn ersetzen wird, ebenso.“
Eine Einschätzung lieferte General McChrystal im letzten in „Foreign Policy“. Fast bewundernd bezeichnete der ehemalige US-Kommandeur den Iraner als „selbstbewussten, nachgewiesenen Führer“, „berechnenden und praktischen Strategen“ und „klugen Pragmatiker“. Für Vali Nasr, den iranisch-amerikanischen Akademiker und Autor, war sein Ruf auch eine Schöpfung Washingtons wie des Irans. „Die USA haben ihn seit 2008 in ihrer Darstellung aufgebaut, sodass er der einzige militärische Befehlshaber war, der in außenpolitischen Kreisen der USA bekannt war“, sagte er dem britischen „Observer“ und fügte hinzu, dass es andere Personen gibt, die die Strategie des Iran formulieren.
Foto: leader.ir

Kann Teheran seine Macht projizieren?
Als Reaktion wurde „harte Rache“ geschworen. Die iranische Geopolitik macht es unmöglich, das amerikanische Festland direkt anzugreifen. Aktionen könnten sich gegen Einrichtungen, Interessen und US-Bürger im Ausland richten. Den Anfang machte Teheran am 7. Januar mit Raketenangriffen auf zwei irakische Militärbasen. In jenen waren bisher Streitkräfte der Anti-ISIS-Koalition stationiert.
Die Hisbollah wird als eine wahrscheinliche Möglichkeit gehandelt, wenn man die Erklärung der Organisation nach der Attacke auf Soleimani ansieht. Sie steht jedoch vor politischen Abwägungen. Es gibt anhaltende Proteste im Libanon, die Wirtschaftsreformen im Land fordern. Alle Maßnahmen gegen die Interessen der USA im Land und/oder in Israel könnten die wirtschaftliche Lage Beiruts weiter verschärfen. Einfach ausgedrückt: Libanon hat keine Neigung dazu und kann sich im Moment keinen weiteren Krieg leisten.
Hinsichtlich der Huthi-Milizen im Jemen, einem weiteren iranischen Verbündeten, ist es unwahrscheinlich, dass diese reagieren werde. Sie verhandeln derzeit über einen politischen Waffenstillstand und versuchen, die Lage im Jemen nach Jahren eines verheerenden Krieges zu normalisieren. Sie haben viele dringende, humanitäre und wirtschaftliche Schwierigkeiten, die ihre Aufmerksamkeit erfordern.
Daher bietet sich der Irak als erste Arena an. Das Land ist der zweitgrößte Ölproduzent der Welt. Angriffe auf dortige Anlagen könnten die globale Versorgung und Preise beeinträchtigen – und in Folge die Weltwirtschaft. Des weiteren leitet sich aus dieser Logik ein Angriff „weicher Ziele“ wie diplomatische Einrichtungen oder US-Unternehmen ab.
Dass die Tötung von Qasem Soleimani handfeste Konsequenzen nach sich ziehen wird, war Beobachtern und ehemaligen Akteuren in den USA schnell klar. Sie zeigten sich nicht nur vom Ereignis des Drohnenangriffs selbst überrascht, sondern sind auch überzeugt, er werde zu unausweichlichen Bumerangeffekten führen.
Es sei schwer, die Bedeutung des Ereignisses zu überschätzen, meinte David Petraeus. Der Ex-Chef der CIA und einstiger US-Kommandeur im Irak und fügte grimmig hinzu: „Das wird Folgen haben im Irak, wahrscheinlich in Syrien und der Region.“ Ein zweiter ehemaliger, hochrangiger CIA-Verantwortlicher aus der Ära Obama, Michael Morell, wurde noch deutlicher: „Als Folge wird es tote Amerikaner geben, tote amerikanische Zivilisten. Ich denke, wir können jetzt die Hoffnung begraben, die iranische Umarmung des Irak zu beenden.“
Foto: Shutterstock

Geht es um Gut gegen Böse?
Wie in den letzten Jahren immer krasser haben es differenzierende Positionen bei der Einschätzung des Ereignisses und seiner Folgen schwer. Zu stark ist die Anziehung der Lager und der Schwarzweiß-Malerei. Während der Drohnenangriff auf den iranischen General für die einen ein erneuter Beweis eines US-amerikanischen Imperialismus sei, sehen die anderen darin einen präventiven Akt des Antiterrorkampfes.
In einem bemerkenswerten Meinungsbeitrag vom 06.01.2019 hat die unabhängige Nahostbeobachterin und -autorin Malak Chabkoun auf Al Jazeera International die oft unterschlagene Mehrdeutigkeit der Lage nachgezeichnet. Gerade auf Seiten wohlmeinender „linker Progressiver“ im Westen beobachte sie eine Blindheit gegenüber Akteuren wie dem Iran, Russland oder China. Zurecht verteidigt sie die Reaktionen der betroffenen Bevölkerungen vor Ort, die dem „progressiven“ Narrativ zur Lage in Syrien oder dem Irak oft widersprächen.
„Die Debatte um die Ermordung von Soleimani und al-Muhandis hat erneut die unzusammenhängende Wahrnehmung eines Teils der ‘progressiven’ Linken vom ‘Imperialismus’ gezeigt. Diese bezeichnen US-amerikanische und israelische Aktionen gerne als imperialistisch. Aggressionen anderer – ob Russlands, Chinas, Irans oder ihrer Verbündeter –, die den gleichen Schaden anrichten und zum Tod von Zivilisten führen, werden ignoriert, heruntergespielt oder in ‘Anti-Terror’-Erzählungen verwickelt (die denen der USA und Israels ähneln).“
Eine Kritik der USA oder Israels, während man die Verbrechen anderer ignoriere, nütze den Menschen vor Ort überhaupt nichts. Diese tragen die Hauptlast der geopolitischen Schlachten zwischen jenen globalen und regionalen Mächten. Bei jeder Beteiligung an militärischer Aggression werde „ein kommender Dritter Weltkrieg“ ausgerufen. Zeitgleich ignoriere man, dass Millionen von Menschen im Nahen Osten und anderswo, wo das Eingreifen der USA, Israels und auch Irans, Russlands und Chinas Konflikte ausgelöst hat, bereits in der Realität eines solchen Krieges leben.
Eine echte Antikriegshaltung, so Chabkoun, bedeute die Ablehnung jeglicher Aggression durch alle und die Verurteilung aller, die der Kriegsverbrechen beschuldigt würden – ob Qasem Soleimani oder Eddie Gallagher.
Das Material von „Middle East Monitor“ wurde im Rahmen einer CCL-Lizenz veröffentlicht.

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Söder und Waigel kritisieren Umgang mit Muslim

„Sogar bei den Oberammergauer Passionsspielen dürfen Muslime mitmachen, dann muss das doch in der CSU auch möglich sein. (…) Doch schon in den 50er Jahren hat der damalige CSU-Chef Hanns Seidl dafür gekämpft, dass Andersgläubige einen Platz bei uns haben.“ Theo Waigel

Augsburg (KNA). In der CSU wächst die Kritik an der Ablehnung eines muslimischen Bürgermeisterkandidaten in Wallerstein im Landkreis Donau-Ries durch Teile der dortigen Parteibasis. CSU-Chef Markus Söder sagte laut Bayerischem Rundfunk am 6. Januar am Rande der CSU-Klausurtagung im oberbayerischen Seeon: „Wer sich zu den Grundsätzen der CSU bekannt hat, der sollte auch ein guter Kandidat sein.“ Söder habe CSU-Generalsekretär Markus Blume beauftragt, den Vorgang aufzuarbeiten.

Der CSU-Ehrenvorsitzende Theo Waigel hatte zuvor der „Augsburger Allgemeinen“ mitgeteilt: „Ich halte es für grundfalsch, einen Kandidaten wegen seines Glaubens auszuschließen, wenn er sich zu unseren Werten bekennt.“ Gerade heute, da ein Dialog zwischen den Weltreligionen dringend nötig sei, dürfe derlei nicht passieren. „Sogar bei den Oberammergauer Passionsspielen dürfen Muslime mitmachen, dann muss das doch in der CSU auch möglich sein.“ Die CSU sei von Christen gegründet worden, so Waigel. „Doch schon in den 50er Jahren hat der damalige CSU-Chef Hanns Seidl dafür gekämpft, dass Andersgläubige einen Platz bei uns haben.“ Das müsse heute erst recht gelten.

Der bayerisch-schwäbische CSU-Bezirksvorsitzende und Europaabgeordnete Markus Ferber sagte der Zeitung: „Die CSU ist keine Partei von Katholiken und Protestanten, sondern eine werteorientierte Partei. Und ein Moslem kann genauso unsere Werte teilen wie ein Christ.“ Überdies sei der betroffene Maschinenhändler Sener Sahin „ein cooler Kandidat, bestens integriert im Ort, als Unternehmer, im Sportverein – ein klassischer CSU-Kandidat eben“.

Am ersten Januarwochenende war bekannt geworden, dass der von der CSU nominierte Sener Sahin doch nicht zur anstehenden Bürgermeisterwahl in Wallerstein antreten wird. Als Grund nannte der 44-jährige gebürtige Nördlinger Widerstand aus den Reihen der Partei. Es habe Proteste beim Ortsverband und beim nordschwäbischen CSU-Bundestagsabgeordneten Ulrich Lange gegeben.

„An meiner persönlichen Qualifikation zweifelt niemand. Es geht allein um meine Religion“, sagte Sahin der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Dabei sei er sicher öfter in der Kirche gewesen als mancher seiner Kritiker. „Ob Kommunion, Konfirmation, Taufe, Beerdigung, Weihnachten oder Krippenspiel – ich gehe da überallhin.“ Auch zum Beten besuche er Kirchen. „Ich bin ein religiöser Mensch. Gott ist für mich aber nicht nur in der Moschee, sondern zum Beispiel auch in der Synagoge.“ Sein Schwiegervater sei katholisch, seine Schwiegermutter evangelisch und seine Frau ebenso. Seine Kinder wüchsen interreligiös auf.

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Die Lebensader eines Landes

(Al-Monitor). Die Uhr schlägt fünf an einem trockenheißen Herbstmorgen, als sich der 60-jährige Ali al-Faqi seinen Weg durch die Dunkelheit bahnt, um sich mit vier anderen Bauern in der Moschee […]

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Die Bosnier von Istanbul

(iz). Während ich durch die Mahalle (Nachbarschaft oder Kiez auf Deutsch) gehe, fühle ich mich nicht mehr wie in der Türkei. Die Straßen, Läden und die körperliche Erscheinung der Leute […]

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Das tägliche Klischee

Flüchtlinge Beruf

Weiblich, muslimisch, feindlich und rückständig – tägliche klischeehafte ­Bilder und Vorurteile muslimischer Frauen in öffentlichen Diskursen. Dies sind Begriffe über muslimische Frauen und dem islamischen Spektrum, mit denen sich mediale Berichterstattungen auseinandersetzen.

(iz). Der Schwerpunkt meiner Bachelorarbeit lag auf der Fragestellung ob die muslimische Frau ein Gegenstück zu dem Bild der unterdrückten muslimischen Frau in den Medien ist. Die Zielvorstellung war herauszufinden, ob das Kopftuch zum Ablenken von eigentlichen Frauenthemen missbraucht wird. Anhand von Ansätzen und Argumen­tationen, die sich aus dieser Arbeit ergaben, wurde die Art und Weise, wie man muslimische Frauen in den Medien wahrnimmt, deutlicher erläutert. Im Laufe der Arbeit wurde außerdem der Fokus auf Begriffe wie Integration, Emanzipation, Islam, Geschlechtersegmentierung und -differenzierung gelegt, um den Kontext der Arbeit in bestimmter Weise besser nachzuvollziehen. Diese Arbeit betrachtet einen Teil der Frauen mit islamischer Identität in den Medien. Ziel war es diese erforschen und deren Äuße­rungen und Einstellungen gegenüber dieser Thematik zu verdeutlichen. Dementsprechend habe ich auch über eine selbstbewusste Perspektive der muslimi­schen Frau geschrieben, eine Perspektive, die Emanzipation einschließt und Femi­nismus thematisiert. In der Arbeit wurden Geschichten und Lebenssituationen integrierter, muslimischer Frauen aus der Welt wiedergegeben. Auf diese Weise lässt sich die andere Seite der Vorstellungen, die über Musliminnen kursieren, aufzeigen.

Öfters lesen wir in Medien, dass muslimische Frauen weniger berufstätig sind als Männer, was der Mehrheitsgesellschaft schadet. Geleitet durch den Inhalt solcher Artikel werden Familie, Haushalt und Erziehung der Kinder, der mus­limischen Frau zugeordnet, wobei wir die Männer in der Versorgerrolle sehen. Solche Rollenbilder werden in den ­Massenmedien deutlich stark vermittelt. Medien reproduzieren und transportieren Stereotype. Damit wird der Stereotype Inhalt zu einer Informationsquelle über muslimische Frauen, für Menschen anderer Kulturen und Religion. Medien publizieren nach Röder Sekundärerfahrungen und veröffentlichen kulturelle Stereotype, die es erlauben muslimische Frauen dann in bestimmte Kategorien als Eigen oder Fremdgruppe zu unterteilen. Es entsteht eine massenmedial veröffentlichte Darstellung dieser Grup­pe, da nicht alle muslimischen Frauen die Möglichkeit haben direkt mit anderen zu interagieren.

Die erste Forschungsfrage beant­wortete durch Beispiele die Frage, „welche medialen Darstellungen bei der muslimischen Frau sich auf visueller und verbaler Ebene erkennen lassen“. Die Ergebnisse zeigen, dass die mediale Darstellung über Musliminnen in Artikeln stark ereignisbezogen erscheinen und darüber nicht gleichmäßig berichtet wird. Die Darstellung findet am häufigsten im Bereich der Politik statt. „Die Bewertung der Themen, der Eigenschaften und des Verhaltens muslimischer Frauen sind überwiegend negativ“. (Röder, 2007, S. 115). Der Stil der Darstellung erzeugt eine Konstruktion der muslimischen Frau als „Andere“ oder „Fremde“, das ebenfalls zu negativen und verzerrten Wahrnehmungen führt, indem die Muslimin deutlich aus dem alltäglichem Leben ausgegrenzt wird.

Gelegentlich haben muslimische Frau­en mit Vorurteilen und Missverständnissen zu kämpfen. Wiederholt befinden sie sich in Situationen, in denen sie ­versuchen Stereotype und klischeehafte Bilder mit Argumenten zu entschärfen. In zahlreichen Umständen bemühen sie sich ihren Mitmenschen zu erklären, dass Verständnis für unterschiedliche Hin­tergründe zu einem zweckvollerem ­Zusammenleben führen kann.

In der Bachelorarbeit wurde das Beispiel der syrischen Sängerin Mennel genauer erörtert. Sie ist die erste Frau mit Hijab die in einer Talentshow „The Voice“ teilgenommen hat. Die 22-jährige Sängerin, hatte vor einigen Jahren Standpunkte gegen Israel eingenommen. Mennels Statements führten zu heftigen Gegenreaktionen und Beschuldigungen ein Mitglied der „muslimischen extremen Rechten“ zu sein. Sie entschloss sich das Program zu verlassen. „Spannungen haben meinen Wunsch verdeckt, Frieden, Liebe und Toleranz zu verbreiten. Ich wollte nie jemanden verletzen. Die Vorstellung, dass ich es absichtlich tun würde, schmerzt mich. Aus diesem Grund habe ich heute beschlossen, das Programm zu beenden“ (Nabbout, 2018). Obwohl Mennel eine Stütze für Vielfalt und ­Diversität darstellt, ist dies ein weiteres Beispiel dafür, dass muslimische Frauen die in der medialen Öffentlichkeit präsent sein wollen, sich mehr beweisen müssen und einer zusätzlichen Prüfung unterzogen werden.

Das Thema, dass auch oftmalig in Medien über muslimische Frauen vorkommt, ist die Kopftuchdebatte. Wenn Musliminnen ein Kopftuch tragen, dann werden sie medial negativ und unterdrückt dargestellt. Die medialen Lösungs­vorschläge der Kopftuchdebatte wäre die Anpassung an westliche Gesetze, Werte und Normen. Da die Kopfbedeckung schon ein Problem für muslimische Frauen darstellt und ihnen die Möglichkeiten aberkannt werden sich weiter zu bilden und zu entwickeln. Den mus­limischen Frauen wird keine konkrete Alternative angeboten, da es sich bei diesen „Lösungsmöglichkeiten“ um zwei unterschiedliche Wertesysteme handelt. Einerseits sind das die westlichen Wertesysteme, die in den Medien als frei und liberal präsentiert werden, und andererseits die Werte des Islam, die als extrem, konservativ und hinderlich bei kultureller und sozialer Weiterentwicklung dargestellt werden. Die Darstellung der muslimischen Frauen auf visueller Ebene ist ebenso: überwiegend negativ. Beispiele von Titelbildern, die in der Arbeit aus unterschiedlichen Artikeln analysiert wurden wie auch zahlreiche wissenschaftliche Literatur zeigen, dass der Schleier als Symbol der Unterdrückung dient.

Auch die zweite Forschungsfrage ob spezielle Kategorisierungen in Medien, wenn über muslimische Frauen berichtet wird, bestehen, wurde detalliert erforscht. Nach den Ergebnissen der empi­rischen Untersuchung von Maria Röder „Muslimische Frauen im Nachrichtenmagazin Der Spiegel“, werden die muslimische Frauen und deren Wahrnehmung von Fremdgruppen in bestimmte Kategorien zusammengefasst. Und zwar: Religion/Tradition, Familie, Männergesellschaft, Migration, Moderne Frau und Orientalin. Die Substantive der ­Kategorie Religion/Tradition sind streng gläubig, Zwangsheirat, gehorsam und nachgiebig nach Außen. Frauen werden ebenfalls, als schlecht gebildet, fanatisch, traditionell eingestellt und bedrohlich bezeichnet. Mutterschaft, Ehefrau, Haushalt, Familienzugehörigkeit, Häuslichkeit sind Attribute der Kategorie Familie. Musliminnen werden als untergeordnet gegenüber dem Mann begriffen. Die moderne Muslimin wird als modebewusste, selbstbewusste, fleißige, engagierte Frau kategorisiert, die eine emanzipierte erfolgreiche Muslimin darstellt. Die Orientalin ist geheimnisvoll, interessant, schön, fühlend, bunt, tanzend und stolz. (vgl. Röder, 2007, S. 67).

Medien verbildlichen die Religion Islam als eine Kultur der konservativen Geschlechtertrennung, indem die Frau als gehorsame Unterdrückte und der Mann als „Führer“ dargestellt wird. Die Unterordnung der muslimischen Frau ist eine verbreitete Vorstellung unter der medialen Gesellschaft und wird als elementar in der medialen Darstellung verwendet. Die Rollen, die ihr in den medialen Berichterstattungen am häufigsten zugeordnet werden, ist die Opferrolle, die moderne Frau und die gefährliche Extremistin. Die mediale Darstellung der muslimischen Frau orientiert sich laut Thiele in dieser Kategorisierung an ihrem Geschlecht, Herkunft, Alter, Religion und Staatsbürgerschaft. Was anhand dieser wissenschaftlichen Literatur und zahlreicher Beispiele deutlich gemacht wurde, ist die Tatsache, dass die kategorischen Muster der Berichter­stattung einerseits nicht die Wahrheit vermitteln und Musliminnen in ihrer Identität, Integration und Religion einschränkt und andererseits, dass sich ­moderne muslimische Frauen als integrative, erfolgreiche Musliminnen durchsetzen und Engagement in verschie­denen Bereichen des Lebens zeigen. Auch wenn Medien über muslimische Frauen positive Wortverbindungen in ihren Inhalten verwenden, wird sie ­immer noch als Muslimin kategorisiert. Warum über muslimische Frauen überwiegend negativ vermittelt wird, sieht man ebenfalls in der Tatsache, dass sie sehr selten in Medien vorkommen und sich darüber äußern, die Chancen sind ungleich verteilt.

Lejla Hasakovic hat Publizistik und Kommunikationswissenschaften an der Universität Wien studiert. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählt der Bereich medialer Darstellung muslimischer Frauen. Während ihres Studiums in Wien nahm sie an einem Seminar teil, dass sich mit feministischer Forschung befasste. Dieses Seminar inspirierte sie, ihre Bachelorarbeit über die Darstellung muslimischer Frauen in deutschen Medien und die Konstruktion ethnischer Stereotypen zu schreiben. Das Ziel ihrer Forschung war es zu zeigen, wie muslimische Frauen in den Medien dargestellt werden, welchen Vorurteilen sie gegenüberstehen und wie sie mit diesen umgehen. Heute arbeitet Lejla für eine renommierte Public Relations Agentur in Sarajevo, Bosnien und Herzegowina.

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Konflikt um Iran eskaliert

WASHINGTON/TEHERAN/BERLIN (GFP.com/iz). Nach dem US-Mord an dem iranischen General Qassem Soleimani sowie weiteren hochrangigen Militärs aus Iran und dem Irak werden in Bagdad Forderungen nach einem Abzug der auswärtigen Soldaten laut, darunter die Bundeswehr. Die mit der Anti-IS-Koalition im Irak stationierten Truppen müssten das Land verlassen, verlangte das irakische Parlament am gestrigen Sonntag.

Die Bundesregierung dringt darauf, die deutschen Militärs im Irak zu halten, um sich dort Einflussoptionen zu sichern. Bereits zuvor hatte Berlin Forderungen abgewiesen, den Einsatz aus Sicherheitsgründen zu beenden. Camp Taji bei Bagdad, wo zur Zeit 27 deutsche Soldaten stationiert sind, war bereits im Juni mit Raketen beschossen worden; die Militärbasis gilt als mögliches Ziel von Vergeltungsschlägen Irans oder proiranischer Milizen. Während die Bundesregierung den Mord an Soleimani als „Handlungsweise der Vereinigten Staaten“ beschönigt, stuft der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion ihn offiziell als „völkerrechtswidrig“ ein. Ein Regierungsberater spricht von „Staatsterrorismus“.

SPD-Fraktion: völkerrechtswidriger Angriff
Offen kritisiert hat den US-Mord an dem iranischen General Qassem Soleimani, dem irakischen Militärkommandeur Abu Mahdi al Muhandis und weiteren iranischen und irakischen Militärs unter anderem Rolf Mützenich, Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion. Mützenich hielt am 5. Januar fest, durch den Mord an hochrangigen Amtsträgern zweier fremder Staaten sei „das Völkerrecht … verletzt“ worden: „Die gezielte Tötung von Zivilisten oder staatlichen Repräsentanten, die nicht unmittelbar an Feindseligkeiten teilnehmen oder von denen keine unmittelbare Gefahr für andere ausgeht, ist nicht rechtmäßig und stellt auch kein legitimes Mittel dar.“

Deutlichere Worte hatte zuvor der Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), Volker Perthes, gefunden. Perthes zufolge hängt die Beurteilung des Mordes davon ab, ob sich Iran und die Vereinigten Staaten im Krieg miteinander befinden. Tatsächlich haben weder Washington noch Teheran der anderen Seite den Krieg erklärt. „Wenn es keinen Kriegszustand gibt“, sagte Perthes schon am Freitag, dann könne man das, „was hier stattgefunden hat“, „als Staatsterrorismus bezeichnen“

Verständnis für „Handlungsweise“
Obwohl Aktionen wie die vom 2. Januar im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD scharf verurteilt werden – in dem Dokument heißt es: „Völkerrechtswidrige Tötungen lehnen wir kategorisch ab, auch durch Drohnen“ –, liegt weiterhin keine Verurteilung des Verbrechens durch die Bundesregierung vor. Nach einer Telefonschaltkonferenz der Kanzlerin, der Minister für Inneres, für Äußeres und für Verteidigung sowie des Kanzleramtsministers hatte es am Samstag in einer ersten offiziellen Stellungnahme geheißen, die Regierung sei sich einig in der „Sorge um die Entwicklung der Lage im Irak“.

Über den Mord, der als „Handlungsweise der Vereinigten Staaten“ umschrieben wurde, hieß es lediglich, er sei „in der nationalen Verantwortung Washingtons“ geschehen; Berlin wies damit jegliche Verantwortung der Anti-IS-Koalition, der die Bundesrepublik an der Seite der USA angehört und in deren Namen die US-Truppen offiziell im Irak operieren, zurück.

Allerdings zeigte die Regierung Verständnis: Soleimani sei „nicht umsonst“ auf die EU-Terrorliste gesetzt worden, hieß es in der Stellungnahme weiter. Berlins Positionierung ist auch deshalb von Interesse, weil sie einmal mehr bestätigt, dass das Völkerrecht für die Bundesregierung kein unumstößlich handlungsleitendes Prinzip, sondern ein bei Bedarf genutztes Instrument ist – vorwiegend zur Legitimation von Aggressionen gegen gegnerische Staaten.

„Gerade Europa“

Ansonsten laviert Berlin. Sein bisheriger Versuch, gemeinsam mit London und Paris den Atomdeal mit Teheran zu retten und darauf aufbauend eine eigenständige EU-Mittelostpolitik zu entwickeln, bleibt weiterhin wirkungslos und droht in der aktuellen Eskalation früher oder später endgültig zu scheitern. Gestern kündigte die iranische Regierung an, sie werde – in Reaktion auf den fortgesetzten Bruch des Abkommens durch die USA und de facto auch durch die Länder der EU – der Urananreicherung keine festen Grenzen mehr auferlegen, solange die anderen Unterzeichner den Vertrag nicht einhielten. Allerdings sei sie bereit, im Falle einer Aufhebung der US-Sanktionen die Beschränkungen wieder in vollem Umfang zu akzeptieren.

Ein Ende der Sanktionen freilich ist nicht einmal im Ansatz in Sicht. Außenminister Heiko Maas kündigte gestern an, Berlin werde „alle Hebel in Bewegung setzen, um einer weiteren Eskalation der Lage entgegenzuarbeiten“.

„Gerade Europa“ komme jetzt „eine wichtige Rolle zu“: „Als Europäer haben wir zu allen Seiten bewährte und belastbare Gesprächskanäle“, die es nun rasch zu nutzen gelte.[6] Damit setzt die Bundesregierung ihre bisher völlig erfolglosen Bemühungen um eine eigenständige Rolle im Mittleren Osten fort.

Raketen auf Camp Taji
Zur Debatte steht dabei mittlerweile der Einsatz der Bundeswehr im Irak. Die Bundesregierung ist mit allen Mitteln bemüht, ihn fortzusetzen, weil er ihr Einflussoptionen sichert. Am Samstagabend hatte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer dementsprechend Forderungen nach dem Abzug der deutschen Soldaten zurückgewiesen, die in Camp Taji unweit Bagdad sowie im nordirakischen Erbil irakische Militärs ausbilden und zudem im Hauptquartier der Anti-IS-Koalition in Bagdad tätig sind.

Begründet worden waren die Abzugsforderungen aus der Berliner Opposition vor allem damit, die Sicherheit der deutschen Soldaten sei nicht mehr gewährleistet. In der Tat waren bereits im Juni Raketen auf Camp Taji abgefeuert worden; dies droht nun erneut, da sowohl Iran als auch proiranische Milizen im gesamten Mittleren Osten Vergeltung für den Mord vom Donnerstagabend angekündigt haben. Kramp-Karrenbauer erklärte dagegen, die Bundeswehr solle im Irak verbleiben und dort weiterhin Beiträge zur „Stabilisierung“ der Region leisten.

Abzugsforderungen
Unklar ist allerdings, ob sich Berlin den immer lauter werdenden Abzugsforderungen aus dem Irak widersetzen kann. Am gestrigen Sonntag verabschiedete das irakische Parlament eine Resolution, in der es verlangt, die ausländischen Soldaten, die im Rahmen der US-geführten Anti-IS-Koalition im Irak stationiert sind, müssten das Land umgehend verlassen. Die Resolution hat keine bindende Wirkung, gilt aber als wichtiger Schritt, um den Druck auf die Regierung in Bagdad zu erhöhen und sie zur Einleitung der notwendigen Maßnahmen zu veranlassen.

Offiziell sind die Truppen der Anti-IS-Koalition auf Einladung der irakischen Regierung in dem Land stationiert. Widerriefe diese die Einladung, könnten die ausländischen Truppen allenfalls als illegale Besatzer bleiben. Gestern teilte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums mit: „Deutsche Soldaten können nur dann im Irak bleiben, wenn die irakische Regierung sagt, dass sie das weiterhin will“.

US-Außenminister Mike Pompeo hingegen erklärte am 5. Januar, Iraks Ministerpräsident Adel Abdul Mahdi sei lediglich geschäftsführend im Amt und „enormen Drohungen der iranischen Führung“ ausgesetzt – Hinweise, die geeignet sind, etwaige künftige Abzugsforderungen des irakischen Ministerpräsidenten vorab zu delegitimieren.[ Damit gewinnt der Machtkampf um die Stationierung auch deutscher Soldaten im Irak an Schwung.

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Wer ist dieser Donald Trump?

(iz). Es wäre naiv, zu glauben, Donald Trump sei gänzlich gegen den Willen der amerikanischen Eliten an die Macht gekommen. Trump ist nicht die Antithese des Establishments, als die er sich verkauft. In einer Zeit des sich anbahnenden Wirtschaftskrieges zwischen alter und neuer Supermacht, zwischen den USA und China, war der Steuersenker und Zollkrieger Trump der Kandidat der Wahl. Die klassische ­­Welt- und Menschenrechtspolitik konnte ­dahinter zurückstehen, war der Kampf gegen Russlands Vordringen im Orient zum Zeitpunkt seiner Wahl doch faktisch schon entschieden (zugunsten Russlands). Was aber das politische Tagesgeschäft angeht, so verließ und verlässt man sich darauf, dass der den Präsidenten umgebende „Apparat“ die allerschlimmsten Ausfälle zu verhindern oder wenigstens auszubügeln wissen werde.

Nein, Trump ist, trotz seiner unsäg­lichen Rhetorik, nicht der Gottseibeiuns der Weltpolitik. Aber er ist Symbol, Symbol für einen Trend, der die politische Ordnung und den gesellschaftlichen Frieden gefährdet. In Trump findet die protestantische (nicht evangelische) Mafia zu sich selbst. Er ist die Karikatur eines Weltbildes totaler Diesseitigkeit, für das Gott tot, Werte nur Humanitätsgedusel und das Leben ein einziger, in die Länge gezogener Initiationsritus, eine nie zu Ende gebrachte Pubertät sind.

Trump ist die Karikatur der protestantischen Elite in ihrem Endstadium. Diese Elite war einmal evangelisch, nicht protestantisch. Zwar hat sie auf brutalen Wegen den Westen großgemacht und den Menschen von der Natur emanzipiert, sich dabei aber immer wieder – 1776, 1865, 1917, 1944, 1989 – auf die uralten Ideale der griechischen Antike und der orientalischen Monotheismen zurückbesonnen: die zehn Gebote, die Idee des Guten, die Idee der Gerechtigkeit. Der Kampf gegen den Warschauer Pakt diente nicht allein „der Sicherung von Wirtschaftsinteressen“, sondern der Verteidigung einer wertegeleiteten politischen und gesellschaftlichen Ordnung gegen Gottlosigkeit, Relativismus und Unfreiheit.

Wer Menschenrechte sagte, wollte und will eben nicht betrügen, wie der Nazi-Jurist und abtrünnige Katholik Carl Schmitt behauptete, sondern, heiße er Wilson oder Roosevelt oder selbst noch Reagan oder Bush jr., das Gute in der Welt – wenn auch oft mit unguten Mitteln – durchsetzen. Die Werteorientierung des Westens war und ist keine Phrase, sondern ehrliches Prinzip. Wer aber, ob offen oder heimlich, Werteorientierung als Phrase denunziert, ist oftmals selber prinzipienlos: seien es die Linke, islamistische Fundamentalisten – oder eben die protestantische Mafia.

Trump aber steht für Prinzipienlosigkeit. Trump ist weniger das Gegenteil Obamas als das Gegenteil Kennedys, des bislang einzigen katholischen Präsi­denten der USA, der nicht nur (widerwillig akzeptierter) Teil des Establishment war, sondern der ehrlich versuchte, in seiner Politik ewigen moralischen Prinzipien zu folgen – und dafür schließlich mit seinem Leben bezahlte.

Der Geist Kennedys schwebte fünfzig Jahre lang über seinen Nachfolgern, selbst noch den beiden Bushs. Er schwebte und schwebt auch über den Partnern der USA auf der anderen Seite des Atlantik. Mit Angela Merkel, der evange­lischen (nicht protestantischen) Pfarrers­tochter, deren Vater freiwillig in die Diktatur ging, um dort das Wort Gottes zu verkünden, hat Deutschland eine Regierungschefin, die wie Kennedy bemüht ist, eine echte wertgeleitete Politik umzusetzen, auch wenn dies oft mit Missverständnissen und immer mit massiven Widerständen verbunden ist. Ein Mann in der Position und mit der Haltung Merkels hätte seine Kanzlerschaft womöglich nicht überlebt, Christian Wulff hat sie seine Präsidentschaft und seine Reputation gekostet. Merkel aber konnte sich schlau in die Attitüde des naiven Muttchens flüchten und in dieser Camouflage überwintern.

Trump aber ist die zeitgenössische Antithese zu Merkel. Trump ist die westliche, karikierte Version des Diktators Putin. Wie Putin ist Trump Abgott und Vorbild des Corpsstudententums, der Nachwuchsorganisation der protestantischen Mafia in Deutschland. Ihre Prinzipien sind die Verachtung höherer, ewiger Werte, die Ablehnung nicht nur Gottes, sondern eines Göttlichen überhaupt, die Relativierung von Gewaltherrschaft – übrigens auch linker Gewaltherrschaft, wie die glorifizierende Rezeption der DDR in diesen Kreisen zeigt –, die Ridikülisierung von Moral und Humanität, die Glorifizierung von Dominanz und Rücksichtslosigkeit und die Vergötzung des Wirtschaftlichen. Ihr Prinzip ist die Prinzipienlosigkeit. Die Erhebung des Sadismus, einer Paraphilie, zum gesellschaftlichen Megatrend geht weniger auf das Konto eines unaufrichtigen und leicht verführbaren Establishments, sei es in New York oder in Berlin, als auf das Konto eines populärsatanistischen, bildungsfernen und antihumanistischen Wirtschaftsbürgertums, das in das ideologische Vakuum nach 1990 gesprungen ist und es mit seiner Ideologie der Prinzipienlosigkeit gefüllt hat.

Es heißt, Trump habe seine Wahl der Unaufrichtigkeit dem New Yorker und Washingtoner Establishment zu verdanken gehabt, das Wasser predige, aber Wein trinke. Selbst wenn es so ist: Trump ist und war nie der Kennedy 2.0, der den Augiasstall einer gott­vergessenen Elite ausmistete, sondern der getreue Wärter dieses Stalls. Denn wer unaufrichtig ist, hat immer noch die Chance, irgendwann seinen Selbstbetrug zu erkennen, ihn zu beenden und wieder aufrichtig zu werden. Die reine Lüge aber ist die Schwester der Dummheit. Weil es dieser nie um Wahrheit geht, kann es jener auch nie um Moral gehen.

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Echtes Wissen kommt von den Lebendigen

plädoyer gelehrte

Allah sagt in Seinem Edlen Qur’an: „Sprich: ‘Sind etwa diejenigen, die wissen, und diejenigen, die nicht wissen, gleich?’“ (Az-Zumar, Sure 39, 9)

Und Er sagt: „Allah wird diejenigen in Rangstufen erheben, die Iman haben und denen Wissen gegeben wurde.“ (Al-Mudschadila, Sure 58, 11)

(iz). Das vorliegende Thema ist von größter Bedeutung für uns. Es ist ein Mittel, durch das wir unter unseren Mitmenschen erhoben werden. Es ist das Fundament, auf dem unser Leben geordnet und alle großen Zivilisationen errichtet werden. In diesem Zusammenhang ist es heute für uns von besonderer Wichtigkeit, wie es angeeignet wird. Oder auch, von wem es angeeignet wird.

Heutzutage sind beinahe alle großen Texte des Dins zugänglich. Es gibt computergestützte Bibliotheken, die alle wichtigen Tafsirwerke, Bücher über Hadithe und Verzeichnisse des Rechts ­beinhalten. Die Meinungen der Gelehrten dieser und aller vorangegangenen Gene­rationen sind aufgezeichnet und zusammengefasst worden. Längst können wir auf sie in der Bequemlichkeit unserer Wohnung zugreifen. Dafür müssen wir nicht einmal in Kontakt mit irgendeinem Menschen treten.

Niemals zuvor stand uns so viel so leicht zur Verfügung. Folgt daraus nicht, dass die heutigen Gelehrten die größten ‘Ulama aller Zeiten sind – mit dem umfassendsten und meisten Wissen? Das könnte man meinen. Es widerspricht aber den Worten des Gesandten Allahs, möge Allah ihm Frieden geben und ihn segnen. Er wies darauf hin, dass sich das Wissen über die Zeit vermindern wird. Das größte Wissen hat es demnach in seiner Generation gegeben, gefolgt von der nächsten sowie der übernächsten.

Imam Adh-Dhahabi, der mehr als 700 Jahre später lebte, sagte dazu: „Den ‘Ulama wurde nur geringe Kenntnis gegeben. Und heute ist nur ein kleiner Teil dieses wenigen Wissens übrig. Und nur eine nicht nennenswerte Gruppe von Menschen hat daran Anteil. Und nur ein Bruchteil von ihnen handelt nach dieser geringen Kenntnis. Allah ist genug für uns und er ist der beste ­Beschützer.“ In seinen Tagen waren die großen Hadithwerke bereits zusammengestellt. Viele Bücher standen dem zur Verfügung, der nach ihnen suchte. ­Offenkundig stellten sie als solche noch kein Wissen dar.

Das heißt, es gibt einen großen Unterschied zwischen Wissen und Information. Sie waren und sind niemals die selbe Sache. Wissen kann nur von Menschen bezogen werden. Das gilt für jede Wissenschaft und jegliche Kenntnis. Niemand kann erwarten, nur durch die Lektüre von Medizinbüchern zum Arzt zu werden. Und kein Kämpfer kann auf große Meisterschaft in den Kampfkünsten hoffen, solange er sich nur Informationen über Karate und Kung-Fu anliest. Wir brauchen einen Lehrer.

Aber nicht irgendeinen, sondern jeman­den, der von anderen Wissenden genom­men hat. Jemand, der von Praktizierenden einer Kunst gelehrt und erzogen wurde. Eine Person der Erfahrung, die gelebt hat, was sie predigt oder lehrt. Das gilt überall, aber ganz besonders im Bereich des Fiqh; der Wissenschaft über den Gehorsam gegenüber unserem Herrn und der Vermeidung Seiner Verbote. Denn an ihm hängt unser langfristiges Wohlergehen.

Der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte: „O, die ihr Iman habt, lernt. Denn Wissen kommt vom Lernen. Und Fiqh (Verständnis) erwächst aus der Suche nach dem Verstehen. Will Allah Gutes für eine Person, dann gibt er Ihr Verständnis (Fiqh) im Din.“ Damit es Ta’allum und Tafaqquh geben kann, brauchen wir Ta’lim und Tafqih. In anderen Worten, Lehre. Direkte Übertragung von einem Menschen zum nächsten. Der Gebrauch dieser Worte in dem Hadith bestätigt diese Implikation erheblich.

Es gibt hierzu eine Reihe bekannter Aussagen, die unter den Salaf verbreitet waren und oft von ihnen zitiert wurden. Die erste von ihnen lautet: „Wer keinen Schaikh hat, dessen Schaikh ist Schaitan.“ Und die zweite: „Wenn dein Schaikh aus deinen Büchern besteht, dann wirst du häufiger irren als recht haben.“ Das bedeutet natürlich nicht, dass Bücher an sich eine schlechte Sache sind, sondern eher, dass sie nur in Verbindung mit den Anweisungen eines Lehrers gebraucht werden sollten – insbesondere, wenn es um das Recht geht.

Sie sind Werkzeuge, kein Wissen. Schwarze Tinte auf weißem Papier. Diejenigen, die ihren Din ausschließlich in ihnen suchen, sehen die Dinge auch nur schwarz und weiß. Ihr Din ist rigide und unbeweglich, nicht organisch und lebendig. Der Din basierte und basiert immer auf dem Vorbild. Wir handeln so, wie wir es bei anderen beobachten können. Unsere Lehrer zeigen uns die Dinge nicht nur mit ihren Worten, ­sondern auch durch ihre Handlungen.

Schauen wir auf die Definition von Sunna. Sie wird beschrieben als die Worte, Handlungen, Zustände, die physische Erscheinung und die Taqrir des Gesandten Allahs. Taqrir bezieht sich auf das, was in seiner Gegenwart von anderen getan wurde und das er nicht ablehnenswert fand. Seine Gefährten lernten auf all diesen Wegen von ihm – nicht nur von seinen Worten. Sie lernten von seinem Vorbild, und die Nachfolgegeneration nahm von ihrem. Das ging so weiter bis zum heutigen Tage. Jede Generation lernt von der vorherigen. Die Überlieferungskette (Isnad) ist nicht auf die Hadithwissenschaft begrenzt. Sie gilt in jeder Wissenschaft.

Wir nehmen von Leuten, können sie nicht umgehen, um direkt zur Quelle zu gelangen. Denn die Überlieferung vom Ursprung ist mehr als die Worte, in der sie niedergeschrieben wurde. ­Würden wir unseren Din ausschließlich auf Hadithbüchern aufbauen, schüfen wir eine Religion, die kein Muslim vor uns jemals praktiziert hätte. Sie stellen nicht die Grundlage für Fiqh oder Urteile dar. Dafür gibt es die Wissenschaft des Fiqh.

Mehr noch, der direkte Zugriff auf sie für Urteile ohne die (oder selbst mit ihnen) notwendigen Werkzeuge der Unterscheidung ist eine große Gefahr für unseren Din. ‘Abdallah ibn Wahb, einer der größten Schüler von Imam Malik und ein großer Hadithgelehrter als solcher, sagte: „Hätte Allah mich nicht durch Malik und Al-Laith gerettet, wäre ich in die Irre gegangen.“ Er wurde gefragt, warum das so sei und Ibn Wahb entgegnete: „Ich lernte so viele Hadithe, dass sie anfingen mich zu verwirren. Also trug ich sie Malik und Al-Laith vor und sie sagten mir, was ich nehmen und was ignorieren sollte.“ Ein weiterer der großen Gelehrten unter den Salaf, Sufjan Ibn Ujaina, und Zeitgenosse von Imam Malik, sagte: „Hadithe sind eine Quelle der Irreführung, außer für die Fuqaha.“ Und Ibrahim An-Nakha’i, aus der Generation nach den Nachfolgern, meinte hierzu: „Hätte ich die Gefährten dabei beobachtet, die Arme bei der Gebetswaschung nur bis zu den Handgelenken zu waschen, wäre ich ihnen darin gefolgt. Und das, obwohl ich (im Qur’an) ‘bis zu den Ellbogen’ las.“

Das soll keine Herabwürdigung der Hadithe sein. Sie sind eine wunderschöne Quelle und eine Aufzeichnung über viele Aspekte im Leben des Gesandten Allahs. Ihre Lektüre bedeutet eine Zunahme der Liebe zu und des Wissens von unserem Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben. Wir können aber unseren Din nicht direkt von ihnen oder jedem anderen Buch nehmen. Es gilt zu erinnern, dass der Din lebendig und dynamisch ist. Was Al-Madina die Qualität von Al-Munawwara, der Erleuchteten, verlieh, waren ihre Menschen und die Leben, die sie führten. Je mehr wir diese Menschen umgehen und direkt zur Quelle wollen, desto mehr entfernen wir uns von ihr.

Ein konkreter Anlass für diesen Text ist das Verrichten von zwei Gebetseinheiten (Rakats). Sie sind stark empfohlen, wenn eine Person die Moschee betritt, solange sie gewisse Vorbedingungen erfüllt. Dazu gehört ihr Zustand der rituellen Reinheit und die Absicht, dort sitzen zu bleiben. Zu Meinungsver­schiedenheiten kommt es, wenn es um unbeliebte und verbotene Zeiten geht – wie jene zwischen Nachmittag und Abend oder während der Freitagsansprache. ­Einige glauben, das Grüßen der Moschee ist von diesem Verbot ausgenommen und zitierten den berühmten Hadith von Sulaik Al-Ghatafani, der von Dschabir ibn Abdallah überliefert wurde: „Sulaik Al-Ghatafani kam in die Moschee zum Freitagsgebet und sah den Gesandten Allahs im Minbar sitzen. Er setzte sich dann ohne Gebet nieder. Also fragte ihn der Prophet: ‘Hast Du zwei Rakats gebetet?’ Er entgegnete: ‘Nein.’ Daher wies ihn der Gesandte Allahs an: ‘Steh auf und bete sie.’“

Der Hadith scheint recht ausdrücklich zu sein. Und doch handelten Imam Malik und Imam Abu Hanifa nicht ­danach. Noch taten dies die große Mehrheit der Prophetengefährten, die Rechtgeleiteten Kalifen oder die große Mehrheit der Salaf. Das verweist darauf, dass es entweder aufgehoben wurde oder im spezifischen Kontext von Sulaik stattfand.

Bestimmte moderne Gelehrte missach­ten das jedoch. Sie glauben daran, dass ein Sahih-Hadith alles andere schlägt. Ein solcher meint: „Vielleicht hat Malik niemals von dieser Sunna gehört, denn es ist überliefert, dass er das Gebet während der Khutba untersagte. Aber wenn diese Sunna vom Gesandten Allahs sahih ist, dann darf sich niemand dagegen aufgrund des Wortes irgendeines Mannes wenden.“ Mit anderen Worten, dieser Mann sagt, dass wegen seines Zugangs zu diesem Hadith, den Malik vielleicht nicht gehabt haben könnte, die Nachfolger des Imams verpflichtet seien, seiner Meinung zu folgen. Diese Art modernen Gelehrtentums ist atemberaubend arrogant und erstaunlich in ihrem Grad der Hypothese.

Erstens gibt es keinen Beweis dafür oder Hinweis darauf, dass Malik nichts von dem Hadith wusste. Folgende Worte wurden von einigen Männern der Tabi’in über bestimmte Hadithe weitergegeben: „Wir kennen sie, aber die Leute haben nicht nach ihnen gehandelt.“ Und das traf selbst auf Hadithe zu, die von ihnen überliefert wurden. Wir dürfen niemals vergessen, dass Imam Malik ein Hadith­gelehrter und ein Faqih war. Wegen seines großen Respektes sorgte er sich um die Bewahrung der prophetischen Worte. Auch dann, wenn sie kein Bestandteil dessen waren, wonach gehandelt wurde.

Ibn Al-Madschischun, einer der großen frühen Gelehrten nach Malik, antwortete auf die Frage, warum er manchmal überlieferte Hadithe nicht befolgte: „Damit die Leute genau wissen, dass wir Wissen von ihnen hatten, als wir nicht nach ihnen handelten.“

Zweitens gibt es keine Chance, dass ein einzelner Hadith ein stärkerer Beweis ist als der ‘Amal der Leute von Medina. Dabei handelt es sich um die fortgesetzte Praxis der Leute des Wissens in dieser Stadt. Imam Malik lernte bei mehr als 900 Gelehrten der zweiten Nachfolgergeneration. Er war einer der größten Hadithgelehrten und lernte enorme Mengen an Hadithen auswendig. Und doch meinen einige, er sei in Unkenntnis von etwas Grundlegendem in Verbindung mit dem Freitagsgebet – der öffentlichsten Handlung der Anbetung überhaupt? Besser wäre es zu sagen, dass er, wie seine Schüler und viele ‘Ulama seiner Schule, die verschiedenen Argumente kannte. Für ihn war das Verbot aber stärker, da es auf den Handlungen der rechtgeleiteten ersten, frühen Generation beruhte.

Und ebenso auf der Tatsache, dass die Khutba am Freitag den Platz von zwei Gebetseinheiten des Mittagsgebetes einnimmt. Niemand kann gleichzeitig beten und zuhören. Und niemand würde zum Mittagsgebet in eine Moschee kommen, während der Imam das Gemeinschaftsgebet bereits führt, und trotzdem erst einmal die zwei Rakats beten. Der stärkste Beweis und die geschützte Praxis wurden von den Gelehrten jeder Generation ­bewahrt – unabhängig der Rechtsschule. Sie sind es, von denen wir unser Wissen nehmen müssen. Wir sollten uns nicht von denen beeindrucken lassen, die Qur’anverse und Hadithe anführen und gleichzeitig das Vorbild und die Praxis ihrer Lehrer und Schaikhs nicht beachten.

Gewalt gegen Körper, Geist und Seele

(IPS). Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist eine der am wei­testverbreiteten und verhee­rendsten Menschenrechtsverletzungen weltweit. Häufig wird sie wegen Straflosigkeit, Scham und Ungleichheit der Geschlechter nicht gemeldet.

Würde mir ein Wunsch gewährt, dann wäre er das vollkommene Ende von Vergewaltigung. Ihre Abschaffung bedeutet das Verschwinden einer destruktiven Waffe aus dem Arsenal von Konflikten, die Abwesenheit von täglichen Risiken für Mädchen und Frauen in öffentlichen und privaten Räumen, die Entfernung eines gewaltsamen Machtmittels sowie eine weitreichende Verschiebung in unseren Gesellschaften.

Vergewaltigung ist keine isolierte, kurzweilige Handlung. Sie beschädigt den Körper und hallt in der Erinnerung. Sie kann lebensverändernde, unerwün­schte Folgen haben – wie Schwangerschaft oder Infektionskrankheiten. Ihre langanhaltenden, verheerenden Effekte erreichen andere Menschen: Familie, Freund, Partner und Kollegen.

In Konflikten und im Frieden prägen sie weibliche Entscheidungen, sich in Gemeinschaften mit der Angst vor Angriffen oder dem Stigma einer Überlebenden zu bewegen. Frauen und Mädchen, die aus ihrer Heimat fliehen, riskieren unsicheren Transport und risikobehaftete Bedingungen mit Türen, die sich nicht verschließen lassen, mangelhaften Lichtverhältnissen oder ausreichenden sanitären Anlagen.

Mädchen werden als Kinder auf der Suche nach mehr Sicherheit daheim oder in Flüchtlingslagern früh verheiratet. Häufig finden sie sich in Bedingungen legitimierter Vergewaltigung wieder. Sie haben nur wenig Rückgriff auf Fluchtwege, sicheres Obdach oder Unterkunft. In einer Mehrheit der Staaten sind pubertierende Mädchen am meisten durch sexuelle Gewalt gefährdet – durch einen jetzigen oder ehemaligen Ehemann, Partner oder Freund. Für Millionen Frauen und Mädchen ist das Zuhause längst kein sicherer Ort.

Beinahe überall gehen die Täter straflos aus oder werden noch nicht einmal angezeigt. Damit Frauen dieses Verbrechen überhaupt anzeigen können, brauchen sie ein Mindestmaß an Widerstandsfähigkeit. Sie müssen die Attacke noch einmal durchleben, brauchen ­Wissen davon, wie es weitergeht, und ein gewisses Maß an Vertrauen in die Dienste, an die sie sich wenden – wenn es überhaupt solche Stellen für sie gibt.

In vielen Ländern wissen Frauen, dass sie mit überwältigender Wahrscheinlichkeit mehr beschuldigt werden als angenommen, wenn sie über sexuelle Übergriffe berichten. Sie müssen mit einem ungerechtfertigten Gefühl der Schande fertig werden. Das Ergebnis davon ist eine Unterdrückung der Frauenstimmen über Vergewaltigung, mangelhafte Berichterstattung und fortgesetzte Straflosigkeit der Täter. Forschungen ergaben, dass nur ein kleiner Anteil heranwachsender Mädchen, die erzwungenen Sex erleben, professionelle Hilfe suchen. Und nur zehn Prozent der Frauen, die nach der erlebten Gewalt Hilfe suchen, kontaktieren die Polizei.

Ein positiver Schritt in Richtung mehr Rechenschaft ist das allgemeine Verbot von Vergewaltigung. Gegenwärtig haben mehr als die Hälfte aller Staaten keine Gesetze, die ausdrücklich Vergewaltigung in der Ehe untersagen oder die das Prinzip der Zustimmung durchsetzen.

Neben der Kriminalisierung dieses Verbrechens müssen wir die Opfer viel mehr ins Zentrum einer Antwort stellen und Vergewaltigung zur Rechenschaft ziehen. Das heißt, Ermittlungs- und Strafverfolgungsbehörden müssen im größeren Maße diese Verbrechen untersuchen können, die Opfer durch das Strafprozessrecht unterstützen, Zugang zu rechtlicher Beratung ermöglichen. Gerade Frauen aus marginalisierten Schichten brauchen besseren Zugang zu Gesundheits- und Sozialdiensten. Mehr Frauen im Polizeidienst zu haben und ihre angemessene Ausbildung sind erste Schritte, um sicherzustellen, dass die Opfer wieder Vertrauen entwickeln und das Gefühl haben, dass ihre Beschwerde in jeder Phase eines potenziell komplexen Prozesses ernst genommen wird.

Für Fortschritte braucht es auch einen Erfolg bei der Abschaffung vieler institutioneller und struktureller Hindernisse. Patriarchale Systeme und negative Vorurteile zu Genderthemen existieren in Einrichtungen der Sicherheit, Polizei und Justiz. Das gleiche gilt für andere Behörden.

Wer Vergewaltigung als Waffe einsetzt, weiß, wie stark diese traumatisiert sowie die Stimme und Entscheidungsfreiheit unterdrückt. Das ist eine untragbare Belastung für die Gesellschaft. Keine weiteren Generationen sollten mehr mit diesem Vermächtnis der Rechtsverstöße kämpfen müssen.

Ein schwieriges Jahr

Zu den guten Nachrichten des Jahres 2019 gehört ein nachhaltigeres Wirtschaftswachstum in Afrika, das derzeit von Innovationen angetrieben wird. Von Farhana Haque Rahman

(IPS). Auf jedem Fall war dies ein verheerendes Jahr: Brände im Amazonasbecken, der Arktis und darüber hinaus Überschwemmungen und Dürre in Afrika, steigende Temperaturen, Kohlenstoffemissionen und Meeresspiegel, Beschleunigung des Artenverlustes sowie Massenflucht von Menschen.

Auf dem am 2. Dezember in Madrid eröffneten jährlichen UN-Klimagipfel wurden Delegationen aus fast 200 Ländern zur Bekämpfung des Klimanotfalls aufgerufen. Trotz Warnungen, dass der Planet kritische Wendepunkte erreicht habe, blieben Befürchtungen, dass die zwei Wochen Verhandlungen im bekannten Gefühl von Enttäuschung und verpassten Gelegenheiten endeten.

„Wollen wir wirklich als die Generation in Erinnerung bleiben, die ihren Kopf im Sand vergraben hat, die herumgespielt hat, während der Planet gebrannt hat?“, erklärte der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres. Die Regierungschefs der größten verschmutzenden Staaten der Welt – einschließlich Donald Trump aus den USA, Chinas Xi Jinping und Russlands Wladimir Putin – waren im erheblichen Maße abwesend.

Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro weigerte sich, das Treffen auszurichten. Er blieb ebenfalls fern, anstatt sich einem kritischen Empfang zu stellen. Die Proteste gegen die Brände im brasilianischen Amazonasgebiet und die Ermutigung der Regierung zur Abholzung neuer Waldgebiete breiten sich weltweit aus – insbesondere in Europa. Jugend ist das neue Gesicht des Aktivismus. Inspiriert wird sie von der schwedischen Aktivistin Greta Thunberg sowie anderen.

Die wachsende Sahara löst Familien auf und beschleunigt Konflikte. Die ­Sahelzone an ihrem südlichen Rand ist die Region, in der die Temperaturen schneller steigen als anderswo auf der Erde. Projekte wie UN-Konvention zum Kampf gegen Wüstenwachstum zielen auf die Verhinderung der Verschlechterung von Böden beziehungsweise der Umkehrung dieses Phänomens ab. Das sind nur einige der Maßnahmen, das Wachstum von Wüsten zu beenden.

Im November warnten humanitäre Helfer, dass mehr als 50 Millionen Menschen im südlichen, östlichen und zentralen Afrika in Folge extremer Wetterbedingungen Hungerkrisen ausgesetzt seien. Diese würden durch Armut und bewaffnete Konflikte verschlechtert. Während ein großer Teil am Horn von Afrika, in Sambia und in Simbabwe von Dürre heimgesucht wird, sinken kleine Inselstaaten – insbesondere im Pazifik – unter den steigenden Meeresspiegel oder werden anfälliger für Wirbelstürme und Taifune.

Eine der Folgen: Ungesteuerte Migration ist auf dem Vormarsch und hat Tausende auf gefährlichen Reisen in den Tod getrieben. Auf den unsicheren Routen des Mittelmeeres oder der afrikanischen Atlantikküste sind 2019 tausende Menschen ums Leben gekommen. Mittlerweile warnen internationale Organisationen in ihren Herkunftsländern vor den Gefahren dieser beschwerlichen Reise.

Kriminelle Menschenschmuggler verdienen riesige Summen mit dem Schicksal von Migranten. Sie nehmen nur wenig Rücksicht auf die Sicherheit der Menschen. Andere Betroffene – insbesondere Frauen und Mädchen – fallen in die Hände ausbeuterischer Menschenhändler. 2019 war Zentralamerika eine der Regionen, aus der viele Menschen in die USA auswanderten. Dieses kriminelle Gewerbe ist das drittgrößte Verbrechen der Welt. Weltweit sind schätzungsweise 40 Millionen Menschen in aller Welt versklavt. Nach Ansicht von UN-ExpertInnen wird diese neue Leibeigenschaft durch die Globalisierung, die ökologische Verschlechterung und Migrationswellen weiter verschlimmert. Nach Angaben der NGO Walk Free müssten täglich 10.000 Menschen befreit werden, sollten die UN-Entwicklungsziele (SDGs) zur Abschaffung von Sklaverei im Jahre 2030 erreicht werden.

Die UN-Flüchtlingsagentur UNHCR geht davon aus, dass derzeit mehr als 70 Millionen Menschen durch bewaffnete Konflikte vertrieben sind – die größte Zahl seit dem Zweiten Weltkrieg. Unter ihnen haben beinahe 26 Millionen ihre Heimat verlassen (die Hälfte von ihnen ist jünger als 18 Jahre). Als Antwort ­haben viele Staaten Hindernisse und Mauern errichtet.

Und die Notlage von rund einer ­Million muslimischen Rohingya-Flüchtlingen, die aus Burma nach Bangladesch vertrieben wurden, zeigt wenig Anzeichen einer Lösung. Die Lähmung des UN-Sicherheitsrats, bei der China seine Interessen in Burma durch ein Veto schützen kann, hat Interventionen des Internationalen Strafgerichtshofs und des Internationalen Gerichtshofs nötig gemacht, die voraussichtlich über die Gräueltaten entscheiden werden.

Die Entwicklungsziele der Vereinten Nationen haben sich feierlich geschworen, bis 2030 Hunger und extreme ­Armut abzuschaffen. Diese können aber nicht erreicht werden, solange sich Kleinbauern in aller Welt nicht an den Klimawandel anpassen können. Seit 2016 steigen die weltweiten Zahlen hungriger Menschen wieder an. Alles in allem sind die SDGs in Schwierigkeiten. Der UN-Generalsekretär warnte im Juli davor, dass „eine viel tiefere, schnellere und ehrgeizigere Reaktion erforderlich sein wird, um den sozialen und wirtschaftlichen Wandel in Gang zu setzen, der zur Erreichung unserer Ziele für 2030 nötig ist“.