Nicht die persönliche Religiosität treibt die Muslimfeindlichkeit im Westen Europas an, sondern eine ideologische Verbindung zu nativistischen und autoritären Einstellungen. (iz). In einer Zeit, in der rechtspopulistische Parteien in Westeuropa […]
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Nicht die persönliche Religiosität treibt die Muslimfeindlichkeit im Westen Europas an, sondern eine ideologische Verbindung zu nativistischen und autoritären Einstellungen. (iz). In einer Zeit, in der rechtspopulistische Parteien in Westeuropa […]
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Eine neue Studie zeigt: Zugewanderte identifizieren sich ähnlich stark mit der Demokratie wie Personen ohne Migrationshintergrund. In Deutschland wie in ganz Europa. (KNA). Migrantinnen und Migranten in Europa stehen einer […]
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(KNA). Wissenschaftler an deutschen Universitäten verüben einer Studie zufolge zunehmend Selbstzensur in Bezug auf den Nahost-Konflikt. Das geht aus einer aktuellen Erhebung der Freien Universität Berlin hervor, über die der „Tagesspiegel“ zuerst berichtet hatte.
Demnach sehen knapp 85 % der Befragten die Wissenschaftsfreiheit seit dem 7. Oktober 2023 – dem Angriff der Hamas auf Israel – bedroht. Mehr als drei Viertel der Umfrageteilnehmer geben zudem an, vor allem bei Israel-bezogenen Themen zurückhaltend zu sein. „Selbstzensur erweist sich als verbreitetes Phänomen“, heißt es in der Studie.
Gründe dafür seien vor allem Angst vor Missverständnissen, Anfeindungen und beruflichen Konsequenzen. Die Selbstzensur bei Themen rund um den Nahostkonflikt trete in öffentlichen Formaten, in Medienbeiträgen und selbst im Kollegium auf.
Rund elf % der Befragten, die sich den Angaben nach „oft“ selbst zensieren, waren von einem Antisemitismusvorwurf betroffen. Ebenso viele berichteten demnach von gegen sie gerichtete Hassrede und Drohungen im Internet. Der Erhebung zufolge sind es vor allem junge Wissenschaftler wie Doktoranden, die aus Angst vor beruflichen Konsequenzen oder dem Verlust von Fördermitteln zur Selbstzensur neigen.
Befragt wurden demnach Wissenschaftler vor allem der Arabistik und Islamwissenschaft, Kulturwissenschaften, Area Studies und Politikwissenschaften an deutschen Universitäten, außeruniversitären Forschungseinrichtungen sowie Think- und Do-Tanks im Frühjahr dieses Jahres.
Die Studienautoren rund um Jannis Julien Grimm verweisen auf „mehrere Einschränkungen“ der Erhebung, etwa darauf, dass die Ergebnisse auf Selbstberichten der Teilnehmer beruhten und verzerrt sein könnten „durch soziale Erwünschtheit, strategisches Antwortverhalten und Erinnerungseffekte“.
Dennoch kommen die Forscher zu dem Schluss, dass die Befunde auf „bedeutsame Entwicklungen und Verschiebungen“ in der deutschen Wissenschaftslandschaft hinweisen. Die berichteten Wahrnehmungen von Einschränkungen und Selbstzensur seien besorgniserregend.
Stuttgart (KNA) Die Deutschen sind laut einer Studie heute weniger tolerant als noch vor fünf Jahren. Bei einer am Dienstag in Stuttgart veröffentlichten Umfrage der Robert-Bosch-Stiftung sagten lediglich 34 Prozent, dass sie Vielfalt bei der Religion als Bereicherung erachteten – und gerade 56 bei der ethnischen Herkunft. 2019 waren dies mit 44 sowie 73 Prozent noch deutlich mehr. Von Matthias Jöran Berntsen
Insgesamt wurden beim sogenannten Vielfaltsbarometer sieben Kategorien erfasst: Er ist eine repräsentative Befragung und misst Einstellungen zu Lebensalter, Behinderung, Geschlecht, sexueller Orientierung, wirtschaftlicher Schwäche, ethnischer Herkunft sowie Religion.
Aus allen Themenfeldern berechnen die Studienautoren einen Durchschnitt. Auch dieser „Vielfaltsgesamtindex“ fiel von 68 Punkten im Jahr 2019 auf aktuell 63 Punkte.
Am stärksten war die Akzeptanz von Vielfalt in den Bereichen Behinderung (82 zu 83 im Jahr 2019) und Geschlecht (74/69). Die Forschenden führen die auffallend geringe Akzeptanz von Religion auf vielfache Skepsis gegenüber dem Islam zurück, welche darin Ausdruck finde.
Foto: Deutscher Bundestag, Thomas Köhler, photothek.net
35 Jahre nach der Deutschen Wiedervereinigung konnten die Autoren in der Gesamtbilanz keinen spezifischen Ost-West-Unterschied mehr feststellen. „Der Westen hat sich dem Osten stark angenähert“, sagte Studienleiterin Regina Arant. Hintergrund sei ein starker Toleranzrückgang in Stadtstaaten und westdeutschen Flächenländern.
Im Vergleich zwischen den Bundesländern macht die Befragung aber weiterhin Unterschiede deutlich. So zeigen die Menschen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen mit je 65 auf einer Skala bis 100 den höchsten Wert für die Akzeptanz von Vielfalt. Das Saarland und Hamburg folgten mit 64.
Mit 63 genau im Bundesdurchschnitt lagen Niedersachsen, Bremen, Berlin, Bayern und Rheinland-Pfalz. Hessen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Baden-Württemberg erreichten den Wert von 62. Thüringen und Sachsen mit 60 sowie Mecklenburg-Vorpommern mit 59 erzielten in der Befragung die niedrigsten Werte.
Als Grund sinkender Toleranz verweisen die Studienautoren und -autorinnen auf ein Zusammenspiel unterschiedlicher globaler Krisen wie Corona, Krieg und Rezession. „Viele Menschen fühlen sich aktuell verunsichert oder überfordert. Verlustängste führen dazu, dass Abgrenzung als vermeintlicher Schutz empfunden wird“, betonte die Leiterin Globale Fragen bei der Bosch Stiftung, Ottilie Bälz.
Foto: Animaflora PicsStock, Shutterstock
Der Co-Studienautor Ferdinand Mirbach fordert mit Blick auf die negative Entwicklung Politik und gesellschaftliche Verantwortungsträger zum Handeln auf. Es gelte etwa, vor Ort in den Kommunen mehr Islam-Kompetenz aufzubauen und gezielter für die Werte der Demokratie und Menschenwürde zu werben.
Auch plädierte er für eine besondere Empathie für Menschen aus Ostdeutschland. Diese hätten aus individuellen Erfahrungen heraus berechtigte Gründe für einen kritischen Blick auf gesellschaftliche Zustände. „Wir müssen anerkennen, dass es Menschen gibt, die aus guten Gründen ein Stück weit kritisch sind.“
Für die Umfrage wurden laut Bosch-Stiftung im Mai rund 4.800 deutschsprachige Personen ab 16 Jahren online befragt – darunter waren etwas mehr als 1.000 Menschen mit Migrationsgeschichte.
Ende Mai veröffentlichte die Universität Erlangen-Nürnberg eine Erhebung über Freitagspredigten in deutschen Moscheen. Die Ergebnisse stellen eine Versachlichung von Debatten dar. Erlangen/Berlin (iz, KNA). Die FAU-Erhebung widerlegt das verbreitete Klischee, […]
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Mannheim (dpa). Religiös bedingte Verhaltensweisen von Muslimen stoßen laut einer Studie der Universität Mannheim in Deutschland vor allem dann auf Vorbehalte, wenn Anhänger anderer Religionen und Weltanschauungen dadurch eigene Interessen bedroht sehen.
Das gilt nach Angaben der Forscher sowohl für den Wunsch nach einem eigenen Feiertag als auch für die Forderung nach Halal-Essen in Schulkantinen.
Die Sozialwissenschaftler um Marc Helbling und Richard Traunmüller hatten für ihre Studie rund 2.600 Teilnehmer einer Online-Befragung in mehrere Gruppen aufgeteilt, denen jeweils unterschiedliche Vorschläge unterbreitet wurden, zu denen sie sich positionieren sollten.
In der Gruppe, der vorgeschlagen wurde, einen christlichen Feiertag durch einen muslimischen Feiertag zu ersetzen, sprachen sich 22 Prozent der Befragten dafür aus. Von den Teilnehmern der Gruppe, die sich zu dem Vorschlag äußern sollte, einen zusätzlichen muslimischen Feiertag einzuführen, an dem dann alle Menschen in Deutschland freihaben sollten, stimmten den Angaben zufolge 40 Prozent für diese Idee.
Eine dritte Gruppe bekam einen anderen Vorschlag vorgelegt, wonach Muslime das Recht erhalten sollten, an einem für sie bedeutenden Feiertag nicht zu arbeiten, verbunden mit der Verpflichtung, dies mit Überstunden auszugleichen.
Ähnlich verhielt es sich, als das Meinungsforschungsinstitut Respondi im Auftrag der Forscher nach dem Essen in Schulkantinen fragte.
In der Gruppe, der vorgeschlagen wurde, in Schulkantinen aus Rücksicht auf Muslime zusätzlich zu anderen Gerichten Speisen ohne Schweinefleisch zu servieren, befürwortete eine Mehrheit von 59 Prozent eine solche Maßnahme.
In der Gruppe, die gefragt wurde, ob in Schulkantinen kein Schweinefleisch mehr angeboten werden sollte, «um Rücksicht auf muslimische religiöse Regeln zu nehmen», fiel die Zustimmung zu dieser Maßnahme mit 21 Prozent deutlich niedriger aus.
Die Wissenschaftler stellten außerdem fest, dass viele Menschen in Deutschland ein Störgefühl haben, wenn Muslime aus religiöser Überzeugung einem Angehörigen des anderen Geschlechts den Handschlag verweigern – sowohl im beruflichen Kontext als etwa auch in der Schule.
Etwas weniger Unmut verursacht eine solche Weigerung den Angaben zufolge, wenn derjenige, der seinem Gegenüber nicht die Hand geben wolle, stattdessen zum Gruß die Hand aufs Herz legt.
„Generell können gesellschaftliche Konflikte entschärft werden, wenn wir deutlich machen, dass muslimische Rechte nicht in Konkurrenz mit den eigenen Gepflogenheiten stehen müssen“, sagte Traunmüller.
Dokumentation: Pressemitteilung des Verbands Muslimischer Lehrkräfte zum Stopp einer aktuellen Studie. (VML). „Als Verband Muslimischer Lehrkräfte (VML) halten wir aufgrund der zahlreichen Mängel der Studie über den Islamischen Religionsunterricht (IRU) […]
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(iz). Das NRW Bildungsministerium hat zur Evaluation des Islamischen Religionsunterrichts (IRU) eine Studie in Auftrag gegeben. Die laut Ministerium geplante Verlängerung des seit dem Schuljahr 2012/2013 etablierten Erfolgs- und Vorzeigeprojekts IRU um zehn Jahre stehe bald an. Dazu gehöre für die politischen Entscheider eine Auswertung der bisherigen Arbeit. Seit Beginn der unangekündigten Studie hagelt es aber massive inhaltliche und methodische Kritik.
Und die Forderung nach einem umgehenden Stopp werden von Elternseite, Lehrerverband und muslimischen Organisationen immer lauter.
Die fehlende Einbindung und Information der relevanten Gruppen und Organisationen im Vorfeld wird inzwischen auch in Düsseldorf offenbar als Fehler angesehen. Insbesondere die bedenklich unwissenschaftlichen Ausarbeitung der Umfrage für muslimische Schüler und IRU-Lehrer, stellt aber den Hauptkritikpunkt u.a. für muslimische Verbände (siehe unten), das bekannte NRW Elternnetzwerk und den größten muslimischen Lehrerverband Deutschlands, den Verband Muslimischer Lehrkräfte (VML) dar.
Die Studie unter Leitung von Professor Khorchide vom Zentrum für Islamische Theologie der Universität Münster sei ein fragwürdiges Sammelsurium an altbekannten antimuslimischen Vorurteilen, Stereotypen und Rassismen über den Islam und Muslime, welche zum Beispiel durch Suggestivfragen („Stimmst du zu, dass…“) und höchst bedenkliche Antwortmöglichkeiten („Homosexualität ist eine Krankheit, die geheilt werden kann“) unter die muslimischen Schülerinnen und Schüler gebracht werden.
Die wenigsten Fragen beschäftigen sich mit dem eigentlich vom NRW Bildungsministerium vorgesehenen Untersuchungsgegenstand, dem Islamischen Religionsunterricht (IRU). Teilweise wirken die Fragen wie ein Gesinnungstest zur Überprüfung von bedenklichen Vorstellungen aus dem Bereich der antimuslimischen Hetze.
Eklatante methodische Fehler tun ihr übriges die zukünftigen Ergebnisse der Khorchide-Studie – wenn sie überhaupt angesichts solcher Mängel weiter läuft – jetzt schon anzuzweifeln. Da zum Beispiel die bei Umfragen übliche Antwortoption „keine Angaben“ fehlt, mussten bisher auch Jungen und Männer die Frage zur persönlichen Diskriminierung wegen „ihres Kopftuches“ beantworten. Die logische Antwort „nein“ verzerrt allein hier massiv den tatsächlichen Wert von Islamfeindlichkeit gegen Frauen mit Kopftuch, die bereits an der Studie teilgenommen haben.
Zu der mittlerweile als „Chaos“-Studie bezeichneten laufenden Evaluierung des IRU äußerten sich bereits in der vergangenen Woche eine Reihe von Beteiligten und Fachexperten vertraulich mit vernichtenden Worten: „unwissenschaftlicher Blödsinn“, „peinlich für die Auftraggeber, die dafür Geld ausgeben“, „antimuslimische Vorurteile im Deckmantel einer Studie“ etc. Das Festhalten an ihrem Fortgang würde ein „Armutszeugnis für das Bildungsland NRW“ sein und dessen Umgang mit dem seit Jahren anerkannten und qualitativ hochwertigen Islamischen Religionsunterricht (IRU).
In einer wegen des großen Gegenwinds von Lehrkräften, Experten und Verbänden eilig vom Ministerium anberaumten Videokonferenz für IRU-Lehrer am vergangenen Donnerstag (02.05.2024) versuchte man erfolglos, mit Prof. Khorchide die zahlreichen inhaltlichen, methodischen und formalen Kritikpunkte zu entkräften.
Denn welchen Wert hätten beispielsweise die bisherigen Umfrage-Rückläufe, wenn erst jetzt im laufenden Prozess Anpassungen zur methodischen Fehlerbeseitigung vorgenommen werden und die bisherigen Rückläufe damit hinfällig, weil nicht mehr vergleichbar seien. Von den großen inhaltlichen Mängeln ganz zu schweigen.
Die angebliche Beantwortungsquote von bis zu einem Drittel seitens der IRU-Lehrer vaporisierte sich noch während der laufenden Sitzung und ließ Khorchide konsterniert zurück, als verschiedene Teilnehmer angaben, den Fragebogen zur Analyse der Methodik und zur Sichtung der Fragen mehrmals (teilweise bis fast zu einem Dutzend Mal) ausgefüllt zu haben.
Unabhängig davon stellt sich die wichtige Frage, wie eine Umfrage mit einem frei auf WhatsApp, Email & Co. zirkulierenden Link überhaupt gesicherte Ergebnisse einer bestimmten Zielgruppe liefern soll. Die erhofften Umfrage-Ergebnisse bei rund 300 IRU-Lehrkräften in NRW können so willkürlich von jedem übel Gesinnten anti-muslimisch beeinflusst werden. Abgesehen vom grundsätzlichen Problem, dass die inhaltlichen Fragen und Antwortmöglichkeiten dieser Studie an sich schon ein negatives Framing in Bezug auf den Islam transportieren und keineswegs wissenschaftlichen Standards genügen.
Für großes Stirnrunzeln – da die Studie noch läuft – sorgte offenbar die Ankündigung, des anscheinend die Zukunft vorwegnehmenden Professors, dass die Ergebnisse der Studie gut sein werden. Oder die Taktik bestand lediglich darin, die vielfältige berechtigte Kritik an dieser unwissenschaftlichen Studie zu beruhigen, was offenkundig nicht gelang.
Das Elternnetzwerk NRW bemängelte bereits Anfang letzter Woche (30.04.2024) in einer vielbeachteten Stellungnahme mit dem Verband Muslimischer Lehrkräfte (VML) zusätzlich die fehlende Einholung einer elterlichen Einverständniserklärung zur Umfrage, die bei anderen Studien üblich seien oder zumindest eine Vorab-Information. Warum werden außerdem den Schulkindern persönliche Fragen gestellt wie zu deren muslimischen oder nicht-muslimischen Freundeskreis? Was habe dies mit einer Auswertung zur Qualität des Islamischen Religionsunterrichts zu tun?
Interessant übrigens, dass der dritte Unterzeichner der Stellungnahme (aktualisierte Ursprungsmeldung in der Presse), das Netzwerk Lehrer mit Zuwanderungsgeschichte (LMZ) – initiiert 2007 vom Schul- und Integrationsministerium – nach der Veröffentlichung aufgrund politischen Drucks seine Unterschrift zurückziehen musste, wie kolportiert wird.
Was bleibt: Aufgrund der Vielzahl an gravierenden methodischen und inhaltlichen Fehlern, die keine validen wissenschaftlichen Ergebnisse ermöglichen, müsse die Studie in jedem Fall dringend eingestellt und eine geeignetere Stelle für eine wirklich wissenschaftliche Evaluation gefunden werden, bei frühzeitiger Einbindung aller Stake-Holder (muslimische Lehrer, Eltern, Verbände) in die Erstellung einer neuen Studie.
Die Einstellung der laufenden Studie fordern laut Pressemeldung auch die Islamischen Religionsgemeinschaften in NRW (IRG NRW), die Landesreligionsgemeinschaften der DITIB, der Islamischen Gemeinschaft der Bosniaken in Deutschland (IGBD) sowie der Union der Islamisch-Albanischen Zentren in Deutschland (UIAZD) in einer gemeinsamen Stellungnahme an das NRW Schulministerium.
Überraschend kündigte Münster aber vielmehr eine zweite Studienrunde mit qualitativen Interviews an, welche ab September 2024 durchgeführt werden sollen. Auch in Düsseldorf mag jedoch die Frage aufkommen, welche IRU-Lehrkraft sich angesichts einer derart katastrophalen quantitativen Untersuchung ernsthaft bereit erklären würde, bei einer folgenden empirischen Untersuchung aus demselben Haus als Interviewpartner teilzunehmen.
Dass die Studie gänzlich freiwillig sei, werde – so verschiedene Rückmeldungen von Lehrern in den Sozialen Medien – seitens der Schulleitungen nicht immer kommuniziert. Und viele IRU-Lehrer sind von ihren Schulleitungen bis heute weder über die Studie, noch über den Video-Konferenztermin mit dem Ministerium in der letzten Woche informiert worden.
Die uneinheitlichen Anschreiben der Studienersteller und des Ministeriums machen den Schulen, Lehrern und Schülern außerdem schwierig deutlich, für welche Altersgruppe die Umfrage überhaupt vorgesehen sei. So gebe es zum Beispiel sogar eine Rückmeldung von einer Grundschule, wo die Studie mit Schülern durchgeführt wurde.
Auf der anderen Seite ließen laut Informationen eine Reihe von Lehrern und Schulleitungen die Beantwortung der mangelhaften Studie aufgrund der zahlreichen offensichtlichen Fehler abbrechen. Ein mit der Umfrage vertrauter Studienrat fand deutliche Worte: „Jeder Oberstufenschüler würde für so ein Studiendesign eine Sechs bekommen. Und einem Professor lässt man so etwas für Steuergeld durchgehen? Unfassbar.“
Die NRW-Politik und das Bildungsministerium betonten bisher stets stolz, dass der bekenntnisorientierte Islamische Religionsunterricht mit seinen hochqualifizierten IRU-Lehrern ein NRW Erfolgsmodell, Vorbild für andere Bundesländer und unabhängig davon, ein verbürgtes Recht der deutschen Muslime sei.
Warum das Bildungsministerium in Düsseldorf sich für eine so wichtige Aufgabe wie die Evaluierung des Islamischen Religionsunterrichts in NRW ausgerechnet, den bereits in der Vergangenheit umstrittenen Lehrstuhlinhaber Khorchide ausgesucht hat, bleibt daher offen. Er war schon in Österreich während seiner viel kritisierten und wegen mutmaßlicher Mängel monierten Doktorarbeit über österreichische Islam-Lehrer mehr als negativ aufgefallen.
Der Österreichische Rundfunk titelte und schrieb Anfang 2009: „Bildungsforscher: Islam-Lehrer-Studie ‘wissenschaftlich unhaltbar’ und (…) ‘Massive Kritik an der Islam-Lehrer-Studie (….).“ In der Studie des Soziologen würden „in einer Art und Weise Aussagen über Einstellungen und Haltungen konstruiert, die wissenschaftlich unhaltbar sind“.
Ein Abklatsch seines damaligen Vorgehens in Österreich findet aktuell medialen Widerhall in der Präsentation von fragwürdigen Umfrage-Ergebnissen über angehende Islamwissenschaftler – die absolute Mehrheit davon aus seinem Institut, wo auch diese Studie herstammt.
Dabei scheint Khorchide zu übersehen, dass er als Kollateralschaden eigentlich auch die vermeintliche Qualität seiner eigenen Lehrerausbildung massiv in Frage stellt. Denn wenn solche Einstellungen tatsächlich auch an der Universität Münster nach seinen Seminaren und seinen Vorlesungen bei seinen Studenten und angehenden Staatsdienern, am Lehrstuhl unter seiner Führung, vorhanden seien, wäre eigentlich der logische Schluss, von seiner staatlich finanzierten Stelle als Leiter des Lehrstuhls der Universität Münster zurückzutreten.
Nach einem vernichtenden wissenschaftlichen Gutachten des Koordinationsrates der Muslime (KRM) über seine Arbeit war es eigentlich Ende 2013 fast schon so weit.
Die renommierte „Deutsche Gesellschaft für Islamisch-Theologische Studien (DEGITS)“ äußerte heute (5. Mai 2024) in einer seltenen Stellungnahme „große Bedenken“ und „Zweifel hinsichtlich der Belastbarkeit Ihrer Daten“ in Bezug auf die Münsteraner Studie über Studierende der Islamischen Theologie und Religionslehrer.
Für den DEGITS-Vorstand sehen Prof. Dr. Mira Sievers, Prof. Dr. Idris Nassery, Prof. Dr. Rana Alsoufi, Dr. Betül Karakoç-Kafkas und Dr. Mark Chalîl Bodenstein in der Studie „Schwarz-weiß Formulierungen der Fragen und Vorannahmen“, indem z.B. dichotome Gegensätze dargestellt würden, während islamische Traditionen der Meinungsvielfalt und Ambiguitätstoleranz keine Verwendung finden. Außerdem sei unter forschungsethischen Gesichtspunkten die Diskrepanz zwischen der ursprünglichen Anfrage an die Studierenden und der tatsächlichen Forschungsfrage bedenklich.
Bei der mangelhaften laufenden Umfrage an Schulen mit IRU-Lehrern und muslimischen Schülern befürchten Insider, werde möglicherweise versucht, mit den invaliden Daten der Studie, basierend auf den erwähnten unwissenschaftlichen Suggestivfragen und erschreckenden vorgegebenen Antwortmöglichkeiten, den Islamischen Religionsunterricht (IRU) zu diskreditieren und mittelfristig abzuschaffen.
Die Idee, statt des grundgesetzlich verbürgten Religionsunterrichts einen allgemeinen Ethikunterricht einzuführen, wurde nicht zuletzt auch von Prof. Khorchide in der Vergangenheit selbst in den Raum geworfen.
Der Leiter der „Chaos“-Studie darf – so erscheint es neutralen Beobachtern – dank seiner Dauerfans aus der Politik mitentscheiden, wie lange es noch mit dem IRU weiter geht. Die Religionsfreiheit in Deutschland oder redliche Wissenschaft im Dienste der Forschung scheinen dabei keine entscheidenden Variablen zu sein.
Vielleicht nehmen die Entscheider in Düsseldorf aber den Marshallstab endlich wieder selbst in die Hand, indem sie die berechtigte konstruktive Kritik der unzähligen Experten ernstnehmen und sich an die weisen Worte aus Österreich erinnern. Die Empfehlung für die Politik bezüglich Khorchides Arbeit war dort ziemlich eindeutig: Wer auf dieser Grundlage handeln wolle, „macht aus schlechter Wissenschaft schlechte Politik“.
Fast eine halbe Millionen muslimische Schulkinder in NRW, deren Eltern und Hunderte muslimische IRU-Lehrinnen und Lehrer haben Besseres verdient und erwarten Verlässlichkeit sowie die Einhaltung ihrer staatsbürgerlichen Rechte seitens der Politik, gerade auch in Anbetracht der im Land um sich greifenden Islamfeindlichkeit.
Ein erster Schritt in die richtige Richtung wäre, die „Chaos“-Studie endgültig zu stoppen.
Neues Buch über Juden, Muslime und Christen in Ostdeutschland erschienen. (KNA). Religion spielt im Osten oft noch weniger eine Rolle als im Westen. In einem neuen Buch sprechen Menschen unterschiedlicher […]
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Berlin (dpa). Rechtsextreme Einstellungen haben in der deutschen Bevölkerung laut einer aktuellen Studie seit 2021 stark zugenommen. Aktuell hat jeder zwölfte Erwachsene ein rechtsextremes Weltbild, wie eine am Donnerstag veröffentlichte Untersuchung von Forschern der Universität Bielefeld feststellt. Mit 8,3 Prozent ist der Anteil gegenüber dem Niveau der Vorjahre von knapp 2 bis 3 Prozent erheblich gestiegen.
Dabei kann man der Studie zufolge von einer rechtsextremen Einstellung nicht automatisch darauf schließen, wo sich jemand selbst politisch verortet. „Unter jenen, die sich klar als „links“ positionieren, gibt es dabei mehr Menschen, die ein gefestigtes rechtsextremes Weltbild teilen (12 Prozent) als es in der politischen Mitte der Fall ist (7 Prozent)“, halten die Forscher um Andreas Zick fest.
Zugenommen habe auch der Anteil der Befragten, der sich rechts der Mitte verortet, heißt es in der Studie mit dem Titel „Die distanzierte Mitte“. Während sich demnach aktuell 15,5 Prozent der Bevölkerung selbst rechts der Mitte sehen, waren es bei der zurückliegenden Befragung lediglich knapp zehn Prozent.
Foto: Olaf Kosinsky / kosinsky.eu / Lizenz: CC BY-SA 3.0
Überraschend ist das nicht, wenn man auf die Ergebnisse der Wählerumfragen der vergangenen Wochen schaut. Dort lag die rechtspopulistische AfD bundesweit bei etwa 22 Prozent.
Grundsätzlich spiegeln Wahlumfragen nur ein Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen auf den Wahlausgang. Sie sind zudem immer mit Unsicherheiten behaftet.
Aus den Ergebnissen lasse sich ablesen, dass es der AfD offenbar gelinge, „besonders fremdenfeindliche Nichtwähler“ für sich zu gewinnen, sagte die Mitautorin Beate Küpper. Gerade bei Wählern von CDU und CSU finde sich eine vergleichsweise niedrige Zustimmung zum Rechtsextremismus. In der öffentlichen Debatte stelle man oft fest, dass deren „demokratisches Grundverständnis unterschätzt wird“, sagte die Sozialpsychologin.
Für die „Mitte-Studie“ der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung werden alle zwei Jahre mit einer repräsentativen Befragung vor allem rechtsextreme Einstellungen untersucht. Als zentrales Merkmal des Rechtsextremismus definieren die Autoren „eine Ideologie der Ungleichwertigkeit und Gewalt beziehungsweise die Billigung von Gewalt zur Durchsetzung der Ideologie“.
Im Vergleich zu den Vorjahren werde der Vorwurf der beschnittenen Meinungsfreiheit von deutlich mehr Befragten geteilt, heißt es in der Studie. „Gleiches gilt für die völkische Forderung, unterschiedliche Völker sollten sich nicht miteinander vermischen“.
Foto: Freepik.com
Die 2027 Teilnehmer einer Telefonumfrage durch das UADS Institut in Duisburg im Zeitraum vom 2. Januar bis 28. Februar dieses Jahres waren aufgefordert worden, sich zu bestimmten Aussagen zu positionieren, etwa ob sie eine Diktatur befürworten würden. Von der Gesamtstichprobe ausgehend liegt die Fehlergrenze nach Angaben der Autoren bei +/- 2,2 Prozent.
Der Aussage „Die regierenden Parteien betrügen das Volk“ stimmten den Angaben zufolge 30 Prozent der Befragten zu – fast doppelt so viele wie zwei Jahre zuvor. Mehr als verdoppelt hat sich demnach der Anteil derjenigen, die politische Gewalt billigen. Laut Studie liegt er aktuell bei 13,2 Prozent. Vor zwei Jahren vertraten 5,3 Prozent der Befragten diese Auffassung.
Die Grundorientierung zur Demokratie generell sei zwar noch relativ hoch, habe aber auch abgenommen, sagte Zick. Während aktuell 87 Prozent der Befragten dem Grundsatz „In einer Demokratie sollte die Würde und Gleichheit aller an erster Stelle stehen“ zustimmten, seien es in der Studie zu den Jahren 2018/2019 noch 93 Prozent gewesen.
Die Autoren der Studie wollten diesmal außerdem wissen, welche Sorgen die Menschen in Deutschland im Zusammenhang mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine am meisten umtreiben.
Sie fanden heraus, dass die Sorge um eine Ausweitung des Krieges mit 62 Prozent zwar relativ dominant ist, die Sorge hinsichtlich steigender Energiepreise jedoch mit 66 Prozent an erster Stelle steht. Grundsätzlich gilt dabei: Frauen bereiten die Auswirkungen des Krieges insgesamt mehr Sorgen als Männern.
Foto: annastills, Freepik.com
Signifikante Unterschiede gibt es auch zwischen den Menschen, die im Westen und im Osten Deutschlands wohnen. So befürchten den Angaben zufolge rund 45 Prozent der Menschen im Westen, als Konsequenz aus diesem Krieg ihren eigenen Lebensstandard dauerhaft nicht halten zu können.
Im Osten treibt diese Sorge etwa 61 Prozent der Menschen um. Eine Ausweitung des Krieges befürchten laut der Studie etwa 70 Prozent der Menschen im Osten und etwa 60 Prozent der Bevölkerung im Westen.
Abgefragt wurde darüber hinaus, ob sich Menschen einsam fühlen. Die Forscherinnen und Forscher stellten dabei fest, dass das Gefühl der Einsamkeit in Städten und ländlichen Gebieten ähnlich verbreitet ist.
„In Ostdeutschland fühlten sich Menschen lange Zeit einsamer als im Westen, das hat sich mittlerweile nahezu angeglichen“, heißt es in der Studie. Insgesamt gaben demnach 28 Prozent der Befragten an, es fehle ihnen öfter oder häufig an Gesellschaft.
15 Prozent der Bevölkerung fühlen sich laut den Ergebnissen der Studie von anderen isoliert. Damit liege die Einsamkeit nun wieder auf ähnlichem Niveau wie vor der Corona-Pandemie mit ihren Kontaktbeschränkungen.
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