Der Prophetengeburtstag – Mawlid an-Nabi

Der Prophetengeburtstag. Jährlich gedenkt die muslimische Welt der Geburt (Mawlid) des Gesandten Allahs, Muhammad, dem Siegel der Propheten.

21.08.2026 .Redaktion 5 Min. Lesezeit
Prophetengeburtstag Mawlid an Nabi Sänger in traditioneller Kleidung

Foto: Touzrimounir · <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de">CC BY-SA 4.0</a>

Er wurde als Barmherzigkeit für alle Welten gesandt, als Rufer zu Allah und als eine strahlende Leuchte. Seine Geburt war mit großen Zeichen und besonderen Ereignissen verbunden.

Woher die Feier kommt

Die Gedenkveranstaltungen zum Prophetengeburtstag entstanden wenige Jahrhunderte nach der Etablierung des Islam. Die islamischen Gelehrten betrachten sie mehrheitlich als gut und empfehlenswert, denn sie dienen der Erinnerung an die Geburt und die Entsendung des Propheten Muhammad, an sein Leben und sein großes Vorbild — sowie an die Bedeutung, diesem vorbildlichen Leben zu folgen.

Der Weg lässt sich genauer nachzeichnen, als es die Faustformel „wenige Jahrhunderte“ vermuten lässt. Belegt sind erste Feiern im 11. Jahrhundert am Hof der schiitischen Fatimiden in Kairo, wo sie zugleich die Abstammung der Dynastie vom Propheten betonten. Der erste sunnitische Herrscher, der das Fest offiziell beging, war der Zengide Nur ad-Din (regierte 1146 bis 1176); in den 1170er Jahren richtete Umar al-Malla in Mossul Mawlid-Feiern aus. Aufsehen erregten dann die prachtvollen Feiern, die der Begteginide Muzaffar ad-Din Gökböri Anfang des 13. Jahrhunderts in seiner Residenz Erbil ausrichten ließ.

Von dort verbreitete sich das Fest nach Westen und Osten: Im Maghreb wurde es 1236 zum ersten Mal in Ceuta gefeiert und unter den Meriniden fest verankert, auf Java ist es seit dem 16. Jahrhundert belegt. Heute ist der Tag in mehreren Ländern Staatsfeiertag, darunter Indonesien und Malaysia.

Frauen sitzen bei einer abendlichen Versammlung auf Matten und lesen Verse aus Büchlein und von Mobiltelefonen ab
Gelebte Gegenwart: Burda-Rezitation in einem indonesischen Pondok Pesantren. Foto: Pondok Pesantren

Die Frage der Zulässigkeit

Veranstaltungen anlässlich des Mawlid an-Nabi werden aus Liebe zum Propheten seit Jahrhunderten in allen muslimischen Völkern durchgeführt — auch wenn in letzter Zeit einige wenige Muslime sie als „unerlaubte Neuerung“ kritisieren, da vom Propheten selbst wie auch von seinen Gefährten nicht bekannt ist, dass sie seinen Geburtstag entsprechend begingen. Die überwiegende Mehrheit der Muslime und ihrer Gelehrten jedoch betrachtete und betrachtet die Feierlichkeiten als eine lobenswerte und segensreiche Neuerung.

Der Streit hat einen Fachbegriff, und an ihm hängt alles: bidʿa hasana, die „gute Neuerung“. Wer ihn gelten lässt, kann das Fest begrüßen; wer jede Neuerung für unzulässig hält, muss es ablehnen. Für die erste Lesart stehen die klassischen Autoritäten — as-Suyuti (gestorben 1505) und Ibn Hadschar al-Haitami (gestorben 1567) haben eigene Traktate dazu verfasst; Ali al-Qari (gestorben 1606) schrieb Mawlid-Texte, um Gott für empfangene Gunst zu danken, obwohl ihm die Mittel für ein Festmahl fehlten.

Die Gegenposition ist jünger, als sie sich gibt. Als die Wahhabiten 1803 Mekka einnahmen, verboten sie dort die Mawlid-Versammlungen. In der Neuzeit haben der frühere saudische Großmufti Abd al-Aziz ibn Baz (1910–1999) sowie Muhammad ibn al-Uthaimin (gestorben 2001) und Salih al-Fauzan (geboren 1935) daran festgehalten: ein religiöser Brauch ohne Grundlage in Koran, Sunna und der Praxis der ersten Generationen. Auch Ibn Taimiya, auf den sie sich berufen, ist dabei zurückhaltender als seine späteren Leser — er nennt die Feier eine Nachahmung, erkennt aber die Liebe zum Propheten als Beweggrund ausdrücklich an.

Die Befürworter führen vier Gewährsleute an — Ibn Hadschar al-Asqalani („Alles, was nicht während der Zeit des Propheten bestand, wird Erneuerung genannt, aber einige sind gut, während es andere nicht sind“), Imam asch-Schafi’i in der Überlieferung al-Baihaqis, Imam an-Nawawi und ausführlich Imam as-Suyuti, der in „Al-Hawi li’l-Fatawi“ beschreibt, was eine Mawlid-Feier ausmacht: Menschen versammeln, Teile des Qur’an rezitieren, Geschichten über den Propheten erzählen, Essen reichen.

Die Tradition der Lobgedichte

In der islamischen Literatur und Dichtung gibt es eine große Tradition der Lobgedichte auf den Propheten. Der erste, der sie noch in Gegenwart des Propheten begann, war der Prophetengefährte Hassan Ibn Thabit. Zu den berühmtesten Verfassern zählt Imam al-Busairi, dessen „Al-Burda“ das wohl bekannteste Gedicht seiner Art in der muslimischen Welt ist; sein zweites großes Werk „Al-Hamziya“ steht dem nicht nach. Von Marokko bis Indonesien geschätzt ist „Dala’il al-Khairat“, eine Sammlung von Segenswünschen des marokkanischen Imam al-Dschazuli, die von vielen täglich rezitiert wird.

Aufgeschlagene Burda-Ausgabe mit arabischem Text und englischer Übersetzung, darauf eine Gebetskette
Al-Busairis „Al-Burda“ in einer zweisprachigen Ausgabe. Foto: Al Ghazali Institute

In den türkischen Moscheen wird in jedem Fall das „Mevlüt-i Şerif“ von Süleyman Çelebi (gestorben 1422) rezitiert — nicht nur zum Prophetengeburtstag, sondern auch zu anderen Anlässen von besonderer Bedeutung. Sein eigentlicher Titel lautet „Vesiletü’n-Necat“, „Mittel der Rettung“. Es liegt in einer Auszugsübersetzung von Annemarie Schimmel vor.

Jede Region hat ihren eigenen Text. In Ägypten, Nigeria, Ostafrika sowie in Süd- und Südostasien ist das „Iqd al-dschawahir“ („Juwelenhalsband“) von Dschafar al-Barsandschi (1690–1765) verbreitet, meist schlicht „Mawlid al-Barsandschi“ genannt. Im Swahili-Raum wird der Text des hadramitischen Gelehrten Ali ibn Muhammad al-Habschi (1843–1915) rezitiert. Wer eine Mawlid-Feier von Marokko bis Sansibar besucht, hört also überall dieselbe Absicht in verschiedenen Worten.

Warum das Besingen des Prophetengeburtstag mehr ist als Brauchtum

An dieser Stelle trägt der klassische Text mehr als jede Beschreibung. Said Nursi nennt das Besingen der Geburt und der Himmelfahrt des Propheten „eine besonders schöne und segensreiche Gewohnheit“ und geht dann weiter:

„… ja mehr noch im gesellschaftlichen islamischen Leben eine sehr feine, glanzvolle und überaus angenehme Art der Unterhaltung, ja mehr noch der willkommenste, heitere Unterricht, um die Glaubenswahrheiten wieder in Erinnerung zu bringen, ja mehr noch die wirksamste und anregendste Möglichkeit, das Licht des Glaubens, die Liebe zu Gott und die hohe Verehrung für den Propheten darzustellen und zu ihr zu ermuntern.“

Daran schließt Nursi einen Gedankengang an, der den Rang des Propheten begründet: Da der Schöpfer von jeder Art ein besonders erlesenes Exemplar hervorgebracht habe, müsse es auch im gesamten Universum ein solches geben — ein Lebewesen, mit Bewusstsein begabt, ein Mensch, und unter den Menschen jener, dessen geistliche Leitung über 1.350 Jahre fortbesteht.

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