Die Macht der Sprache: Wie wir mit unseren Worten andere erheben können

Wir und die Sprache: Was wir sagen und wie wir es tun, wird ständig – oft unmerklich – von unseren Gesprächspartnern geprägt und beeinflusst.

28.07.2026 .Redaktion 8 Min. Lesezeit
sprache

Foto: Archiv

(Renovatio). In dem bezaubernden Essay mit dem Titel „Telling Is Listening“ erläuterte die gefeierte amerikanische Schriftstellerin Ursula Le Guin das grundlegende, zwischenmenschliche Wunder der menschlichen Sprache: Mit ihrem seidenen Faden weben wir unzählige, gemeinsame Bedeutungswelten und gestalten gemeinsam reichhaltige Möglichkeiten sozialer Gemeinschaft. Von Hina Khalid

Das Schmieden und Festigen von Beziehungen, so Le Guin, bildet den Herzschlag unserer Sprache: Wir sehen dies daran, wie „sich Kinder in der Bibliothek versammeln, um sich etwas vorlesen zu lassen“; ihre Gesichter, die vor gebannter Aufmerksamkeit „leuchten“, zeugen nicht von einer passiven Rezeption der Vorlesung, sondern von einer intensiven Auseinandersetzung mit dem literarischen Universum, das sich vor ihnen entfaltet.

Die versunkenen Zuhörer nehmen die Worte des Vorlesers nicht als stakkatoartige Informationen auf, sondern als erzählerische Fülle; nicht als trockenen Stoff, sondern als schillernde Welt. So liegt die Gabe des Geschichtenerzählens in ihrem Versprechen einer gemächlichen, kreativen Gemeinschaft. Während sich die Erzählung stetig entfaltet, erwecken Vorleser und Zuhörer gemeinsam die stillen Worte auf der Seite zum Leben und schaffen einen farbenfrohen, fantasievollen Raum für gegenseitige Sinnstiftung.

Indem sie sich um eine gemeinsame Geschichte versammeln, bilden beide eine Art Gemeinschaft, in der die Stimmungen und Regungen jedes Einzelnen eng miteinander verflochten sind: Der Zuhörer wird von der Vorlesenden in die Erzählwelt entführt, und auch die Vorlesende wird durch ihr Publikum verwandelt.

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