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Reiseblog: Albanien zwischen Bunkern und Baukränen

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Reiseblog Albanien: Zwischen den Bunkern der Hoxha-Diktatur und den Baukränen einer rasanten Gegenwart erzählt eine Fahrt von der Riviera bis Tirana von einem Land im Aufbruch – und vom Streit darüber, wem dieser Fortschritt gehört.

(iz). Die Straße an der albanischen Riviera windet sich über dem Ionischen Meer entlang. Links das Wasser, klar und blau, es wirkt fast unbeweglich; rechts die kargen Berge, die steil zur Küste hinabfallen.

Wir fahren langsam, nicht nur wegen der Kurven. Diese Landschaft lädt immer wieder zu Unterbrechungen ein: einem Halt an einer Bucht oder zu einem Kaffee an einem Ort, an dem die Zeit weniger eilig vergeht. Bei Porto Palermo, südlich von Himarë, halten wir tatsächlich an.

Auf einer kleinen Halbinsel steht die dreieckige Festung, die meist Ali Pascha von Tepelena zugeschrieben und um 1800 datiert wird. Von außen ist sie ein vertrautes Bild der albanischen Küste: Steinmauern, Kanonenstellungen, Meerblick und ein Rest osmanischer Geschichte.

Doch was uns mehr beschäftigt, liegt auf der anderen Seite der Bucht. Am Fuß des Berges öffnet sich ein dunkler, unscheinbarer Einschnitt im Fels. Vom Meer aus wäre er kaum zu erkennen.

Es ist der Eingang zu einer militärischen Anlage, einem in den Berg getriebenen Marine- und U-Boot-Stollen – ein Bauwerk aus jener Zeit, als Albanien sich nicht nur politisch, sondern buchstäblich in seine Landschaft zurückzog.

Foto: Angonsta24/Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY-SA 4.0

Ein Land, das sich eingrub

Die Geschichte dieses Tunnels führt in die fünfziger und sechziger Jahre zurück. Albanien war 1955 dem Warschauer Pakt beigetreten. In der Bucht von Vlora, an der Marinebasis Pasha Liman, entstand ein strategisch wichtiger sowjetisch-albanischer U-Boot-Stützpunkt im Mittelmeerraum. Sowjetische U-Boote lagen hier, albanische Besatzungen wurden ausgebildet, und für einen kurzen historischen Moment schien das kleine Land an der Adria Teil einer Großmachtordnung zu sein.

Dann kam der Bruch. Enver Hoxha hatte Albanien nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem stalinistischen Einparteienstaat geformt. Zunächst orientierte sich sein Regime an Jugoslawien, dann an Moskau, später an Peking.

Aber jede dieser Allianzen endete im Konflikt: der Bruch mit Jugoslawien 1948, das offene Zerwürfnis mit der Sowjetunion um 1960/61 und schließlich die Loslösung von China 1978.

Als die Sowjetunion ihr Personal und einen Teil ihrer militärischen Präsenz aus Albanien abzog, behielt Albanien mehrere so genannte U-Boote der Whiskey-Klasse. Für Hoxha war das ein symbolischer Erfolg: ein kleines Land, das sich gegen einen übermächtigen ehemaligen Verbündeten behauptet hatte. Zugleich war es der Beginn einer immer tieferen Isolation.

Der Tunnel von Porto Palermo entstand in dieser späteren Hoxha-Zeit als Teil einer umfassenden Militarisierung der Küste. Er sollte Schutz bieten, Verfügbarkeit sichern und Angriffen standhalten. Seine genaue Baugeschichte wird unterschiedlich erzählt: Angaben zur Länge, zu ausländischer Unterstützung und zur Kapazität schwanken je nach Quelle.

Unstrittig ist jedoch die Idee, die hinter dem Bauwerk steht. Ein Staat, der kaum noch Verbündete hatte, grub sich in Berge und Küstenfelsen ein. Heute ist das Gelände weiterhin militärisch geprägt und nicht frei zugänglich. Die U-Boote sind verschwunden. Geblieben ist ein schwarzer Einschnitt im Fels, der von einer Politik erzählt, die auf Sicherheit mit Abschottung setzte.

Foto: Unknown author/Wikimedia Commons | Lizenz: gemeinfrei

Hoxha und Tito

Auf der Weiterfahrt drängt sich ein Vergleich auf, der auf unserer Balkanreise fast unvermeidlich ist: Enver Hoxha und Josip Broz Tito. Beide waren kommunistische Führer. Beide regierten autoritär. Beide prägten ihre Länder über Jahrzehnte. Und doch führten ihre politischen Wege in gegensätzliche Richtungen.

Hoxha stand von 1944 bis zu seinem Tod 1985 an der Spitze Albaniens. Seine Herrschaft machte das Land zu einem der am stärksten abgeschotteten Staaten Europas. Die Grenzen waren fast unüberwindbar, Kontakte ins Ausland verdächtig und das Reisen ein Privileg weniger Funktionäre.

Die Angst vor Invasion und Verrat wurde zur Staatsdoktrin. Zehntausende, wahrscheinlich Hunderttausende Bunker prägten das Land: kleine Betonpilze an Stränden, in Weinbergen, auf Berghängen, neben Dörfern und Straßen.

Tito dagegen brach zwar bereits 1948 mit Stalin, führte Jugoslawien aber danach nicht in die totale Abkapselung. Im Gegenteil: Das Land wurde zu einer prägenden Kraft der Bewegung der Blockfreien Staaten und öffnete sich vergleichsweise weit nach Westen.

Millionen Jugoslawinnen und Jugoslawen arbeiteten als Gastarbeiter in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Westliche Touristinnen und Touristen kamen an die Adriaküste. Jugoslawische Pässe ermöglichten etwas, das für Albaner fast unvorstellbar blieb: Mobilität.

Der Kontrast zeigt sich besonders deutlich im Verhältnis zur Religion. Hoxhas Regime erklärte Albanien 1967 zum ersten Staat, der sich offiziell als atheistisch verstand. Moscheen, Kirchen, Klöster und andere religiöse Orte wurden geschlossen, zerstört oder umgewidmet. Geistliche wurden verfolgt, inhaftiert oder hingerichtet.

Öffentliche Religionsausübung wurde unter Strafe gestellt; selbst das private Praktizieren des Glaubens war gefährlich. Diese Radikalität war im europäischen Staatssozialismus beispiellos.

Auch im sozialistischen Jugoslawien waren religiöse Institutionen staatlicher Kontrolle, Enteignungen und Repression ausgesetzt, vor allem in den frühen Nachkriegsjahrzehnten.

Aber Religion wurde nicht vollständig aus dem sozialen Leben verbannt. Katholische Gemeinden in Kroatien und Slowenien, orthodoxe Kirchen in Serbien und Montenegro sowie muslimische Gemeinschaften in Bosnien, Kosovo und Teilen Nordmazedoniens bestanden weiter – beobachtet, begrenzt, politisch eingehegt, aber nicht ausgelöscht. Wir lernen auf unserer Reise immer wieder Muslime kennen, deren islamische Ausbildung im ehemaligen Jugoslawien erfolgte.

Tito regierte einen vielschichtigen föderalen Staat. Hoxha strebte dagegen eine radikal säkularisierte und ideologisch gleichgeschaltete Gesellschaft an. Der Unterschied war nicht nur eine Frage von Liberalität. Es waren zwei unterschiedliche Antworten auf Macht, Vielfalt und Angst.

Foto: Abu Bakr Rieger/Islamische Zeitung

Tourismus und Erinnerung

Später reihen wir uns in eine Kolonne aus Autos, Reisebussen und Wohnmobilen ein, die sich durch Dhërmi und Himarë schiebt. Strandbars, Beachclubs, überfüllte Parkplätze, neue Apartmentanlagen und Baukräne bestimmen den Blick. Die Riviera wirkt an diesem Nachmittag bereits wie eine Zone des Massentourismus.

Die Symptome sind vertraut: verdichtete Bebauung, steigende Grundstückspreise, Druck auf Wasser und Abwasserentsorgung, überlastete Straßen, privatisierte Zugänge und Küstenabschnitte, die sich für Einheimische anders anfühlen als noch vor wenigen Jahren. Es wäre leicht, darüber den Kopf zu schütteln. Aber diese Kritik wäre unvollständig.

Wir waren in den neunziger Jahren schon einmal in Albanien, kurz nach dem Ende der Diktatur.

Damals war das Land eines der ärmsten Europas. Die Straßen waren schlecht, Stromausfälle gehörten zum Alltag. Die Läden waren leer oder schlecht versorgt. Viele Menschen sahen keine Zukunft im eigenen Land. Die Bilder überfüllter Boote, mit denen Albaner über die Adria nach Italien gelangen wollten, gehören bis heute zum Gedächtnis dieser Zeit.

Nach Jahrzehnten der Abschottung stand Albanien wirtschaftlich vor einem Neuanfang, ohne robuste industrielle Basis, mit schwachen Institutionen und wenig Kapital. Der Tourismus war deshalb nie bloß eine Lifestyle-Branche. Er wurde zu einer der wichtigsten Möglichkeiten, Devisen, Beschäftigung und Infrastruktur ins Land zu bringen.

Heute trägt der Tourismussektor erheblich zur albanischen Wirtschaft bei. Für 2024 weist die Weltbank einen Anteil von 26,4 Prozent am Bruttoinlandsprodukt und 20,4 Prozent an der Beschäftigung aus.

Im selben Zeitraum wurden rund 11,7 Millionen internationale Besuche gezählt, eine enorme Zahl für ein Land mit weniger als drei Millionen Einwohnern. Der Tourismus schafft Arbeit, Einkommen und neue wirtschaftliche Perspektiven. Er trägt zur Herausbildung urbaner Einkommensgruppen und einer neuen konsumorientierten Mittelschicht bei.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Albanien auf Tourismus setzen darf. Natürlich darf es das. Die Frage lautet, wer davon profitiert. Werden Küstenlandschaften geschützt? Bleiben Strände zugänglich? Entstehen Arbeitsplätze, die langfristig Perspektiven bieten? Werden lokale Gemeinden beteiligt?

Oder konzentrieren sich Grundstücke, Gewinne und politische Einflussmöglichkeiten bei wenigen gut vernetzten Akteuren? Erst an diesem Punkt wird Kritik notwendig.

Foto: Abu Bakr Rieger/Islamische Zeitung

Tunnel, Resort und Macht

Vor dem Llogara-Pass wird diese Ambivalenz sichtbar. Nahe Palasë liegt Green Coast, ein groß angelegtes Ressortprojekt mit Villen, Ferienwohnungen, Hotelangeboten und einem privaten, sorgfältig gestalteten Küstenabschnitt.

Entwickelt wird es von der BALFIN Group des Unternehmers Samir Mane, der häufig als reichster Mann Albaniens bezeichnet wird. Green Coast ist nicht einfach ein Hotelkomplex. Es steht für ein neues Modell der Riviera: geplante Ferienimmobilien, Service-Infrastruktur schaffen eine Küstenlandschaft, die zunehmend als internationale Anlageklasse dient.

Für manche bedeutet das Modernisierung, hochwertige Arbeitsplätze und eine neue Positionierung Albaniens auf dem europäischen Reisemarkt. Für andere bedeutet es den Verlust von Landschaft, öffentlichem Raum und lokaler Kontrolle.

Das Projekt ist seit Jahren umstritten. Kritiker werfen staatlichen Stellen vor, Investitionen privilegiert zu behandeln und Entscheidungen über Genehmigungen nicht transparent genug zu machen.

Gerade bei Projekten dieser Größenordnung sollte man jedoch sauber zwischen Beobachtung, politischer Kritik und juristisch festgestellten Tatsachen unterscheiden. Nicht jeder Vorwurf ist bewiesen; aber die wiederkehrende Frage nach Transparenz ist real.

Direkt neben dem Projekt verläuft der Llogara-Tunnel. Mit rund sechs Kilometern ist er der längste Straßentunnel Albaniens. Er wurde 2024 für den Verkehr freigegeben und soll die Verbindung zwischen Vlora und der Riviera erheblich beschleunigen.

Was früher eine lange, kurvenreiche Fahrt über den Pass war, wird nun zu einer deutlich schnelleren Passage. Für Reisende ist das komfortabel. Für die Riviera bedeutet es eine neue Entwicklungsstufe. Mehr Erreichbarkeit bringt mehr Gäste, mehr Immobilieninteresse und mehr Investitionsdruck.

Doch auch der Tunnel hat eine politische Geschichte. Die Sonderstaatsanwaltschaft SPAK ermittelte wegen des Vergabeverfahrens. Ende Oktober 2025 wurde Infrastrukturministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin Belinda Balluku im Zusammenhang mit dem Vorwurf geführt, bei öffentlichen Ausschreibungen gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz verstoßen zu haben.

Eine rechtskräftige juristische Bewertung lag damit nicht vor; der Fall war und ist Teil eines laufenden Verfahrens. Tunnel und Resort liegen offensichtlich nicht zufällig nebeneinander. Der eine steht für öffentliche Infrastruktur, der andere für privates Kapital.

Beide erzählen von einem Albanien, das sich öffnet, beschleunigt und neu erfindet. Beide werfen aber auch dieselbe Frage auf: Wer entscheidet, wie dieses Land sich verändert?

Die Flamingo-Revolution

Hinter dem Tunnel öffnet sich der Blick auf Vlora und die Bucht. In der Ferne liegen die Insel Sazan und die Landschaft um Zvërnec und die Narta-Lagune. Von oben sieht alles ruhig aus: das Licht über Wasser, die Feuchtgebiete und das Meer dahinter.

Die Szene ist Bühne für einen politischen Skandal: Auf Sazan und im Küstenraum von Zvërnec sind luxuriöse Tourismusprojekte geplant, die mit Jared Kushners Investmentfonds Affinity Partners verbunden sind.

Ivanka Trump trat dabei öffentlich als Unterstützerin und Gestaltungsfigur auf. Internationale Berichte bezifferten die Investitionen für die verschiedenen Vorhaben zusammen auf rund zwei Milliarden US-Dollar.

Befürworter sehen darin eine historische Möglichkeit: internationales Kapital und hochwertige Resorts sollen neue Perspektiven schaffen. Kritiker sehen etwas anderes.

Sie warnen vor Eingriffen in eine ökologisch sensible Küsten- und Feuchtlandschaft, die für Flamingos, Zugvögel und marine Lebensräume bedeutsam ist. Sie kritisieren außerdem Verfahren, in denen Genehmigungsfragen, Umweltprüfung und öffentlicher Zugang aus ihrer Sicht nicht transparent genug geklärt wurden.

Im Mai 2026 tauchten am Küstenabschnitt bei Zvërnec Zäune und Baumaschinen auf. Was zunächst wie eine lokale Auseinandersetzung wirkte, weitete sich rasch aus. Nach Konflikten zwischen Demonstrierenden und privaten Sicherheitskräften wurde aus dem Protest ein landesweites Symbol. Die Bewegung gab sich einen Namen, der die bedrohte Landschaft in ein politisches Bild verwandelte: Flamingo-Revolution.

Auf Plakaten in Tirana und in der albanischen Diaspora tauchte der entscheidende Satz auf: „Albania is not for sale.“ Der Slogan richtet sich nicht nur gegen ein Resort. Er bündelt eine tiefere Erfahrung: dass öffentliche Landschaft, politische Macht und privates Kapital in Albanien oft zu eng miteinander verbunden erscheinen.

Die Entscheidungen fallen schnell, bevor Öffentlichkeit und Gemeinden wirklich beteiligt sind. Das Versprechen von Wachstum, das für manche Menschen nach Aufbruch klingt, bedeutet für andere Verlust.

Von unserem Aussichtspunkt sehen wir nur die Lagune in der Nachmittagssonne. Doch in diesem Bild liegt die ganze Spannung eines Landes, das gelernt hat, wie wichtig Öffnung sein kann – und nun darüber streitet, welcher Weg in eine gute Zukunft für alle führt.

Foto: Abu Bakr Rieger/Islamische Zeitung

Ein Stellplatz zwischen Baukränen

Am Abend erreichen wir Tirana. Unser Stellplatz liegt mitten in einer Stadt, die sich mit atemberaubender Geschwindigkeit verändert. Überall wachsen Türme aus dem Boden. Kräne drehen sich noch in der Dämmerung. Baulärm reicht bis in die Nacht. Zwischen alten Häusern, improvisierten Geschäften und kleinen Gärten entstehen Glasfassaden, Wohnkomplexe und Bürogebäude.

Der Besitzer des Stellplatzes erzählt, dass sein Grundstück bald verkauft sein wird. Ein Bauträger plant einen Neubau. Wir fragen halb im Scherz, ob er nun reich werde. Er lacht und schüttelt den Kopf. „Erst in zehn Jahren“, sagt er.

Dann, so erzählt er, solle er als Ausgleich eine Wohnung in dem Gebäude erhalten, das hier entstehen wird. Das Geld fließt nicht sofort, sondern der „Verkäufer“ erhält ein Versprechen auf Eigentum in der Zukunft. Eine Wohnung an der Stelle, an der heute noch Wohnmobile stehen und Gäste ihre Stühle zwischen Staub und Baustellenlärm aufstellen.

Es ist eine kleine Geschichte, aber sie erzählt viel über Tirana. Die Stadt wird nicht einfach gebaut. Es wird getauscht, verhandelt, verdichtet und spekulativ investiert. Alte Quartiere verschwinden nicht von heute auf morgen. Sie werden in Zukunftswerte übersetzt. In den Cafés hört man hin und wieder über den Verdacht, es könnte sich um eine riesige Immobilienblase handeln.

Blick nach vorn

Später sprechen wir mit einem jungen Mann, der in Deutschland studiert hat und heute für ein albanisches Bauunternehmen arbeitet. Vielleicht baut seine Firma an einem jener Türme, die wir vom Stellplatz sehen.

Er spricht offen über Korruption, Vetternwirtschaft und die enge Verbindung von Politik und Geschäft. Über all das, was auf unserer Fahrt immer wieder sichtbar geworden ist. Und doch klingt er nicht resigniert.

Seine Generation, sagt er, habe die Kriege der neunziger Jahre nicht mehr selbst erlebt. Sie kenne die Armut und Isolation der Hoxha-Zeit aus den Geschichten der Eltern und Großeltern, nicht aus eigener Erfahrung. Europa sei für ihn kein fernes Versprechen, sondern ein konkreter Horizont.

Albanien erhielt 2020 grünes Licht für EU-Beitrittsverhandlungen. Formell begannen sie mit der ersten Regierungskonferenz im Juli 2022. Die Regierung in Tirana verfolgt das Ziel, die Verhandlungen bis Ende 2027 abzuschließen.

Ein tatsächlicher EU-Beitritt wäre damit allerdings nicht automatisch erreicht. Er hängt weiterhin von Reformen bei Justiz, Rechtsstaatlichkeit und Korruptionsbekämpfung ab—und letztlich von der Zustimmung aller Mitgliedstaaten der Europäischen Union.

Bunker und Baukräne. Der Bunker steht für die Angst eines Staates, der glaubte, nur durch Abschottung überleben zu können. Der Baukran steht für das Gegenteil: für Öffnung, Wachstum, Geschwindigkeit und die Hoffnung, endlich aufzuholen. Aber auch für die Gefahr, dass Fortschritt zu etwas wird, das über Menschen und Landschaft hinweggebaut wird.

Albanien entwickelt sich mit großer Geschwindigkeit. Die nächste Aufgabe besteht darin, die Zukunft so zu gestalten, dass nicht nur Investoren, Reisende und politische Eliten davon profitieren—sondern auch jene Menschen, die unter den neuen Türmen leben, an den Stränden arbeiten und auf die Lagunen blicken, bevor sie verändert werden.

Link zur Kampagne: https://commonsplace.de/project/balkan

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Reiseblog Westbalkan: hinauf in die Altstadt von Gjirokaster

Gjirokastër

IZ-Herausgeber Abu Bakr Rieger auf den Spuren von Evliya Çelebi: Über Gjirokaster und die Frage der albanischen Identität.

(iz). Wir fahren mit einem dynamischen Taxifahrer hinauf in die Altstadt von Gjirokastër. Auf der rasanten Fahrt frage ich ihn, ob an diesem Ort mehr Muslime oder Christen leben. Der junge Mann schaut mich überrascht an: „Das weiß ich nicht genau!“ Man achte hier nur auf das allgemeine Verhalten der Leute, welchem Glauben sie angehören, sei dabei nebensächlich.

Er erzählt, dass in den letzten Jahren viele junge Menschen das Land verlassen haben, dies aber für ihn nicht infrage komme. „Wir haben unseren Spaß hier“, deutet er an und schließt seine Ausführungen mit dem Schlusssatz ab, dass, wenn die Albaner sich ähnlich anstrengen, wie die Deutschen oder Schweizer, das Land eine große Zukunft habe.

Fotos: Autor

Gjirokastër – Stadt der Steine

Wir sind am Rande des alten Basars angekommen und laufen die steilen Gassen, vorbei an kleinen Läden, hinauf zur Zitadelle. Hier bietet sich eine spektakuläre Sicht auf die „Stadt der Steine“ und das Drin-Tal. In den Bergen verbergen sich Klöster und Tekken. In der Abgeschiedenheit fanden Gläubige spirituelle Erfüllung oder – je nach Lage – Sicherheit. 

Die Burganlage ist längst nicht mehr bewohnt. Im 17. Jahrhundert berichtete, der Reisende Evliya Çelebi, über die Besiedlung mit muslimischen Wohnhäusern hinter den Mauern. In seinem Bericht zählt er zahlreiche Moscheen, Kirchen und Schulen in der ganzen Stadt auf. Wie so oft berühren sich hier das Schöne und das Schreckliche. Über viele Jahrzehnte gab es auf der Burg dunkle Gefängnisse, die, zwischen 1932-1991, von Italienern, Griechen, Deutschen und Kommunisten betrieben worden sind. 

In der Altstadt besuchen wir das Geburtshaus des bekanntesten albanischen Schriftstellers: Ismail Kadare. Das Museum ist dem Buch „Chronik in Stein“, ein Werk über die Geschichte seiner Heimatstadt, gewidmet. Er schreibt: „Es war dies wirklich eine sehr seltsame Stadt. Man konnte auf einer Straße gehen und, wenn man wollte, den Arm ein wenig ausstrecken, um seine Mütze über die Spitze eines Minaretts zu stülpen. Vieles war schwer zu glauben, und vieles war wie ein Traum.“

Die Frage der Zugehörigkeit der Albaner

Kadare wurde mehrfach für den Nobelpreis vorgeschlagen. Seine Rolle in der kommunistischen Zeit des Landes war schwierig. Die Machtverhältnisse erlaubten nur indirekte Kritik an der totalitären Herrschaft. 1981 schrieb er unter anderen den Roman „Der Palast der Träume“, eine Parabel über einen diktatorischen Staat, der die Träume seiner Untertanen überwacht und interpretiert, um so potenzielle Verschwörungen gegen sich aufzudecken. Der Text wurde nach dem Erscheinen verboten. Das internationale Renommee schützte den Denker immer wieder vor Verfolgung. 

Der Autor lebte nach dem Fall des Kommunismus einige Zeit in Frankreich. 2006 veröffentlichte er einen streitbaren Text, in dem der Schriftsteller versucht, die Mentalität der Bevölkerung mit dem Christentum zu verknüpfen. Aus dieser Stellungnahme entwickelte sich eine Debatte um die kulturelle Identität der Albaner und die Frage, an welchem Anknüpfungspunkt der Geschichte die eigentlichen Wurzeln des Landes liegen. 

Jenseits dieser akademischen Diskussion hofft die Mehrheit aller Menschen auf eine Zukunft in der Europäischen Union. Dass es weiterhin verschiedene Konfessionen in Albanien gibt, die respektvoll miteinander umgehen, ist dabei unstrittig.

Gjirokastër

Fotos: Autor

Osmanische Bürgerhäuser

Auf dem Rückweg in die Innenstadt besuchen wir eines der großen Bürgerhäuser, das um 1700 erbaute Skenduli-Haus. Die feine osmanische Architektur und die Konzeption der Wohnräume sowie Bäder schaffen eine einmalige Atmosphäre. Im Hausgang staunen wir bei unserer Besichtigung über ein Bild der Rügenfelsen – eine Kopie von Caspar David Friedrich. 

Der Hauseigentümer wurde 1981 von einem anderen Sohn der Stadt enteignet: Enver Hoxha. Entsprechend seiner Kulturrevolution wurden viele religiöse Gebäude an seinem Geburtsort vernichtet. Der osmanische Charakter von Gjirokastër blieb dennoch bestehen und ist bis heute Teil des Erbes dieses Landes.

Wir genießen zum Abschluss unseres Rundgangs die Atmosphäre auf der Terrasse eines Cafés, das die Herbstsonne in ein eigentümliches Licht taucht. Die moderate Preisgestaltung in dem Lokal unterstützt die soziale Bedeutung dieses Treffpunktes. Hier sitzen alte, fein gekleidete Männer unter den Bäumen und unterhalten sich. Ihre Gesichter sind ähnlich zerfurcht, wie die Felsen der Umgebung. Sie spiegeln die Chronik der Zeit.

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Reiseblog Westbalkan: Auf dem Skanderbegplatz in Tirana

skanderbegplatz

IZ-Herausgeber Abu Bakr Rieger auf den Spuren von Evliya Çelebi: Der Skanderbegplatz oder das heutige Albanien.

(iz). Vor über 30 Jahren war ich zuletzt in Tirana und die modernisierte Stadt ist nicht mehr wiederzuerkennen. Wir flanieren durch die Hauptstadt Albaniens und genießen das mediterrane Flair. Gefühlt gibt es hier die weltgrößte Dichte an Restaurants und Cafés. Autos brausen durch die Straßen und überall ist das pulsierende Leben zu spüren.

Fotos: Autor

Auf dem Skanderbegplatz

Auf dem Skanderbegplatz bietet sich die bewegte Geschichte des Landes als eine Rundumschau an. An der Fassade des Nationalhistorischen Museums erzählt ein riesiges Wandmosaik von den Idealen des sozialistischen Realismus vergangener Zeiten.

Dargestellt werden typische Figuren – Frauen, sozialistische Arbeiter und Kämpfer – die mit wehenden Fahnen den Weg in das neuzeitliche Albanien beschreiten. Neben dem Skanderbeg-Denkmal hat sich auch die Ethem-Bey-Moschee gehalten. Ein Wunder, denkt man an die kommunistische Geschichte der Stadt. Der Sakralbau ist heute ein Symbol für Wiederbelebung der religiösen Traditionen.

Wir besuchen das nahegelegene Bunker-Art-Museum. In der atombombensicheren Anlage – ein Gang verband es mit dem Innenministerium – wird die abgründige, kommunistische Geschichte der Jahre 1944-1990 aufgearbeitet. Jugoslawien, das stalinistische Russland und China hießen die Partner des Diktators Enver Hoxha, bis er schließlich das Land in die totale Isolation führte.

Polizei und Geheimdienst schufen nicht nur undurchdringliche Grenzen, sondern ebenso einen perfekten Überwachungsstaat. Die Fotokunst, deren Entstehen wir noch neulich im Murabi-Museum in Shodra bewunderten, mutiert hier zu einer obsessiv eingesetzten Überwachungstechnik.

Fotos: Autor

Hoxha wollte eine Welt ohne Religion

Tausende fielen der Politik zum Opfer oder verbrachten Jahrzehnte in dunklen Lagern. Hoxha, Sohn eines Imams, schuf 1967 den ersten atheistischen Staat der Welt. Entsprechend der berühmten Aussage Dostoyevski’s war in einer Welt ohne Gott dem Machthaber selbst alles erlaubt.

Moscheen, Kirchen und Synagogen verloren ihre Bedeutung, Priester und Imame wurden verfolgt oder ermordet. 1976 hieß es im Artikel 37 der Verfassung: „Der Staat erkennt keine Religion an, unterstützt atheistische Propaganda, um eine wissenschaftliche, materialistische Weltanschauung in den Menschen zu begründen.“ 

Bis in das Jahr 1991 gab es in dem Land keinerlei Demonstrationen, bis schließlich eine wütende, verarmte Zivilgesellschaft das Denkmal des Diktators vom Sockel stieß. 

Das Museum schließt in einem Raum, der sich mit erkenntnistheoretischen Fragen beschäftigt, mit Manipulationen, optischen Täuschungen und vorschnellen Feind-Markierungen. Keine Frage: Die Albaner sind sich der Schattenseiten von Ideologien und dem Wesen übergriffiger Staaten bewusst. Erfahrungen, die für die Zukunft Europas entscheidend sind.

Robert Manesse über Albanien

Zurück am Skanderbegplatz entdecken wir neben der Oper ein hübsches Café und einen internationalen Buchladen. Es gibt drei deutsche Bücher: Goethes „Faust“, Stefan Zweigs „Schachnovelle“ und passenderweise „Die Erweiterung“ von Robert Menasse. Der österreichische Schriftsteller beschäftigt sich mit seinem an der Wirklichkeit angelehnten Roman mit der Zukunft Albaniens. Er versteht nicht, dass die Aufnahme des Landes in die Europäische Union – obwohl die Albaner in großer Mehrheit bekennende Europäer sind – nur schleppend vorankommt.

Bei einem Capuccino beginnen wir einige Passagen zu lesen. Ein Berater des albanischen Ministerpräsidenten rät zu Beginn des Buches dem Politiker zu einer Finte. Er soll rhetorisch alternative Optionen für das Land ins Spiel bringen, um die europäische Politik zu einer schnelleren Aufnahme zu bewegen.

Zur Wahl steht ein Nationalismus, der ein Großalbanien anstrebt oder gar eine ökonomische Anlehnung an China. Menasse erwähnt auch – ausgesprochen durch den polnischen Ministerpräsidenten – einige geläufigen Bedenken gegen die Aufnahme Albaniens. „Wir wollen keinen muslimischen Staat in der EU!“, „der Markt ist zu klein!“ oder „mafiöse Seilschaften wirken hinter den Kulissen!“.

Wohin steuert dieses sympathische Land und wie sichert man langfristig den bescheidenen Wohlstand, der sich nach den Jahren der Isolation entwickelt hat? Die Idee, dass Albanien eines Tages Teil eines Europa der Regionen wird, ist eine friedliche Option und hört sich für viele junge Leute vielversprechend an.

Unter diesen Voraussetzungen wäre auch die Religionsfreiheit gesichert. Ganz sicher werden junge Albaner nicht für eine Wiederkehr säkularer, genauso wenig wie religiöser Ideologien optieren. Für die europäische Balkanpolitik gilt daher ein alter Grundsatz: Wer zu spät kommt, bestraft das Leben.

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Reiseblog Westbalkan: nach Ulcinj auf dem Weg nach Albanien

ulcinj

IZ-Herausgeber Abu Bakr Rieger auf den Spuren von Evliya Çelebi: Halt in Ulcinj auf dem Weg nach Albanien.

(iz). Die Fahrt von Bosnien, durch Montenegro bis an die albanische Grenze gehört zu den schönsten Strecken in Europa. Wir stehen am Sandstrand von Ulcinj, ganz im Süden des Landes und sehen in der Ferne die Berge.

Die Stadt gehört zu den ungeplanten Entdeckungen auf unserer Reise. Denn hier findet sich neben dem Tourismus, von dem die Region lebt, originäres Leben. Vor dem Markt verkaufen die Fischer ihre Waren. Es gibt eine große Auswahl hübscher Cafés, in denen die Einheimischen in die Morgensonne blinzeln. Die Mehrheit sind Albaner.

Wir kommen ins Gespräch mit einem freundlichen, älteren Herrn, der, wie er uns erzählt, in Kassel lebt. Er ist Rentner und hat 55 Jahre in einer Autofabrik gearbeitet. Wir fragen ihn, ob ihn das Heimweh nach Montenegro geführt hat. „Nein“, erwidert er entgeistert, „seine Heimat sei doch Deutschland!“ Hier kenne er kaum jemanden, seine alten Bekannten seien fast alle tot. Er bleibe hier nur einige Wochen im Jahr, denn seine Frau vermisse nach kurzer Zeit ihre Enkelkinder.

Fotos: Autor

Uns gefällt es hier ausgesprochen gut. Der Ort hat etwas, was ich einen poetischen Widerhall nennen würde. In der liebevoll restaurierten Mezjaa Moschee, direkt unter einem Glockenturm, den die Osmanen gebaut haben, geht die Stimmung bergauf. Es ist der erste Gebetsraum, den ich besuche, dessen Fußboden eine leichte Neigung nach oben hat.

Und es gibt eine Fußbodenheizung, sodass man das Gebäude überhaupt nicht mehr verlassen will. Es ist erstaunlich, wie viele Muslime sich hier mit aller Energie und großem Einsatz für den Erhalt ihres Erbes einsetzen.

Am Hafen besichtigen wir die Moschee der Seemänner. Früher war Ulcinj ein gefürchtetes Piratennest, algerische Piraten unterstützten die Osmanen in der Seeschlacht von Lepanto und durften als Gegenleistung in der Region siedeln. Cervantes, der berühmte Autor des „Don Quijote“, soll hierher einige Jahre als Sklave verschleppet worden sein. Auf dem Weg zur Burg über der Stadt mit ihrer Kirchenmoschee entdecken wir ein Denkmal für den großen Schriftsteller.

Fotos: Autor

Der Burgberg zeugt von der wechselhaften Geschichte der Region, deren Ursprünge weit in die Vergangenheit zurückreichen. Den Grundstein für die Zitadelle legten die Illyrer vor über 2000 Jahren. Jetzt im November streifen wir einsam durch die alten Mauen. In einem Turm werden Fotografien ausgestellt, die das Leben der Menschen seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wieder spiegeln. Die schwarz-weiß Bilder wirken wie Felsen, die sich gegen den Strom der Zeit stellen.

Die Szenen sind so faszinierend, dass wir unsere Reiseroute ändern und das Fotografie-Museum im nahe gelegenen, albanischen Shkodra besuchen. Kann man die Zeit einfangen? Der italienische Maler Petro Marubi und zwei seiner Schüler haben es versucht. Marubi hat 1858 das erste Bild aus Albanien veröffentlicht – eine Sensation, denn vielen Europäern war das Land völlig unbekannt.

Die Sammlung, mit ihren hunderttausenden Bildern, übergab die Familie 1950  – nicht ganz freiwillig – dem albanischen Staat. In dem Museum besichtigen wir eine Auswahl der Werke, die politische Momentaufnahmen, das kulturelle Leben und den Alltag der Leute beschreibt. Ihre Posen künden von Stolz, von Sieg und Niederlagen in einer dramatischen Phase der Geschichte.

Mich fasziniert eine Aufnahme, deren Stimmung an Franz Kafka erinnert. Vor einer verschlossenen Tür, es scheint ein Warteraum sein, sitzen eine Gruppe von Menschen, die auf etwas zu warten scheinen. Mit ernstem Ausdruck ist ihr Blick auf den unsichtbaren Fotografen zugewandt, der ihre vereinzelte Schicksale in einer Gesamtschau vereint. Der Beginn einer neuen Zeit.

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In Albanien auf den Spuren von Ali Pascha

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Über Albanien herrscht massenhaft Unwissenheit im Westen. Und es gibt kaum echte Bemühungen, das zu ändern. (iz). Als ich im Kindesalter nach Griechenland flog, schaute ich über der albanischen Küste […]

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Nach Cyber-Angriff: Albanien bricht Beziehungen zum Iran ab

„Eine eingehende Untersuchung lieferte uns unwiderlegbare Beweise dafür, dass die Cyber-Aggression gegen unser Land von der Islamischen Republik Iran orchestriert und gesponsert wurde, die vier Gruppen für den Angriff auf Albanien engagiert hat“, sagte Rama.

Tirana (dpa). Das Nato-Land Albanien bricht mit sofortiger Wirkung die diplomatischen Beziehungen zum Iran ab. Das kündigte Albaniens Ministerpräsident Edi Rama am Mittwoch an. Er begründete dies damit, dass es „unwiderlegbare Beweise“ dafür gebe, dass der Iran hinter massiven Cyber-Angriffen vom 15. Juli stecke, die darauf abgezielt hätten, staatliche Institutionen Albaniens lahmzulegen.

Das gesamte Botschaftspersonal des Irans müssse Albanien binnen 24 Stunden verlassen, sagte Rama weiter. Man habe auch die Nato-Partner und andere befreundete Staaten darüber informiert.

„Eine eingehende Untersuchung lieferte uns unwiderlegbare Beweise dafür, dass die Cyber-Aggression gegen unser Land von der Islamischen Republik Iran orchestriert und gesponsert wurde, die vier Gruppen für den Angriff auf Albanien engagiert hat“, sagte Rama. Eine dieser Gruppen sei berüchtigt und habe an früheren Cyber-Angriffen auf Israel, Saudi-Arabien, Jordanien, die Vereinigten Emirate, Kuwait und Zypern mitgewirkt.

In Albanien habe der Angriff sein Ziel nicht erreicht, sagte Rama. „Im Vergleich zu den Angriffszielen der Angreifer sind die Schäden als gering anzusehen. Alle Systeme wurden wiederhergestellt und nichts war unwiederbringlich verloren.“

Teheran reagierte mit Unverständnis. „Das war eine unüberlegte und überhastete Entscheidung auf der Basis haltloser Unterstellungen“, erklärte das Außenministerium am Abend. Der Iran selbst sei Opfer von Cyber-Angriffen und verurteile daher diese Form von Sabotageakten. Die Beziehungen beider Länder hatten sich verschlechtert, als Albanien 2016 Zufluchtsort für eine größere Zahl von Mitgliedern der militanten iranischen Oppositionsbewegung Volksmudschahedin wurde.

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Tharik Hussain: We are like ‘time travelers’

Minarette

(iz). There are not many books about Islam and Muslims in Europe that have a transforming effect just by reading them – not to mention enthusiasm. The English travel writer and photographer Tharik Hussain has succeeded in writing such a book with “Minarets in the Mountains.”

In the past, the Briton has worked for the BBC, among others, and published several travel guides on countries such as Saudi Arabia, Bahrain, or Thailand. We talked to him about his new book, the Western Balkans, and European Muslims.

Islamische Zeitung: Dear Tharik Hussain, your latest book “Minarets in the Mountains” has recently been published in English and is going to have a German translation too. As it is so encompassing, is it only a traveling book or equally a history and a description of the present?

Tharik Hussain: It falls into the genre of travel literature, and I believe good travel literature, written by the likes of William Dalrymple, Tim Mackintosh-Smith and others that have influenced me, should do all of this; offer history, an insight of the present and a good, engaging narrative.

Islamische Zeitung:  Since you were not just moving through a physical space but also a temporal, how did you experience this duality of space and time in the places visited?

Tharik Hussain: It was fascinating. I have always loved books written in this way, like the one by Tim Mackintosh-Smith when he follows in the footsteps of Ibn Battuta. Tim put it best when he said to me, we are like ‘time travellers’, and that’s how it can sometimes feel to have that historic window and compare it to what is in front of you.

Islamische Zeitung: You let yourself being guided by the memories of the famous Ottoman traveler Evliya Çelebi. How import was he as an interpretation and as a helper to find your way around in the Western Balkans?

Tharik Hussain: As I state in the book, Evliya’s observations are important because he was writing at a time when many of the places I visited were the most ‘Muslim’ they have ever been, so it allowed me to see just how much of that remains, and then ask questions about why it might have changed. Equally important was the fact that as a Muslim, Evliya was looking at this history and heritage as his own, like I wanted to. This was something previous writers in English about this region didn’t always do because they were not Muslim.

Islamische Zeitung: Dear Tharik, one remarkable aspect of your travel book is that you are not just featuring physical places and their history. You’re always meeting people and engaging with them. What are your impressions of the Muslims you met?

Tharik Hussain: Like people across the globe, they were fascinating. They are very proud of their roots and their identities. These are people with ancient histories who are very secure in who they are. But of course, the most engaging thing was to hear the individual stories of remarkable people like those that saved Jews in the holocaust or fought in the Siege of Sarajevo – all were truly inspiring Muslims of Europe I had not known about before this journey.

Islamische Zeitung: Do you think mainly migrant Muslims in Western Europe pay enough head to this aspect? Should the Muslims in Southeastern Europe receive more representation by the wider Muslim community in the west?

Tharik Hussain: Absolutely. The Muslims of SEE are almost entirely overlooked and not even viewed in the popular domain as part of the global Muslim community. Those living in the western half – many the result of postcolonial migration or conversion to Islam could learn a lot about belonging and identity from a community that has been European and Muslim for almost six centuries.

Islamische Zeitung: What fascinates you most in the Western Balkans?

Tharik Hussain: The way the everyday people there, seem to have always harmoniously bridged the different religious and cultural influences that have come together in this region, from sharing sites of religious significance like the Islamic-Christian tombs of Bulgaria that I write about, through to the pluralist heritage of places like Sarajevo. Yes, the powers that be were warring at various intervals, but the people; how they got along (in the main), inter married, respected each other’s differences – that was fascinating.

Islamische Zeitung: If you had to pick one place during your journey what would it be?

Tharik Hussain: That would be tough, but the most surprising was probably Skopje as I knew very little about it before I arrived, and to then be literally stumbling over stunning Islamic monuments blew me away – but then I could say that about every corner of Muslim Europe!

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