
Sprache finden: Auf einem interreligiösen Podium beim Katholikentag in Würzburg diskutierten Vertreter von Religionen darüber, wie Glaube heute zum Frieden beitragen kann. (iz). Dabei wurde eine unbequeme Diagnose formuliert: Nicht […]
Nachrichten & Lebensart

Sprache finden: Auf einem interreligiösen Podium beim Katholikentag in Würzburg diskutierten Vertreter von Religionen darüber, wie Glaube heute zum Frieden beitragen kann. (iz). Dabei wurde eine unbequeme Diagnose formuliert: Nicht […]
IZ+
Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ – Onlineabo, Kombi Print & IZ+ or Das IZ-Förder-Abo können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.
Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.
Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.
* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.
2024 ist das Jahr von weltweit einflussreichen Wahlen – von den USA bis Indien. Auch die muslimischen Minderheiten hierzulande können es sich nicht leisten, sie zu ignorieren. (iz). Wenn dieses […]
IZ+
Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ – Onlineabo, Kombi Print & IZ+ or Das IZ-Förder-Abo können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.
Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.
Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.
* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.
(iz). „Khilafah, Khilafah!“, rufen dieser Tage Protestler auf einigen propalästinensischen Demonstrationen. Was hat das Kalifat mit der leidvollen Situation der Palästinenser zu tun, deren Städte infolge des Hamas-Israel-Konfliktes gerade dem Erdboden gleichgemacht werden?
Auf Schulwegen, in Bussen, auf Youtube, Instagram und TikTok; Propagandisten der Organisation Hizb ut-Tahrir werben im Gewand ihrer Nachfolgeorganisationen Generation Islam, Realität Islam und Muslim Interaktiv um die Köpfe und Herzen junger Muslime. Sie sollen überzeugt werden von der Heilsnotwendigkeit eines „Islamischen Staates“.
Foto: User:EPO, via Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY-SA 3.0
Nur dieser könne die Einheit der Muslime wiederherstellen, Israel vernichten und dem Leiden der Palästinenser ein Ende bereiten. Wer die Existenz eines solchen ablehne, lehne einen Bestandteil des islamischen Monotheismus ab und könne kein Muslim sein.
Mit einer solchen Argumentation setzt man Menschen unter Druck. Welcher Muslim möchte schon vom Islam abfallen? Und irgendwie hat das Kalifat ja etwas mit dem Islam zu tun, schließlich gab es doch ein solches einst, oder? Und mit einem Male wird man aufnahmebereit für die Argumente der Hizb ut-Tahrir.
Betrachtet man aber die Texte und Reden von Apologeten eines solchen Staates genauer, so zeigt sich sehr schnell, wie oberflächig und extremistisch ihr Denken ist. Ihre Argumente zu hinterfragen, impft vor ihrer zersetzenden Wirkung.
Zunächst einmal ignorieren sie gerne sämtliche Versuche seit Mitte des 20. Jahrhunderts, einen solchen zu gründen. Es findet keine kritische Auseinandersetzung mit den Diktaturen Iran, Pakistan unter Zia-ul-Haq, Afghanistan unter den Taliban oder dem IS (Islamischer Staat Irak und Syrien) statt. Schließlich würde dies ein Nachdenken provozieren, ob ein solcher Staat für die Muslime überhaupt eine gute Idee ist.
In Texten von Befürwortern eines Islamischen Staates finden sich immer wieder Begriffe, die undefiniert bleiben. Eine kleine Auswahl:
Umma: Was ist damit genau gemeint? Umfasst der Begriff alle Muslime, also Sunniten und Schiiten oder nur jeweils eine Konfession? Islamische Menschen: Was sind islamische Menschen? Weshalb verwendet man nicht das Wort Muslime? Islamische Gesellschaften: Was sind islamische Gesellschaften? Wodurch zeichnen sich diese aus?
Staat: Worin liegen die Unterschiede zwischen dem vormodernen und dem modernen Staat? Warum wurde das vormoderne Staatskonzept durch den modernen Staat ersetzt? Welche Schwächen hatte das alte Modell? Knüpft ein Islamischer Staat an das vormoderne Modell an oder bedient er sich beim modernen Modell? Wenn Letzteres, auf welcher Grundlage geschieht dies? Und was wird historisch unter einem Islamischen Staat verstanden? Medina zur Zeit des Propheten Muhammad, das Kalifat der ersten vier Kalifen, die Herrschaft der Umayyaden, Abbasiden, Moghul, Osmanen u.a.?
Scharia: Was wird unter Scharia eigentlich verstanden? Handelt es sich dabei nicht um zwei Quellen, dem Qur’an und der Sunna oder dem Hadith, deren arg begrenzte Anzahl an Bestimmungen durch die Rechtsgelehrten mittels unterschiedlicher Methoden weitergedacht wurden, was zur Entstehung der Wissenschaft von der Normenlehre (arab. fiqh) und unterschiedlichen Rechtsschulen führte? Gerade diese Entwicklung belegt, dass Religion stets Interpretation ist und es somit keine sterile Scharia gibt.
Auffällig ist auch, dass Vertreter dieser Idee tunlichst Begriffe vermeiden, die negative Assoziationen hervorrufen könnten. Einerseits wird erklärt, dass in einem solchen Staat die Souveränität allein Gott gebührt, andererseits verzichtet man darauf, diese Herrschaftsform korrekt als Theokratie zu benennen.
Des Weiteren lassen sich gewichtige Widersprüche finden, die typisch für Islamischer Staat-Advokaten sind. Die Ablehnung des Nationalstaates wird damit begründet, da dieses Konzept die Volkssouveränität vertritt. In ihren Texten wird schließlich erklärt, dass die Souveränität im Islamischen Staat bei der Umma liegt, ausgeführt von den Rechtsgelehrten.
Foto: OsamaK, via Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY-SA 3.0
Moment einmal, bei wem liegt nun die Souveränität im Islamischen Staat: bei Gott oder der Umma? Hier wird ein Problem dieser Befürworter deutlich. Einerseits plädieren sie dafür, dass alle Macht bei Gott liegt, andererseits besteht die offenkundige Tatsache, dass Gott diese Herrschaft niemals ausgeführt hat. Gott spricht nicht im Parlament. Er hält keine Ansprachen an die „islamische Gesellschaft“. Und Engel fungieren im Islamischen Staat auch nicht als Polizisten oder Soldaten.
Da Gott im „Islamischen Staat“ durch Abwesenheit glänzt, braucht es notwendigerweise den Menschen. Islamischer Staat-Propagandisten versuchen nun, ihr Konzept von der Souveränität Gottes notdürftig zu retten, indem der Mensch auf ein ausführendes Organ der Offenbarung reduziert wird.
Die gesamte islamische Geschichte zeigt jedoch, dass es einen objektiven und sterilen Zugang zu dieser nicht gibt. Religion ist Interpretation. Folglich rutschen im politischen Bereich die Juristen in die Rolle des Souverän, da Gott ihnen nicht mitteilt, was die richtige Interpretation ist.
Ebenso wenig teilt Er ihnen neue Normen mit, etwa Regeln für den modernen Straßenverkehr. Demnach ist der „Islamische Staat“ ein Staat der Rechtsgelehrten wie es im Iran der Fall ist.
Auch fällt auf, dass die Befürworter dieses Ordnungsmodells Gesellschaft stets als ein monolithisches Gebilde denken, indem es keine unterschiedlichen Interessen gibt. Gesellschaften sind jedoch plural und setzen sich aus verschiedenen Gruppen zusammen, die unterschiedliche Vorstellungen von Gesellschaft und Staat haben.
Aufgabe von Politik ist es, einen Konsens zwischen den Gruppen herzustellen, damit diese als eine Gesellschaft voranschreiten können. In diesem Denken fehlt jedoch jegliche Spur einer innerislamischen Pluralität wie sie in Gestalt von Sunniten und Schiiten nun einmal eine Realität ist.
Nichtmuslimische Religionsgemeinschaften oder der zunehmend größer werdende Anteil säkular eingestellter Menschen in den muslimischen Ländern werden ebenso wenig thematisiert. Auf die Herausforderung von Pluralität haben diese Aktivisten und ihr Staatsentwurf also keine Antwort.
Folglich würde dies bei einer Überführung von der Theorie in die Praxis schon den Weg in die Diktatur weisen, da alles von der Theorie Abweichende unterdrückt werden muss.
Da Gesellschaft stets nur als „islamische Gesellschaft“ gedacht wird, haben demnach nicht alle gesellschaftlichen Gruppen das Recht auf Teilhabe. Aber was ist dann mit diesen „Landesbewohnern“? Sind sie Untertanen der staatstragenden Gesellschaft? Ewige Bürger 2. Klasse? Immerwährende Geduldete?
Foto: Sushil Nash, Unsplash
Was ist schließlich oberste materielle Aufgabe eines Islamischen Staates? Vielleicht für das Allgemeinwohl der Umma zu sorgen und soziale Gerechtigkeit herzustellen? Mitnichten. In den Texten von Denkern eines Islamischen Staates heißt es, oberstes Gebot sei der Schutz der Religion, da diese den Staat trägt, und alles abzuwehren, was ihr in irgendeiner Form Schaden könnte.
Mittels dieser Schwert- und Schildfunktion des Staates können Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit und Versammlungsfreiheit eingeschränkt werden. Die Mitglieder der „islamischen Gesellschaft“ dürften hieran keinen Anstoß nehmen, da sie ja nichts zu befürchten haben.
Damit wird deutlich, dass der islamische Staat als ein totalitärer ideologischer Staat konzipiert ist. Da in diesem Staat Religion und Regierung eins sind, ist jede Kritik an der Regierung auch Kritik an der Religion und somit Sünde und Apostasie.
Jetzt wird auch erkennbar, was sich hinter nebulösen Worthülsen wie „islamische Menschen“ und „islamische Gesellschaft“ versteckt. Sie markieren und unterscheiden zwischen den systemtreuen „wahren“ Muslimen und den systemfeindlichen, abtrünnigen Muslimen.
Freilich wird mit keinem Wort erwähnt, was mit Letzteren geschehen muss. Dies könnte nämlich potenzielle Rekruten abschrecken. Aber es liegt auf der Hand, Systemfeinde müssen mit der ganzen Macht des Staates ausgemerzt werden.
Psychologisch betrachtet haben diese Befürworter eines solchen Modells nekrophile Charakterzüge, da sie sich von der Macht zu Töten wie auch überhaupt vom Töten angezogen fühlen. Ihren genozidalen Träumen verleihen sie verbal Ausdruck, wenn sie alle muslimischen Länder samt der dort lebenden Muslime als Bestanteil des Dar Al-Kufr verunglimpfen.
Der Staat selbst bleibt eine abstrakte Angelegenheit. Wie sieht sein Innenleben aus? Über welche Institutionen verfügt er? Wie werden die Rechtsgelehrten bestimmt, die die „Scharia“ ausführen? Werden sie von der Umma gewählt? Auf welche Weise und wie oft? Wie wird der Kalif, also der oberste Rechtsgelehrte, bestimmt und über welche Befugnisse verfügt er?
Gibt es zwischen den Institutionen eine Gewaltenteilung? Hier zeigt sich eine weitere Schwäche von Denkern eines Islamischen Staates. Einerseits erklären sie, dass dieser ein fundamentaler Bestandteil des islamischen Glaubens sei, andererseits können sie keine einzige Blaupause aus den islamischen Quellen ableiten.
Wenn aber der Staat eine solch enorme Bedeutung für das Muslimsein innehat und mit metaphysischen Weihen versehen wird, weshalb hat Gott nicht erklärt, wie ein solcher Staat ausgestaltet werden soll?
Da der Staat essenziell ist, muss ja jeder Prophet einen solchen gegründet haben. Waren Noah, Abraham, Ismail, Isaak Josef, Moses, Johannes oder Jesus die Staatengründer? Die Tatsache, dass die überwiegende Mehrheit der Propheten dies eben nicht war, widerlegt diese These. Verschwiegen wird gerne auch, dass der Prophet Josef in einem nichtislamischen Staat ein Regierungsamt innehatte.
Wenn die Einheit von Islam und Staat so eindeutig ist, weshalb gab es nach dem Tod des Propheten Muhammad zwischen den Prophetengefährten unterschiedliche Vorstellungen davon, wie es weitergehen sollte? Weshalb gab es unterschiedliche Modelle, die von verschiedenen Prophetengefährten favorisiert wurden? Weshalb wurden diese Auffassungen dann zum Konfliktherd zwischen ihnen, die zum ersten Bürgerkrieg führte, der von einem Teil von ihnen ausgeführt wurde?
Gerade dieser Konflikt ist ein Lehrstück, dass es sich schon bei den Gefährten des Propheten um keine monolithische Gruppe handelte. Noch dass es nach seinem Ableben einen Plan gab. Das Kalifat war ihre Antwort für ihre Zeit. Diese ist aber nicht verpflichtend für spätere Generationen.
Hier offenbart sich eine weitere eklatante Schwäche dieser Aktivisten. Sie behaupten zwar immer wieder, dass ihre Thesen in der islamischen Geschichte wurzeln, aber diese Geschichte endet anscheinend mit dem Tod des Propheten Muhammad (s).
In der Regel sind sie unfähig, islamische Geschichte über das 7. Jahrhundert hinaus zu betrachten. Es gab niemals in der klassischen Zeit eine Herrschaft der Rechtsgelehrten.
Eher nahmen diese eine Distanz zur Politik ein, was sich an den Biografien von Gelehrten wie Abu Hanifa und Malik ibn Anas sehr gut nachweisen lässt. Und Kalifen waren niemals oberste Rechtsgelehrte.
Islamischer Staat? – Dieses Denken stellt die Saat der Gewalt dar, unter der wir Muslime heute so immens leiden.
„Die afghanische Armee wäre auch in fünf Jahren nicht in der Lage gewesen, die neue Ordnung gegen die Taliban zu verteidigen. Der Westen hatte zwar Unterstützung durch die urbanen Eliten, die aber in sich zerstritten und korrupt waren.“
Berlin (KNA). Mit unheimlicher Geschwindigkeit haben die Taliban Afghanistan überrannt und stehen in der Hauptstadt Kabul. Der Westen verfolgt die Entwicklung im Schockzustand. Wie konnte es dazu kommen und welche Zukunft erwartet das Land? Christian Wagner, Südasien-Experte der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik, analysiert im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) die Lage in Afghanistan.
KNA: Herr Wagner, was treibt die Taliban stärker an: das Streben nach dem Gottesstaat oder der Anspruch auf Hegemonie und antiwestliche Machtpolitik?
Wagner: Das eine ist vom anderen kaum zu trennen. Die entscheidende Triebkraft ist sicherlich der Islam. Gerade weil die Taliban ihn in einer extremen Form auslegen, die den Westen als ultimatives Feindbild ausmacht, solange seine Truppen im Land stehen.
KNA: Wie viel Rückhalt haben die Taliban in der Bevölkerung?
Wagner: Das ist schwer einzuschätzen, weil die Taliban Wahlen immer abgelehnt haben und jede Opposition im Keim ersticken. Fehlende Gegenwehr ist also kein Indiz für Rückhalt. Die Bilder aus Kabul zeigen, dass zumindest in den Städten große Angst herrscht. Andere Teile der Bevölkerung arrangieren sich oder können der archaischen, schlichten Scharia-Gerechtigkeit der Taliban sogar etwas abgewinnen, denn die sorgt für eine gewisse Sicherheit auf den Straßen und verspricht ein Durchgreifen gegen die Korruption.
KNA: Die fehlende Kampfbereitschaft der afghanischen Armee hat den Westen jedenfalls überrascht und schockiert.
Wagner: Er hat aber auch einen Anteil daran. Der Westen konnte nicht dafür sorgen, dass die Gelder, die er in den Aufbau dieser Armee pumpte, auch bei den Soldaten ankommen. Sie versickerten in korrupten Strukturen. Deshalb fehlte es der Truppe an Sold, an Verpflegung, sogar an Munition. Zweitens hat das Abkommen von Doha zwischen den USA und den Taliban 2020 viel Vertrauen zerstört. Damit war klar, dass die ISAF-Kontingente in Kürze abziehen und den Taliban mehr oder weniger das Land überlassen. Warlords und Armeekommandeure haben sich dann zügig umorientiert und eigene Deals mit den Islamisten angepeilt.
KNA: Hätte es denn überhaupt eine Strategie gegeben, um Stabilität und Demokratie im westlichen Sinne zu sichern? Etwa durch eine längere Stationierung der ISAF?
Wagner: Nein, ich glaube nicht. Die afghanische Armee wäre auch in fünf Jahren nicht in der Lage gewesen, die neue Ordnung gegen die Taliban zu verteidigen. Der Westen hatte zwar Unterstützung durch die urbanen Eliten, die aber in sich zerstritten und korrupt waren. Ein großes Problem sehe ich auch im fehlenden Aufbau einer überlebensfähigen Wirtschaft. Man hat den Bildungssektor gestärkt, um Fachkräfte auszubilden, aber es mangelt in Afghanistan ja komplett an Arbeitsmöglichkeiten für diese jungen Leute. Es gibt keine Industrie, keine Wertschöpfung, keine Ressourcen. Dafür ein starkes Bevölkerungswachstum, besonders in den bitterarmen ländlichen Regionen. Im Übrigen gibt es kaum Beispiele, dass die Schaffung einer demokratisch-liberalen Gesellschaft in einem nichtwestlichen, noch dazu islamischen Land mithilfe westlicher Truppen jemals funktioniert hätte. Gerade in Afghanistan stehen einem solchen Nationbuilding komplexe soziale Strukturen entgegen, die auf Loyalität innerhalb von Clans und Stämmen gründen statt auf einer Nation.
KNA: Was kommt jetzt? Rechnen Sie mit einem neuen Terror-Emirat wie vor 25 Jahren?
Wagner: Ich gehe derzeit eher von einer moderateren Herrschaftsform aus. Die Taliban agieren heute anders als damals. Sie werden die fast vollständige internationale Isolation ihres Staates vermeiden und auch westliche Hilfsorganisationen zulassen. Denn ihnen liegt an einer Verbreiterung ihrer Legitimation im Land und dafür brauchen sie eine zumindest rudimentäre Entwicklung der Infrastruktur. Inzwischen wissen sie auch um die Macht internationaler Medien. Allzu barbarische Methoden insbesondere gegen Frauen werden sie deshalb wohl unterlassen. Allerdings sind die Taliban eine heterogene Gruppe. Womöglich wird das Regime in entlegeneren Landesteilen härter vorgehen. Aber auf Regierungsebene vermute ich das erstmal nicht.
KNA: Auch China steht als Entwicklungspartner bereit – nicht gerade ein eiserner Verfechter der Menschenrechte.
Wagner: Aber China hat auch Sicherheitsinteressen. Es wird zumindest verhindern wollen, dass Afghanistan wieder ein Hort des internationalen Terrorismus wird wie 2001. Denn das hätte Auswirkungen auf die chinesische Provinz Xinjang, wo Peking die muslimischen Uiguren massiv unterdrückt. Wenn die Taliban von chinesischer Hilfe profitieren wollen, müssen sie sich von Terrororganisationen wie dem „Islamischen Staat“, Al-Qaida und militanten uigurischen Gruppen distanzieren und dürfen ihnen keine Rückzugsmöglichkeiten im Land erlauben. Das gilt übrigens auch mit Blick auf Russland, das heute viel stärker daran interessiert ist als 1996, die Ausbreitung des islamistischen Terrorismus in Zentralasien zu bekämpfen. Selbst Pakistan verfolgt in diesem Sinne eine andere Politik als vor 20 Jahren. Ein Lagebild wie vor der westlichen Invasion wird sich deshalb vermutlich nicht wiederholen.
KNA: Die muslimische Welt verfolgt die Entwicklung bisher nahezu teilnahmslos. Dabei waren es doch die Taliban, die das Image ihrer Religion dermaßen beschädigt haben.
Wagner: Viele Muslime sehen das gar nicht so und unterscheiden da zwischen den Taliban und Al-Kaida. Außerdem gab es in der islamischen Welt immer große Unzufriedenheit über die westliche Besetzung Afghanistans, die als Demütigung empfunden wurde. Nicht wenige sehen die Taliban als Freiheitskämpfer und fromme Muslime. Aber noch ist es zu früh, die Reaktionen der islamischen Länder zu bewerten. Man wartet dort noch ab und richtet die eigenen machtpolitischen Strategien dann neu aus. Es hängt jetzt viel davon ab, wie sich die Taliban auf der internationalen Bühne positionieren.
„Ich habe der Welt von Afghanistan erzählt – aber weil ich nicht verarbeiten kann, was in meinem Land passiert, bin ich wie betäubt.“ Bilal Sarwary, afghanischer Journalist via Übermedien
Berlin (KNA). Während die Bundeswehr die Evakuierung deutscher Staatsbürger aus Afghanistan vorbereitet, debattiert die Politik weiter über den Sinn des Afghanistaneinsatzes und die Aufnahme von Afghanen, die mit den Deutschen zusammengearbeitet haben und deshalb als gefährdet gelten. Zugleich wurde am Wochenende deutlich, dass eine neue Flüchtlingswelle aus Afghanistan erwartet wird. Die Bundesregierung kündigte unterdessen an, fast alle Botschaftsmitarbeiter sowie die afghanischen Ortskräfte möglichst schnell auszufliegen.
CDU-Chef Armin Laschet forderte, dass Deutschland die ehemaligen Ortskräfte der Bundeswehr rettet. „Diese Leute, die uns geholfen haben, Afghanen, die mutig waren, der Bundeswehr zu helfen, müssen jetzt rausgeholt werden“, sagte er auf einer Veranstaltung der Jungen Union im hessischen Gießen.
Die Verteidigungspolitikerinnen Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) und Agnieszka Brugger (Grüne) kritisierten gegenüber dem Nachrichtenportal Watson die Bundesregierung scharf für ihren Umgang mit afghanischen Ortskräften. Strack-Zimmermann forderte die Regierung auf, diese Menschen schnellstmöglich per Flugzeug aus dem Land zu schaffen. Brugger sagte, es sei „extrem beschämend, dass die Bundesregierung eine Reihe von Ortskräften nach wie vor im Stich lässt“.
FDP-Außenpolitiker Alexander Graf Lambsdorff warf der Bundesregierung Planlosigkeit vor. Die Evakuierungen hätten längst geplant sein können, sagte er der „Rheinischen Post“. Es gebe Schuldzuweisungen zwischen den Ministerien. „Das ist eine unwürdige Diskussion.“ Auch Linken-Verteidigungspolitiker Alexander Neu verlangte eine Evakuierung der Ortskräfte.
Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) befürchtet, dass die Zahl der Geflüchteten deutlich ansteigen wird. „Man muss damit rechnen, dass sich Menschen in Bewegung setzen, auch in Richtung Europa“, sagte er der „Augsburger Allgemeinen“ (Montag). Dabei müsse man nicht nur den Krisenherd Afghanistan im Blick behalten, sondern genauso Belarus, Pakistan, den Iran, die Türkei, Tunesien, Marokko und Libyen.
Die Kanzlerkandidatin der Grünen, Annalena Baerbock, warnte angesichts der massiv gestiegenen Zahl von Binnenflüchtlingen in Afghanistan, die Versäumnisse während des Syrien-Kriegs zu wiederholen. Fatalerweise seien die Europäer damals nicht auf die Geflüchteten vorbereitet gewesen, sagte sie im Deutschlandfunk. Man dürfe nicht warten, bis alle 27 EU-Länder bereit zur Aufnahme von Geflüchteten seien. Man müsse sich vielmehr mit jenen europäischen Ländern zusammenschließen, die das tun wollten.
Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen (CDU), forderte ein Eingreifen des Westens gegen die Taliban – ausdrücklich unter Beteiligung der Bundeswehr. „Man darf nicht dabei zuschauen, wie Menschen, die uns lange verbunden waren, von den Taliban abgeschlachtet werden, wie Mädchen und Frauen alle hart erkämpften Rechte wieder verlieren“, sagte Röttgen dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.
Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Michael Roth (SPD), erteilte Forderungen nach einem erneuten Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr eine Absage. Er sagte der „Rheinischen Post“ (Samstag): „Wir haben gemeinsam mit unseren internationalen Partnern entschieden, den Einsatz zu beenden.“ Stattdessen müsse die internationale Gemeinschaft darauf drängen, „dass es zu einem politischen Dialog kommt“. Man werde nicht darauf verzichten können, die Taliban einzubinden.
Der Terrorismusexperte Peter Neumann vom Londoner King’s College glaubt, dass die afghanischen Taliban ihren Charakter geändert haben. „Die Taliban versuchen, aus den Fehlern der 1990er Jahre zu lernen. Damals wurden sie von Teilen der Bevölkerung sehr gehasst, weil sie zum Beispiel gegen religiöse Minderheiten vorgegangen sind.“ Sie gäben sich versöhnlicher und wollten auch Mädchen erlauben, zur Schule zu gehen, sagte Neumann dem RedaktionsNetzwerk. Große Hoffnungen auf einen Dialog mit den Taliban habe er dennoch nicht, betonte Neumann. Der Westen habe mit dem Rückzug seiner Truppen sein wichtigstes und einziges Druckmittel verloren.
Grünen-Außenexperte Omid Nouripour befürchtet, dass Afghanistan unter den Taliban wieder zu einem Rückzugsraum für Terroristen wird. Der „Passauer Neuen Presse“ sagte er, sollten die Taliban die Macht übernehmen, stehe ihnen erst einmal ein Krieg mit dem Islamischen Staat (IS) bevor. „Das Land wird jedenfalls nicht zur Ruhe kommen.“a
(iz). Innerhalb der islamischen Gemeinschaft hat das Internet zu einer neuen Gesprächskultur geführt. Jeder – ob Gelehrter oder nicht, ob kompetent oder unwissend – kann sich an den Diskussionen über islamische Themen beteiligen. Wenn auch an manchen Stellen die Qualität dieser Debatten etwas zu wünschen übrig lässt, ist es nicht schlecht, dass Muslime sich auch auf diesem Weg mit dem innerislamischen Streit auseinandersetzen. Es ist nicht einmal neu, zeichnet den Islam doch jahrhundertelang eine Kultur des niveauvollen Streites über Glaubensinhalte aus, wenn auch natürlich auf Grundlage einer gemeinsamen Basis; dem gemeinsamen Festhalten an den wichtigsten Regeln der Glaubenspraxis, den Ibadat und den Muamalat. Im Medienzeitalter sollte man als Beobachter oder Teilnehmer nie ganz vergessen, dass ein virtuelles Bild nicht vollkommen dem realen Bild eines Phänomens entspricht. Die berühmte Verwandlung der Mücke in den Elefanten gehört ebenfalls zu den gewohnten Spielarten neuer Medien. Ganze Gruppen über einen Kamm zu scheren oder gar Muslime zu beleidigen – bis hin zur Unsitte, sich zum Richter des Glaubens anderer Muslime aufzuschwingen -, sollte zumindest zwischen uns Muslimen sowieso verpönt sein.
In diesem Sinne beteiligt sich auch die Islamische Zeitung immer wieder aktiv an den Schlüsseldebatten unserer Zeit. Grundsätzlich sind wir der Auffassung, dass keine Politik dieses Jahrhunderts ohne die Bezugnahme zu ökonomischen Fragestellungen verstanden werden kann. Überraschenderweise gilt dies auch für das große Thema der letzten Wochen: den salafitischen Wahabismus. Genug Geld hatte diese Gruppe immer. Über Jahrzehnte hindurch gab es die Ideologie nur als „Exportschlager“. In ihrem Ursprungsland selbst, in Saudi-Arabien, gelang es dem Königshaus lange, die Aggression dieser Gruppe mit Hilfe zahlreicher Petrodollars nach außen zu lenken. Die ursprüngliche logistische Zusammenarbeit der Dschihadisten mit den Amerikanern in Afghanistan ist hinlänglich bekannt.
Aus ökonomischen Gründen – mit anderen Worten, aus Rücksicht gegenüber dem Wirtschaftspartner Saudi-Arabien – hatte der deutsche Verfassungsschutz diese Gruppierungen bis in das Jahr 2001 nicht erwähnt. Der radikale Arm der salafitischen Strömung, der so genannte „islamische Terrorismus“, hat mit seinen abscheulichen Verbrechen und seiner Idee eines „Ausnahmerechts“ bis heute nicht etwa dem Islam gedient, sondern die Vorlage für Vergeltung, aber auch für Krieg, Terror und Propaganda gegen Muslime geliefert. „Nicht jeder Salafist ist ein Terrorist, aber jeder der uns bekannten Terroristen war irgendwann einmal in salafitischen Zusammenhängen unterwegs“, wurde Verfassungsschutz-Chef Fromm im letzten Sommer zitiert. Diese alarmierende Aussage ist keine Polemik, sie stimmt und muss von Muslimen nachdenklich reflektiert werden. Schon im Interesse unser teilweise halbgebildeten Jugend sollte man – mit allen zur Verfügung stehenden gesellschaftlichen Kräften – den radikalen Flügel des Salafismus schlicht ausgrenzen und auch bei entsprechender Möglichkeit auffordern, unser Land zu verlassen.
Im Interesse der ausgewogenen Beurteilung des Phänomens Salafismus gehört auch ein anderes Kapitel im vielschichtig gewordenen Verhältnis von Staat und Muslimen. Die Ulmer Urgemeinschaft des radikalen Salafismus in Deutschland wäre vermutlich nicht ohne Mithilfe eines dubiosen Chefpropagandisten, der gleichzeitig V-Mann des baden-württembergischen Verfassungsschutz war, entstanden. Bis heute ist der Fall nicht aufgeklärt und der „Hassprediger“ steht auf keiner Fahndungsliste. Zweifelsohne gibt es praktisch keine Terrorgruppe in Europa, die nicht nachweislich auch von V-Leuten aktiv unterwandert war. Ohne etwas unterstellen zu wollen: Aber auch hier sollte sich die zu Recht besorgte Öffentlichkeit nicht einschläfern lassen.
Warum fällt es eigentlich manchen Muslimen schwer, gegen „salafitische Gruppierungen“ geistig mobil zu machen? Dafür gibt es verschiedene Gründe: Zunächst einmal verbindet alle Muslime die Liebe zum Propheten und zu den ersten muslimischen Generationen. Da sich der Salafismus „exclusiv“ auf sein Verhältnis zum Ursprung beruft, fällt es hier vielen Muslimen schwer, angemessen zu reagieren. Nur wenige Muslime verstehen den schleichenden Übergang von einem lebendigen Einheitsglauben – gemäßigt durch das praktische Beispiel des Propheten und den ‘Amal von Medina – hin zu einer modernen, abstrahierenden Ideologie, die den Salafismus heute auch ausmacht.
Nur langsam werden an sich wichtige, aufklärende Bücher – wie Abdelwahab Meddebs „Die Krankheit des Islam“ – oder viele Texte in der Islamischen Zeitung über die Widersprüche „islamischer Ideologie“ wahrgenommen. Der Aufsatz „Jenseits von Eden“ des Islamwissenschaftlers Muhammad Sameer Murtaza auf islam.de zeigt die Verflechtungen des Wahabismus beziehungsweise Salafismus und erklärt seine – Muslimen oft nicht bekannte – historische Entstehungsgeschichte. Die Wandlung der positiven Lebensenergie der Muslime zu einem modernen Geist – der stets verneint und die neue Welt mit seinem Glauben nicht etwa aufbauen, sondern zum Einsturz bringen will – beschreiben diese Autoren durchaus treffend.
Allerdings erschwert eine schleichende Politisierung des Diskurses die objektiv notwendige Kenntnisnahme von Fakten. Der beliebte Gegensatz zwischen rückwärtsgewandtem Salafismus und modernem Liberalismus kann Muslimen den fatalen Eindruck vermitteln, als würde eine konsequente Abrechnung mit dem Salafismus und seinem Anspruch auf eine Nähe zu den Quellen in der Praxis aus dem Islam herausführen. Die Verknüpfung der notwendigen Zurückweisung des (wahabitischen) Salafismus. allerdings nach Maßgabe einer teilweisen Aufgabe der ganzheitlichen Glaubenspraxis, die bei manchem Kritiker ebenfalls mitschwingt, wäre für die innerislamische Debatte fatal.
An dieser Stelle muss man kritisch hinzufügen, dass ein Grund für die mediale Herrschaft der Extreme und das unverhältnismäßige Gewicht von Kleingruppen in der Schwäche der Mitte zu finden ist. Der (angeblich) organisierte Islam in Deutschland, die Verbände und Moscheegemeinden haben zwar agile Funktionäre, aber bisher kaum glaubwürdige Gelehrte in der Öffentlichkeit etabliert. Ein Grund warum die, durchaus vorhandenen Lehrer bisher von der Bürokratie eher versteckt wurden, ist evident. Eine aktive, selbstbewusste islamische Lehre würde zwar den Extremismus zurückdrängen, könnte aber kaum bestätigen, dass die Zakat unnötig geworden ist, dass die ethnische Einteilung von Muslimen authentisch sei oder es besser wäre, GmbH’s als Stiftungen zu fördern. Im Ergebnis überlässt der organisierte Islam bisher das Internet den zahlreichen Laienprediger oder fördert verhalten eine vom Alltag abgehobene „Theologie“ an den Universitäten.
Fakt ist, der KRM – als mögliche Interessenvertretung der verschiedenen muslimische Strömungen in Deutschland – ist seit Jahren gelähmt und bisher nicht in der Lage gewesen, ein aktives Programm – von und für Muslime – in der Öffentlichkeit zu etablieren. Die fehlende Präsenz in der Hauptstadt spricht hier Bände. Extreme Gruppen berufen sich daher immer wieder auf die Passivität und angebliche Gleichgültigkeit der muslimischen Mehrheit. Es wird Zeit, dass wir Muslime der Mitte unsere Außenwirkung wieder gemeinsam – und vor allem stärker – selbst bestimmen.
Sorgen macht die augenscheinliche Instrumentalisierung des islamischen Extremismus durch einige Konservativen. Leider bekommt diese Denkrichtung immer wieder ideale Vorlagen. Ein Paradebeispiel sind die spektakulären Aktionen des Hartz-IV-Empfängers Ibrahim Abou-Nagie, der die Deutschen flugs mit der Massenverteilung einer Qur’anübersetzung vom Unglauben bekehren wollte, aber in seiner eigenen, nun leider öffentlichen Existenz voller Widersprüche lebt. Im Jahr 2010, so berichtet er stolz auf Youtube, sei er schon vom Verfassungsschutz angesprochen worden, der – wie er schmunzelnd berichtet – seine polemische Wortwahl nicht so gut fand. Niemand weiß, was aus diesen Kontakten wurde.
Für manche Konservative, die sehr häufig keine halbwegs niveauvollen Muslime persönlich kennen, werden diese vorgeschobenen Akteure zum Symbol des Islam in Deutschland an sich. Bedenklich in Sachen Öffentlichkeitsarbeit agiert gelegentlich auch der christsoziale Bundesinnenminister Friedrich, der gerade zugeben musste, dass sein Ministerium bei der Veröffentlichung einer Jugendstudie ausgerechnet die „Bildzeitung“ als bevorzugten Medienpartner wählte. Friedrich hatte dann in der BILD die Studie einseitig – und unter Protest ihrer Autoren – als Indiz für das angeblich wachsende Gefahrenpotential muslimischer Jugendlicher bewertet. Viele Muslime rätseln schon länger über die Strategie des Ministers und bemängeln die Kultivierung der Gegensätze.
Geht es am Ende doch nur um die Förderung genehmer Muslime oder gar um eine mittelfristige „Verstaatlichung“ oder Bevormundung der künftigen muslimischen Vertretungen? „Der medienwirksame Aufschwung der kleinen Gruppe der Extremisten schafft die Voraussetzungen für die uns alle überragende Dialektik“, schrieb Khalil Breuer auf der IZ-Webseite über die Lage. ”Auf der einen Seite die vielbesungen Salafiten, auf der anderen Seite ein staatstragender, liberaler Islam, der trotz seiner Bedeutungslosigkeit zum entscheidenden Vertragspartner mutiert.“
Die Hype um den Salafismus – nur wenige Tage vor der Islamkonferenz entfacht – kommt tatsächlich denen gelegen, die im Islam in Deutschland vor allem ein langfristiges Sicherheitsproblem sehen wollen. Die hierarchisch verfasste Konferenz wirkt zunehmend als präventive Polizeiarbeit und richtet darüber hinaus weiteren Flurschaden an. Immer mehr „normale“ Muslime sehen in der Islamkonferenz und der andauernden Assoziierung der Muslime mit Gewalt vielmehr eine dauerhafte Beschädigung ihres Images.
Ein Mittelweg und die Stärkung der Mitte, wo sich die praktizierenden und maßvollen Muslime sehen, sieht wahrlich anders aus. Überfällig wäre die endgültige und thematische Loslösung der Konferenz vom Innenministerium. Die notwendige Zusammenarbeit der Muslime mit dem Staat gegen den Extremismus könnte dort mit weniger Getöse fortgeführt werden. Die Debatte weiterhin auf Sicherheitsaspekte zu reduzieren, ist schädlich. Es richtet sich schlussendlich gegen die Interessen der Bundesrepublik, dass noch immer Millionen von potentiellen Bürgern mit Gewalt und Extremismus assoziiert werden.
| Cookie | Dauer | Beschreibung |
|---|---|---|
| __cf_bm | 30 minutes | Wird von unserem Betreiber Cloudflare gesetzt, um automatisierte Zugriffe von echten Besuchern zu unterscheiden. Der Cookie enthält keine Angaben zu Ihrer Person und ist für den sicheren Betrieb der Website erforderlich. |
| __stripe_mid | 1 year | This cookie is set by Stripe payment gateway. This cookie is used to enable payment on the website without storing any patment information on a server. |
| __stripe_sid | 30 minutes | This cookie is set by Stripe payment gateway. This cookie is used to enable payment on the website without storing any patment information on a server. |
| acadp_rand_seed | 1 day | Wird ausschließlich im Anzeigenmarkt gesetzt. Der Cookie enthält nur eine Zufallszahl, die die Reihenfolge einer Anzeigenliste über mehrere Blätterseiten hinweg stabil hält. Sie ist keiner Person und keinem Gerät zugeordnet und wird nicht weiterverarbeitet. |
| cookielawinfo-checkbox-advertisement | 1 year | Set by the GDPR Cookie Consent plugin, this cookie is used to record the user consent for the cookies in the "Advertisement" category . |
| cookielawinfo-checkbox-analytics | 1 year | Set by the GDPR Cookie Consent plugin, this cookie is used to record the user consent for the cookies in the "Analytics" category . |
| cookielawinfo-checkbox-functional | 1 year | The cookie is set by GDPR cookie consent to record the user consent for the cookies in the category "Functional". |
| cookielawinfo-checkbox-necessary | 1 year | Set by the GDPR Cookie Consent plugin, this cookie is used to record the user consent for the cookies in the "Necessary" category . |
| cookielawinfo-checkbox-non-necessary | 1 year | Set by the GDPR Cookie Consent plugin, this cookie is used to record the user consent for the cookies in the "Non-necessary" category . |
| cookielawinfo-checkbox-others | 1 year | Set by the GDPR Cookie Consent plugin, this cookie is used to store the user consent for cookies in the category "Others". |
| cookielawinfo-checkbox-performance | 1 year | Set by the GDPR Cookie Consent plugin, this cookie is used to store the user consent for cookies in the category "Performance". |
| CookieLawInfoConsent | 1 year | CookieYes sets this cookie to record the default button state of the corresponding category and the status of CCPA. It works only in coordination with the primary cookie. |
| m | 2 years | Stripe sets this cookie for fraud prevention purposes. It identifies the device used to access the website, allowing the website to be formatted accordingly. |
| PHPSESSID | session | This cookie is native to PHP applications. The cookie is used to store and identify a users' unique session ID for the purpose of managing user session on the website. The cookie is a session cookies and is deleted when all the browser windows are closed. |
| woocommerce_cart_hash | session | Wird von WooCommerce gesetzt, sobald sich etwas im Warenkorb befindet. Der Cookie enthält eine Prüfsumme des Warenkorbinhalts, damit zwischengespeicherte Seiten den richtigen Warenkorbstand anzeigen. Er enthält keine Angaben zu Ihrer Person und ist für den Betrieb des Warenkorbs erforderlich. |
| woocommerce_items_in_cart | session | Wird von WooCommerce gesetzt, sobald sich etwas im Warenkorb befindet. Der Cookie enthält nur den Wert 1 und teilt der Website mit, dass der Warenkorb nicht leer ist. Er enthält keine Angaben zu Ihrer Person und ist für den Betrieb des Warenkorbs erforderlich. |
| wp_woocommerce_session_* | 2 Tage | Wird von WooCommerce gesetzt und verbindet Ihren Browser mit der zugehörigen Warenkorb- und Bestellsitzung auf dem Server. Der Cookie enthält eine Kennung und eine Prüfsumme, keine Bestell- oder Zahlungsdaten. Er ist für Warenkorb und Kasse erforderlich. Laufzeit 2 Tage, bei angemeldeten Kunden 7 Tage. |
| Cookie | Dauer | Beschreibung |
|---|---|---|
| CONSENT | 2 years | YouTube sets this cookie via embedded youtube-videos and registers anonymous statistical data. |
| Cookie | Dauer | Beschreibung |
|---|---|---|
| NID | 6 months | NID cookie, set by Google, is used for advertising purposes; to limit the number of times the user sees an ad, to mute unwanted ads, and to measure the effectiveness of ads. |
| yt-remote-connected-devices | never | YouTube sets this cookie to store the video preferences of the user using embedded YouTube video. |
| yt-remote-device-id | never | YouTube sets this cookie to store the video preferences of the user using embedded YouTube video. |