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CLAIM: Muslimfeindlichkeit längst Teil des Alltags

CLAIM Muslimfeindlichkeit Deutschland

CLAIM macht deutlich: Muslimfeindlichkeit ist in Deutschland längst kein Randphänomen mehr, sondern Teil eines sozialen Klimas.

(iz). Im Rahmen der nationalen Aktionswochen gegen antimuslimischen Rassismus hat die von zahlreichen Initiativen getragene Organisation CLAIM in Berlin ihr zivilgesellschaftliches Lagebild für das Jahr 2025 vorgestellt. Die Jahresbilanz basiert auf Daten von 38 Beratungs- und Meldestellen sowie Initiativen aus 15 Bundesländern. Sie betrachtet die bundesweite Dimension dokumentierter Vorfälle dieser Art.

CLAIM: Jahresbefund mit klarer Dynamik

Die Organisation dokumentierte für das Jahr 2025 bundesweit 4.096 antimuslimische Vorfälle. Im Vorjahr waren es 3.080. Das entspricht einem Anstieg um rund 33 %nt, was rechnerisch etwa elf registrierten Fällen pro Tag entspricht. Darunter finden sich Beleidigungen, Diskriminierungen, Bedrohungen, Sachbeschädigungen sowie Gewalttaten bis hin zu Tötungsdelikten.

Die Organisation stützt sich dabei auf Daten von 38 Beratungs- und Meldestellen sowie Initiativen aus 15 Bundesländern und ergänzt diese um Zahlen zur politisch motivierten Kriminalität, Polizeipressemitteilungen und Medienberichte.

Damit setzt sich eine Entwicklung fort, die schon im Lagebild für 2024 sichtbar war: CLAIM registrierte damals mindestens 3.080 antimuslimische Vorfälle, darunter zwei Tötungen und zahlreiche Körperverletzungen. In diesem Jahr wurde ein Anstieg um 60 % gegenüber 2023 verzeichnet – ein Sprung, der sich in absolut höheren Zahlen stabilisiert hat und nicht abzuflauen scheint.

Muslimfeindlichkeit

Aufnahme aus einer CLAIM-Pressekonferenz von 2025. (Foto: Dirk Enters/CLAIM)

Verbale Angriffe, Diskriminierungen, Gewalt

Die neue Bilanz für das Jahr 2025 zeigt eine deutliche Konzentration auf sprachliche Gewalt: Mehr als 60 % der belegten Vorfälle entfallen auf diesen Bereich. Die Meldestelle verzeichnete 2.379 Fälle dieser Kategorie, darunter Schmähungen, Beschimpfungen und Drohungen, die in der Regel nicht strafbar sind, aber den sozialen Alltag nachhaltig prägen.

Hinzu kommen 840 dokumentierte Diskriminierungen, beispielsweise im Bildungsbereich, bei der Wohnungssuche oder im Arbeitsleben, sowie 680 Fälle „verletzenden Verhaltens“, zu denen auch Körperverletzungen und Sachbeschädigungen zählen.

Im Bereich schwerer Delikte verzeichnet das Lagebild 2025 zwei Tötungsdelikte und insgesamt 214 Körperverletzungen, darunter vier versuchte Tötungen, sowie fünf Brandstiftungen. 61 Angriffe auf Moscheen und insgesamt 64 Übergriffe auf religiöse Einrichtungen werden dem antimuslimischen Rassismus zugeordnet. Dies ist ein Befund, der religiöse Orte ausdrücklich als Ziel markiert.

CLAIM verweist darauf, dass diese Zahlen den staatlichen Erfassungen deutlich voraus sind. So vermeldete das Bundesinnenministerium für 2025 lediglich gut 1.800 islamfeindliche Delikte. Dies sei eine Lücke, die auf unterschiedliche Begriffe und Zählweisen zurückzuführen sei.

„Kein Randphänomen“ – und eine hohe Dunkelziffer

Im Zuge der Präsentation des Lagebildes warnt CLAIM-Co-Geschäftsführerin Rima Hanano vor einem „hohen Dunkelfeld“. Viele Betroffene zeigten Vorfälle aus unterschiedlichen Gründen nicht an. Die Ursachen reichen von mangelnder Kenntnis über Anlaufstellen bis zur Überzeugung, dass eine Anzeige „sich nicht lohnt“.

Die Organisation verweist dabei auf eine Studie der EU-Agentur für Grundrechte aus dem Jahr 2024. Demnach melden in Deutschland nur vier Prozent der Betroffenen eine erlebte Diskriminierung überhaupt der Polizei.

Hanno spricht zudem von antimuslimischem Rassismus als „Problem aus der Mitte der Gesellschaft“. Die Auswertungen zeigen, dass eine Teilmenge der Fälle eindeutig dem rechtsextremen Spektrum zugeordnet werden kann, während ein anderer Teil aus jenen Milieus stammt, die sich selbst als bürgerliche Mitte verstehen: Lehrkräfte, Behördenvertreter, Kolleg, Nachbar.

Aus Sicht von CLAIM schädigt diese Erfahrung das Vertrauen in Politik und staatliche Institutionen und verstärkt den Eindruck, man sei nur bedingt geschützt.

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Foto: imago | Ina Peek

Die Faktoren Geschlecht, Sichtbarkeit und Räume

Die Daten für das Jahr 2025 belegen, dass Frauen besonders häufig betroffen sind. In 64,5 % der Fälle, in denen das Geschlecht erfasst wurde, waren Frauen das Ziel der Vorfälle. Häufig sind es Personen, deren muslimische Identität im öffentlichen Raum sichtbar ist, etwa durch das Kopftuch.

Ähnliche Muster zeigen sich in regionalen Lagebildern. So registrierte das Netzwerk REPORT Berlin für das Jahr 2024 in der Bundeshauptstadt allein 644 antimuslimische Diskriminierungen, Beleidigungen und Angriffe, bei denen Frauen mit Kopftuch überproportional betroffen waren.

Die ausgewerteten Fälle zeigen zugleich die Orte, an denen sich antimuslimischer Rassismus verdichtet. Von den 415 Vorfällen mit bekanntem Ort ereigneten sich 35 % im Bildungsbereich, etwa an Schulen, Kitas und Universitäten, 19 % im öffentlichen Raum, 12 % in der Arbeitswelt und 7 % im öffentlichen Verkehr.

Weitere Fälle stammen aus Behörden, von der Polizei und aus dem Gesundheitsbereich. Die bundesweiten CLAIM-Daten fügen sich in dieses Bild ein und markieren Schule, Nahverkehr und Behördenkontakte als zentrale Schauplätze, an denen sich Zugehörigkeit oder Ausschluss entscheidet.

Fachstimmen zur „alltäglichen Ausgrenzung“

Fachbeobachter sehen in den Zahlen weniger eine statistische Überraschung als eine Bestätigung eines länger beschriebenen Trends. Der Journalist Daniel Bax (https://taz.de/Antimuslimischer-Rassismus-in-Deutschlan/!6091513/) ordnet das Lagebild als Ausdruck einer Gefährdung des gesellschaftlichen Zusammenhalts ein.

Über 4.000 solcher Vorfälle in einem Jahr seien kein Randphänomen; Widerspruch dagegen gebe es „viel zu wenig“. Bax verweist in seinen Kommentaren auf tätliche Angriffe auf Schulkinder, Bombendrohungen gegen Moscheen und Morde, bei denen Gerichte nicht immer ein antimuslimisches Motiv erkennen wollen.

Den Kern des Problems sieht er in dem, was die Allianz als „alltägliche Ausgrenzung“ beschreibt: Die große Mehrheit der Fälle spielt sich im Klassenzimmer, bei der Wohnungssuche, im Kontakt mit Behörden oder im digitalen Raum ab, häufig in Gestalt rassistischer Beschimpfungen.

Während manche Formen von Hassrede mittlerweile gesellschaftlich geächtet sind, bleibe antimuslimische Polemik in vielen Milieus noch als „Meinungsäußerung“ oder „überspitzte Kritik“ durchgehen. Gerade darin liege die Gefahr, weil eine demokratische Öffentlichkeit sich an eine Normalität der Geringschätzung gewöhne.

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Foto: Deutscher Bundestag / Marc-Steffen Unger

Welche Konsequenzen sollten folgen?

Vor diesem Hintergrund ist das neue Lagebild von CLAIM nicht nur ein Dokument der Zivilgesellschaft, sondern auch ein Prüfstein für staatliche und politische Reaktionen.

Die Organisation fordert eine präzisere Erfassung dieser Hasskriminalität in Polizeistatistiken, eine systematische Unterstützung von Betroffenen – etwa durch niedrigschwellige Meldestrukturen, psychosoziale Beratung und rechtliche Begleitung – sowie eine klare politische Sprache, die antimuslimischen Rassismus als eigenständige Kategorie gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit benennt.

Die Zahlen der Jahre 2024 und 2025 legen nahe, dass der bisherige Umgang mit dem Phänomen nicht ausreicht. Wer die Entwicklung ernst nimmt, muss die Vorstellung des „bedauerlichen Einzelfalls“ hinter sich lassen und stattdessen von Strukturen sprechen: von Debatten, in denen Musliminnen und Muslime vor allem als Sicherheitsrisiko dargestellt werden; von Institutionen, in denen Beschwerden nicht ernst genommen werden; von einem Alltag, in dem bestimmte Formen der Herabwürdigung als normal gelten.

Das Lagebild bietet dafür eine empirische Grundlage und stellt damit eine Frage an die rechtsstaatliche Selbstbeschreibung der Gesellschaft.

Wie sich die Zahlen entwickelt haben

Zwischen den Jahren 2023 und 2025 zeichnet sich eine klare Dynamik ab: Ausgehend von einem deutlich niedrigeren Niveau verzeichnete CLAIM für 2024 bereits mindestens 3.080 antimuslimische Vorfälle, ein Zuwachs um rund 60 % gegenüber 2023 mit zwei Tötungsdelikten und zahlreichen Körperverletzungen. Für 2025 steigt die Zahl weiter auf 4.096 Fälle, was einem erneuten Plus von etwa 33 % entspricht und rechnerisch über elf dokumentierte pro Tag bedeutet.

Mehr als 60 % davon sind verbale Angriffe (2.379 Fälle), hinzukommen 840 Diskriminierungen – unter anderem in Bildung, Arbeitsleben und Wohnungsmarkt – sowie 680 weitere verletzende Handlungen, darunter Körperverletzungen und Sachbeschädigungen.

Das Lagebild weist darüber hinaus zwei Tötungsdelikte, 214 Körperverletzungen, vier versuchte Tötungen und fünf Brandstiftungen sowie 61 Angriffe auf Moscheen und insgesamt 64 Übergriffe auf religiöse Einrichtungen aus; in knapp zwei Dritteln der Fälle, in denen das Geschlecht erfasst wurde, waren Frauen betroffen, insbesondere sichtbar muslimische Frauen.

Regionale Auswertungen wie das Berliner Lagebild mit 644 erfassten antimuslimischen Vorfällen für 2024 – mit deutlichem Schwerpunkt im Bildungsbereich und hoher Betroffenheit sichtbarer Musliminnen – fügen sich in dieses Bild ein und unterstreichen, dass es sich um eine strukturelle, nicht um eine punktuelle Entwicklung handelt.

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Drei Angriffe pro Tag: Muslimfeindlichkeit ist 2026 Alltag in Berlin

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Muslimfeindlichkeit in Berlin nimmt drastisch zu: 975 antimuslimische Übergriffe und Diskriminierungen wurden 2025 dokumentiert. Die Jahresbilanz von CLAIM belegt ein strukturelles Problem.

(iz). In Berlin ist Muslimfeindlichkeit längst kein Randphänomen mehr, sondern Teil des Alltags dieser Stadt. Frauen werden in der Tram bespuckt, Mädchen in Grünau am Bahnhof angegriffen, einer von ihnen wird das Kopftuch zerrissen, eine andere erleidet eine Verletzung durch ein Messer.

In Neukölln findet eine Moschee einen Drohbrief samt USB-Stick mit Gewaltaufrufen im Briefkasten, in Zehlendorf terrorisiert ein Nachbar einen Mann jahrelang mit antimuslimischen Hassbotschaften – trotz zahlreicher Anzeigen ohne Konsequenzen.

Foto: IZ Medien

Muslimfeindlichkeit: Alltag in Berlin

„Die dokumentierten Fälle zeigen, dass antimuslimischer Rassismus weiterhin ein strukturelles Problem darstellt, das sich durch nahezu alle Lebensbereiche zieht.“

Die Bilanz für Berlin macht diese Erfahrungen sichtbar: 975 antimuslimische Vorfälle wurden 2025 belegt – im Schnitt nahezu drei Attacken, Beleidigungen oder Benachteiligungen pro Tag. Das Spektrum reicht von verbalen Übergriffen (399 Fällen) über Diskriminierungen (273) bis hin zu 65 Körperverletzungen, darunter acht gefährliche. Erstmals seit 2024 wurden zudem wieder vier Angriffe auf Moscheen registriert.

Für Rima Hanano von CLAIM ist die Diagnose eindeutig: „Die Jahresbilanz zeigt deutlich: Antimuslimischer Rassismus ist für viele Menschen in Berlin Alltag – sie werden beleidigt, angegriffen, benachteiligt und diskriminiert.“ Besonders alarmierend seien die dokumentierten Körperverletzungen; zugleich würden Erfahrungen der Betroffenen „noch immer häufig relativiert oder in Frage gestellt“.

Auffällig sei, wie sehr diese Realität geschlechtlich codiert ist: In den Beispielen, in denen Angaben vorliegen, waren Frauen mit deutlich über der Hälfte der erfassten Fälle besonders häufig betroffen. Sie sind am meisten sichtbar, oft unterwegs mit ihren Kindern.

Der „Berliner Monitor“ hatte bereits 2024 darauf hingewiesen, dass ein Großteil der Musliminnen und „muslimisch gelesenen“ Personen in den zwei Jahren vor der Befragung Diskriminierungserfahrungen gemacht hat. Die neue Bilanz fügt diesem Bild konkrete Orte und Szenen hinzu: Straße, Tram, U-Bahn, Schulhof, Wartezimmer – der öffentliche Raum ist der häufigste Tatort, gefolgt von Bildungsinstitutionen und dem Internet.

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Foto: imago | Ina Peek

Keine Überraschung für Muslime

Für die Community kommen diese Angaben nicht überraschend. Sie sind eine Bestätigung, was seit Jahren beschrieben wird. Schon die vorangegangenen Zahlen hatten einen drastischen Anstieg signalisiert.

CLAIM spricht von einer „neuen Qualität“: mehr Enthemmung, Brutalität sowie Normalisierung von antimuslimischem Rassismus. Seit dem 7. Oktober 2023 wurden MuslimInnen nicht nur häufiger angegriffen. Man hat sie in politischen Debatten auch sichtbarer als Projektionsfläche markiert – als „Sicherheitsrisiko“, als ewiges Integrationsproblem. Die aktuelle Berliner Bilanz fügt sich nahtlos in dieses Lagebild ein.

Die Zahlen sind deshalb mehr als Statistik. Sie markieren eine Verschiebung dessen, was in der Stadt als sag- und machbar gilt. Die Analyse von CLAIM zeigt, dass antimuslimische Vorfälle eng mit Debatten über Migration, Asyl, Integration und Sicherheit verwoben sind.

Diskurse spielen eine Rolle

In Medien, Talkshows und sozialen Netzwerken kursierende Narrative schlagen sich in den Worten und Handlungen der Täter nieder: Wenn Muslime stets als Problem, Gefahr bzw. „Fremdkörper“ verhandelt werden, sinkt die Hemmschwelle, sie im Alltag anzuspucken, zu stoßen oder auszugrenzen.

„Solche Diskurse tragen dazu bei, rassistische und menschenfeindliche Positionen gesellschaftlich zu normalisieren und schaffen einen Nährboden für antimuslimische Übergriffe und Diskriminierungen.“

Gleichzeitig bleibt das Dunkelfeld groß. Studien zeigen, dass nur ein sehr kleiner Teil der Betroffenen Diskriminierungserfahrungen überhaupt meldet, Deutschland liegt dabei sogar unter dem ohnehin niedrigen EU-Durchschnitt.

Selbst in Berlin dürfte die reale Zahl antimuslimischer Vorfälle weit über den 975 dokumentierten Fällen liegen. So wichtig die zivilgesellschaftliche Erfassung ist. Sie zeigt vor allem jenen Ausschnitt, in dem Betroffene den Weg zu Beratungsstellen, Registerstellen oder Projekten wie Report! Berlin überhaupt finden.

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Foto: CLAIM Berlin

Jenseits der Empörung: Was ist die Botschaft für die Verantwortlichen?

Politisch sendet die Bilanz doppelte Signale. Berlins Senatorin Cansel Kiziltepe spricht von schockierenden Vorfällen und betont, dass Dokumentation und Analyse eine wichtige Grundlage für politische Forderungen und konkrete Maßnahmen seien, „um Musliminnen und Muslime in unserer Stadt noch besser zu schützen“. 

Zugleich erleben Betroffene, dass Anzeigen folgenlos bleiben, wie im Fall des Mannes aus Zehlendorf, dessen zahlreiche Meldungen über Jahre wirkungslos verpufften. Zwischen Bekenntnissen, Gedenktagen – etwa dem Berliner Gedenk- und Aktionstag gegen Islamfeindlichkeit am 15. März – und der tatsächlichen Praxis von Behörden klafft für viele eine spürbare Lücke.

CLAIM fordert daher nicht nur Empörung, sondern Struktur. Benannt werden der konsequente Ausbau von Dokumentations- und Monitoringstellen, eine bessere staatliche Erfassung und Strafverfolgung, mehr Beratungs- und Beschwerdestrukturen, verpflichtende Fortbildungen zu antimuslimischem Rassismus in staatlichen Einrichtungen sowie eine Berliner Landesstrategie gegen antimuslimischen Rassismus.

„Wenn ein erheblicher Teil der Menschen in dieser Stadt nicht die gleiche Sicherheit, den gleichen Schutz und die gleichen Chancen erfahren, ist das kein Problem einer Minderheit, sondern eine demokratische Herausforderung für uns alle.“

Für eine muslimische Öffentlichkeit, die seit Jahren über Strategien zwischen Resilienz, Selbstschutz und politischer Teilhabe diskutiert, steckt darin ein klarer Auftrag: Die eigenen Erfahrungen weiterhin zu dokumentieren, Kooperationen mit zivilgesellschaftlichen Strukturen zu suchen – und den Druck auf Politik und Institutionen aufrechtzuerhalten.

Eine zentrale Frage lautet: In welcher Stadt wollen wir leben? Eine Hauptstadt, in der Muslime ihre Kinder mit mulmigem Gefühl zur Schule schicken, weil der Schulweg zur Gefahrenzone werden kann? Oder ein Berlin, das seine eigene religiöse und kulturelle Vielfalt ernst genug nimmt, um sie zu schützen?

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Kurzmeldungen Inland (Nr. 366): von Auflösung der CLAIM Allianz bis zum NRW-Antidiskriminierungsgesetz

Kurzmeldungen

Die Kurzmeldungen aus dem Inland (Nr. 366) reichen von Rüstungsexporten nach Israel, über die Auflösung der CLAIM Allianz bis zu rechtsextremen Terror.

Rüstung: Regierung hebt Begrenzung wieder auf

BERLIN (IZ). Deutschland kündigte am 17. November an, die Beschränkungen für Waffenausfuhren nach Israel aufzuheben, und verwies dabei auf einen „stabilisierten Waffenstillstand“ im Gazastreifen und die jüngsten diplomatischen Fortschritte in der Region, berichtete Anadolu. Der Entschluss trat am 24. November in Kraft und führt dazu, dass das Land wieder jede einzelne Anfrage für Waffenexporte prüfen wird, sagte Regierungssprecher Stefan Kornelius gegenüber der deutschen Presseagentur DPA. Er erklärte, die Regierung habe ihre Entscheidung auf die Kampfpause zwischen Israel und der Hamas gestützt, die seit dem 10. Oktober halte und sich in den letzten Wochen stabilisiert habe. Er verwies auf die Bemühungen um einen dauerhaften Frieden und die verstärkte humanitäre Hilfe im Gazastreifen. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte die Beschränkungen am 8. August angeordnet und die Genehmigung von Waffenexporten, die im Gazakrieg eingesetzt werden könnten, gestoppt. Die Entscheidung erfolgte als Reaktion auf die Ankündigung Israels, eine groß angelegte Bodenoffensive zu starten und die Hilfslieferungen nach Gaza einzustellen.

Muslimfeindlichkeit

Foto: Dirk Enters/CLAIM

Die CLAIM Allianz hat sich aufgelöst

BERLIN (IZ). Die Claim-Allianz gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit wurde am 19. November 2025 aufgelöst, wie die Organisation bekanntgab. Künftig übernimmt die CLAIM gGmbH ihre Aufgaben. Ziel der Umstrukturierung sei es, die Arbeit gegen antimuslimischen Rassismus langfristig auf eine professionelle, tragfähige und zentral gebündelte Struktur zu überführen. Durch die Konzentration der Aktivitäten unter dem Dach der gGmbH sollen laut Erklärung Projekte nachhaltiger geplant, Fördermittel effizienter eingesetzt und Kooperationen mit Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft verstetigt werden.

NGOs gegen eine Anerkennung der Taliban

BERLIN (KNA). Mehr als ein Dutzend NGO appellieren an die Bundesregierung, jegliche Anerkennung der Taliban in Afghanistan entschieden abzulehnen und auszuschließen. Dass Deutschland zwei ihrer Vertreter als diplomatische Akteure akkreditiert habe, sei ein alarmierendes Signal, hieß es am 4. November in einem offenen Brief, der an Bundeskanzler Merz und Außenminister Wadephul (beide CDU) sowie Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) adressiert war. Mit dem Schritt seien Anerkennung und Immunität für ein Regime verbunden, „das die Macht illegal und gewaltsam übernommen hat und fortlaufend gegen internationale Menschenrechtsnormen verstößt“.

Foto: Deutscher Bundestag/Thomas Imo/photothek

Volte der Koalition in offiziellen Islampolitik

BERLIN (KNA/IZ). Beraterkreis statt Task Force: Die schwarz-rote Bundesregierung setzt einen anderen Akzent gegen Extremismus als die Ampel. Das Bundesinnenministerium bestellt zum Thema „Islamismus“ neue Berater ein. Dazu hat Staatssekretär De Vries (CDU) den „Beraterkreis Islamismusprävention und Islamismusbekämpfung“ berufen, wie das Ministerium am 21. November mitteilte. Er löst die von der Vorgängerregierung vor gut einem Jahr eingesetzte „Task Force Islamismusprävention“ ab. Zu den genannten Personen gehören unter anderem Ahmad Mansour, die Integrationsbeauftragte von Berlin-Neukölln, Güner Balci, und der Migrationsforscher Ruud Koopmans. Mouhanad Khorchide sowie der Radikalisierungsexperte Florian Endres vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gehörten bereits der bisherigen „Task Force“ an.

Rechtsextremist wegen Mordplänen verhaftet

DORTMUND (IZ). Am 10. November wurde in Dortmund ein mutmaßlicher Rechtsextremist aus der Reichsbürgerszene festgenommen, der im Darknet zu Mordanschlägen auf Politiker und Amtsträger aufgerufen und Todeslisten veröffentlicht haben soll. Der deutsch-polnische Verdächtige forderte zudem Kryptowährungs-Spenden als Kopfgeld und gab Anleitungen zum Bombenbau. Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen Terrorismusfinanzierung und schwerer staatsschutzgefährdender Straftaten.

Rechtsextremen stachen auf einen Tunesier ein

DRESDEN (IZ). Am 30. Oktober wurde in einer Dresdner Straßenbahn ein 35-jähriger Tunesier von zwei Männern, die dem rechtsradikalen Spektrum zugerechnet werden, mit einem Messer am Hals und Arm verletzt. Die Tat ereignete sich am Spätnachmittag in der Linie 12 im Stadtteil Löbtau. Der Hauptverdächtige Philipp J. (26) sitzt in Untersuchungshaft, sein Komplize wurde freigelassen. Die Soko Rex des LKA Sachsen und der Staatsschutz ermitteln wegen eines möglichen rechtsextremen Motivs.

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Foto: Sandra Sanders, Shutterstock

Abschiebung einer Uigurin nach China

HANNOVER (IZ). Eine Uigurin wurde am 3. November aus Hannover nach China abgeschoben, obwohl das BaMF zuvor die Türkei als Zielland vorgesehen hatte. Die Entscheidung der Ausländerbehörde Rotenburg fiel, weil die Frau keine türkischen Papiere besaß. Nach ihrer Ankunft in Peking konnte sie unbehelligt weiterreisen und ist inzwischen in Istanbul angekommen. Kritiker wie der Anthropologe Adrian Zenz sprachen von einem „Menschenrechtsverbrechen“, Grünen-Politiker Helge Limburg nannte die Abschiebung einen „Verstoß gegen das Grundgesetz und die Europäische Menschenrechtskonvention“. Auch Innenministerin Daniela Behrens (SPD) bezeichnete den Fall als „bedauerlich“.

IGMG begrüßt Antidiskriminierungsgesetz

KÖLN (IZ). Die IGMG begrüßte am 4. November, dass NRW als erstes Flächenland ein Antidiskriminierungsgesetz auf den Weg bringt. Ihr Generalsekretär, Ali Mete, erkennt darin einen wichtigen Schritt gegen Diskriminierung durch staatliche Stellen, forderte jedoch, dass Betroffene erleichterten Zugang zu Rechtsschutz erhalten und Beschwerdewege niedrigschwellig gestaltet werden. Entscheidend seien zudem verpflichtende Schulungen für Behördenmitarbeiter und ein unabhängiges Monitoring. „Schutz vor Diskriminierung darf kein Gnadenrecht des Staates sein, sondern muss ein einklagbares Recht für alle werden.“

Kirchgänger sind nicht antimuslimischer

MAINZ (KNA). Kirchgänger sind laut einer Studie der Uni Mainz nicht islamfeindlicher als Nichtreligiöse. Anders als in den USA hätten rechtsextreme Bewegungen in Westeuropa kein vermeintliches „weißes Christentum“ als politische Basis, teilte die Universität Mainz in Bezug auf die Studie mit. Es gebe „keine dezidiert religiösen Parteien“ am rechten Rand, erklärte Studienautor Kai Arzheimer. Einige westeuropäische Parteien der radikalen Rechten versuchten aber, auf christliche Narrative zurückzugreifen. Die Studie wurde im Rahmen einer Untersuchung zu politischen Einstellungen und Radikalisierungen in Europa erstellt.

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CLAIM Allianz: Zahl antimuslimischer Vorfälle in 2024 auf Höchststand

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CLAIM-Bilanz: Seit Oktober 2023 haben nicht nur antisemitische Vorfälle zugenommen, sondern auch antimuslimische. Die Zivilgesellschaft meldet einen traurigen Höchststand.

Berlin (KNA) Beleidigungen, Drohschreiben, beschmierte Moscheen, Angriffe auf Mädchen mit Kopftuch: Muslime werden in Deutschland zivilgesellschaftlichen Erhebungen zufolge immer häufiger Opfer von Übergriffen und Diskriminierung.

CLAIM: Trauriger Rekord von 60 % Zunahme

Die Zahl antimuslimischer Vorfälle stieg 2024 drastisch auf einen neuen Höchststand. Dokumentiert wurden 3.080 Übergriffe und Diskriminierungen – eine Zunahme von 60 % im Vergleich zum Vorjahr (1.926). Im Schnitt waren das mehr als acht Fälle pro Tag, wie aus der am Dienstag in Berlin veröffentlichten Jahresbilanz der Claim-Allianz hervorgeht.

70 Angriffe wurden demnach auf religiöse Einrichtungen wie Moscheen verübt. Zudem zählte das zivilgesellschaftliche Bündnis 198 Körperverletzungen und zwei Tötungsdelikte. Etwas mehr als die Hälfte alle Vorfälle machten verbale Angriffe aus, ein knappes Viertel Diskriminierungen.

Ein großer Teil der dokumentierten Vorfälle habe Frauen getroffen und sei im öffentlichen Raum sowie im Bildungsbereich geschehen. Man gehe zudem von einer großen Dunkelziffer aus, hieß es.

„Gewalt, Ausgrenzung und Beleidigungen gegen Musliminnen und Muslime sind Alltag in Deutschland“, sagte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Natalie Pawlik. „Das dürfen wir nicht akzeptieren.“ Auch jede und jeder Einzelne sei gefragt, bei Vorfällen zu widersprechen, einzuschreiten und solidarisch zu sein.

„Neue Eskalationsstufe antimuslimischer Gewalt“

Die Co-Geschäftsführerin der Claim-Allianz, Rima Hanano, beklagte eine neue Eskalationsstufe antimuslimischer Gewalt, Diskriminierung und Ausgrenzung. Es gebe eine „neue Qualität von antimuslimischem Rassismus in Form einer zunehmenden Normalisierung, Enthemmung und Brutalität“. Frauen mit Kopftuch würden bespuckt, Kinder auf dem Schulweg beschimpft, Moscheen mit Hakenkreuzen beschmiert. Menschen verlören Wohnungen, Jobs, Sicherheit und ihre Würde.

Der Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs, Ali Mete, forderte mehr Sensibilisierung in Behörden und Schulbüchern sowie einen eigenen Bundesbeauftragten gegen antimuslimischen Rassismus. „Noch immer vermitteln Schulbücher ein verzerrtes Bild: Migration wird überwiegend als Problem dargestellt, nicht als Teil unserer gesellschaftlichen Realität“, sagte Mete dem „Tagesspiegel“ (Dienstag).

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Foto: Shutterstock, Anas-Mohammed

Terror und Krieg im Nahen Osten heizen daheim die Lage an

Parallel zu antisemitischen Vorfällen, so die Claim-Allianz, sei auch die Zahl antimuslimischer Vorfälle seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel vom Oktober 2023 stark gestiegen. Auch der Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Magdeburg im Dezember 2024 habe dort zu mehr antimuslimischen Übergriffen und Bedrohungen geführt.

Das Bündnis fordert eine bessere Erfassung antimuslimischer Vorfälle sowie mehr Schutz und Beratung für Betroffene. Auch wird ein neuer Nationaler Aktionsplan gegen Rassismus verlangt, der auch antimuslimischen Rassismus klar benenne.

Die Zahlen der Jahresbilanz der Claim-Allianz basieren auf 26 regionalen Melde- und Beratungsstellen aus 13 Bundesländern, auf bundesweiten Meldungen über das Meldeportal „I Report“, Fallzahlen aus der Statistik zur politisch motivierten Kriminalität 2024 sowie auf Pressemeldungen der Polizei und Medienberichten. Das Bundeskriminalamt erfasste etwa im Bereich Hasskriminalität für 2024 einen Anstieg islamfeindlicher Straftaten um 26 Prozent auf 1.848.

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Berlin: Muslimfeindlichkeit stark gestiegen

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Muslimfeindlichkeit in Berlin: Am 11. Juni stellte die CLAIM Allianz neuen Zahlen für die Hauptstadt vor. Und berichtet einen starken Anstieg.

Berlin (KNA, iz). In Berlin kam es 2024 laut der CLAIM Allianz zu einem sprunghaften Anstieg von antimuslimischen Übergriffen und Diskriminierungen. 

Die am 11. Juni vorgestellte Jahresbilanz der Allianz gegen Islamfeindlichkeit und Muslimfeindlichkeit registrierte 644 Fälle, fast 70 % mehr als im Vorjahr. Beinahe zwei Drittel der Betroffenen sind demnach Frauen, häufig in Begleitung ihrer Kinder. Antimuslimischer Rassismus zeige sich meist in Form von Diskriminierung (46 %) und verbalen Übergriffen (40 %).

Dokumentiert wurde eine Zunahme bei schweren Delikten: 2024 wurden nach Angaben des Netzwerkes mehr antimuslimische Körperverletzungen registriert als im Vorjahr.

Nach Ansicht von Ioannis Demosthenous vom Berliner Antidiskriminierungsnetzwerk sah einen Zusammenhang zwischen hiesigen Debatten und dem Anstieg von Diskriminierungen. „Als Beratungsstelle im Antidiskriminierungsbereich verzeichnen wir in den letzten zwei Jahren einen Anstieg der Fälle antimuslimischen Rassismus um 65 %. Besonders auffällig ist, dass hitzige öffentliche Debatten über das Migrationsrecht zunehmend in konkrete Diskriminierung umschlagen – ein Trend, der das Sicherheitsgefühl vieler als muslimisch gelesener Menschen massiv beeinträchtigt.“

Berlin: CLAIM spricht von „alarmierenden Ergebnissen“

Claim-Geschäftsführerin Rima Hanano sprach von alarmierenden Ergebnissen. Seit dem Terrorangriff der islamistischen Hamas vom 7. Oktober 2023 habe nicht nur Antisemitismus deutlich zugenommen, sondern auch antimuslimischer Rassismus.

„Die Jahresbilanz zeigt, dass antimuslimische Übergriffe und Diskriminierungen in Berlin an der Tagesordnung sind. Der massive Anstieg dokumentierter Fälle um fast 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und die Enthemmung gegenüber betroffenen Menschen müssen als Weckruf verstanden und dürfen nicht länger hingenommen werden.“

Der Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt 2024 habe ebenfalls zu einer Dynamisierung geführt. Muslime würden unter Generalverdacht gestellt; das ermutige andere, Muslime öffentlich zu diskriminieren, so Hanano.

Realität des Berliner Alltags

Antimuslimischer Rassismus sei kein Randphänomen, sondern eine strukturelle Realität in Schule, am Arbeitsplatz und bei der Polizei. 35 & der erfassten Fälle fand laut Bericht im Bildungsbereich statt. „Dabei diskriminierten nicht nur Schüler, sondern auch Lehrkräfte“, sagte Hanano.

Sie kritisierte, antimuslimischer Rassismus werde politisch weitgehend ignoriert. An den Berliner Senat appellierte sie, Vorfälle besser zu erfassen und mehr unabhängige Beratungsstellen zu schaffen, damit Betroffene spezielle Hilfe bekommen könnten. Auch müsse das Berliner Neutralitätsgesetz abgeschafft werden, da es Frauen mit Kopftuch diskriminiere.

„Für die Bekämpfung von antimuslimischem Rassismus und den Schutz von betroffenen Menschen in Berlin sind jetzt entschiedenes Handeln und eine klare Positionierung notwendig. Insbesondere in Schulen aber auch in der Verwaltung und in Behörden insgesamt ist eine stärkere Auseinandersetzung mit antimuslimischem Rassismus notwendig.“

Claim warb dafür, den 1. Juli zum Gedenktag gegen antimuslimischen Rassismus zu machen – im Gedenken an die Ermordung der schwangeren Marwa El-Sherbini in einem Dresdner Landgerichtssaal am 1. Juli 2009.

Sie hatte in einem Strafprozess als Zeugin ausgesagt, als der Angeklagte sie mit 18 Messerstichen tötete. Im Prozess ging es darum, dass er sie auf einem Spielplatz islamfeindlich beschimpft hatte.

Senatorin Kzilepe: Berlin steht für eine offene Gesellschaft

Berlins Senatorin für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung erklärt zu den Zahlen: „Berlin steht für eine offene und vielfältige Gesellschaft. Doch wir erleben leider auch hier antimuslimischen Rassismus. Wir müssen ihn sichtbar machen und dürfen ihn nicht verschweigen. Denn nur so können wir ihn erfolgreich bekämpfen und uns vor ihm schützen. Monitoringstellen wie Report! leisten dafür eine unverzichtbare Arbeit.“

Diese Dokumentationen bilden in ihren Augen die Grundlage für die Politik und die Zivilgesellschaft, um noch besser zu handeln und betroffene Menschen wirksam schützen können. Die aktuelle Jahresbilanz von CLAIM zeig ein zunehmend vergiftetes soziales Klima. Muslimfeindlichkeit werde zur Spaltung der Gesellschaft genutzt. „Alle Demokrat*innen sind aufgefordert, noch mehr dagegen zu tun, damit unsere Gesellschaft nicht verroht. Wir stehen allen Menschen, die von antimuslimischem Rassismus betroffen sind, solidarisch zur Seite.“

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Was ist Muslimfeindlichkeit?

Muslimfeindlichkeit

Die EU-Grundrechteagentur weist Deutschland einen führenden Platz in Sachen Muslimfeindlichkeit zu. Um was handelt es sich bei dem Phänomen?

(Mediendienst Integration/IZ). Gerade hat die Grundrechteagentur der EU (FRA) ihren Bericht „Being Muslim in the EU“ veröffentlicht. Die Erhebung hebt hervor, dass Muslime in 13 EU-Mitgliedsstaaten häufig Diskriminierung und Vorurteilen ausgesetzt sind – sowohl im Alltag als auch in spezifischen Bereichen wie Bildung, Beschäftigung und Zugang zu Dienstleistungen. Sie dokumentiert Erfahrungen von 10.000 befragten Personen, die von Benachteiligungen berichten, und betont die Notwendigkeit von Maßnahmen zur Förderung der Gleichbehandlung und für die Bekämpfung von Ausgrenzung auf gesellschaftlicher und individueller Ebene.

Soweit die Bundesrepublik betroffen ist, steht es derzeit schlecht um die Höhe und Entwicklung von Muslimfeindlichkeit im Lande. Deutschland liegt nach Ansicht der FRA-Forscher hinter Österreich auf dem zweiten Platz, wenn es um antimuslimische Einstellungen und Diskriminierungen geht.

Die dabei entstandenen Zahlen sind alles andere als ermutigend: 68 % der befragten Muslime gaben an, Rassendiskriminierung erlebt zu haben, was eine der höchsten Raten unter den 13 befragten EU-Ländern ist. 39 % der werden bei der Arbeitssuche diskriminiert, und 35 % erleben Ausgrenzung am Arbeitsplatz. 27 % wurden in den letzten fünf Jahren rassistisch belästigt. Und 49 % der Personen, die in Deutschland von der Polizei angehalten wurden, waren der Meinung, dass der Grund ethnisches Profiling war.

Im Folgenden dokumentieren wir Eckpunkte zum Thema Muslimfeindlichkeit. Das Feature wurde vom Mediendienst Integration angefertigt. Das Projekt versteht sich unter anderem als Wissensressource für Journalisten und Multiplikation.

Grafik: Mediendienst Integration

Was ist Muslimfeindlichkeit

„Antimuslimischer Rassismus“ steht in den Augen des Mediendienstes für die pauschale Abwertung und Diskriminierung von Muslimen und Menschen, die als solche wahrgenommen werden. Der Unabhängige Expertenkreis Muslimfeindlichkeit hat 2023 in einem Bericht antimuslimische Einstellungen und Diskriminierung in Bereichen wie Politik, Bildung, Kultur und Alltag analysiert.

Nach dem rassistischen Anschlag von Hanau 2020 hatte der damalige Innenminister Seehofer das Gremium eingesetzt, dem neun Wissenschaftler und Experten angehörten. Anfang 2024 zog das Amt diese Veröffentlichung zurück, nachdem Publizisten gegen ihre Nennung geklagt hatten. Der Report wurde im Juli dieses Jahres mit leicht veränderten Passagen erneut veröffentlicht.

Mehr Übergriffe im Jahre 2024

Im ersten Halbjahr 2024 zählte die Polizei 429 islamfeindliche Verbrechen. Dazu gehören Körperverletzungen, Beleidigung, Sachbeschädigungen und Volksverhetzung. Die Angaben sind vorläufig, es können Nachmeldungen folgen. 2023 zählte die Polizei 1.464 islamfeindliche Straftaten. Die Zahl ist im Vergleich zum Vorjahr stark angestiegen und hat sich mehr als verdoppelt (2022: 610 Straftaten, +140 %). Rund 83 % der Straftaten (1.211) waren politisch rechts motiviert. Stark zugenommen haben islamfeindliche Straftaten, die durch eine ausländische Ideologie motiviert waren (2023: 72, +620 %).

Nicht alle antimuslimischen Vorfälle werden angezeigt oder von der Polizei als solche erkannt. Die Europäische Grundrechteagentur (FRA) stellte in einer Umfrage zwischen 2021 und 2022 fest, dass nur 12 % der Leidtragenden muslimfeindliche Fälle und Straftaten melden. Eine nicht-repräsentative Studie der CLAIM Allianz zeigt: Hier meldet die Mehrheit der Betroffenen Übergriffe nicht und nimmt keine Beratungsangebote in Anspruch (57 Prozent).

CLAIM führt daher jährlich eigene Zählungen durch. 2023 erfasste das Bündnis 1.926 strafbare und nicht strafbare Vorfälle. Dazu gehören Beleidigungen, Körperverletzungen oder Bedrohungen. Besonders betroffen sind muslimische Frauen; auch Angriffe von Erwachsenen auf Kinder wurden registriert. Sie haben sich im Vergleich zu 2022 mehr als verdoppelt, wobei damals nur Daten aus sieben Bundesländern einflossen. Das Netzwerk geht sowohl bei den selbst erfassten als auch bei den offiziellen Zahlen von einem großen Dunkelfeld aus.

Anstieg nach Oktober 2023

Es gibt unterschiedliche Zahlen zu antimuslimischen Vorfällen nach dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023:

Vom 7.10. bis 31.12.2023 registrierte die Polizei 564 „islamfeindliche“ Straftaten (Stand: 29.4.2024). Die Zahl dieser Taten war schon vor dem Angriff der Hamas gestiegen: Bis Ende September 2023 wurden mehr Delikte registriert als im gesamten Vorjahr.

Zivilgesellschaftliche Organisationen warnten nach dem Angriff der Hamas vor einer Zunahme von antimuslimischen Vorfällen. So registrierte Claim im Oktober einen starken Anstieg von Meldungen und Beratungsanfragen. Zwischen 7.10. und 31.12.2023 zählte CLAIM 679 antimuslimische Vorfälle .

Rund 8.300 politisch motivierte Taten erfasste das Bundeskriminalamt (BKA) seit dem 7. Oktober im Zusammenhang mit dem Nahost-Krieg. Darunter sind etwas über 230 muslimfeindliche Straftaten (Stand: 25.09.2024). Es handelt sich vor allem um Sachbeschädigungen und Volksverhetzungen. (…)

Grafik: Mediendienst Integration

Moscheen im Visier

Zu islamfeindlichen Straftaten gehören auch Angriffe auf Moscheen. Im ersten Halbjahr 2024 erfassten die Behörden 21 Verbrechen gegen diese, darunter hauptsächlich Wandalismus und Volksverhetzung. Über 70 % davon waren politisch rechts motiviert.

2023 zählte das Bundesinnenministerium 70 Attacken auf Moscheen, ein Anstieg um rund 13 % im Vergleich zum Vorjahr (62). Die meisten Taten waren Sachbeschädigungen und Volksverhetzungen. 40 der Angriffe waren politisch rechts motiviert, 14 Taten durch eine ausländische Ideologie.

Die Organisation FAIR International dokumentiert Angriffe auf Moscheen auf der Webseite #brandeilig – und kommt dabei teils zu deutlich höheren Zahlen als das Bundesinnenministerium. 2022 hat die Organisation rund 70 Übergriffe erfasst (2021: 63, 2020: 148). Der Moscheeverband DITIB erfasste 2022 in einer eigenen Erhebung 35 Angriffe auf Moscheen (2021: 44, 2020: 111).

Behörden, DITIB und #brandeilig verwenden unterschiedliche Definitionen von „Moscheen“ und „Angriffen“. Die Behörden haben eine enge Definition von „Moscheen“ und zählen nur Straftaten. DITIB zählt zusätzlich Attacken auf Gebetsräume in öffentlichen Institutionen (z.B. Flughäfen, Krankenhäuser und Universitäten) sowie Fälle, die nicht strafrechtlich relevant sind. #brandeilig zählt auch Angriffe gegen Einrichtungen, die von den Tätern als islamisch wahrgenommen werden, als Moscheeangriffe.

Grafik: Mediendienst Integration

Die Mehrheit sagt, sie ist von Muslimfeindlichkeit betroffen

In einer nicht-repräsentativen Umfrage von CLAIM gaben 2023 78 % an, dass sie von antimuslimischen Übergriffen und Diskriminierung betroffen sind. Die häufigste Diskriminierungsform ist, dass die Menschen für das Verhalten von anderen Muslim*innen mitverantwortlich gemacht werden, etwa für das Verhalten des türkischen Präsidenten Erdogan (56 %). Die Mehrheit der Leidtragenden meldet Übergriffe nicht und nimmt keine Beratungsangebote in Anspruch (57 %).

Zwischen 2006 und 2022 haben sich 1.026 Personen an die Beratung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes gewandt, die sich wegen ihrer muslimischen Religionszugehörigkeit benachteiligt fühlten. 2022 und 2021 waren es jeweils rund 150 Personen (2022: 153, 2021: 154). Die meisten Betroffenen berichteten von Diskriminierungen im Segment Arbeitswelt. Darauf folgten Diskriminierungserfahrungen bei Dienstleistungen sowie im Bereich Bildung.

Muslime sind häufig von Mehrfachdiskriminierungen betroffen. Das heißt, dass sie sowohl wegen ihrer Religion als auch etwa ihrer Herkunft, Hautfarbe oder ihres Geschlechts diskriminiert werden. Zahlen zu ihrer Diskriminierung findet man hauptsächlich in Studien zur Diskriminierung von Migranten oder Personen mit Migrationshintergrund, die zusätzlich die Religionszugehörigkeit erfassen.

* Veröffentlicht im Rahmen einer CC-Lizenz. Aus Platzgründen gekürzt.

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CLAIM veröffentlicht Lage der Muslimfeindlichkeit

Saba-Nur Cheema Muslimfeindlichkeit CLAIM Lage Politik

Ob in der Schule, beim Arzt oder der Wohnungssuche: Antimuslimische Vorfälle gibt es laut einem Lagebild in allen Lebensbereichen. Verbale Angriffe dominieren, doch es gibt auch andere.

Berlin (dpa/IZ) – Verbale und körperliche Angriffe, Diskriminierung oder Sachbeschädigung: CLAIM – die Allianz gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit hat im vergangenen Jahr 1926 Vorfälle erfasst. Durchschnittlich hätten sich damit täglich mehr als fünf solcher Vorfälle ereignet, heißt es in einem am Montag in Berlin vorgestellten zivilgesellschaftlichen Lagebild der Allianz, die vom Bundesfamilienministerium gefördert wird. Antimuslimische Äußerungen im Internet fließen in das Lagebild nicht ein.

Im Vergleich zum vorherigen Jahr mit 898 dokumentierten Vorfällen erfasste die Allianz demnach 2023 mehr als doppelt so viele Fälle, wobei sich die Datengrundlage verändert hat: Sowohl 2022 als auch 2023 flossen den jeweiligen Berichten zufolge bundesweite Meldungen über das Portal „I-Report“, die Statistik für politisch motivierte Gewalt und Polizei- und Pressemeldungen in die Lagebilder ein. 2023 kamen den Angaben nach Fallzahlen von 17 Melde- und Beratungsstellen aus 13 Bundesländern hinzu. Ein Jahr zuvor waren es demzufolge noch 10 Melde- und Beratungsstellen aus 7 Bundesländern. Grundsätzlich geht die Allianz von einer hohen Dunkelziffer antimuslimischer Vorfälle aus.

„Der Nährboden für Rassismus ist sehr viel größer geworden“, bilanzierte die Leiterin der Allianz, Rima Hanano. „Antimuslimischer Rassismus ist heute salonfähiger denn je und er kommt wirklich aus der Mitte der Gesellschaft“, betonte sie.

CLAIM zeigt auf, was für Angriffe es gibt und wo sie vorkommen

Rund zwei Drittel der 2023 dokumentierten Fälle machten demnach verbale Angriffe aus. Dazu gehören Volksverhetzung und Beleidigungen, etwa Drohschreiben an Restaurants oder Imbisse, deren Inhaber als muslimisch wahrgenommen wurden. Insgesamt seien 90 Angriffe auf solche Orte und auf religiöse Einrichtungen erfasst worden. Neben 1277 verbalen Angriffen umfasst das Lagebild 363 Fälle von Diskriminierung und 286 Fälle von „verletzendem Verhalten“. In letztere Kategorie fallen 178 Körperverletzungen, 4 versuchte Tötungen, 93 Sachbeschädigungen, 5 Brandstiftungen und 6 weitere Gewalttaten.

Antimuslimischer Rassismus ziehe sich durch alle Lebensbereiche – von der Wohnungssuche über den Arztbesuch bis hin zur Schule. „Ein großer Teil der dokumentierten Vorfälle trifft vor allem muslimische Frauen und findet im Bildungsbereich sowie im öffentlichen Raum statt“, teilte die Allianz mit. Körperliche und verbale Angriffe richten sich demnach auch gegen Kinder. Insbesondere seit dem terroristischen Angriff der Hamas in Israel am 7. Oktober 2023 habe man zudem einen sprunghaften Anstieg antimuslimischer Vorfälle festgestellt.

Wie Politik und Polizei auf das Lagebild reagieren

Bundesfamilienministerin Lisa Paus bezeichnete die Zunahme von antimuslimischen wie auch antisemitischen Vorfällen als dramatisch. „Um Rassismus in unserer Gesellschaft einzudämmen, ist Präventionsarbeit von klein auf – also insbesondere bei Kindern und Jugendlichen – unerlässlich“, betonte die Grünen-Politikerin. Aus Sicht des Bundesvorsitzenden der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jochen Kopelke, ist es zentral, das Dunkelfeld schnellstmöglich zu erhellen. Dafür sei der Ausbau von Online-Anzeigen erforderlich. „Die muslimische Community muss und kann mehr Vertrauen in die Staatsanwaltschaften und die Polizei legen. Dort nimmt man die von ihnen angezeigten Fälle sehr ernst“, sagte der GdP-Chef.

Lesen Sie hierzu auch: https://islamische-zeitung.de/muslimfeindlichkeit-uem-bericht-wurde-opfer/

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Muslime in Deutschland: IGMG beklagt wachsenden Druck

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Muslime sehen sich in diesem Land einem gestiegenen Druck ausgesetzt. Claim Allianz verzeichnet einen Anstieg von Übergriffen.

Köln/Berlin (KNA, iz). In Deutschland wächst nach Ansicht der islamischen Gemeinschaft Milli Görüs der Druck auf Muslime. Das zeigten unter anderem die aktuellen Debatten über Extremismus und den Krieg in Nahost, sagte Generalsekretär Ali Mete am letzten Wochenende der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ).

Mete: Muslimen werden heimliche Sympathien unterstellt

„Von uns wird nicht nur erwartet, dass wir uns nach jedem Terrorakt distanzieren, sondern auch von Regierungen, von Personen, von Standpunkten, die als muslimisch motiviert gelesen werden“ beklagte Mete. „Muslimen wird unterstellt, sie hätten eine Nähe zu solchen Taten oder würden sie insgeheim begrüßen.“ Das nähre Vorurteile.

Pressebild: IGMG

„Wenn man davon ausgeht, Muslime dächten und handelten aufgrund ihres Glaubens alle gleich, spricht man ihnen ihre Individualität ab und nimmt sie in Sippenhaft“, so Mete weiter. „Dieses Denken ist gefährlich und sollte mit Blick auf die deutsche Geschichte längst überwunden sein.“

Hass auf Muslime und Juden „zwei Seiten derselben hässlichen Medaille“

Islamfeindlichkeit und Antisemitismus sind nach den Worten des Milli-Görüs-Generalsekretärs „zwei Seiten derselben hässlichen Medaille“. Dabei handele es sich nicht um eine Erfindung von Muslimen oder Juden und auch nicht um einen Import, wie oft behauptet werde.

„Der allergrößte Teil ist hausgemacht und kommt von Rechten beziehungsweise Rechtsextremisten.“ Wo es Angriffe auf Synagogen gebe, seien auch Moscheen gefährdet. Dennoch komme Antisemitismus auch unter Musliminnen und Muslimen vor, „ähnlich wie in allen Bereichen der Gesellschaft“, so Mete.

Foto: Tobias Arhelger, Shutterstock

Dass sich internationale Konflikte auf deutsche Religionsgemeinschaften auswirkten, räumte er ein. In solchen Zeiten sei selbstverständlich, „dass man sein Beileid ausspricht und solidarisch ist, wenn einem Hass entgegentritt oder Gotteshäuser angegriffen werden“; und zwar ohne mit zweierlei Maß zu messen und Anteilnahme von Religion oder Herkunft abhängig zu machen.

Berliner Meldestelle verzeichnet Anstieg von Vorfällen

Bereits Anfang November hat die CLAIM Allianz vor einer akuten Zunahme von antimuslimischem Rassismus in Deutschland gewarnt. Das Netzwerk vereint ca. 50 zivilgesellschaftliche Akteure zu den Themen Rassismus, Islam- und Muslimfeindlichkeit. 

Es habe im Zeitraum 9.10. – 29.11.2023 187 Fälle von gewaltvollen antimuslimischen Übergriffen, Beleidigungen, Drohungen und Diskriminierungen dokumentiert. Sie umfassten nach eigenen Angaben über 149 Angriffe gegen Einzelpersonen oder Gruppen. „Darunter zählen v. a. Familien sowie Gruppen, die im öffentlichen Raum angegriffen wurden. 24 Übergriffe richteten sich gegen religiöse Einrichtungen – darunter Schändung von muslimischen Grabmälern sowie Angriffe auf Moscheen.“

Foto: CLAIM Allianz

Damit lägen die dokumentierten Übergriffe bereits über dem Vorjahresniveau. Die erfassten Fälle beträfen ausschließlich den Offlinebereich und würden keine Hassrede im Internet abdecken. Es sei insgesamt von einer gravierenden Dunkelziffer antimuslimischer Vorfälle auszugehen, „die bisher nicht gemeldet oder erfasst werden“.

„Die Zunahme von antimuslimischen Übergriffen und Diskriminierungen ist besorgniserregend. Die Angriffe auf Einzelpersonen, religiöse Einrichtungen oder Geschäfte senden ein Signal des Hasses und der Ablehnung. Viele Menschen in diesem Land fühlen sich derzeit alleine gelassen. Sie fühlen sich bedroht und haben Angst – und sie haben allen Grund dazu“, betonte Rima Hanano von CLAIM.

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Lagebild von CLAIM Allianz: Mehr als zwei antimuslimische Vorfälle pro Tag

Saba-Nur Cheema Muslimfeindlichkeit CLAIM Lage Politik

Muslimfeindlichkeit: Wie die CLAIM Allianz in ihrem Lagebild veröffentlichte, kommt es zu zwei Übergriffen pro Tag. Berlin (CLAIM Allianz). Täglich finden im Schnitt mehr als zwei antimuslimische Übergriffe in Deutschland statt, darunter Diskriminierungen, […]

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Antimuslimischer Rassismus: CLAIM startet Kampagne gegen alltäglichen Hass

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Antimuslimischer Rassismus: Betroffene endlich ernst nehmen. CLAIM startet Kampagne und macht Alltagsrassismus zum Thema.

Berlin (CLAIM/iz). Erst Anfang Mai wurden Berliner SchülerInnen aufgrund u. a. antimuslimischer Motive auf einer Klassenfahrt in Brandenburg attackiert. Zugleich wurden in den letzten Wochen in Dessau, Dortmund und Berlin körperliche Übergriffe auf muslimische Frauen gemeldet.

Foto: Markus Spiske, via flickr | Lizenz: CC BY 2.0

Antimuslimischer Rassismus: Übergriffe sind Teil des Alltags

„Heute mal wieder“ ist Leitgedanke der heute gestarteten bundesweiten Kampagne, die antimuslimischen Alltagsrassismus zum Thema macht. Die Kampagne ist Teil eines von Staatsministerin Reem Alabali-Radovan, Beauftragte der Bundesregierung für Antirassismus, geförderten Modellprojekts und wird anlässlich der bundesweiten Aktionswochen gegen antimuslimischen Rassismus gelauncht.

Namhafte Personen aus Politik, Medien und Kultur wie Staatsministerin Claudia Roth (Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien), Staatssekretärin Juliane Seifert (BMI), Omid Nouripour (Bündnis 90/Die Grünen), Amira Mohamed Ali (Die Linke), Aydan Özoğuz (SPD), Dr. Emilia Zenzile Roig (Center for Intersectional Justice), Kübra Gümüşay (Autorin), Esra Karakaya (Journalistin), Dr. Mehmet Daimagüler (Beauftragter der Bundesregierung gegen Antiziganismus) und Dr. Meron Mendel (Direktor der Bildungsstätte Anne Frank) sind Teil der Aktionswochen.

Foto: Photothek, via Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY-SA 4.0

CLAIM Allianz: kein Randphänomen

Antimuslimischer Rassismus ist nach Ansicht der CLAIM Allianz kein Randphänomen, sondern mitten in unserer Gesellschaft verankert. „Muslim*innen und muslimisch gelesene Menschen“ würden in Deutschland täglich zur Zielscheibe von Hass, Diskriminierungen und rassistischen Übergriffen. Alltäglich sei, dass Menschen aus rassistischen Gründen einen Job oder eine Wohnung nicht erhalten oder Kinder im Schulalltag diskriminiert werden.

Dabei stelle die offizielle Statistik politisch motivierter Kriminalität (PMK) nur die „Spitze des Eisberges antimuslimsicher Vorfälle“ dar. Sie ergibt für 2022 610 islamfeindliche Straftaten sowie 62 Angriffe auf Moscheen (Quelle: BMI 2023).

Gemäß einer aktuellen Studie der Bertelsmann Stiftung (2023) erführen „72 % der Muslim*innen in Deutschland rassistische Diskriminierung“ und nach CLAIM-Ansicht zu einer der am stärksten benachteiligten Gruppen in Deutschland. Der Nationale Diskriminierungs- und Rassismusmonitor des DeZIM (2022) zeige gleichzeitig, dass die Mehrheitsgesellschaft antimuslimischen Rassismus deutlich seltener als solchen erkenne.

„Wir haben ein vielfältiges, muslimisches Leben in Deutschland, das unsere Gesellschaft bereichert. Zugleich ist antimuslimischer Rassismus Teil des Alltags vieler Muslim*innen. Das ist nicht nur eine Bedrohung für Muslim*innen oder Menschen, die aufgrund ihres Aussehens oder der Herkunft für solche gehalten werden. Das gefährdet auch den Zusammenhalt unserer Gesellschaft, die Vielfalt von Kulturen und Religionen und damit unsere demokratische Kultur als Ganzes! Die Bekämpfung von Rassismus in all seinen Erscheinungsformen ist gesamtgesellschaftliche Aufgabe – also machen wir mit, schreiten wir ein, seien wir solidarisch mit Betroffenen und stärken den Zusammenhalt in unserem Land.“

Staatsministerin Reem Alabali-Radovan, Beauftragte der Bundesregierung für Antirassismus

Muslimfeindlichkeit

Foto: Prostock-studio, Shutterstock

Für viele eine „oftmals schmerzliche Erfahrung“

CLAIM-Leiterin Rima Hanano betonte: „Antimuslimischer Rassismus ist für viele Menschen eine alltägliche und oftmals schmerzhafte Erfahrung und gipfelt nicht nur in extremen Gewaltexzessen wie in Hanau – darauf machen wir seit Jahren aufmerksam.“

In seine Arbeit erlebe das Netzwerk, dass gerade antimuslimischer Rassismus im Alltag oft nicht erkannt wird. Die Erfahrungen Betroffener werden nicht selten in Frage gestellt – durch Behörden und die Gesamtgesellschaft. „Uns fehlt nicht nur ein Verständnis und eine Anerkennung von antimuslimischem Rassismus. Was wir dringend brauchen, ist eine echte Solidarität mit Betroffenen, die aus der Mitte der Gesellschaft kommt, eine Ächtung des Hasses, den sie tagtäglich erfahren.“

Gleichzeitig brauche es unbedingt konkrete Maßnahmen wie eine Reformierung des AGG sowie eine bessere statistische Erfassung von antimuslimischen Vorfällen, um Betroffene zu schützen und antimuslimischen Rassismus zu bekämpfen.

Foto: CLAIM Berlin

Kampagne und Aktionswoche sollen aufklären

Die Kampagne ist nach Angaben des Netzwerk Teil des Modellprojektes „Das ist antimuslimischer Rassismus. Antimuslimischen Rassismus erkennen und handeln.“ 

Sie hat zum Ziel, die Öffentlichkeit im Hinblick auf antimuslimischen Rassismus zu sensibilisieren und Betroffene zu stärken. Gefördert wird sie durch die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration sowie die Beauftragte der Bundesregierung für Antirassismus.

Vom 19. Juni bis zum 1. Juli 2023 finden diesjährig die Aktionswochen gegen antimuslimischen Rassismus statt. Seit 2018 werden sie von CLAIM angestoßen und koordiniert. Getragen werden sie von „einem breiten, wachsenden zivilgesellschaftlichem Bündnis“.

Die zugrundeliegende Absicht besteht darin, sich „gegen Hass und antimuslimischen Rassismus“ zu wenden. Am 1. Juli 2009 wurde die Pharmazeutin Marwa El-Sherbini aus antimuslimischen und rassistischen Gründen im Dresdner Landgericht mit 18 Messerstichen ermordet.