, ,

Wahlprogramme 2025 im Test: BSW und Linke – die beiden Rivalen

linke wahl programm

Bis zur Wahl 2025 behandeln wir in einer Reihe die Programme der größeren Parteien und was sie Muslimen zu sagen haben. Dieses Mal: das BSW und Die Linke.

(iz). Im laufenden Bundestagswahlkampf kämpfen die beiden großen Parteien des linken Spektrum – Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) und Die Linke – um ihren Einzug. Während Die Linke in den Umfragen momentan über die Fünf-Prozent-Hürde kommt, liegt das BSW derzeit bei 4 %. Hinzu kommt, dass sich erstere nach einem enormen Mitgliederzuwachs in den letzten Wochen realistische Hoffnungen auf mindestens drei Direktmandate machen kann, die ihr ebenfalls den Einzug ermöglichen würden.

Die Wagenknecht-Partei wurde im Januar 2024 unter großem Furor gegründet. In kurzer Zeit gelang es, bei den Landtagswahlen im September in allen drei Landtagen zweistellige Ergebnisse zu erzielen. In vielen Teilen Ostdeutschlands löste sie die ehemalige Mutterpartei der Gründerin als „ostdeutsche Kümmererpartei“ ab.

Im Oktober 2023 traten einige Bundestagsabgeordnete der Linken aus der Partei aus. Daraufhin wurde am 6. Dezember die Linksfraktion im Bundestag aufgelöst. Nach der Auflösung konstituierte sich Mitte desselben Monats die Fraktion BSW mit Sahra Wagenknecht an der Spitze.

Seit dieser Spaltung sind sich beide spinnefeind. Während Wagenknecht ihrer ehemaligen Heimat vor allem „Wokeness“ vorwirft, kritisieren sie linke Politiker für die Übernahme nationalistischer und populistischer Narrative.

Trotz der Querelen und der großen, inhaltlicher Differenzen schneiden beide in Umfragen bei den muslimischen Wählern gut ab, wobei die BSW einen deutlicheren Vorsprung hat.

Die Linke liegt mit 8 % über dem Bundesmittel. Der relative Erfolg beider bei muslimischen Wählerinnen und Wählern wird gerade auf Positionen zum Nahostkonflikt zurückgeführt. Seit Kriegsbeginn ist die politische Distanz zwischen ihnen und den Parteien von Bündnisgrünen bis Union gewachsen.

Abgesehen davon haben beide im Hinblick auf spezifische Interessen muslimischer Wählerinnen und Wähler wenig gemeinsam. Während Die Linke sie von allen im Bundestag vertretenen Parteien am stärksten adressiert und sich für ihre Belange einsetzt, kommen sie beim BSW mehrheitlich im Kontext „Islamismus“ vor.

Im Gegensatz zur neuen Partei haben sich in der Vergangenheit Abgeordnete wie Jelpke, Buchholz (Dez. 2024 ausgetreten) oder Pau für die Belange von Muslimen eingesetzt. Von ihnen stammen zahlreiche einschlägige Kleine Anfragen zu Themen wie Muslimfeindlichkeit bzw. Diskriminierung.

Linke Wahlprogramme: Was sind die religionspolitischen Prämissen der beiden?

Das BSW bleibt sich in seinem Wahlprogramm zur Bundestagswahl 2025 wortkarg bei religionspolitischen Themen. Es betont das allgemein Recht auf Religionsfreiheit und bekennt sich zur Neutralität des Staates in religiösen und weltanschaulichen Fragen. Und es würdigt den Beitrag der Religionsgemeinschaften, insbesondere der christlichen Kirchen, zum sozialen, kulturellen und gesellschaftlichen Leben.

Im Vergleich zu anderen Parteien nimmt dieses Stiefkind der deutschen Politik kaum Raum ein. Das Wort „Islam“ kommt in ihrem Programm nur im Zusammenhang mit „Islamismus“ vor.

Die Linke ist hier deutlich umfassender. Im Wahlprogramm 2025 legt sie großen Wert auf Religionsfreiheit und eine strikte Trennung von Staat und Kirche. Folgende Kernpunkte finden sich in ihrem religionspolitischen Programm: Die Partei betont den Schutz religiöser Minderheiten – insbesondere der jüdischen und muslimischen – und spricht sich für eine strengere Abgrenzung von Staat und Kirchen sowie die bisherige Besserstellung der Großkirchen aus. Staatsleistungen sollen ebenso abgeschafft werden wie das kirchliche Sonderarbeitsrecht.

Rechtliche Diskriminierungen von Minderheiten wie das Verbot religiös motivierter Kleidung lehnt die Partei ab. Sie will das Selbstbestimmungsrecht von Musliminnen schützen. Sie setzt sich für die Beteiligung von Muslimen an der Militärseelsorge ein. Ebenso plädiert sie für die Einführung von Feiertagen wie dem Opferfest oder Jom Kippur.

abaya frankreich

Foto: Freepik.com

Ihre Haltung zu Deutschlands Muslimen

Das BSW sieht bei Islam und Muslimen einen Beitrag zum sozialen, kulturellen und gesellschaftlichen Leben in der Bundesrepublik. Diese Würdigung richtet sich aber nicht spezifisch an Muslime, sondern wird in einer Passage zu sozialen Akteuren erwähnt.

Außer beim Thema Syrien taucht das Wort „Islam“ im Wahlprogramm z.B. in Formulierungen wie dieser auf: „islamistische Gewalt und Straftaten durch Nichtdeutsche“. Sucht man nach „Muslime“ oder „muslimisch“, erhält man keine Treffer. Ansonsten ist das Thema „Islam“ im Text negativ konnotiert. Außerhalb des Wahlprogramms spricht die BSW-Chefin auch schon mal von „sich verfestigenden Parallelwelten“.

Nicht nur hier unterscheiden sich beide. In keinem anderen Wahlprogramm der Bundestagsparteien werden Muslime häufiger positiv erwähnt und als Bürgerinnen und Bürger ernst genommen. Die Linke vertritt in ihrer Haltung eine Position der Offenheit, Gleichberechtigung und des Schutzes vor Diskriminierung. Sie erklärt ausdrücklich: „Der Islam gehört zu Deutschland, zu den geistigen Quellen Europas und prägt neben anderen religiösen und weltanschaulichen Überzeugungen das Leben in der Bundesrepublik.“

Sie wendet sich gegen eine Homogenisierung und Abwertung von Religion. Man erkennt die Vielfalt der Muslime an. Die Partei unterstützt deren Recht, ihren Glauben im öffentlichen Raum, in den Medien und in den Schulen sichtbar zu praktizieren.

Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal zeichnet Die Linke aus. In einem Text auf ihrer Webseite vom Oktober 2020 begrüßt sie eine aktive Kontaktaufnahme mit muslimischen Menschen und Organisationen. „Die Linke sucht vorurteilsfrei den Kontakt zu muslimischen Menschen, Gemeinden und Organisationen. Sie räumt ihnen die gleichen Rechte ein wie christlichen Kirchen, jüdischen Gemeinden und Weltanschauungsgemeinschaften.“

Berichterstattung Berlin Sehitlik Moschee Hof Iftar Fastenbrechen

Öffentliches Fastenbrechen auf dem Gelände der Berliner Sehitlik-Moschee. (Foto: Ömer Sefa)

Praktische Fragen

Bei praktischen Fragen hat das BSW keine konkreten Ansätze oder Forderungen im Programm formuliert.

Auch hier ist die Situation bei der linken Konkurrenz deutlich anders. Die Partei nimmt in ihrem Wahlprogramm explizit Stellung zu lebenspraktischen Fragen der Religionsausübung von Muslimen:

Religionsunterricht – die Partei fordert den Ersatz des Religionsunterrichts durch einen allgemeinen Ethikunterricht an öffentlichen Schulen. Dieser soll alle großen Religionen und Weltanschauungen neutral darstellen und der Wissensvermittlung, nicht der Glaubensvermittlung dienen.

Halal-Schlachtung – die Linke unterstützt das Recht auf Ernährung nach religiösen Vorschriften. Sie hält ein generelles Schächtverbot für verfassungswidrig und setzt sich für eine verlässliche Kennzeichnung von Halal-Produkten ein.

Moscheebau – grundsätzlich tritt Die Linke für die Gleichbehandlung aller Religionsgemeinschaften ein und lehnt Bauverbote für Sakralbauten ab.

Foto: CLAIM Allianz

Wie sieht es bei Muslimfeindlichkeit und Zuwanderung aus?

Das für viele Menschen im Alltag relevante Thema Muslimfeindlichkeit wird von der BSW nicht erwähnt. Generell lehnt die neue Partei jegliche Ungleichbehandlung ab.

Hier hebt sich die zweite linke Partei im Bundestag ebenfalls vom BSW ab. Sie wendet sich ausdrücklich gegen Hass auf Muslime. Und setzt sich z.B. für folgende Punkte ein:

  • Ablehnung eines Kopftuchverbots am Arbeitsplatz.
  • Bekämpfung aller Formen von Rassismus, Antisemitismus und Muslimfeindlichkeit.
  • Für eine differenzierte Berichterstattung über den Islam.
  • Und fordert einen Beauftragten gegen Muslimfeindlichkeit, um Hass und Diskriminierung gegenüber Muslimen zu bekämpfen.

Sie betont, dass es weder „den Islam“ noch „die Muslime“ gibt und lehnt einen vermeintlichen „Kulturkampf“ zwischen einem imaginären „Abendland“ und „den Muslimen“ ab.

In den Bereichen Integration und Migration vertritt das BSW eine restriktive Haltung. Zuwanderung soll durch Obergrenzen limitiert werden, da eine „unkontrollierte Migration“ die Gesellschaft überfordere und ein Sicherheitsrisiko darstelle. Sahra Wagenknecht fordert hier eine „Zeitenwende“ und hat – wie Merz oder Habeck – einen entsprechenden Forderungskatalog formuliert.

Sie wandelt auf populistischen Pfaden, wenn sie eine Volksabstimmung über den künftigen Kurs in der Zuwanderungsfrage fordert. Diese solle die „grundsätzliche Richtung“ vorgeben. Der Ampelpolitik und der Regierung Merkel warf sie „Kontrollverlust“ vor. Insgesamt positioniert sich das BSW migrationspolitisch irgendwo zwischen Union und AfD.

Während das BSW für eine linke Partei in Sachen Einwanderung sehr hart wirkt, erscheinen die Forderungen bzw. Vorschläge der Linken in ihrem Wahlprogramm sehr weich. Sie wendet sich gegen das Konzept der „Festung Europa“ und will deshalb die Grenzschutzagentur Frontex abschaffen. Sie fordert „legale Fluchtwege“, bekennt sich zum unbegrenzten Recht auf Asyl und ist sogar gegen die Abschiebung von Straftätern.

Alle Flüchtlinge sollen ab dem ersten Tag in Deutschland ungehindert eine Arbeitserlaubnis erhalten. Die Partei fordert eine dezentrale Unterbringung. Die Kommunen sollen bei der Integration finanziell stärker unterstützt werden. Die Linke setzt sich für gleiche Rechte und Chancen für alle Personen ein, unabhängig von Pass und Herkunft. Außerdem soll es nach ihrem Willen Quotenregelungen für Menschen mit Migrationshintergrund im öffentlichen Dienst geben.

gaza weltordnung völkermord

Foto: Anas-Mohammed, Shutterstock

Krieg und Frieden im Nahen Osten

Schnittpunkte zwischen dem Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) und der Partei Die Linke gibt es ausschließlich beim Nahostkonflikt und dem Krieg in Gaza. Das mag erklären helfen, warum beide derzeit in den Zustimmungswerten unter Muslimen über den Bundesdurchschnitt liegen.

Das BSW nimmt eine kritische Haltung gegenüber der israelischen Kriegsführung im Nahostkonflikt ein und fordert von Deutschland mehr Zurückhaltung. Kernpunkte sind u.a:

  • Das militärische Vorgehen Tel Avivs in Gaza bezeichnet sie als „barbarisch“ und spricht von einem „Vernichtungsfeldzug“.
  • Die Partei betont, dass Konflikte nicht mit Waffen gelöst werden können. Sie votiert für „Frieden, Diplomatie und Verhandlungslösungen“.
  • Das BSW fordert einen Stopp von Waffenlieferungen.
  • Die Partei kritisiert die bedingungslose Unterstützung des israelischen Staates durch Deutschland. Stattdessen plädiert sie für eine differenziertere Betrachtung des Konflikts.
  • Trotz der Kritik an Israel erkennt das BSW das Recht auf Selbstverteidigung nach dem Terror der Hamas vom 7. Oktober 2023 an.
  • Das BSW bezeichnet den Gazastreifen als „größtes Freiluftgefängnis der Welt“ und weist auf die schwierige Situation der palästinensischen Bevölkerung hin.

Grundsätzlich lesen sich die Forderungen der Linken ähnlich wie die des BSW. Ein Unterschied: Es gibt ein größeres innerparteiliches Meinungsspektrum und teils heftigen Streit über einzelne Aspekte des Konflikts und seine Einordnung. Einige Punkte aus dem Wahlprogramm zu diesem Thema sind u.a:

  • Die Partei tritt für eine friedliche Zweistaatenlösung in den Grenzen von 1967 mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt Palästinas ein.
  • Die Linke erkennt das Existenzrecht des Staates Israel an und betont dessen historische Notwendigkeit aufgrund des Holocaust.
  • Gleichzeitig unterstützt die Partei das Recht der Palästinenser auf Selbstbestimmung.
  • Die Linke lehnt die „völkerrechtswidrige Kriegsführung“ Israels in Gaza und im Libanon ab.
  • Sie verurteilt den „menschenverachtenden Terror der Hamas“ und betont, dass dieser nicht durch die Besatzung gerechtfertigt werden kann.
  • Sie fordert eine Ausweitung der humanitären Hilfe für Gaza.
  • Die Linke lehnt Waffenlieferungen an Israel ab.

Lies hier das BSW-Wahlprogramm: https://www.bundestagswahl-bw.de/fileadmin/bundestagswahl-bw/2025/Wahlprogramme/BSW_Wahlprogramm_2025__Entwurf_.pdf

Lies hier Wahlprogramm der Linken: https://www.die-linke.de/fileadmin/user_upload/Wahlprogramm_Langfassung_Linke-BTW25_01.pdf

, ,

NRW will islamfeindliche Straftaten erfassen. Für die Linke reicht das nicht aus

friedhöfe

Bonn (KNA/iz). Nach der Schändung von rund 30 muslimischen Gräbern im nordrhein-westfälischen Iserlohn will die Landesregierung anti-islamische Straftaten offenbar künftig besser erfassen. „Wir wollen neben der Meldestelle Antisemitismus, die in diesem Jahr ihre Arbeit aufnimmt, neue Meldestellen für anti-muslimischen Rassismus, für Antiziganismus, anti-schwarzen und anti-asiatischen Rassismus sowie für Queer-Feindlichkeit aufbauen“, sagte Integrationsstaatssekretärin Gonca Türkeli-Dehnert (CDU) der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ am 10. Januar.

Diese neuen Meldestellen sollen demnach in Kommunen und Vereinen eingerichtet werden, zu denen potenziell Betroffene ein besonderes Vertrauensverhältnis haben. „So bekommen wir einen genaueren Einblick und können noch zielgerichteter unterstützen“, erklärte Türkeli-Dehnert. „Es ist leider auch davon auszugehen, dass in den Statistiken über politisch motivierte Kriminalität insgesamt viele islamfeindliche Straftaten nicht erfasst werden. Betroffene bringen Übergriffe oder Sachbeschädigungen oftmals nicht zur Anzeige.“

Am 20. Januar wird sich dem Bericht zufolge der Innenausschuss des Landtags mit den Grabschändungen befassen. Nach Polizeiangaben hatten Unbekannte in der Zeit des Jahreswechsels auf dem muslimischen Teil des Hauptfriedhofs in Iserlohn rund 30 Grabsteine umgeworfen. Sie beschädigten zudem Dekorationselemente und Pflanzen. Der Staatsschutz ermittelt wegen Störung der Totenruhe und Sachbeschädigung. Die Tat hatte bundesweit Empörung ausgelöst.

NRW-Linker El-Khatib findet das nicht genug

Jules El-Khatib, nordrheinwestfälischer Landessprache der LINKEN, hält den Beschluss für nicht ausreichen: „Es ist richtig, dass die Landesregierung eine Meldestelle für antimuslimischen Rassismus einrichten will, dies reicht allerdings nicht aus.“

Zusätzlich müsse die Landesregierung „endlich“ eine Beauftragte für Antirassismus benennen und eine Kommission schaffen, „die sich mit antimuslimischem Rassismus in NRW auseinandersetzt.“ Des Weiteren verlangte El-Khatib eine Studie über das Ausmaß dieses Phänomens im bevölkerungsreichsten Bundesland. Es brauche Aufschluss über die Dunkelziffer der nicht gemeldeten Fälle.

Käßmann: eine Schande

Die evangelische Theologin Margot Käßmann bezeichnete die Tat als „Schande“. Die Würde der Toten und der Trauernden werde im wahrsten Sinne des Wortes mit Füßen getreten, und wer dies tue, dem fehle der Anstand, schreibt die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in ihrer Kolumne in der „Bild am Sonntag“. Sie erinnerte in dem Zusammenhang auch an wiederkehrende Angriffe auf jüdische Friedhöfe in Deutschland.

„Wie wir mit unseren Toten umgehen, sagt etwas über unseren Respekt vor dem Leben“, betont Käßmann. Dass Muslime ihre Toten inzwischen in Deutschland und nicht in ihren jeweiligen Herkunftsländern bestatten ließen, sei ein „Zeichen der Beheimatung“.

,

Wahlkompass der Deutschen Muslim Liga: Drei Parteien antworten

(DML). Wie ihr alle wisst, finden am 26.09.2021 die Wahlen zum Deutschen Bundestag statt. Seit Jahren bemühen wir uns als Deutsche Muslim Liga (DML) Muslime in Deutschland dafür zu begeistern, sofern sie die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, an allen Wahlen in Deutschland teilzunehmen. Zu diesem Zweck haben wir uns in der Vergangenheit immer wieder darum bemüht, Muslime in Deutschland über die Haltung der Parteien zum Islam und den Interessen der Muslime zu informieren. Auch in diesem Jahr sind wir an die im Bundestag vertreten Parteien herangetreten, und haben sie gebeten 10 Fragen, die aus unserer Sicht für deutsche Muslime von Relevanz sind, zu beantworten.

Wir sind an die CDU/CSU, die SPD, Bündnis90/Die Grünen, Die Linke und die FDP herangetreten und haben sie eingeladen, zu unseren Fragen Stellung zu beziehen. Zusätzlich zu diesen Parteien sind wir auf die im vergangenen Jahr gegründete Partei mit dem Namen Team Todenhöfer zugegangen. Diese von dem ehemaligen Bundestagsabgeordneten Dr. Jürgen Todenhöfer im November 2020 in Berlin gegründete Partei hat unser Interesse geweckt, da ihr Gründer sich in den vergangenen 20 Jahren nicht nur sehr intensiv und konstruktiv in Büchern, Vorträgen, TV-Auftritten mit dem Verhältnis des Westens zu den Muslimen auseinandergesetzt hat, sondern auch die muslimische Welt ausgiebig bereist hat.

Von den Parteien, die wir angeschrieben haben, hat die SPD, die Linke und das Team Todenhöfer sich freundlicherweise die Zeit genommen, auf unsere Fragen einzugehen und diese zu beantworten. Die SPD hatte darum gebeten, dass wir unsere 10 Fragen auf 8 Fragen reduzieren, und dieser Bitte sind wir gerne nachgekommen. Die Parteien Die Linke und das Team Todenhöfer haben alle 10 Fragen beantwortet. Heute machen wir ihre Antworten der breiten Öffentlichkeit zugänglich.

Die CDU/CSU hat auf unsere Anfrage – wir haben diese drei Mal gestellt – überhaupt nicht reagiert. Das ist insofern erstaunlich, weil die CDU/CSU unseres Wissens die einzige Partei ist, die ihr komplettes Parteiprogramm auch in türkischer Sprache veröffentlicht hat. Im Parteiprogramm der CDU/CSU tauchen die Begriffe Islam und Muslime zwar auf, allerdings nur im Zusammenhang mit Fragen zur Inneren Sicherheit. Augenscheinlich werden Muslime von der Partei des Herrn Laschet ausschließlich als Sicherheitsproblem angesehen.

Bündnis90/Die Grünen und die FDP haben uns geschrieben, dass „Fragen nur bis spätestens zum 15. August über ein Online-Formular eingereicht werden konnten. Daher müssen wir leider die Bearbeitung Ihrer jetzt eingereichten Fragen ablehnen“. Sie schreiben uns, dass sie sich „gemeinsam mit anderen Parteien darauf verständigt“ hätten.

Nun, die SPD und Die Linke haben die Mühe auf sich genommen und uns dankenswerter Weise trotz dieser angeblichen „Absprache“ geantwortet.

Im Wahlprogramm der FDP taucht das Wort Islam nur im Begriff „Islamismus“ auf, also wie bei der CDU/CSU im Zusammenhang mit der Inneren Sicherheit. Und der FDP sind eigentlich nur „progressive und liberale Muslime“ – wer auch immer damit gemeint ist – als Gesprächspartner willkommen. Das „Kurzwahlprogramm“ der FDP gibt es in unterschiedlichen Sprachen, aber auch dort tauchen zum Beispiel in der Türkischen Fassung die Begriffe Islam und Muslime überhaupt nicht auf.

Bei den Bündnis 90/Die Grünen werden die Begriffe Muslime und Islam auf einer halben Din A4 Seite abgehandelt. Ein Kernsatz lautet dort wie folgt: „Wir wollen auch progressive, liberale muslimische Vertretungen einbinden, die für Werte wie Gleichberechtigung der Geschlechter, LSBTIQ*-Rechte und Feminismus einstehen und einen lebendigen Glauben innerhalb des islamischen Religionsspektrums praktizieren.“

Hinweis: Der Autor des Vorwortes ist nach Auskunft der DML bei der Stiftung Sternenstaub (2008 von Jürgen Todenhöfer gegründet) beschäftigt. Er ist weder Mitglied der Partei, noch am Wahlkampf beteiligt. Sämtliche Kommunikation mit allen Parteien sowie die Formulierung und Versendung an die Parteien lief über ein DML-Mitglied ohne Kontakte zu Partei oder Stiftung. Anordnung von Fragen und Antworten unterliegt der DML. Team Todenhöfer hat lt. Angaben der DML als erstes geantwortet, deshalb die Reihenfolge.

Frage 1: Wird sich eine von ihrer Partei gestützte Bundesregierung für die Einrichtung eines Beauftragten gegen anti-muslimischen Rassismus in Deutschland einsetzen, anlog zum bereits bestehenden Antisemitismus-Beauftragten? (Ja/Nein, weil…)

Team Todenhöfer – Die Gerechtigkeitspartei

Ja! Wir würden uns ganz klar dafür einsetzen, einen Beauftragten für antimuslimischen Rassismus einzusetzen. Wir dürfen Rassismus in Deutschland nicht selektiv betrachten. Antimuslimischer Rassismus ist noch nie ein Randphänomen in Deutschland gewesen und ist in den letzten Jahren noch schlimmer geworden. Ein Beauftragter für antimuslimischen Rassismus würde dieses ernstzunehmende Problem auf eine andere Stufe bringen und ein wichtiges Zeichen setzen.

SPD

Ja. Dort, wo Rassismus vorkommt, muss er als solcher öffentlich benannt werden. Wir brauchen mehr öffentliches Bewusstsein für einen starken Diskriminierungsschutz. Deshalb wollen wir eine(n) unabhängige(n) Beauftragte(n) der Bundesregierung für Antirassismus berufen, welche(r) auf rassistische Missstände in unserer Gesellschaft aufmerksam macht und dann Lösungen vorschlagen soll, wie diese zu beheben sind. Nach langer Vakanz muss die Leitung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes endlich nachbesetzt werden. Zudem wollen wir die Behörde finanziell und personell stärken. Schlussendlich bedarf es nach unserer festen Überzeugung einer Reform des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) um u.a. bisherige Schutzlücken zu schließen.

DIE LINKE

Ja. Wir fordern eine*n Antirassismus-Beauftragte*n mit echten Befugnissen. Das Feld des antimuslimischen Rassismus als einer aktuell dominanten Form des Rassismus wird dabei zentral sein. Antisemitismus und antimuslimischer Ras­sismus, wie jede andere Form des Rassis­mus, dürfen keinen Platz in der Gesellschaft haben. DIE LINKE fordert zudem, in Artikel 3 des Grundge­setzes eine Schutz- und Förderklausel gegen rassistische Diskriminierung aufzunehmen.

Frage 2: Wird sich eine von ihrer Partei gestützte Bundesregierung für die Abschaffung des Berufsverbotes einsetzen, dass insbesondere muslimische Frauen betrifft, die in den Staatsdienst als LehrerInnen, JuristInnen etc. eintreten wollen und die sich aus religiösen Gründen dafür entscheiden einen Hidschab/ein Kopftuch zu tragen? (Ja/Nein, weil…)

Team Todenhöfer – Die Gerechtigkeitspartei

Ja! Anstatt Frauen bei ihrer Berufsausübung zu unterstützen, legen wir ihnen als Staat Steine in den Weg. Wir sollten damit aufhören, Frauen – vor allem jene mit religiöser Kopfbedeckung – zu bevormunden. Zudem widerspricht das Berufsverbot grundrechtlichen Prinzipien wie der Religionsfreiheit oder dem Gleichstellungsgebot.

SPD

Das Tragen eines Kopftuchs ist eine ganz persönliche Entscheidung. Und als religiöses Symbol, wie auch Sikh-Turban und Kippa, als Teil der Glaubensfreiheit durch Artikel 4 des Grundgesetzes geschützt. Das gilt grundsätzlich auch für Beamtinnen. Das AGG verbietet Diskriminierungen aufgrund der Religion oder Weltanschauung im Arbeitsleben: Arbeitgeber*innen dürfen weder bei der Bewerbung noch im Arbeitsalltag Personen wegen ihres Glaubens zu benachteiligen. Beamte allerdings stehen zum Staat in einem Sonderrechtsverhältnis und sind grundsätzlich zur Neutralität verpflichtet.

DIE LINKE

Ja. Frauen müssen Zugang zu gesellschaft­lichen Positionen haben, ohne dass ihnen Lebensformen aufgedrängt werden. Sowohl das Verbot von Kopftüchern wie der Zwang dazu wären eine Einschränkung der Ent­faltungsmöglichkeiten von Frauen. Es gilt, Frauen in ihrer persönlichen Entscheidung, wie sie sich kleiden, nicht zu bevormunden und keinen Druck auf sie auszuüben – weder in die eine noch die andere Richtung.

Frage 3: Wie verhält sich Ihre Partei zum Bau von repräsentativen Moscheebauten in Deutschland?

Team Todenhöfer – Die Gerechtigkeitspartei

Wie ein Gebäude aussieht, ist für uns nicht relevant. In Deutschland leben mehr als fünf Millionen Muslime. Sie haben das Recht, Ihrer Religion auch in solchen Moscheebauten nachgehen zu können.

SPD

DIE LINKE

Wir treten für die Gleichbehandlung aller Religionen und Weltanschauungen mit den christlichen Kirchen ein. So wie jüdische Gemeinden und christliche Kirchen, müssen auch muslimische Gemeinden die Möglichkeit haben, repräsentative Moscheebauten in Deutschland zu errichten.

Frage 4: Wie verhält sich Ihre Partei zu dem Wunsch der in Deutschland lebenden Muslime und der sie repräsentierenden Verbände, dass der Islam als Religionsgemeinschaft vom deutschen Staat anerkannt wird?

Team Todenhöfer – Die Gerechtigkeitspartei

Wir sprechen uns klar dafür aus, dass der Islam als Religionsgemeinschaft anerkannt wird. Wir können nicht nachvollziehen, warum das bisher nicht der Fall war. Schließlich bilden die Muslime die drittgrößte religiöse Gruppe in Deutschland.

SPD

Wir unterstützen die organisatorische Entwicklung muslimischer Gemeinden und Organisationen. Bisweilen ist die politische Ansprechbarkeit von Muslimen nicht so klar organisiert, wie bei anderen Glaubensgemeinschaften. Deshalb erhoffen wir uns hier ein stärkeres Miteinander und mehr Möglichkeiten für einen gemeinsamen Austausch. Für die Anerkennung von Strukturen in diesem Sinne gelten allgemeingültige Voraussetzungen, die unabhängig vom jeweiligen Glauben oder Weltanschauung gelten. Erfüllen sie die Voraussetzungen, steht ihnen auch unser bewährtes Religionsverfassungsrecht offen.

Die Autonomie, die sich den Religionsgemeinschaften in ihrer Selbstverwaltung bieten, ist ein hohes Gut. Die Religionsgemeinschaften müssen dafür aber rechtsstaatliche Voraussetzungen erfüllen. Auf dieser Grundlage müssen wir mit allen Gesprächspartnern reden

DIE LINKE

Wie angeführt steht DIE LINKE für eine Gleichbehandlung aller Religionen und Weltanschauungen. Insofern gibt es keinen Grund, warum der Islam vom deutschen Staat nicht als Religionsgemeinschaft anerkannt werden sollte.

Frage 5: Wie verhält sich Ihre Partei zum flächendeckenden bekenntnisorientierten Islam-Unterricht an Schulen, wie er von den Muslimischen Verbänden in Deutschland gewünscht wird?

Team Todenhöfer – Die Gerechtigkeitspartei

Auch hier sprechen wir uns für den Islam-Unterricht an Schulen aus. Was spricht dagegen, wenn Muslime oder andere religiöse Minderheiten ihre Religion in den Schulen vermittelt bekommen? Aus unserer Sicht nichts.

SPD

Für die Schulkinder mit muslimischem Glauben wollen wir ein angemessenes und ausreichendes Angebot an Islamkundeunterricht unter Aufsicht der Schulaufsichtsbehörden in deutscher Sprache. Dazu setzen wir uns auch für eine vermehrte Ausbildung von entsprechendem Lehrpersonal an deutschen Hochschulen.

DIE LINKE

Wir wollen einen Ethikunterricht, in dem alle Schüler*innen mit ihren unterschied­lichen weltanschaulichen, kulturellen und religiösen Hintergründen gemeinsam über ethische Fragen diskutieren können. Im Rahmen des Bildungsauftrages sollen Schu­len auch weiterhin Wissen über Religionen vermitteln. Soweit bekenntnisorientierter Religionsunterricht an Schulen als Wahlfach angeboten wird, sollten sich alle Religions­gemeinschaften beteiligen können.

Frage 6: Gehört aus der Sicht Ihrer Partei der Islam, und damit die Muslime, zu Deutschland beziehungsweise Europa?

Team Todenhöfer – Die Gerechtigkeitspartei

Definitiv. Es leben hier mehr als 5 Millionen Muslime. Über 5 Millionen Menschen, die sich mit ihrem Glauben identifizieren. Wenn wir sagen, der Islam gehöre nicht zu Deutschland, schließen wir doch automatisch auch diese Menschen aus. Dann sagen wir Ihnen: „Ihr gehört nicht zu Deutschland.“

SPD

Ja! Muslime und der Islam sind Teil unseres Landes schon deshalb, weil viele muslimische Menschen in Deutschland leben. Wir als SPD setzen uns für eine weltoffene und vorurteilsfreie Gesellschaft ein, die über kulturelle und religiöse Grenzen hinweg zusammenhält und in der wir friedlich und frei zusammenleben. Offenheit bedeutet Respekt, Toleranz und Vielfalt.

DIE LINKE

Ja. Ein Blick in die deutsche (und europäische) Gesellschaft zeigt, dass das ein schlichter Fakt ist. Dass das bis heute von konservativer Seite immer wieder in Frage gestellt wird, ist ein Armutszeugnis und entspricht nicht der gesellschaftlichen Realität.

Frage 7: Rundfunkräte in Deutschland nehmen ihre Aufgaben stellvertretend für die Gesellschaft wahr und sollen die in der Gesellschaft bestehende Meinungsvielfalt zum Ausdruck bringen. Um dies zu gewährleisten, setzt sich das Gremium aus Vertretern unterschiedlicher gesellschaftlich relevanter Gruppen zusammen. Setzt sich Ihre Partei für die Einberufung von Muslimen in die Rundfunkräte ein, und wenn ja wie, oder sind aus der Sicht Ihrer Partei die Muslime in Deutschland bereits ausreichend in den Rundfunkräten repräsentiert?

Team Todenhöfer – Die Gerechtigkeitspartei

Für uns spricht nichts dagegen. Im Gegenteil, es gilt gleiches Recht für alle. Auch die Rundfunkräte sollten die Gesellschaft so wiederspiegeln, wie sie ist: nämlich vielfältig.

SPD

DIE LINKE

Die Sender des öffentlich-rechtlichen Rundfunks müssen transparent sein. Die Rundfunkräte müssen demokratisiert und quotiert werden. Alle relevanten gesellschaftlichen Gruppen sollten in den Rundfunkräten abgebildet werden. Insofern tritt DIE LINKE für eine Prüfung der Repräsentativität der Räte und eine mögliche Veränderung der Zusammensetzung ein.

Frage 8: Wie verhält sich Ihre Partei zur Finanzierung von bundesweiten Programmen und Aktivitäten zur Bekämpfung rassistischer Ideologien in Deutschland? Welche juristischen Maßnahmen wird Ihre Partei bei einer Regierungsbeteiligung ergreifen, um insbesondere der Verbreitung von gegen Muslime gerichteten Hassbotschaften in den Medien wie auch im realen und virtuellen Raum entgegenzuwirken?

Team Todenhöfer – Die Gerechtigkeitspartei

Wir fordern, jede Art von Rassismus konsequent zu bekämpfen. Selbstverständlich auch Islamfeindlichkeit, die mit Hanau einen traurigen Höhepunkt erreicht hat. Islamfeindliche Taten sind keine Einzelfälle. Islamfeindlichkeit begegnet Muslimen täglich. Manchmal unterschwellig und manchmal leider auch ganz offen und brutal. Wir können als Gesellschaft nicht weiter die Augen davor verschließen. Die Politik hat eine Verantwortung gegenüber ihren Mitbürgern – auch den muslimischen. Wir fordern härtere Bestrafungen für jede Art von Rassismus.

SPD

Wir wollen mit einem Demokratiefördergesetz Vereine, Projekte und Initiativen langfristig fördern, die sich gegen die Feinde unserer offenen Gesellschaft zur Wehr setzen. Wir werden das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ weiter ausbauen und hierüber Präventionsprojekte auf Bundes-, Landes und kommunaler Ebene fördern. Das umfasst auch die Förderung von Antidiskriminierungsberatung. Demokratieförderung ist eine Daueraufgabe. Wir wollen denen den Rücken stärken, die sich für eine offene, vielfältige Gesellschaft und ein friedliches Miteinander einsetzen. Wir haben einen neuen Straftatbestand der verhetzenden Beleidigung geschaffen. Oft richten sich Hassnachrichten direkt an Betroffene – sie kommen per Nachricht, Mail und Brief. Mitglieder jüdischer und muslimischer Gemeinden werden verhöhnt und verächtlich gemacht. Mangels Öffentlichkeit gilt dies nicht als Volksverhetzung. Genau hier greift die neue Strafvorschrift ein und sorgt für einen umfassenden strafrechtlichen Schutz der Betroffenen, deren Menschenwürde angegriffen wird. Antisemitische Motive wirken nun ausdrücklich strafverschärfend.

DIE LINKE

DIE LINKE will ein Demokratie-Förder-Gesetz auf dem Weg bringen, mit dem die erfolgreichen Projekte gegen Rechtsextremismus und Rassismus langfristig finanziell unterstützt werden. Zivilgesellschaftliche Gruppen, die sich u.a. ge­gen Rassismus, Antisemitismus, religiösen Fundamentalismus und antimuslimischen Ras­sismus engagieren, sollen ebenfalls über dieses Gesetz unterstütz werden. Wir werden außerdem eine unabhängige Beobachtungsstelle Rechtsextremismus, Rassismus, Antisemitismus auf den Weg bringen. Vorhandene juristische Mittel gegen Hass und Hetze müssen von der Justiz besser angewandt werden.

Frage 9: Wie verhält sich Ihre Partei, insbesondere nach dem Abzug aus Afghanistan in diesem Jahr, zu Militäreinsätzen der deutschen Bundeswehr im Ausland?

Team Todenhöfer – Die Gerechtigkeitspartei

In unserem Parteiprogramm fordern wir ganz klar den Stopp aller Bundeswehreinsätze. Wir stellen uns klar gegen Kriege und setzen stattdessen auf kluge und zähe Diplomatie.

SPD

Die Lage in Afghanistan ist äußerst dramatisch. Die Berichte und Bilder, die uns von dort erreichen, sind bestürzend. Für uns gilt: Krisenprävention ist die effizienteste Sicherheitspolitik. Internationale Einsätze der Bundeswehr können auch in Zukunft nur die ultima ratio sein, wenn alle anderen Instrumente zur Sicherung des Friedens und zum Schutz der Menschen keine Lösung herbeiführen können. Die Einsätze der Bundeswehr sollten immer durch ein Mandat des UN-Sicherheitsrates sowie einen konstitutiven Beschluss des Deutschen Bundestages legitimiert und in ein politisches Gesamtkonzept integriert sein.

DIE LINKE

DIE LINKE lehnt Auslandseinsätze der Bundeswehr ab. Als einzige Partei des Bundestages haben wir konsequent gegen alle Militäreinsätze gestimmt und den Krieg in Afghanistan immer verurteilt. Demokratie und gesellschaftlicher Fortschritt können nicht mit Kriegen von außen aufgezwungen werden. DIE LINKE steht für eine konsequente Friedenspolitik und fordert den sofortigen Stopp aller Rüstungsexporte.

Frage 10: Wird sich Ihre Partei dafür einsetzen die NSU-Akten, die für 30 Jahre unter Verschluss bleiben sollen, sofort und vollumfänglich der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, damit das Ausmaß rechtsradikaler Netzwerke in Deutschland endlich umfassend aufgedeckt werden kann und die Betreiber dieser Netzwerke juristisch verfolgt werden können?

Team Todenhöfer – Die Gerechtigkeitspartei

Das NSU-Desaster ist traurig genug. Anstatt das Fehlverhalten vieler behördlichen Stellen schnellstmöglich aufzuarbeiten, werden wichtige Akten unter Verschluss gehalten. Als gewählte Partei werden wir uns dafür einsetzen, dass die Akten unverzüglich offengelegt werden. Um aus unseren Fehlern zu lernen und damit so etwas wie die NSU-Morde oder Hanau nie wieder passiert.

SPD

Die SPD hat im hessischen Landtag für die Offenlegung gestimmt. CDU und Grüne haben für eine unangemessene und vertrauensschädigende lange Zeit die Akten unter Verschluss genommen. Das ist für uns nicht nachvollziehbar! Es ist wegen der NSU-Morde viel Vertrauen in den Rechtsstaat verloren gegangen. Deswegen ist größtmögliche Transparenz nötig. Den Großteil der in die Zuständigkeit des Bundes fallenden Empfehlungen der NSUUntersuchungsausschüsse haben wir bereits umgesetzt. Der umfassende Reformprozess bei Polizei, Verfassungsschutz und Justiz im Bund muss weiter konsequent fortgesetzt werden. Sehr bedauerlich ist jedoch, dass die Empfehlung zur Schaffung einer gesetzlichen Grundlage zur Verstetigung der Förderung zivilgesellschaftlicher Initiativen und Projekte im Bereich der Demokratieförderung und Extremismusbekämpfung noch nicht verwirklicht werden konnte. Wir haben uns in dieser Legislaturperiode sehr für ein Demokratiefördergesetz – ohne Extremismusklausel – eingesetzt und werden dies auch in der nächsten Legislaturperiode tun. Mit dem neuen Waffenrecht haben wir mit der Entwaffnung von Extremisten und Demokratiefeinden begonnen. Das werden wir konsequent fortführen. Rechtsextremismus in Sicherheitsbehörden oder auch bei der Bundeswehr bekämpfen wir konsequent.

DIE LINKE

Ja. Alle NSU-Akten müssen endlich der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. DIE LINKE hat sich in allen parlamentarischen Untersuchungsausschüssen zum NSU für eine vollständige Offenlegung der Akten eingesetzt. In Thüringen werden unter LINKER Regierungsführung die NSU-Akten in ein öffentlich zugängliches Archiv überführt. Wir fordern die Einsetzung eines weiteren Unter­suchungsausschusses zum Rechtsterro­rismus, um die Aufklärung fortzusetzen und die lange Geschichte rechtsterroristischer Strukturen in der Bundesrepublik sowie die Verantwortung staatlicher Stellen aufzuar­beiten.


Den Parteien auf den Zahn gefühlt: Wichtige Fragen und Antworten der Politiker im Bundestag

Den Parteien auf den Zahn gefühlt Wahlkompass Islam, Integration & Internationales mit wichtigen Fragen und interessanten Antworten der Politiker im Bundestag von der Deutschen Muslim-Liga e.V. veröffentlicht

Die Deutsche Muslim Liga e.V. (DML) mit Sitz in Hamburg hat in Kooperation mit der Islamischen Zeitung (IZ) zur Bundestagswahl 2013 heute den „Wahlkompass Islam, Integration & Internationales“ mit Antworten von Spitzenpolitikern und Parteien aus dem Deutschen Bundestag veröffentlicht.

Was denken die Parteien über den Islam? Wie will Peer Steinbrück (SPD) die zunehmende Islamfeindschaft bekämpfen? Wird die CDU endlich das Kopftuchverbot abschaffen? Gibt es mit der Partei Die LINKE bald zwei Islamische Feiertage? Ist Rainer Brüderle (FDP) für den EU-Beitritt der Türkei? Was denken Bündnis‘90/Die Grünen über den Syrien-Konflikt? Und viele Fragen mehr.

„Der Islam ist nicht nur eine Weltreligion, sondern mittlerweile auch eine deutsche Religion. Im Bund haben wir als Liberale deshalb vier Millionen Euro für die Einrichtung islamischer Studien zur Verfügung gestellt. In den CDU/FDP-geführten Ländern Hessen und Niedersachsen haben wir islamischen Religionsunterricht eingeführt. Anders als das NRW-Modell erfüllen unsere Modelle den Anspruch der Muslime auf Religionsfreiheit und damit die Anforderungen des Grundgesetzes. In Hessen haben wir die erste islamische Gemeinschaft überhaupt als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt.“ (FDP/ Spitzenkandidat Rainer Brüderle)

Im Wahlkompass der DML – der ältesten muslimischen Vereinigung in Deutschland und Gründungsmitglied des Zentralrates der Muslime in Deutschland – beantworten die Spitzenkandidaten und Bundestagsparteien insgesamt 23 Fragen zu Themen wie: Islam, Diskriminierung, Rassismus, Bürgerrechte und Integration.

„DIE LINKE tritt für eine konsequente Gleichbehandlung aller Weltanschauungs- und Religionsgemeinschaften ein. Daher ist es nur konsequent, wenn auch muslimische Gemeinden ihre Moscheen so bauen, dass sie äußerlich als solche zu erkennen sind.“ (Die Linke)

„Bestimmte Themen entscheiden für Muslime und Migranten die Wahl. Welche Partei ernsthaft versucht die Probleme und Sorgen dieser deutschen Bürger zu lösen, die Menschen gleichzeitig in ihrer religiösen Individualität anerkennt und respektiert, der kann am Wahltag von deren Stimme profitieren,“ erklärt Belal El-Mogaddedi, der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Muslim Liga.

„Unser Grundgesetz verpflichtet den Staat zu strikter religiöser und weltanschaulicher Neutralität. Keine Religion darf diskriminiert oder ungerechtfertigt bevorzugt werden. Allen Religionsgemeinschaften steht Gleichberechtigung und –behandlung durch den Staat zu. Während bisher vor allem die christlichen Kirchen den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts besitzen, sind andere Gemeinschaften vereinsrechtlich organisiert. Grüne Politik wird ergebnisoffen nach Wegen suchen, diese rechtliche Ungleichheit zu beseitigen.“ (B’90/Grüne)

//2//

Zur Bundestagswahl am 22. September 2013 sind fast zwei der ca. vier Millionen deutschen Muslime und mehrere Millionen Menschen mit Migrationshintergrund aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. „Die Muslime erkennen nach Jahrzehnten in Deutschland endlich das Gewicht ihrer Stimmen bei Wahlen. Und sie erkennen mit dem vorliegenden Wahlkompass, welche Partei vor allem allgemeine Aussagen liefert und welche Partei sich klar positioniert“, sagt Belal El-Mogaddedi weiter.

„Ich habe bei der Bundestags-Abstimmung zum Bescheidungsgebot vergangenes Jahr dafür gestimmt, dass die Beschneidung erlaubt bleibt. Durch das Gesetz gibt es nun endlich Rechtssicherheit. Bei der Schächtung ist es rechtlich ja so geregelt, dass es möglich ist, das Schächtungsgebot zu befolgen und die religiöse Schlachtung, natürlich im Einklang mit dem Tierschutz, vorzunehmen. Ich respektiere das, denn ich habe Respekt vor religiösen Bräuchen.“ (SPD/Steinbrück)

Der vollständige „Wahlkompass Islam, Integration & Internationales“ steht auf der Internetseite der Deutschen Muslim Liga e.V. in Layout- und Druckversion zur Ansicht und zum Download ab sofort bereit.

„CDU und CSU haben zunehmend auch Mitglieder muslimischen Glaubens in ihren Reihen. Religiöse Feste wie Fastenbrechen oder Weihnachtsfeiern werden in den Gremien unserer Parteien gemeinschaftlich begangen. Erstmals bewirbt sich mit Cemile Giousouf eine muslimische CDU-Kandidatin im Wahlkreis Hagen/ Ennepe-Ruhr-Kreis um ein Direktmandat für den Deutschen Bundestag.“ (CDU/CSU)

Die Fragen des Wahlkompasses hat die DML in ihrem 60-jährigen Jubiläumjahr unter der Überschrift „Welche Themen und Fragen entscheiden ihre Wahl?“ bei Migranten und Muslimen im Vorfeld gesammelt.

Links zum Download:
1.) DML-Wahlkompass Islam Integration Internationales
2.) Druckversion DML-Wahlkompass zur Bundestagswahl

Auch die Linke muss sich Fragen stellen

(iz)). In Folge der Ereignisse von Norwegen, sowie des europaweiten Erstarkens antimuslimischer Bewegungen, wandte sich der Blick der kritischen Öffentlichkeit der Rechten zu. Die unbestimmte Zone zwischen Union einerseits und […]

IZ+

Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)

Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ – Onlineabo, Kombi Print & IZ+ or Das IZ-Förder-Abo können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.

Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.

Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.

* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.

Hintergrund: Zum Wahlverhalten der Muslime. Von Christoph Schmidt

(KNA). «Befürwortet Ihre Partei den Bau von Moscheen auch in deutschen Innenstädten?» – «Was tut Ihre Partei gegen die Diskriminierung von Muslimen in Gesellschaft und Beruf?» Der Zentralrat der Muslime […]

IZ+

Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)

Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ – Onlineabo, Kombi Print & IZ+ or Das IZ-Förder-Abo können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.

Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.

Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.

* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.

Bekenntnisse eines Nichtwählers: Ali Kocaman über die Zumutung des quasi-religiösen Zwangs, am Wahl-Spektakel teilnehmen zu müssen

(iz). Zum Ablauf des natürlichen Haltbarkeitsdatums ihrer Legislaturperiode hat die bundesdeutsche Parteienlandschaft – beispielsweise anhand ihrer „Optionen“ in der Finanzkrise – noch einmal eindrucksvoll belegt, dass ihre Handlungsfähigkeit (und damit […]

IZ+

Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)

Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ – Onlineabo, Kombi Print & IZ+ or Das IZ-Förder-Abo können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.

Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.

Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.

* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.

„Muslime, geht ihr wählen?“: Die IZ befragte die Verbände zur Bundestagwahl

(iz). Anlässlich der Bundestagswahl am 27. September hat die IZ-Redaktion bei allen großen muslimischen Verbänden auf Bundes- und Landesebene um kurze Stellungnahmen gebeten, wobei ihnen vier Fragen gestellt wurden. Letztlich […]

IZ+

Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)

Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ – Onlineabo, Kombi Print & IZ+ or Das IZ-Förder-Abo können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.

Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.

Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.

* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.