, ,

Die Welt ist gewaltsamer geworden

gewalt krieg

Trotz des, sich abzeichnenden militärischen Niedergangs der USA ist die Welt gewaltsamer geworden. (IPS). Die Welt erlebt einen Anstieg der Gewalt, wie er ab Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr […]

IZ+

Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)

Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ – Onlineabo, Kombi Print & IZ+ or Das IZ-Förder-Abo können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.

Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.

Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.

* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.

, ,

CLAIM Allianz: Zahl antimuslimischer Vorfälle in 2024 auf Höchststand

berlin CLAIM

CLAIM-Bilanz: Seit Oktober 2023 haben nicht nur antisemitische Vorfälle zugenommen, sondern auch antimuslimische. Die Zivilgesellschaft meldet einen traurigen Höchststand.

Berlin (KNA) Beleidigungen, Drohschreiben, beschmierte Moscheen, Angriffe auf Mädchen mit Kopftuch: Muslime werden in Deutschland zivilgesellschaftlichen Erhebungen zufolge immer häufiger Opfer von Übergriffen und Diskriminierung.

CLAIM: Trauriger Rekord von 60 % Zunahme

Die Zahl antimuslimischer Vorfälle stieg 2024 drastisch auf einen neuen Höchststand. Dokumentiert wurden 3.080 Übergriffe und Diskriminierungen – eine Zunahme von 60 % im Vergleich zum Vorjahr (1.926). Im Schnitt waren das mehr als acht Fälle pro Tag, wie aus der am Dienstag in Berlin veröffentlichten Jahresbilanz der Claim-Allianz hervorgeht.

70 Angriffe wurden demnach auf religiöse Einrichtungen wie Moscheen verübt. Zudem zählte das zivilgesellschaftliche Bündnis 198 Körperverletzungen und zwei Tötungsdelikte. Etwas mehr als die Hälfte alle Vorfälle machten verbale Angriffe aus, ein knappes Viertel Diskriminierungen.

Ein großer Teil der dokumentierten Vorfälle habe Frauen getroffen und sei im öffentlichen Raum sowie im Bildungsbereich geschehen. Man gehe zudem von einer großen Dunkelziffer aus, hieß es.

„Gewalt, Ausgrenzung und Beleidigungen gegen Musliminnen und Muslime sind Alltag in Deutschland“, sagte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Natalie Pawlik. „Das dürfen wir nicht akzeptieren.“ Auch jede und jeder Einzelne sei gefragt, bei Vorfällen zu widersprechen, einzuschreiten und solidarisch zu sein.

„Neue Eskalationsstufe antimuslimischer Gewalt“

Die Co-Geschäftsführerin der Claim-Allianz, Rima Hanano, beklagte eine neue Eskalationsstufe antimuslimischer Gewalt, Diskriminierung und Ausgrenzung. Es gebe eine „neue Qualität von antimuslimischem Rassismus in Form einer zunehmenden Normalisierung, Enthemmung und Brutalität“. Frauen mit Kopftuch würden bespuckt, Kinder auf dem Schulweg beschimpft, Moscheen mit Hakenkreuzen beschmiert. Menschen verlören Wohnungen, Jobs, Sicherheit und ihre Würde.

Der Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs, Ali Mete, forderte mehr Sensibilisierung in Behörden und Schulbüchern sowie einen eigenen Bundesbeauftragten gegen antimuslimischen Rassismus. „Noch immer vermitteln Schulbücher ein verzerrtes Bild: Migration wird überwiegend als Problem dargestellt, nicht als Teil unserer gesellschaftlichen Realität“, sagte Mete dem „Tagesspiegel“ (Dienstag).

KI rafah krieg Gaza Gazastreifen Not norweg

Foto: Shutterstock, Anas-Mohammed

Terror und Krieg im Nahen Osten heizen daheim die Lage an

Parallel zu antisemitischen Vorfällen, so die Claim-Allianz, sei auch die Zahl antimuslimischer Vorfälle seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel vom Oktober 2023 stark gestiegen. Auch der Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Magdeburg im Dezember 2024 habe dort zu mehr antimuslimischen Übergriffen und Bedrohungen geführt.

Das Bündnis fordert eine bessere Erfassung antimuslimischer Vorfälle sowie mehr Schutz und Beratung für Betroffene. Auch wird ein neuer Nationaler Aktionsplan gegen Rassismus verlangt, der auch antimuslimischen Rassismus klar benenne.

Die Zahlen der Jahresbilanz der Claim-Allianz basieren auf 26 regionalen Melde- und Beratungsstellen aus 13 Bundesländern, auf bundesweiten Meldungen über das Meldeportal „I Report“, Fallzahlen aus der Statistik zur politisch motivierten Kriminalität 2024 sowie auf Pressemeldungen der Polizei und Medienberichten. Das Bundeskriminalamt erfasste etwa im Bereich Hasskriminalität für 2024 einen Anstieg islamfeindlicher Straftaten um 26 Prozent auf 1.848.

, , ,

Im Nebel des Krieges – das neue Normal

nebel krieg

Im Nebel des Krieges: Werden bewaffnete Konflikte wieder zum Normalfall unserer Existenz? „S’ ist leider Krieg – und ich begehre, Nicht schuld daran zu sein!“ Matthias Claudius (iz). Zum Ende […]

IZ+

Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)

Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ – Onlineabo, Kombi Print & IZ+ or Das IZ-Förder-Abo können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.

Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.

Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.

* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.

, ,

Gaza: Tel Aviv entfacht neue Gewaltwelle

gaza Kurzmeldungen

Israels Regierung begann eine weitere Angriffswelle auf Gaza inmitten unzähliger Opfer, weitverbreitetem Hunger und Kritik westlicher Verbündeter.

(dpa, KNA, iz). Am Sonntag ließ die Israels Führung eine neue Angriffswelle auf den, bereits zu 80 % zerstörten Gazastreifen los. Nach palästinensischen Angaben kam es dabei schon zu Beginn zu unzähligen Toten, Verwundeten und Zerstörungen.

Seit Tagen fliegt die israelische Luftwaffe massive Angriffe im Gazastreifen. Am Wochenende begann die Armee zudem mit einem großangelegten Einsatz von Bodentruppen. Im Norden sind laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde mittlerweile alle Kliniken außer Betrieb. Die IDF forderte sämtliche Anwohner von Chan Junis im Süden wegen eines bevorstehenden, „beispiellosen Angriffs“ auf, von dort zu fliehen.

Seit Anfang März hatte Israel keine Hilfslieferungen mehr in den Gazastreifen gelassen. Das Land wirft der Hamas vor, die Hilfsgüter gewinnbringend weiterzuverkaufen, um ihre Kämpfer und Waffen zu finanzieren.

Besatzung von Gaza: eine „wahnsinnig Idee“

Aktuelle Pläne für eine endgültige Okkupation des Gebiets und eine Vertreibung der palästinensischen Bevölkerung bezeichnete der deutsche Militär- und Sicherheitsberater Carlos Masala als „komplett außerhalb des Völkerrechts“. Gleiches gelte für die anhaltende Blockade humanitärer Hilfslieferungen. Die Idee, das umkämpfte Gebiet dauerhaft zu besetzen, sei überdies „wahnsinnig“.

Offenbar sei nichts aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt worden: Israel habe sich 2005 aus dem Landstrich zurückgezogen, weil die eigenen Streitkräfte dort ständig angegriffen worden seien und der Blutzoll viel zu hoch gewesen sei. „Das reproduziert Israel jetzt wieder“, so der Politikwissenschaftler der Münchner Bundeswehr-Universität.

Tel Avivs Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat öffentlich Pläne bestätigt, dass seine Administration die Einnahme des gesamten Gebiets verfolgt. „Wir werden die Kontrolle über alle Gebiete des Gazastreifens übernehmen“, sagte er in einer Videoansprache.

Die Absicht der israelischen Regierung sowie die vor wenigen Tagen gestartete Großoffensive mit massiven Luftangriffen und dem Einsatz von Bodentruppen stürzt die notleidende Bevölkerung des abgeriegelten Küstengebiets in weitere Unsicherheit und schürt Sorgen vor weiterer Vertreibung und Tod.

Warnungen vor weiterer Eskalation von Hunger und Versorgungskrise

Seit Anfang März hatte Israel keine Hilfslieferungen in das abgeriegelte und nach über anderthalb Jahren Krieg großflächig zerstörte Küstengebiet gelassen.

Die UN und Hilfsorganisationen warnen vor einer Hungersnot; die Appelle an Israel wurden zuletzt immer vehementer. Laut mehreren Medien erfolgt eine am Wochenende angekündigte Aufhebung der Blockade vor allem auf Druck der USA hin. „Wir wollen keine humanitäre Krise sehen und wir werden nicht zulassen, dass sie unter Präsident (Donald) Trumps Führung eintritt“, sagte der US-Sondergesandte Steve Witkoff dem US-Sender ABC News.

Menschen Gaza Hungersnot

Foto: Anas-Mohammed, Shutterstock

Die Hilfslieferungen sollen vorerst wieder internationale Organisationen wie das Welternährungsprogramm (WFP) sowie die World Central Kitchen bereitstellen, wie das Nachrichtenportal „walla.co.il“ meldete. Ende des Monats soll ein neuer Mechanismus greifen, der nicht unumstritten ist.

Berichten zufolge sollen Güter dann nur noch von wenigen Standorten im Gazastreifen aus verteilt werden. Die UN hatte den neuen Mechanismus kritisiert. Das lag unter anderem daran, weil Zivilisten auf dem Weg zu den Verteilungszentren ins Kreuzfeuer geraten und etwa Alte und Kranke diese erst gar nicht erreichen könnten.

Inmitten von Verhandlungen

Sowohl Israel als auch die Hamas waren am Sonntag mit Delegationen in Katars Hauptstadt Doha, um mit arabischen Vermittlern über einen neuen Waffenruhe-Deal zu verhandeln. Die US-Nachrichtenseite „Axios“ berichtete unter Berufung auf einen israelischen Beamten und eine weitere Quelle.

Trump-Berater Witkoff habe beiden Kriegsparteien einen aktualisierten Vorschlag unterbreitet, der die Freilassung von zehn Geiseln im Gegenzug für eine 45-60-tägige Waffenruhe und die Entlassung palästinensischer Häftlinge aus Israels Gefängnissen vorsehe.

Der Vorstoß enthalte eine neue Ausdrucksweise, wonach die Feuerpause zu einem Ende des anhaltenden Blutvergießens führen könnte, hieß es. Die Formulierung ziele darauf ab, der Hamas zu garantieren, dass Netanjahu die Waffenruhe nicht wieder einseitig für beendet erklären und den Krieg wieder aufnehmen kann.

gewalt

Foto: Keir Starmer, No. 10 Downing Street

Internationale Kritik: „Das ist keine Selbstverteidigung mehr.“

Die neue Offensive sorgt seit Wochenende für weltweite Ablehnung. Das Auswärtige Amt in Berlin meldete sich ebenfalls zu Wort. Der militärische Vorstoß sei „Grund zu tiefer Sorge“a, hieß es in einer Erklärung. Das Leben der noch lebenden Hamas-Geiseln, darunter Deutsche, könnte gefährdet werden. 

Zudem bestehe das Risiko, dass sich die katastrophale humanitäre Lage der Bevölkerung im Gazastreifen weiter verschlechtere. Das könne den notwendigen langfristigen Waffenstillstand in die Ferne rücken.

Die Staats- und Regierungschefs von Frankreich, Großbritannien und Kanada haben Israels Vorgehen im Gaza-Krieg als „völlig unverhältnismäßige“ Eskalation kritisiert und eine Warnung ausgesprochen. „Sollte Israel die erneute Militäroffensive nicht einstellen und die Beschränkungen der humanitären Hilfe nicht aufheben, werden wir mit weiteren konkreten Maßnahmen reagieren“, teilten Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der britische Premier Keir Starmer sowie sein kanadischer Amtskollege Mark Carney mit.

„Das menschliche Leid in Gaza ist unerträglich“, hieß es in der Stellungnahme weiter. Die Ausweitung der Angriffe auf den teils bis zur Unkenntlichkeit zerstörten Küstenstreifen lehne man entschieden ab. Man werde „nicht tatenlos zusehen, während die Netanjahu-Regierung diese ungeheuerlichen Maßnahmen fortsetzt“. Welche Konsequenzen die drei Länder konkret in Erwägung ziehen, blieb offen.

Zudem wandten sich die europäischen Politiker gegen den weiteren Siedlungsbau im Westjordanland. Man erwäge „gezielte Sanktionen“.

, ,

Armut und Angst in Dschenin

dschenin

Seit mehr als 70 Tagen dauert die israelische Militäroperation gegen das palästinensische Flüchtlingslager Dschenin. Ihre Auswirkungen belasten die Menschen in der Stadt, aber auch in umliegenden Dörfern.

(KNA). Ein Erdhügel versperrt die Einfahrtsstraße ins Flüchtlingslager Dschenin. Über den notdürftig verteilten Schotter schaukelt ein Krankenwagen. In der Luft liegt der Geruch von verbranntem Gummi. Im Lager selbst ist es still.

Nur der Wind zieht eine Gardine durch ein geöffnetes Fenster. Wie eine weiße Flagge der Kapitulation flattert sie inmitten kriegerischer Zerstörung. „Widerstand gibt es im Flüchtlingslager längst kaum noch“, sagt der lateinische Pfarrer von Dschenin, Amer Jubran.

Die Stille sei trügerisch, warnen die Einheimischen. Auf den Dächern vermuten sie Scharfschützen der israelischen Armee. In den über 70 Tagen seit Beginn der Operation „Eiserne Wand“ am 21. Januar sind mehr als 21.000 Menschen aus dem Camp und seiner Umgebung geflohen, „ein Viertel der Bevölkerung Dschenins“, sagt Bürgermeister Mohammed Jarrar.

Weite Teile der Infrastruktur und schätzungsweise 400 Häuser wurden bei israelischen Angriffen zerstört. Ähnlich sieht die Lage in Tulkarem und seinen Flüchtlingslagern aus. Die Vertreibung aus den Camps ist für Jarrar „nur der erste Schritt, um die Palästinenser aus ihrem Land zu vertreiben“.

Israel begründet sein hartes Vorgehen mit Terrorbekämpfung. Vor allem die Flüchtlingslager im Norden des besetzten Westjordanlandes gelten als Hochburgen militanter Palästinenser. „Die überwältigende Mehrheit der Menschen hat mit Gewalt nichts am Hut“, hält Jarrar dagegen.

Der Politiker beklagt die „Dehumanisierung der Menschen in Dschenin, wie in Gaza“, aber auch mangelnde Unterstützung aus Ramallah. Die dortige Palästinensische Behörde habe eine halbe Million Dollar zur Verfügung gestellt, ein Tropfen auf den heißen Stein, während seine Gemeinde kurz vor dem Zusammenbruch stehe.

Auch die Kirche versuche zu helfen, wo sie könne, sagt Pfarrer Jubran. Sie beschafft Lebensmittel und Medikamente, gibt finanzielle Unterstützung für Bildung oder dringende Krankenhausaufenthalte. Allerdings sei die Kirche selbst auf Spenden angewiesen, um geben zu können. Oft bleibt es so bei „Worten der Ermutigung und der Hoffnung“.

Es ist der letzte Tag des Fest des Fastenbrechens, arabisch Eid al-Fitr, mit dem Muslime das Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan feiern. Eigentlich, sagt Pfarrer Jubran, wären jetzt die Straßen voll, doch schon in den Tagen vor dem Feiertag sei es viel zu leer gewesen.

Die Flucht vieler Bewohner und Angst vor der israelischen Armee sind nur teilweise die Gründe. Vor allem fehle den Menschen das Geld. Seit dem 7. Oktober 2023, als der Terrorangriff der Hamas aus dem Gazastreifen auf den Süden Israels den Gazakrieg auslöste, haben es die Palästinenser in den besetzten Gebieten besonders schwer. „70 Prozent in Dschenin sind arbeitslos“, so Bürgermeister Jarrar.

Neben der allgemein schwierigen Wirtschaftslage in den palästinensischen Gebieten sind die Ursache dafür etwa entzogene Arbeitserlaubnisse für Israel und eine massiv eingeschränkte Bewegungsfreiheit und strenge Straßenkontrollen. „Jerusalem ist für uns unerreichbar, selbst die Fahrt nach Ramallah dauert mehrere Stunden“, so Amer Jubran.

Vieles, was der Mensch brauche, fehle in Dschenin, „ein ungesunder Zustand vor allem für Kinder“. Mit seinem Dienst will der Pfarrer vor allem die christliche Präsenz stärken. „Wir bleiben“, lautet seine trotzige Ermutigung vor allem an die junge Generation.

Schätzungsweise knapp 5.000 Christen leben im Gouvernement Dschenin, rund 85 Familien in Dschenin selbst, die anderen in umliegenden Dörfern. Unter ihnen hat Zebabdeh den bedeutendsten Christenanteil, wie der dortige anglikanische Diakon Saleem Kasabreh berichtet. Ihnen sei wichtig, zu helfen.

Etwa 3.000 Binnenvertriebe haben in Zebabdeh Zuflucht gefunden, nochmal so viele im benachbarten Telfit. Möglich ist dies, weil rund um die nahegelegene Amerikanische Universität viele Studierende wohnten – in friedlichen Zeiten. Seit dem Krieg hat die Uni auf Online umgestellt, stehen die Studentenwohnungen leer und werden nun neu vermietet.

„Wenn ich durch Zebabdeh gehe, sehe ich den Wandel der Bevölkerung: viele Muslime und viele Kinder“, sagt Kasabreh. Probleme im Zusammenleben gebe es nicht, vielmehr integrierten sich die Aufgenommenen gut in die religiöse Vielfalt des Ortes. „Viele sind neugierig und kommen zur Kirche, um den Ort und seine Geschichte kennenzulernen.“

Zu den unfreiwilligen Mietern in einem privaten Studentenwohnheim gehören Fida und Mustafa Dukkum mit ihren drei Kindern. Die Familie aus dem Dschenin-Camp teilt sich eine Einzimmerwohnung. Die einzige Waschmaschine für die Etage steht im Flur. Zehn Tage seien sie jetzt hier, nach Wochen, in denen sie außerhalb des Camps in Dschenin Zuflucht gesucht hatten.

„Die Lage ist sehr schwer“, sagt Fida, „aber verglichen mit vielen anderen geht es uns gut“. Ihre jüngste Tochter hat sie Salma genannt, von dem arabischen Wort „Salam“ – Frieden. In den 14 Monaten ihres Lebens hat Salma ihn noch nicht erlebt.

,

UN-Angaben: Mehr als 100.000 Vertriebene in Rafah in 2 Tagen

rafah

Vertriebene in Rafah. Nach einer Waffenruhe ist die Gewalt im Gazastreifen wieder aufgeflammt. Der UN-Generalsekretär zeigt sich wegen eines Vorfalls schockiert.

New York (dpa/iz). Mehr als 100.000 Menschen im Süden des Gazastreifens sind den Vereinten Nationen zufolge in den vergangenen beiden Tagen vor israelischen Angriffen geflohen. 

„Groß angelegte israelische Bombardierungen und Bodenoperationen“ hätten zudem zu weitreichenden Zerstörungen im Gebiet um die Grenzstadt Rafah geführt, teilten die UN in New York mit.

Zudem zeigte Generalsekretär António Guterres sich schockiert über einen Angriff der israelischen Armee auf einen medizinischen und Notfallkonvoi am 23. März, bei dem 15 Menschen – medizinisches Personal und humanitäre Helfer – in Gaza getötet worden seien, hieß es weiter.

Mehrere im Gazastreifen vermisste Sanitäter des Rettungsdienstes Palästinensischer Roter Halbmond (PRCS) waren laut der Organisation zuletzt tot geborgen worden. Retter fanden bei ihrer Suche in Rafah die Leichen von acht Sanitätern, wie es in einer Erklärung des PRCS hieß.

Ebenfalls gefunden wurden demnach die sterblichen Überreste von Mitarbeitern des von Zivilschutzes sowie die Leiche eines UN-Mitarbeiters.

, , ,

2024 war brutal. Das letzte Jahr sah zu viel Gewalt

libanon 2024 gewalt barbar iran katar kulturerbe libanon

Angesichts der umfangreichen Kriege in Afrika, im Nahen Osten, in Europa und Südostasien war 2024 jeder achte Mensch weltweit Konflikten ausgesetzt. Es kam in 111 Staaten im Laufe des Jahres […]

IZ+

Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)

Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ – Onlineabo, Kombi Print & IZ+ or Das IZ-Förder-Abo können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.

Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.

Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.

* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.

, ,

Wie wir Krieg verstehen (1)

einseitig medien

Zweiteilige IZ-Serie über unseren Blick auf Kriege bzw. bewaffnete Konflikte. Und darüber, warum es wichtig ist, sich mit der eigenen Perspektive zu beschäftigen.

(iz). Als Europäer leben wir seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges in einer der sichersten Regionen der Welt. Krieg kennen wir – mit Ausnahme der Balkankriege in den 1990er Jahren – nur durch Medien und von Menschen, die deswegen zu uns fliehen mussten. Wir Deutschen haben nach den Katastrophen des 20. Jahrhunderts eine friedliche Nachkriegszeit erlebt. Hinzu kam, dass uns dank fehlender Kolonien die „dreckigen“ Kleinkriege der Dekolonisierung erspart blieben und dass es jahrzehntelang einen Konsens gab, sich mit dem Thema nicht beschäftigen zu wollen.

Das heißt nicht, dass die Bonner Republik nicht indirekt durch Waffenlieferungen an kriegführende Parteien beteiligt war. Wir waren aber bis in die späten 1990er Jahre hinein eine Gesellschaft, in der alles Militärische kaum Interesse weckte. Umso desorientierter reagierten die Eliten auf den in der Nachbarschaft ausgebrochenen Krieg gegen die Ukraine – und damit auf das Phänomen organisierter, bewaffneter Gewalt. Dabei hätten wir es besser wissen können: Auch im 21. Jahrhundert gehören kriegerische Auseinandersetzungen zur menschlichen Erfahrung.

Bewaffnete Zeiten & Kriege: jene, die wir nicht sehen

2024 gab es mehrere schwere Kriege – u.a. in Gaza und im Nahen Osten, in der Ukraine, im Sudan, in Myanmar (Burma), Nigeria, Somalia, Burkina Faso, Mexiko (Staat vs. Drogenkartelle), Syrien und Mali. 2024 (noch ohne Syrien) forderten sie in Gaza, der Ukraine, Myanmar, Sudan und Nigeria die meisten zivilen Opfer.

Wie in Vorjahren ist die globale Aufmerksamkeit (eher Fiktion als Realität) für bewaffnete Gewalt ungleich verteilt. Sie wird aufgrund verschiedener Faktoren unterschiedlich wahrgenommen. Die Hilfsorganisation CARE International veröffentlicht ab 2013 den Bericht „Breaking the Silence“. Seit zehn Jahren wird darin festgehalten, über welche gewalttätige Krisen nicht gesprochen wird. Die erschreckende Bilanz für 2023: Die am wenigsten beachteten ereigneten sich alle in Afrika.

sudan frauen

Foto: UNICEF | UN Photos

„Menschliches Leid passt in keine Rangliste. Die 10 Krisen, die keine Schlagzeilen machten, betreffen Millionen von Menschen und finden dennoch kaum Gehör. CARE geht es mit dem Report nicht um eine Anklage. Er ist vielmehr eine Aufforderung an alle, mehr über diese Krisen zu erfahren, die Informationen zu teilen, sich zu engagieren“, sagte Corinna Henrich 2023. Dass das Kämpfen und Sterben (der Zivilbevölkerung) in Afrika so erschreckend wenig Beachtung findet, lässt sich nicht allein mit dem oft zitierten „Eurozentrismus“ erklären. CARE International bezog u.a. auch die arabischen Medien mit ein.

Grob lassen sich drei Modi des Umgangs mit Kriegen unterscheiden. Da es keine abstrakte „Weltöffentlichkeit“ gibt, die alles gleich bewertet, hängen Bewertungen und Interessen zum Teil erheblich von lokalen Interessen und Befindlichkeiten ab.

a) Ist bekannt und bewegt „uns“ (das konstruierte Gesamt-Ich, abhängig vom jeweiligen Erkenntnisinteresse) wie im Falle der Ukraine oder des Nahostkonflikts.

b) Ist bekannt, aber bewegt „uns“ nicht/kaum: Kriege/Konflikte wie im Sudan, Jemen etc.

c) Sind nicht bekannt und berühren „uns“ nicht/kaum: Siehe Afrika.

Henrich erklärt dies mit den Gesetzen der globalen Aufmerksamkeitsökonomie. Medienunternehmen befänden sich in einem rasanten Wandel, der sich auf Berichterstattung auswirke. Dabei seien die „Konsequenzen für Millionen Menschen, die von humanitären Krisen betroffen sind und trotzdem kaum in den Fokus der medialen Aufmerksamkeit gelangen“ enorm. Mangelnde Sichtbarkeit gehe nicht selten mit geringer finanzieller Unterstützung einher. „Es ist wichtig, Wege zu finden, das Interesse des Publikums für vermeintlich kleinere Krisen zu wecken.“

Unsere Gewohnheiten des Hinschauens

Obwohl Medien und Journalisten für sich in Anspruch nehmen, Nachrichten und Analysen zu liefern, haben sich je nach Medium, Genre, den jeweiligen AutorInnen und Publikumssegmenten unterschiedliche Gewohnheiten der Wahrnehmung bewaffneter Konflikte gebildet. Bei der folgenden Beschreibung handelt es sich um vereinfachte Typologien.

krieg

Foto: DoD Media, via Wikimedia Commons | Lizenz: Public Domain

a) Kriege werden im Rahmen politischer Erklärungsmodelle verstanden. Ihr Rahmen kann national sein bzw. in Kombination regional oder international verstanden werden. Als Ursachen gelten Interessengegensätze und Gegnerschaften, Bündniszugehörigkeiten, territoriale Begehrlichkeiten etc. Bei zwischenstaatlichen Kriegen lässt sich diese Perspektive „leichter“ durchhalten, bei innerstaatlichen ist dies schwieriger – wenngleich bei Bürger- und Stellvertreterkriegen politische Feindschaften Ursache und/oder Anlass sein können. In den letzten Jahren hat sich – ausgelöst durch die russische Aggression gegen die Ukraine – teils das überholt geglaubte Denken in Einflusszonen und Großräumen durchgesetzt.

b) Mit obiger Deutung geht häufig eine ideologische (bzw. religiöse) Interpretation einher. Die Motive der Akteure werden durch die Unterschiede ihrer Ansichten bzw. Identitäten erläutert: prowestlich vs. prorussisch, muslimisch vs. nichtmuslimisch, schiitisch vs. sunnitisch, fortschrittlich vs. reaktionär. Die Zuordnung der Konfliktparteien (in innerstaatlichen Auseinandersetzungen) ist medial oft begleitet von schwarz-weiß- bzw. gut-böse-Darstellungen. Die Journalistin Kristin Helberg erklärte jüngst am Beispiel Syrien, wie schädlich das sein kann: „Syrien lässt sich nur verstehen, wenn man das entweder-oder überwindet, das viel mit ideologischer Vereinfachung und wenig mit der komplexen Realität vor Ort zu tun hat. Statt einseitige Schlüsse zu ziehen, gilt es Mehrdeutigkeit auszuhalten.“ (ZEIT-online)

c) Insbesondere bei den oft vernachlässigten Kriegen in armen, aber ressourcenreichen Ländern werden wirtschaftliche Aspekte als Ursache oder Zankapfel hervorgehoben. Die Kontrolle über Ressourcen, Schürfrechte, Transitrouten etc. sei die Kriegsursache. Nicht selten artet dies in einen vulgärmarxistischen „cui bono“-Ökonomismus aus. Wir kennen das z.B. noch von der Parole während des Irakkrieges: „Kein Krieg für Öl“. Auch im aktuellen Krieg gegen die Ukraine geht es für viele um die Kontrolle ukrainischer Ressourcen.

Was nicht heißen soll, dass es bei bewaffneten Konflikten in den letzten Jahrzehnten nicht auch um wirtschaftliche Faktoren oder die Herrschaft über Rohstoffe ging und geht. Ein Beispiel dafür ist der Abtransport der sudanesischen Goldreserven in Milliardenhöhe durch russische Söldner. Im weiteren Sinne gibt es Dinge wie die Ressource Wasser, deren Knappheit bzw. Kontrolle mitursächlich für einen Krieg sein kann. So gab es beispielsweise in Syrien vor dem Arabischen Frühling eine ungleiche Verteilung an verschiedene Bevölkerungsgruppen. Oder in Westafrika kämpfen Nomaden und Ackerbauern um immer weniger fruchtbares Land.

d) Beliebt und gerne verwendet wird die kulturalistische Brille. Je weiter und je „exotischer“ ein Kriegsgebiet, desto lieber erklären sich Laien und manche Experten einen Konflikt anhand tatsächlicher oder eingebildeter „kultureller“ Markierungen. Das kann von ernsthaften wissenschaftlichen Betrachtungen bis zu Ansichten reichen, die nur als rassistisch zu bezeichnen sind.

,

Kurzmeldungen aus Ausgabe 354: von der Klimakonferenz bis zum Trump-Sieg

Kurzmeldungen

Kurzmeldungen Ausgabe 354: In dieser Ausgabe spannen sich die internationalen Meldungen von der Weltklimakonferenz, über Kopftuchverbote in Frankreich bis zum Trump-Sieg.

Klima: Guterres lobt Baku-Beschlüsse

BAKU (KNA). UN-Generalsekretär Antonio Guterres sieht die Ergebnisse der Weltklimakonferenz in Baku als Teilerfolg. Er habe auf ein ehrgeizigeres Ergebnis gehofft, erklärte Guterres am 24. November in der aserbaidschanischen Hauptstadt. „Aber dieses Abkommen liefert eine Basis, auf der man aufbauen kann“. Nun komme es darauf an, dass die Staaten im kommenden Jahr weitere Klimaaktionspläne in Übereinstimmung mit dem 1,5-Grad-Ziel vorlegten. „Das Ende des Zeitalters der fossilen Brennstoffe ist wirtschaftlich unausweichlich“, so Guterres. Die G20-Länder als größte Verursacher müssten dabei führen. Die Verhandlungen der mehr als 190 Teilnehmerstaaten hätten in einer Situation globaler Unsicherheit und Spaltung stattgefunden. Dennoch hätten die Teilnehmer bewiesen, dass multilaterale Zusammenarbeit auch schwierige Themen bewältigen könne. Am Sonntagmorgen hatten sich die Staaten bei der Weltklimakonferenz COP29 in Baku nach verlängerten, zähen Unterhandlungen auf ein Ergebnis geeinigt. Wichtigstes Resultat: Industrieländer sollen bis 2035 jährlich mindestens 300 Mrd. US-Dollar an Klimahilfen für ärmere Staaten zahlen. Bisher lag die Marge bei 100 Mrd., Ziel bleibt eine Jahressumme von 1,3 Billionen US-Dollar. Die aufstrebenden Wirtschaftsmächte China und Indien sollen erst schrittweise an der Zahlung beteiligt werden. Keine konkreten Fortschritte gab es bei der globalen CO2-Reduzierung. Hier blockierten Öl- und Gasförderländer wie Saudi-Arabien weitergehende Beschlüsse.

EU borrell

Foto: Josep Fontanelles Borrell, X

Borrell: Haftbefehle bindend für Vertragsstaaten

BRÜSSEL (KUNA/IZ). Der Hohe Vertreter der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik, Josep Borrell, sagte am Donnerstag, er habe die Haftbefehle des IStGH gegen den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu, den ehemaligen Verteidigungsminister Yoav Gallant und einen Hamas-Führer zur Kenntnis genommen. „Diese Entscheidungen sind für alle Vertragsstaaten des Römischen Statuts bindend, zu denen alle EU-Mitgliedstaaten gehören“, schrieb er in seinem X-Account. Am 21. November beschuldigte der Strafgerichtshof Netanjahu und Galant sowie den Hamas-Führer Mohammad Deif, seit den Angriffen der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen zu haben.

Frauenrechte werden weltweit abgebaut

NOTTINGHAM (The Conversation). Vom Irak über Afghanistan bis hin zu den USA werden die Grundfreiheiten für Frauen ausgehöhlt, da Regierungen bestehende Gesetze zurücknehmen. Erst vor wenigen Monaten führten die Taliban, die 2021 die Kontrolle über das Land wiedererlangten, ein Verbot für afghanische Frauen ein, in der Öffentlichkeit zu sprechen. Ab August umfasste das Verbot auch das Singen, lautes Lesen, das Rezitieren von Gedichten und sogar das Lachen außerhalb ihrer Häuser. Die erste Amtszeit von Donald Trump hat gezeigt, dass es in seiner zweiten Präsidentschaft zu einer weiteren Aushöhlung der Frauenrechte kommen könnte. Die UN-Organisation UN Women schätzt, dass es weitere 286 Jahre dauern könnte, bis die weltweiten geschlechtsspezifischen Unterschiede beim Rechtsschutz beseitigt sind. Kein Land hat bisher die Gleichstellung der Geschlechter erreicht, was sich am Lohngefälle, der rechtlichen Gleichbehandlung und dem Ausmaß der sozialen Ungleichheit ablesen lässt. Frauen und Mädchen werden nach wie vor in allen Teilen der Welt diskriminiert, und es scheint, als würde sich die Lage verschlechtern.

libanon

Foto: TexBr, Shutterstock

Bomben gefährden Menschen und Kultur

BEIRUT (IPS). Mit dem Herannahen des Winters bedrohen die anhaltenden Luftangriffe und Bombardierungen im Libanon das Leben und die Lebensgrundlagen der Zivilbevölkerung im ganzen Land und in den Nachbarregionen, was zu einer sprunghaft ansteigenden Zahl von Todesopfern und Vertriebenen geführt hat. Seit die Feindseligkeiten im September eskalierten, wurden im Libanon zahlreiche wichtige Infrastruktureinrichtungen zerstört, darunter auch historische Stätten, die für die libanesische Geschichte von großer Bedeutung sind. Im Verlauf des Konflikts zwischen Israel und der Hisbollah haben die Luftangriffe der israelischen Streitkräfte (IDF) auch vor Zivilisten nicht Halt gemacht. Wiederholte Luftangriffe in der Hauptstadt Beirut haben unter der Zivilbevölkerung weit verbreitete Angst ausgelöst, dass sich Hisbollah-Funktionäre unter ihnen verstecken und sie weiteren Angriffen aussetzen. Die hohe Zahl an Vertriebenen erhöht den Druck auf die humanitären Bemühungen in dieser Krise. Laut einem Bericht des Hilfswerks der Vereinten Nationen für Palästinaflüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) sind seit der Eskalation der Feindseligkeiten im September etwa 473.000 Menschen aus dem Libanon nach Syrien geflohen. Es wurde hinzugefügt, dass durchschnittlich etwa 500 bis 600 Flüchtlinge täglich die libanesische Grenze überqueren.

Die Todeszahlen steigen weiter an

BEIRUT (KUNA). Das Notfallzentrum des libanesischen Gesundheitsministeriums gab am 16. November bekannt, dass die Zahl der Todesopfer durch israelische Luftangriffe auf 3.452 gestiegen ist, wobei 14.664 Menschen verletzt wurden. Bei erneuten Luftangriffen auf Städte wie Al-Khribeh in Baalbek wurden bpsw. sieben Menschen getötet und 65 verletzt, darunter drei Kinder.

Die gefährlichste Region für Journalisten

GENF (KUNA). Der Hohe Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte, Volker Türk, äußerte am 1. November seine große Sorge um die Sicherheit von Journalisten in Konfliktgebieten, insbesondere im Nahen Osten, den er als die gefährlichste Region für sie bezeichnete. In einer Erklärung aus Genf anlässlich des Internationalen Tages gegen Straflosigkeit bei Verbrechen an Journalisten hob Türk den erheblichen Verlust an Menschenleben unter palästinensischen Journalisten hervor. Er wies darauf hin, dass über 80 % der Morde an Journalisten ungestraft bleiben, insbesondere in Gebieten wie Gaza, der Ukraine, dem Sudan und Myanmar. Im Jahr 2023 wurden 71 Journalisten getötet, 61 davon im Dienst, und mehr als 300 weitere wurden inhaftiert.

Foto: foxnews.com, Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY-SA 4.0

Smog: Rauchschwaden belasten das Punjab

ISLAMABAD (KNA). Die Regionalregierung des Punjab hat den anhaltenden dichten Smog zur „Gesundheitskrise“ erklärt. Es handle sich um eine Folge des Klimawandels, hieß es am 15. November in einer Erklärung. Experten machten indes in erster Linie den Autoverkehr für die massive Luftverschmutzung in der Region verantwortlich: So seien allein in der Stadt Lahore täglich 5,2 Mio. Motorräder und 1,3 Mio. Autos auf den Straßen unterwegs. Der Smog beeinträchtigt inzwischen einen Großteil der Menschen in Punjab, das mit 128 Mio. Einwohnern die bevölkerungsreichste Provinz ist. Allein innerhalb eines Monats seien dort zwei Mio. Fälle von Atemwegserkrankungen registriert worden.

Militärkampagne bringt Leid und Zerstörung

NEW YORK (KUNA). Der zermürbende Krieg und Israels verheerende Militäraktion in Gaza habe zu Massenvernichtung und enormen Verlusten geführt, sagte der UN-Sonderkoordinator für den Nahost-Friedensprozess, Tor Wennesland, am 18. November. In einer Besprechung vor dem UN-Sicherheitsrat zur Lage im Nahen Osten erklärte er: „Nach über einem Jahr schrecklichen Krieges und Blutvergießens steht die Region an einem düsteren Scheideweg.“ Er sagte: „Die internationale Gemeinschaft muss jetzt handeln – gemeinsam mit den Parteien –, um den gefährlichen Kurs, auf dem wir uns befinden, zu ändern.“ Wennesland warnte, dass die humanitäre Lage in Gaza zu Beginn des Winters „katastrophal“ sei, insbesondere die Entwicklungen in Nordgaza mit einer großflächigen und nahezu vollständigen Vertreibung der Bevölkerung und weit verbreiteter Zerstörung und Rodung von Land, inmitten einer beunruhigenden Missachtung des humanitären Völkerrechts. Er erklärte, dass das besetzte Westjordanland weiterhin in einer „destruktiven Spirale aus Gewalt und Hoffnungslosigkeit“ gefangen sei.

Gewalt journalisten

Foto: Marwan Hamouu, Shutterstock

Guterres forderte Schutz von Journalisten

GENF (KUNA). UN-Generalsekretär Antonio Guterres forderte am 1. November den Schutz von Journalisten in Gaza und allen besetzten palästinensischen Gebieten. In einer Botschaft, die bei der Eröffnung des Internationalen UN-Medienseminars zum Frieden im Nahen Osten in Genf verlesen wurde, betonte Guterres die Position der Vereinten Nationen, die eine politische Lösung der Krise und ein Ende der israelischen Besatzung fordert. Das Leid der Journalisten sei „beispiellos“. Die anhaltende Verfolgung von Journalisten zeige, wie sich die Lage im Gazastreifen und in allen palästinensischen Gebieten verschlechtere.

Bedroht durch Krankheit, Hunger und Krieg

NEW YORK (IPS). Da sich die Lebensbedingungen im Sudan infolge des sudanesischen Bürgerkriegs verschlechtern, nehmen die Hungersnot und die Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht unter den rund 11,5 Millionen Vertriebenen weiter zu. Konflikte zwischen den Rapid Support Forces (RSF) und den sudanesischen Streitkräften (SAF) haben die Hilfsmaßnahmen erheblich behindert, sodass Millionen von Zivilisten mit weit verbreiteten Krankheiten und einem allgemeinen Mangel an lebensnotwendigen Ressourcen zu kämpfen haben. Neue Daten von UNICEF zeigen, dass der Süden des Landes am stärksten von der Hungersnot betroffen ist. Schätzungsweise 57 Prozent der Bevölkerung sind während der mageren Jahreszeit 2025 akut von Ernährungsunsicherheit bedroht. Kinder sind unverhältnismäßig stark betroffen, und viele von ihnen sind auf der IPC-Skala (Integrated Food Security Phase Classification) den höchsten Stufen von Hunger und Unterernährung ausgesetzt.

Foto: Fibonacci Blue, via Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY 2.0

Kongress: Drei Muslime erneut gewählt

WASHINGTON (Agenturen). Bei den Kongresswahlen am Dienstag wurden drei muslimische Kandidaten erneut in das US-Repräsentantenhaus gewählt. Die demokratische Abgeordnete Rashida Tlaib, die einzige palästinensische Amerikanerin im Kongress, konnte ihren Sitz im 12. Kongressbezirk von Michigan verteidigen. Ilhan Omar, die erste von zwei muslimischen Frauen im Kongress, gewann eine dritte Amtszeit als Vertreterin des Bundesstaates Minnesota im Mittleren Westen. Der demokratische Abgeordnete Andre Carson wurde im 7. Bezirk von Indiana wiedergewählt, wo er den Republikaner John Schmitz besiegte.

,

Gewalteskalation im Sudan: Maßnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung gefordert

sudan faschir

GfbV: Bundesregierung muss trotz Kämpfen Zugänge für humanitäre Hilfen finden.

(GfbV/iz). Partnerinnen der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) im Sudan berichten telefonisch von einer unmittelbar bevorstehenden Eskalation in El Fasher (Darfur), während bereits in weiten Teilen des Landes Gewalt, Vertreibung und Hunger herrschen.

„Es darf nicht sein, dass die Regierungskrise in Deutschland sich negativ auf die notleidende Bevölkerung des Sudan auswirkt. Trotz der andauernden Gewalt müssen hier kontinuierlich Zugänge für humanitäre Hilfe gefunden und Schutzmaßnahmen für die Notleidenden umgesetzt werden“, appellierte Sarah Reinke, Leiterin der Menschenrechtsarbeit der GfbV, in einem Brief an Bundesaußenministerin Annalena Baerbock.

In einem Telefonat berichtete eine Mitarbeiterin der „Bana Group“, die im Sudan Friedensarbeit leistet, dass die Rapid Support Forces (RSF, unter Mohamed Hamdan Daglo, genannte Hemedti) in Darfur gezielt Angehörige der Zahgawa angreifen, unter anderem mit Scharfschützen.

Sudan: El Fasher droht der Fall

In der Stadt El Fasher werde täglich gekämpft, Frauen würden vergewaltigt und Menschen vertrieben. „Frauen sind in El Fasher in großer Gefahr, von den Soldaten der Armee des Sudan aufgegriffen, verhaftet und eingesperrt zu werden. Der Geheimdienst meint, von ihnen Informationen über die RSF bekommen zu können, denn Männer riskieren ihr Leben, wenn sie die von der RSF kontrollierten Stadtteile betreten. Die Frauen versuchen, durch die Kampflinien zu kommen, die RSF stoppen sie selten. Mit den Verhaftungen der Frauen ist hier die Zahl der Vergewaltigungen stark angestiegen. Weder die Armee des Sudan noch die RSF lassen zu, dass die Zivilisten aus der belagerten Stadt fliehen“, berichtete die Mitarbeiterin der „Bana Group“. El Fasher könne in den nächsten Tagen an die RSF fallen.

Sie erklärt, in der Stadt Tambul, im Staat Gezira im Zentralsudan, drohe ein Völkermord: „Hier wird jeder, der nicht aus Darfur stammt, von der RSF getötet – es sei denn, er schließt sich der Miliz an. Ebenfalls im Bundesstaat Gezira liegt der Ort Alhilaliya, wo die RSF wahllos Menschen erschießen. Todesfälle aufgrund von Lebensmittelvergiftungen und einem Choleraausbruch versetzen die Menschen zusätzlich in Angst und Schrecken.“

Die RSF habe diese Region in ein riesiges Gefängnis verwandelt. Pro Stunde sterbe hier ein Mensch, meldet der sudanesische Ärzteverband.

Unter „Belagerungszustand“

„Im Bundesstaat Weißer Nil lebt die Bevölkerung in Rabak unter einem Belagerungszustand, das Internet fällt ständig aus, die Menschen harren aus und haben Angst vor einem Angriff der RSF. Die gleiche Situation wird aus Eldowaim berichtet“, heißt es in den Informationen, die die GfbV an das Auswärtige Amt weitergeleitet hat.

In Kordofan hätten sich viele Geflüchtete versammelt und suchten Schutz und Nahrung. Doch die Situation könne jederzeit eskalieren. Es gebe nur zwei Gebiete im Sudan, wo man relativ sicher sei, berichten die GfbV-Partnerinnen. 

Diese seien Süd-Kordofan und Jabal Marra, eine Region in Darfur. Sie werden weder von der RSF noch von der sudanesischen Armee kontrolliert. Beide versuchen aber, auch hier die Kontrolle zu gewinnen und die lokalen Machthaber in den tödlichen Konflikt hineinzuziehen.