Arabische und muslimische Wähler in den USA schaffen es kaum in die Berichterstattung. Dabei könnten sie 2024 entscheidend werden. (The Conversation). Eine übersehene und unterschätzte Gruppe von arabisch-amerikanischen und muslimischen […]
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Arabische und muslimische Wähler in den USA schaffen es kaum in die Berichterstattung. Dabei könnten sie 2024 entscheidend werden. (The Conversation). Eine übersehene und unterschätzte Gruppe von arabisch-amerikanischen und muslimischen […]
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Im Nachgang von Terror und Krieg ändert sich die Stimmung in Deutschland gegen Muslimen und ihren Communitys. (IZ). Seit dem Terror und Krieg im Nahen Osten ist die Zahl der […]
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Debattenbeitrag: Woher kommt die gutwillige Haltung vieler Muslime und ihrer Regierungen zu den Machthabern in Russland? (iz). Der folgende Text wurde vor dem 7. Oktober verfasst. Daher sind die Folgeereignisse […]
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Umgang mit ChatGPT: Als Muslime müssen wir schon lange über das Internet sprechen. Es ist ein längst überfälliges Gespräch. (iz). Wir scherzen über „Schaikh Google“, hinterfragen aber nur selten die […]
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Seelsorge: Der Islamwissenschaftler Luay Radhan ist für inhaftierte Muslime eine besondere Bezugsperson. Schifferstadt (KNA). Luay Radhan arbeitet hinter hohen Mauern, Gittern und Natodraht. An der Tür zu Radhans Büro klebt […]
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Peking (KNA). Die autonome Region der muslimischen Uiguren in China erschwert mit neuen Regeln die freie Religionsausübung. Eine vom „Ständigen Ausschuss des Volkskongresses von Xinjiang“ erlassene Verordnung verbiete Organisationen und Einzelpersonen die Verbreitung von religiösem Extremismus und Terrorismus, berichtete das staatliche chinesische Portal „Global Times“ am 5. Januar.
Ebenso seien die Untergrabung der nationalen Einheit, die Störung der gesellschaftlichen Ordnung und die Behinderung im Namen von Religion in Verwaltung, Justiz, Bildung und anderen staatlichen Systemen untersagt.
Foto: Mashka, Shutterstock
Religionsschulen müssten laut der neuen Verordnung in ihrem Bildungsansatz „dem Weg der chinesischen Merkmale folgen“, so der Bericht. Die Sinisierung betreffe auch die Architektur. Neu errichtete, renovierte oder erweiterte religiöse Stätten müssten in Zukunft chinesische Stilmerkmale etwa in Architektur, Skulptur, Malerei und Dekoration widerspiegeln. „Xinjiang erlebt die Präsenz von gewalttätigem Terrorismus, der die Religion als Instrument nutzt“, hieß es.
Namentlich nicht genannte „Experten“ sagten der „Global Times“, die neue Verordnung berücksichtige die in der Verfassung Chinas garantierte Religionsfreiheit.
Die Uiguren, mit rund 10 Millionen Mitgliedern nach den Hui die zweitgrößte muslimische Bevölkerungsgruppe unter den 23 Millionen Muslimen in China, sind seit langem im Visier der Kommunisten. Das Turkvolk lebt vornehmlich in der autonomen Provinz Xinjiang (Ostturkestan) im Nordwesten Chinas.
Seit Präsident Xi Jinping 2016 eine „Sinisierung“ der Religionen anordnete, stehen vor allem Christen und Muslime unter Beobachtung. Auf Basis von Satellitendaten schätzt das Australian Strategic Policy Institute (ASPI) die Zahl zerstörter oder beschädigter Moscheen in Xinjiang auf 16.000, 65 Prozent aller islamischen Gotteshäuser.
Foto: Imanaliev, Shutterstock
Der UN-Ausschuss für die Beseitigung der Rassendiskriminierung verlangte kürzlich von China die sofortige Untersuchung mutmaßlicher Menschenrechtsverletzungen gegen Uiguren in Xinjiang. Die Rede ist von Folter, Misshandlung, sexueller Gewalt, Zwangsarbeit, Verschwindenlassen und Tod in Gewahrsam.
In Tibet verfolgt China eine Sinisierung seit der Annektierung in den 50er Jahren. Seit 2022 üben chinesische Behörden zunehmend Druck auf buddhistische Mönche in Tibet aus, sich vom Dalai Lama als ihrem höchsten spirituellen Führer loszusagen.
Washington (dpa). Die Botschaft an Joe Biden ist unmissverständlich: Keine Waffenruhe in Gaza, keine Stimmen bei der Wahl. Der offene Brief, den der Nationale Rat muslimischer Demokraten vor wenigen Tagen an den US-Präsidenten schickte, war überschrieben mit dem Wort „Ultimatum“. Von Christiane Jacke
Wenn Biden nicht bis zum nächsten Tag eine Waffenruhe im Gaza-Krieg erreiche, dann werde er Wählerstimmen von Muslimen im ganzen Land verlieren – dafür werde das Bündnis sorgen. Die Frist verstrich, ohne dass die unverblümte Drohung Erfolg hatte.
Ein Waffenstillstand im Krieg zwischen Israel und der Hamas ist nicht ansatzweise in Sicht. Und der Konflikt wird für Biden neben einer außenpolitischen zunehmend auch zu einer innenpolitischen Krise.
Den Ultimatum-Brief mag mancher als Provokation einer eher kleinen Parteiorganisation abtun. Doch er steht beispielhaft für ein größeres Problem: Im Nahostkonflikt steht Biden unter wachsendem Druck von diversen Seiten und steckt in einer politischen Zwickmühle, die ihm mit Blick auf die Wahl in einem Jahr gefährlich werden könnte.
Foto: Saudi Press Agency | Lizenz: CC BY 4.0
Seit der verheerenden Attacke der islamistischen Hamas auf Israel am 7. Oktober steht Biden fest an der Seite der israelischen Regierung. Bei dem schlimmsten Massaker in der Geschichte des Landes wurden auf israelischer Seite mehr als 1.400 Menschen getötet und mehr als 200 gewaltsam verschleppt.
Seitdem bombardiert das israelische Militär den Gazastreifen, in dem die Hamas das Sagen hat. Auch israelische Bodentruppen rücken in dem dicht besiedelten Küstengebiet vor – mit dem Ziel, die Hamas zu zerschlagen. Leidtragende sind die Bewohner in Gaza. Nach Angaben des Hamas-kontrollierten Gesundheitsministeriums kamen bereits mehr als 10.000 Palästinenser ums Leben.
Die Zahl lässt sich nicht unabhängig überprüfen. Doch die Welt sieht jeden Tag erschütternde Bilder aus Gaza. Von Straßenzügen, die in Schutt und Asche liegen; von Leichen, die aus Trümmern gezogen werden; von blutüberströmten Kindern mit zerfetzten Körpern; von verzweifelten Menschen in Notunterkünften.
Mit jedem Bild und jedem Tag wächst der Druck auf Biden, sich für eine Waffenruhe einzusetzen und nicht bedingungslos an der Seite von Israels Regierung zu stehen.
Biden und seine Regierung bemühen sich zwar um einen zunehmend nuancierten Ton, rufen zum Schutz von Zivilisten auf, beschreiben immer wieder das Leid der Menschen in Gaza und setzen sich für zeitlich begrenzte Feuerpausen ein. Doch bislang ist die US-Regierung vehement gegen eine generelle Waffenruhe und argumentiert, die würde nur der Hamas in die Hände spielen.
Biden verzichtet bisher auch, Israels Vorgehen öffentlich zu kritisieren oder rote Linien für den Partner aufzuzeigen. Nach einem beispiellosen Angriff wie jenem der Hamas müssten die USA uneingeschränkt für Israel da sein, heißt es.
Foto: Drazen Zigic, Shutterstock
Kritiker beklagen, mit sanften Appellen an Israels Premier Benjamin Netanjahu erreiche die US-Regierung nichts – Biden müsse seinen Einfluss geltend machen und dürfe nicht tatenlos dem Leid der Palästinenser zusehen. Es brodelt überall: unter Demokraten in der Partei, im Kongress, in der Regierung, in gesellschaftlichen Gruppen, bei politischen Spendern und vor allem bei Wählern.
Am Wochenende gingen in Washington Zehntausende propalästinensische Demonstranten auf die Straße und verlangten einen Waffenstillstand. Ein paar Tage zuvor unterbrachen Demonstranten mehrfach eine Anhörung mit US-Außenminister Antony Blinken im Senat.
Sie forderten ebenfalls eine Waffenruhe und skandierten, die amerikanische Bevölkerung sei nicht bereit, den brutalen Krieg Israels zu finanzieren.
In Bidens Regierungsapparat organisieren sich inzwischen Beamte, die in internen Schreiben Widerstand gegen die Linie des Präsidenten kundtun. Regierungsmitarbeiter sagen hinter vorgehaltener Hand, dass sie mit Bidens Kurs hadern.
Ein ranghoher Mitarbeiter des Außenministeriums schmiss öffentlichkeitswirksam hin und erklärte, er könne die „blinde Unterstützung für eine Seite“ nicht länger mittragen. Eine jüngere Mitarbeiterin des Außenministeriums machte Schlagzeilen, als sie Biden auf der Plattform X öffentlich vorwarf, er mache sich mitschuldig an einem „Genozid“ an den Palästinensern.
Linke Demokraten im Repräsentantenhaus fordern seit Wochen eine Waffenruhe, zuletzt schloss sich als erster Senator der Demokrat Dick Durbin an. Auch Dutzende Mitarbeiter im Parteiapparat der Demokraten forderten Biden in einem Brief auf, eine Waffenruhe durchzusetzen.
Foto: CAIR
Druck machen auch muslimische und arabischstämmige Gruppen. Der Rat für amerikanische-islamische Beziehungen etwa rief Biden auf, den „Wahnsinn“ in Gaza zu stoppen. Es sei „inakzeptabel“, dass die Regierung keine Waffenruhe fordere. Vertreter der Organisation drohten Biden damit, ihm die Unterstützung bei der Wahl zu entziehen.
Auch der Nationale Rat muslimischer Demokraten kündigte bei seinem Ultimatum konkret an, muslimische und arabische Wähler anzuhalten, „jedem Kandidaten, der sich nicht für einen Waffenstillstand einsetzt“, die Stimme zu verweigern. Und: „Wir betonen die Bedeutung von Michigan, Ohio, Iowa, Florida, Arizona, Nevada, Georgia, New Jersey, Pennsylvania und Tennessee, wo viele unserer Wähler wohnen.“
Schätzungen zufolge leben etwa 3,5 Millionen Muslime in den USA – das ist nur etwa ein Prozent der Bevölkerung. Doch durch das amerikanische Wahlsystem könnte die Präsidentenwahl Anfang November 2024 einmal mehr durch vergleichsweise wenige Stimmen in wenigen Bundesstaaten entschieden werden.
In solchen „Swing States“, die zwischen Demokraten und Republikanern sehr umkämpft sind, kann sich Biden nicht leisten, einzelne Wählergruppen zu vergrätzen. Umfragen zufolge hat Biden in den vergangenen Wochen bei arabischstämmigen und muslimischen Wählern tatsächlich einiges an Unterstützung eingebüßt. Und das Thema wühlt längst auch andere Gruppen auf, gerade Jüngere.
Manche jüdischen Wähler wiederum, die sich uneingeschränkten Beistand der Amerikaner wünschen, könnten sich abgestoßen fühlen durch die interne Zerrissenheit der Demokraten mit Blick auf den Gaza-Krieg. Kurzum: Innenpolitisch kann Biden es kaum jemandem Recht machen.
Foto: U.S. Navy photo by Seaman Christopher A. Michaels
Außenpolitisch wiederum zerrinnen alle bisherigen Fortschritte seiner Regierung im Nahen Osten. Noch dazu droht der Gaza-Krieg auszuarten zu einem größeren Konflikt. Angriffe proiranischer Milizen gegen US-Kräfte im Irak und Syrien nahmen in den vergangenen Wochen deutlich zu.
Das US-Militär bemüht sich um Abschreckung, durch die Verlegung von Ausrüstung und Hunderten Soldaten in die Region, um zu verhindern, dass die USA kurz vor der Wahl in einen neuen Krieg hineinschlittern.
Die Wahl ist noch zwölf Monate entfernt – in politischer Zeitrechnung eine Ewigkeit. Doch je nach Entwicklung könnte der Nahostkonflikt bei der Wahl eine gewichtige Rolle spielen.
Bidens politische Lage war vor dem Gaza-Krieg schon nicht einfach. Der älteste US-Präsident aller Zeiten, der bald 81 wird, hat seit längerem mit miesen Beliebtheitswerten zu kämpfen und mit Vorbehalten wegen seines hohen Alters.
Selbst unter Parteikollegen mangelt es deshalb an Enthusiasmus für seine Wiederwahlkampagne – und auch in der Demokratischen Partei scheint sich keiner wirklich sicher, ob Biden die Wahl im November 2024 gewinnen kann. Durch die Eskalation im Nahen Osten ist seine Lage deutlich schwieriger geworden.
Berlin (dpa, KNA, iz). Der Berliner Rabbiner Andreas Nachama hat gemahnt, Muslime nicht pauschal als gewaltbereit abzustempeln. Viele Bilder und Filme in den Tagen seit dem Angriff der Hamas auf Israel seien sehr verstörend, sagte er dem „Tagesspiegel“ (Samstag). Gewaltbereitschaft betreffe nicht pauschal alle Muslime, sondern eine bestimmte Szene.
„Wir müssen versuchen, mit diesen Menschen in einen Dialog zu treten. Dazu sind wir verpflichtet, denn wir leben gemeinsam in dieser Stadt“, sagte der Sohn jüdischer Holocaust-Überlebender und ehemalige Direktor des Erinnerungsorts Topographie des Terrors.
So schwer das für beide Seiten sein möge, es sei zum Wohle des Ganzen. „Ich habe in der muslimischen Community viele Freunde und appelliere an alle, einen Weg zur Geschwisterlichkeit und Partnerschaft zu finden.“

Foto: Schalom Alaikum
„Der rechtsradikale, hier verankerte Antisemitismus und der nahöstliche geben sich auf unheilvolle Weise die Hand“, sagte Nachama, der auch Mitgründer des House of One ist, einem auf Dialog zwischen Christen, Juden und Muslimen ausgerichteten Projekt in Berlin-Mitte. Die Bedrohungslage sei ernst.
„Gleichzeitig sollten wir bei gewaltverherrlichenden Personen nicht den Eindruck erwecken, sie hätten damit Erfolg“, sagte Nachama. Letztlich sei die jüdische Gemeinschaft gewöhnt, mit Drohungen von außen umzugehen. „Ich erinnere an den Anschlag auf die Synagoge in Halle, zugleich aber auch an die rechtsextremen Morde von Hanau, die Muslimen galten“, sagte der Rabbiner.
„Ich halte es für extrem wichtig, eine Erkenntnis zu vermitteln: Muslime und Juden sitzen im gleichen Boot. Wir werden von Rechtsextremen gleichermaßen antisemitisch oder antirassistisch bedroht. Wir sollten miteinander für eine tolerante Gesellschaft eintreten.“
Foto: , via Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY-2.0
Vertreter von Juden und Muslimen rufen mit Blick auf den Krieg im Gazastreifen zu Besonnenheit auf. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, sagte am Freitagabend in den ARD-Tagesthemen, er mache sich große Sorgen über die Lage in Deutschland.
Auf den Straßen seien derzeit Hass, Gewalt und Antisemitismus zu sehen. Das verurteile er ganz klar und deutlich. Das Vorgehen der Hamas bezeichnete er als einen „schlimmen Terroranschlag“.
Mazyek betonte, er verhehle nicht, dass es auch Muslime gebe, die antisemitisch seien – und das müsse man bekämpfen. Rassismus sei im Islam eine Sünde. Gerade die deutschen Muslime hätten eine besondere Verantwortung – auch gegenüber Juden und Israel.
Muslime und Juden in Deutschland dürften sich nicht auseinanderdividieren lassen. Gerade die Religion biete Möglichkeiten und Formen, Verbindendes und Anteilnahme zu bekunden, beispielsweise durch gemeinsame Friedensgebete. Deshalb habe er am Freitag eine Synagoge besucht.
Foto: © Raimond Spekking, via Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY-SA 4.0
Die Grünen-Parteivorsitzende Ricarda Lang warnt davor, Muslime pauschal zu verdächtigen. „Wir sollten uns davor hüten, alle Muslime unter Generalverdacht zu stellen. Viele Muslime in Deutschland verurteilen den Hamas-Terror ebenfalls“, sagte sie der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Samstag).
Es gebe viele Stimmen aus der muslimischen Community, die sich eindeutig gegen die Hamas positioniert hätten, fügte sie hinzu. Sie hätte sich aber ein „klareres Statement vonseiten der Islamverbände gewünscht“. Diese hätten eine Verantwortung, Antisemitismus entgegenzutreten.
Am Donnerstag hatte sich die Dachorganisation muslimischer Verbände, der Koordinationsrat der Muslime in Deutschland, vom „terroristischen Anschlag gegen die Zivilbevölkerung in Israel durch die Hamas“ distanziert. Dieser Angriff sei nicht zu rechtfertigen.
Lang wies Forderungen nach aufenthaltsrechtlichen Konsequenzen für Antisemiten zurück. „Der Rechtsstaat ist handlungsfähig, er hat die Instrumente, die er braucht, in der Hand. Jetzt geht es darum, sie konsequent anzuwenden. Unsere Sicherheitsbehörden machen hier gerade einen tollen Job“, sagte Lang. Wenn eine Person straffällig werde, die keinen dauerhaften Aufenthaltstitel hat, gebe es bereits die Möglichkeit der Ausweisung.
Berlin (iz, dpa). Am Donnerstag hat sich der Koordinationsrat der Muslime in Deutschland (KRM) mit einer Stellungnahme an die Öffentlichkeit gewandt. Im „Aufruf zur Deeskalation“ wandte sich das Beratungsgremium hiesiger muslimischer Dachverbände an ein weiteres Publikum.
Ein Anlass dafür ist laut dem Text, dass „Religionsgemeinschaften immer wieder, und aktuell mit teils ungeheuren Unwahrheiten an den Pranger gestellt“ würden. Dies zielt auf die gegenwärtige Stimmungslage gegenüber muslimischen Religionsgemeinschaften ab.
Wie direkt nach dem 8. Oktober verurteilt der KRM „den terroristischen Anschlag gegen die Zivilbevölkerung in Israel durch die Hamas“. Man verurteile diesen, er sei „nicht zu rechtfertigen“. Auch sei in den meisten Moscheen am darauffolgenden Freitagsgebet für den Frieden gebetet und zur Deeskalation und Besonnenheit aufgerufen worden.
Aufruf zur Deeskalation https://t.co/Dz7XBeFqTz#Israel #Palästina #Gazastreifen pic.twitter.com/r2thm4nHbA
— Koordinationsrat der Muslime (@KRMuslime) October 19, 2023
„Dennoch erleben wir, dass Teile der Politik, die Beiträge der Religionsgemeinschaften bewusst ignorieren und von ihnen genau das einfordern, was sie ohnehin bereits mehrfach leisten. Es werden bewusst Falschinformationen gestreut, wie die Behauptung, Muslime hätten sich nicht distanziert“, schreibt der KRM.
Dabei werde ausgeblendet, dass es sich bei den Verantwortlichen der Aktion in Berlin-Neukölln am 7. Oktober um „einen marxistisch-nationalistischen Verein“ handle. Dass Muslime sich jetzt für das Vorgehen von Areligiösen verantworten müssten, sei ein Novum sowie eine neue Eskalationsstufe.
Auch hierzu riefen die KRM-VertreterInnen zur Deeskalation auf – nicht nur im Kriegsgebiet, sondern auch in Deutschland. Entwicklungen wie Sympathiebekundungen in der Bundesrepublik sowie den versuchten Brandanschlag auf eine Berliner Synagoge zeigten, „dass dringend Schritte zur Deeskalation unternommen werden müssen. In Gesprächen mit ministeriellen Vertretern in den vergangenen Tagen wurde die zusammenhalt- und friedenstiftende Rolle der islamischen Religionsgemeinschaften betont“.
Es sei selbstverständlich, dass Verherrlichung von Terror und Gewalt „nicht geduldet werden darf“. Dafür gebe es Gesetze und Möglichkeiten des Staates, die konsequent angewandt werden müssten. „Antisemitismus und antimuslimischer Rassismus dürfen wie jede andere Form der Menschenfeindlichkeit keinen Platz in unserer Gesellschaft haben. Als Religionsgemeinschaften setzen wir uns stetig dafür ein, damit der Hass keinen Weg in die Herzen findet.“
Dem Ziel einer Entspannung der Stimmung ist es nach Ansicht des KRM abträglich, wenn „das Eintreten für das würdevolle Leben eines Volkes“ als Terrorverherrlichung definiert würde. „Den Hinweis auf Verhältnismäßigkeit bei der Ausübung des Rechts auf Selbstverteidigung als Relativierung schändlicher Terrorattacken zu deuten und zu unterbinden, hilft nicht den Menschen in Israel und Palästina, die seit Jahrzehnten unter dem Konflikt leiden. Ebenso wenig bietet der Terror einen Beitrag zur Konfliktlösung in der Region.“
Die gegenwärtige Delegitimierung solcher Perspektiven trage nicht zur Deeskalation bei. Dies führe zu „Verunsicherung, Vertrauensverlust und zu einem Ohnmachtsgefühl“.
Foto: KRM, Facebook
Der KRM verurteilt „den Terror gegen die Zivilbevölkerung in Israel durch die Hamas“. Er rufe dazu auf, „die Gewalt zu beenden und die Geiseln unverzüglich freizulassen“.
Er verurteilt „die unsäglichen Angriffe auf jüdisches Leben und Synagogen in Deutschland und stehen dafür ein, dass der Hass nicht Deutschland erreicht. Wir sind solidarisch mit unseren jüdischen Nachbarn. Antisemitismus darf keinen Platz in unserer Mitte haben“.
Er ruft zur militärischen und politischen Deeskalation sowie zum Ende der Gewalt auf. Und wünscht sich von der deutschen und internationalen Politik, „ihre Möglichkeiten für eine Deeskalation wahrzunehmen und dringend nach Wegen zu suchen, um das Blutvergießen schnellstmöglich zu beenden“. Die Staatengemeinschaft müsse eine nachhaltige Lösung des Konflikts herbeiführen.
Muslime in Deutschland seien „Teil der Gesellschaft und leisten einen wichtigen Beitrag für das Gemeinwohl“. Sie seien Teil der Lösung. Neben den KRM-Mitgliedern wurde der Aufruf von den Schuren Hamburg, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Bremen und Schleswig-Holstein sowie der Islamischen Glaubensgemeinschaft Baden-Württemberg unterzeichnet.
Pressebild: IGMG
In der aktuellen Printausgabe „Der ZEIT“ vom Donnerstag erschien ein ganzseitiges Streitgespräch der grünen Bundestagsabgeordneten Lamya Kaddor mit IGMG-Generalsekretär Ali Mete. Darin wiederholt er seine vorherige Zurückweisung des Terrors seitens der Hamas.
„Das ist ein terroristischer Anschlag, ohne Wenn und Aber. Ich bin eigentlich ein sehr nüchterner und ruhiger Mensch, aber manchmal werde ich auch emotional, wie jetzt.“ Seine Gemeinschaft lehne jede Art von Gewalt ab. Für sie sei Unrecht immer Unrecht; ungeachtet, von wem es ausgehe.
Als Teil der islamischen Gemeinschaft und der deutschen Gesellschaft, der hier die historischen Hintergründe gelernt habe, „wenn man also weiß, warum es für Deutschland Staatsräson ist, das Existenzrecht Israels zu verteidigen“, dann sei das „natürlich auch Teil meiner Geschichte hier in Deutschland als Muslim“.
Er fände es persönlich falsch, warf Mete ein, „in dieser hitzigen Situation für Palästina zu demonstrieren“. Kritik an muslimischen Verbänden, wonach sie sich zu spät und zu zögerlich von den Anschlägen distanziert hätten, wies er zurück. Kritik übte Mete am gegenwärtigen Diskussionsklima. „Die Atmosphäre ist gerade nicht gut für eine sachliche Diskussion. Alles ist sehr emotional, und das verstehe ich.“
Existierende positive Zeichen von muslimischer Seite würden übersehen. „Es gab vor wenigen Tagen eine gemeinsame Erklärung der Schura Niedersachsen mit Jüdischen Gemeinde dort zum Krieg im Nahen Osten.“ Das habe er begrüßt. Es habe diverse Besuch von muslimischen Vertretern bei jüdischen Gemeinden gegeben.
(Fiqh of Social Media). Abu Dharr fragte einst den Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben: „Wirst du mich nicht zu einem Anführer ernennen?“ Der Prophet antwortete: „O Abu Dharr, du bist schwach, und es ist eine öffentliche Vertrauensstellung. Wahrlich, am Tag der Auferstehung wird es nur Bedauern hervorrufen, außer für den, der es mit Recht annimmt und seine Pflichten erfüllt“ (überliefert von Muslim). Von Omar Usman & Navaid Aziz
Diese Überlieferung stellt dem Wunsch nach Führung die damit verbundene Verpflichtung gegenüber. Der Gesandte Allahs betonte, dass der Wunsch nach Kontrolle direkt mit dem Verlust von Allahs Hilfe und Beistand verbunden ist: „Bittet nicht um Autorität. Wenn sie dir auf deine Bitte hin gegeben wird, wirst du dafür voll verantwortlich gemacht. Wenn sie dir aber ohne deine Bitte gegeben wird, wird Allah dir dabei helfen“ (Bukhari und Muslim).
Wenn wir dieses Konzept ein wenig weiter ausdehnen, können wir die Idee der Führung in zwei konkurrierende Ansätze (oder Absichten) einteilen: belohnungsbasiert und verantwortungsbasiert.
Es gibt eine gefährliche Karikatur der belohnungsbasierten Führung: das unqualifizierte, inkompetente und egoistische Individuum, das glaubt, dass es trotz mangelnder Qualifikation und Fähigkeiten eine Position verdient hat. Es ist ein bedrohliches Narrativ, weil wir das Bild einer bestimmten Person in unseren Köpfen haben, die wir nicht sind. Deshalb meinen wir, vor ihr sicher zu sein.
Die Realität ist, dass es viel tiefer geht. Es fällt mir auf, wenn ich Interviews mit Sportlern höre, nachdem sie eine Meisterschaft gewonnen haben. Fast immer erwähnen sie, wie hart sie dafür gearbeitet haben.
Das mag einfach klingen, hat aber zwei verheerende Folgen. Erstens untergräbt es die Fähigkeit zur Empathie, denn es impliziert die Annahme, dass diejenigen, die es nicht geschafft haben, ihr Schicksal verdient haben: Weil sie nicht hart genug gearbeitet hätten. Zweitens wird Erfolg (wie auch immer er definiert wird) als ein Preis dargestellt, der als Belohnung für diese harte Arbeit erreicht werden kann.
Foto: Adriana, Adobe Stock
Das Gefährliche an einer belohnungsbasierten Führungsperspektive ist, dass sie von einem Ort der Aufrichtigkeit ausgehen kann. Wir sehen das ständig in muslimischen Organisationen und Gemeinschaften. Wenn wir sehen, dass sich jemand regelmäßig ehrenamtlich engagiert, neigen wir dazu, ihn mit einer formelleren Position mit mehr Autorität zu „belohnen“.
Personen, die Großspender oder Gründungsmitglieder einer Organisation sind, können das Gefühl haben, dass ihnen ein gewisses Maß an Anerkennung gebührt, auch wenn sie keine formelle Rolle mehr innehaben. Wie viele Gemeinschaften werden von einem Gründungsmitglied oder Großspender in die Enge getrieben, der das Sagen hat, obwohl er keine formale Entscheidungsbefugnis besitzt?
Dieser Ansatz ist allgemein als dienende Führung bekannt. Sie wird von dem Gefühl geleitet, die Pflichten der Rolle zu erfüllen – und nicht von persönlicher Leistung. Sie konzentriert sich darauf, die Bedürfnisse der Gemeinschaft über die eigenen zu stellen. Der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte ausdrücklich, dass „der Führer eines Volkes ihm dient“.
Wenn wir dies im Zusammenhang mit seiner Beschreibung von Führung als Amana (anvertrautes Gut) betrachten, wird klar, dass dies die einzige Art ist, wie wir Führung sehen können. Dieser Gedanke wird in dem berühmten Hadith verstärkt: „Jeder von euch ist ein Hirte und für seine Herde verantwortlich. Der Führer eines Volkes ist ein Wächter und ist für seine Untertanen verantwortlich“.
Betrachtet man die Beispiele der Propheten, wird klar, dass Führung immer mehr Mittel als Zweck war. Als die Quraisch dem Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, anboten, ihn zu ihrem Herrscher zu machen, wenn er nicht den Islam verkünde, lehnte er ab. Sulaiman, Friede sei mit ihm, bat um Autorität, und das war ein Mittel, um die Wahrheit zu verbreiten. Jusuf, Friede sei mit ihm, bat um Führung, um ein höheres Ziel zu erreichen.
Menschen, die unter einem Führer stehen, der nach dem Prinzip der Belohnung handelt, können das Gefühl haben, dass der Führer nicht ihr Bestes im Sinn hat. Eine solche Persönlichkeit kann in den Ruf geraten, sich nur um Dinge zu kümmern, die für sie von persönlichem Interesse sind, oder egoistisch zu sein.
Eine Führungskraft, die sich ihrer Verantwortung bewusst ist und entsprechend handelt, wird den gegenteiligen Eindruck erwecken. Sie wird als selbstlos, bescheiden und fürsorglich wahrgenommen.
Foto: Umut Rosa, Shutterstock
Die Fähigkeit, Einfluss zu nehmen und zu überzeugen. Eine Persönlichkeit, die nicht leicht zu beeinflussen ist (wankelmütig). Wenn diejenigen, die religiös verwurzelt und gottesfürchtig sind, weiterhin Führungspositionen in unserer Gemeinschaft meiden, wird das Führungsproblem niemals gelöst. Dass man sich in den Dienst derer stellt, die man führt. Und dass man seine Fähigkeiten weiterentwickelt.
Abu Bakr, möge Allah ihm gnädig sein, fühlte sich nicht bereit für die Position, die er einnahm, aber er war eine beeindruckende Persönlichkeit, als er starb.
Unabhängig davon, ob uns eine Führungsposition anvertraut wird oder ob wir sie anstreben: Die Gefahr liegt in der Weise, wie wir unsere Absichten begründen. Jemand kann wirklich selbstlos sein und als aufrichtiger Diener handeln.
Aber wenn die Menschen ihm weiterhin Feedback geben und ihn loben, kann es passieren, dass er denkt: „Ich bin ein großartiger dienender Führer“ und langsam anfängt, sich eine Belohnung für seine gute Arbeit zu wünschen.
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