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Übermäßiger Konsum: von Verschwendung zur Achtsamkeit

verschwendung konsum

Unnötiger Konsum: Muslime finden in der islamischen Lebenspraxis praktische Umgangsweisen mit dem Phänomen. (Islamic Horizons). Jeder Tag bringt weitere Trends, die sich um die neuesten Must-haves und die aktuellsten Versionen […]

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Junge und Muslime: was heißt das nun für die Linke im Bundestag?

parteien linke

Die Linke feiert ein überraschendes Comeback. Besonders bei jungen und muslimischen Wählern konnte sie punkten. Doch was heißt das jetzt für die Arbeit im Bundestag? Und wie geht es mit der „Mission Silberlocke“ weiter?

Berlin (KNA). Die Linken waren mit 8,8 % der Überraschungssieger bei der Bundestagswahl. Die Partei punktete besonders bei jungen Menschen: Jeder vierte Wähler zwischen 18 und 24 Jahren gab den Linken seine Stimme, 27 % der Erstwähler.

Unter den muslimischen Wählerinnen und Wähler votierten mit 29 % die meisten für die Linken. Was bedeutet das für die Politik der Linken im Bundestag?

muslimischen partei

Foto: annastills, Freepik.com

Die Linke konnte bei Jugend und Muslimen punkten

Luke Hoß zieht für die Linken mit 23 Jahren als Jüngster unter den 630 Bundestagsabgeordneten ins neue Parlament ein, parallel studiert er Jura in Passau. Als Vorbild versteht er sich weniger: „Ich glaube, es braucht nicht unbedingt Vorbilder, sondern eine Politik, die junge Menschen ernst nimmt“, sagt er auf Anfrage.

Beim Sondierungspapier von Union und SPD könne er das nicht erkennen. Seine Social-Media-Kanäle will er auch dafür nutzen, politische Entscheidungen und Abläufe transparenter zu machen. Dazu gehöre auch, den Einfluss von Reichen und Konzernen zu begrenzen: Der Mann mit dem für seine Generation typischen Oberlippenbart gibt sich kämpferisch.

Ähnlich wie andere Parteikollegen kündigte er an, seine Abgeordneten-Diät auf 2.500 Euro im Monat zu begrenzen: „Weil ich finde, dass auch oder vielleicht sogar vor allem Politiker und Politikerinnen spüren sollten, ob die Preise für Butter oder die Miete schon wieder erhöht wurden.“

Der Rest soll an soziale Initiativen, seine Partei oder an Menschen in Not gehen, die in der Hilfesprechstunde der Linken in seinem Wahlkreis um einen Zuschuss bitten – beispielsweise für die Reparatur der Waschmaschine.

Pinkel: witzige Kampagne und Kante gegen AfD

Für den Leipziger Demokratieforscher Gert Pickel haben verschiedene Faktoren zum überraschend hohen Wahlergebnis der Linken geführt. Einerseits die mit Witz und Selbstironie geführte Kampagne in den Sozialen Medien, vor allem auf Tiktok, wo bislang nur die AfD dominant gewesen sei.

Außerdem habe die Linke mit ihren migrationsoffenen Positionen in klarem Kontrast zu den anderen Parteien gestanden, erläutert der Soziologe.

„Dadurch konnte man tatsächlich gerade unter jüngeren Leuten durchaus punkten.“ Die Linke habe zudem als einzige Partei im Wahlkampf Themen statt Köpfe plakatiert: hohe Mieten und Lebenshaltungskosten, niedrige Renten. „Es sind die Themen, die uns an den Haustüren der Menschen genannt wurden“, erklärt Hoß. Sie beträfen Junge wie Alte.

„Das ist eine wichtige linke Politik, die man tatsächlich bei der SPD nur mit Mühe finden konnte und die auch bei den Grünen ein wenig untergegangen ist“, sagt Pickel.

Das deckt sich mit einer Umfrage von Infratest dimap, wonach 95 % der Linke-Wählenden angaben, dass die Partei eine gute Alternative für alle ist, die sich bei SPD und Grünen nicht mehr aufgehoben fühlen. Etwa genauso viele stimmten der Aussage zu: „Bemüht sich am stärksten um sozialen Ausgleich.“

politik muslime entfremdet

Grafik: IZ (Foto: Adobe Stock)

Ramelow: Linke hat Repräsentationslücke unter Muslimen erkannt

Und wie erklärt sich der Zuspruch von den Muslimen? Bodo Ramelow, der voraussichtlich künftige religionspolitische Sprecher der Linken-Bundestagsfraktion, sagt auf Anfrage: „Muslime wie auch Migranten fühlen sie sich in der Gesellschaft und Politik häufig nicht vertreten. Ich sehe uns da in der Pflicht, aus deren Brille auf unser Land zu gucken.“ Es gehe um Förderung von Toleranz.

Im Wahlprogramm sprach sich die Partei gegen ein Verbot religiös motivierter Bekleidung aus, Stichwort Kopftuchverbot. Ramelow betont, Frauen sollten selbst darüber entscheiden – und nicht der Ehemann. „Wir haben sehr unterschiedliche Ausprägungen in den muslimischen Communities und wenn da die Frage der Gleichberechtigung von Frauen unter die Räder kommt – dann muss man darüber reden.“

Außerdem fordern die Linken einen Beauftragten für muslimisches Leben und gegen antimuslimischen Rassismus; das muslimische Zuckerfest soll gesetzlicher Feiertag in Deutschland werden.

„Ich bin sicher, dass wir da auch mit den religionspolitischen Sprechern der anderen Parteien ins Gespräch kommen – es geht schließlich um Respekt und Toleranz gegenüber anderen Religionen.“

Zusammen mit Gregor Gysi und Dietmar Bartsch hatte Ramelow im Wahlkampf die „Mission Silberlocke“ ins Leben gerufen. „Wir Silberlocken werden zusammen auch weiter digital aktiv sein“, kündigte Ramelow an. Daneben verstünden sich die drei als Brückenbauer zwischen den Generationen: „Wir müssen zwischen Alt und Jung auch einen Lernprozess organisieren. Wir müssen voneinander lernen und einander zuhören.“

Junge Linke, die etwa aus der Gewerkschafts- oder Streikbewegung kämen, hätten mitunter eine Erwartungshaltung, dass bestimmte Sachen sehr schnell eigentlich umgesetzt werden müssten. „Aber im Politikbetrieb braucht es auch Geduld und manchmal einen zweiten oder dritten Anlauf – das wollen wir vermitteln und miteinander lernen.“a

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Eine diverse Gemeinschaft: Muslime im britischen Zensus

moschee zensus

Im März 2025 veröffentlichte der Britische Muslimrat (MCB) eine Zusammenfassung des letzten Zensus. Obwohl die Community mit Feindseligkeit zu kämpfen hat, bleibt sie dynamisch.

(iz). Am 25 März dieses Jahres veröffentlichte der Britische Muslimrat (Muslim Council of Britain, MCB) seine Erkenntnisse zur Volkszählung, deren allgemeinen Daten bereits 2022 vorlagen.

„Dieser Bericht hat die internen Veränderungen innerhalb muslimischer Gemeinschaften aufgezeigt, die die Zukunft prägen werden. Ein zunehmender Anteil wird in Großbritannien geboren sein. Unter muslimischen Männern ist ein höheres Maß an Unternehmertum zu beobachten, und ein zunehmender Anteil gut ausgebildeter muslimischer Frauen nimmt ihren Platz auf dem Arbeitsmarkt ein. Diese Veränderungen können jedoch zunichte gemacht werden, wenn sie nicht von Maßnahmen zur Beseitigung von ‘gläsernen Decken’ und Islamfeindlichkeit auf institutioneller Ebene begleitet werden“, schrieb der Dachverband in seiner Zusammenfassung.

Foto: SakhanPhotography, Adobe Stock

Britische Muslime: die zweitgrößte Bevölkerungsgruppe

Derzeit sind Muslime die zweitgrößte Religionsgruppe im Vereinigten Königreich. Ihre Anzahl stieg in Großbritannien von 2,7 Mio. (4,9 %) im Jahr 2011 auf knapp 4 Mio. (6,0–6,5 %) im Jahr 2021, was einem Anstieg von 43-44 % innerhalb eines Jahrzehnts entspricht. In der Hauptstadt machen sie 15 % der Bevölkerung aus, was den höchsten Anteil in einer Region des Landes darstellt.

Zu den Großstädten mit hohem Bevölkerungsanteil zählen London, Birmingham, Leicester, Bradford, Walsall und Oldham. In Kommunen wie Leicester und Birmingham stellen ethnische Minderheiten, darunter Muslime, mittlerweile die Mehrheit der Bevölkerung.

94 % derjenigen, die in England und Wales zur Welt kamen, bekundeten ein starkes britisches Nationalgefühl. Zum ersten Mal sind die meisten von ihnen im Vereinigten Königreich geboren (50 %), wobei der Anteil in einigen Städten noch höher ist (z.B. Bradford 65 %).

Innerhalb der Communities bilden die asiatischen/asiatisch-britischen Einwohner die größte Einzelgruppe (2,6 Mio., 66 %). Aber alle anderen Ethnien sind ebenfalls vertreten. Muslime sind ein Kaleidoskop von Gemeinschaften mit einer inneren Vielfalt, die einen Mikrokosmos der Gesamtgesellschaft darstellt – 234.000 von ihnen wurden ethnisch als „weiß“ klassifiziert.

Jünger als der Durchschnitt

Wie in anderen westeuropäischen Ländern unterscheidet sich ihr Altersdurchschnitt von dem der Gesellschaft als solcher. Ihr Durchschnittsalter lag zum Zeitpunkt der Befragung bei 29 Jahren. Das sind 15 weniger als der Rest.

Der MCB bezeichnete diesen Aspekt als „demographische Dividende“. So könnten Lücken auf dem Arbeitsmarkt geschlossen werden. Das trage seinerseits zur Finanzierung des kreativen und unternehmerischen Geistes bei.

Foto: Humza Yousaf, Twitter

Angesichts der sozioökonomischen Herausforderungen sowie der anhaltenden Diskriminierung und Muslimfeindlichkeit in Großbritannien diskutieren britische Muslime intensiv darüber, was sich bei ihnen verändern müsste.

In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Anadolu Ajansi sagte Humza Yousaf, ehemaliger schottischer Regierungschef, man müsse in zukünftige Führer auf den Gebieten Politik, Business und Medien investieren. Nur so könne man bspw. besser Probleme wie Islamophobie handhaben.

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Islampolitik: Noch fehlt es der Koalition an einer Leitlinie

koalition Islampolitik

Islampolitik: Bisher hat die neue Koalition kein Konzept oder konstruktive Leitlinien in der Kommunikation mit Deutschlands Muslimen. (iz/KNA). Am 9. April stellte die künftige Regierungskoalition von Union und SPD ihre […]

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Ist Utopie wirklich eine Lösung?

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Kommentar: Angesichts komplexer und herausfordernder Verhältnisse setzen setzen viele Muslime auf Utopien. Ist das eine Lösung? (iz). In der islamischen Lehre und Praxis gibt es eine Aussage, wonach eine Stunde […]

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Gemeinschaft ist für uns wesentlich

gemeinschaft

Als Muslime sind wir unsere Lebenspraxis wesensmäßig auf Gemeinschaft angewiesen. Die ‘Ibada im Kreise von anderen hat einen höheren Wert.

(iz). Allahs Din solo oder in Kleingruppen zu praktizieren, ist in vielerlei Hinsicht eine Gefahr. Die Wahrheit ist: Ihn kann man nicht wirklich allein praktizieren. Im „sich absondern“ oder im „Einzelgängertum“ liegt wenig Gutes.

Ibn ‘Ajiba rät in seinem berühmten Klassiker über die Grundlagen des Islam „Al-Futuhat Al-Ilahija“:

„Wer von den Brüdern abgesondert und mit sich selbst beschäftigt ist, von ihm kommt nichts. Die Muminun sind wie Schafe: Wenn eines vom Rest der Herde getrennt ist, wird es zum Ziel der Wölfe. Allah der Erhabene hat uns aufgefordert, zusammen zu kommen, indem Er sagt: ‘Kommt zusammen für die rechten Handlungen und Taqwa. Kommt nicht zusammen für die falschen Handlungen und Übertretungen.’“

frauen Recht extreme

Foto: Alessandro Biascioli, Adobe Stock

Wer allein lebt, neigt zu Extremen und zu Härte mit den anderen Muslimen. Ibn ‘Ajiba erwähnt einige Aussprüche des Gesandten Allahs, die uns erinnern, dass die Muslime normalerweise in Gemeinschaft leben: Der Prophet, möge Allah ihm Segen und Frieden geben, sagte: „Die Hand Allahs ist mit der Gemeinschaft.“

Von Mu’awiya wurde überliefert, möge Allah mit ihm zufrieden sein:

„Der Prophet, möge Allah ihm Segen und Frieden geben, ging hinaus und kam zu einem Kreis seiner Gefährten. Er sagte: ‘Was hat euch dazu gebracht, zusammen zu sitzen?’ Sie antworteten: ‘Wir saßen zusammen, um Allah zu gedenken und Ihn dafür zu lobpreisen, dass Er uns zum Islam geführt hat, und für das, was Er uns gegeben hat.’ Der Prophet sagte: ‘Bei Allah! Ist es das, was euch dazu gebracht hat, zusammenzusitzen?’ Und sie antworteten: ‘Bei Allah, es ist das, was uns dazu gebracht hat, zusammenzusitzen.’ Er sagte zu ihnen: ‘Ich ließ euch nicht schwören, um euch anzuklagen, aber Dschibril kam zu mir and sagte mir, dass Allah stolz auf euch ist und euch den Engeln als Beispiele nennt.’“

türen scham dhikr

Foto: B. Lund, IZ Medien

Der Prophet, möge Allah ihm Segen und Frieden geben, sagte:

„Wer zusammenkommt, um Allah, dem Mächtigen, dem Majestätischen zu gedenken, und damit nichts anderes beabsichtigt als Sein Antlitz, denjenigen wird ein Rufer von den Himmeln rufen und sagen: ‘Erhebt euch! Euch ist alles vergeben. Eure falsche Handlungen sind in gute Handlungen verwandelt worden.’“

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Kampf gegen Rassismus bleibt aktuell

Rassismus diskrimninierung

Regelmäßige Diskriminierungserfahrungen bei Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religionen: Das stellt auch in diesem Jahr ein Rassismusmonitor fest. (iz/KNA). Muslimische Frauen und schwarze Menschen berichten einer Studie zufolge häufig über Diskriminierung […]

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War das Diskriminierung?

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Mehr denn je beschweren wir Muslime in Deutschland uns über diskriminierende und rassistische Erfahrungen. Ein Essay mit wichtigen Fragen und Erkenntnissen, die überraschen könnten.

(iz). Und es hat niemanden überrascht, dass diskriminierende und rassistische Vorfälle gegenüber Muslimen in Deutschland zugenommen haben und immer noch zunehmen. Wir fühlen uns als Opfer. Von Azizah Seise & Ahmet Aydin

Die Kommentarspalten in den Sozialen Medien sind voll von Angst, Hilflosigkeit, aber auch Ärger, Wut und Zorn über diesen Zustand. Die Schuld liege ganz klar bei den Anderen, den Bio-Deutschen, den Almans, den Kartoffeln, den Nazi-Enkeln. So lassen wir uns über unsere Mitmenschen aus und scheren selbst alle über einen Kamm. 

Claudia Azizah: Es ist einige Jahre her. Ich stehe in Dresden an einer Strassenbahnhaltestelle, zusammen mit meinem Mann und dem Kinderwagen. Ich trage Kopftuch. Ein älterer Mann läuft vorbei. Sieht mich an und spuckt ohne Vorwarnung in meine Richtung. Er trifft mich. Galt dieser Angriff mir? 

Ahmet Aydin: Ich bin als Gästebetreuer tätig. Ein Gast spricht mich auf die niedrigeren Löhne im Osten Deutschlands an. Ich sage ihm, dass ich mich mit den Unterschieden nicht beschäftigt habe. Plötzlich sagt er: „Ach komm, Du bist doch auch Ausländer.“ Will er mir sagen, dass ich, wie Menschen aus dem Osten, benachteiligt werde?

Claudia Azizah: Ich bin 17 Jahre alt und laufe durch mein Wohnviertel in Leipzig. Ich bin noch nicht Muslimin, falle mit meiner Kleidung trotzdem auf. Ich bin ein Hippie, trage bunte Sachen und lange offene Haare. Es ist November und um 18 Uhr schon dunkel. Ich laufe von der Haltestelle nach Hause und treffe auf eine Gruppe von jungen Neo-Nazis mit Bomberjacke, Springerstiefeln, Glatze und jungen Frauen mit kurzen Haaren. Ich kenne diese Menschen nicht. Eine dieser Frauen tritt auf mich zu und schreit mich ohne Vorwarnung an, beschimpft mich. Dann holt sie aus und verpasst mir eine schallende und schmerzhafte Ohrfeige. Die jungen Männer in der Gruppe halten sie zurück: „Diese Schlam… ist es nicht wert.“ Sie ziehen die Frau weiter. War das Diskriminierung aufgrund meines Äußeren? Galt dieser Angriff mir?

Ahmet Aydin: Es ist die Zeit nach 2015. Unzählige Menschen flüchten aus Syrien. Deutschland nimmt eine beachtliche Anzahl auf. Ich bin an einem Bahnhof und sehe, wie viele geflüchtete Menschen dort sitzen und in Schlafsäcken liegen. Die Polizei ist präsent und kontrolliert Pässe und Ausweise. Ich sehe wie vor mir zwei Punks, so nannte man sie in meiner Schulzeit, kontrolliert werden und will intuitiv meinen Ausweis hervorholen. Ich schaue, wo mein Portemonnaie ist, in meiner Brusttasche oder in meiner Tasche. Ich finde es nicht. Die Polizisten schauen mich an und winken mich weiter. Ich müsse nicht kontrolliert werden. Ich wurde in der Vergangenheit öfter für einen Syrer gehalten. Wieso wurde ich das in dieser Zeit nicht, obwohl eine Kontrolle nachvollziehbar gewesen wäre?

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Foto: mpix-foto, Adobe Stock

Claudia Azizah: Ich sitze mit meinem nicht-deutschen und nicht-europäisch aussehenden Mann in der Ausländerbehörde. Wir werden von der Sachbearbeiterin aufgerufen. Sie scheint schlecht gelaunt zu sein, ist unhöflich. Die Art, wie sie unsere Ausweispapiere zum Identitätsabgleich fordert, hinterlässt ein ungutes Gefühl im Magen. Ich habe Angst: Was ist, wenn sie meinem Mann den Aufenthaltstitel verwehrt? Darf sie das? In meinem Kopf ist Kopfkino. Hat sie mich gerade missbilligend angeschaut? Vielleicht wegen meines Kopftuches? Ich gebe ihr meinen Ausweis. Sofort ändert sich ihre Stimmung. Auf einmal ist sie freundlich, fast zuvorkommend. Lag das an meinem Doktortitel, der auf dem Ausweis vermerkt ist? Wie wäre der Termin ohne diesen Titel verlaufen? War ich nur zu aufgeregt und deshalb überempfindlich, was mögliche negative Energien betrifft? Oder war es doch an der Grenze zu einer Diskriminierungserfahrung? 

Ahmet Aydin: Die Augen beginnen zu strahlen, wenn ich sage, dass ich Germanistik und Philosophie studiert habe. Sowohl bei Menschen, die deutsch aussehen, als auch bei Menschen, die ausländisch aussehen. Einmal war ich an der Kasse im Supermarkt. Die Kassiererin trägt kein Kopftuch, aber sieht ausländisch aus. Die Person vor mir in der Schlange, mit Kopftuch, spricht gebrochen Deutsch. Die Kassiererin schimpft über ihr schlechtes Deutsch. Dann blickt sie mich an und sagt: „Aber Sie können Deutsch.“ Ich bin wütend darüber, wie sie die Person vor mir behandelt hat und antworte bewusst herablassend: „Ja, ich habe es studiert. Also besser als Sie!“ Die Kassiererin schaut mich ab diesem Zeitpunkt nicht mehr an, wenn ich im Supermarkt bin. Bekämpfen sich Menschen, die ausländisch aussehen, um von Deutschen geliebt zu werden?

Claudia Azizah: Oft besuche ich die ostdeutsche Kleinstadt, wo meine Großmutter wohnt. Erst seit einigen Jahren gibt es dort wenige Muslime oder als Muslime gelesene Menschen. Als Frau mit Kopftuch war und bin ich dort immer ein „Hingucker“. Gucken die Menschen böse, missbilligend, herablassend? Schauen sie rassistisch, hasserfüllt? Ich wag es nicht zu sagen. Das wäre meine Interpretation. Ich weiß, dass meine ostdeutschen Landsleute häufig nicht gerade den freundlichsten Blick haben. Das liegt nicht an mir und nicht am Kopftuch. Sie schauen einfach oft grummelig, schlecht gelaunt. Würde man ihnen einen Spiegel vorhalten, wären sie wahrscheinlich selbst erschrocken. Interessant ist, dass ich nie eine negative Reaktion auf ein freundliches „Guten Tag“ oder ein lächelndes Nicken bekommen habe. Im Gegenteil. Man kommt sogar ins Gespräch und das Stück Stoff auf dem Kopf guckt sich weg. Welche Erfahrung würde ich machen, wenn ich ähnlich gucken würde wie sie? Wie würde ich mich fühlen, wenn ich ihren Blick auf mich bezöge?

Ahmet Aydin: In Deutschland lächeln die Menschen nicht so häufig. Das bestätigen Italiener oder Spanier auch. Früher dachte ich immer, „die“ Deutschen lächeln nicht, weil ich ausländisch aussehe. Dann sagte mir ein Rabbiner, der ziemlich deutsch aussieht, dass es in Deutschland einfach so ist. Die Menschen merken das gar nicht. Ich hatte es aber oft darauf bezogen, dass ich ausländisch aussehe und sofort Rassismus attestiert. Schaffe ich mir durch meine eigenen Gedanken so das Ungeheuer, über das ich mich im Anschluss rechthaberisch beklagen will? Würde ich die Ungeheuer des Rassismus einschläfern, wenn ich schöner von meinen Mitmenschen denken würde? Oder kann ich das nur sagen, weil ich kein Kleidungsstück trage, das fremd anmutet? Liegt es an meinem Äußeren, wie ich behandelt werde oder an meiner Sprache? War zuerst das Ei da oder das Huhn? Wie schickt es sich Menschen, und seien sie noch so rassistisch, zu behandeln?

Foto: Prostock-studio, Shutterstock

Das sind unsere Erfahrungen. Die Erfahrung einer deutschstämmigen Muslimin und eines türkischstämmigen Muslims in Deutschland. Warum erfahren wir als muslimische Gemeinschaft mehr und mehr Diskriminierung, ja sogar Rassismus? Es ist ein realexistierendes Phänomen. Das können wir nicht abstreiten.

Doch ist es sehr wichtig zu verstehen, dass alles, was wir erfahren und erleben, jede Ungerechtigkeit, die wir von anderen Menschen erfahren, letztendlich von Allah kommt. Das möchten wir oft so nicht wahrhaben. Doch alles kommt von Allah. Die anderen Menschen sind ein Werkzeug für das, was uns widerfahren soll und was seit Urzeiten geschrieben steht. Das macht es auf keinen Fall gut. Diskriminierung und Rassismus sind schlecht und wir müssen das Schlechte als solches benennen.

Gleichzeitig sollten wir überlegen, was wir daraus lernen können. Wir müssen Innenschau halten. Ist Diskriminierung und Rassismus in unseren muslimischen Gemeinschaften abwesend? Hält uns Allah gar einen Spiegel vor? Sind für uns wirklich alle Muslime gleichwertig? Oder blicken wir auf den schwarzen Bruder aus Afrika herab? Sind Sie empört das zu lesen? Oder ist der asiatische Bruder doch nicht passend für unsere türkischstämmige Tochter, obwohl er Hafiz und ein gottesfürchtiger und rechtschaffener Muslim ist? Sind Sie empört das zu lesen? Oder ist der türkischstämmige Muslim unwürdig für unsere Tochter, weil er kein Arabisch spricht? Sind Sie empört das zu lesen? Sind das nicht Beispiele aus der muslimischen Realität heutzutage?

Nur Allah weiß, ob es zwischen unserer eigenen diskriminierenden und rassistischen Einstellung und unseren Erfahrungen mit Rassismus und Diskriminierung eine Korrelation gibt. Das maßen wir uns nicht an zu beurteilen. Jedoch sollte uns, als Muslime in Deutschland, bewusst sein, dass die Opferrolle keine gute Rolle ist. Wir müssen Unrecht verurteilen und strafrechtlich verfolgen, ja. Es darf uns jedoch auf keinen Fall lähmen, darf nicht unseren guten Charakter verändern, unsere Freundlichkeit in Hass verwandeln. 

Allah sagt im Qur’an: „Allah wird den Zustand einer Gesellschaft nicht ändern, bis sie sich selbst ändern.“ (Ar-Ra’d, Sure 13, 11). Können wir uns selbst, unser Inneres ändern und verbessern, um unsere gesellschaftliche Situation in Deutschland zu ändern und zum Guten zu wenden? Lehnen wir die von Allah erschaffenen schlechten Taten ab und wählen die guten Taten? Wir haben als Menschen die Wahl. 

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Konvertiten und Gemeinschaft – es gibt noch Luft nach oben

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Thema Gemeinschaft: Nicht alle Muslime finden die nötige Unterstützung durch die Community. Dazu gehören u.a. auch Konvertiten. (iz). Muslime im Westen – zumeist Einwanderer bzw. ihre direkten Nachfahren – haben […]

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Was könnte uns die neue Koalition bringen?

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Während die Koalitionsverhandlungen verlaufen, fragen sich Muslime, was die Folgen für sie sein werden. (iz). Nach der Konstituierung des neuen Bundestages wollen Union und SPD möglichst schnell und reibungslos eine […]

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