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IZ-Begegnung: Wie könnte eine theologische Perspektive auf Muslimfeindlichkeit aussehen?

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„IZ-Begegnung“ mit der Juristin Dr. Menekşe Çitak über Muslimfeindlichkeit, ihre theologische Dimensionen und warum Muslime sich nicht ihrer Verantwortung entziehen können. (iz). Dr. Menekşe Çitak wurde als Kind türkischer Eltern […]

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Verunsicherung in Murcia: Muslime in Südspanien

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Es brodelt im Süden Spaniens: Dort kippt die Stimmung in der Bevölkerung. Ein kontroverser Stadtratsbeschluss heizt das Klima zusätzlich an. (KNA/iz). Die muslimische Gemeinde in der südspanischen Region Murcia ist […]

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Muslimfeindlichkeit: In Großbritannien wird ernsthaft um Definitionen diskutiert

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Großbritanniens Regierung will eine neue Begriffsbestimmung von Muslimfeindlichkeit. Und hat dafür eine Arbeitsgruppe aus Politik, Wissenschaft und unabhängigen Experten eingerichtet, die eine Definition ausarbeiten soll. (The Conversation). Damit sollen anti-muslimische […]

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Monheim: Nachdenken über Muslimfeindlichkeit

Monheim

Beim diesjährigen Monheimer Fachtag wurde engagiert über das Phänomen und Gegenmaßnahmen diskutiert.

(iz). An einem brütend heißen Tag begann am 1. Juli in der Aula am Berliner Ring der rheinischen Kleinstadt Monheim der diesjährige Fachtag zum Thema antimuslimischer Rassismus. Die Veranstaltung, organisiert vom Forum muslimischer Zivilgesellschaft (FmZ NRW), wurde durch das Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration gefördert. Ministerin Josefine Paul eröffnete gemeinsam mit Oberbürgermeister Daniel Zimmermann, dem Gastgeber vor Ort, den Fachtag mit einer engagierten und fachkundigen Begrüßungsrede.

In der nur teilweise gefüllten Halle war die Tagung in ein vielfältiges Rahmenprogramm eingebettet. Dieses umfasste Impulsreferate und Einführungsvorträge von Dr. Sabine Schiffer sowie dem Soziologen Aladin El-Mafaalani, ergänzt durch ein kulturelles Begleitprogramm.

Den Abschluss bildete die Verleihung des Marwa El-Sherbini-Preises NRW 2025. Aus den Nominierten in drei Kategorien wählte die Jury in diesem Jahr Dr. Erika Amina Theißen (BfmF Köln), Daniel Zimmermann und die CLAIM Allianz als Preisträger:innen aus.

Gelungener Event

Zusammenfassend war dieser Fachtag erfolgreich. Die geladenen Impulsredner, das erste Podium sowie die Gesprächsrunde zum Thema Medien (leider mit Abstrichen) lieferten wichtige Impulse und leisteten im besten Sinne Bildungsarbeit.

Die Atmosphäre in den Gesprächskreisen war so harmonisch, dass eine breit angelegte Auseinandersetzung unterschiedlicher Standpunkte ausblieb. Unabhängig von variierenden Sichtweisen gebührt dem Bemühen, Betroffene von Muslimfeindlichkeit – darunter 70 % Frauen – nicht allein zu lassen, Respekt.

Foto: FmZ NRW, 2025

Bei dem Treffen der muslimischen Zivilgesellschaft fiel auf, dass das Thema mit einem begrenzten Maß an Meinungsvielfalt oder inhaltlichen Widersprüchen behandelt wurde. Allenfalls die pointierte Tonlage von Dr. Özcan Karadeniz (DeZIM) im ersten Plenum bildete eine Ausnahme. Inwieweit die in Monheim geführten Diskurse umfänglich vom breiten Kern der Community und praktizierenden MuslimInnen getragen werden, ist offen.

Die ReferentInnen räumten ein, dass das Monitoring von Diskriminierung stärker an die Bedarfe der betroffenen Communitys angebunden und ihre Angebote entsprechend angepasst werden müsste. Dieses Eingeständnis verdeutlicht die Lücke zwischen jener Zivilgesellschaft und realen Gemeinschaften.

Nicht diskutiert wurde die Frage nach der langfristigen Finanzierung solcher Einrichtungen: Beispiele aus dem Ausland und ostdeutschen Kommunen zeigen, wie politische Umbrüche oft zu einem abrupten Förderstopp führen.

Was tun mit der steigenden Muslimfeindlichkeit?

Im Juni veröffentlichte die CLAIM Allianz ihr Lagebild zur Muslimfeindlichkeit 2024. Dabei dokumentierten sie u.a. einen Anstieg von 60 % sowie, dass auch in diesem Zeitraum Musliminnen mit 70 % die größte Zahl der Betroffenen stellte (siehe unsere Berichterstattung in print, online und auf YouTube).

Insofern passte es, dass das entscheidende Podium zum Thema als Gespräch über die „institutionelle Reaktion auf anti-muslimischen Rassismus – Was kann eine Meldestelle leisten?“ konzipiert war. In der Runde befragte Halide Öztürk, Diplompädagogin, stellvertretende Bundesvorsitzende des SmF e.V. sowie Integrationsbeauftragte der NRW-Stadt Kaarst, ihre Gäste. Der erste Sprecher war Prof. Dr. Kemal Bozay von der Melde- und Dokumentationsstelle für antimuslimischen Rassismus (MEDAR). Es gehe darum, „die Diversität der verschiedenen Rassismusdimensionen sichtbar zu machen“.

Seiner Meinung nach ist „letztlich ein sehr gutes Produkt entstanden“. Unter diskriminierung-melden.nrw erhalten Betroffene Zugang. Sowohl Staat wie Öffentlichkeit seien an dem Projekt interessiert. Aber nicht nur. Es habe im „rechtspopulistischen und extrem rechten Lager“ Gegenbewegungen und vereinzelt Bedrohungen gegeben.

In anderen Kontexten habe man „durchaus Solidarität“ erfahren. In seinen Augen würden solche Meldestellen ein wichtiges Signal senden. Denn man wolle, dass antimuslimischer Rassismus in der Gesellschaft sichtbar gemacht wird. Der deutsch-kurdische Soziologe verwies darauf, dass diese Form der Diskriminierung längst institutionelle Ausmaße angenommen habe.

Batoul Abu-Yahya, Sozialwissenschaftlerin und Aktive aus Berlin, stellte im Namen von CLAIM dar, wie das aktuelle „Lagebild“ ihrer Einrichtung entsteht und welche Rolle das Netzwerk der Meldestellen dabei spielt. Meldungen nimmt der Verein per E-Mail entgegen; hinzu kämen Fälle, die bei den 26 Mitgliedsorganisationen eingingen. „Gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen arbeiten wir mit einem einheitlichen Kategoriesystem, das überall identisch angewendet wird. Je nachdem, wie ein Fall eingestuft wird, wird er in unser System aufgenommen.“ Dabei sei „ganz klar“, dass die Dunkelziffer „immens“ sei.

Innerhalb spiele Vernetzung eine zentrale Rolle. Es sei offensichtlich, „dass ohne Zivilgesellschaft nichts funktioniert“ – und ebenso wenig, ohne die Betroffenen „direkt abzuholen“. Neben Monitoring (der Erfassung und Dokumentation von Vorfällen) sei die Netzwerkpflege von wichtig. Batoul Abu-Yahya betonte, dass man seit Kurzem verstärkt auf Themen wie Fortbildung, Sensibilisierung für antimuslimischen Rassismus und „Empowerment“ setze.

Sie sprach außerdem ein Problem an, das weit über die Tagungs- und FmZ-Mitglieder hinausreicht: Viele Vereine und Initiativen müssten sich „von Projekt zu Projekt hangeln“, oft ohne nachhaltige Finanzierung. Das wirke sich nicht nur nachteilig auf zivilgesellschaftliche Strukturen aus, sondern führe bei den Organisationen zu Unsicherheiten. Einerseits müsse geplant werden, andererseits würde man gerne Mitarbeitende längerfristig halten können.

AfD demos

Foto: Shutterstock.com

Meryem Mesfin ist engagierte Bildungsreferentin, Politologin und Poetry-Slammerin. Im Rahmen des Monheimer Fachtags vertrat sie die IHG Düsseldorf und brachte ihre Expertise aus Studium und Praxis in die Diskussion ein.

Im Gespräch mit Betroffenen antimuslimischer Diskriminierung stellte sie eine deutliche Diskrepanz zu gesellschaftlichen Umfeldern fest, in denen dieser nicht einmal als reales Problem anerkannt wird. Sowohl in politischen Auseinandersetzungen wie im Alltag werde Muslimfeindlichkeit weiter normalisiert. Sie bemängelte, dass sich die Debatte um Meldestellen vor allem auf deren Einrichtung verharre, während notwendige Konsequenzen aus dokumentierten Vorfällen ausblieben.

Prof. Dr. Michael Kiefer ist Professor für Soziale Arbeit in der Migrationsgesellschaft mit dem Schwerpunkt muslimische Wohlfahrtspflege am Institut für Islamische Theologie (IIT) Osnabrück. Zu seinen Lehr- und Forschungsschwerpunkten zählen Soziale Arbeit und Migration, Wohlfahrtspflege, Radikalisierungsprävention und Deradikalisierung sowie die Forschung zu Antisemitismus und Islamismus.

Aus seiner Sicht können staatliche Akteure und Institutionen beim Thema antimuslimischer Rassismus sowohl Teil des Problems wie der Lösung sein. „Oftmals sind sie beides zugleich.“. Es sei zu begrüßen, wenn Länder wie NRW entsprechende Einrichtungen trügen. Allerdings mangele es an kompetenter und niedrigschwelliger Beratung. Parallel herrsche im Umgang mit Muslimfeindlichkeit eine „anhaltende Stagnation“.

Nach seiner Einschätzung hätten die Stellen zur Erfassung vier Aufgaben: Erstens die Unterstützung der Betroffenen. Zweitens die Sensibilisierung der Gesellschaft für das Thema Diskriminierung – hier bestehe „enorm großer Bedarf“. Drittens lieferten die Meldestellen der Politik wichtige Zahlen und Daten, die eine gezielte Intervention ermöglichen. Viertens leisten solche Einrichtungen einen Beitrag zur sozialen Teilhabe.

Dr. Özcan Karadeniz arbeitet am Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM). Die 2017 gegründete Stelle hat es sich zur Aufgabe gemacht, belastbare Datengrundlagen zu Themen wie Migration, Integration und Rassismus bereitzustellen. „Das bedeutet auch, dem Politikbetrieb eine empirische Basis zur Seite zu stellen“, so Karadeniz – valide Daten, auf denen Debatten im Land geführt werden können.

Für ihn ist nachweisbar, dass Schwankungen und Anstiege von Muslimfeindlichkeit mit „sogenannten Diskursereignissen“ zusammenhängen. Darunter versteht er spezifische soziale Strukturen, „die nach einer Aufmerksamkeitsökonomie funktionieren und gezielt Affekte sowie Emotionen mobilisieren“. Solche Auslöser können bspw. einschneidende Extremereignisse wie 9/11 sein, oder alltägliche Debatten, etwa im Zuge neuer Gesetzgebungsverfahren.

Empirisch lasse sich belegen, dass „kurz nach solchen Diskursereignissen der Anstieg an Gewalt zunimmt“. Zudem, so Karadeniz unter Verweis auf den aktuellen Bericht der EU-Grundrechteagentur (FRA), liege die Dunkelziffer antimuslimischer Vorfälle um ein Vielfaches höher als die offiziell gemeldeten Übergriffe.

ostdeutschland Brandenburg Gebet Muslime osten

Foto: Verein der Muslime in Potsdam e.V.

Fehlende Fragen

Ohne in Grundfragen abzugleiten, blieben selbst immanente Punkte ausgespart. Die Beiträge boten als Quintessenz kaum mehr als die Hoffnung auf die abstrakten Größen „Staat“ und „Gesellschaft“. Bei diesem etatistischen Denken setzten die Repräsentanten auf beide Abstraktionen als Lösung, während sie in der Analyse als Ursache genannt werden.

Wenn SprecherInnen wie Dr. Schiffer als Abhilfe für „Projektitis“ auf verstärkte „Institutionalisierung“ setzen, stellt sich die Frage nach Machbarkeit und Alltagstauglichkeit in der Polykrise. Machtverschiebungen deuten an, dass der Erhalt geförderter Projekte – um gar nicht von Ausweitung und Verstetigung zu sprechen – vom Willen der Geldgeber abhängt. Gegenwärtige Kulturkämpfe zeigen, wie sensitiv solche Finanzstrukturen von Machtverhältnissen abhängen.

Auch die in Monheim anwesende „Zivilgesellschaft“ wird nicht umhinkommen, bestehende Dynamiken anzuerkennen. Um das Gesamtbild der praktizierenden Muslime abzubilden, kommt sie nicht ohne den Input der Gemeinschaften sowie der repräsentativen Selbstorganisation aus.

Schon Prof. Dr. Yahya Birt hat für Großbritannien aufgezeigt, dass es einen kategorialen Unterschied zwischen Aktivismus und Repräsentation gibt. Diese Differenz gilt, selbst wenn die eine oder andere NGO für sich beansprucht, „im Namen der Muslime…“ zu sprechen.

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Mamdani steigt auf. Muslimfeindlichkeit steigt an

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Die Aussicht, dass die New Yorker im November Zohran Mamdani zum Bürgermeister wählen könnten, hat eine Welle paranoider Äußerungen ausgelöst, darunter auch islamfeindliche Kommentare. 

(IPS/iz). Zohran Mamdani, 33 Jahre alt, hat überraschend und mit deutlichem Vorsprung die demokratische Vorwahl zur Bürgermeisterwahl in New York City gewonnen. Er wäre das erste indisch-amerikanische und muslimische Oberhaupt der Stadt. Er setzte auf einen Wahlkampf von unten mit über 50.000 Ehrenamtlichen, Tür-zu-Tür-Aktionen und starker Präsenz in sozialen Medien. Von Thalif Deen & Ali Kocaman

Seine zentralen Themen sind kostenloser Nahverkehr, stabile Mieten und bezahlbare Lebensmittel. Trotz geringer finanzieller Mittel besiegte er den etablierten Ex-Gouverneur Andrew Cuomo und mobilisierte viele Erstwähler, auch in konservativen Vierteln. Unterstützt wird er von Bernie Sanders und Alexandria Ocasio-Cortez.

Ein Rechtsradikaler warnte fälschlicherweise, dass Zohran Mamdani, der kürzlich die Vorwahlen der Demokraten zum Bürgermeister gewonnen hatte, die islamische Scharia in den Gesetzbüchern der fünf Stadtbezirke von New York einführen könnte – mit Steinigung von Ehebrechern in der Öffentlichkeit.

Unterdessen schaltete sich Präsident Trump, wie nicht anders zu erwarten, in die Debatte ein und bezeichnete den jungen Aufsteiger als „kommunistischen Irren“.

Diese Bemerkung war eine düstere Erinnerung an die Ausbreitung des „McCarthyismus“ in den USA in den frühen 1950er Jahren: eine Kampagne gegen angebliche Kommunisten in der US-Regierung und anderen Institutionen.

Der 33-jährige demokratische Sozialist und Social-Media-Star, ist derzeit Mitglied der Stadtverordnetenversammlung für den 36. Bezirk mit Sitz im Stadtteil Queens. Er wurde in Kampala, Uganda, geboren und sein zweiter Vorname ist eine Hommage an Kwame Nkrumah, einen politischen Theoretiker und Revolutionär, der von 1957 bis 1966 Premierminister der Goldküste (später Ghana) und Präsident war.

Dr. James E. Jennings, Präsident von Conscience International, meinte gegenüber IPS: „Wenn New York wirklich eine Weltstadt ist, sollte ein muslimischer Bürgermeister eine willkommene Entwicklung sein. Ein Viertel der Weltbevölkerung und fast 10 % der Einwohner New Yorks sind Muslime. Wo sonst als im Big Apple könnten die Vereinigten Staaten ihre Gründungsprinzipien der Freiheit und Gerechtigkeit für alle besser demonstrieren?“

Zuerst faszinierte die Welt der Schrecken von 9/11, dann übernahm New Yorks berüchtigtster Playboy in Washington das Ruder, was weltweite Auswirkungen hatte. Vielleicht könnte jetzt ein vorbildlicher US-Bürger wie Mamdani, der zufällig Muslim sei, die aktuelle Politik auf rationalere und moralischere Weise führen.

Seine Wahl könnte dazu beitragen, die zerrütteten Beziehungen zu den 50 mehrheitlich Ländern der islamischen Welt zu reparieren und die US-Politikgestaltung aus ihrem derzeitigen Chauvinismus herauszuführen, sagte er.

Foto: Z. Mamdani/X

Vorurteile gegenüber Muslimen seien untrennbar mit der Politik im Nahen Osten verflochten. Eine klare Stimme wie diese wäre notwendig, um sich für Gerechtigkeit einzusetzen. „Diejenigen in der jüdischen Gemeinde New Yorks, die die Abkehr der Likud-Partei von den Gründungsprinzipien Israels bedauern und den Völkermord in Gaza verurteilen, haben offenbar bereits beschlossen, für den progressiven Kandidaten zu stimmen“, sagte Dr. Jennings.

Ian G. Williams, Präsident der Foreign Press Association (FPA), erklärte gegenüber IPS, Mamdanis größter Vorteil im Kampf um die Wählergunst sei, dass er Fragen direkt und sachlich beantworte, ohne sich umzuschauen, was seine Geldgeber und PACs davon halten. Aktionskomitees und Super-PACs spielen eine wichtige Rolle in Wahlkämpfen, indem sie Geld sammeln und ausgeben, um Wahlen zu beeinflussen.

„Keine Ausflüchte, keine Anbiederung, kein Clintoneskes Ausweichen bei der Frage, was ‘ist’ bedeutet. Die Wahlberechtigten werden den Mut respektieren, auch wenn sie nicht vollständig mit der Botschaft übereinstimmen.“

Dr. Ramzy Baroud, Journalist und Herausgeber von „The Palestine Chronicle“, erklärte gegenüber IPS, dass die Angriffe auf den Kandidaten – einen prinzipientreuen Mann mit einer soliden Anhängerschaft unter Menschen, die eine wertebasierte Politik anstreben – eine seltsame Mischung aus allen Gemeinplätzen der Vergangenheit seien: Jenen, die die McCarthy-Ära begleiteten. Solchen, die sich auf jegliche Kritik an Israel beziehen. Und denen, die den Anschlägen vom 11. September 2001 vorausgingen und sich danach verstärkten.

„Dieser Mischmasch aus Anschuldigungen“, sagte er, „hat kein zentrales Thema, obwohl die eigentliche, oft unausgesprochene Angst darin besteht, dass Mamdani eine Gefahr für die herrschenden Klassen darstellt, offen gesagt auf beiden Seiten.

Sie beschuldigen ihn gleichzeitig, ein Kommunist, ein Islamist, ein Verrückter und ein Antisemit zu sein, neben einer langen Liste weiterer lächerlicher Anschuldigungen.“

Norman Solomon, Geschäftsführer des Institute for Public Accuracy und nationaler Direktor von RootsAction, erklärte gegenüber IPS, dass ein allmählicher Trend zu weniger Rassismus und mehr Antirassismus in den Vereinigten Staaten, insbesondere unter jüngeren Amerikanern, ein wichtiger Faktor für Mamdanis Sieg in den Vorwahlen gewesen sei.

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Rohe: Jeder Zweite hat antimuslimische Vorurteile

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Muslimfeindlichkeit ist in Deutschland eine Alltagserfahrung für viele muslimische Frauen und Männer – das sagt der Wissenschaftler Mathias Rohe. Er fordert „mehr Alltagssolidarität“ – und zeitgemäßere Schulbücher.

Stuttgart (KNA) In Deutschland sind Vorbehalte gegenüber muslimischen Menschen nach Angaben des Islamwissenschaftlers und Juristen Mathias Rohe weit verbreitet.

„Ungefähr 50 Prozent der Bevölkerung pflegen oder haben antimuslimische Vorurteile“, sagte der Wissenschaftler am Dienstag in Stuttgart. Er verwies auf „eigene breit angelegte Umfragen“ und Auswertungen von Daten des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. Von Norbert Demuth

„Eine Alltagserfahrung“

Muslimfeindlichkeit ist eine Alltagserfahrung für viele muslimische oder als muslimisch wahrgenommene Menschen in diesem Land“, bilanzierte Rohe. In Deutschland leben derzeit rund 5,5 Millionen Musliminnen und Muslime.

Die Gruppe, die im öffentlichen Raum am heftigsten Diskriminierungen erleide, seien muslimische Frauen, die ein Kopftuch tragen, sagte Rohe. Sie seien „allerlei Formen von Aggressionen ausgesetzt“ – bis zu brutalen kriminellen Übergriffen, erläuterte er bei einer Tagung der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart zum Thema „Muslimfeindlichkeit in Deutschland“.

Community

Foto: Hendra Fauzy, Adobe Stock

Mehr Solidarität mit Muslimen gefordert

Rohe forderte „mehr Alltagssolidarität“ mit Muslimen, wenn man diskriminierendes Verhalten ihnen gegenüber beobachte. Manchmal reiche es schon, wenn man sich zu den Betroffenen stelle.

Aysun Pekal vom Sozialdienst muslimischer Frauen in Stuttgart schilderte, antimuslimischer Rassismus werde seit der letzten Bundestagswahl unverblümter geäußert – etwa in der Nachbarschaft. „Menschen haben keine Hemmungen mehr“, so Pekal.

Der Antisemitismusbeauftragte der baden-württembergischen Landesregierung, Michael Blume, sagte, nicht nur antisemitische oder muslimfeindliche Äußerungen hätten zugenommen. „Zugenommen haben generell Äußerungen, die andere herabwürdigen.“ Dazu gehörten Beschimpfungen von Menschen mit Behinderungen oder von armen oder kranken Personen.

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Foto: Ryan Nash Photography, Shutterstock

„Entsolidarisierung von oben gegen unten“

Es gebe eine öffentliche „Verrohung“ und eine „Entsolidarisierung von oben gegen unten“, erklärte Blume. Zudem stelle er ein Ausspielen von Religionen gegeneinander fest. Das mache ihm große Sorgen.

„Und wenn man das Verbindende betont, wird man angegriffen“, erläuterte Blume mit Blick darauf, dass er Hassmails von unterschiedlichen Seiten bekomme. In dieser Situation sei es „eine dumme politische Strategie“, wenn etablierte Parteien „den Rechtspopulisten nachlaufen“.

Der Wissenschaftler Rohe forderte eine zeitgemäßere Behandlung des Islam für Schüler. „Muslimische Alltagskultur hier und heute“ finde in deutschen Schulbüchern fast nicht statt. „In vielen Schulbüchern kommt das Thema Islam nur sehr sparsam vor.“

Dies beschränke sich häufig auf das 7. Jahrhundert, in dem die monotheistische Religion durch den Propheten Mohammed gestiftet wurde. „Wo bleibt der Islam des 21. Jahrhunderts, der in Stuttgart gelebt wird oder in anderen Städten“, fragte Rohe. „Man nimmt nicht wahr, dass auch die islamisch geprägte Welt eine unglaubliche Entwicklungsgeschichte hat und noch mittendrin steckt.“

Zu wenig beachtet werde auch, „dass der Islam und muslimisches Leben in Deutschland sich grundlegend unterscheiden von dem, was in Saudi-Arabien passiert oder in Malaysia oder in Marokko oder anderen Teilen der Welt“, sagte Rohe.

Er ist Inhaber des Lehrstuhls für Bürgerliches Recht, Internationales Privatrecht und Rechtsvergleichung an der Universität Erlangen-Nürnberg. Rohe war auch Koordinator des 2023 vorgestellten Expertenberichts „Muslimfeindlichkeit – eine deutsche Bilanz“.

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Muslimfeindlichkeit 2024: „Ein grundsätzlich feindseliges Klima“

Muslimfeindlichkeit

„IZ-Begegnung“ mit Güzin Ceyhan von der CLAIM Allianz zum aktuellen Lagebild Muslimfeindlichkeit 2024. Die Dunkelziffer soll deutlich höher sein.

(iz). Mitte Juni veröffentlichte die CLAIM Allianz ihr Lagebild zur Muslimfeindlichkeit 2024. Der Report beschreibt einen erschreckenden Anstieg. Hierzu sprachen wir mit Güzin Ceyhan. Sie leitet den Bereich Monitoring bei dem Netzwerk

Islamische Zeitung: Die CLAIM Allianz hat am 17. Juni ihren Bericht zur Muslimfeindlichkeit in Deutschland für das Jahr 2024 veröffentlicht. Darin sprechen Sie von einer Zunahme antimuslimischer Straftaten um 60 %. Können Sie diese nach Kategorie und Ziel aufschlüsseln?

Güzin Ceyhan: Lassen Sie mich zunächst erläutern, wie unser Dokumentationssystem zustande gekommen ist. Es basiert auf einheitlichen nationalen und internationalen Standards. Wir haben es in einem mehrmonatigen Prozess mit Experten entwickelt. Es ist partizipativ und fachlich fundiert. Wir verstehen unsere Arbeit auch als lernendes System, das wir regelmäßig überprüfen und weiterentwickeln.

Wir unterscheiden drei Arten von Vorfällen: Erstens handelt es sich um Diskriminierung, wie sie nach dem allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz definiert wird.

Zweitens handelt es sich um verbale Angriffe. Das sind z.B. Volksverhetzung, verhetzende Beleidigungen, Bedrohungen, Nötigungen usw.

Und drittens geht es um gewaltbereite Übergriffe wie Körperverletzungen, einfache und schwere Tötungen sowie um Sachbeschädigungen. Hier orientieren wir uns am Strafgesetzbuch.

Islamische Zeitung: In Ihrem Papier wird erkennbar, dass sich 70 % der Übergriffe auf Personen gegen Frauen richten…

Güzin Ceyhan: Genau. Das ist eine sehr hohe Zahl, die sich aber mit Daten aus den letzten beiden Jahren deckt. Im Vergleich zu den letzten Jahren bleibt das Verhältnis von Männern und Frauen ungefähr gleich.

Schlüsselt man es auf – also nach Geschlecht und Lebensbereichen –, sehen wir, dass Frauen überwiegend in allen Bereichen betroffen sind. Dabei stellen wir fest, dass es egal ist, ob es sich um den öffentlichen Raum, das Gesundheitswesen, die Arbeitssuche oder auch das Vereinsleben handelt.

Nur im Themenfeld Polizei stellen wir fest, dass überwiegend Männer betroffen sind. Das liegt an Aspekten wie Männlichkeit, zugeschriebener Gefährlichkeit etc.

Islamische Zeitung: In seinem Bericht macht CLAIM einen Unterschied zwischen gemeldeten Fällen und Dunkelziffern. Können Sie erklären, um was es sich dabei handelt und wie Differenzen entstehen?

Güzin Ceyhan: Zum Glück haben wir die Studien der EU-Grundrechteagentur (FRA). Und diese zeigen deutlich, wie groß das Ausmaß von antimuslimischem Rassismus in Europa ist – nicht nur in Deutschland, sondern in der Europäischen Union.Und wie selten Betroffene Unterstützung suchen.

Und in der letzten Studie „Being Muslim in the EU“ gaben 68 % der Muslime an, in Deutschland Diskriminierung erfahren und erlebt zu haben. Aber es sind nur 4 %, die überhaupt Fälle melden oder eine Beratung aufsuchen.

Das liegt generell unter dem EU-Durchschnitt von 6 %. Wenn fast 70 % angeben, in Deutschland Diskriminierung und antimuslimischen Rassismus erlebt zu haben, aber nur 4 % dies melden, erkennen wir, dass das Dunkelfeld weitaus höher liegt.

Islamische Zeitung: Kann man hier noch Zahlen nachträglich erheben, indem man zum Beispiel gesonderte Befragungen erstellt?

Güzin Ceyhan: Genau. Grundsätzlich wäre es auch in Deutschland empfehlenswert, diese Dunkelfeldstudien (oder „Victims Surveys“) regelmäßig durchzuführen, damit wir genau sehen können, wie hoch das Dunkelfeld ist.

Die CLAIM Allianz stellt Mitte Juni 2025 ihr aktuelles Lagebild vor. (Foto: Dirk Enters/CLAIM)

Islamische Zeitung: Aus Ihrer Erklärung geht hervor, dass zahlenmäßig die meisten Übergriffe in NRW stattgefunden haben. Liegt das an der demographischen Verteilung des muslimischen Lebens? Oder gibt es andere Faktoren, die es erklären würden?

Güzin Ceyhan Das können wir so direkt nicht beantworten. Wir haben keine Auswertung nach Bundesland vorgenommen. Wir haben in unserem Lagebild gesagt, dass wir Meldungen von 26 Kooperationsstellen in 13 Bundesländern erhalten. Leider ist es so, dass wir nicht flächendeckend in allen Bundesländern viele Kooperationen mit Beratungsstellen oder Meldestellen unterhalten haben. Über Nordrhein-Westfalen können wir sagen, dass NRW gut aufgestellt ist, was Beratungsstellen betrifft – auch spezifisch zu antimuslimischem Rassismus.

Manchmal ist es so wie in Hamburg, dass wir überhaupt keine Meldungen oder Beratungsanfragen bekommen. Das Gleiche gilt für Sachsen-Anhalt, wo es einfach keine Kooperationspartner gibt. Daher ist das Lagebild keine repräsentative Erhebung, sondern bildet nur einen Ausschnitt der Realität antimuslimischer Vorfälle ab.

Islamische Zeitung: Haben Sie in Ihrer Arbeit bestimmte Faktoren ausmachen können, durch die sich der Anstieg muslimfeindlicher Übergriffe erklären ließe?

Güzin Ceyhan: Man sieht auch in Deutschland ein grundsätzliches antimuslimisches oder feindseliges Klima. Wir können aus Studien ableiten: Jeder Zweite hegt antimuslimische Einstellungen. Das ist das Erste.

Das Zweite ist: Den Anstieg sehen wir auch dadurch deutlich, dass sich Debatten im letzten Jahr verschärft haben, nachdem in Mannheim, in Solingen und anderswo Attentate stattgefunden haben. Im Jahr davor gab es den Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober.

Wir erkennen, dass sich auch Debatten und Diskurse gegenüber Muslimen ziemlich verschärften. Das überträgt sich auf die TäterInnen. Man sieht immer wieder, dass diese Botschaften aufgreifen, wenn alle Muslime unter Generalverdacht gestellt werden.

Islamische Zeitung: Das heißt, Sie sehen eine Verbindung von einerseits einer Radikalisierung der Sprache und der Verschärfung des Diskurses und andererseits einen Anstieg bei Angriffen…

Güzin Ceyhan: Es gibt natürlich noch weitere Faktoren. Eine andere Erklärung für den Anstieg unserer Zahlen liegt im Ausbau unserer Kooperationspartner. Wenn wir letztes Jahr  Daten von 17 Beratungsstellen bekamen, hatten wir sie dieses Jahr von 26. Aber selbst, wenn wir von der gleichen Datengrundlage wie im Vorjahr ausgehen, erkennen wir einen deutlichen Anstieg von antimuslimischem Rassismus.

Islamische Zeitung: Um kurz auf die Radikalisierung von Sprache und Diskurs zurückzukommen – es gibt das Konzept des Stochastischen Terrors. Dieser bezeichnet das Phänomen, wonach durch massenhafte Verbreitung von Hass, extremistischen Narrativen oder hetzerischer Sprache – insbesondere über digitale Medien – die Wahrscheinlichkeit für reale Gewalttaten steigt. Dabei ist nicht vorhersehbar, wer sie begehen wird.

Güzin Ceyhan: Wir haben bei unserer Auswertung deutlich gesehen, dass Sprache wirkt. Sie schafft so ein gesellschaftliches Klima, in dem sich einige ermutigt fühlen, diese Grenzen zu überschreiten, zu beleidigen oder sogar Gewalt anzuwenden. Wenn regelmäßig Menschen unter Generalverdacht gestellt werden, schafft das Unsicherheit, begünstigt Diskriminierung oder sogar Übergriffe.

Islamische Zeitng: Sie erwähnen in Ihrer Pressemitteilung Ereignisse wie den Hamas-Terror (Oktober 2023) sowie Anschläge wie in Magdeburg (Dezember 2024). Besteht eine Korrelation zwischen solchen Vorkommnissen und dem Anstieg antimuslimischer Straftaten?

Güzin Ceyhan: Sie sprechen jetzt von Korrelation. Von einer direkten können wir so nicht ausgehen – in statistischer Hinsicht. Das müsste empirisch untersucht werden. Aber wir sehen, dass solche Ereignisse einen Einfluss auf antimuslimische Übergriffe haben. Das können wir auf jeden Fall beobachten und auch als Trend aufnehmen.

Islamische Zeitng: Antimuslimische Diskurse in Deutschland sind auch von kurz- und langfristiger Aktualität abhängig. Auch sie variieren. Schwanken die Straftaten mit ihnen?

Güzin Ceyhan: Für letztes Jahr kann ich nur sagen, dass wir einen konstanten Verlauf – bis auf die Peaks – durch das gesamte Jahr hinweg erkannt haben. Auch die Debatten und Diskurse beschränken sich nicht auf einen kurzen Zeitraum – sie entfalten ihre Wirkung oft über Wochen hinweg und tragen zu einem feindlichen Klima bei.

Islamische Zeitung: Es wird in der Behandlung des Themas selten über „best practices“ oder über Beispiele gesprochen, wie man von Seiten der Politik, der Behörden oder der Zivilgesellschaft erfolgreich mit antimuslimischem Rassismus umgehen kann. Können Sie was über diesen Aspekt sagen?

Güzin Ceyhan: Wir sehen in der Politik durchaus den Willen, antimuslimischen Rassismus als drängendes Thema anzugehen, bspw. bei der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, die zugleich auch Antirassismusbeauftragte ist. Auch auf ministerialer Ebene erfahren wir Unterstützung vom Bundesministerium des Innern und für Heimat (BMI) und vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ).

Politischer Wille ist seit Jahren vorhanden. Und man sieht auch, dass man sich mit diesem Thema beschäftigt. Allerdings gibt es immer Verbesserungsvorschläge und viel Luft nach oben. Alles kann besser werden.

Was wir uns zum Beispiel sehr wünschen würden, ist die institutionelle Förderung und nicht ausschließlich eine auf Projektbasis. Damit haben viele Beratungsstellen und Meldestellen zu kämpfen. Wenn diese Stellen besser ausgestattet wären – personell, finanziell und strukturell –, könnten sie noch verlässlicher für Betroffene da sein. Und sie könnten mehr Menschen erreichen, die Unterstützung dringend brauchen. 

Islamische Zeitung: In ihren Berichten dokumentiert die CLAIM Allianz seit Längerem nicht nur das Problem, sondern formuliert auch Handlungsempfehlungen und Ratschläge für zuständige Stellen und verschiedene Akteure auf dem Gebiet. Zu welchen praktischen Schritten raten Sie Staat und Politik?

Güzin Ceyhan: Für uns ist es sehr wichtig, dass antimuslimische Vorfälle erstens auf allen Ebenen besser erfasst werden – online und offline. Das sollte einerseits durch die Polizei und andererseits durch die Zivilgesellschaft geschehen. Das Dunkelfeld ist eben sehr hoch. Dafür müssen die Voraussetzungen noch geschaffen werden.

Wir brauchen eine einheitliche Arbeitsdefinition von Rassismus und antimuslimischen Rassismus – auch auf Verwaltungsebene. Wir benötigen verpflichtende Schulungen für Polizei und Justiz und sowie, wie bereits erwähnt, eine dauerhafte Finanzierung zivilgesellschaftlicher Monitoringstellen. Mehr Menschen brauchen Unterstützung durch unabhängige  Beratungsstellen – flächendeckend in ganz Deutschland. Es dürfen in diesem Fall keine Strukturen wegbrechen.

Wir brauchen des Weiteren eine klare politische Haltung und ein unmissverständliches Bekenntnis gegen antimuslimischen Rassismus. Der nationale Aktionsplan gegen Rassismus muss endlich und zügig überarbeitet werden. Es braucht verbindliche Maßnahmen gegen antimuslimischen Rassismus – mit messbaren Zielen und einem festen Zeitrahmen.

Ein wichtiger Aspekt dabei ist das Empowerment von Betroffenen. Damit meine ich Aufklärung, Sensibilisierung sowie Bildungsarbeit.

Diese gesamte Arbeit muss auf Bundes- und Länderebene ausgebaut und finanziell abgesichert werden.

Islamische Zeitung: Liebe Güzin Ceyhan, wir bedanken uns recht herzlich für das Gespräch.

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Rohe warnt vor Generalverdacht gegen Muslime

mutter rohe

Islamwissenschaftler Rohe warnt vor Generalverdacht. Aber schon Christian Wulffs Satz „Der Islam gehört zu Deutschland“ hat heftige Debatten provoziert.

Frankfurt (KNA/iz). Der Islamwissenschaftler und Jurist Mathias Rohe warnt vor einem Generalverdacht gegen Muslime in Deutschland. Es sei ein gefährliches Zerrbild, immer wieder von einer „Islamisierung Deutschlands“ zu sprechen, schreibt der Direktor des Zentrums für Islam und Recht in Europa an der Uni Erlangen-Nürnberg in einem Gastbeitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Montag).

Natürlich sei „islamistisch“ motivierte Gewalt eine reale Bedrohung und müsse mit rechtsstaatlichen Mitteln konsequent bekämpft werden, betonte Rohe. Doch jeder Generalverdacht gegen die muslimische Bevölkerung sei unbegründet und schädlich.

Der Begriff „Islamisierung“ werde häufig zur Beschreibung islamistisch-extremistischer Entwicklungen genutzt, sei aber irreführend. Tatsächlich handele es sich bei „Islamismus“ um eine politische Ideologie, die eine islamische Gesellschaftsordnung über den säkularen Staat stellen wolle.

Doch nur ein kleiner Teil der muslimischen Bevölkerung in Deutschland unterstütze solche Positionen, so Rohe. Das zeigten zahlreiche Studien. Die Mehrheit lebe religiös im privaten Rahmen und bekenne sich zu Demokratie und Grundgesetz.

Foto: FAU/Boris Mijat

Er warnte vor pauschalen Unterstellungen: Religiöse Praktiken wie das Tragen eines Kopftuchs oder ein Verzicht auf den Handschlag zur Begrüßung sollten nicht vorschnell als Zeichen von Extremismus gewertet werden.

Wer religiöse Normalität mit Islamismus verwechsle, betreibe eine gefährliche Täter-Opfer-Umkehr. Feindliche Pauschalurteile förderten nicht die Sicherheit, sondern Radikalisierung.

Zugleich forderte er eine effektive Bekämpfung von Extremismus – etwa durch bessere digitale Überwachung, verstärkte internationale Kooperation und die gezielte Prävention in sozialen Medien.

Wichtig sei dabei, zwischen legitimer Religionsausübung und extremistischen Bestrebungen klar zu unterscheiden. Auch müssten muslimische Organisationen gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können, wenn sie die freiheitlich-demokratische Grundordnung achten.

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Angriffe auf Moscheen: Die Zahlen erreichen einen neuen Höchststand

moschee

Hass gegen Moscheen: Wie die DİTİB-Antidiskriminierungsstelle am 3. Juni in ihrem Bericht für das letzte Jahr mitteilte, haben Angriffe auf Mitgliedsgemeinden des Verbands einen neuen Höchststand erreicht.

(iz). Die DİTİB-Antidiskriminierungsstelle veröffentlichte am 3. Juni ihren aktuellen Jahresbericht „Moscheeübergriffe – Das Jahr 2024“. Mit 175 dokumentierten Angriffen auf Moscheen in Deutschland sei nicht nur „der Rekordwert des Vorjahres“ (137 Fälle) deutlich übertroffen worden. Im Vergleich zu 2021 hätten sich Übergriffe fast vervierfacht.

„Dass sich die meisten Übergriffe in Nordrhein-Westfalen ereigneten, bereitet uns zusätzliche Sorge und stellt die bisherigen Erfolge im Bereich der Teilhabe und des gesellschaftlichen Zusammenhalts infrage“, erklärte Dr. Zekeriya Altuğ, u.a. Leiter dieser Stelle.

„Die Erwartung, dass Sichtbarkeit, Transparenz und Dialogarbeit ausreichen, um Islam- und Muslimfeindlichkeit entgegenzuwirken, scheint seit dem 7. Oktober nicht mehr aufzugehen. Pauschale Antisemitismusvorwürfe treffen unsere Gemeinden und spalten unsere Gesellschaft.“

Die meisten Attacken auf muslimischen Einrichtungen im Jahr 2024 wurden in Nordrhein-Westfalen (NRW) verzeichnet, mit 82 % aller Fälle (144 Übergriffe). Dahinter folgen Baden-Württemberg mit 10 Übergriffen, Hessen mit 7 sowie Bayern und Niedersachsen mit jeweils 3 Übergriffen. 

Auch für Ostdeutschland wurden Vorfälle registriert: in Sachsen (2) und in Sachsen-Anhalt (1). Weitere ostdeutsche Bundesländer (Brandenburg, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern) werden für 2024 im Bericht nicht explizit mit Übergriffen genannt; das bedeutet aber nicht, dass es dort keine Vorfälle gab, sondern nur, dass sie im Berichtsjahr 2024 laut DİTİB nicht dokumentiert wurden.

Der Report dokumentiert die alarmierende Zunahme von Attacken auf Moscheen in Deutschland. Dazu gehören verbale Angriffe (60 %), Sachbeschädigungen (12 %) und andere Formen wie Vandalismus und Brandstiftung.

Die meisten Vorfälle ereigneten sich in Nordrhein-Westfalen (82 %), was auf die hohe Konzentration muslimischer Gemeinden und sichtbare religiöse Symbole zurückzuführen sei. In dem Bericht sind beinahe ausschließlich Übergriffe auf Moscheen der DİTİB selbst dokumentiert (96 %).

Die Tatmotive zeigen laut den Erstellern der Studie, dass 84 % der Übergriffe islamfeindlich und antimuslimisch motiviert waren. Sie würden begleitet von rechtsextremen und verschwörungsideologischen Inhalten. 

Besonders die Ereignisse im Nahen Osten dienten als Rechtfertigung für viele Angriffe, bei denen Muslime pauschal mit Terrorismus assoziiert wurden. Die Täter nutzten gesellschaftliche und politische Ereignisse, um Hass zu schüren. 

In den meisten dokumentierten Fällen wurden die Übergriffe von den Moscheegemeinschaften selbst oder Anwohnern umgehend der Polizei gemeldet. Sie nahm in der Regel sofort die Ermittlungen auf, sicherte Spuren und leitete Strafverfahren ein.

Zu jedem Vorfall wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Dies betrifft sowohl Sachbeschädigungen, Brandstiftungen, Einbrüche als auch Bedrohungen und Hassbotschaften.

In Einzelfällen konnten Tatverdächtige durch Zeugenaussagen, Überwachungsvideos oder durch die schnelle Reaktion der Polizei (z.B. bei Brandstiftungen) ermittelt und verhaftet werden. Im Bericht wird beispielhaft ein Fall genannt, bei dem zwei mutmaßliche Täter bei einer versuchten Brandstiftung noch vor Ort festgenommen wurden (siehe S. 12).

Der Bericht stellt fest, dass es in einigen Verfahren zu Anklagen kam. Allerdings wird auch darauf hingewiesen, dass viele sich über Monate hinziehen oder eingestellt werden, wenn die Beweislage nicht ausreicht. 

Die DITIB-Antidiskriminierungsstelle kritisiert, dass viele Gemeinschaften das Gefühl haben, von den Behörden nicht ausreichend unterstützt zu werden. Häufig würden Ermittlungen eingestellt oder Täter blieben unbekannt.

Die Auswirkungen auf muslimische Gemeinden seien demnach gravierend: Angst, Unsicherheit und Isolation würden den Alltag der Betroffenen prägen. Verbale Angriffe werden oft bagatellisiert, obwohl sie langfristige psychische Belastungen verursachen.

Der Bericht fordert eine bessere Sicherung von Moscheen, verstärkte Präventionsarbeit gegen rechtsextreme Ideologien, Förderung des interreligiösen Dialogs und eine ausgewogene Berichterstattung in den Medien.

Die Analyse legt nahe, dass die Übergriffe Ausdruck tiefer gesellschaftlicher Probleme sind, die durch Polarisierung und rechtsextreme Ideologien verstärkt werden. Er unterstreicht die Notwendigkeit eines koordinierten Vorgehens von Staat, Gesellschaft und Medien, um antimuslimischen Rassismus wirksam zu bekämpfen und ein respektvolles Miteinander zu fördern.

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Berlin: Muslimfeindlichkeit stark gestiegen

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Muslimfeindlichkeit in Berlin: Am 11. Juni stellte die CLAIM Allianz neuen Zahlen für die Hauptstadt vor. Und berichtet einen starken Anstieg.

Berlin (KNA, iz). In Berlin kam es 2024 laut der CLAIM Allianz zu einem sprunghaften Anstieg von antimuslimischen Übergriffen und Diskriminierungen. 

Die am 11. Juni vorgestellte Jahresbilanz der Allianz gegen Islamfeindlichkeit und Muslimfeindlichkeit registrierte 644 Fälle, fast 70 % mehr als im Vorjahr. Beinahe zwei Drittel der Betroffenen sind demnach Frauen, häufig in Begleitung ihrer Kinder. Antimuslimischer Rassismus zeige sich meist in Form von Diskriminierung (46 %) und verbalen Übergriffen (40 %).

Dokumentiert wurde eine Zunahme bei schweren Delikten: 2024 wurden nach Angaben des Netzwerkes mehr antimuslimische Körperverletzungen registriert als im Vorjahr.

Nach Ansicht von Ioannis Demosthenous vom Berliner Antidiskriminierungsnetzwerk sah einen Zusammenhang zwischen hiesigen Debatten und dem Anstieg von Diskriminierungen. „Als Beratungsstelle im Antidiskriminierungsbereich verzeichnen wir in den letzten zwei Jahren einen Anstieg der Fälle antimuslimischen Rassismus um 65 %. Besonders auffällig ist, dass hitzige öffentliche Debatten über das Migrationsrecht zunehmend in konkrete Diskriminierung umschlagen – ein Trend, der das Sicherheitsgefühl vieler als muslimisch gelesener Menschen massiv beeinträchtigt.“

Berlin: CLAIM spricht von „alarmierenden Ergebnissen“

Claim-Geschäftsführerin Rima Hanano sprach von alarmierenden Ergebnissen. Seit dem Terrorangriff der islamistischen Hamas vom 7. Oktober 2023 habe nicht nur Antisemitismus deutlich zugenommen, sondern auch antimuslimischer Rassismus.

„Die Jahresbilanz zeigt, dass antimuslimische Übergriffe und Diskriminierungen in Berlin an der Tagesordnung sind. Der massive Anstieg dokumentierter Fälle um fast 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und die Enthemmung gegenüber betroffenen Menschen müssen als Weckruf verstanden und dürfen nicht länger hingenommen werden.“

Der Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt 2024 habe ebenfalls zu einer Dynamisierung geführt. Muslime würden unter Generalverdacht gestellt; das ermutige andere, Muslime öffentlich zu diskriminieren, so Hanano.

Realität des Berliner Alltags

Antimuslimischer Rassismus sei kein Randphänomen, sondern eine strukturelle Realität in Schule, am Arbeitsplatz und bei der Polizei. 35 & der erfassten Fälle fand laut Bericht im Bildungsbereich statt. „Dabei diskriminierten nicht nur Schüler, sondern auch Lehrkräfte“, sagte Hanano.

Sie kritisierte, antimuslimischer Rassismus werde politisch weitgehend ignoriert. An den Berliner Senat appellierte sie, Vorfälle besser zu erfassen und mehr unabhängige Beratungsstellen zu schaffen, damit Betroffene spezielle Hilfe bekommen könnten. Auch müsse das Berliner Neutralitätsgesetz abgeschafft werden, da es Frauen mit Kopftuch diskriminiere.

„Für die Bekämpfung von antimuslimischem Rassismus und den Schutz von betroffenen Menschen in Berlin sind jetzt entschiedenes Handeln und eine klare Positionierung notwendig. Insbesondere in Schulen aber auch in der Verwaltung und in Behörden insgesamt ist eine stärkere Auseinandersetzung mit antimuslimischem Rassismus notwendig.“

Claim warb dafür, den 1. Juli zum Gedenktag gegen antimuslimischen Rassismus zu machen – im Gedenken an die Ermordung der schwangeren Marwa El-Sherbini in einem Dresdner Landgerichtssaal am 1. Juli 2009.

Sie hatte in einem Strafprozess als Zeugin ausgesagt, als der Angeklagte sie mit 18 Messerstichen tötete. Im Prozess ging es darum, dass er sie auf einem Spielplatz islamfeindlich beschimpft hatte.

Senatorin Kzilepe: Berlin steht für eine offene Gesellschaft

Berlins Senatorin für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung erklärt zu den Zahlen: „Berlin steht für eine offene und vielfältige Gesellschaft. Doch wir erleben leider auch hier antimuslimischen Rassismus. Wir müssen ihn sichtbar machen und dürfen ihn nicht verschweigen. Denn nur so können wir ihn erfolgreich bekämpfen und uns vor ihm schützen. Monitoringstellen wie Report! leisten dafür eine unverzichtbare Arbeit.“

Diese Dokumentationen bilden in ihren Augen die Grundlage für die Politik und die Zivilgesellschaft, um noch besser zu handeln und betroffene Menschen wirksam schützen können. Die aktuelle Jahresbilanz von CLAIM zeig ein zunehmend vergiftetes soziales Klima. Muslimfeindlichkeit werde zur Spaltung der Gesellschaft genutzt. „Alle Demokrat*innen sind aufgefordert, noch mehr dagegen zu tun, damit unsere Gesellschaft nicht verroht. Wir stehen allen Menschen, die von antimuslimischem Rassismus betroffen sind, solidarisch zur Seite.“