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Tag gegen antimuslimischen Rassismus: Hintergründe jenseits der Symbolik

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Tag gegen antimuslimischen Rassismus: 2024 und 2025 haben sich die Diskussionen um Muslimfeindlichkeit in Deutschland weiter zugespitzt. (iz). Zivilgesellschaftliche Lagebilder, wissenschaftliche Studien und der Abschlussbericht des Unabhängigen Expertenkreises Muslimfeindlichkeit zeichnen […]

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Kurzmeldungen Inland (Nr. 373): von Muslimfeindlichkeit bis zur Anzahl der Muslime in Deutschland

Kurzmeldungen Muslimfeindlichkeit

Die Kurzmeldungen aus dem Inland (Nr. 373) reichen von Muslimfeindlichkeit im Land, über politische Gewalt bis zu einem Friedhof für Kassel.

CLAIM zu Muslimfeindlichkeit: tausende Fälle

BERLIN (IZ). CLAIM verweist in einem aktuellen Überblick auf mehrere tausend dokumentierte antimuslimische Vorfälle innerhalb eines Jahres. Erfasst werden nicht nur Angriffe auf Moscheen und muslimische Einrichtungen, sondern auch Beschimpfungen im Alltag, Benachteiligung auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt sowie Hass und Verschwörungserzählungen im Netz. Die Dunkelziffer gilt als deutlich höher, weil viele Betroffene Vorfälle aus Angst, Scham oder mangelndem Vertrauen in Behörden gar nicht melden. Die Organisation kritisiert, dass das Thema häufig nur selektiv thematisiert wird – etwa nach spektakulären Anschlägen, während strukturelle Diskriminierung und die Erfahrungen im Schatten des Alltags unsichtbar bleiben. Für muslimische Organisationen ist die Datensammlung zugleich ein wichtiges Instrument, um zu zeigen: Es geht nicht um Einzelfälle, sondern um ein Muster.

Foto: DABLJU/Adobe Stock

Politisch motivierte Gewalt auf Rekordniveau

BERLIN (IZ). Die politisch motivierte Kriminalität hat im Jahr 2025 ein Rekordniveau erreicht: ca. 86.000 Delikte wurden erfasst – so viele wie nie zuvor seit Einführung der Statistik. Die Spannbreite reicht von Propagandadelikten und Bedrohungen bis zu Körperverletzungen und schweren Angriffen, die aus rechten, linken oder religiös-extremistischen Motiven begangen werden. Behörden warnen, dass insbesondere rechtsextreme Netzwerke Gewalt strategisch einsetzen, um die Gesellschaft zu polarisieren.

Strafe für Hassmail gegen Muslime und Giffey

BERLIN (IZ). In Berlin ist ein 44-jähriger Mann zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil er in einer E-Mail Muslimen den Tod wünschte und die Senatorin Franziska Giffey massiv beleidigte. Die Nachricht war kein Einzelfall, sondern steht exemplarisch für einen digitalen Alltag, in dem Politikerinnen und Muslime regelmäßig Zielscheibe von Hass werden. Das Gericht wertete die E-Mail als Volksverhetzung und öffentliche Aufforderung zu Straftaten; die verhängte Geldstrafe von 2.250 Euro soll deutlich machen, dass solche „Entgleisungen“ nicht unter Meinungsfreiheit fallen.

kurzmeldungen inland

Foto: U. J. Alexander/Adobe Stock

Mehr Hass auf Sinti und Roma dokumentiert

BERLIN (IZ). Die Melde- und Informationsstelle Antiziganismus hat für 2025 einen neuen Höchststand von 2.076 antiziganistischen Vorfällen registriert – ein Plus von rund 24 %. Besonders häufig erleben Sinti und Roma Diskriminierung im Kontakt mit staatlichen Stellen: 428 Fälle betreffen Behörden, in 29 % der dokumentierten Vorfälle seien Polizisten involviert. Neben Stereotypisierungen und Herabwürdigungen, die mit 1.193 Fällen den größten Block bilden, verzeichnet MIA 55 körperliche Angriffe und acht Fälle extremer Gewalt.

AIWG hielt ihren Fachkongress ab

FRANKFURT (IZ). Am 12. und 13. Juni fand der Fachkongress der Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft (AIWG) statt, zu dem Forschende, Studierende, Pädagogen und Vertreter muslimischer Organisationen zusammenkamen. In Panels und Workshops ging es um die Rolle islamischer Theologie an deutschen Universitäten, Fragen religiöser Autorität, muslimische Wohlfahrtsarbeit sowie um neue Formate von Bildung für Kinder und Jugendliche. Diskutiert wurde auch, wie sich muslimische Lebensrealitäten in Lehrplänen, Medien und Politik besser abbilden lassen.

Foto: Jean-Luc, Adobe

GfbV kritisiert China-Reise von Reiche

GÖTTINGEN (IZ). Die Gesellschaft für bedrohte Völker warf der Bundesregierung vor, bei China-Reisen Menschenrechte systematisch auszuklammern. Anlass war der Besuch von Wirtschaftsministerin Reiche in Peking, bei dem weder die Verfolgung der Uiguren in Xinjiang noch Zwangsarbeit und Unterdrückung von Minderheiten thematisiert worden seien. Damit setze sie die Linie von Kanzler Merz fort, der bereits im Februar ohne öffentliche Menschenrechtsforderungen nach China gereist war.

Neue muslimische Grabfelder in Kassel

KASSEL (IZ). Die Stadt reagiert auf die wachsende Nachfrage nach muslimischen Bestattungen und richtet auf dem Hauptfriedhof zusätzliche Grabfelder ein. Die erweiterten Flächen sind nach Mekka ausgerichtet, erfüllen die für muslimische Beerdigungen relevanten religiösen Vorgaben und sollen über Jahre hinweg zusätzliche Kapazität schaffen. Für die lokale Community ist das mehr als ein verwaltungstechnischer Akt. Viele Familien standen bislang vor der Entscheidung, ihre Verstorbenen ins Herkunftsland zu überführen, obwohl die Kinder und Enkel längst in Deutschland verwurzelt sind.

CDU-Mitglied wünscht Muslimen den Tod

KREFELD (IZ). In Krefeld sorgt ein Video für große Verunsicherung unter Muslimen: Ein 23-jähriges CDU-Mitglied soll darin sagen, man solle sie „lieber umbringen lassen – so vergasen oder so“ und dabei ausdrücklich auf die Ermordung der Juden Bezug nehmen. Muslimische Vertreter in NRW warnen, solche Entgleisungen blieben nicht ohne Wirkung auf das Sicherheitsgefühl in Gemeinden und Moscheen. Viele fragten sich, wie tief enthemmter Hass inzwischen in der sogenannten politischen Mitte verankert ist und ob Staat und Parteien Muslime wirklich wirksam schützen.

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Foto: Andreas Prott, Adobe Stock

Umfrage: Christen wählen seltener die AfD

KÖLN (KNA). Der Anteil von potenziellen AfD-Wählern ist unter Katholiken und Angehörigen evangelischer Landeskirchen geringer als der Gesamtbevölkerung. Das geht aus einer Yougov-Umfrage im Auftrag der KNA hervor. Die katholische Bischofskonferenz und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hatten die AfD mehrfach als für Christen nicht wählbar bezeichnet. Demnach würden 29 % aller Wähler die AfD wählen, wenn Bundestagswahl wäre. Bei den Mitgliedern der katholischen Kirche und der evangelischen Landeskirchen wären es jeweils 24 %. Menschen, die keiner Religion angehören, gaben zu 32 % an, sie wählen zu wollen.

Das BamF geht von mehr Muslimen im Land aus

NÜRNBERG (KNA/IZ). In der Bundesrepublik wächst die Zahl der Muslime. Laut einer neuen Hochrechnung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) lebten 2025 6,6 bis 7 Mio. in Deutschland. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung liegt damit zwischen 8,0 und 8,5 %. Gegenüber der letzten (für das Jahr 2019) entspricht dies einem Anstieg um 1,6 bis 1,8 Prozentpunkte. Damals gab das Bamf die Zahl der Muslime mit 5,3-5,6 Mio. an. Ein wichtiger Grund für den Zuwachs sei Zuwanderung , erklärte Anja Stichs, Wissenschaftlerin am Bamf-Forschungszentrum.

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CLAIM: Muslimfeindlichkeit längst Teil des Alltags

CLAIM Muslimfeindlichkeit Deutschland

CLAIM macht deutlich: Muslimfeindlichkeit ist in Deutschland längst kein Randphänomen mehr, sondern Teil eines sozialen Klimas.

(iz). Im Rahmen der nationalen Aktionswochen gegen antimuslimischen Rassismus hat die von zahlreichen Initiativen getragene Organisation CLAIM in Berlin ihr zivilgesellschaftliches Lagebild für das Jahr 2025 vorgestellt. Die Jahresbilanz basiert auf Daten von 38 Beratungs- und Meldestellen sowie Initiativen aus 15 Bundesländern. Sie betrachtet die bundesweite Dimension dokumentierter Vorfälle dieser Art.

CLAIM: Jahresbefund mit klarer Dynamik

Die Organisation dokumentierte für das Jahr 2025 bundesweit 4.096 antimuslimische Vorfälle. Im Vorjahr waren es 3.080. Das entspricht einem Anstieg um rund 33 %nt, was rechnerisch etwa elf registrierten Fällen pro Tag entspricht. Darunter finden sich Beleidigungen, Diskriminierungen, Bedrohungen, Sachbeschädigungen sowie Gewalttaten bis hin zu Tötungsdelikten.

Die Organisation stützt sich dabei auf Daten von 38 Beratungs- und Meldestellen sowie Initiativen aus 15 Bundesländern und ergänzt diese um Zahlen zur politisch motivierten Kriminalität, Polizeipressemitteilungen und Medienberichte.

Damit setzt sich eine Entwicklung fort, die schon im Lagebild für 2024 sichtbar war: CLAIM registrierte damals mindestens 3.080 antimuslimische Vorfälle, darunter zwei Tötungen und zahlreiche Körperverletzungen. In diesem Jahr wurde ein Anstieg um 60 % gegenüber 2023 verzeichnet – ein Sprung, der sich in absolut höheren Zahlen stabilisiert hat und nicht abzuflauen scheint.

Muslimfeindlichkeit

Aufnahme aus einer CLAIM-Pressekonferenz von 2025. (Foto: Dirk Enters/CLAIM)

Verbale Angriffe, Diskriminierungen, Gewalt

Die neue Bilanz für das Jahr 2025 zeigt eine deutliche Konzentration auf sprachliche Gewalt: Mehr als 60 % der belegten Vorfälle entfallen auf diesen Bereich. Die Meldestelle verzeichnete 2.379 Fälle dieser Kategorie, darunter Schmähungen, Beschimpfungen und Drohungen, die in der Regel nicht strafbar sind, aber den sozialen Alltag nachhaltig prägen.

Hinzu kommen 840 dokumentierte Diskriminierungen, beispielsweise im Bildungsbereich, bei der Wohnungssuche oder im Arbeitsleben, sowie 680 Fälle „verletzenden Verhaltens“, zu denen auch Körperverletzungen und Sachbeschädigungen zählen.

Im Bereich schwerer Delikte verzeichnet das Lagebild 2025 zwei Tötungsdelikte und insgesamt 214 Körperverletzungen, darunter vier versuchte Tötungen, sowie fünf Brandstiftungen. 61 Angriffe auf Moscheen und insgesamt 64 Übergriffe auf religiöse Einrichtungen werden dem antimuslimischen Rassismus zugeordnet. Dies ist ein Befund, der religiöse Orte ausdrücklich als Ziel markiert.

CLAIM verweist darauf, dass diese Zahlen den staatlichen Erfassungen deutlich voraus sind. So vermeldete das Bundesinnenministerium für 2025 lediglich gut 1.800 islamfeindliche Delikte. Dies sei eine Lücke, die auf unterschiedliche Begriffe und Zählweisen zurückzuführen sei.

„Kein Randphänomen“ – und eine hohe Dunkelziffer

Im Zuge der Präsentation des Lagebildes warnt CLAIM-Co-Geschäftsführerin Rima Hanano vor einem „hohen Dunkelfeld“. Viele Betroffene zeigten Vorfälle aus unterschiedlichen Gründen nicht an. Die Ursachen reichen von mangelnder Kenntnis über Anlaufstellen bis zur Überzeugung, dass eine Anzeige „sich nicht lohnt“.

Die Organisation verweist dabei auf eine Studie der EU-Agentur für Grundrechte aus dem Jahr 2024. Demnach melden in Deutschland nur vier Prozent der Betroffenen eine erlebte Diskriminierung überhaupt der Polizei.

Hanno spricht zudem von antimuslimischem Rassismus als „Problem aus der Mitte der Gesellschaft“. Die Auswertungen zeigen, dass eine Teilmenge der Fälle eindeutig dem rechtsextremen Spektrum zugeordnet werden kann, während ein anderer Teil aus jenen Milieus stammt, die sich selbst als bürgerliche Mitte verstehen: Lehrkräfte, Behördenvertreter, Kolleg, Nachbar.

Aus Sicht von CLAIM schädigt diese Erfahrung das Vertrauen in Politik und staatliche Institutionen und verstärkt den Eindruck, man sei nur bedingt geschützt.

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Foto: imago | Ina Peek

Die Faktoren Geschlecht, Sichtbarkeit und Räume

Die Daten für das Jahr 2025 belegen, dass Frauen besonders häufig betroffen sind. In 64,5 % der Fälle, in denen das Geschlecht erfasst wurde, waren Frauen das Ziel der Vorfälle. Häufig sind es Personen, deren muslimische Identität im öffentlichen Raum sichtbar ist, etwa durch das Kopftuch.

Ähnliche Muster zeigen sich in regionalen Lagebildern. So registrierte das Netzwerk REPORT Berlin für das Jahr 2024 in der Bundeshauptstadt allein 644 antimuslimische Diskriminierungen, Beleidigungen und Angriffe, bei denen Frauen mit Kopftuch überproportional betroffen waren.

Die ausgewerteten Fälle zeigen zugleich die Orte, an denen sich antimuslimischer Rassismus verdichtet. Von den 415 Vorfällen mit bekanntem Ort ereigneten sich 35 % im Bildungsbereich, etwa an Schulen, Kitas und Universitäten, 19 % im öffentlichen Raum, 12 % in der Arbeitswelt und 7 % im öffentlichen Verkehr.

Weitere Fälle stammen aus Behörden, von der Polizei und aus dem Gesundheitsbereich. Die bundesweiten CLAIM-Daten fügen sich in dieses Bild ein und markieren Schule, Nahverkehr und Behördenkontakte als zentrale Schauplätze, an denen sich Zugehörigkeit oder Ausschluss entscheidet.

Fachstimmen zur „alltäglichen Ausgrenzung“

Fachbeobachter sehen in den Zahlen weniger eine statistische Überraschung als eine Bestätigung eines länger beschriebenen Trends. Der Journalist Daniel Bax (https://taz.de/Antimuslimischer-Rassismus-in-Deutschlan/!6091513/) ordnet das Lagebild als Ausdruck einer Gefährdung des gesellschaftlichen Zusammenhalts ein.

Über 4.000 solcher Vorfälle in einem Jahr seien kein Randphänomen; Widerspruch dagegen gebe es „viel zu wenig“. Bax verweist in seinen Kommentaren auf tätliche Angriffe auf Schulkinder, Bombendrohungen gegen Moscheen und Morde, bei denen Gerichte nicht immer ein antimuslimisches Motiv erkennen wollen.

Den Kern des Problems sieht er in dem, was die Allianz als „alltägliche Ausgrenzung“ beschreibt: Die große Mehrheit der Fälle spielt sich im Klassenzimmer, bei der Wohnungssuche, im Kontakt mit Behörden oder im digitalen Raum ab, häufig in Gestalt rassistischer Beschimpfungen.

Während manche Formen von Hassrede mittlerweile gesellschaftlich geächtet sind, bleibe antimuslimische Polemik in vielen Milieus noch als „Meinungsäußerung“ oder „überspitzte Kritik“ durchgehen. Gerade darin liege die Gefahr, weil eine demokratische Öffentlichkeit sich an eine Normalität der Geringschätzung gewöhne.

klima muslime

Foto: Deutscher Bundestag / Marc-Steffen Unger

Welche Konsequenzen sollten folgen?

Vor diesem Hintergrund ist das neue Lagebild von CLAIM nicht nur ein Dokument der Zivilgesellschaft, sondern auch ein Prüfstein für staatliche und politische Reaktionen.

Die Organisation fordert eine präzisere Erfassung dieser Hasskriminalität in Polizeistatistiken, eine systematische Unterstützung von Betroffenen – etwa durch niedrigschwellige Meldestrukturen, psychosoziale Beratung und rechtliche Begleitung – sowie eine klare politische Sprache, die antimuslimischen Rassismus als eigenständige Kategorie gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit benennt.

Die Zahlen der Jahre 2024 und 2025 legen nahe, dass der bisherige Umgang mit dem Phänomen nicht ausreicht. Wer die Entwicklung ernst nimmt, muss die Vorstellung des „bedauerlichen Einzelfalls“ hinter sich lassen und stattdessen von Strukturen sprechen: von Debatten, in denen Musliminnen und Muslime vor allem als Sicherheitsrisiko dargestellt werden; von Institutionen, in denen Beschwerden nicht ernst genommen werden; von einem Alltag, in dem bestimmte Formen der Herabwürdigung als normal gelten.

Das Lagebild bietet dafür eine empirische Grundlage und stellt damit eine Frage an die rechtsstaatliche Selbstbeschreibung der Gesellschaft.

Wie sich die Zahlen entwickelt haben

Zwischen den Jahren 2023 und 2025 zeichnet sich eine klare Dynamik ab: Ausgehend von einem deutlich niedrigeren Niveau verzeichnete CLAIM für 2024 bereits mindestens 3.080 antimuslimische Vorfälle, ein Zuwachs um rund 60 % gegenüber 2023 mit zwei Tötungsdelikten und zahlreichen Körperverletzungen. Für 2025 steigt die Zahl weiter auf 4.096 Fälle, was einem erneuten Plus von etwa 33 % entspricht und rechnerisch über elf dokumentierte pro Tag bedeutet.

Mehr als 60 % davon sind verbale Angriffe (2.379 Fälle), hinzukommen 840 Diskriminierungen – unter anderem in Bildung, Arbeitsleben und Wohnungsmarkt – sowie 680 weitere verletzende Handlungen, darunter Körperverletzungen und Sachbeschädigungen.

Das Lagebild weist darüber hinaus zwei Tötungsdelikte, 214 Körperverletzungen, vier versuchte Tötungen und fünf Brandstiftungen sowie 61 Angriffe auf Moscheen und insgesamt 64 Übergriffe auf religiöse Einrichtungen aus; in knapp zwei Dritteln der Fälle, in denen das Geschlecht erfasst wurde, waren Frauen betroffen, insbesondere sichtbar muslimische Frauen.

Regionale Auswertungen wie das Berliner Lagebild mit 644 erfassten antimuslimischen Vorfällen für 2024 – mit deutlichem Schwerpunkt im Bildungsbereich und hoher Betroffenheit sichtbarer Musliminnen – fügen sich in dieses Bild ein und unterstreichen, dass es sich um eine strukturelle, nicht um eine punktuelle Entwicklung handelt.

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Drei Angriffe pro Tag: Muslimfeindlichkeit ist 2026 Alltag in Berlin

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Muslimfeindlichkeit in Berlin nimmt drastisch zu: 975 antimuslimische Übergriffe und Diskriminierungen wurden 2025 dokumentiert. Die Jahresbilanz von CLAIM belegt ein strukturelles Problem.

(iz). In Berlin ist Muslimfeindlichkeit längst kein Randphänomen mehr, sondern Teil des Alltags dieser Stadt. Frauen werden in der Tram bespuckt, Mädchen in Grünau am Bahnhof angegriffen, einer von ihnen wird das Kopftuch zerrissen, eine andere erleidet eine Verletzung durch ein Messer.

In Neukölln findet eine Moschee einen Drohbrief samt USB-Stick mit Gewaltaufrufen im Briefkasten, in Zehlendorf terrorisiert ein Nachbar einen Mann jahrelang mit antimuslimischen Hassbotschaften – trotz zahlreicher Anzeigen ohne Konsequenzen.

Foto: IZ Medien

Muslimfeindlichkeit: Alltag in Berlin

„Die dokumentierten Fälle zeigen, dass antimuslimischer Rassismus weiterhin ein strukturelles Problem darstellt, das sich durch nahezu alle Lebensbereiche zieht.“

Die Bilanz für Berlin macht diese Erfahrungen sichtbar: 975 antimuslimische Vorfälle wurden 2025 belegt – im Schnitt nahezu drei Attacken, Beleidigungen oder Benachteiligungen pro Tag. Das Spektrum reicht von verbalen Übergriffen (399 Fällen) über Diskriminierungen (273) bis hin zu 65 Körperverletzungen, darunter acht gefährliche. Erstmals seit 2024 wurden zudem wieder vier Angriffe auf Moscheen registriert.

Für Rima Hanano von CLAIM ist die Diagnose eindeutig: „Die Jahresbilanz zeigt deutlich: Antimuslimischer Rassismus ist für viele Menschen in Berlin Alltag – sie werden beleidigt, angegriffen, benachteiligt und diskriminiert.“ Besonders alarmierend seien die dokumentierten Körperverletzungen; zugleich würden Erfahrungen der Betroffenen „noch immer häufig relativiert oder in Frage gestellt“.

Auffällig sei, wie sehr diese Realität geschlechtlich codiert ist: In den Beispielen, in denen Angaben vorliegen, waren Frauen mit deutlich über der Hälfte der erfassten Fälle besonders häufig betroffen. Sie sind am meisten sichtbar, oft unterwegs mit ihren Kindern.

Der „Berliner Monitor“ hatte bereits 2024 darauf hingewiesen, dass ein Großteil der Musliminnen und „muslimisch gelesenen“ Personen in den zwei Jahren vor der Befragung Diskriminierungserfahrungen gemacht hat. Die neue Bilanz fügt diesem Bild konkrete Orte und Szenen hinzu: Straße, Tram, U-Bahn, Schulhof, Wartezimmer – der öffentliche Raum ist der häufigste Tatort, gefolgt von Bildungsinstitutionen und dem Internet.

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Foto: imago | Ina Peek

Keine Überraschung für Muslime

Für die Community kommen diese Angaben nicht überraschend. Sie sind eine Bestätigung, was seit Jahren beschrieben wird. Schon die vorangegangenen Zahlen hatten einen drastischen Anstieg signalisiert.

CLAIM spricht von einer „neuen Qualität“: mehr Enthemmung, Brutalität sowie Normalisierung von antimuslimischem Rassismus. Seit dem 7. Oktober 2023 wurden MuslimInnen nicht nur häufiger angegriffen. Man hat sie in politischen Debatten auch sichtbarer als Projektionsfläche markiert – als „Sicherheitsrisiko“, als ewiges Integrationsproblem. Die aktuelle Berliner Bilanz fügt sich nahtlos in dieses Lagebild ein.

Die Zahlen sind deshalb mehr als Statistik. Sie markieren eine Verschiebung dessen, was in der Stadt als sag- und machbar gilt. Die Analyse von CLAIM zeigt, dass antimuslimische Vorfälle eng mit Debatten über Migration, Asyl, Integration und Sicherheit verwoben sind.

Diskurse spielen eine Rolle

In Medien, Talkshows und sozialen Netzwerken kursierende Narrative schlagen sich in den Worten und Handlungen der Täter nieder: Wenn Muslime stets als Problem, Gefahr bzw. „Fremdkörper“ verhandelt werden, sinkt die Hemmschwelle, sie im Alltag anzuspucken, zu stoßen oder auszugrenzen.

„Solche Diskurse tragen dazu bei, rassistische und menschenfeindliche Positionen gesellschaftlich zu normalisieren und schaffen einen Nährboden für antimuslimische Übergriffe und Diskriminierungen.“

Gleichzeitig bleibt das Dunkelfeld groß. Studien zeigen, dass nur ein sehr kleiner Teil der Betroffenen Diskriminierungserfahrungen überhaupt meldet, Deutschland liegt dabei sogar unter dem ohnehin niedrigen EU-Durchschnitt.

Selbst in Berlin dürfte die reale Zahl antimuslimischer Vorfälle weit über den 975 dokumentierten Fällen liegen. So wichtig die zivilgesellschaftliche Erfassung ist. Sie zeigt vor allem jenen Ausschnitt, in dem Betroffene den Weg zu Beratungsstellen, Registerstellen oder Projekten wie Report! Berlin überhaupt finden.

berlin CLAIM

Foto: CLAIM Berlin

Jenseits der Empörung: Was ist die Botschaft für die Verantwortlichen?

Politisch sendet die Bilanz doppelte Signale. Berlins Senatorin Cansel Kiziltepe spricht von schockierenden Vorfällen und betont, dass Dokumentation und Analyse eine wichtige Grundlage für politische Forderungen und konkrete Maßnahmen seien, „um Musliminnen und Muslime in unserer Stadt noch besser zu schützen“. 

Zugleich erleben Betroffene, dass Anzeigen folgenlos bleiben, wie im Fall des Mannes aus Zehlendorf, dessen zahlreiche Meldungen über Jahre wirkungslos verpufften. Zwischen Bekenntnissen, Gedenktagen – etwa dem Berliner Gedenk- und Aktionstag gegen Islamfeindlichkeit am 15. März – und der tatsächlichen Praxis von Behörden klafft für viele eine spürbare Lücke.

CLAIM fordert daher nicht nur Empörung, sondern Struktur. Benannt werden der konsequente Ausbau von Dokumentations- und Monitoringstellen, eine bessere staatliche Erfassung und Strafverfolgung, mehr Beratungs- und Beschwerdestrukturen, verpflichtende Fortbildungen zu antimuslimischem Rassismus in staatlichen Einrichtungen sowie eine Berliner Landesstrategie gegen antimuslimischen Rassismus.

„Wenn ein erheblicher Teil der Menschen in dieser Stadt nicht die gleiche Sicherheit, den gleichen Schutz und die gleichen Chancen erfahren, ist das kein Problem einer Minderheit, sondern eine demokratische Herausforderung für uns alle.“

Für eine muslimische Öffentlichkeit, die seit Jahren über Strategien zwischen Resilienz, Selbstschutz und politischer Teilhabe diskutiert, steckt darin ein klarer Auftrag: Die eigenen Erfahrungen weiterhin zu dokumentieren, Kooperationen mit zivilgesellschaftlichen Strukturen zu suchen – und den Druck auf Politik und Institutionen aufrechtzuerhalten.

Eine zentrale Frage lautet: In welcher Stadt wollen wir leben? Eine Hauptstadt, in der Muslime ihre Kinder mit mulmigem Gefühl zur Schule schicken, weil der Schulweg zur Gefahrenzone werden kann? Oder ein Berlin, das seine eigene religiöse und kulturelle Vielfalt ernst genug nimmt, um sie zu schützen?

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(Islam)Debatte: eine sehr deutsche Form

islam debatte

Debatte: In den letzten Monaten versteigt sich ein ressentimentgeladner Diskurs zur Leugnung bestehender Muslimfeindlichkeit. (iz). Immer mehr Stimmen behaupten, „antimuslimischer Rassismus“ sei eine linke Erfindung. Wer so argumentiert, bestreitet, dass […]

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Frankreich: Muslime vermehrt im Visier von Hass

frankreich

Antimuslimische Vorfälle haben in Frankreich 2025 einen drastischen Sprung gemacht. (iz). Nach Angaben des Innenministeriums stieg die Zahl der registrierten Taten gegen Muslime um 88 % auf 326 Fälle und […]

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Claim zu Islamfeindlichkeit: Gedenktage alleine reichen nicht!

Muslimfeindlichkeit Islamfeindlichkeit Gedenktag

Islamfeindlichkeit: Der 15. März ist in Berlin in diesem Jahr erstmals offizieller Gedenk- und Aktionstag.

Berlin (iz). Doch aus Sicht von Expertinnen und Experten reicht ein symbolischer Termin allein nicht aus, um den Alltag vieler Musliminnen und Muslime sicherer zu machen. In Politik und Zivilgesellschaft wächst der Druck, den neuen Tag mit konkreten Maßnahmen gegen antimuslimischen Rassismus zu unterfüttern.

Islamfeindlichkeit: UN-Gedenktag mit Ursprung in Christchurch

Der Hintergrund des Datums liegt außerhalb Deutschlands: Die UN‑Generalversammlung hat 2022 den 15. März zum „International Day to Combat Islamophobia“ erklärt. Die Resolution reagiert auf das rechtsterroristische Attentat im neuseeländischen Christchurch 2019, bei dem ein Rechtsextremist 51 Menschen in zwei Moscheen ermordete.

Die UN betonen seitdem, Terrorismus und gewaltbereiter Extremismus dürften nicht einer Religion zugeschrieben werden, und fordern die Staaten auf, Muslime besser vor Hass, Diskriminierung und Gewalt zu schützen.

Berlin hat diesen Impuls aufgegriffen und den 15. März – in Ergänzung zum zivilgesellschaftlich etablierten 1. Juli, dem Gedenktag – als eigenen Gedenk‑ und Aktionstag eingeführt. Ein entsprechender Beschluss im Abgeordnetenhaus verpflichtet den Senat, das Thema in der Öffentlichkeit sichtbar zu machen und den Austausch mit Moscheegemeinden gezielt zu suchen.

Alarmierende Zahlen zu antimuslimischem Rassismus

Die aktuelle Jahresbilanz der Melde‑ und Informationsstelle Report! Berlin, die von der Allianz CLAIM getragen wird, zeichnet ein deutliches Bild einer strukturellen Problemlage. Für 2024 wurden in der Hauptstadt 644 muslimfeindliche Übergriffe und Diskriminierungen dokumentiert – ein Anstieg von mehr als 68 Prozent gegenüber 2023 mit 382 Fällen. Statistisch sind das fast zwei Vorfälle täglich in Berlin.

Auch die polizeiliche Statistik zur politisch motivierten Kriminalität weist keinen Rückgang aus. Bis zum 31. Dezember 2025 registrierten die Behörden 172 islamfeindliche Straftaten, bereits mehr als im Vorjahr mit 166 Fällen nach Nachmeldungen. Fachleute gehen von einem erheblichen Dunkelfeld aus, weil viele Betroffene Vorfälle nicht melden oder diese im institutionellen Alltag gar nicht erst als rassistische Taten erkannt werden.

​Studien bestätigen den gesellschaftlichen Nährboden für solche Verbrechen. Der Berliner Monitor kommt zu dem Ergebnis, dass mehr als die Hälfte der Einwohner antimuslimischen Aussagen zustimmt.

Auf Bundesebene zeigt die EU‑Grundrechteagentur (FRA), dass 68 Prozent der befragten Musliminnen und Muslime in Deutschland bereits rassistische Diskriminierung erfahren haben – einer der höchsten Werte im europäischen Vergleich.

Aktuelle Erhebungen wie der Motra‑Monitor verweisen zudem auf einen bundesweiten Anstieg muslimfeindlicher Einstellungen: 43 % der Bevölkerung teilen laut Studie antimuslimische Haltungen, knapp 29 % vertreten eine manifeste Muslimfeindlichkeit.

AfD demos

Foto: Shutterstock.com

„Keine Einzelfälle, sondern Alltag“

Für CLAIM ist damit klar, dass der neue Gedenktag die Wirklichkeit vieler Leute widerspiegelt, die in Berlin leben, arbeiten oder zur Schule gehen. „Wir sprechen nicht über Einzelfälle, sondern über eine strukturelle Realität – und über den Alltag vieler Menschen in dieser Stadt“, sagte Rima Hanano von CLAIM. Antimuslimischer Rassismus treffe Betroffene auf der Straße, in Bildungseinrichtungen, am Arbeitsplatz und im Kontakt mit Behörden.

Sie knüpft konkrete Erwartungen an den 15. März: Der Tag könne ein wichtiges Signal sein, müsse aber mit politischen Schritten verbunden werden. Genannt werden der bessere Schutz von Betroffenen, der Ausbau von Beschwerde‑ und Antidiskriminierungsstrukturen in Verwaltung und Bildung sowie niedrigschwellige Beratungs‑ und Meldestellen.

Ebenso fordert CLAIM eine konsequentere Erfassung und Strafverfolgung von Hasskriminalität, um aus Einzelfallberichten belastbare Strukturen der Prävention und Intervention zu entwickeln.

Foto: Wolfgang Staudte | Lizenz: CC-BY-NC 2.0

Mit Blick auf die Berliner Wahlen im September verweist das Projekt auf die wirtschaftlichen Folgen eines aufgeheizten Klimas. Wer die Hauptstadt als offene, vielfältige Metropole stärken wolle, müsse das Phänomen ernst nehmen – Engagement gegen Rassismus sei zugleich menschenrechtliche Verpflichtung und Teil einer Standortpolitik, die im Zeichen des Fachkräftemangels um qualifizierte Zuwanderung wirbt.

Wie sich antimuslimischer Rassismus im Alltag konkret äußert, zeigt eine Reihe von Fällen, die Report! Berlin für 2025 dokumentiert hat.

– Im Februar wurden am S‑Bahnhof Grünau zwei Mädchen im Alter von 14 und 16 Jahren am Kopftuch gezerrt, geschlagen und mit einem Messer verletzt.

– Im März erhielt eine Moschee in Neukölln ein Drohschreiben mit Gewaltaufrufen gegen Musliminnen und Muslime.

– Im Dezember wurde eine 65‑jährige Kopftuchträgerin am U‑Bahnhof Gesundbrunnen rassistisch beleidigt, bespuckt und zu Boden gestoßen.

Muslimfeindlichkeit

Foto: Dirk Enters/CLAIM

Zwischen Signalpolitik und Verpflichtung

In der Hauptstadtüolitik gilt der neue Gedenk‑ und Aktionstag vielen als überfälliges Signal an die rund eine halbe Million Musliminnen und Muslime in der Stadt. Nach Darstellung der Regierungsfraktionen soll der 15. März Schulen, Kultureinrichtungen, Medien und andere Akteure einladen, sich intensiver mit antimuslimischem Rassismus auseinanderzusetzen und entsprechende Bildungs‑ und Dialogformate zu entwickeln.

Gleichzeitig begleitet die Einführung des Tages eine Debatte darüber, wie konsequent der Senat die eigene Verpflichtung umsetzt. Während zivilgesellschaftliche Organisationen seit Jahren auf eine systematische Erfassung und Auswertung antimuslimischer Vorfälle drängen, bleibt die Implementierung umfassender Maßnahmen in Verwaltung und Sicherheitsbehörden vielerorts unvollständig.

Auch innerlinke Kontroversen über die Zusammenarbeit mit bestimmten Moscheegemeinden oder Trägern zeigen, dass praktische Antirassismusarbeit immer wieder politische Konfliktlinien berührt.

​Dennoch sehen Organisationen wie CLAIM im 15. März eine Chance, Themen auf die Tagesordnung zu setzen, die andernfalls leicht marginalisiert würden. „Es muss sich viel tun, damit Rassismus jeglicher Art nicht immer weiter zunimmt“, sagt Hanano und knüpft an die Forderung der UN an, dass der Gedenktag mehr sein soll als ein jährliches Ritual.

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Muslime und der deutsche Widerspruch

Muslime deutsch

Kommentar: Die Geschichte der Muslime in Deutschland ist vielen jungen Muslimen unbekannt. 

(iz). Sie wissen beispielsweise nicht, was Muslime nach 9/11 in Deutschland durchmachen mussten. Das Bewusstsein als Muslim in Deutschland zu leben, beschränkt sich auf die eigenen Erfahrungen, die oftmals von Diskriminierung und Rassismus geprägt ist.

Entgegen des Narratives, das die momentane Regierung anführen möchte – nämlich, dass Muslime übertreiben würden und der strukturelle Rassismus nicht so schlimm sei – erlebte auch ich, Jahrgang 1991, beständig Rassismus. In der Schule wurde mir von einem Englischlehrer vermittelt, dass die Gewalt, die von muslimischen Männern ausgeht, der Grund für die geringere Scheidungsrate unter Muslimen sei.

Ein Mitschüler, dessen Namen ich nur aus Höflichkeit nicht erwähne, fragte mich, warum ich keine Menschen angreife und versuche umzubringen; dies sei doch ein islamisches Gebot. Weiter: Auf dem Wohnungsmarkt wollte mir ein Makler eine Wohnung mit der Begründung vermieten, dass er im Gegensatz zu anderen nicht rassistisch sei. Das sind Erfahrungen, die die Mehrheit auch der jungen Muslime teilt. 

Was viele junge Muslime nicht wissen, ist, was beispielsweise hinter den Kulissen der Deutschen Islamkonferenz geschah. Wer wurde mit welcher Begründung eingeladen? Wem wird das Recht eingeräumt, Muslime zu vertreten? Wem wird das Recht eingeräumt, muslimische Belange mitzugestalten?

Während in Österreich der Islam eine staatlich anerkannte Religion ist, ist er in Deutschland nicht staatlich anerkannt. Und dennoch wird nun diskutiert, ob Muslime zum Staatsdienst an der Waffe sollen.

Das ist dermaßen absurd und inhuman, dass so etwas tatsächlich nur in dem Deutschland geschehen kann, das von Wieland, Goethe und anderen regelmäßig als barbarisch bezeichnet wurde. 

Der Islam gehöre nicht zu Deutschland, aber Menschen muslimischen Glaubens sollen das Land, in dem ihre rassistischen Erfahrungen bagatellisiert werden und in dem sie beleidigt und angegriffen werden, verteidigen.

Das erinnert an die Zustände in den USA. Muslime in Deutschland sind anderen Formen des Rassismus ausgesetzt: Der Bericht zu antimuslimischen Rassismus wurde zurückgezogen. Namen wurden gestrichen und er wurde neu veröffentlicht. All das ist das Ergebnis Lobbypolitik.

Das ist eine Vorgehensweise, die von Menschen geprägt wird, die sich durch Parteispenden und persönliche Kontakte beeinflussen lassen in ihren Entscheidungen. Es geht nicht um das Allgemeinwohl, sondern das eigene Interesse.

Wir lernten in der Schule Thomas Paine, einen Vater der amerikanischen und französischen Revolution, kennen. Er lehrte, dass Demokratie für alle Menschen gilt. Es ist eine Jugend herangewachsen, die Muhammad Ali und Malcolm X kennt. 

Die Millenials unter den Muslimen sind nun erwachsen und sie fordern Rechte und treten so selbstbewusst auf, wie die 1. und 2. Generation der Zuwanderer nach dem zweiten Weltkrieg in Deutschland niemals auftreten konnte. Deutschland ist im Wandel.

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Österreich zwischen Vorurteil und Politik

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Österreich: Die Alpenrepublik hat ein reales Problem mit Muslimfeindlichkeit. (KNA/IZ). Muslimfeindlichkeit in Österreich zeigt sich nicht nur in Vorurteilen, sondern in politischen Strukturen. Eine UN-Sonderberichterstatterin diagnostiziert ein tief verwurzeltes rassistisches […]

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Antimuslimisches Ressentiment in Europa: Nicht Religion, sondern Populismus

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Nicht die persönliche Religiosität treibt die Muslimfeindlichkeit im Westen Europas an, sondern eine ideologische Verbindung zu nativistischen und autoritären Einstellungen.  (iz). In einer Zeit, in der rechtspopulistische Parteien in Westeuropa […]

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