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Kurzmeldungen aus Ausgabe 362: Srebrenica-Erinnerung im Schatten von Gaza und Krieg in Afrika

papst dialog Kurzmeldungen

Auslands-Kurzmeldungen Ausgabe 362: In dieser Ausgabe behandeln wir u.a. Parallelen von Srebrenica und Gaza, Proteste bei der BBC sowie die ungebremste Katastrophe im Sudan.

Papst Leo verlangt „sofortigen Waffenstillstand“

ROM (MEMO). Papst Leo XIV. hat am 17. Juli seinen Aufruf zu einer „sofortigen Waffenruhe“ im Gazastreifen erneuert und seine „tiefe Hoffnung“ auf „Dialog, Versöhnung und dauerhaften Frieden in der Region“ zum Ausdruck gebracht, nachdem Israel eine katholische Kirche angegriffen hatte, in der Zivilisten Schutz gesucht hatten, wie die Nachrichtenagentur Anadolu berichtet. Der Appell erfolgte in einem Telegramm, das vom Staatssekretär des Vatikans Parolin unterzeichnet wurde, nachdem die Kirche der Heiligen Familie in Gaza bei einem israelischen Angriff getroffen worden war. Der Papst zeigte sich „zutiefst betrübt“ über den Angriff auf die Gemeinde, die mit Kriegsbeginn über 500 Menschen Zuflucht gewährt hat. Die israelische Armee lehnt internationale Forderungen nach einem Waffenstillstand ab und führt seit Oktober 2023 eine brutale Offensive in Gaza, bei der fast 58.600 Palästinenser getötet wurden, darunter vor allem Frauen und Kinder. Im November letzten Jahres erließ der IStGH Haftbefehle gegen den israelischen Premier Netanjahu und seinen ehemaligen Verteidigungsminister Gallant wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

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Borrell sieht Parallelen von Srebrenica und Gaza

LONDON (Agenturen). Der vormalige EU-Außenbeauftragte Josep Borell zog am 12. Juli Ähnlichkeiten zwischen dem Massaker von Srebrenica 1995 und dem Krieg im Gazastreifen und forderte sofortige Maßnahmen, um weitere Gräueltaten zu verhindern. Er schrieb auf X: „Vor 30 Jahren haben wir den Völkermord von Srebrenica nicht verhindert. Heute verneigen wir uns vor den Opfern. Der beste Weg, ihr Andenken zu ehren, ist, den anderen Völkermord zu stoppen, der derzeit in Gaza begangen wird“, fügte er hinzu. Im Juli 1995 griffen serbische Truppen die von der UNO zur Sicherheitszone erklärte Stadt Srebrenica an und töteten trotz der Anwesenheit niederländischer Friedenstruppen mehr als 8.000 bosnische muslimische Männer und Jungen.

Albanese zu Gaza: Das System ist gescheitert

GENF (KUNA). Die Sonderberichterstatterin der Vereinten Nationen für die Menschenrechtslage in den besetzten palästinensischen Gebieten, Francesca Albanese, erklärte am 2. Juli, dass die Ereignisse in Gaza „ein Versagen des globalen humanitären Systems beim Schutz der Bevölkerung vor Kriegsverbrechen und Völkermord“ widerspiegeln. Gegenüber der kuwaitischen Nachrichtenagentur KUNA sagte sie: „Was in Gaza geschieht, ist ein Appell an uns als multilaterales System, die noch verbliebenen humanitären Normen durch die Wiederbelebung der Rolle der Vereinten Nationen zu schützen.“

China

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Den Haag erlässt Strafbefehl gegen Taliban

DEN HAAG (KNA). Wegen der Unterdrückung von Frauen in Afghanistan hat der IStGH Haftbefehle gegen die Taliban erlassen. Wie das Gericht in Den Haag am 8. Juli mitteilte, betrifft die Anordnung Führungskopf Akhundzada und den obersten Richter Haqqani. Ihnen wird vorgeworfen, den Frauen und Mädchen allein aufgrund ihres Geschlechts grundlegende Rechte und Freiheiten vorenthalten zu haben. Die zuständige Kammer stellte fest, geschlechtsspezifische Verfolgung umfasse nicht nur direkte Gewalttaten, „sondern auch systemische und institutionalisierte Formen des Leids, einschließlich der Auferlegung diskriminierender gesellschaftlicher Normen“.

Gericht: Kritik im Nahostkrieg legitim

CANBERRA (The Conversation). Anfang dieses Monats entschied das Bundesgericht, dass Kritik an Israel, dem Zionismus und den israelischen Streitkräften nicht antisemitisch ist und daher nicht gegen das Gesetz verstößt. Diese Entscheidung könnte zur aktuellen Debatte über die Definition von Antisemitismus in Australien beitragen. Nach der einschlägigen Regelung müssen Gerichte den Kontext der betreffenden Äußerung sorgfältig berücksichtigen, einschließlich des verwendeten Tons und der Sprache. Das bedeutet z.B., dass es gegen das Gesetz verstoßen könnte, jüdische Bürger für die Handlungen Israels oder seiner Militärs verantwortlich zu machen.

myanmar

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Aufbruch des Landes hängt in der Schwebe

MONTEVIDEO (IPS). Als Mitte 2024 in Bangladesch Proteste ausbrachen, konnten nur wenige ahnen, wie schnell das Regime von Sheikh Hasina zusammenbrechen würde. Die Absetzung der Premierministerin im August 2024 nach Jahren zunehmender Autoritarisierung wurde als historische Chance für eine demokratische Erneuerung gefeiert. Fast ein Jahr später bleibt die Frage offen, ob Bangladesch sich in Richtung Demokratie entwickelt oder ob nur eine Form der Unterdrückung durch eine andere ersetzt wird. Die Übergangsregierung unter der Führung des Nobelpreisträgers Yunus steht vor enormen Herausforderungen, um sinnvolle Veränderungen herbeizuführen. Zwar hat sie wichtige Schritte unternommen, doch werfen anhaltende Missbräuche, politische Ausgrenzung und wirtschaftliche Instabilität weiterhin Schatten auf den Übergangsprozess.

Višegrad: 33 Jahre nach den Massakern

GÖTTINGEN (GfbV). Die Gesellschaft für bedrohte Völker erinnerte anlässlich des 33. Jahrestages an die grausamen Verbrechen in der ostbosnischen Stadt Višegrad im Sommer 1992: „Višegrad steht sinnbildlich für die systematische Entmenschlichung und Vernichtung bosniakischen Lebens durch bosnisch-serbische Einheiten. Diese Gräueltaten sind nicht nur Teil der Vergangenheit – sie werden bis heute geleugnet“, mahnte Jasna Causevic von der GfbV.

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Brasilien schließt sich der Klage Südafrikas an

BRASILIA (MEMO). In einem wichtigen Schritt hat Brasilien seine Absicht bekannt gegeben, sich der südafrikanischen Klage gegen Israel wegen Völkermordes vor dem IGH anzuschließen. Diese Entscheidung spiegelt die wachsende internationale Besorgnis über die humanitäre Krise wider. In einer Stellungnahme erklärte Außenminister Vieira, dass „Brasilien derzeit daran arbeitet, die notwendigen Verfahren für den Beitritt zu dem Verfahren abzuschließen, und dass eine offizielle Ankündigung in Kürze erfolgen wird“.

Gericht kassiert ein Burkini-Verbot

NIZZA (Agenturen). Ein französisches Gericht hat am 18. Juli eine kommunale Verordnung zum Verbot von Burkini-Badeanzügen an öffentlichen Stränden in einem Ort bei Cannes ausgesetzt und entschieden, dass der Erlass gegen Grundfreiheiten verstößt. Die Entscheidung des Verwaltungsgerichts in Nizza folgte auf eine Klage der Menschenrechtsliga, die argumentierte, das Verbot richte sich unrechtmäßig gegen muslimische Frauen.

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Foto: Siora Photography, Unsplash

Berichterstattung: Protest gegen Zensur bei der BBC

LONDON (MEMO). Mehr als 400 VIPs und Medienpersönlichkeiten haben das BBC-Management aufgefordert, einem Vorstandsmitglied wegen „undurchsichtiger Entscheidungen auf höchster Ebene“ zum Nahostkonflikt zu kündigen. Miriam Margolyes, Alexei Sayle und Juliet Stevenson gehören zu Hunderten von Schauspielern, Schriftstellern und Medienvertretern, die einen Brief unterzeichnet haben, in dem sie die Entlassung von Robbie Gibb wegen Interessenkonflikte im Zusammenhang mit dem Nahen Osten fordern. Zu den Unterzeichnern zählten auch 111 BBC-Journalisten, die „Bedenken über undurchsichtige redaktionelle Entscheidungen und Zensur bei der Berichterstattung über Israel/Palästina“ äußern.

Lage für Afghanen verschlechtert sich

GENF (IPS). Seit Anfang Juni leiden afghanische Flüchtlinge im Iran unter immer härteren Umstände. In einem Bruch des Völkerrechts werden sie zur Rückkehr gezwungen werden. Allein 2025 sind über eine Mio. nach Afghanistan zurückgekehrt, was die begrenzten Ressourcen inmitten einer schweren und vielschichtigen humanitären Krise weiter strapaziert. Auslöser der jüngsten Bewegung war eine Reihe von Luftangriffen Israels auf militärische und nukleare Einrichtungen im Iran. Laut UNHCR stieg die Zahl der täglich zurückkehrenden afghanischen Flüchtlinge in Folge sprunghaft an und lag im Durchschnitt bei etwa 5.000 Ankünften pro Tag.

Ayman Odeh bleibt Knesset-Mitglied

JERUSALEM (KNA). „Glücklich über die Freilassung von Geiseln und Gefangenen“: Diese Aussage von Ende Januar auf der Plattform X hätte den arabisch-israelischen Parlamentsabgeordneten und Vorsitzenden der Chadasch-Partei Ayman Odeh beinahe seinen Knessetsitz gekostet. Eine Abstimmung über eine Amtsenthebung scheiterte am 14. Juli. Statt der erforderlichen Zweidrittelmehrheit stimmten nur 73 der 120 Abgeordneten für den Antrag, darunter auch mehrere Oppositionspolitiker. Mehrere Parteien boykottierten das Votum.

Gaza

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Gewalt gegen die Zivilisten geht weiter

GAZA (IZ). Die letzten Wochen in Gaza waren geprägt von anhaltender Gewalt, einer sich weiter verschärfenden humanitären Krise und massiven Menschenrechtsverletzungen. Israelische Streitkräfte setzten ihre Angriffe auf verschiedene Teile Gebiets fort, wobei täglich unzählige Zivilisten getötet oder verletzt wurden. Gleichzeitig verschlechterte sich die Versorgungslage für die palästinensische Bevölkerung dramatisch, insbesondere im Hinblick auf Nahrungsmittel, Wasser, medizinische Versorgung und Schutzräume. Aufrufe internationaler Organisationen zum Ende der Gewalt blieben ungehört.

„Grausamster Genozid der heutigen Geschichte“

GENF (KUNA). Die UN-Sonderberichterstatterin für die Menschenrechtslage in den besetzten palästinensischen Gebieten, Francesca Albanese, erklärte am 3. Juli: „Israel ist für einen der grausamsten Völkermorde der heutigen Geschichte verantwortlich.“ Albanese bezeichnete die Lage in den besetzten palästinensischen Gebieten als „apokalyptisch“, da die Palästinenser weiterhin „unvorstellbares Leid“ erdulden müssten.

leben

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Tourismussektor wächst 2025 stark an

RIAD (KUNA). Saudi-Arabien lag laut dem von der UN-Tourismusorganisation veröffentlichten Welt-Tourismus-Barometer im ersten viertel 2025 (im Vergleich zu 2019) global an führender Stelle beim Anstieg der weltweiten Tourismuseinnahmen, teilte die saudische Presseagentur SPA am 19. Juli mit. Wie aus dem Bericht hervorgeht, belegte das Königreich im ersten Quartal 2025 weltweit den dritten Rang beim Wachstum der internationalen Touristenankünfte und den zweiten Platz im Nahen Osten.

Mord, Gewalt und Hunger plagen Sudan

KHARTUM (MEMO). Massengräuel, Vergewaltigungen, Hungersnöte, sexuelle und ethnisch motivierte Gewalt prägen den Bürgerkrieg im Sudan seit seinem Ausbruch vor zwei Jahren. Ein neuer Report der Vereinigung Ärzte ohne Grenzen (MSF) schildert in erschütternden Details, dass sich nichts geändert hat und kein Ende des Konflikts in Sicht ist. Basierend auf Interviews mit über 80 Zivilisten, Daten von MSF und direkten Beobachtungen ihrer medizinischen Teams dokumentiert der Bericht die Gewalt und humanitäre Katastrophe in El Fasher, der Hauptstadt von Nord-Darfur. Dort haben die Rapid Support Forces (RSF) Hunderttausende Menschen eingekesselt und die Stadt belagert. MSF hat festgestellt, dass Massenmorde und Hungersnöte im Gange sind. Lebensmittel, Wasser und humanitäre Hilfe werden blockiert. Lebensmittelgeschäfte und Märkte, Wassertürme und Pumpen, Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen werden ständig angegriffen.

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Israelische Luftangriffe verschärfen Krise

DAMASKUS (IPS). Im Laufe des Julis hat sich die humanitäre Lage in Syrien erheblich verschlechtert, wobei die Spannungen zwischen der religiösen Minderheit der Drusen und dem Militär einen neuen Höhepunkt erreicht haben. Am 16. Juli startete Israel eine Reihe schwerer Luftangriffe auf Damaskus, was die Instabilität in der Region weiter verschärfte und die Notlage der Bevölkerung verschlimmerte. Es kam in Suwayda zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Drusen und Beduinen, die sich auf benachbarte Städte ausweiteten und die Übergangsregierung veranlassten, die Ordnung wiederherzustellen.

USAID-Kürzungen treffen Rohingya-Kinder

BANGKOK (KNA). Kürzungen bei der humanitären Hilfe durch die USA beeinträchtigen das schulische Angebot für Hunderttausende Kinder in den Lagern. Bildungsmöglichkeiten gebe es nur an Schulen, die von der Gemeinschaft ohne externe Unterstützung oder offizielle Anerkennung betrieben würden, teilte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch in Bangkok mit.

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Wagner: Vorermittlungen wegen Kriegsverbrechen

DEN HAAG (IZ). Es liegen Berichte über Vorermittlungen des IStGH gegen die russische Wagner-Gruppe wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen in Westafrika vor. Konkret wurde eine vertrauliche Rechtsanalyse – u.a. durch das Menschenrechtszentrum der Universität Berkeley – eingereicht. Darin werden die russischen Söldner schwerer Kriegsverbrechen und ihrer aktiven Propagierung sowie Verherrlichung auf sozialen Medien beschuldigt.

Kurzmeldungen aus Ausgabe 356: von Afrika bis Syrien

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Kurzmeldungen Ausgabe 356: In dieser Ausgabe spannen sich die internationalen Meldungen vom Desinteresse an Afrika, über die Lage im Nahen Osten bis zum österreichischen Rechtsruck.

Drohnenkrieg gefährdet humanitäre Hilfe

BRATISLAVA (IPS). Experten warnen, dass humanitäre Hilfsaktionen in einigen Gebieten in Zukunft unmöglich werden könnten, da ein neuer Bericht einen dramatischen Anstieg des Einsatzes bewaffneter Drohnen in Konfliktgebieten zeigt. Der am 14. Januar veröffentlichte Bericht von Insecurity Insight zeigt, dass die Zahl der registrierten Vorfälle, die sich direkt auf Hilfs- und Gesundheitsprogramme in Konfliktgebieten auswirken, im letzten Jahr fast um das Vierfache gestiegen ist. Und dass sich der Anteil der abgeworfenen Sprengstoffe an allen Einsätzen, die Hilfs- oder Gesundheitsversorgung beeinträchtigten, verdoppelt hat. Es wird davor gewarnt, dass die Häufigkeit des Drohneneinsatzes in Konflikten und damit die Zahl der Vorfälle in den kommenden Jahren wahrscheinlich zunehmen wird. Das gilt für das Ausmaß und die Zahl der betroffenen Länder bzw. Gebiete. Es ist erheblich billiger, explosive Munition mit Drohnen zu transportieren als mit bemannten Flugzeugen. Ihr Einsatz birgt für die Bediener nur ein minimales Risiko, verbunden mit der zunehmenden Verfügbarkeit von Komponenten auf militärischen und kommerziellen Märkten. „Es könnte eine Zeit kommen, in der Hilfsorganisationen in einigen Konfliktgebieten nicht mehr arbeiten können (wegen der mit Drohnen verbundenen Risiken)“, sagte Christina Wille, Direktorin von Insecurity Insight. Der Bericht hebt hervor, dass der Drohneneinsatz in Konfliktzonen in den letzten zwei Jahrzehnten und insbesondere den vergangenen Jahren exponentiell stieg. Es kommt zu Tötungen und Verletzungen von Gesundheits- und Hilfskräften sowie zur Zerstörung der Hilfsinfrastruktur, einschließlich Lagerhäusern, Vertriebenen- oder Flüchtlingslagern, Gesundheitseinrichtungen und Krankenwagen.

Waffenruhe: Rotes Kreuz bietet Hilfe an

GENF (KUNA). Die Präsidentin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Mirjana Spoljaric, erklärte am 15. Januar, dass man bereit sei, die Umsetzung des Waffenstillstandsabkommens in Gaza zu unterstützen. In einer in Genf veröffentlichten Erklärung bekundete sie die Bereitschaft, alle vereinbarten Freilassungsaktionen zu erleichtern, um sicherzustellen, dass die Geiseln beider Seiten nach Hause zurückkehren können. Sie betonte, dass das IKRK als neutraler Vermittler die Freilassung von 109 Geiseln sowie 154 Gefangenen in einer hochkomplexen Operation ermöglicht habe. Spoljaric wies außerdem auf den Willen des IKRK hin, seine humanitäre Hilfe in Gaza erheblich auszuweiten, wo die Situation von beiden Seiten dauernde Anstrengungen erfordert, um zu gewährleisten, dass die Arbeit sicher und effektiv durchgeführt werden kann. Sie betonte, dass das IKRK eine ständige Präsenz in Gaza unterhält, und forderte alle Parteien auf, ihre Verpflichtungen aus dem humanitären Völkerrecht zu respektieren.

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Foto: Feed My Starving Children (FMSC)

CARE: Die Medien vernachlässigen Afrika

BONN (KNA/IZ). Die Krisen in Afrika finden nach Ansicht der Hilfsorganisation Care zu wenig Beachtung in der Berichterstattung. Zum dritten Mal in Folge belegen ausschließlich afrikanische Staaten die ersten zehn Ränge im am 15. Januar veröffentlichten Report über humanitäre Katastrophen, die im vergangenen Jahr keine oder kaum Schlagzeilen machten. An erster Stelle steht Angola. Den zweiten Platz belegt die von einem anhaltenden Bürgerkrieg gezeichnete Zentralafrikanische Republik. Auf dem dritten Rang findet sich Madagaskar, das unter den Folgen der Klimakrise leidet.

UNHCR fordert Hilfe für Rohingya

BANGKOK (KNA). Die Rohingya zählen zu den verfolgten Minderheiten in Burma. Viele wagen die Flucht über das Meer, doch die Zielländer verweigern die Aufnahme. Die UN sind alarmiert. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR rief die Staaten Südostasiens zur Rettung von Rohingya-Bootsflüchtlingen aus dem Bürgerkriegsland auf und verurteilt Zurückweisungen auf die offene See. „Die Rettung von Menschenleben muss oberste Priorität haben“, sagte Hai Kyung Jun, Direktorin des UNHCR-Regionalbüros für Asien und den Pazifik, am 15. Januar in Bangkok. Die muslimische Volksgruppe der Rohingya wird von der Militär-Junta in Myanmar unterdrückt und verfolgt. In ihrem Siedlungsgebiet im Bundesstaat Rakhine steht die diskriminierte ethnisch-religiöse Minderheit in den Kämpfen von der Armee und der Rebellenmiliz Arakan Army zwischen den Fronten.

Foto: A. Kaziliunas | Shutterstock

Muslime kritisieren Tory-Chefin Badenoch

LONDON (Agenturen). Der muslimische Rat von Großbritannien kritisierte am 8. Januar die Vorsitzende der Konservativen Partei Badenoch scharf für ihre Äußerungen im Unterhaus. Sie warf ihr vor, auf zynische Weise eine Definition von Islamophobie mit Ermittlungen zu schweren Verbrechen zu vermischen. Der Rat bezeichnete ihre Aussagen als spaltend sowie falsch und forderte sie auf, ihre Behauptungen zurückzunehmen.

UNIFIL moniert Zerstörungen der Besatzung

BEIRUT (KUNA). Die UN-Friedenstruppen im Libanon (UNIFIL) kritisierten die Zerstörung von zivilem sowie militärischem Eigentum und Infrastruktur im Südlibanon durch die israelischen Besatzungstruppen, darunter auch Eigentum der UN-Truppen. „Wir fordern alle Akteure auf, jegliche Handlungen zu unterlassen, einschließlich der Zerstörung von zivilem Eigentum und Infrastruktur, die die Einstellung der Feindseligkeiten gefährden könnten“, so die UNIFIL in einer Pressemitteilung.

krieg gaza

Foto: GRAPHIC DESIGN BLOG

Arabische Staaten begrüßen Waffenruhe

KAIRO (Agenturen). Staaten im Nahen Osten begrüßten die Waffenruhe für Gaza zwischen Israel und der Hamas vom 15. Januar. Es war das Ergebnis von intensiven Verhandlungen mit internationalen Vermittlern. „Ich begrüße das Waffenstillstandsabkommen für Gaza nach über einem Jahr intensiver Bemühungen unter Vermittlung Ägyptens, Katars und der USA“, sagte Ägyptens Präsident Sisi auf Facebook. Er betonte die dringende Notwendigkeit, humanitäre Hilfe nach Gaza zu bringen. Das jordanische Außenministerium lobte die Bemühungen Ägyptens, Katars und der USA, eine Einigung zu erzielen, und betonte die „Notwendigkeit, sich vollständig daran zu halten“. In der Erklärung wurde Außenminister Safadi mit den Worten zitiert, dass „eine sofortige internationale Initiative gestartet werden muss, um ausreichende und nachhaltige humanitäre Hilfe zu leisten, um die durch die israelische Aggression gegen Gaza verursachte humanitäre Katastrophe zu bewältigen“. Auch Saudi-Arabien begrüßte die Nachricht und betonte, dass „die Einhaltung des Abkommens, die Beendigung der israelischen Aggression gegen Gaza, der vollständige Abzug der israelischen Besatzungstruppen aus dem (Gaza-)Streifen und allen palästinensischen und arabischen Gebieten sowie die Rückkehr der Vertriebenen in ihre Gebiete notwendig sind“.

„Kampf gegen Islam“: Rechtsruck geht weiter

WIEN (IZ/KNA). Anfang Januar sorgte die Landeshauptfrau von Niederösterreich, Johanna Mikl-Leitner, mit ihren Äußerungen zum Islam für Empörung in Österreich. In einem Interview mit ORF forderte sie „konkrete Maßnahmen“ im „Kampf gegen den Islam“. Nach Protesten ruderte die Politikerin der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) leicht zurück. Sie korrigierte sich dahingehend, dass es ihr um den „politischen Islam“ ginge. Sie würde sich schon seit Jahren gegen die Instrumentalisierung der Religion einsetzen. Ihre Äußerung führte zu heftiger Kritik durch die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ). Mikl-Leitners Worte seien als „direkter Angriff auf die Würde der Muslime in Österreich“ zu werten. Ihre Ansichten ereignen sich nicht im luftleeren Raum. In unserem Nachbarland ist die rechtsextreme FPÖ integraler Bestandteil der Politik. Sie kann seit den Europawahlen von der Schwäche der Mitte profitieren. Nachdem dort die Gespräche über die Bildung einer Dreierkoalition scheiterten, musste Präsident Van der Bellen FPÖ-Chef Kickl mit der Regierungsbildung beauftragen. Anfang Januar veröffentlichte die Universität Wien eine Untersuchung zu Einstellungen gegenüber Religion. Demnach seien Antipathien bzgl. Islam und Judentum häufig in der Gesellschaft. Laut der Erhebung für das ORF-Projekt „Was glaubt Österreich?“ erklärten 39 % der Befragten christliche und islamische Werte für unvereinbar. 31 % vertraten die Meinung, dass die Religionsausübung von Muslimen eingeschränkt werden sollte. Die vollständigen Studienresultate sollen im Frühling 2025 präsentiert werden.

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IKRK: Kriegsparteien müssen Zusagen einhalten

GENF (KUNA). Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) forderte am 19. Januar die Parteien des Waffenstillstandsabkommens für Gaza auf, sich an ihre Verpflichtungen zu halten. Der Waffenstillstand sei ein Neubeginn, und es werde noch lange Zeit nach der Freilassung der Gefangenen einen enormen humanitären Bedarf geben, sagte ein Vertreter nach der Sitzung des Komitees. Das Komitee bekräftigte seine Bereitschaft, den Gefangenenaustausch zu erleichtern. Er wies darauf hin, dass das IKRK seine Arbeit seit dem Ausbruch der israelischen Besatzungsaggression im belagerten Gazastreifen nicht eingestellt habe.

Guterres: Waffenruhe erster, wichtiger Schritt

WASHINGTON (KUNA). UN-Generalsekretär Antonio Guterres begrüßte die Ankündigung einer Vereinbarung zur Sicherung eines Waffenstillstands und der Freilassung von Geiseln in Gaza nach 15 Monaten Krieg. In einer Rede vor Reportern im UN-Hauptquartier lobte er die Vermittler Ägypten, Katar und die Vereinigten Staaten für ihre engagierten Bemühungen bei der Aushandlung des Abkommens. „Ihr unerschütterliches Engagement für eine diplomatische Lösung war entscheidend für diesen Durchbruch“, sagte er.

töten krieg

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IOM: Es braucht jetzt Schutz vor der Kälte

GENF (IZ). Die Internationale Organisation für Migration (IOM) ist zutiefst beunruhigt über die verheerenden Auswirkungen der Winterregenfälle und der eisigen Temperaturen auf die vertriebenen Palästinenser in Gaza. „Schutzbedürftige Menschen (…) sind an Unterkühlung gestorben, und diese tragischen Todesfälle unterstreichen die dringende Notwendigkeit von Unterkünften und anderer Hilfe,“, sagte IOM-Generaldirektorin Amy Pope.

Aufruf von Helfern zu einem Waffenstillstand

KÖLN (IZ/IRD). Die Hilfsorganisation Islamic Relief fordert die Kriegsparteien im Sudan dazu auf, die ungehinderte Lieferung von humanitärer Hilfe zu ermöglichen. Auch appelliert sie an die internationale Gemeinschaft, ihre Bemühungen zu verstärken, um eine Ausbreitung der Hungersnot im Land zu verhindern und ein dauerhaftes Friedensabkommen zu erreichen. Schätzungsweise 30,4 Mio. Menschen im Sudan benötigen im Jahr 2025 Hilfe. Dies entspricht fast zwei Dritteln der Bevölkerung des Landes. Es bedeutet einen Anstieg um 5,6 Mio. im Vergleich zu 2024, der auf den verheerenden Konflikt, die daraus resultierende Vertreibung, den Ausbruch von Krankheiten, Naturkatastrophen und die dezimierten Lebensgrundlagen zurückzuführen ist. Durch keinen anderen Krieg wurden so viele gezwungen, aus ihrem Zuhause zu fliehen. Das sind 12 Mio. seit Kriegsbeginn am 15. April 2023, davon sind 8,8 Mio. vertrieben im eigenen Land.  Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) sind 3,2 Millionen Menschen über die Grenzen des Sudans in Nachbarländer geflohen. In dem ostafrikanischen Staat herrscht eine der schlimmsten humanitären Krisen weltweit: Der Bedarf an Hilfe eskaliert, die Zahl der Vertriebenen steigt, die Unterernährungsrate nimmt zu und die Ernährungslage ist unsicher.

Malaysia Steinmeier Staatsbesuch

Foto: Amirul Azmi | fotoBERNAMA

Regionale Kooperation soll ausgebaut werden

KUALA LUMPUR (KUNA). Der malaysische Premierminister Anwar Ibrahim und der indonesische Präsident Prabowo Subianto betonten, wie wichtig es sei, die ASEAN zu stärken und die regionale Zusammenarbeit während des diesjährigen Vorsitzes Malaysias in der Vereinigung zu fördern. In einer Presseerklärung vom 8. Januar sagte Ibrahim, Subianto habe dieses Engagement während einer geschlossenen Sitzung im Rahmen seines Besuchs in der malaysischen Hauptstadt angekündigt. Die beiden Seiten erörterten die bilateralen Beziehungen mit Schwerpunkt auf der Förderung von Handel, Investitionen, grenzüberschreitender Zusammenarbeit und der Lösung offener Fragen.

Volle Aufklärung von Staatsverbrechen gefordert

GÖTTINGEN (GfbV). Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) begrüßte das Vorhaben des Chefanklägers des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH), Karim Khan, die Kriegsverbrechen des gestürzten Diktators Baschar al-Assad in Syrien zu untersuchen. „Unter Assad wurden zehntausende Menschen ermordet. Politische Gefangene wurden in den Gefängnissen zu Tode gefoltert. Zivile Ziele wurden angegriffen und zerstört. Assads Diktatur ist für die Vertreibung Hunderttausender Menschen in Syrien verantwortlich. Die Opfer des Regimes und ihre Angehörigen verdienen Gerechtigkeit“, sagt der GfbV-Nahostreferent Dr. Kamal Sido am 20. Januar in Göttingen.

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Warnung vor zu frühen Wahlen

HAMBURG (KNA). Für Neuwahlen in Syrien braucht es aus Sicht des Nahost-Experten Volker Perthes mehr Zeit. „Schnelle Wahlen sind in solchen Übergangsprozessen nie gut“, sagte er im Interview dem „Stern“. Ohne ausreichende Vorbereitung könne es zu einer „Fortsetzung des Bürgerkriegs an den Urnen“ kommen, das habe sich in anderen Ländern gezeigt. „Man braucht einen Zensus, man braucht ein Parteiengesetz, man braucht die politische Atmosphäre und Stabilität. Ansonsten wird es schwierig“, betonte der frühere UN-Sonderbeauftragte für den Sudan. Die Übergangsregierung hat Neuwahlen in vier Jahren in Aussicht gestellt. Ob das der richtige Zeitrahmen sei, „darüber kann man sicher diskutieren“.

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Was bedeutet der Assad-Sturz für den Nahen Osten

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Es wird seit Anfang Dezember letzten Jahres darüber spekuliert, wie sich der Niedergang des Assad-Regimes auf die Machtverhältnisse im Nahen Osten auswirken könnte. (IPS/The Conversation/IZ). Es ist fast schon ein […]

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Trump-Administration sieht „Wendepunkt“ in Nahost. Israelische Armee greift im Westjordanland an

trump westjordanland

Während die neue US-Regierung von einem „Wendepunkt“ im Nahen Osten spricht, eskaliert die israelische Armee ihre Angriffe im Westjordanland.

(dpa, KUNA iz). Die neue US-Regierung sieht die Waffenruhe im Gaza-Krieg als große Chance, um die Normalisierung der Beziehungen zwischen Tel Aviv und den arabischen Staaten im Nahen Osten voranzutreiben.

Sollte dies gelingen, wäre das ein enormer Fortschritt für Israel und die gesamte Region, sagte Steve Witkoff, der Nahost-Gesandte des neuen US-Präsidenten Donald Trump, dem Sender Fox News.

Regionale Beziehungen auf dem Weg zur Normalisierung?

Schon während Trumps erster Amtszeit begann Israels Isolation im Nahen Osten zu bröckeln. Trump hatte 2020 die sogenannten Abraham-Abkommen zur Normalisierung der Beziehung zwischen Israel und mehreren arabischen Staaten auf den Weg gebracht – damals ein historischer Durchbruch.

Foto: en.kremlin.ru

Durch die seit Sonntag geltende Waffenruhe in Gaza- und den Machtwechsel in den USA gebe es jetzt wieder eine besondere Dynamik, sagte Witkoff. Katar und Ägypten hätten sich schon erfolgreich als Vermittler bei den Verhandlungen mit der Hamas eingebracht, nun könnten andere Länder folgen. „Ich glaube, dass man jeden in dieser Region an Bord holen könnte“, sagte Witkoff. „Das ist ein Wendepunkt.“

Saudi-Arabien hat politisch und wirtschaftlich erhebliches Gewicht in der Region. In einem Telefonat anlässlich seiner Vereidigung habe Kronprinz Mohammed bin Salman am Mittwochabend mit Trump besprochen, wie beide Länder gemeinsam „Frieden, Sicherheit und Stabilität im Nahen Osten“ voranbringen könnten, berichtete die saudische Agentur SPA. Der US-Präsident habe ebenfalls Bereitschaft zur Zusammenarbeit signalisiert.

Bröcklige Ruhe in Gaza – Angriffe im Westjordanland werden hingegen intensiviert

Am Dienstag ordnete die israelische Regierung eine groß angelegte Angriffe in der Westbank an, bei der seither rund ein Dutzend Palästinenser getötet wurden. Vor allem in Dschenin kam es zu bewaffneter Gewalt.

Die saudische Regierung reagierte empört, verurteilte den Gewalteinsatz der israelischen Armee und forderte die internationale Gemeinschaft auf, das völkerrechtswidrige Vorgehen der „Besatzungsmacht“ zu stoppen. Ein UN-Sprecher warnte davor, das Leben unschuldiger Menschen aufs Spiel zu setzen und zivile Infrastruktur zu zerstören.

Berichten zufolge gab es Razzien in mehreren Städten des 1967 von Israel besetzten Gebiet, auch Drohnenangriffe wurden gemeldet.

Foto: ISM Palestine, via Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY-SA 2.0

Gewalt durch Siedler

Als nach dem Inkrafttreten der Feuerpause in Gaza Dutzende palästinensische Häftlinge im Austausch gegen drei Hamas-Geiseln aus israelischen Gefängnissen freikamen und viele von ihnen ins Westjordanland zurückkehrten, kam es dort wiederholt zu Angriffen radikaler israelischer Siedler auf palästinensische Dörfer. Israelischen Medienberichten zufolge setzten die vermummten Siedler in den Dörfern Gebäude und Fahrzeuge in Brand.

Israel hatte während des Sechs-Tage-Krieges 1967 unter anderem das Westjordanland, den Gazastreifen und Ost-Jerusalem erobert. Hier leben inmitten von drei Millionen Palästinensern inzwischen etwa eine halbe Mio. israelischer Siedler. Einschließlich Ost-Jerusalems sind es sogar 700.000 Siedler.

Der UN-Sicherheitsrat hatte 2016 die Siedlungen als eine Verletzung des internationalen Rechts bezeichnet und Israel aufgefordert, sämtliche Siedlungsaktivitäten in den Palästinensergebieten zu stoppen.

Foto: UN Geneva, via flickr | Lizenz: CC BY-NC-ND 2.0

UN-Generalsekretär Guterres warnt vor Annexion

Generalsekretär Antonio Guterres schlug am Mittwoch Alarm wegen des Plans der israelischen Besatzung, in den besetzten palästinensischen Gebieten eine neue Realität zu schaffen, und verwies auf die „Absichten, das Westjordanland zu annektieren“, was er als „eklatante Verletzung“ des Völkerrechts bezeichnete.

Eine Möglichkeit ist die Annexion des Westjordanlands und eine Art Schwebezustand in Gaza mit unklarer Regierungsführung, was eine völlige Verletzung des Völkerrechts darstellen würde“, sagte er auf dem jährlichen Weltwirtschaftsforum (WEF) im Schweizer Alpenort Davos.

Er fuhr fort, dass „einseitige Handlungen der Besatzungsmacht“ die internationalen Bemühungen um Frieden untergraben und gegen die Grundprinzipien des Völkerrechts verstoßen. Er betonte die dringende Notwendigkeit einer umfassenden politischen Lösung auf der Grundlage einer Zweistaatenlösung für den Nahostkonflikt.

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Tristesse in Bethlehem – eine weitere Weihnacht im Krieg

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Vor einem Jahr waren die Menschen in Bethlehem noch zuversichtlich. Zu Weihnachten 2024 werde der Krieg in Nahost vorbei sein, meinten viele. Nun steht die Stadt vor einem weiteren zermürbenden Kriegswinter.

Bethlehem (KNA) Nichts lässt in diesen sonnig-milden Dezembertagen in Bethlehem erahnen, dass sich die größte Weltreligion an ihrem Ursprungsort auf ihr schönstes Fest vorbereitet. Die Kleinstadt südlich von Jerusalem verharrt – wie das gesamte Palästinensische Gebiet – aufgrund des Gaza-Kriegs im Trauermodus: kein bunt geschmückter Weihnachtsbaum, keine Musik, keine Girlanden mit Weihnachtskrippe und Rentierschlitten, mit der die Stadt normalerweise auf dem zentralen Manger Square ihre Besucher begrüßte. Der „Krippenplatz“ zwischen Bürgermeisteramt, Friedenszentrum und Geburtskirche ist heute vollgeparkt mit Taxis, die vergeblich auf Passagiere warten. Von Johannes Schidelko

Die Kirchenoberen wollen auch in diesem Jahr der Linie von Stadt und Staat weitgehend folgen. Das christliche Weihnachten im Heiligen Land soll auf äußeren Pomp, laute Musik und prunkvolle öffentliche Feiern verzichten. Die Gläubigen sind angehalten, das an die Geburt Jesu in Bethlehem vor mehr als 2.000 Jahren erinnernde Fest zurückhaltend in den Gotteshäusern zu begehen.

Die Kirchenführer wehren sich indes gegen den Eindruck, dass die Christen ihr Hochfest absagen wollten. „Wir feiern das Fest des Friedensfürsten, das ein Fest der Hoffnung für alle Menschen ist“, sagt Bethlehems Ortspfarrer Rami Asakrieh der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Doch die Stadt Bethlehem, in der die Christen trotz sinkender Zahlen noch ein Drittel der Bevölkerung ausmachen, leidet besonders unter den Folgen von Krieg und Krise in der Region.

Seit dem 7. Oktober 2023 hat Israel das Westjordanland abgeriegelt und die Übergänge weitgehend geschlossen. Damit sind die meisten palästinensischen Pendler, die täglich zur Arbeit nach Jerusalem fuhren, praktisch arbeits- und einkommenslos. Zudem kommen infolge internationaler Reisewarnungen kaum ausländische Besucher. Die Tourismusbranche, auf der Bethlehems Wirtschaft zu mehr als 60 Prozent basiert, ist komplett eingebrochen. Mit katastrophalen Folgen vor allem für die Christen, die zu 90 Prozent in diesem Sektor beschäftigt sind oder davon abhängen.

Dieser Einbruch ist in Jesus‘ Geburtsstadt unübersehbar. Hotels sind geschlossen, viele Restaurants öffnen gar nicht oder nur für wenige Stunden. Der Platz vor der 1.500 Jahre alten Geburtskirche, auf dem sich sonst die Pilger drängen, ist verwaist. Nur zwei Polizisten warten auf einer Bank neben dem Eingang. Zur Geburtsgrotte, vor der Menschen sonst eine Stunde lang anstehen, steigen nur vereinzelt Besucher hinab.

Rund um das Gotteshaus sind sie meisten Geschäfte geschlossen, in denen Kunden sonst Holzschnitzarbeiten, Krippenfiguren oder Ikonen kaufen. Die Handwerker bleiben auf ihren Waren sitzen, wie Händler Rony am Beginn der Milchgrotten-Straße. Vor seinem traditionsreichen Geschäft hängen Fotos von Papst Franziskus und Johannes Paul II. Rony bemüht sich um Export-Kontakte, um wenigstens einige Artikel zu verkaufen. Aufgeben will er nicht, weil er ohne Hoffnung nicht leben könne.

Auch Schwester Aleya im Caritas Baby Hospital im Norden Bethlehems versucht, die Zuversicht nicht zu verlieren – im Schatten der acht Meter hohen Grenzmauer zu Israel. Die Klinik, in der jährlich rund 50.000 palästinensische Kinder behandelt werden, erbringe als einzige entsprechende Fachklinik im Palästinensergebiet nicht nur medizinische Spitzenleistung, erläutert sie. Wesentlich sei die menschliche Fürsorge für die Patienten, die oft nur unter großen Schwierigkeiten und über viele Checkpoints das Krankenhaus erreichten. Fast alle seien Muslime.

Die Menschen hätten sich an den Krieg gewöhnt, viele seien mutlos angesichts der Schwierigkeiten, sagt die indische Ordensoberin. „Wir versuchen, ihnen durch Zuwendung etwas Hoffnung zu geben und damit Gottes Liebe zu zeigen.“ Im Prinzip stehe man in der Stadt vor der gleichen prekären Lage wie vor 2.000 Jahren, als Christus in einem Stall geboren worden sei.

Das Zeremoniell zum katholischen Weihnachten am 24. Dezember – die Orthodoxen feiern knapp zwei Wochen später – ist von einem strikten Regelwerk geprägt. Am frühen Nachmittag des Heiligabend trifft der Lateinische Patriarch Kardinal Pierbattista Pizzaballa in Bethlehem ein und geht zu Fuß durch die Stern-Straße zur Geburtskirche. Angeführt wird die Prozession von Pfadfindergruppen, diesmal ohne Musik und laute Trommlerchöre. Auf dem Krippenplatz wird er vom Bürgermeister und den kirchlichen Würdenträgern der Stadt begrüßt, bevor er in die Geburtskirche einzieht.

Für die Christmette in der katholischen Katharinenkirche werden in diesem Jahr keine Einlass-Tickets ausgegeben, auf die es in früheren Jahren stets einen erbitterten Run gab. Jeder kann kommen, vor allem die einheimischen Christen, aber auch die im Raum Tel Aviv tätigen ausländischen Arbeiter und Diplomaten. Die ersten Reihen sind für die palästinensische Staatsführung reserviert. Ob Präsident Mahmud Abbas persönlich an dem Gottesdienst teilnimmt, ist unklar. Eine Eintrittskarte benötigt er jedenfalls nicht.

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Das Vertrauen verloren: Viele misstrauen der Nahost-Berichterstattung

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Experte: Schwindende Lebenschancen für Jugend im arabischen Raum

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In vielen Ländern sieht die Jugend kaum Perspektiven für ihre Zukunft. „Einfach so“ verließen sie ihre Heimat dennoch nicht, sagt der Leiter einer Studie zum Thema.

München (KNA). Jungen Menschen in Nordafrika und im Nahen Osten fehlen zunehmend Perspektiven: Davor warnt der Arabistik-Professor Jörg Gertel. „Wenn so viele Krisen zusammentreffen, unsichere Arbeitsplätze, bewaffnete Konflikte, Nahrungsunsicherheit und extreme Lebensunzufriedenheit, dann kann man das als eine Enteignung von Lebenschancen sehen“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“.

So sei es „alarmierend, wenn zwei Drittel der jungen Erwachsenen angeben, dass sie nicht mehr dazu imstande sind, eine Waschmaschine zu kaufen, wenn Ersatz nötig ist“.

Gertel bezog sich auf eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung, an der er federführend beteiligt war. Vor zehn Jahren sei es für Angehörige der oberen Mittelschicht in Tunesien etwa noch möglich gewesen, einmal im Jahr nach Frankreich zu reisen. „Das war eine typische Ambition“, erklärte er. Für den weitaus größten Teil der Bevölkerung brächen nicht Auslandsreisen weg, „sondern der sichere Zugang zu Nahrungsmitteln. Obst und Fleisch sind ein absoluter Luxus.“

Dennoch täten sich die meisten jungen Menschen in der Region schwer damit, ihre Familie und ihr Umfeld zu verlassen. „Sie ringen mit sich, bevor sie losziehen nach Europa. Denn sie wissen, wie schwierig eine Flucht dorthin ist.“ Zugleich hätten 2016 noch 58 Prozent der Befragten angegeben, definitiv nicht auswandern zu wollen; heute sagten dies nur noch 45 Prozent. „Wenn man 16 oder 21 Jahre alt ist und im Leben etwas erreichen möchte, gleichzeitig im eigenen Land aber keine Perspektive erkennt, dann sind einige eher bereit, etwas zu riskieren“, so Gertel.

Der Glaube an Gott gebe vielen Befragten dennoch Zuversicht, fügte der Experte hinzu. Ebenso sei der Glaube an familiäre Werte sehr hoch. „Was besonders interessant ist: Für über 80 Prozent ist Religion eine Privatangelegenheit, in die man sich nicht einmischen soll.“

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